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Bewertungen

Insgesamt 290 Bewertungen
Bewertung vom 02.08.2020
Unsere verborgene Natur
Gooley, Tristan

Unsere verborgene Natur


ausgezeichnet

In seinem Buch "Unsere verborgene Natur" nimmt Tristan Gooley den Leser mit auf eine spannende Reise zu den verloren gegangenen Geheimnissen der Natur. Er berichtet von seinen Erlebnissen und verbindet damit das Vermitteln seines Wissens. Diese Mischung macht das Buch sehr interessant, denn es ist nicht einfach eine trockene Aneinanderreihung von Fachthemen, sondern wird immer wieder durch interessante Erlebnisse aufgelockert. Dadurch entsteht pures Lesevergnügen! Der Autor schafft es gekonnt, den Leser für die Natur zu begeistern. Bei seinen Erläuterungen beginnt er mit den einfacheren Dingen, die jeder nachvollziehen und selbst beobachten kann und steigert sich langsam bis zum fortgeschrittenen Beobachter. Dies ist sehr gut, denn so fühlt sich der "Natureinsteiger" nicht direkt überfordert und liest gebannt weiter. Dazu wird man auch durch den lockeren Schreibstil verleitet. Hier wird man nicht mit Fachwörtern erschlagen, sondern erhält einen locker geschriebenen, leicht verständlichen Text. Man erfährt einiges über die Orientierung durch Sternbilder und wie man sich Anhand von Tieren und Pflanzen zurecht finden kann. Aus diesen vielseitigen Erklärungen wird jeder etwas für sich mitnehmen und bei seinem nächsten Spaziergang vielleicht ein Aha!-Erlebnis haben!

Bewertung vom 02.08.2020
Der Käpt'n. Jenseits der See
Rönnau, Jörg

Der Käpt'n. Jenseits der See


ausgezeichnet

Johannes Kröger hat sein Berufsleben auf See verbracht. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges geht er in den wohlverdienten Ruhestand - kehrt zurück in sein Haus in der Probstei. Doch Ruhe findet er dort nicht. In der Nähe hat sich Wiebke auf einem Hof niedergelassen - sehr zum Mißfallen der Dorfbewohner, die von der geheimnisvollen Art von Wiebke zu allerlei Phantasien angeregt werden. Kröger freundet sich mit ihr an und erfährt Wiebkes gefährliches Geheimnis.

"Der Käpt'n Jenseits der See" von Jörg Rönnau fällt zwar in die Kategorie "Spionage-Krimi", enthält aber ebenso eine Menge Klönschnack. Die Passagen, in denen Kröger von seinen Erlebnissen auf der "Northern Clipper" berichtet, erinnern an einen Winterabend am Kaminfeuer. Hier werden die Literaten der damaligen Zeit lebendig, gemeinsam erleben sie Abenteuer oder Kröger verbringt einfach Zeit mit ihnen. Man begegnet Theodor Strom, Jules Verne, Thomas Mann und vielen anderen. Diese Geschichten sind sehr gelungene Einschübe in die eigentliche Handlung. Der Fall "Wiebke" ist sehr spannend. Nach und nach kommt ihr Geheimnis ans Licht und man spürt die Gefahr hautnah, so wie auch das Knistern zwischen Kröger und Wiebke. Die Schwierigkeiten, die Wiebke mit der Dorfgemeinschaft hat, sind gut vorstellbar. Denn für diese Zeit war sie sehr exotisch - da konnte man das Mißtrauen richtig gut spüren. Jörg Rönnau schafft es perfekt, diese Verhaltensweisen zu beschreiben. Was ich besonders interessant fand, waren die Beschreibungen der Region. Es macht Spaß, auf Orte zu stoßen, die man selbst aus der heutigen Zeit kennt. So das Hotel "Stadt Kiel" oder die Dampflok "Hein Schönberg", die noch heute als Museumsbahn von Schönberg nach Kiel fährt. Übrigens ist der alte Bahnhof in Schönberg als Museumsbahnhof ebenfalls noch erhalten. Dies sind Details, die mir als Liebhaber dieser Region ein ganz besonderes Gefühl für das Buch gegeben haben.

Dieses Buch macht Spaß und ist auf jeden Fall lesenswert!

Bewertung vom 29.07.2020
Küstenrache / Kommissarin Sanders Bd.6
Svensson, Angelika

Küstenrache / Kommissarin Sanders Bd.6


ausgezeichnet

Die Kripo Kiel wird zu einem Tatort in einem Kieler Naturschutzgebiet gerufen. Dort geschah ein Doppelmord, der einer Hinrichtung gleicht. Die Opfer sind Mitglieder der berüchtigten Familie Zaidan aus Lübeck, die nun in das Kieler Revier eines anderen Familienclans eindringen will. Lisa Sanders, die die Kieler Mordkommission aufgrund von Disharmonie mit ihrer neuen Vorgesetzten verlassen will, bekommt nun von einem alten Bekannten das Angebot, für diesen Fall zum LKA zu wechseln - und anschließend dort zu bleiben. Lisa nimmt das Angebot an - sehr zum Missfallen ihres Freundes, Oberstaatsanwalt Thomas von Fehrbach, der ebenfalls in diesen Fall verwickelt ist. Lisa muß feststellen, daß dieser Job gefährlicher ist, als sie dachte...

Auch ihr 6. Fall, "Küstenrache", ist Angelika Svensson rundum gelungen. Das Thema ist sehr aktuell und wird hier gut durchleuchtet. Man erhält Einblick in die Machenschaften der Clans, wie die Familienstrukturen aufgebaut sind, auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln agiert wird. Dies ist wirklich sehr interessant und läßt den Leser zum Teil sprachlos werden. Hier hat die Autorin wirklich bis in die kleinsten Details recherchiert. Auch ihre Charaktere sind wieder sehr ausgereift. Die Clanmitglieder sind gut beschrieben. Brutal, berechnend - aber manche auch mit einer anderen Seite, einer menschlichen. Und manche möchten gern ausbrechen, mit den Verbrechen nichts zu tun haben. Natürlich macht das Wiedersehen mit Lisa und von Fehrbach großen Spaß. Beide sind mir sehr ans Herz gewachsen. Diesmal ist ihre Beziehung etwas aufgeheizt, und man kann beide Seiten verstehen. Lisa will ihren Weg gehen, Thomas will sie beschützen, denn er kennt die Gefahren der organisierten Kriminalität. So zerrissen Lisa ist, so zerrissen steht man als Leser da. Wer von beiden hat Recht? Selbstverständlich ist auch hier wieder der regionale Erkennungswert sehr hoch. Die Schauplätze sind authentisch, man erkennt sie wieder und weiß sofort, wo man sich befindet. Kennt man die Region nicht, wird man sich dies gut vorstellen können. Angelika Svensson hat eine sehr schöne Art zu schreiben. Das Buch liest sich flüssig, Spannung wird von der ersten bis zur letzten Seite erzeugt und man bekommt alles wissenswerte vermittelt. So kann man dieses Buch auch ohne Vorkenntnisse prima lesen!

Bewertung vom 27.07.2020
Nordsee-Nacht
Häffner, Hannah

Nordsee-Nacht


ausgezeichnet

Im Jahr 1987 verschwindet Friederike spurlos aus einem Zeltlager in Hulthave. Kommissar Wedeland kann den Fall trotz intensiver Bemühungen nicht lösen. 25 Jahre später wird eine bewußtlose Frau am Strand von Hulthave aufgefunden. Es heißt, es handele sich um Friederike. Wedeland und die damalige Betreuerin Sascha kehren nach Hulthave zurück. Sie wollen endlich die Wahrheit herausfinden.

"Nordsee-Nacht" ist das erste Buch von Hannah Häffner. Mir hat es sehr gut gefallen. Aufgeteilt in zwei Teile, erlebt der Leser zunächst die Geschehnisse des Jahres 1987, im zweiten Teil die des Jahres 2012. Beide Teile sind gut erzählt und spannend. Während man im ersten Teil erfährt, was Sascha zu dem Verschwinden aussagt und welch Ungereimtheiten dabei aufkamen, erfährt man im zweiten Teil, welche Folgen der Fall für Sascha und Wedeland hatte. Die Ermittlungen in beiden Teilen fesseln auf eine unbeschreibliche Art. Durch die kurzen Kapitel und den sehr flüssigen Stil fliegt man hier durch die Seiten. Die Autorin hat ein Gespür dafür, wie düstere Atmosphäre erzeugt wird. Hier sieht man wirklich eine düstere Nordseenacht vor sich. Was ebenfalls perfekt beschrieben wird ist das Dorfleben. Wer nicht in der Gemeinschaft ist, ist automatisch unter Verdacht. Das Gerede ist groß und man hat es schwer, diesen Verdacht abzustreifen. Klatsch und Tratsch sind an der Tagesordnung.

Ich kann diesen Roman, der in Wirklichkeit ein Thriller ist, wärmstens empfehlen. Hier ist alles perfekt umgesetzt und ich bin schon auf weitere Bücher der Autorin gespannt!

Bewertung vom 27.07.2020
Im Ernstfall keine halben Sachen
Mooney, Dan

Im Ernstfall keine halben Sachen


sehr gut

Joel haßt sein Leben im Altenheim, er will sich nicht alles vorschreiben lassen und so beschließt er, sich umzubringen. Er erzählt dem ehemaligen Schauspieler und jetzigen Zimmernachbarn Frank von seinem Plan. Dieser empfiehlt ihm, nicht einfach so aus dem Leben zu verschwinden, sondern sich dafür etwas Besonderes auszudenken. Beide wollen noch einmal richtig Spaß haben.

Dan Moorey hat mit seinem Roman "Im Ernstfall keine halben Sachen" einen zum Teil witzigen, zum Teil ernsten Roman geschrieben. Witzig sind die Dialoge. Joel und Frank geben sich hier gegenseitig stets das passende Wort zurück. Hier kommt man streckenweise stark ins schmunzeln. Aber auch ihre Handlungen werden von Dan Mooney mit viel Witz beschrieben. Jedoch birgt dieses Buch auch eine gewisse Ernsthaftigkeit. Man lernt die beiden Senioren von ihrer innersten Seite kennen und erfährt von ihren Schicksalen, die zeigen, daß ihr Leben nicht leicht war und bis heute nicht ist. Dies alles wird in ruhigem Tempo erzählt, so daß man sich tatsächlich dem Handlungstempo anpassen muß - es wird hier sehr gemächlich. Wer das nicht schafft, wird hier eher Längen entdecken. Und das wäre sehr schade, denn der Autor versteht es, die Charaktere nahe zu bringen, so daß man sich in sie versetzen kann. Das Buch ist sehr feinfühlig geschrieben und wirkt, bei Verständnis, noch länger nach.

Bewertung vom 26.07.2020
Schwarzwälder Kirsch / Christa Haas Bd.1
Franz, Mona

Schwarzwälder Kirsch / Christa Haas Bd.1


ausgezeichnet

Das Schwarzwalddorf Maria Brunn ist in Aufruhr. Der Unternehmer Bertie Haberland wird während seines Mittagsschlafes im heimischen Garten mit Benzin übergossen und verbrannt. Christa Haas, pensionierte Kriminalkommissarin, findet in diesem Mord eine willkommene Abwechslung, denn sie ist nach einem Oberschenkelhalsbruch im Betreuten Wohnen untergebracht und findet das Leben dort einfach nur scheußlich. So ermittelt sie zwischen Altenbackgruppe "Die Zuckerschnitten" und Aquagamnastik und stellt fest, daß Bertie kein unbeschriebenes Blatt war...

"Schwarzwälder Kirsch" - da denkt man natürlich erst an die Torte. Aber der Krimi von Mona Franz ist ein ebensolcher Genuß! Christa ist einfach genial. Ihre Art ist einfach witzig. Wie sie das Betreute Wohnen zunächst sieht, ist sehr humorvoll. Ihre Ablehnung kommt sehr gut und anschaulich rüber. Interessant ist ihr Wandel, der sich durch das Buch zieht. Sie findet Freunde und sieht alles nicht mehr ganz so negativ. Gerade Carlo gibt sich viel Mühe mit ihr. Er und sein Rehpinscher Bärbel sind weitere Sympathieträger. Sein Spleen für Schwarzwaldartikel ist schon ein Highlight und vermittelt Regionalität. Aber der Krimi besticht auch durch Spannung. Die Autorin liefert viele Verdächtige - irgendwie ist das ganze Dorf nicht gut auf Bertie zu sprechen, was allerdings erst nach und nach herauskommt. Dadurch hat man ständig neue Fährten und wird am Ende überrascht sein. Denn so lange dauert es bis zur Lösung.

Bei diesem Buch bekommt man richtig Lust auf den Schwarzwald - und wer Lust auf die Torte bekommt, die hier in der Backgruppe in Dauerschleife gebacken wird: Am Ende des Buches befindet sich das Rezept!

Bewertung vom 25.07.2020
Auszeit bei den Abendrots
Holenstein, Alexandra

Auszeit bei den Abendrots


ausgezeichnet

Helene und Josef Abendrot sind seit 25 Jahren glücklich verheiratet - so der Anschein. Doch auf der gemeinsamen Urlaubsreise per Auto nach Venedig kriselt es. Josef nimmt seinen Koffer und läßt Helene allein an einer Mautstelle zurück. Helene fährt allein weiter nach Venedig. Josef meldet sich erst einige Tage später und bittet um eine Auszeit. Daß diese Auszeit seine halb so alte Assistenzärztin Nathalie ist, verschweigt er dabei. Einfach abwarten kommt für Helene gar nicht in Frage - sie unternimmt jetzt alles, wozu Josef nie zu begeistern war. Will sie Josef nun eigentlich noch? Oder genießt sie ihr Leben in Zukunft ohne ihn?

Nach "Das Heinrich-Problem" gibt es bei Alexandra Holenstein nun eine "Auszeit bei den Abendrots". Auch diese Auszeit hat Biss. Denn die Autorin schreibt auch hier wieder auf eine bissig-humorvolle Art, die Spaß bereitet und nachdenklich macht. Denn es wird klar, daß man die Schuld an so einer Situation nicht unbedingt nur an einer Person festmachen kann. Durch die wechselnden Erzählperspektiven bekommt man Einblick in die Denkweise beider Charaktere - und man entdeckt bei beiden ihre Beweggründe für ihr Handeln. Klar ist die Sympathie dabei aber auf der Seite von Helene. Über beide Charaktere kann man herrlich schmunzeln. Helene hat die Situationskomik für sich gepachtet, während Josef halt der typische ältere Mann mit junger Geliebten ist. Hier findet man so ziemlich jedes Klischee wieder. Auch die Randcharaktere überzeugen durch ihre unverwechselbare Art und werden durch die Autorin gut an den Leser herangeführt. Alexandra Holenstein schreibt auf sehr lockere Art, schafft den Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit auf geniale Art. Denn eines ist das Buch definitiv nicht: Klamauk. Der Humor ist gut proportioniert und an genau den richtigen Stellen eingesetzt. Übrigens gibt es auch einen Familienhund namens Lego - der auch für einige lustige Szenen sorgt.

Von mir bekommt das Buch eine ganz klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 24.07.2020
Eine Liebe zwischen den Fronten
Peter, Maria W.

Eine Liebe zwischen den Fronten


ausgezeichnet

Die junge Französin Madeleine lernt im Jahr 1870 in Berlin den deutschen Arzt Paul kennen und lieben, sie wollen heiraten. Doch am Tag ihrer Verlobung wird Krieg zwischen Frankreich und Deutschland ausgerufen, Paul erhält seinen Einberufungsbefehl. Madeleine und ihr Vater müssen sofort in ihre Heimatstadt Metz zurückkehren. Auf ihrer Reise erleben sie die Schrecken des Krieges hautnah, Madeleine verliert ihren Vater. In Metz angekommen lernt Madeleine im Haus ihrer Mutter das algerische Dienstmädchen Djamila kennen, diese bangt um ihren Bruder Karim, der in der französischen Armee dient. Als Karim schwer verwundet wird, ist es ausgerechnet Paul, der ihm das Leben rettet. So verbindet das Schicksal die jungen Leute trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft. Doch wie wird für Paul und Madeleine die Zukunft aussehen? Gibt es überhaupt eine Zukunft für sie?

Maria W. Peter beschreibt in ihrem Buch "Eine Liebe zwischen den Fronten" den Krieg so schonungslos ehrlich, so habe ich das noch nie erlebt. Es fehlen Pathos oder der erhobene Zeigefinger vollkommen und dies macht die Geschichte so einzigartig - und so einzigartig gut. Man kann die akribische Recherche, die die Autorin für diesen Roman getrieben hat, nur bewundern und man kann nur erahnen, wie viel Zeit und Liebe zum Detail darin steckt. Daraus eine so anrührende Geschichte zu machen ist eine hohe Kunst. Das kann man wohl nicht lernen, die Begabung muß in einem stecken. Hinter jedem der hier agierenden Charaktere steht eine ganz eigene Geschichte. Ihre Ängste und auch ihre Träume, die der Krieg zum Teil vernichtet hat, sind deutlich spürbar.

Alle Bücher von Maria W. Peter stehen in meinem Regal "Liebligsbücher". Auch dieses wird dort seinen Platz finden.

Bewertung vom 21.07.2020
Wilde Pfade
Weber, Raoul

Wilde Pfade


weniger gut

Raoul Weber, Tierpsychologe und Wildnispädagoge, versucht in diesem Buch zu vermitteln, daß man auch mal seinen Alltag vergessen soll, nicht alle Erziehungstrends mitmachen muß und stattdessen zusammen mit seinem Hund die Natur wahrnehmen soll. So weit, so gut. Allerdings schafft er es nicht, dies auch fundiert zu vermitteln. Er schreibt zwar begeistert und man nimmt ihm diese Begeisterung auch ab, aber es bleibt nichts von seinen Lehren im Gedächtnis. Seine Art ist einfach zu flapsig. Er spricht den Leser persönlich an, nutzt das vertraute "Du" und verwendet immer wieder reißerische Aufforderungen, die auf Dauer nerven und man sich nach einer gewissen Zeit fragt, wann er denn nun endlich mit dem Thema beginnt. Man liest und liest und es kommt einfach nichts herüber, bei dem man neue Erkenntnisse erhält. Der naturverbundene Hundehalter erlebt seine Hundespaziergänge ohnehin auf eine entspannte Art und hat dabei seine "innere Wildnis", der Hundehalter, der lieber auf sein Smartphone starrt und nicht auf seinen Hund achtet, der wird auch dieses Buch nie lesen! Von daher hätte ich mir persönlich mehr Sachlichkeit gewünscht und keine esoterischen Abhandlungen in Dauerschleife. Pluspunkt des Buches sind die wunderschönen Zeichnungen, die fast jede Seite zieren. Diese sind dann, um ehrlich zu sein, das Beste an diesem Buch.

Bewertung vom 20.07.2020
Das Kino am Jungfernstieg / Kino-Saga Bd.1
Jary, Micaela

Das Kino am Jungfernstieg / Kino-Saga Bd.1


ausgezeichnet

1946.Lilli Paal, gelernte Filmcutterin und Tochter einer Hamburger Kinodynastie, lebt in Berlin. Doch nach dem Tod des Vaters kehrt sie nach Hamburg zurück. Ihre Halbschwester hat das Kino geerbt, die Mutter ist schwer erkrankt. Auch will sie sich auf die Suche nach Filmrollen begeben, die in den Kriegsjahren verschwunden sind.

"Das Kino am Jungfernstieg" von Micaela Jary ist eine wunderbare Zeitreise in die glamourösen Zeiten des Kinos. Man sieht hier die Gemütlichkeit der früheren Kinosäle und erlebt die Nostalgie, die diese Ausstrahlen hautnah. Der Autorin gelingt es, diese Zeit wieder lebendig werden zu lassen und das Flair neu zu erleben. Aber es wird nicht nur dieser Glanz beschrieben, auch die Sorgen und Nöte der Menschen werden hier thematisiert. Man erlebt Hunger, Zukunftsangst und Not. Dieser Kontrast ist bewegend. Dadurch, daß dem Leser die Charaktere so nahe gebracht werden, wirkt die Handlung noch intensiver. Man leidet und freut sich mit ihnen. Die Suche nach den Filmrollen ist spannend und es macht richtig Spaß, sich zusammen mit Lilli auf diese Spurensuche zu begeben. Was mich immer wieder begeistert, sind Romane, bei denen man geschichtlichen Hintergrund erlebt. So auch hier. Man liest nicht einfach nur eine schöne Geschichte, sondern erhält ein Bild der Zeit!