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Benutzername: Elchi130
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Danksagungen: 9 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 166 Bewertungen
Bewertung vom 29.11.2021
Late Night / Unter Haien Bd.1
Welling, Nora

Late Night / Unter Haien Bd.1


sehr gut

Nora Welling schreibt einfach toll

Der erfolgreiche Selfmade-Millionär Ruben Stephanski ist Teil der TV-Show Unter Haien. Hier suchen Jungunternehmer nach Investoren, die sie und ihre Ideen beim Unternehmensstart unterstützen. Die junge Programmiererin Louisa hat ein Programm entwickelt, das Autisten die Kommunikation erleichtern soll. Ruben ist sowohl von der Idee als auch von Louisa überzeugt und bietet ihr an, ein Jahr lang ihr Mentor zu sein. Obwohl beide versuchen, ihre geschäftliche Professionalität zu wahren, kommen sie sich doch unweigerlich näher…

Nora Welling gelingt auch in ihrem neuen Buch „Late Night – Unter Haien“ wieder der Spagat zwischen einer schönen Liebesgeschichte und der Vermittlung tiefgründiger, ernster Themen. Sie zeigt uns, welchen Preis Workaholics für den Ruhm und den Erfolge zahlen können. Wir können sehen, wie unterschiedlich die Kommunikation von Menschen aus dem Autismusspektrum und aus dem Bereich der Neurotypiker ist. Zudem dürfen wir an einer Liebesgeschichte teilhaben, die nicht in dem Bereich der Märchen fällt, sondern sich an der Realität orientiert.

Sehr gut gelungen ist auch die Darstellung von Louisa. Ist sie zu Beginn noch unerfahren und unsicher auf dem Parkett der Arbeitswelt, findet sie nach und nach in ihre Rolle hinein und lernt es, selbstbewusst aufzutreten und für sich und ihr Produkt einzustehen, indem sie anderen klare Grenzen setzt.

Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend, sowohl für die Geschichte als auch für die Figuren. Es macht Spaß, sich in der beschriebenen Welt zu verlieren, was an den tollen Einfällen der Autorin liegt. So schafft sie es, aus einem hektischen und anstrengenden Büroalltag durch innovative Ideen und spielerische Elemente einen Platz zu erschaffen, an dem ich als Leserin sehr gerne meiner Arbeit nachgehen würde. Die Ideen, wie unser Leben nachhaltiger und umweltfreundlicher gestaltet werden könnte, haben mir ebenfalls super gefallen.

Das Besondere an den Büchern der Autorin ist, dass sie versucht, uns eine Geschichte zu erzählen, die sich an der Wirklichkeit orientiert. Dadurch schafft sie persönliche Nähe zu den Figuren. Diese Figuren haben zudem mit realen Problemen zu kämpfen, die auch in unserem Leben auftreten könnten. In diesem Buch haben diese Schwierigkeiten, mit denen die Protagonisten zu kämpfen hatten, jedoch so viel Raum eingenommen, dass mir die Liebesgeschichte zu sehr in den Hintergrund getreten ist. Zudem hätte mir eine Sexszene genügt. Dafür hätte ich lieber noch eine Szene gelesen, in der die Verbundenheit, Nähe und Gefühle der beiden Liebenden verdeutlicht worden wären.

Fazit: Alles im Allem eine schöne Geschichte, die ernste Themen behandelt, tolle Ideen aufweist. Für mich hätte lediglich die Liebesgeschichte noch weiter im Vordergrund stehen dürfen.

Bewertung vom 28.11.2021
In ewiger Freundschaft / Oliver von Bodenstein Bd.10
Neuhaus, Nele

In ewiger Freundschaft / Oliver von Bodenstein Bd.10


ausgezeichnet

Hat alles, was ich mir von einem guten Krimi wünsche

Die neuesten Ermittlungen führen Pia Sander und Oliver von Bodenstein in die Verlagswelt. Heike Wersch, war bis vor kurzem Programmleiterin beim Traditionsverlag Winterscheid. Doch nach ihrer fristlosen Kündigung teilt sie gegen ihren früheren Arbeitgeber und einen ihrer erfolgreichsten Schriftsteller aus. Als sie spurlos verschwindet, beginnen Sander, Bodenstein und das Team zu ermitteln und müssen bald feststellen, dass sie in ein Wespennest gestochen haben…

Für mich ist „In ewiger Freundschaft“ von Nele Neuhaus einer der besten Kriminalromane, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Das Privatleben von Oliver Bodenstein gestaltet sich immer schwieriger und nimmt einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit in Anspruch. Die privaten Probleme des Kommissars fand ich jedoch genauso spannend, wie den Kriminalfall, den uns die Autorin präsentiert.

Sehr gut gefallen hat mir, dass die Ermittlungen im Verlagswesen stattfinden und ich als Leserin einen kleinen Einblick in die Welt von Schriftstellern, Literaturagenten und Verlagen erhalten habe. Hier Mäuschen zu spielen fand ich genauso spaßig, wie die Anspielungen auf die Krimis von Pias Exmann, Dr. Henning Kirchhoff, der nach seinem großen Erfolg „Eine unbeliebte Frau“ vor der Veröffentlichung seines zweiten Buches steht.

Doch losgelassen hat mich das Buch nicht mehr, weil die Autorin uns viele Verdächtige und mindestens ebenso viele Fährten präsentiert. Dabei erscheint jede Figur, die Heike Wersch kannte, verdächtig und alle Beteiligten scheinen ein gutes Motiv zu haben, sich an ihr zu rächen. Wir dringen nach und nach immer tiefer in die Verwicklungen des Verlages und das Netz der langjährigen Freundschaften von Heike Wersch ein. Schnell wird klar, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Durch raffinierte Winkelzüge treibt die Autorin die Handlung immer weiter vorwärts und hält somit ein stets hohes Niveau der Spannung. Ein Weglegen des Buches wurde mir dadurch unmöglich gemacht.

Besonders die Verbindung zu den Ereignissen in der Vergangenheit war faszinierend. Die Auflösung der Rätsel hat mir sehr gut gefallen und zeigte noch einmal die Verstrickungen der Figuren untereinander.

Fazit: Unbedingt lesen!

Bewertung vom 20.11.2021
The Sky in your Eyes - Island-Reihe, Band 1 (Ungekürzte Lesung) (MP3-Download)
Mohn, Kira

The Sky in your Eyes - Island-Reihe, Band 1 (Ungekürzte Lesung) (MP3-Download)


gut

Die weibliche Hauptfigur war sehr anstrengend

Nachdem ihre erste Beziehung gescheitert ist, zieht Elin wieder bei ihren Eltern ein. Sie ist am Boden zerstört, weil ihr Expartner Daniel ihr Selbstwertgefühl konsequent zerstört hat. Denn Elin ist dicker als der Durchschnitt und die Diskriminierung lauert an jeder Ecke. Als sie bei einem Kochkurs Jon kennenlernt, steckt sie zwischen dem Wunsch nach Liebe und der Angst vor einer erneuten Zurückweisung fest.

Bereits seit der Leuchtturm-Trilogie liebe ich die Bücher von Kira Mohn. Sie verbindet gefühlvolle Liebesgeschichten mit Traumorten und gesellschaftlich wichtigen Themen. Auch hier war ich zu Beginn des Hörbuches sehr angetan von den Themen. Wir erleben Elins Selbstzweifel und ihre verzerrte Selbstsicht aus ihren Gedanken. In diese Gedankenwelt lässt uns Kira Mohn tief blicken. Das ist sehr gut und wichtig. Elin kann ihren Körper nicht so akzeptieren, wie er ist. Sie schämt sich, dass sie dick ist und einfach nicht dem Ideal entsprechen kann, das sie für perfekt hält. In ihren Gedankengängen konnte ich mich sehr gut wiederfinden. Ich denke, gerade Frauen kämpfen oft mit dem Gefühl, nicht zu genügen, nicht gut genug, nicht liebenswert zu sein. Diese Gefühlswelt hat die Autorin gut getroffen und perfekt herausgearbeitet. Typisch war auch, dass Elin die verletzenden Aussagen ihres Umfeldes wie einen Schwamm aufsaugt, den Fehler stets bei sich sucht, anstatt den Fehler beim Gegenüber zu suchen. Denn, was jemand über dich sagt, sagt mehr über den anderen als über dich aus.

Manchmal ist es mir aufgrund des Hörbuches schwer gefallen, herauszufinden, was Elin nur gedacht und was sie ihrem Gegenüber laut gesagt hat. Da jedes Gespräch mit anderen Menschen umgeben war von ihren Gedanken. Gewünscht habe ich mir oft, dass sie ihre Umwelt an ihren Gedanken teilhaben lässt. Gerade Jon ist für mich ganz klar ein Held, denn er lässt sich von Elins Schweigen und nicht ausgesprochenen Gedanken nicht vertreiben. Ich hätte das Handtuch geworfen angesichts der widersprüchlichen Handlungen Elins und ihrer verstockten Art. Das war dann auch im Verlauf der Geschichte immer mehr mein Problem mit dem Buch. Elin steckt in Grübelschleifen fest, redet sich alles und jeden schlecht, redet jedoch nicht mit ihren Mitmenschen über ihre Gedanken, Erfahrungen und Probleme. Das Verhalten von Elin habe ich als so extrem empfunden, dass ich mehrfach überlegt habe, die Geschichte abzubrechen. Es war einfach unerträglich für mich.

Meiner Ansicht nach hat die Autorin es mit der Nabelschau zu weit getrieben. Die innere Zerrissenheit, die fehlende Selbstliebe und die Unfähigkeit, Grenzen zu setzen, sind mir als Leserin schnell klar gewesen. Von der Autorin ständig darauf aufmerksam gemacht zu werden, hat mir einfach die Freude an der Geschichte genommen.

Gerettet hat für mich „The sky in your eyes“ eindeutig Jon. Er war einfach fantastisch, voller Empathie, Verständnis und positiven Gefühlen. Die Szenen, die die Stunden des Kochkurses beschrieben haben, waren wundervoll und haben mir sehr viel Spaß bereitet.

Die Sprecherin Dagmar Bittner kenne und liebe ich bereits aus anderen Hörbüchern. Sie war, wie üblich, auch bei diesem Hörbuch toll. Ich mag ihre Art zu lesen und den Figuren Leben einzuhauchen. Für mich ist sie immer eine gute Wahl und ich freue mich stets, wenn ich sehe, dass sie ein Hörbuch liest. Da greife ich dann gerne zu.

Bewertung vom 20.11.2021
Die Schönheit des Himmels
Biasini, Sarah

Die Schönheit des Himmels


weniger gut

Ich verstehe nicht, warum die Autorin daraus ein Buch gemacht hat

Sarah Biasini, die ihre berühmte Mutter, Romy Schneider, im Alter von 4 Jahren verloren hat, erwartet nun ihr erstes Kind. Dabei beschäftigt sie sich mit ihrer Rolle als Tochter und der als Mutter. Um ihrer Tochter etwas zu hinterlassen, fängt sie an, diese Gedanken für ihre Tochter aufzuschreiben.

Ich war sehr gespannt darauf, wie es ist, als Tochter eines Stars aufzuwachsen. Besonders neugierig war ich darauf, zu erfahren, was macht es mit dem Mädchen und später der Frau, wenn diese berühmt Mutter früh gestorben ist und die eigenen Erinnerungen kaum vorhanden sind. Doch schnell habe ich gemerkt, dass ich hierauf nur wenige Antworten erhalten werde. Oft muss ich eher zwischen den Zeilen lesen.

Sarah Biasini leidet darunter, dass alle Welt sie auf ihre Mutter anspricht. Jeder Mensch scheint eine ganz eigene Beziehung zu Romy Schneider zu haben und ihr diese mitteilen zu wollen. Nur sie, die Tochter, hat kaum Bezüge zur berühmten Mutter. Als Spätgebärende wird die Autorin schwanger und setzt sich daraufhin mit ihrer verstorbenen Mutter, ihrer Großmutter, die sie aufgezogen und geliebt hat wie eine Mutter und mit ihrer eigenen Rolle als Mutter auseinander. Das macht sie in Texten an ihre erst ungeborene und nun kleine Tochter. Diese Texte, die sich lesen wie Tagebucheinträge hat sie nun veröffentlicht. Doch warum tut sie dies, wenn sie doch gerade darunter leidet, dass sie in der Öffentlichkeit ständig auf ihre Mutter angesprochen wird? Warum tut sie dieses Schicksal auch ihrer Tochter an, indem sie die intimen Gedanken für ihre Tochter mit der ganzen Welt teilt? Das ist für mich vollkommen unverständlich. Was verspricht sie sich davon?

Doch genauso stelle ich mir die Frage, warum veröffentlicht ein Verlag diese Tagebucheinträge bzw. Briefe an die Tochter? Als Grund kann ich mir nur vorstellen, dass sich das Buch der Tochter einer berühmten Schauspielerin gut verkaufen lässt, egal, um was es geht. Auf dem Buchrücken gibt es auch sofort den Hinweis, dass Sarah Biasini die Tochter von Romy Schneider ist. Genau das hat ja auch mein Interesse an dem Buch geweckt. Ich wollte einfach wissen, wie es ist, im Schatten einer so bekannten Frau aufzuwachsen oder im Verlust dieser Berühmtheit groß zu werden.

Das Buch bietet tiefe Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Autorin. Diese sind meiner Ansicht nach für Verlage nur interessant, weil die Autorin eine berühmte Mutter hat. Von keinem Ottonormalbürger würden solche Schriften das Interesse eines Verlages erwecken. Für mich war das Buch leider kaum interessant, meine Erwartungen wurden nicht erfüllt, meine Neugierde nicht gestillt. Das Buch kann man nach meiner Ansicht getrost ungelesen in der Buchhandlung liegen lassen.

Bewertung vom 18.11.2021
Dance into my world - MOVE-District Reihe, Band 1 (Ungekürzt) (MP3-Download)
Haase, Maren Vivien

Dance into my world - MOVE-District Reihe, Band 1 (Ungekürzt) (MP3-Download)


gut

Leider nur Durchschnitt

Jade flieht aus der Kleinstadt, in der sie aufgewachsen ist, nach New York, um dort noch einmal neu anzufangen. Um sich über Wasser zu halten, jobbt sie in einem Cafe, indem sie ihre Kollegin Olivia kennenlernt, die schnell zu einer guten Freundin wird. Olivia ist Tänzerin und verbringt jede freie Minute im Move-District-Studio, wo sie auch Tanzunterricht erteilt. Nach anfänglichem Zögern begleitet Jade sie und wird schnell süchtig nach den Tanzkursen. Hier begegnet sie Austin. Doch kann sie ihm trauen, nachdem, was sie in ihrer Heimatstadt erlebt hat?

Ich mag Liebesgeschichten, die in der Welt der Kunst spielen und „Dance into my world“ von Maren Vivian Haase hörte sich von der Kurzbeschreibung her sehr vielversprechend an. Doch leider war ich in weiten Teilen von der Protagonistin genervt.

Jade ist ein einziger Komplex. Sie zweifelt an sich, ihrem Können, ihrem Leben und allem, woran man zweifeln kann. Leider bleibt ihr das mangelnde Selbstvertrauen bis zum Schluss des Buches erhalten. Zudem wiederholt sie in Gedanken gebetsmühlenartig, dass ihr in ihrer Heimat etwas Schlimmes passiert ist, sie früher anders war usw. Normalerweise stören mich Wiederholungen nicht sonderlich. Aber in diesem Buch wird das Mittel wirklich übertrieben. Es steigert nicht die Neugierde oder Spannung, sondern nervt und sorgt dafür, dass mein Interesse an dem „Was ist denn passiert“ erlahmt.

Zudem füllt die Autorin die Seiten mit einer endlosen Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten. Alle Räume, die betreten werden, müssen bis ins kleinste Detail beschrieben werden, ebenso wie die alltäglichen Dinge, die jeder Mensch täglich verrichtet, z. B. Tee trinken, Pizza essen. Auch an den uninteressanten Gedankensprüngen ihrer weiblichen Hauptfigur haben wir Anteil und erfahren genau, was sie zu ihren Haaren meint, was an ihnen stimmt und was nicht.

Gerettet hat das Buch für mich die wirklich süße Liebesgeschichte und der männliche Protagonist. Austin ist einfach Zucker und tut der Geschichte unglaublich gut. Genau solche Typen braucht das Land. Auch als Paar sind die beiden einfach toll und das Knistern ist bei mir angekommen.

An die Sprecherin Funda Vanroy musste ich mich erst gewöhnen. Gerade zu Beginn des Hörbuchs betont sie die einzelnen Wörter überdeutlich. Im weiteren Verlauf ist mir das nicht mehr aufgefallen. Allerdings kann ich nicht sagen, ob sie sich zu Beginn einfach einlesen musste oder ob ich mich an ihre Art gewöhnt hatte. Im weiteren Verlauf war sie okay für mich, jedoch auch nichts Besonderes.

Da mich die Liebesgeschichte überzeugen konnte, werde ich auch die nächsten beiden Teile lesen. Besonders auf die Geschichte von Olivia und Dax bin ich sehr gespannt.

Bewertung vom 18.11.2021
Der Anschlag auf Dulgath (Riyria-Chroniken, Bd. 3)
Sullivan, Michael J.

Der Anschlag auf Dulgath (Riyria-Chroniken, Bd. 3)


sehr gut

Hat mich nicht so begeistert wie die anderen Bände

Der dritte Band der Riyria Chroniken führt Royce und Hadrian aus dem Norden ganz in den Süden des Reiches. Auf die Gräfin Nysa Dulgath sind bereits drei Attentate verübt worden. Riyria werden nun angeheuert, um weitere Anschläge zu verhindern, indem sie vorhersagen, wie diese am besten durchzuführen sind…

Ich liebe die Riyria Bände für ihren leichten, humorvollen Schreibstil. Sie lassen sich mit einer Leichtigkeit lesen, dass ich immer den Eindruck habe, geradezu durch die Seiten zu fliegen und dabei jede Menge Spaß zu haben. Und genau das fehlte mir in dem neuen Buch „Der Anschlag auf Dulgath“ von Michael J. Sullivan. Ich habe den Schlagabtausch zwischen Royce und Hadrian vermisst. Dieser war zwar teilweise vorhanden, allerdings fand ich ihn nicht so lustig wie sonst.

Die Geschichte startet gemächlicher. Es gibt eine längere Einführung in den Landesteil, den die beiden Meisterdiebe bereisen. Wir lernen die Menschen vor Ort erst ausführlich kennen, bevor die Erzählung an Tempo aufnimmt. Mir fehlte es einfach an Spannung, stattdessen erlebe ich eine Ernsthaftigkeit, die ich nicht erwartet habe.

Intrigen werden aufgebaut, die mich als Leserin jedoch nicht überraschen, sondern genau meinen Erwartungen entsprechen. Deshalb fehlte mir auch hier die Spannung. Zudem hat der Autor mehr Fantasieelemente in das Buch eingebaut, als ich es bisher von ihm kannte. Obwohl die Riyria Serien dem Fantasie-Genre zuzuzählen sind, habe ich die Entwicklungen hier allerdings als zu dick aufgetragen empfunden.

Durch das Buch habe ich wieder viel über die beiden Hauptfiguren erfahren, was ich noch nicht wusste. Die Riyria Chroniken sind als Prequel zu der Riyria Reihe angelegt. Wir haben erfahren, wie sich Royce und Hadrian kennengelernt haben, wie Riyria entstanden ist, wer sich in wen verliebt hat usw. Dadurch erhalten wir viele Hintergrundinformationen zu der Hauptreihe. Das ist unglaublich toll und macht sehr viel Spaß – und genau das habe ich auch in diesem Band wieder sehr genossen.

Fazit: Auch wenn mich der dritte Band der Riyria Chroniken nicht so begeistern konnte, wie die anderen Bücher aus der Riyria Welt, ist es trotzdem ein gutes Buch und für Fans von Hadrian und Royce ein Muss.

Bewertung vom 18.11.2021
Nico - Die Sängerin der Nacht / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.19
Roth, Mari

Nico - Die Sängerin der Nacht / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.19


gut

Schnell und gut zu lesen

Die Autorin Mari Roth widmet sich im Roman „Nico – Die Sängerin der Nacht“ dem Leben von Christa Päffgen, Künstlername Nico. Nico, 1938 geboren, wird in den 50er/60er Jahren das erste Supermodel Deutschlands. Sie geht nach Paris, um international bekannt zu werden. Als ihr das Modeln keinen Spaß mehr macht, will sie in New York Sängerin werden.

Der Schreibstil sorgte dafür, dass ich das Buch gut lesen konnte und auch schnell durch die Seiten geflogen bin. Die Autorin hat es geschafft, dass ich immer wissen wollte, was als Nächstes passiert und wie das Leben von Nico weitergeht. Das ist nach meiner Ansicht eine Leistung, denn Christa Päffgen bzw. Nico war mir von Anfang an nicht sonderlich sympathisch und im Laufe des Buches konnte ich immer weniger mit ihr anfangen.

Als Kind in Nazideutschland zeigt sie empathische Züge, als sie z.B. einem jüdischen Kind in einem Bahnwagon einen Apfel durch die Stäbe reicht. Als sie nach dem Krieg mit ihrer Mutter nach Berlin zurückkehrt, wird meine Distanz als Leserin zu ihr immer größer. Sie träumt davon, etwas Besonderes zu sein und verfolgt diesen Traum mit sehr viel Naivität. So steigt sie z.B. zu Männern ins Auto, die ihr vollkommen unbekannt sind. Doch sie hat Glück, wird entdeckt, kann ihren Traum leben.

Doch der weitere Lebensweg kommt mir selten bewusst gewählt oder geplant vor. Ihre Naivität und fehlende Bildung werden immer wieder deutlich. Sie führt ein Leben mit ständig wechselnden Liebhabern, dem Konsum jeglicher Art von Drogen, die ihr angeboten werden, und ohne Plan oder Struktur.

Sie lebt die Kunstfigur Nico, wirkt dabei innen hohl, rennt dem äußeren Schein nach. Auch ihre Beziehungen wirken sehr oberflächlich – zu den Männern, mit denen sie Affären hat sowieso, aber auch bei Menschen, die sie Freunde nennt, konnte ich keine Tiefe finden. Wiederholt wird sie im Buch als die schönste Frau der Welt bezeichnet und als Aushängeschild für die berühmtesten Männer der Welt zur Schau gestellt.

Ob Christa Päffgen tatsächlich ein oberflächlicher, nur an sich selbst denkender Mensch gewesen ist, kann ich nach der Lektüre des Buches nicht beurteilen. Sie wirkt in dem Roman „Nico – Die Sängerin der Nacht“ so. Es kann natürlich auch sein, dass die Autorin es nicht geschafft hat, dem Menschen Christa Päffgen mehr als oberflächliches Leben einzuhauchen.

Fazit: Ich habe das Buch mit Interesse gelesen und viel im Internet gesurft, um mir die Leben der Menschen anzuschauen, die ihren Weg kreuzten. Eine Hommage an den Star Nico ist das Buch jedoch nicht, denn sie erscheint mir als Leserin unsympathisch. Dieser Eindruck steigert sich im Laufe der Geschichte noch, sodass ich den früheren Wirbel um ihre Person nicht verstehen kann.

Bewertung vom 06.11.2021
Ohne festen Boden
Pätzold, Rike

Ohne festen Boden


sehr gut

Mehr Sach- als Selbsthilfebuch

Die Autorin hat mit ihrem Buch „Ohne festen Boden – Wie wir mit Ungewissheit besser umgehen und warum wir sie brauchen“ ein Buch geschrieben, das sich mit spannenden Themen auseinandersetzt. Sie zeigt uns, warum mehr Ungewissheit für mehr Auswahl im Leben und dadurch für ein interessanteres Leben sorgt. Sie zeigt uns, dass es die absolute Sicherheit nicht gibt und das Leben nur bis zu einem gewissen Grad planbar ist – und warum das gut so ist.

Das Buch bietet viele Fußnoten und Literaturhinweise. Im Laufe des Buches sind immer mehr Bücher auf meiner Wunschliste gelandet, die ich unbedingt lesen möchte. Zum einen, um das Thema von Rike Pätzold zu vertiefen, aber auch, um neue Eindrücke zu gewinnen, noch mehr über die angeschnittenen Themen zu lernen und dadurch hoffentlich auf weitere spannende Literatur zu stoßen. Selten habe ich ein Buch gelesen, in dem so durchgängig mit Quellenangaben gearbeitet wurde. Das hat mich begeistert.

Der Inhalt von „Ohne festen Boden“ hat mir sehr viele Denkanstöße geliefert und hat mich neugierig auf die vielen Themen des Buches gemacht. Oft lebt man sein Leben einfach, ohne sich großartig Gedanken über das „Wie“ zu machen. Dieses Buch regt dazu an, die Art und Weise, wie wir leben zu durchleuchten.

Unter dem Titel des Buches habe ich mir ein Selbsthilfebuch vorgestellt. Schnell habe ich jedoch festgestellt, dass es ein Sachbuch ist, das eher anstupsen will als konkrete Hilfe anzubieten. Die Autorin liefert jedoch viele Beispiele aus ihrem Leben und ihrer Segeltour um die Welt, um uns ihre Thesen zu verdeutlichen. Das lockert das Lesen sehr auf und vermittelt Nähe zum eigenen Leben.

Ein gelungenes Sachbuch, das mir die Chance zu Veränderungen in meinem Leben bietet, gute Hintergrundinformationen liefert und mich auf weitere Literatur zur Vertiefung der Themen aufmerksam macht.

Bewertung vom 06.11.2021
Kant und der sechste Winter
Häußler, Marcel

Kant und der sechste Winter


sehr gut

Guter Auftakt für Kant und sein Team

Kommissar Kant wird am zweiten Weihnachtsfeiertag zu einem Einsatz gerufen. Ein Mann ist überfahren und anschließend erwürgt worden. Kant und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Für Kant kommt dieser Fall zu einer ungünstigen Zeit, denn seine Tochter, die Mitten in der Pubertät steckt, ist gerade bei ihm eingezogen. Die beiden sind noch dabei, sich einander anzunähern und ein Gespür für das gemeinsame Zusammenleben zu finden.

Das Buch startet fesselnd und diese Spannung bleibt der Geschichte bis zum Schluss erhalten. Die Hauptfiguren, nämlich Kant und sein Team, werden nach und nach so eingeführt, dass ich mir von allen ein Bild machen kann. Nun hoffe ich darauf, dass sie in den nächsten Bänden mehr Tiefe erhalten, sodass ich nicht mehr von ihnen lassen kann.

Doch auch die anderen Figuren nehmen allmählich stärker Gestalt an, sodass sich langsam in mir ein Bild möglicher Motive zusammensetzen konnte. Für Kant beginnt ein Rennen gegen die Zeit, denn er muss weitere Morde verhindern, die Motive des Täters ermitteln und den richtigen Täter finden. Der Autor lässt seine Informationen immer im genau richtigen Maß einsickern. Dadurch habe ich das Vergnügen, über Motive und Täter zu spekulieren. Obwohl es Hinweise zu dem Täter gibt, bin ich trotzdem nicht auf die Person gekommen. Das hat mir sehr gut gefallen. Zudem legt der Autor, Marcel Häußler, ein paar Finten aus, die zusätzlich noch einmal Dramatik in die Handlung bringen.

Für Abwechslung sorgen zudem mehrere Erzählstränge. Wir begegnen dem Täter, ohne ein klares Bild von ihm zu erhalten. Er bleibt ein Schatten und ein Rätsel, welches es zu lösen gilt. Dann verfolgen wir die Ermittlungen von Kant und seinem Team. Wir bekommen zudem teilweise Einblicke in die Gedankenwelt und das Leben der Ermittler. Schließlich ist da noch Melanie, bei der erst sukzessive klar wird, was sie mit der Geschichte zu tun hat. Die Einblicke in ihr Leben steigern den Nervenkitzel und halten meine Erregung auf einem hohen Niveau.

Das Buch „Kant und der sechste Winter“ ist ein spannender erster Fall. Es punktet mit einer interessanten Story und Ermittlern, über die man mehr erfahren möchte. Gerne warte ich auf weitere Bände um Hauptkommissar Kant. Ich wünsche mir, dass mir die Ermittler durch mehr Tiefe und Einblicke in ihre Persönlichkeit, ans Herz wachsen und jeder neue Fall ein bisschen ist, als würde ich nach Hause kommen.

Bewertung vom 06.11.2021
Die Früchte, die man erntet / Sebastian Bergman Bd.7
Hjorth, Michael;Rosenfeldt, Hans

Die Früchte, die man erntet / Sebastian Bergman Bd.7


gut

Ich bin enttäuscht

In der Kleinstadt Karlshamn in Schweden treibt ein Heckenschütze sein Unwesen. Da die Ermittler vor Ort überfordert sind, bitten sie die Reichsmordkommission um Unterstützung. Für Vanja Lithner ist dies die erste Ermittlung als Leiterin dieser Kommission. Sie steht unter enormen Erfolgsdruck, zumal es alle paar Tage einen neuen Toten gibt. Ihr Teamkollege und bester Freund Billy kämpft derweil mit seinen eigenen Dämonen. Seitdem er im Dienst zwei Menschen erschossen hat, hat er Gefallen am Töten gefunden. Da seine Frau My schwanger ist, hat er sich geschworen, diesen Drang zu unterdrücken. Doch kann er wirklich mit dem Töten aufhören?

„Die Früchte, die man erntet“ ist der siebte Teil der Reihe um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman. Da immer wieder Bezug auf die persönlichen Situationen der Ermittler in der Vergangenheit genommen wird, kann es sinnvoll sein, die Krimireihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Ich habe mich sehr auf diesen Band der Autoren Hjorth & Rosenfeldt gefreut, denn ich war so gespannt, wie die Kollegen von Billy von seinen Aktivitäten erfahren und wie sie ihn zur Strecke bringen. Dabei habe ich auf tolle Einfälle der Autoren gehofft. Leider wurde ich enttäuscht.

Im Buch „Die Früchte, die man erntet“ werden zwei Verbrechen gelöst. Die erste Hälfte des Buches befasst sich mit der Aufklärung der Mordserie eines Heckenschützen. Wobei die Autoren sehr früh verraten, um wen es sich bei dem Täter handelt. Das hat mir sehr viel Spannung genommen. Zwar konnten so die Hintergründe der Tat einfacher erklärt werden, doch mein Hauptspaß am Lesen von Krimis ist auf der Strecke geblieben, nämlich das Raten, wer der Täter ist.

In der zweiten Hälfte des Buches geht es dann um Billy, der Teil der Reichsmordkommission ist. Als Leserin war mir aus den vorherigen Teilen bekannt, dass Billy gerne Menschen tötet. Nun wollte ich unbedingt wissen, wie Sebastian Bergman ihn zur Strecke bringt. Leider fand ich die Ermittlungen hierzu sehr unspektakulär. Dazu kommt, dass ich das Ende des Buches als sehr abgehackt empfunden habe. Ich denke, aus diesem Erzählstrang hätte man viel mehr machen können.

Insgesamt wirkt das Buch auf mich, als ob die Autoren zwei kurze, voneinander unabhängige Krimis geschrieben und diese dann in einem Buch als einen Krimi veröffentlichen haben, weil sich das besser verkauft.

Der Erzählstil war, wie immer, sehr gut und routiniert. Dadurch ist es mir leicht gefallen, dass Buch zügig zu lesen. Aber ein guter Schreibstil ist leider nicht alles. Auch der Inhalt muss stimmen und das war hier nicht der Fall. Daher bin ich enttäuscht von diesem Buch.