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lem49
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Berlin

Bewertungen

Insgesamt 77 Bewertungen
Bewertung vom 20.08.2025
Flitner, Bettina

Meine Mutter


ausgezeichnet

Die Autorin Bettina Flitner kannte ich bislang noch nicht, weiß aber nun, dass ich ihren vorherigen Roman "Meine Schwester" unbedingt noch lesen muss. Denn dieses neue Werk hier hat mich bewegt. Die Mutter nimmt sich das Leben. Man war damals genervt von ihrem Verhalten und distanzierte sich irgendwann. Und dann, 40 Jahre später, hat man beruflich in der Gegend zu tun, wo einst die Beerdigung stattfand. Und da tauchen die Fragen auf. Und lassen einen nicht mehr los. Zwingen einen förmlich sich mit dem Thema zu befassen. Es beginnt eine Reise in die Vergangenheit, zur Zeit, als die Mutter ein Kind war. Wo hat sie genau gelebt? Wo und unter welchen Bedingungen ist sie aufgewachsen? Wie war ihr Werdegang?
Sehr interessant was da alles zu Tage trat! Eine Zeitreise in deutscher Geschichte.
Das Thema wurde prima umgesetzt und ist in einem flüssigen Schreibstil verfasst worden. Hat mir sehr gut gefallen!

Bewertung vom 17.08.2025
Maaß, Laura

Was du siehst


sehr gut

Der erste Roman von Laura Maaß ist gelungen. Was man nicht alles für Farben sehen kann, wenn man nur die Augen aufmacht und genau hinschaut! Bemerkenswert, jedem Kapitel eine andere Farbe zu widmen. Das Cover hatte mir zuvor schon sehr gut gefallen und passt auch zum Handlungsort der Geschichte. Auch die Charaktere passen und sind authentisch dargestellt worden. Wie das Leben so spielt! Dramen, noch und noch. Viel Leidensdruck und dennoch Durchhaltevermögen. Interessant sind die Zeitsprünge. Angefangen in den sechziger Jahren, über die Zeit der Berliner Mauer, dem Mauerfall und bis über die Jahrtausendwende hinweg. Viele Jahre, in denen Generationen heran wuchsen und entscheiden mussten, ob sie ihr Schicksal klaglos annehmen oder grundlegend etwas ändern.
Zwischendurch plätscherte die Handlung für mich so dahin und ich grübelte, als ich mich dem Ende des Buches näherte, wie das Ende wohl aussehen mochte. Und wurde angenehm überrascht. Ein unerwartetes Ende. Damit hätte ich nun gar nicht gerechnet.

Bewertung vom 29.07.2025
Ritter, Marie Luise

Die Suche nach Zuhause


sehr gut

Wo ist Zuhause? Was ist das überhaupt? Hängt es vom Ort oder von Personen ab? Gibt es dafür eine gemeingültige Regel oder definiert das jeder für sich selbst?
So viele Fragen. Das Cover passt. Die Autorin beschreibt ihren eigenen, persönlichen Weg dorthin und geht diesen Fragen auf den Grund. Mit ihrem Buch hat sie auch mich zum Nachdenken angeregt. Auch ich denke schon länger über diese Fragen nach. Reicht es aus davon zu träumen, irgendwo anders zu leben, zu arbeiten, sich immer nur vorzustellen wie es wäre? Oder muss man einfach etwas ausprobieren, weil man sonst nie weiß, was gewesen wäre. Was hätte sein können. Dann hat man irgendwann ganz bestimmt das Gefühl Chancen nicht genutzt zu haben.
Letztendlich muss wohl jeder selbst heraus finden, was für ihn das Beste ist. Und was er braucht um glücklich zu sein. Den richtigen Ort, den passenden Job und Menschen, die einen akzeptieren, so wie man ist. Denn darum geht es. Was nützt es einem etwas gewagt zu haben, wenn man dabei unglücklich ist.
Fazit: Nicht lange reden, sondern machen!

Bewertung vom 20.07.2025
Engler, Leon

Botanik des Wahnsinns


sehr gut

Von diesem Buch bleibt definitiv etwas hängen, sprich: es hallt nach. Unglaublich ehrlich vorgetragene Familiengeschichte. Obwohl ich mich schon gefragt habe, ob, oder in wie vielen Teilen dies wirklich die Geschichte des Autoren ist. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Das Cover ist ein Hingucker und passt mit dem Inhalt und dem Titel des Buches perfekt überein. Verstörend, ernst, aufklärend, ehrlich. Die Leiden der Familie, von Depression bis Wahnsinn und Schizophrenie ziehen sich ja wirklich durch die gesamte Biografie des Protagonisten! Es wundert da nicht, dass er Anzeichen an sich sucht, die belegen, dass er ebenfalls vom Wahnsinn befallen ist.
Das Ende blieb offen. Wird der Protagonist seine Familienakte jemals fertig gestellt haben? Wird er darin auch als Patient vorkommen, bzw. ist er es nicht schon längst?
Ich habe dieses Buch teils Kopf schüttelnd, teils schmunzelnd gelesen. Denn auch der Humor kommt darin nicht zu kurz. Ein besonderer Humor, das gebe ich zu, aber den braucht man bei dieser Familienkonstellation wahrscheinlich auch. Die Schilderungen und Figuren waren für mich jedenfalls authentisch dargestellt.

Bewertung vom 11.06.2025
Gerstberger, Beatrix

Die Hummerfrauen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Was für ein wunderbares Buch! Dieses Buch hat sich die 5 Sterne wirklich verdient. Ann, Julie und Mina. Drei Frauen unterschiedlichen Alters meistern ihr Leben bei Hummerfang und Wind und Wetter. Das Cover ist gelungen und passt. Unabhängig davon, dass ich viel gelernt habe über das schwierige Leben auf einer kleinen Insel und den Hummerfang, hat mich dieser Roman erreicht. Die Figuren wurden authentisch dargestellt, der Schreibstil ist flüssig und das Geschriebene klar gegliedert. Dieser trockene Humor und die Dialoge - einfach nur herrlich. Voller Menschlichkeit und Wärme führt einen die Autorin durch das Programm. Wenn dies ihr Debütroman war, dann warte ich schon gespannt auf Neues von ihr.
Wenn ich ein Fazit ziehen soll, dann dieses: Niemals aufgeben, das Leben geht weiter. Schere dich nicht um Widrigkeiten des Lebens! Mache es wie der Hummer und häute dich wenn es sein muss, damit dich der Panzer nicht zerquetscht!

Bewertung vom 01.06.2025
Berkel, Christian

Sputnik


gut

Von Christian Berkel hatte ich schon "Der Apfelbaum" und "Ada" gelesen. Und war von beiden Büchern sehr begeistert. Vom dritten hatte ich mir viel versprochen, doch ich muss nun sagen, dass dieser mir nicht ganz so gut gefallen hat. Von der Suche nach sich selbst, der eigenen Identität und dem Werden eines Schauspielers handelt dieser Roman. Nachvollziehbar, was er alles erlebt, doch ergeht sich der Autor für meinen Geschmack zu viel in erotischen Abenteuern und Exzessen. Gehört vielleicht dazu, aber mir war es eindeutig zu viel. Die Verknüpfungen zu seinen anderen beiden Büchern, der Geschichte seiner Familie, war gelungen. Da mochte ich gern weiter lesen, aber bei den ewigen Schilderungen zu Szenen auf der Bühne, hätte ich am liebsten schnell weiter geblättert. Interessant war definitiv die Beschreibung der Zeit, als Holocaust im Fernsehen gezeigt wurde und die RAF in aller Munde war.
Das Cover passt zum Buch. Und die Figuren wurden authentisch gezeichnet. Dennoch wurden meine Erwartungen nicht ganz erfüllt.

Bewertung vom 18.05.2025
Hughes, Siân

Perlen


ausgezeichnet

Was für ein außergewöhnliches Buch! Was für eine Familiengeschichte! Wie sehr doch abwesende Familienmitglieder das weitere Leben der Angehörigen bestimmen. Das wurde mir wieder einmal vor Augen geführt. Die Mutter ist fort. Wohin ist sie? Geht es ihr gut, ist etwas passiert? Lebt sie überhaupt noch? Was wäre gewesen, wie hätte sich das Leben weiter entwickelt, wenn sie nicht von einem zum nächsten Moment verschwunden gewesen wäre? Ging sie überhaupt freiwillig?
Fragen über Fragen. Schuldgefühle. Was wäre wenn. Dunkle Momente. Der Titel "Perlen" passt hervorragend.
Das Thema wurde sehr gut umgesetzt, die handelnden Personen waren überzeugend. Obwohl ich mich frage, ob Personen, die noch nie in ihrem Leben mit solch einer Thematik in irgendeiner Form konfrontiert worden sind, die Handlungen immer nachvollziehen können. Der Schreibstil ist gut lesbar und mir hat das Buch nicht nur gut gefallen, sondern es hat mich auch nachdenklich zurück gelassen. Gerade weil die Familie so wichtig ist. Sowohl vorhandene, als auch nicht vorhandene Familienmitglieder bestimmen unseren Werdegang und beeinflussen unser Leben.

Bewertung vom 18.04.2025
Carr, Garrett

Der Junge aus dem Meer


ausgezeichnet

Der Titel klang spannend, die Leseprobe faszinierte mich und Irland mag ich auch. Also wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Ich habe es nicht bereut, aber da ich ein ganz anderes Leben führe, wie diese irische Fischergemeinde in den 80-er Jahren, tat ich mich zunächst schwer damit. Doch ich kann hiermit kundtun, dass mir dieses Buch inzwischen ans Herz gewachsen ist. Die Protagonisten wurden authentisch dargestellt. Dazu passt das Cover hervorragend. Nachvollziehbar wurden die Handlungen jedes einzelnen für mich aber erst im Laufe des Leseprozesses. Auch der Umgang mit dem Jungen aus dem Meer. Das harte Leben eines Fischers, alte Traditionen, die konservative Einstellung der Einwohner. Das Thema wurde prima umgesetzt und ich habe jede Menge über Fangquoten, Fangtechniken und die sich immer weiter entwickelnden Fischereiboote und die daraus folgenden Konsequenzen gelernt.
Dieses Buch empfehle ich jedem Irland-Liebhaber.

Bewertung vom 09.03.2025
Lopez, Paola

Die Summe unserer Teile


ausgezeichnet

Von der Autorin hatte ich zuvor noch nichts gehört, aber ich mag Romane die über Generationen hinweg erzählen. Die Leseprobe hatte mich schon neugierig gemacht, aber dieses Buch nun in Gänze zu lesen - großartig! Die Charaktere wurden absolut glaubwürdig beschrieben und das Thema glasklar herüber gebracht.
Von Familienproblemen hört man allerorten. Was hinter großem Schweigen oder merkwürdigem Verhalten steckt, was aus Angst nicht gesagt und gefragt wird, wird oftmals nicht aufgeklärt. Oder erst nach dem Tod in Erfahrung gebracht. Dieses Buch erzählt davon. Und lässt einen nachdenklich zurück. Die Zeit lässt sich nicht zurück drehen. Man möchte alles anders und besser machen als die eigenen Eltern und wenn, wie hier beschrieben, noch große Entfernungen zwischen den Familienmitgliedern liegen, dann ist es irgendwann zu spät. Zu spät um unbeschadet aus der Sache hervor gehen zu können. Fazit: Miteinander ins Gespräch zu gehen, Kontakte nicht abreißen zu lassen, einander Vertrauen zu schenken und auch versuchen zu vergeben werden benötigt, um wirklich glücklich sein zu können.

Bewertung vom 22.02.2025
Liepold, Annegret

Unter Grund


sehr gut

Das Cover gefällt mir sehr gut. Die Fuchsin geht um und hütet ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das wohl einige Menschen der Nachkriegsgeneration hüten. Oder bereits mit ins Grab genommen haben. Schweigen macht krank. Nicht nur denjenigen der schweigt, sondern auch diejenigen die angeschwiegen werden. In diesem Roman kehrt Franka nach 10 Jahren in ihr Dorf zurück und wird überwältigt von ihren Erinnerungen. Positiven wie negativen. Hier ist sie aufgewachsen, hier hatte sie glückliche Momente mit ihrem Vater. Aber immer war da auch dieses erdrückende Schweigen. Als Jugendliche orientierungslos, am Rande des gesellschaftlichen Lebens stehend, lernt sie vermeintliche Freunde kennen. Alkohol, Party, Krawall, rechte Parolen. Nun gehört sie irgendwo dazu, aber es fühlt sich nicht richtig an. Nachdem sie angeklagt wird und vor Gericht muss, verlässt sie ihr Dorf, zieht in die Stadt, studiert und schweigt fortan selbst. Erst nach ihrer Rückkehr lässt sie Gespräche mit ihren noch lebenden Verwandten zu und beginnt zu verstehen. Aber wie weit würde man gehen? Wo ist eindeutig eine Grenze erreicht? Wo beginnt Schuld, die womöglich nie wieder gutzumachen sein wird?
Dieses Buch verdeutlicht, wie schnell man in eine Szene hinein geraten kann. Umgeben von Dorftraditionen und einem unheimlichen Schweigen, mangelnden Angeboten für Heranwachsende und fehlender Perspektive. Die Charaktere wurden authentisch dargestellt und die Handlung war nachvollziehbar.