Benutzername: Piglet and her Books
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Bewertungen

Insgesamt 307 Bewertungen
Bewertung vom 05.12.2017
Der Gesang der Nachtigall
Strange, Lucy

Der Gesang der Nachtigall


ausgezeichnet

Henry ist 12 Jahre alt und zieht mit ihrer Familie in Hope House ein. Dort soll für die Familie eine bessere Zeit anbrechen, nach den vergangenen Ereignissen scheint die Familie nämlich auseinander zu brechen. Als Henry ihr neue Umgebung erkundet entdeckt sie nicht nur eine Hexe, sondern auch einige andere Geheimnisse. Schnell wird ihr klar, dass sie ihre Familie retten muss.




Wir befinden uns im Jahr 1919 in England, der große Krieg ist gerade vorbei und die Menschen versuchen wieder durchzuatmen und ein Leben aufzubauen. In diesem Wirrwarr lebt auch Henrys Familie, die nach einem schrecklichen Verlust versucht in Hope House neu anzufangen. Henry heißt eigentlich Henrietta, und ist fast wie eine Mutter zu ihrer kleinen Schwester Piglet, die eigentlich Roberta heißt. Das muss sie aber auch sein, denn ihre Mutter ist nicht in der Lage sich um ihre Kinder zu kümmern, zu schwer wiegt der Verlust.

Henry muss extrem schnell versuchen erwachsen zu werden, und man merkt beim Lesen einfach, dass ihr das nicht so leicht fällt. Mit 12 Jahren sollte man nicht so viel Verantwortung übernehmen müssen, nicht so viele Sorgen im Kopf haben, dennoch wächst Henry mit jeder Seite, und es war so toll dies mitzuerleben. An ihrer Seite dabei ist nicht nur ihre zuckersüße Schwester Piglet, das Baby der Familie, sondern auch Moth, die Hexe aus dem Nachtigall-Wald. Moth war für mich länger ein schwieriger Charakter, ich konnte nicht abschätzen ob sie Henry wirklich helfen will oder eigentlich nur für sich sein möchte. Dennoch konnte auch Moth mich überraschen, und ihre Geschichte habe ich um ehrlich zu sein auch nicht kommen sehen.

Und um die Komplexität der Handlung noch auszubauen, geht es natürlich nicht nur um Moth und Henry, sondern auch um die Familie. Henrys Mutter ist krank, so krank, dass es ihr nicht möglich ist, sich um ihre Familie zu kümmern. Sie ist eingesperrt in einem Zimmer im Hope House und wird regelmäßig von einem Arzt besucht. Das Schicksal meint es nicht gut, und man zerbricht als Leser fast schon an der Verzweiflung die Henry in dieser Situation durchleben muss.

Die Stimmung, und vor allem der Schreibstil, hat bei mir direkt eine Art Klassiker-Feeling ausgelöst. Es war fast wie eine Mischung aus Jane Austen und Louisa May Alcott, und damit hat es genau meinen Geschmack getroffen. Wie schon erwähnt lässt sich auch eine Entwicklung bei den Protagonisten erkennen, und man fiebert mit Henry zusammen mit, als es darum geht, all die Geheimnisse von Hope House aufzudecken. Ich fühlte mich wirklich gut aufgehoben in der Geschichte und würde gern wieder zurückkehren.


Fazit:
"Der Gesang der Nachtigall" könnte auch direkt als ein Klassiker der 1920er Jahre durchgehen, denn er hat genau die richtige Mischung aus Stimmung, Schreibstil und Setting. Mit einer wirklich sympathischen Protagonistin, einer Familientragödie und einem geheimnisvollen Wald stimmen auch die Eckpfeiler der Geschichte. Sehr gute Leseunterhaltung für spannende Nachmittage.

Bewertung vom 05.12.2017
Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
Green, John

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken


ausgezeichnet

Eine Protagonistin mit Zwangsstörung, ein Milliardärssohn ohne Eltern, eine Fan-Fiction-liebende Freundin und ein seltsames Reptil aus der Urzeit, dass sind grob die Bausteine aus denen John Greens neues Buch gemacht sind. Und dabei kommen Star Wars-Fans auf keinen Fall zu kurz, was mich natürlich sehr freut.




Aza ist sehr speziell, sie hat Zwangsstörungen, und das weiß sie auch. Und obwohl sie weiß, dass sie krank ist, kann sie nicht aufhören mit ihren Zwangshandlungen. Dabei ihren Gedanken zu folgen ist beängstigend, erschreckend, aber auch aufklärend. John Green ist ja bekannt dafür, dass er Charakter erschafft, die kaputt sind. Und ich finde mit Aza hat er jemanden geschaffen, der im Gegensatz zu den bisher mir bekannten Protagonisten, auch wenig Sympathie mitbringt und entwickelt. Ich konnte bei ihr im Verlauf der Handlung kaum Verbesserungen oder Fortschritte erkennen, viel mehr hat „Schlaf gut, ihr fiesen Gedanken“ mir gezeigt wie schlimm die Gedanken einer Person mit Zwangsstörungen sind.

Natürlich streift man im Verlauf des Buchlebens über dieses Thema, dennoch finde ich, dass John Green es wunderbar umgesetzt hat. Man hatte als Leser fast schon selber das Gefühl, dass Buch anschreien zu wollen, damit Aza endlich aufhört immer wieder die selben Gedanken und Handlungen zu vollziehen. Und gerade, weil es nicht möglich ist, für Aza, weil ihre Gedanken es nicht zu lassen, und für uns als Leser nicht, weil das Wörter nun mal schon gedruckt sind, war die Situation umso beklemmender.

Neben Aza spielt Daisy, ihre beste Freundin eine wichtige Rolle im Buch, denn sie ist es, die für uns einen ganz speziellen Blickwinkel einnimmt. Zum einem ist sie vertraut mit Azas Krankheit, zum anderem ist sie aber „normal“, oder zumindest nicht krank, weshalb wir als Leser, die ja nur Azas Sicht kennen, durch Daisy auch Rückschlüsse auf das Erleben des Umfeldes erfahren. Denn tatsächlich habe ich im Buch ganz oft für Aza Partei ergriffen, denn ich konnte ihr Gedanken nachvollziehen und nachlesen, Daisy hingegen hält uns als Leser und Aza als Protagonistin den Spiegel vor, weshalb sie entscheidend ist für das Verständnis von Azas Krankheit.

Natürlich gibt es auch ein Abenteuer zu bestreiten, was für meinen Geschmack etwas zu kurz gekommen ist, denn Aza und Daisy wollen einen Fall aufklären. Es geht dabei um einen verschwundenen Milliardär, der zufällig der Vater von Davis ist, einem alten Bekannten von Aza. Und so entwickelt sich eine Freundschaft der besonderen Art, über die ich aber noch nicht zu viel verraten möchte. Das Ende hat mich dennoch nicht ganz zufrieden gestellt, natürlich muss und soll es auch nicht immer ein Happy End geben, doch ich hätte mir mehr erhofft. Mehr Entwicklung von Aza, mehr Liebe und etwas mehr Happy End.


Fazit:
John Greens neustes Werk „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ ist in Sachen Plot und Protagonisten wirklich gelungen. Aza ist nicht unbedingt eine Protagonistin die man lieben haben muss, die man aber verstehen will, und die genau deshalb nicht immer sympathisch sein muss. Am Ende haben mir persönlich aber ein paar Entwicklungen und positive Aussichten gefehlt, manchmal reicht auch ein kleines Happy End.

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Bewertung vom 05.12.2017
Verbotene Gefühle / Beautiful Liars Bd.1
McGee, Katharine

Verbotene Gefühle / Beautiful Liars Bd.1


ausgezeichnet

Im Jahr 2118 hat sich das Leben in Manhattan drastisch geändert. Die Metropole New York wird dominiert von einem tausend-stöckigen Gebäude was anstelle des Central Parks jetzt die Mitte Manhattans darstellt. Auch für Avery, Leda, Eris, Rylin und Watt ist der Tower die Lebensader, die ihren Alltag bestimmt. Doch auch in der Zukunft ist nichts so wie es scheint und schnell vermischen sich Wahrheiten und Lügen.


Avery lebt mit ihrer Familie im 1000.Stockwerk, sie hat es geschafft. Sie sieht perfekt aus, sie hat Freunde, besucht die beste Schule des Towers und sollte sich eigentlich glücklich schätzen. Doch leider verlangt es das Schicksal, dass sie ihr Herz genau an die Person verliert, die sie nicht haben kann. Diesen Zug der Autorin fand ich zweischneidig, einerseits ist es natürlich klasse, das eine scheinbar perfekte Person eben doch ihre Fehler hat, andersseits hat Avery ja nichts dafür getan ein solches Leben zu haben, und ist dennoch unzufrieden. Also eine wirklich interessante Protagonistin.

Leda und Eris sind da aus ganz anderem Holz geschnitzt, sie wissen wo es Grenzen gibt, versuchen immer wieder nach Perfektion zu streben, aber schaffen es nicht, egal wie viel Anstrengung sie anstellen. Doch Eris schafft es, im Gegensatz zu Leda, sich an die Gegebenheiten anzupassen und das Gute im Leben zu sehen. Das ist auch der Grund, warum mir Eris besonders ans Herz gewachsen ist im Verlauf der Geschichte.

Schon bereits vor dem Erscheinen wurde auf diversen Social Media Accounts heftig über Cover- und Titel-Wahl diskutiert. Es ist ja mittlerweile weit verbreitet, dass man bei der Übersetzung von englischen Bücher zwar erneut einen englischen Titel wählt, der dann jedoch etwas "leichter" verständlich ist für die Leserschaft an die sich das Buch richtet. Daher kann ich dem Verlag bei der Wahl des Titels keinen Vorwurf machen, für mich passt er trotzdem noch zum Inhalt des Buches, auch wenn "The Thousandth Floor" natürlich viel mysteriöser klingt. Praktisch gesehen sind unsere Protagonisten "wunderschöne Lügner", und zwar in doppelter Hinsicht, bezogen auf Aussehen und ihrer Lügenschaften. Das Cover ist dann natürlich wieder Geschmackssache, und ja es richtet sicherlich mit dem Glitzer und dem Mädchen darauf an junge Leserinnen, was in Sachen Marketing verständlich ist, obwohl ich mir natürlich auch wünschen würde, man müsste in unserer jetzigen Gesellschaft nicht mehr auf solche Mittel setzen.

Dennoch beeinflussen diese Punkte nicht meine Bewertung des Inhalts, denn genau darum geht es für mich in einem Buch. Und hier bietet Katharine McGee eine durchwachsene Gemeinschaft, mit verschiedenen Blickwinkeln und Geschichten, die uns berühren oder erschrecken. Es hat unheimlich Spaß gemacht in das Leben des Towers zu blicken und die einzelnen Charaktere kennenzulernen, der Spannungsbogen wächst mit jeder Seite, und trotz der 500 Seiten die es zu lesen gilt. Zwischen den Kapiteln wechselt die Sicht aus der wir die Geschichte erleben, wodurch wir als Leser einen viel tieferen Einblick erhalten, also unsere Protagonisten. Bei "Beautiful Liars" handelt es sich um eine Reihe, weshalb es neben einem tragischen Ende auch einen Cliffhanger gibt, der das Warten auf den zweiten Band spannend macht.

Fazit:
Für mich ist "Beautiful Liars - Verbotene Gefühle" ein gelungener Auftakt der Reihe von Katharine McGee. Das Setting, die Charakter und die Story sind stimmig und sorgen für unterhaltsamen Lesespaß. Man kann sich über die Covergestaltung oder die Titeländerung ärgern, meinem Lesevergnügen hat dies allerdings nicht geschadet.

Bewertung vom 05.12.2017
Norwegen fürs Handgepäck

Norwegen fürs Handgepäck


sehr gut

"Norwegen fürs Handgepäck" ist kein klassischer Reiseführer, viel mehr ist es eine Geschichtensammlung über die Kultur der Norweger, über ihre Geschichte, Landschaft, Sagen und Eigenheiten. Mit interessanten kurzen Einblicken, erhält man so, fernab vom üblichen Reiseguide, die Möglichkeit Norwegen auf andere Art zu entdecken.

Bunter könnte die Sammlung an kulturellen Geschichten nicht sein, welche Stefanie Lind hier zusammengestellt hat. Wo sonst ein Reiseführer aufhört oder ein neues Thema anschlägt, beginnen die Eindrücke aus "Norwegen fürs Handgepäck" erst. Sowohl die Märchen, der Lebensalltag, die Geschichte als auch die Natur stehen dabei unter anderem im Mittelpunkt.

Zu Beginn erfahren wir die Geschichte von Per Gynt, basierend auf einem bekannten Feenmärchen eines norwegischen Schriftstellers. Die Geschichte ist unterhaltsam und führt den Leser langsam in das Buch ein. Danach folgen Geschichte über das tägliche Butterbrot, was ich tatsächlich sehr interessant fand. Nie hätte man gedacht, wie viel Wert der Norweger auf Essgewohnheiten im Alltag legt.

Besonders mitgenommen hat mich der Einblick in das Leben der deutschen Kinder nach Kriegsende. Hier wird bewusst ein Tabuthema angesprochen, und sogar mit echten Lebenserfahrungen gefüllt. Kinder mit deutschen Soldaten als Vater, die während des zweiten Weltkriegs gezeugt wurden, wurden jahrelange missachtet und von der Gesellschaft bewusst ausgeschlossen. Ohne das diese Kinder etwas für ihre Herkunft konnten, sah man in ihnen das Böse der Welt. Vor allem die Erfahrungsgeschichten, eben solcher erwachsen gewordener Kinder, haben mich sehr berührt.

Spannend fand ich den Arbeitsalltag auf einer Bohrinsel, der ebenfalls im Buch thematisiert wird. Sich vor Augen zu führen wie die Arbeit dort abläuft, welche Regeln es gibt und wie der Arbeitsweg aussieht, lässt auf jeden Fall den eigenen Horizont kleiner wirken. Ich möchte allerdings auch nicht zu viel verraten, denn schließlich soll jeder selbst diesen besonderen Reiseführer entdecken.
Etwas störend fand ich die teilweise stark schwankenden Schreibstile und Einteilungen. Ja natürlich, jeder Autor hat seinen eigenen Stil und will diesen auch soweit wie möglich inne halten, dennoch hat es mich persönlich im Lesefluss gestört, und ich hätte mir gewünscht, dass hier vielleicht vorher nochmal kleine Anpassungen passiert wären.


Fazit:
"Norwegen fürs Handgepäck" macht Lust auf das Land, und bewegt sich dabei bewusst neben den üblichen Reiseführern. Er bietet dem Leser die Möglichkeit sich mit der Kultur des Landes auseinandersetzen und vor allem einen anderen Blickwinkel einzunehmen. In der Reihe "Bücher fürs Handgepäck" gibt es natürlich noch mehr Länder und Regionen zu entdecken, und definitiv wird demnächst für die kommende Urlaubsplanung erneut zugegriffen.

Bewertung vom 05.12.2017
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (vierfarbig illustrierte Schmuckausgabe)
Rowling, Joanne K.; Scamander, Newt

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (vierfarbig illustrierte Schmuckausgabe)


ausgezeichnet

Ich glaube ja, dass jeder weiß worum es in diesem Buch geht. Dennoch für alle Muggel da draußen noch eine kurze Einführung. In unserer Welt gibt es Tierwesen die magisch sind und deren Untersuchung ein Magizoologe vornimmt um sie all die Besonderheiten der Spezies aufzuschreiben. Einer der ganz großen auf diesem Feld ist Newt Scamander, und eben dieser schreib vor einigen Jahren das Lehrbuch "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind", damit die Zauberer dieser Welt sich besser mit den oft eigentümlichen Tierwesen vertragen können.


Schon die Einleitung im Buch ist Lesespaß pur, denn neben Begrüßungsworten gibt es auch direkt einen witzigen Hinweis, man sollte doch für die Muggelausgabe noch einen Vermerk machen, dass natürlich alles frei erfunden sei. Hier beweist Newt Scamander echten Humor.


Im Anschluss daran erfolgt, vor dem eigentlichen Lexikon eine kurze Einführung mit Beantwortung von Fragen wie "Was ist ein Tierwesen?" oder "Was ist der Sinn und Zweck der Magizoologie?". Er spricht aber auch vom Paragraph 73, der dafür sorgt, dass bestimmte Tierwesen verborgen bleiben müssen vor den Muggeln, und nennt dann direkt im Anschluss auch, wie man versucht diesen Paragraphen durchzusetzen, mit mehr oder weniger Erfolg. Insgesamt sprüht schon die Einleitung vor verstecktem Witz, aber interessantem Wissen.

Und dann geht es, nach einer kurzen Übersicht der Klassifizierung von Langweilig bis Zauberertöter, endlich zum Lexikon und damit zu den bunten und wunderschönen Zeichnungen von Olivia Lomenech Gill. Und ich finde hier steckt wirklich Magie zwischen den Seiten. Das durchblättern und lesen macht Spaß, man schmunzelt oder ist erstaunt über die Einträge und will das Buch eigentlich nicht weglegen.




Olivia Lomenech Gill gibt jedem Tierwesen ein passendes und interessantes Aussehen, mich konnte vor allem der Demiguise begeistern, natürlich konnten wir ihn auch schon im Film entdecken, aber ich finde die Zeichnung fast noch liebevoller und ansprechender. Die Bebilderung strahlt die Ruhe und Friedlichkeit, die laut Newt Scamander Teil des Wesens des Demiguise, perfekt aus. Interessant fand ich hier übrigens den letzten Satz zum Lexikon-Eintrag, dass nämlich das Fell des Demiguise auch dazu verwendet wird, Tarnumhänge herzustellen. Na wem kommt das bekannt vor?


Fazit:
Insgesamt ist diese illustrierte Version ein wahrer Schatz im Regal eines jedes Harry Potter-Fans. Selbst wenn man, so wie ich, bereits die erste Ausgabe des Buches besitzt, lohnt sich der Kauf der illustrierte Version, eben wegen der wundervollen Zeichnungen. All diejenigen die sich näher mit der Welt von Harry Potter und Newt Scamander auseinandersetzen wollen, lege ich dieses Buch ans Herz.

Bewertung vom 05.12.2017
Nicht nur ein Liebesroman
Mills, Emma

Nicht nur ein Liebesroman


ausgezeichnet

Sloane, 17 Jahre, kommt sehr gut alleine klar. Denkt sie zumindest, deshalb stört sie der Umzug von New York nach Florida auch nicht wirklich. Bindungen aufzubauen ist nicht so ihre Welt, doch dann freundet sie sich mit den Zwillingen Vera und Gabe an, und irgendwas in ihr ändert sich grundlegend.


Selten hat ein Buchtitel so perfekt zum Inhalt gepasst. Unsere Ich-Erzählerin Sloane wirkt auf den ersten Blick eher distanziert, sie ist witzig auf ihre eigene Art und versucht stets gerecht zu bleiben. Daher beginnt die erste Szene des Buches auch damit, dass Sloane einem Jungen zur Hilfe kommt. Durch ihren Vater, der ein bekannter Autor von Liebesromanen ist, wird sie immer wieder zum Lesen verführt, dennoch wirkte Sloane gerade am Anfang auf mich irgendwie farblos. Ihr größtes Hobby ist das Singen, das macht sie alleine bei einer Gesangslehrerin, ansonsten scheint es fast, als würde das Leben an ihr Vorbeirauschen. Wirklich enge Freunde, die sie nach dem Umzug vermissen könnte, in New York hatte sie nicht. Um so erstaunlicher war es, zu erleben wie sie in der Freundschaft mit Vera und Gabe aufblüht.

" 'Ich mag dich', sage ich. 'Ich mag dich wie eine leidenschaftliche Sonne, ich mag dich wie einen Meteoriten, du bist für mich ein verdammter rosa Sternenregen.' " (Seite 401)

Und dabei spielt Vera eine ganz entscheidende Rolle, denn sie ist es, die Sloane aus ihrem Schneckenhaus holt. Es ist übrigens nicht möglich Vera nicht zu mögen, sie hat ein riesiges Herz und so viel Spaß am Leben, die selbst von den Seiten auf mich übergegangen ist. Und genau hier ist der Moment, in dem ich nochmal darauf hinweisen muss, dass der Titel einfach perfekt passt, denn es geht nicht nur im die Liebe der Sloane womöglich begegnet, sondern auch um Freundschaft. Um die bedingungslose Liebe unter zwei Freundinnen, die sich vielleicht nicht gesucht, aber dafür gefunden haben. Und genau diese Liebe ist es auch, die Sloane dazu veranlasst für Gabe und Vera auf die Suche zu gehen, nach einem verloren gegangen Bild.

" ... weil du noch nicht mal weißt, dass es eine Liebe gibt, der es egal ist, ob du betrunken bist oder in der Highschool oder betrunken - es ist einfach so, weil es so ist, es gibt sie einfach, weil es gar nicht anders geht." (Seite 225)

Natürlich hat auch die romantische Liebe einen Platz in "Nicht nur ein Liebesroman", aber sie ist nicht der Kernbestandteil davon. Es geht um so viel mehr, um viel mehr Gefühle und Begegnungen und Erkenntnisse. Es geht um die verschiedenen Arten der Liebe die wir empfinden können, sei es nun die zu den Eltern, Geschwistern, Freunden oder der einen Person der man das Herz zu Füßen legt. All das verpackt Emma Mills in eine tolle Geschichte, mit witzigen aber auch tiefgründigen Dialogen, einem sonnigen Setting und facettenreichen Charakteren.


Fazit:
"Nicht nur ein Liebesroman" von Emma Mills wirkt auf den ersten Blick wie eine einfache Highschool-Geschichte, doch sie entpuppt sich auf den zweiten Blick als so viel mehr. Liest man zwischen den Zeilen erkennt man schnell, dass hier viel mehr wartet. Es ist eben nicht nur ein Liebesroman, sondern eine Geschichte vom Erwachsen werden und über sich hinaus wachsen, vom aus sich heraus gehen und sich selbst erkennen. Absolut lesenswert!

Bewertung vom 05.12.2017
Lieber Daddy-Long-Legs
Webster, Jean

Lieber Daddy-Long-Legs


ausgezeichnet

Jerusha Abbott ist im Waisenhaus John-Grier-Heim aufgewachsen. Sie lebt mit wenig, und gibt immer alles. Sie sucht nach einem Ausweg, und dann erscheint er plötzlich aus dem Nichts, ein Wohltäter auf. Er will Jerusha fördern und ihr das Collage spendieren, er hat jedoch zwei Bedingungen: Er will unbekannt bleiben und monatlich einen Brief über ihren Fortschritt erhalten. Und so beginnt der großartige Briefroman von Jean Webster.



Jerusha, oder Judy wie sie sich lieber selbst nennt, ist eine ganz besondere Protagonistin. Durch ihr Leben im John-Grier-Heim hat sie viele der "normalen" Dinge nicht erlebt. Sie hat die Schule besucht, dort war sie sehr geschickt, und hat danach im John-Grier-Heim gearbeitet, ohne Aussicht auf eine echte Zukunft. Und sie wirkt dennoch in sich zufrieden, und durch Daddy-Long-Legs erhält sie eine Chance, mit der sie nie gerechnet hat. Deshalb ist sie auch zunächst zurückhaltend und vorsichtig. Diesen Wesenszug fand ich an Judy besonders wundervoll, dass sie immer mit Vorsicht lebt, und weiß, dass das Leben auch nimmt, statt nur zu geben. Und genau deshalb hat mich Jean Webster mit dem Aufblühen von Judy total gefangen genommen. Sie erlebt endlich all die Dinge, die ihr bisher nicht zugestanden haben, und geht darin total auf.

Entscheidend für diesen Schritt und diese Entwicklung ist Daddy-Long-Legs, der geheimnisvolle Mann der nie antwortet, und den wir trotzdem Stück für Stück kennenlernen und mögen. Natürlich sehen wir ihn immer nur durch die Augen von Judy, dennoch gewinnt er auch für den Leser an Sympathie. Für mich war nach ungefähr zwei Drittel des Buches deutlich, wer hinter Daddy-Long-Legs steckt, und auch wen Judy wirklich lange brauch, war der Weg dorthin, trotz meiner Vermutung amüsant und aufregend. Ich glaube an dieser Stelle auch nicht, dass Judy dadurch"unrealistisch" wirkt, weil sie nicht sofort alles zusammen zählen kann, denn trotz ihrer Freude am Lernen scheint es, als fehle ihr eine gewissen Lebenserfahrung um diesen Schluss ziehen zu können.

"Vielleicht sollten zwei Menschen, wenn sie perfekt harmonieren, wenn sie zusammen immer glücklich und getrennt immer einsam sind, nichts auf der Welt zwischen sich kommen lassen" (Seite 246)


Aufgelockert wird der Briefroman durch interessante und einfache Zeichnungen, die Judy in ihre Briefe einbindet. Auch fand ich den Spannungsbogen gelungen, man bangt mit Judy einfach mit, ob man will oder nicht. Die neue Übersetzung aus dem Königskinderverlag ist gelungen, und ich bin froh, dass ich so Zugang zu diesem Klassiker bekommen habe. Und ich kann auch schon verraten, dass im kommenden Jahr der zweite Teil von Jean Webster erscheinen wird.


Fazit:
Ein Klassiker der viel zu wenig gelesen wird, doch dank dem Königskinderverlag erhält auch eine neue Generation Zugang zu diesem wirklich gelungen Roman. Der Briefroman von Jean Webster erzählt zum einem von einer jungen Frau die endlich eine Chance erhält, sondern auch von Liebe, auf ganz einfache und wunderschöne Art.

Bewertung vom 05.12.2017
Die Illuminae-Akten_01 / Illuminae Bd.1
Kaufman, Amie; Kristoff, Jay

Die Illuminae-Akten_01 / Illuminae Bd.1


ausgezeichnet

Als ihr Planet angegriffen wird merkt Kady schnell, dass die Trennung von ihrem Freund Ezra heute morgen, wohl nicht das schlimmste ist, was ihr heute passieren wird. Mit einer rasanten Flucht, bei auch irgendwie Ezra wieder auftaucht, schafft es Kady von ihrem Planeten zu fliehen und auf einem der drei Schiffe in der Umlaufbahn zu landen. Doch damit ist es noch nicht geschafft, denn die Verfolgung beginnt jetzt erst richtig.

Dieses Buch irgendwie in Worte zu fassen, fällt mir unglaublich schwer. Es sind unglaublich viele Leseeindrücke, die ich gern raus schreiben will, um euch ansatzweise zu sagen wie grandios dieses Buch ist. Alles beginnt mit Kadys und Ezras Verhörprotokollen in denen wir erfahren, wie beiden die Flucht gelungen ist, und wir erhalten auch ein paar Einblicke in ihre Vergangenheit. Und was soll ich sagen, direkt dabei habe ich Kady in mein Herz geschlossen, ich mochte sie und ihre kämpferische Art sofort. Bei Ezra hingegen habe ich etwas gebraucht, was aber auch einfach an seiner forschen Art liegen kann.

Im übrigen habt ihr euch nicht verlesen, ich habe Verhörprotokoll geschrieben, denn dieses Buch besteht nicht aus klassischen Fließtexten, sondern aus Mitschriften, Überwachungsaufnahmen, Chatprotokollen, und noch vielen mehr an Textschnipseln die man sich gar nicht vorstellen kann. Den Jay Kristoff und Amie Kaufman haben nicht einfach ein Buch geschrieben, sie haben die Illuminae-Akten entschlüsselt und, nach dem raus streichen der Schimpfwörter, für uns veröffentlicht. Damit wir endlich nachvollziehen können, was mit der Copernicus und der Alexander wirklich passiert ist.

Jay Kristoff hat es erneut geschafft, nach "Nevernight" liefert er erneut, in Zusammenarbeit mit Amie Kaufman, ein echtes Highlight. Dieses Mal ist es pure Sci-Fi die uns ins Weltall mitnimmt und vor Technik nur so strotzt. Das ist auch etwas, was ich ganz besonders spannend fand, die erklärte und genutzte Technik im Buch ist echt was für Freaks. Und so ganz nebenbei haben mich immer wieder Wendungen aus der Bahn geworfen. Da passieren Dinge, es werden Momente erlebt, die habe ich so nicht kommen sehen. Und so fliegen die Seiten nur dahin, man glaubt, dass 600 Seiten echt viel Zeit kosten, aber ganz ehrlich, man ist absolut gebannt und kann das Buch einfach nicht weglegen.


Fazit:
Ganz eindeutig ist "Illuminae" von Jay Kritoff und Amie Kaufman mein Jahreshighlight in Sachen Sci-Fi, die Geschichte hat mich von Anfang überzeugt. Nicht nur durch die Protagonisten, das Setting und die Story, sondern als i-Tüpfelchen gibt es auch noch eine ganz besondere Art der Verarbeitung, in Form von Akten und Mitschriften statt dem klassischen Text. Ein Must-Read für Jeden von euch!

Bewertung vom 05.12.2017
Feo und die Wölfe
Rundell, Katherine

Feo und die Wölfe


sehr gut

Im alten Russland gelten Wölfe als ganz spezielle Haustiere. Die Reichen leisten es sich ein Wolf zu halten und ihn zu domestizieren, doch ein Wolf ist nun mal kein Hund. Und so kommen irgendwann all die falsch erzogenen Wölfe zu Feo und ihrer Mutter, um wieder ausgewildert zu werden.

Feo ist eine ganz spezielle Protagonistin. Mit ihrer Mutter lebt sie in der Wildnis, Wölfe sind ihre Freunde und andere Menschen verabscheut sie. Einzig ihrer Mutter vertraut sie aus vollstem Herzen, erst als sie festgenommen wird muss Feo lernen nicht nur sich zu vertrauen, sondern auch den Menschen.

Der Grundgedanke der Geschichte, nämlich die Befreiung der Mutter, wird immer wieder durch die Entwicklungen und Erkenntnisse von Feo "unterbrochen". Zwar ist der Hauptstrang immer vorhanden, doch ist es eben auch Teil des Buches, das Feo anderen Menschen vertraut und so daran wächst. Ich fand diesen Teil fast noch spannender und interessanter, denn irgendwie habe ich im Hinterkopf immer gehofft, dass es ein Happy-End geben wird. Daher galt meine Konzentration beim Lesen vor allem Feo, die über sich hinauswächst um ihre Mutter zu finden. Dennoch fehlten mir an der ein oder anderen Stelle ein paar Spannungsbögen, und man kam leicht im Lesefluss ins stocken.

Einen entscheidenden Beitrag im Buch haben natürlich die Wölfe, sie sorgen auch für einige tragische, lustige, herzliche und traurige Momente. Interessant fand ich auch die eingehenden Worte der Autorin zu den Menschen in Russland, die die Wölfe auswildern. Ich habe jetzt nicht nachgeprüft, ob dies erfunden ist oder nicht, ich fand die Idee einfach so toll, dass ich es gar nicht wissen wollte. Wolfsliebhaber und Abenteuerleser werden in diesem Buch voll auf ihre Kosten kommen, sollten aber auch die Taschentücher parat haben.


Fazit:
"Feo und die Wölfe" entführt uns in ein kaltes, robustes Russland vor einem Jahrhundert, dass vor allem durch grausame Menschen und Natur gekennzeichnet ist. Mit Abenteuer, Wölfen und einer ordentliche Portion Mut schafft es Feo, unsere Protagonistin, uns auf 240 Seiten zu unterhalten.

Bewertung vom 05.12.2017
Die Geschichte von Mya und Kol / Ivory & Bone Bd.1
Eshbaugh, Julie

Die Geschichte von Mya und Kol / Ivory & Bone Bd.1


sehr gut

Viele hundert Jahre zurückliegend verliebt sich der Jäger Kol auf den ersten Blick in Mya. Als sie kurz darauf auch noch bei der Mammutjagd sein Leben rettet, versucht er sie von sich zu überzeugen, doch Mya scheint eiskalt. Sie ignoriert ihn, lässt ihn abblitzen und lehnt seine Geschenke ab. Doch Kol spürt das mehr dahinter steht, dass ein Geheimnis verborgen liegt, welches Myas Verhalten erklärt.


Das Buch hat mich vor allem wegen dem Setting angesprochen, die Geschichte spielt in der Eiszeit, wo Jagen und Felle häuten an der Tagesordnung steht, und genau das macht so interessant. Ich kenne keine Geschichte die diese Zeit näher in den Fokus setzt und vor allem den Blickwinkel auf die verschiedenen Stämme setzt.

Am Anfang bin ich mit Kol einfach nicht warm geworden. Irgendwie konnte ich seine sofortige Begeisterung für Mya nicht nachvollziehen, wo sie doch ihn einfach immer wieder ablehnt. Er überlebt als Jäger in dieser feindlichen Umgebung, mit Säbelzahntigern und anderen Gefahren, und kann dann einfach nicht Mya sein lassen? Doch nach einer gewissen Zeit, und vor allem einem tieferen Blick wurde mir klar, dass Kol auf Grund des absoluten Mangels an Frauen in seinem Alter in seinem Stamm dieses Verhalten an den Tag legt. Mya ist nicht nur hübsch und kann jagen, sie ist auch die erste Frau seit Jahren, die er als "Potenzial zum Heiraten" sieht.

Aber auch mit Mya hatte ich am Anfang meine kleinen Schwierigkeiten, denn ähnlich wie bei Kol, konnte ich ihre Ablehnung nicht verstehen, ihr Verhalten war für mich nicht nachvollziehbar. Doch auch hier kam mit der Zeit die Erklärung, die ich mir eher gewünscht hätte. Mya kämpft nämlich sehr stark mit ihrer Vergangenheit, und hat leider gegenüber Kol nicht das Talent, sich besser auszudrücken, so dass dieser Umstand schneller deutlich wird. Unabhängig davon waren Mya und Kol als Protagonisten realistisch für die Zeit und nach den Startschwierigkeiten auch wirklich interessant und entwicklungsfähig.

Natürlich ging es nicht nur um die beiden, sondern auch um die Intrigen und Kämpfe zwischen den Stämmen in der Eiszeit, denn es geht ums Überleben, um das Wandern und Jagen, um den Stamm ernähren zu können. Hier wird noch eine weitere Geschichte erzählt die sich mit der von Mya und Kol verbindet und das Fundament dafür darstellt. Die Erzähldynamik war manchmal etwas schleppend, bedeutet teilweise wusste ich einfach nicht, wohin sich alles entwickeln sollte oder könnte. Am Ende hat mich aber immer wieder das besondere Setting zurück geholt und begeistert, denn aus dieser modernen Welt heraus und diese kalte Einöde einzutauchen war einfach berauschend und spannend.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich zunächst dachte, dass mir das Ende einfach viel zu kurz kam, aber ich habe festgestellt, dass es einen zweiten Teil geben wird, der bereits auf englisch erschienen ist. Darin wird Mya und Kols Geschichte weitererzählt. Es bleibt also weiter interessant und hoffentlich können wir bald wieder in diese Zeit eintauschen.

Fazit:
Das Setting und der Plot sind top, und der Hauptgrund weshalb ich immer wieder Eintauchen wollte in das Buch. Mya und Kol hingegen brauchten eine Weile um mit mir warm zu werden, doch sobald das erledigt war, fing die Geschichte an ins Rollen zu kommen. Leichte Spannungsschwankungen zum Trotz konnte mich Julie Eshbaugh mit ihrem Roman fesseln.