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Benutzername: 
Christine
Wohnort: 
Südhessen

Bewertungen

Insgesamt 75 Bewertungen
Bewertung vom 25.07.2022
Eine Feder auf dem Atem Gottes
Nunez, Sigrid

Eine Feder auf dem Atem Gottes


ausgezeichnet

Schwer einzuordnen

Dies war mein zweites Buch von Sigrid Nunez. Und genauso wie bei „Was fehlt dir“, fällt es mir auch bei „Eine Feder auf dem Atem Gottes“ schwer, es einzuordnen. Was genau habe ich da eigentlich gelesen? Eine fiktive Geschichte oder doch ein autobiographischer Roman? Ich bin mir nicht sicher, zudem es auch kein Nachwort gibt, welches diese Frage klären würde.

In Bruchstücken erzählt die Autorin zunächst die Geschichte ihrer Eltern. Gerade diese beiden Kapitel über Chang und Christa (was für eine ungewöhnliche Namenskonstellation) haben mir außerordentlich gut gefallen. Die Sprache war lebendig und bildhaft, die Figuren zum Greifen nah. In der zweiten Hälfte lernen wir dann die junge Sigrid kennen, ihre Träume und Ängste. Auch hier war ich noch ganz gefesselt von diesem ungewöhnlichen Roman. Der vierte Abschnitt hat mich dann leider etwas enttäuscht. Die Liebesgeschichte mit Vadim war nicht ganz so meins.

Insgesamt war es aber eine tolle Lektüre und für Liebhaber zeitgenössischer Literatur absolut zu empfehlen. Insbesondere dieses „Fremdsein“ in der eigenen Familie ist mir sehr Nahe gegangen. Frau Nunez hat wirklich einen großartigen Erzählstil und ich freue mich schon auf den nächsten Roman von ihr.

Bewertung vom 17.07.2022
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Bervoets, Hanna

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ausgezeichnet

Ungewöhnlich

Das Buch behandelt ein Thema, über das ich bisher noch nie nachgedacht habe. Wer ist das eigentlich, der die Posts auf unseren unzähligen Plattformen kontrolliert und nach welchen Richtlinien? Und was macht das mit einem?

Die Umsetzung fand ich spannend und ungewöhnlich gemacht. Es war vielleicht nicht unbedingt, das was ich erwartet habe – aber gelohnt hat es sich trotzdem.

Ich hätte mir aber durchaus mehr Seiten gewünscht. Das dünne Büchlein war ruck zuck durchgelesen und am Ende war ich leider nicht schlauer als vorher. Aus der Thematik hätte man noch so viel mehr machen können. Zudem mir der Schreibstil von Hanna Bervoets außerordentlich gut gefallen hat.

Vielleicht noch kurz zum Cover. Optisch wirklich schön – nur finde ich es absolut nichtssagend. Schade, dass die Verlage aktuell so in Pastellfarben schwelgen. Leider sagt so ein Cover so gar nichts über ein Buch aus.

Bewertung vom 16.07.2022
Als das Böse kam
Menger, Ivar Leon

Als das Böse kam


sehr gut

Vielversprechender Anfang, dann leider enttäuschend

Als ich das Buch gesehen habe, wusste ich sofort – das muss ich haben. Schon das Cover hat mich direkt angesprochen. Eine einsame Hütte im Wald finde ich immer spannend. Und der Klappentext versprach mal einen etwas anderen Thriller. Mit dieser Erwartungshaltung bin ich dann an die Lektüre gegangen.

Der erste Teil war dann auch noch recht vielversprechend. Nur leider war die Luft danach irgendwie raus. Vieles hat nicht zusammengepasst, war nicht nachvollziehbar. Der Schreibstil war mir auch zu einfach gestrickt. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich lese einen Jugendthriller.

Gleichzeitig war das Buch aber auch ein echter Pageturner. Kaum aus der Hand zu legen. Trotzdem hat es mich am Ende leider enttäuscht. Vielleicht war meine Erwartungshaltung hier aber auch zu hoch. Das Buch ist wohl eher etwas für Neueinsteiger im Thriller-Genre.

Bewertung vom 09.07.2022
Was ich nie gesagt habe / Gretchen Bd.2
Abel, Susanne

Was ich nie gesagt habe / Gretchen Bd.2


ausgezeichnet

Tolle Fortsetzung von „Stay away from Gretchen“

„Was ich nie gesagt habe“ ist eine tolle Fortsetzung von „Stay away from Gretchen“. Wieder erzählt die Autorin die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Zum Einen begleiten wir Tom und Greta in der heutigen Zeit (2016 – 2019). Wir knüpfen dabei direkt an die Ereignisse aus dem Vorgängerband an.

In der zweiten Erzählebene lernen wir die Lebensgeschichte von Konrad kennen, dem Ehemann von Greta. Gerade diese Kapitel fand ich ganz besonders spannend. Die Autorin webt dabei wieder viele historische Details in den Roman ein. Mir war z.B. nicht bekannt, dass im zweiten Weltkrieg deutsche Kriegsgefangene durchaus in die USA überführt wurden und dort in Lagern auf den Baumwollfeldern arbeiteten. Sehr gelungen fand ich auch, wie man Stück für Stück erfahren hat, warum Konrad so geworden ist, wie er ist. Und ich musste manchmal echt schlucken. Ein wirklich emotionales Buch.

Jetzt bin ich auf den nächsten Roman von Susanne Abel gespannt. Ob die Geschichte um Gretchen weiter geht? Oder wird sie sich einem ganz anderen Thema widmen? Aber egal was, ich werde es bestimmt lesen!

Bewertung vom 11.06.2022
Das U-Boot
Leister, Hans

Das U-Boot


sehr gut

Spannend, aber „Der Tunnel“ fand ich besser

Hans Leister ist für mich tatsächlich kein Unbekannter. Vor gut zwei Jahren habe ich schon seinen Debütroman „Der Tunnel“ gelesen. Das ich am Anfang extrem stark fand und mich emotional echt gefordert hat. In der Mitte wurde es etwas langatmig und das Ende fand ich eher unglaubwürdig. Trotzdem ist es ein Buch, das mir heute noch im Gedächtnis herumschwirrt und das schaffen – bei meinem Lesekonsum – nicht viele Bücher.

Daher war ich natürlich extrem auf sein zweites Buch gespannt, welches ja auch im gleichen „Universum“, wie damals „Der Tunnel“, spielt.

Hier war es dann eher umgekehrt. Ein recht langatmiger Anfang – spannend wurde es dann erst nach Beginn der Katastrophe. Letztendlich erfahren wir auch hier nicht wirklich, was genau passiert ist. Aber das finde ich eigentlich nicht schlimm.

Dann möchte ich noch etwas zur Aufmachung des Buches sagen. Ein absoluter Augenschmaus – tolle Optik. Nur leider scheint das seinen „Preis“ zu haben. Ich hatte noch nie ein Buch, das so unangenehm chemisch gerochen hat. Auch nach tagelangem auslüften (es war zuvor komplett eingeschweißt) wurde es nur geringfügig besser. Dann hätte ich auf den farbigen Buchschnitt lieber verzichtet. Das Lesevergnügen hat sich bei mir dadurch erheblich reduziert.

Bewertung vom 28.05.2022
Die Freundinnen vom Strandbad - Wellen des Schicksals / Die Müggelsee-Saga Bd.1
Heiland, Julie

Die Freundinnen vom Strandbad - Wellen des Schicksals / Die Müggelsee-Saga Bd.1


sehr gut

Schöne Sommerlektüre

Dieser erste Band der Müggelsee-Saga war für mich eine richtig schöne Sommerlektüre. Drei Mädchen, lernen sich im Sommer 1956 im Strandbad kennen und eine unzertrennliche Freundschaft entsteht.

Beschrieben werden neben dieser Freundschaft auch die Lebensumstände der drei Frauen und auch viele Details der damaligen Zeit in der DDR wurden in die Geschichte eingewebt.

Es kommt schon gut rüber, dass das Leben in der damaligen DDR nicht einfach war und gerade wenn man gegen den Strom geschwommen ist, hatte man eigentlich keine Chance ein glückliches und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Ein Satz fand ich besonders treffend und auch beängstigend: „Solche Dinge sagte man nicht in der DDR. Schon gar nicht, wenn noch eine Person im Raum war, die man kaum kannte.“

In die Tiefe geht das Buch aber natürlich nicht – es ist halt eine schöne Sommerlektüre, bei der es auch ein paar ernste Themen gibt.

Bewertung vom 29.03.2022
Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach
Mattera, Julia

Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach


sehr gut

Jemanden zu seinem Glück zwingen

Robert ist ein richtiger und im Großen und Ganzen auch zufriedener Einzelgänger. Sein Lebensraum ist auf eine Auberge im Elsass beschränkt. Dort versorgt der die Tiere und vor allem den Gemüsegarten. Denn gerade dieser Garten ist seine größte Freude. Alleine ist der aber nicht. Mit ihm Leben seine Schwester und deren beiden kleinen Kinder auf dem Hof. Das reicht ihm auch als Gesellschaft. So steht er zwar jeden Tag in der Küche, um ein exzellentes Essen für die Gäste zuzubereiten, aber alle anderen Kontakte mit den Gästen überlässt er seiner Schwester. Doch eines Sommers treten zwei weitere Frauen in sein Leben und wirbeln es deutlich durcheinander.

Ich muss leider sagen, so wirklich überzeugt hat mich die Geschichte nicht. Ich hatte ständig das Gefühl, dass man Robert zu etwas drängt und schiebt, dass er so eigentlich nicht will. Der Satz „Jemandem zu seinem Glück zwingen“ schwirrte mir immer wieder durch den Kopf. Und „zwingen“ ist halt doch der falsche Weg. Ich denke vielen Lesern wird die Geschichte sehr gut gefallen haben, bei mir hat sie aber ein Störgefühl hinterlassen, leider.

Bewertung vom 19.03.2022
Für diesen Sommer
Klönne, Gisa

Für diesen Sommer


ausgezeichnet

Ein Krieg prägt auch die nächsten Generationen

Schon die erste Szene des Buches hat mich gepackt: Franziska steht vor der Tür ihres Elternhauses. Drinnen ist ihr gebrechlicher und pflegebedürftiger Vater. Und sie zögert die Klingel zu betätigen. Am Liebsten würde sie einfach wieder umdrehen und, wie sie es schon so oft getan hat, weglaufen. Doch diesen Sommer wird die sich vor der Verantwortung nicht drücken. Sie wird sich ihrer Familie und ihren Erinnerungen stellen.

Ich finde, die Autorin beschreibt den Einfluss von Krieg auf Familienstrukturen und späteren Generationen sehr gut. Auch wenn die Eltern über den Krieg kaum gesprochen haben. Über die Flucht, die Verluste, die zertrümmernden Städte, die erlebten Trauma. So hat all das die Eltern geprägt und das überträgt sich auf Franziska und ihre ältere Schwester Monika. Auch ein Krieg der schon lange vorbei ist, beeinflusst und begleitet die nächsten Generationen.

Ein tolles Buch, das ich sehr gerne gelesen habe. Als kleines I-Tüpfelchen kam noch hinzu, dass ich in Darmstadt wohne und ich die im Buch beschriebenen Orte dementsprechend direkt vor Augen hatte.

Bewertung vom 15.03.2022
Mongo
Darer, Harald

Mongo


ausgezeichnet

Die Unsichtbaren

Als Harry einen panischen Anruf von seiner Frau Katja erhält, befürchtet er das Schlimmste. Den Satz „Ich bin schwanger!“ hätte er dabei allerdings nicht erwartet. Doch die Bedenken von Katja rühren daher, dass sie einen älteren Bruder mit Trisomie 21 hat. Und Katja weiß eben, welche Anfeindungen ihr Bruder Marcus und ihre Familie dadurch erleben mussten.

Für Harry ist das Ganze dagegen etwas völlig Neues und zunächst versucht er analytisch an die Sache heranzugehen. Er möchte möglichst viele Sichtweisen berücksichtigen, um seine eigene Sichtweise zu prüfen und zu hinterfragen.

Dabei beginnt er in seiner Kindheit. Welche Erfahrungen und Erlebnisse hatte er damals mit behinderten Menschen? Wie ist sein Umgang und Erleben mit Katjas Bruder Marcus? Wie sichtbar sind Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen in unserer Gesellschaft überhaupt? Und Harry stellt mehr und mehr für sich fest, dass man letztendlich keine Pro- und Contraliste erstellen kann. Es zählt nur der Mensch und der ist immer unendlich wertvoll, egal welche Einschränkungen dieser hat.

Für mich war es eine spannende, humorvolle und intensive Lektüre. Auf gerade mal 224 Seiten hat es der Autor geschafft, das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und gleichzeitig viel Herz und Gefühl in die Darstellung der Protagonisten zu legen. Ein echtes Jahreshighlight!

Bewertung vom 14.03.2022
Die Kinder sind Könige
Vigan, Delphine de

Die Kinder sind Könige


ausgezeichnet

Schöne neue Welt

Melanie ist gerade im besten Teenageralter, als Fernsehsendungen a la „Big Brother“ auf den TV-Kanälen ausgestrahlt werden. Für sie es eine Offenbarung. So leicht kann man also berühmt werden. Doch ihre eigenen Versuche in der Fernsehwelt der Reality-Formate Fuß zu fassen, sind nicht wirklich erfolgreich. Jahre später bietet Youtube neue Möglichkeiten. Um immer mehr Likes und Klicks zu generieren, „vermarktet“ Melanie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre beiden kleinen Kinder. Bis eines Tages ihre Tochter Kimmy spurlos verschwindet.

Das hört sich zunächst nach einem Thriller an, ist es aber bei Weitem nicht. Delphine de Vigan setzt sich hier sehr kritisch mit der aktuellen Mediengesellschaft auseinander und insbesondere mit der Vermarktung von Kindern. Das alles wurde in einen sehr spannenden und lehrreichen Roman verpackt.

Natürlich kannte ich vieles, was hier zur Sprache kommt. Bei einigen Details war ich aber wirklich überrascht, dass es so etwas gibt. Eine der Protagonisten des Buches sagte es treffend: „Man muss es sehen, um es zu glauben“.

Für mich war es eine erschreckende und nachdenklich machende Lektüre. Was tun wir hier unseren Kindern an? Berühmt um jeden Preis? Wollen Kinder das wirklich?

Ich kann das Buch absolut empfehlen! Und ich werde mir auf jeden Fall auch die anderen Bücher von Delphine de Vigan ansehen.