Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: tommason
Wohnort: Sachsen
Über mich:
Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 20 Bewertungen
12
Bewertung vom 09.08.2016
Emmy Ball-Hennings
Reetz, Bärbel

Emmy Ball-Hennings


ausgezeichnet

Bärbel Reetz
Emmy Ball-Hennings
Leben im Vielleicht

Bärbel Reetz, geb. 1942, Studium der Germanistik und Anglistik, lebt als Autorin und freie Journalistin in Berlin. Ihre Arbeiten wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.
Emmy Ball-Hennings, (ihr)Leben im Vielleicht, ist vielleicht eines der größten Werke der Autorin, denn es ist ihr gelungen, eine materialreiche aber auch eine materialarme Biografie über eine ungewöhnliche Frau zu verfassen, die eben durch ihr Leben im Vielleicht sehr viel aber doch nicht immer „Stichhaltiges“ hinterlassen hat. Aber, um es vornweg zu nehmen, die versuchten Deutungen der Autorin, die Spiegelungen der Hinweise, dass „Vielleicht“, sind Bärbel Reetz vortrefflich gelungen.

Vielleicht war Emmy Hennings, geboren am 17. Januar als Emma Maria Cordsen in Flensburg, zu viel Muse und Geliebte, hätte ihre Talente nicht so großzügig und für viel zu wenig verschenken dürfen, hätte sich manche Peinlichkeit ersparen können, wäre vielleicht nie im Gefängnis gelandet, hätte vielleicht nie auf den Strich gehen müssen! Vielleicht!

Doch immerhin, vielleicht gerade deshalb, weil sie …, wurde aus dem Dienstmädchen eine Theaterschauspielerin, eine Kabarettistin und Avantgarde-Künstlerin und sogar eine Poetin und Schriftstellerin, die, vielleicht zu sehr und vor allem zu lange im Schatten ihrer teilweise berühmten „Männerbekanntschaften“ gestanden hat.

Nun ist Bärbel Reetz die Biographie dieses ungewöhnlichen Frauenschicksals, anders will ich das Leben der „Emsi“, wie sie manchmal liebevoll genannt wurde, sehr gelungen. Das Buch zieht zudem weite Bögen, holt weit aus, um den Leser dann immer wieder direkt am Leben der Protagonistin teilnehmen zu lassen. Und Reetz erzählt nebenher und interessant von der Berliner und Münchner Boheme, von seinerzeit bekanntgewordenen Avantgarde-Künstlern, erzählt vom Leben des Tingeltangel, der Drogensucht Emmys, bis zu den Tagen, an denen Hugo Ball ins leben von Emmy tritt. Mit Hugo Ball, als er in Emmys Leben trat, sich in sie verliebte, löste eine gewaltige Wende in Emmy aus. Er führte sie nicht nur in die Gründerzeit des Dadaismus in Zürich, er nahm sie auch praktisch mit und er lies Emmy vor allem und an allem selbst teilhaben. Und, er brachte wohl auch als Erster Mann etwas Ordnung in Emmys Leben.

Gerade zur rechten Zeit. Annemarie, Emmys Tochter, die bislang ohne mütterliche Regung! bei ihrer Großmutter aufgewachsen war, trat unabwendbar in Emmys Leben ein. Emmys Mutter war gestorben und das Kind musste nun von Emmy versorgt werden. Wieder half Ball und er war wohl sein Lebtag lang mehr mit Annemarie verbunden als ihre Mutter selbst.

Und Reetz kann, oder muss, den Bogen noch weiter schlagen und führt den Leser aus dem Dada in Zürich ins Tessin. Und als Emmy und insbesondere Hugo auf Hermann Hesse treffen, ist an sich ein weiteres Kapitel in der Biographie aufgeschlagen.

Eine ausgezeichnete Lektüre, offen und manchmal fast unglaublich, was sich dichtgedrängt auf den rund 320 Seiten abspielt. Die wunderbare Erzählweise der Autorin nimmt den Leser gefangen und ganz nebenbei erfährt man sehr viel Kunstgeschichtliches aus einer aufregenden Zeit. Sehr empfehlenswert!
Es gibt aus meiner Sicht nur einen Mangel, und zwar handelt es sich um den Einband des Taschenbuches. Dieser ist so straff und hart, dass es bisweilen die Finger schmerzte beim lesen.

Viele Grüße

Bewertung vom 26.07.2016
Zwischen Welt und Zaubergarten
Kleine, Gisela

Zwischen Welt und Zaubergarten


sehr gut

Gisela Kleine
Zwischen Welt und Zaubergarten

Gisela Kleine, geb. 1926, studierte Germanistik, Philosophie und Publizistik, und promovierte mit der Dissertation „Das Problem der Wirklichkeit bei Hermann Hesse“.
Da ihre Doktorarbeit Hermann Hesse gefiel, wurde sie von ihm nach Montagnola eingeladen und lernte dort auch Ninon Hesse, die dritte Frau des Dichters, kennen.
Gisela Kleine erhielt für ihre „Frauenforschung“ - Grundlage ihre verfassten Biographien - den Literaturpreis der Stadt München, wo sie als freie Autorin lebt.

Die mir vorliegende Lizenzausgabe des Suhrkamp Taschenbuch Verlag ist 1988 in erster Auflage erschienen, und dieses Werk ist in der Tat ein Meisterwerk, und dieses Meisterwerk, las ich glücklicherweise als letztes von drei weitere Biographien über Hermann Hesse und seine Frauen.
Nach Hugo Balls erster Hesse-Biographie, die er zum 50. Hesse-Geburtstag geschrieben hatte, fiel mir das wunderbare Buch „Hermann Hesse – Schauplätze seines Lebens“ von Herbert Schnierle-Lutz in die Hände und danach die Biographie über „Hesses Frauen“, die von Bärbel Reetz hervorragend anschaulich, umfassend und äußerst gut lesbar, mir aber beinahe mein erstes Hesse-Bild einriss und mich in eine kleine Krise mitriss. Ob der ganzen Wahrheit über Hesses Leben mit seinen Frauen? – insbesondere mit seiner ersten Frau Mia, mit der Hesse drei Kinder (Söhne) hatte.
Und nun vertiefte Gisela Kleine mein Hessebild und lies mich durch ihre einfühlsamen Worte und prächtig gesetzte Zitate aus Briefen oder persönlichen Schilderungen von Zeitgenossen teilhaben, mit leben, miterleben, mit dabei sein im Leben der Historikerin Ninon und den Dichter Hermann. Wunderbar.

Über dieses Buch, welches für mich (vielleicht?) den Abschluss der Hesse-Biographien vorläufig darstellt, ist sehr viel geschrieben worden und ich will keinesfalls die vielfältigen aber insgesamt positiven Meinungen abschreiben oder gar kommentieren. Das steht mir keinesfalls zu. Ich will mich vielmehr derer anschließen und dazu aus meiner Sicht noch erwähnen, dass mich dieses Buch, wie schon die Biographie von Bärbel Reetz, menschlich-psychisch erneut sehr ergriffen hat.
Zwar war ich gefasster und beim Lesen auf manches vorbereitet, dennoch komme ich nicht umhin letztlich meine Freude darüber auszudrücken, dass die letzten Jahre des 35-jährigen Zusammenseins der Hesses immer harmonischer und für beide Partner trotz zunehmenden Alters immer glücklicher wurden.

Und dadurch habe ich jetzt auch meinen Frieden gefunden und nur wenig Kritik, und Kritik übe ich nur leise am zehnten Kapitel. Die Worte die da stehen, sind nicht für Leser die sich für das Zusammenleben von Ninon und Hermann Hesse interessieren. Über die psychologischen Aspekte, die enorme Wichtigkeit der Wahrung der Eigenständigkeit Ninons und über die Bedeutung der Archäologie im Ganzen für die Gefährtin des Dichters, ist in den vorstehenden neun Kapiteln alles gesagt. Es hätten zwei drei Sätze zusätzlich genügt. So aber ist dieses zehnte Kapitel allenfalls für Psychologie- und oder Studenten der Archäologie und Kunsthistorie interessant. Ich habe es überblättert.

Doch insgesamt ist kann ich dieses Werk gern empfehlen, vor allen denjenigen, die Hermann Hesses Werk bereits etwas kennen.

Viele Grüße

Bewertung vom 11.07.2016
Hesses Frauen
Reetz, Bärbel

Hesses Frauen


ausgezeichnet

Bärbel Reetz
Hesses Frauen

Bärbel Reetz, geb. 1942, Studium der Germanistik und Anglistik, lebt als Autorin und freie Journalistin in Berlin. Ihre Arbeiten wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet und, entgegen so mancher Rezension ihres Werkes „Hesses Frauen“, denen ich hier zumindest teilweise wiederspreche, möchte ich ihr hiermit eine weitere Auszeichnung „Hervorragend“ symbolisch übergeben und den geneigten Leser und vor allem Hesse-Leser und Freund möchte ich dieses Buch dringend empfehlen.

Nicht etwa die bislang erreichte große Auflage dieser vorzüglichen biographischen Arbeit hat mich zu diesem Urteil bewogen oder der Umstand, das Bärbel Reetz mit ihrem Buch über „Hesses Frauen“ die Lücke in den Hesse-Biografien vortrefflich geschlossen hat, sondern das „Wie“ hier über den Mann und Menschen Hermann Hesse fast immer Urteilsfrei berichtet und geschrieben wird.

Entgegen vieler andrer Rezensenten finde ich die nahezu konsequente Sicht einer Frau, nämlich die der Autorin, auf das Leben und die beinahe schicksalhaften Beziehungen der drei Frauen Hesses zu ihrem „Idol“ als äußerst einfühlsam und gelungen. Kaum hätte eine andere Sichtweise auf fast das gesamte Leben des Schriftstellers beim Leser mehr bewirken, mehr fesseln und befreien, mehr Hoffnung geben können, als diese weibliche Sicht.
Dafür sprechen auch die vielen, von der Autorin klug eingefügten Zitate von Freunden und Bekannten, Fremden und Geliebten, die zumeist aus Briefen etc. stammen, Bände.

Und es war mir am Anfang der Lektüre so schwer ums Herz, kaum wollte und konnte ich glauben was ich las und nicht nur einmal musste ich das Buch aus der Hand legen, das eben gelesene verdauen, um wenig später mit doppelter Neugier und Hoffnung in kurzer Zeit bis zum Ende alles aufzunehmen und auszukosten.

Viel Freude habe ich dann erfahren, als Hesse im Alter manches (sehr) tadelhafte, das unzweifelhaft auch in ihm als Menschen steckte, überwunden hat und diese großen Gefühle und nicht zuletzt auch Verständnis und Einfühlungsvermögen wünsche ich noch vielen Lesern nach mir.

Viele Grüße

Bewertung vom 30.06.2016
Hermann Hesse, Schauplätze seines Lebens
Schnierle-Lutz, Herbert

Hermann Hesse, Schauplätze seines Lebens


sehr gut

Herbert Schnierle-Lutz
Hermann Hesse – Schauplätze seines Lebens

Herbert Schnierle-Lutz, geboren 1950, studierte Literatur, Sprachen und Pädagogik und war viele Jahre als Verlagslektor tätig und er gilt, neben anderen, berechtigt als Hesse-Spezialist. Nicht zuletzt ist Herbert Schnierle-Lutz auf Grund seiner Hesse-Kenntnisse und Verdienste um das Werk und den Nachlass des Dichters in den Beirat der Internationalen Hermann Gesellschaft, die ihren Sitz in Calw, dem Geburtsort Hermann Hesses hat, gewählt worden.

Die hier vorliegende Spurensuche führt den Leser an alle wichtigen Lebensstationen des großen Dichters und Literatur-Nobelpreisträgers Hermann Hesse und liefert zugleich eine vorzügliche Beschreibung der Orte und ihrer Umgebung, in denen Hesse gelebt und gewirkt hat und sie ist damit auch ein Reiseführer für diejenigen, die sich auf Hesses Spuren etwa nach Calw (BW) oder Montagnola (Tessin) begeben wollen.

Das Werk ist im Insel Verlag 2001 in einer überarbeiteten 2. Auflage erschienen und enthält neben den erwähnten Ortsbeschreibungen auch eine stattliche Zahl von Bildnachweisen und sogar gezeichneten Karten, die dem Leser helfen, die Orte zu Lebzeiten Hesses besser zu verstehen und sich in Hesses Erlebniswelt hineinzuversetzen. Zusätzlich werden alle Hessegedenkstätten und Museen beschrieben und Ausflüge und Wanderungen, die Hesse zu Lebzeiten unternommen hat.

Wesentlicher Teil des Buches bleibt aber die Suche und das Aufzeigen der Spuren, die Hesse etwa in Briefen und Bildern aber vor allem in seinem dichterischen Werk hinterlassen hat. Herbert Schnierle-Lutz analysiert einfühlsam die erstaunliche Erlebens- und Gefühlswelt Hesses und liefert dem Leser immer wieder wunderschöne Zitate aus Erzählungen und Romanen des Dichters.

Nach der köstlichen Lektüre, die mir sehr viel Freude und zusätzliche Erkenntnis gebracht hat, fragte ich mich, ob ich dieses Buch allgemein oder namentlich nur Hessekennern empfehlen kann. Ich kam zu dem Schluss, dass der Leser dieses Buches zumindest einen Teil der Werke von Hermann Hesse gelesen haben sollte, und dass, damit er ein wenig Erlebens- und Gefühlswelt Hesses kennen und lieben gelernt hat. Derjenige aber, der kein Hesseliebhaber ist, der kann von diesem Buche getrost die Finger lassen. Für mich aber, ist dieses Buch ein spät entdeckter Schatz.

Viele Grüße

Bewertung vom 29.04.2016
Die Knaben und der Fluß
Mühlberger, Josef

Die Knaben und der Fluß


sehr gut

Josef Mühlberger
„Die Knaben und der Fluß“

Ein Liebesdrama für junge Leute von heute?

Im Insel Verlag erschien 1954 die Erzählung „Die Knaben und der Fluß“, die Josef Mühlberger 1934 im Alter von 31 Jahren geschrieben hatte, und die, ebenfalls im Insel Verlag, 1934 erstveröffentlicht wurde.

Der Erzähler Josef Mühlenberger ist heute vielleicht von vielen Lesern seiner Zeit, der Zeit der Veröffentlichung seiner Werke vor und nach dem 2. Weltkrieg, vergessen und von heutigen Leser (noch)nicht wieder entdeckt worden. Und das ist sehr schade, denn kein geringerer als Hermann Hesse schrieb 1935, nachdem er „Die Knaben und der Fluß“ gelesen hatte: „Es werden jeden Tag neue Dichter gepriesen, aber hier ist wirklich einer.“ Und er fuhr in seiner damaligen Rezension in der Neuen Züricher Zeitung fort: „Die Erzählung ist nicht gewollt, nicht gemacht, nicht gekonnt, sie ist wie eine Vogelmelodie. […] Es ist die schönste und einfachste Dichtung, die ich seit langer Zeit gelesen habe.“

Und nicht nur Hesse war begeistert. Liest man die Erzählung heute, so stellt man schnell fest, dass sie nichts an ihrer Wirkung aus „damaliger“ Zeit eingebüßt zu haben scheint.
Im Gegenteil! Ich finde, Josef Mühlbergers Erzählung „Die Knaben und der Fluß“ ist nicht nur eine „naturalistische Landschaftsbeschreibung“, sondern vielmehr ein zeitloses Liebesdrama von jungen Leuten und ausdrücklich für junge Leute von heute.

Peter Härtling schreibt treffend in seinem sehr gelungenen Nachwort: „Landschaft kann, das ist die erstaunliche Mitteilung des Beginns (der Erzählung), der Grund einer Freundschaft sein. Mehr noch: Wie Landschaft umtreibt, bewegt, verführt, wie sie ihre Gefühle aufnimmt, verstärkt, erklärt, das wird, ohne dass es aufdringlich betont wird, zu einem Thema der Erzählung. […] Die Liebe, von der hier erzählt wird und die sich wunderbar mehrt, kennt nur ihren Anfang und will auch nicht weiter: Waschek, Jenjik und schließlich Wjera.“

Und nicht nur weil Waschek, Jenjik und schließlich auch Wjera, die "Helden" in der Erzählung, sehr jung sind, will ich diese kleine wunderbare und so herzlich einfach erzählte Geschichte vor allem jungen Lesern (ab 12) empfehlen. Dazu kann es aber auch gern von Eltern vor ihren Kindern oder nach ihnen gelesen werden.

Viele Grüße

Bewertung vom 01.03.2016
Hermann Hesse
Ball, Hugo

Hermann Hesse


ausgezeichnet

Hugo Ball
Hermann Hesse – Sein Leben und sein Werk

Hugo Ball (1886-1927), seine einzigartige Hessebiographie erschien 1927 zu Hesses 50. Geburtstag und führt den Hessefreund durch die Kindheit und Jugend des Nobelpreisträgers bis hin zu seinen Werken „Kurgast“ und „Steppenwolf“.
Die 1933 bei S. Fischer in Berlin erschiene Erstausgabe wurde dann 1977 im Suhrkamp Taschenbuch Verlag neu aufgelegt und hat bis 2012 13 Neuauflagen erfahren. Alleine das schon zeigt: Hier muss es sich um ein außergewöhnliches Buch handeln.

Und in der Tat, Hugo Ball ist mit der ersten Hessebiographie ein großer Wurf gelungen, der bis heute einmalig, ja unübertroffen ist.
Man findet heute, vor allem durch das Internet, viel über Hermann Hesse, über sein Leben und Wirken. Doch derjenige, der nach dem wahren Hermann Hesse sucht und glaubt aus dessen zahlreichen Publikationen, seinen veröffentlichten Briefwechseln, den Vor- und Nachworten anderer zu seinen Büchern und Veröffentlichungen, Hesse verstanden und gefunden zu haben, der irrt. Erst Hugo Balls Hessebiographie gibt letztlich Aufschluss und Hintergrund für den Allgemeinen, oder Bestätigung für den bereits Wissenden.
Denn Hugo Ball, selber Künstler, hat seinen Kollegen und Freund in seiner (Künstler)Seele verstanden und gewiss auch das Verborgene gesehen und aufgeschrieben wie es kein anderer verstehen und aufschreiben konnte. Schließlich war Hugo Ball einer der vertrautester Gesprächspartner Hermann Hesses und letztlich lebten beide in unmittelbarer Nachbarschaft in Montagnola.

Ich kann Hugo Balls Hessebiographie allen Hesselesern wärmstens empfehlen. Auch wenn sie natürlich nicht vollständig ist bzw. nicht vollständig sein kann, so ist sie doch einzigartig und vor allem so fein und zart einfühlend verfasst, dass man die einzelnen Abschnitte beinah wie einen Roman lesen kann und zum Schluss ein wenig traurig ist, wenn man die letzte Seite umgeschlagen hat.

Viele Grüße

Bewertung vom 03.02.2016
Bäume
Hesse, Hermann

Bäume


ausgezeichnet

Hermann Hesse
„Bäume“

Mit Fotografien von Dagmar Morath und Zeichnungen von Hermann Hesse

Herausgegeben von Volker Michels erschien 2014 im Insel Verlag Berlin das Büchlein „Bäume“ mit Betrachtungen über die Natur und vor allem über Bäume, Hesses „eindringlichste Prediger“.

Als ich das Büchlein in der Hand hielt und aufschlug, suchte ich sofort nach dem „vereinzelten Sohn des Südens“, den, „von den Welschen und Lateinern“ geliebten und „von den Einheimischen als Fremdling begafften“ Kastanienbaum, den ich aus „Narziss und Goldmund“ kannte und der als Einleitung des bekannten Hesse-Romans, die ganze erste Seite des Buches füllt und dessen Beschreibung mich vor Zeiten derart beglückt hat, dass ich immer wieder ins Schwärmen komme, sobald von Hermann Hesse und seinem „Goldmund“ die Rede ist.

Und tatsächlich, ich fand was ich suchte auf Seite 97 und las: „Vor dem von Doppelsäulen getragenen Rundbogen des Klostereingangs von Mariabronn, dicht am Wege, stand ein Kastanienbaum, ein vereinzelter Sohn des Südens, von einem Rompilger vor Zeiten mitgebracht, eine Edelkastanie mit starken Stamm; zärtlich hing ihre runde Krone über dem Weg, atmete breitbrünstig im Winde, ließ im Frühling, wenn alles ringsum schon grün war und selbst die Klosternussbäume schon ihr rötliches Junglaub trugen, noch lange auf ihre Blätter warten… und ließ im Oktober, wenn Obst und Wein schon geerntet war, aus der gilbenden Krone im Herbstwind die stacheligen Früchte fallen, die nicht in jedem Jahr reif wurden, um welche die Klosterbuben sich balgten und die der aus dem Welschland stammende Subprior Gregor in seiner Stube im Kaminfeuer briet.“ …

Das kostbare Büchlein „Bäume“ verbirgt, ob als kleine Erzählung oder als Gedicht gefasst, eine ganze Zahl solcher Schätze, die Hermann Hesse berühmt und Tausende zu seinen Lesern gemacht haben, dazu einige stimmungsvoll zum Text ausgesuchte farbige Fotos und drei Zeichnungen Hesses, dicht am etwas zu lang geratenen Nachwort des Herausgebers.

Ich kann diese kleine Stück Literatur jedem empfehlen, ob jung oder alt, ob Intelektueller oder Handwerker, dies ist nicht so wichtig, denn heute, in einer Zeit, die so ungestüm, täglich mit immer neuen Sensationen daher kommt, wird ein Stück Besinnung und Freude an Natur und Umwelt jeder Seele gut tun.

Viele Grüße

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.01.2016
Briefwechsel Hermann Hesse / Thomas Mann
Hesse, Hermann; Mann, Thomas

Briefwechsel Hermann Hesse / Thomas Mann


ausgezeichnet

Hermann Hesse
Thomas Mann
Briefwechsel

Im Dezember 2007 erschien im Fischer Taschenbuch Verlag die 2. ungekürzte Auflage der von Anni Carlsons bereits 1968 im Suhrkamp Verlag herausgegebenen Erstausgabe des Briefwechsels zwischen Hermann Hesse und Thomas Mann.
Die 2. Auflage nun, von Volker Michels erweitert, revidiert und mit einem vorzüglichen Vorwort versehene Ausgabe, ist von größten Wert, und wird alle Liebhaber der Deutschen Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr als erfreuen, ja beinahe mehr fesseln, wie der eine oder andere Roman oder Erzählung der beiden großen Deutschen Schriftsteller. Anni Carlson hat in der vorliegenden Ausgabe ein Nachwort verfasst, welches die räumlich getrennte, teilweise weit entfernte aber doch letztlich gemeinsame Zeit der beiden Schriftsteller an ihren Werken spiegelt und für den Leser hervorragend zusammenfasst. Hinzu kommt ein umfangreicher Anhang. Hier kann man, wenn nicht schon während der Lektüre der Briefe geschehen, nochmals nachgelesen und genauer hingeschaut werden. Nahezu minutiös, aber nicht von geringerer Spannung, erschließen sich die Fußnotentexte und machen die Briefe anschaulich und verständlich.

Der vorliegende Briefwechsel ist zudem ein erstaunliches (Geschichts-)Dokument, aus dem die Auseinandersetzung der beiden Autoren mit der NS-Zeit und den damit verbundenen politischen, wirtschaftlichen und privaten Problemen und Sorgen sichtbar und spürbar wird. Gleichzeitig erlebt der Leser Stimmungen und innerste Gefühle Hesses und Manns hautnah und über einen langen Zeitraum, etwa 1916 bis zum Tode Thomas Manns 1955.

Das gesamte Werk wird immer wieder auf´s Neue seine Leser finden, da habe ich keinen Zweifel, denn die beiden Protagonisten, die zwar in vielen Auffassungen, so u. a. in der Musik, aber auch in der Literatur, so unterschiedlich waren, deren Verbundenheit und gegenseitige Wertschätzung dennoch bis hin zu Freundschaft, ja Liebe wuchs, werden in der Deutschen Literatur für immer sein und leben.

Viele Grüße

Bewertung vom 24.12.2015
Der Steppenwolf
Hesse, Hermann

Der Steppenwolf


ausgezeichnet

Hermann Hesse

„Der Steppenwolf“

Suhrkamp Taschenbuch 175

Den großen Hermann Hesse rezensieren zu wollen, kann ich mir eigentlich nicht erlauben. Aus meiner Sicht wäre das Größenwahn, es wäre Unsinn. Deshalb will ich dem geneigten Leser, meine Erfahrungen mit einer der bekanntesten Hesse Erzählung schildern. Dabei bin ich überzeugt, dass neben mir, andere diese Erfahrung, oder ähnlich, schon tausendfach gemacht haben. Dennoch will ich kurz schildern, wie es mir ergangen ist.

Als ich vor ein paar Jahren in Tirol einen spätherbstlichen Erholungsurlaub verbrachte, fand ich an einem verregneten Tage in einem schweren alten Bücherschrank zufällig den Steppenwolf. Ich nahm das Büchlein heraus, weil mir der Titel etwas Spannung und Kurzweil versprach und ich begann zu lesen.
Anderntags verkürzte ich meine Wanderung, um schneller wieder beim Buch zu sein. Denn was ich in dem Buch fand, war mehr als Spannung und Kurzweil; ich fand meine Geschichte, mein Leben der letzten Jahre, in fast all seinen Fassetten aufgeblättert vor mir. Es war faszinierend und furchtbar zu gleich!

Drei Wochen später musste ich zum Arzt. Als ich ihm von meiner Urlaubslektüre erzählte, lächelte er und strich sich, scheinbar genüsslich, seinen Vollbart und nach einer Minute Schweigen fragte er mich dann, ob ich denn nun bereit wäre etwas kürzer zu treten und mein Leben etwas zu ändern.
Ich nickte erstaunt und sagte zögerlich: Es ist nur schade, Herr Doktor, dass es heutzutage kaum mehr wahre Vorbilder oder gar „Unsterbliche“ (Vorbilder) gebe. …

Der „Steppenwolf“ ist, wie jedes Werk von Hermann Hesse, sehr empfehlenswert, auch und vor allem in unserer heutigen Zeit! Auf dem Umschlag steht folgender treffende Satz von Frederic Beigbeder (französischer Schriftsteller, Schauspieler):
„Es gibt nur wenige Bücher, die uns verwandeln, die uns Mut machen, unser Leben zu ändern. Der ´Steppenwolf´ ist ein solches Buch.“

Viele Grüße

Bewertung vom 18.12.2015
Die Antwort bist du selbst
Hesse, Hermann

Die Antwort bist du selbst


sehr gut

Hermann Hesse
„Die Antwort bist du selbst“

„Hermann Hesses Schriften sind für Generationen von Lesern in aller Welt zu beständigen Gefährten geworden, die zur Besinnung anregen und bei der Bewältigung von Lebensfragen helfen.“ Dies steht auf dem Umschlag des Hermann Hesse Insel-Kalender für das Jahr 2015, der, zusammengestellt von Volker Michels, im Insel Verlag Berlin 2014 erschienen ist.
Dem, werter Leser, ist an sich nichts hinzu zu fügen, denn dieser Satz trifft den Kern der Briefe Hesses , in „Die Antwort bist du selbst“ – Briefe an junge Menschen.
Ebenfalls von Michels herausgegeben, sind die zahlreichen Briefe ein Werk, eine Erzählung, in der man Hesse und sein Leben und Denken bestens kennenlernt. Es ist immer wieder von neuen spannend festzustellen, mit welcher Energie und Geduld sich der spätere Nobelpreisträger jeder einzelnen Anfrage zuwendet. Zwar kennt man nicht die Fragen und vielleicht Nöte, oder gar den freudigen Enthusiasmus eines, heute würde man sagen „Fan“, den Beweggrund in Inhalt der Zuschrift, aber umso mehr kann man in der Antwort Hesses lesen und beinah nachfühlen, wer der Adressat war und was er ist. Und schnell hat der heutige Leser das Gefühl, dass die Antworten Hesses zeitlos sind und auch, und gerade, für die heutige schnelle, rohe und beinah herzlose Zeit Gültigkeit haben. So mancher lebendige Geist der Jetztzeit könnte, nein sollte, sich an Hesses Gedanken laben.
In einem Brief an Hildegard Neugeboren vom 05. August 1919 (S. 57) schließt Hesse: „Herrgott, was ist das für eine Welt, in der man kein feiner Kerl sein kann, ohne Neurotiker zu werden!...“
Was ist das heute für eine Welt, in der psychische Erkrankungen (fast) an Platz eins stehen?
„Die Antwort bist du selbst!“
(Nicht nur für Neurotiker!)
Viele Grüße

12