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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Ormeniel
Wohnort: Dresden
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Bewertungen

Insgesamt 16 Bewertungen
12
Bewertung vom 02.01.2016
Eine Liebe in der Bourgogne
Franke, Heike

Eine Liebe in der Bourgogne


sehr gut

Das Cover hatte mich gleich angesprochen und der Klappentext hat mich endgültig überzeugt. Eine Liebesgeschichte im Spannungsfeld zwischen Bourgogne und Berlin wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Als die junge Berlinerin Johanna plötzlich ihren Job als PR- Managerin eines Politikers verliert, ahnt sie nicht wohin sie die Bewerbung bei einer renommierten Weinhandlung bringen wird. Ihre erste Geschäftsreise führt sie in die Bourgogne, auf das ihr unbekannte Terrain des Weinanbaus und das Minenfeld der Intrigen in einer Gegend in der Tradition und Macht alles bedeuten.

Das Buch erzählt vorwiegend die Liebesgeschichte zwischen Johanna und dem Winzer Luc, hätte aber mit etwas mehr Umfang durchaus das Zeug zu einer wunderbaren Familiensaga. Viele liebenswerte Charaktere werden vorgestellt. Der Gegensatz zwischen dem internationalen, quirligen Berlin und der ländlichen Bourgogne mit ihrem Winzeradel ist perfekt beschrieben. Leider fehlt aufgrund der Kürze der Darstellung oft ein wenig Tiefe. Hervorzuheben ist das Sachwissen der Autorin in Bezug auf das Thema Wein. Es ist keine Nebensache, sondern auch der Genießer wird sich in diesen Seiten wiederfinden. Und so ist der Roman ein kleines Stück Urlaub für die Seele.
Jeder, der Wein und eine gute Erzählung zu schätzen weiß, wird diese zauberhafte Liebesgeschichte in sein Herz schließen.

Bewertung vom 29.12.2015
Die Geschichte des Regens
Williams, Niall

Die Geschichte des Regens


ausgezeichnet

Irland ist an sich eine faszinierende Insel. Dazu jede Menge Bücher, die ich über alles liebe. Auch lebt meine Schwägerin mit ihrem Mann dort und führt ein Antiquariat. Also wiederum Bücher. Diesen Roman über Irland und Bücher musste ich einfach lesen.

Ruth ist bettlägerig und arbeitet sich, während der Regen auf ihr Dachfenster prasselt, durch sämtliche dreitausendneunhundertfünfundachtzig Bücher, die ihr Vater hinterlassen hat, um ihn zu finden. Mit den Büchern zusammen entfaltet sich die Familiengeschichte und die Erzählung wird zum Fluss, der den Leser davon trägt.

Der Roman ist keine lineare Erzählung. Die Erzählerin vergleicht ihren Stil nicht umsonst mit den Mäandern eines Flusses. So hat man viel Zeit die Landschaft und vor allem die Menschen(!) zu genießen. Die Geschichte beginnt langsam und sachte, gleichsam als Rinnsal. mit ihrem Urgroßvater, um dann über Großvater und Vater durch die Zeit bis heute getragen zu werden. Was mich gleich zu Beginn beeindruckt hat ist die Sprachgewalt, mit der diese Geschichte erzählt wird. Jede für gewöhnliche Menschen noch so banale Sache wird glasklar analysiert und auf eine wunderbar liebevolle Weise beschrieben. So findet man immer wieder Zeilen wie folgende: "Dahinter liegen die drei matschigen Felder, auf denen unsere Kühe im Gedenken an echtes Gras herumplanschen." Oder die Fliegenplage im Wohnzimmer der Familie findet beim Besuch eines Bankvertreters Erwähnung: "Keine fünf Minuten und sie hatten die feuchte, geschälte Zwiebel namens Mr. Houlihan entdeckt. … An Großmutter wagte sich keine Fliege heran." Im Laufe des Buches wachsen einem so nicht nur die Mitglieder der Familie, sondern auch die Bewohner des Kirchspiels mit ihren Eigenheiten ans Herz. Ob jemand besonders viel betet, besonders viele Kinder hat, sich jeden Abend im Sterbeanzug ins Bett legt, um ja für den Fall der Fälle gerüstet zu sein, alle sind sie Teil der Gemeinschaft und der Leser fühlt sich im Dorf Faha sehr bald heimisch. Nicht zu vergessen den Regen. Aber es gibt ja auch "den Regen, den man nicht bemerkt."
Das Buch eröffnet einem die irische Seele und entführt in eine ganz eigene Welt. Der Roman ist eine Empfehlung für jeden, der nicht nur Irlands Sehenswürdigkeiten, sondern auch die Menschen kennenlernen möchte.

Bewertung vom 15.12.2015
Drei Tage Manhattan - Begleitung gesucht
Perry, Tasmina

Drei Tage Manhattan - Begleitung gesucht


ausgezeichnet

Ein wunderschönes Cover und der Klappentext hatten mich auf diese Weihnachtsgeschichte neugierig gemacht. Ein Wintermärchen in Manhattan kann nur sehr schön werden.

Per Zeitungsanzeige sucht die in die Jahre gekommene Georgia Hamilton eine Reisebegleitung nach New York. Sie will die eine Reise machen, die sie nie angetreten hat. Der jungen Amerikanerin Amy Parrett kommt das wie gelegen, kann sie doch so zu Weihnachten ihre Familie besuchen und sich von dem Schock erholen, statt des erhofften Heiratsantrags den Laufpass bekommen zu haben. Im weihnachtliche Manhattan entblättert sich Stück für Stück die tragische Liebesgeschichte von Georgia, die in der Londoner Ballsaison 1958 begann.

Der Roman hat mich von der ersten Seite an verzaubert. Zart und einfühlsam wird aus dem Leben der beiden Frauen berichtet. Selten konnte ich mich so gut in die Akteure der Handlung hineinversetzen. Amy, die eigentlich tanzen möchte und wegen einer Verletzung "nur" als Kellnerin arbeiten kann, hat mein volles Mitgefühl, wie sie vergebens versucht, sich in der feinen Gesellschaft Londons zu behaupten. Ich würde mich kein Stück besser schlagen. Wundervoll fand ich wie Georgia ihr hilft, Selbstbewusstsein zu erlangen. Die Erzählungen aus der Ballsaison waren hinreißend. Auch Georgia wurde nichts geschenkt. Sie musste sich ihren Stand in der Gesellschaft hart erkämpfen. Gegen Ende wird der Roman dann sogar hochdramatisch. So blieb die Spannung wortwörtlich bis zur allerletzten Seite erhalten. Das Buch hat etwas Magisches. Man kann es nicht aus der Hand legen.

Das Buch ist perfekt für lange Winterabende bei Kerzenschein am Kamin. Jeder, der romantische Liebesgeschichten mag, wird es lieben. Die Autorin hat einen neuen Fan dazugewonnen.

Bewertung vom 07.12.2015
Der Zeitwandler
Höhl-Kayser, Anke

Der Zeitwandler


sehr gut

Den Klappentext fand ich schon an sich spannend. Zeitreisen und mittelalterliches Ambiente ziehen mich magisch an. Auch die Leseprobe hat mich überzeugt, das Buch lesen zu wollen.

Dennis, das Lieblingsmobbingopfer seiner Klassenkameraden und Spielball diverser Pflegeeltern, erlebt auf der Klassenfahrt in London unglaubliches. Auf einmal wird er von Schattengestalten verfolgt und hat eine Vision Edwards I., der ihn mit Wulfric anredet und anfleht, seine Tochter zu retten. Immer wieder spielt die Zeit verrückt und Personen, die ihm nahestehen, verschwinden. Ein grandioses Abenteuer quer durch alle Zeiten beginnt.

Gefallen hat mir vor allem, wie einfühlsam Dennis Innenleben beschrieben wurde. Ich konnte die ganze Zeit mit ihm mitfiebern, seine Verwirrung hautnah miterleben. Immer, wenn er meinte etwas sicheren Boden unter den Füßen zu haben, bröckelt wieder alles weg und wird durch eine noch schlimmere Variante ersetzt. Wunderbar finde ich die Schilderungen des mittelalterlichen Londons. Mit viel Liebe wurden Details eingebaut was nicht nur den Bau großer Gebäude angeht, sondern auch Dinge des Alltagslebens am Hofe umfasst. So wird auch diese Zeitepoche so lebendig, dass man am liebsten darin verweilen möchte. Aber auch von da wird der Leser fortgerissen, wie aus allen anderen Zeiten und Orten. Dieses Springen zwischen verschiedenen Realitäten macht das Lesen mitunter nicht unbedingt einfach. Durchhalten lohnt sich aber! Erst ganz zum Schluss wird klar warum alles ganz genau so geschehen musste.

Das Buch ist eine absolute Leseempfehlung für alle, die Spannung, Abenteuer und Historie zu schätzen wissen. Nicht nur jugendliche Leser werden davon begeistert sein. Ebenfalls Dank gebührt der Autorin für die von sinnlosen Gräuel befreite Umsetzung des Stoffes.

Bewertung vom 23.11.2015
Karpatensaga
Kreuzhof, Hans-Dieter

Karpatensaga


ausgezeichnet

Einen mystischen Roman über die Sagenwelt der Roma fand ich an sich schon sehr faszinierend. Auch das wundervolle Cover und die insgesamt sehr gute Verarbeitung des Buches hat mich angesprochen.

Erzählt wird der Weg der beiden Brüder Baro und Kalo, die sich aufmachen, um in der Ferne ihr Glück zu suchen. Ihr Weg führt sie durch die wilde Berglandschaft der Karpaten, hin zu fernen Klöstern oder den Ebenen der Bukowina. Dabei lernen sie Wesen wie die vampirartigen Čohane, Totengeister und den schlauen Gnom Cosmin kennen.

Geschrieben ist das Buch im Stile eines schönen, langen und ausführlichen Märchens. Man hat Zeit, die liebenswerte Familie der Brüder kennenzulernen und wird, ohne das auf die Tränendrüse gedrückt wird ,mit den Problemen der Roma im Umgang mit ihrer Umgebung vertraut gemacht. Im Kopf entstehen wundervolle Bilder. Da wird dann schon einmal einem allzu vorlauten Hahn der Hals umgedreht, auf dass er als "schweigender Hahn" und schmackhaftes Abendbrot ende, oder das alte, knochige Pferd des Korbhändlers wird liebevoll als "fröhlicher Vierbeiner" bezeichnet. Den Phuvusch (Gnom) Cosmin habe ich für immer ins Herz geschlossen und werde Ausschau halten, ob sich nicht auch so ein Wesen in meiner Umgebung findet. Das sehr gute Wissen des Autors über das Volk der Roma zahlt sich aus. Man erfährt viel über Mythen, Sitten und Gebräuche. Und so war ich fast schon traurig als ich am Schluss anlangte, dass diese wunderbare Geschichte nicht noch weiter erzählt wird.

Das Buch ist ein Leckerbissen für jeden, der sich noch etwas von seiner kindlichen Neugierde bewahrt hat, um sich auf die Welt des Unsichtbaren einzulassen. Für lange Winterabende bei Schneefall und Kerzenlicht ist es haargenau das richtige.

Bewertung vom 07.11.2015
Das Geheimnis des unendlichen Raums
Marx, Christoph A.

Das Geheimnis des unendlichen Raums


ausgezeichnet

Da ich mit trockenen Fakten noch nie besonders viel anfangen konnte, ich mich aber andererseits für Wissenschaftsgeschichte interessiere, hat mich ein Roman über das Weltbild von Kopernikus sehr gereizt. Das Cover ziert ein sehr schönes Bild im Stil mittelalterlicher Zeichnungen, was die Überwindung des Ptolemäischen Weltbildes darstellt. Das Buch ist insgesamt hochwertig gearbeitet.

1543 soll in Nürnberg das letzte große Werk von Kopernikus gedruckt werden. Der Mönch Alanus hat zusammen mit dem Dominikaner Giovanni Maria Tolosani von der Inquisition den Auftrag das Werk zu prüfen. Bevor sie es jedoch sehen können brennt ein Lagerhaus der Familie Fugger, ein Mord geschieht und das Manuskript verschwindet. Alanus und die Kaufmannstochter Julia Fugger geraten unter Mordverdacht und müssen fliehen. Die Suche nach den wahren Tätern offenbart jede Menge Intrigen, Machtspiele und macht den verzweifelten Kampf um das "richtige" Weltbild deutlich.

Der Roman an sich erzählt einen spannenden Kriminalfall mit vielen unerwarteten Wendungen. Erst nach und nach entblättert sich der wahre Verlauf der Mordnacht. Sehr viele Leute haben ein Interesse daran, den Fall zu ihren Gunsten zu manipulieren. Ob es nun Lutheraner sind, die heilige Inquisition selbst, Araber oder Juden. Eindringlich wird geschildert was für Konsequenzen das veränderte Weltbild auf die Menschen hat. Sehr gut gelungen ist die Beschreibung des damaligen Wissensstandes. Eine detaillierte Recherche hat auch sehr lebendige Szenen in der "Unterwelt" von Nürnberg ermöglicht. Die einzelnen Figuren sind mit ihrer jeweiligen Motivation plastisch geschildert. Man fiebert die ganze Zeit mit. Die Kombination aus Wissensvermittlung und spannend erzählter Geschichte ist hervorragend geglückt.
Der Roman begeistert sicher nicht nur Fans der Wissenschaftsgeschichte. Auch jemand, der einfach einen spannenden Roman in mittelalterlichem Umfeld lesen möchte, wird hoch zufrieden sein.

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