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Benutzername: Eva Maria
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Bewertungen

Insgesamt 4 Bewertungen
Bewertung vom 14.01.2019
Das Herrenhaus im Moor
Whitmore, Felicity

Das Herrenhaus im Moor


gut

„Ach, was für ein wunderbares Cover und so ein schöner Einband“, das war mein erster Eindruck von Felicity Whitmores neuem Buch. „Das Herrenhaus im Moor“.

Ihren Erstling „Der Klang der verborgenen Räume“ habe ich verschlungen, und ich erinnere mich, wie ich damals völlig in der Geschichte abgetaucht bin. Das erwartete ich auch jetzt. Laut Klappentaxt gab es wieder fast die gleichen Zutaten: England, zwei Zeitebenen, Mord, Herrenhäuser, Psychiatrie. Zumindest dachte ich es, und auf den ersten Seiten hatte ich auch das Gefühl, dass sich der neue Plot sehr an das erste Buch anlegt. Aber da habe ich mich gründlich getäuscht. Felicity Whitmore hat einen fesselnden Roman geschrieben, mit einem überraschend gut gestrickten Plot.

Laura Milton glaubt nicht an einen Unfall, sondern dass ihr Mann Frank ermordet wurde. Aber niemand glaubt ihr oder nimmt ihre Befürchtungen ernst. Weil sie trotzdem nicht diese Idee loslassen kann, reist sie nach England, der Heimat von Frank. Es ist für sie eine Reise in die Vergangenheit ihres Mannes, der ihr kaum etwas über seine Herkunft erzählt hat.

Wieder webt Felicity Whitmore zwei Zeitebenen zusammen. Ende des 19.Jahrhunderts wurde Viktoria Milton als Mörderin gehängt, sie war Franks Ururgroßmutter und die „Folgen“ dieser Geschichte strecken sich bis in Lauras Leben. Es ist eine Geschichte von Macht und Machtmissbrauch, von Betrug und Verrat und vor allem von Geldgier.

Mehr will ich zum Inhalt nicht sagen, nur dass der Roman bis zum Schluss immer wieder neue überraschende Wendungen bereithält. Vor allem das letzte Drittel habe ich verschlungen, denn da nimmt die Geschichte von Laura und Victoria immer mehr Fahrt auf. Fährten und Intrigen folgen einander Schritt für Schritt.

Felicity hat eine wunderbare Sprache, mit der sie viel Atmosphäre schafft.
Ein Roman, der über die Geschichte der Psychiatrie erzählt, dem Leser einen Schauder über den Rücken jagt und über Versöhnung und Neuanfänge erzählt. Ein spannender historisch-neuzeitlicher Krimi (oder ist es doch eher ein Detektivroman?), der für Spannung und Entspannung sorgt.

Sehr gerne empfohlen. Ein absolutes Muss für alle, die englische Herrenhäuser mögen.

Bewertung vom 21.11.2018
Das Erbe der Rauhnacht
Jaeckel, Birgit

Das Erbe der Rauhnacht


ausgezeichnet

Das Erbe der Raunacht

Ich habe dieses Buch in der Leserunde bei Lovely Books mit Birgit Jaeckel lesen dürfen. „Das Erbe der Raunacht“ war mein erstes Buch von der Autorin. Ich war natürlich sehr gespannt. Es wird nicht mein letztes sein.
Birgit Jaeckel hat einen fesselnden Roman geschrieben, kunstvoll gewebt und mit einer Sprache geschrieben, die sich sofort ins Herz ritzt und süchtig macht – nach mehr Worten und Empathie für die Personen einfordert.

„Das Erbe der Raunacht“ ist ein Genre-Mix aus Sage, Fantasy, moderner Liebesgeschichte und auch ein atmosphärisch und sprachlich dichter, winterlichen Roman. Ich musste immer wieder an Umberto Ecos postmodernen Roman „Der Name der Rose“ denken. Birgit Jaeckel hat genauso ein Potential in ihrem Plot versteckt.

Worum geht es in „Das Erbe der Raunacht“?
Sophie lebt zurückgezogen den Bergen. Sie versteckt sich und ist sehr nervös. Auch ihr Hund ist angespannt, doch der Leser erfährt erst einmal nicht, warum.
Sophie ist Krankenschwester, und als ein entkräfteter Mann auftaucht, richtet sie ihm die Kate ein. Der breitschultrige Gast heißt Rupp. Während sie ihn füttert und pflegt erzählt er seine Geschichte. Es ist eine Erzählung aus alten Tagen, die Vita des Knecht Rupp(recht).
Sophie begleitet ihn in die Raunächte kurz nach der Reformation, wo eine Gruppe von Männern und eine Frau die Gegend unsicher machen. Rupp, der mit seinem Meister Nicolo als Nikolaus und Knecht Ruprecht auftritt, schließt sich dieser wilden Truppe an. Er will Freiheit, etwas Neues erleben, im Einklang mit der Natur sein.

Birgit Jaekel verbindet die verschiedenen Sagengestalten miteinander und haucht ihnen neues Leben ein. Perchta, Kinderfresser und Crampus treten auf. Doch die wilde Gemeinschaft wandert und tobt auf wackeligen Füssen. Rupp erkennt, wer zur Truppe gehört, und ist damit den Mächtigen zu gefährlich. Auch die zarte Liebe zwischen Perchta und Rupp ist den anderen ein Dorn im Auge. Diese Liebe retten Perchta und Rupp über die Jahrhunderte hinweg.

„Das Erbe der Raunacht“ ist ein Winterbuch mit einem eigenwilligen Zauber. Die Autorin verwebt die verschiedenen Traditionen und Überlieferungen zu einem prächtigen Teppich. Ich sehe diese Geschichte vor mir, wie die kostbaren Tapisserien von Königin Margrethe II, die man in Kopenhagen bewundern kann. Gewebte Geschichten, bilderhafte Zeitgeschichten.
Birgit Jaekel hat einen überraschenden und spannenden Plot geschaffen, ein Buch, dass nicht nur sprachlich, sondern auch von der Handlung den Leser sowohl verzaubert als auch herausfordert.
Ich will nicht spoilern. Aber das Ende ist genial – voller Überraschungen und endlich mal nicht etwas, was man sich sowieso hätte denken können.
Ich wünsche dieser Erzählung viele Leser.

Bewertung vom 03.11.2018
Eine Tüte grüner Wind
Schulz, Gesine

Eine Tüte grüner Wind


ausgezeichnet

Eine Tüte grüner Wind …

Dieses Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste, wie so viele Titel, die dann aber erst mal vertagt werden, weil ich so einen großen SUB habe. Doch die Autorin Gesine Schulz war so nett und hat mir ein Exemplar geschenkt. Wenigstens kann ich nach so einer wunderbaren Leseerfahrung eine Rezension schreiben.

Ich lese nicht mehr viele Kinderbücher, seitdem mein Junge aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist, aber dieses Buch hat mich sehr berührt. Es klingt nach, die kleine Lucy wird mir noch lange im Kopf bleiben, und das ist immer ein Zeichen für gute Literatur, für gelungene Unterhaltung.

„Eine Tüte grüner Wind“ ist keine schnelles Lesefutter, auch wenn ich das Buch gestern im Zug nach Hamburg regelrecht konsumiert, ja gefuttert und oft dabei gelacht oder geschmunzelt habe.

Gesine Schulz schreibt auch dieses Buch (Kennen Sie übrigens ihre wunderbaren Darcy Romane?) mit viel Witz, Situationskomik und erzählt einfühlsam die Geschichte von Lucy.


Inhalt:
Eigentlich sollte Lucy Urlaub mit ihrer Mutter in Kalifornien machen. Darauf hat sie sich schon ewig lange gefreut. Sonne, Strand, tolles Land … Aber alles kommt anders, und Lucy fühlt sich abgeschoben, als ihre Mutter plötzlich mit ihrem Freund nach Südafrika reist. Nachdem alles andere gescheitert ist, besucht Lucy ihre Tante Paula in Irland, die sie nicht richtig kennt, die arm wie eine irische Kirchenmaus ist, in einer baufälligen Hütte haust und noch dazu verrückt ist. Zumindest glaubt Lucy das, genauso wie es in Irland immerzu regnet … Wirklich, der Abschied von Sonne, Strand und Kaliforniern fällt schwer.
Ganze fünf Wochen soll sie bei Tante Paula sein, das ist unvorstellbar lang. Und natürlich zählt Lucy Anfangs die Tage, bis sie wieder nach Hause kann. Dabei merkt sie erst ziemlich spät, dass es ihr eigentlich in Irland gefällt, und dass Tante Paula richtig nett ist ...

Was soll ich sagen: Ich habe Lust bekommen, wieder nach Irland zu fliegen; ich möchte eine Patchworkdecke zu stricken, ich möchte wieder mehr verrückt-sein, das einfache Leben genießen, das Glück im Augenblick genießen, einfach gut oder nett sein und andere Menschen tragen. Und ich habe Lust eine liebevolle und geduldige Mutter zu sein, Dinge in der richtigen Perspektive zu sehen, Lust auf Tage im Bett mit einem Buch und so vieles anderes.

Dies Buch ist mit Abstand das Beste, was ich in der letzten Zeit gelesen habe. Eine Liebeserklärung an das Leben, die Freundschaft, das Glück der kleinen Dinge. Kurzum: Ein Buch, wie geschrieben für mich.

Danke Gesine, für das Exemplar.

Bewertung vom 01.11.2018
Die verlorenen Töchter
Hippe, Hannelore

Die verlorenen Töchter


ausgezeichnet

Erst vor zwei Wochen hörte ich in einem Interview, dass sich Norwegen offiziell bei den norwegischen Deutschenflittchen entschuldigt hat.
Dieses Tabuthema der norwegischen Geschichte ist in diesem Roman verarbeitet worden. Immer noch schämen sich viele Länder zuzugeben, dass sie breitwillig mit den Nationalsozialisten zusammen gearbeitet haben. Widerstand ist eben immer salonfähiger als Anpassung.

Deutschenflittchen konnten natürlich Frauen sein, die sich durch den Kontakt mit der Besatzungsmacht besseres Essen sichern wollten. Aber bei Aase ist es anders. Sie mag keine Deutschen, sie fürchtet sie, bis sie durch Zufall Kurt kennenlernt, einen jungen, sympathischen Soldaten mit sehr guten Manieren. Er ist viel aufmerksamer und höflich als die norwegischen Männer, und
sie verlieben sich ineinander; hoffen auf eine gemeinsame Zukunft, wenn alles vorbei ist. Beide fühlen zum ersten Mal in ihrem Leben: Ich werde gesehen. Aus der Entwicklungspsychologie wissen wir: Der Mensch muss erleben, dass er gesehen wird, damit er sein volles Potential entfalten kann.
So echt die Liebe zwischen Kurt und Aase ist, sie steht unter keinem guten Polarstern. Ganz im Gegenteil.

Der Roman ist in verschiedenen Zeitebenen erzählt. Da ist Aase, die sich in Kurt verliebt,
Dann taucht 1970 eine Tote in Norwegen auf, und niemand weiß, warum sie sterben musste, doch schon bald führen alles Spuren in die Vergangenheit.

Der Roman ist gemächlich erzählt, so wie das Gemüt der Menschen jenseits des Polarkreises, die Stimmung, das Lebensgefühl, die Natur, das Polarlicht, das alles ist meisterhaft eingefangen.

Mich hat der Roman sehr berührt, viel mehr als ein bluttriefender Thriller. Hier geht es um Schicksale, um das, was Menschen wirklich erlebt haben. Das ist grausamer als vieles, was wir in der Fiktion erdichten.
Vor allem zeigt dieses Buch, wie weit die häßlichen Krallen des Krieges sich bin in die heutige Zeit erstrecken - so dass man sich erst jetzt offiziell bei den Frauen in Norwegen entschuldigt, denen man ihre Kinder wegnahm und die Staatsbürgerschaft aberkannte.

Eine Buch, das ich nicht als Krimi einordnen würde, sondern als Gesellschaftsroman oder als Familiensaga.
Aber egal, wo man ihn einordnet - er ist ein Buch, das berührt und aufruft: Krieg, egal auf welcher Seite man kämpft, hat schlussendlich immer nur Verlierer. Die die den höchsten Preis zahlen, sind die Kinder.

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