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Benutzername: anyways
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Bewertungen

Insgesamt 190 Bewertungen
Bewertung vom 13.11.2014
Tödlicher Frost / Alexander Winther Bd.1
Jaklin, Asbjørn

Tödlicher Frost / Alexander Winther Bd.1


ausgezeichnet

Die Fotografin Tora vom „Avisa Nordland“ und der Reporter Alex vom „Nordlys“ recherchieren im Fall eines Ermordeten tief oben in Nordnorwegen. Der Ermordete wurde nicht nur erhängt, sondern seine Beine mit einem Grabstein vom nahegelegenen Soldatenfriedhof beschwert. Tora und Alex werden mit der traurigen und erschütternden Vergangenheit dieses Landstrichs, kurz vor dem Polarkreis konfrontiert. In Botn war zu Kriegszeiten das größte Serbierlager der Region. Unzählige Serbier wurden dort interniert, zu Tode gefoltert oder aus Angst vor Seuchen ermordet. Neben den Deutschen waren auch die Norweger an diesen Grausamkeiten beteiligt. Eine humanitäre Katastrophe auf norwegischem Boden.
Einiges deutet auf eine Verbindung zwischen dem Ermordeten, der aus Bosnien stammt, wie die späteren Ermittlungen ergeben, und der blutigen Vergangenheit dieses Landstriches, hin. Doch mehr als sechzig Jahre trennen die beiden Geschehnisse. Alex, ein ehemaliger Soldat, der sich erst seit kurzem als Volontär bei Nordlys befindet, recherchiert auf eigene Faust. Hilfe bekommt er auf Umwegen von seinem Vater, einem ehemaligen Geheimagenten, der ihm zwar nicht direkt alle Fragen nach der nordnorwegischen Kriegsvergangenheit beantworten kann, aber trotzdem entscheidende Hinweise liefert.

Während der ersten Seiten stellte ich mir immer wieder die Frage wie die beiden Erzählstränge aus der Nachkriegszeit und der Gegenwart wohl zusammen laufen. Ich konnte mir eine direkte Verbindung zwischen den Geschichten nicht vorstellen, aber es gibt sie. Der Autor flichtt eine Geschichte in der man ständig zwischen Wut, Ungläubigkeit und Verachtung ob der Grausamkeiten der Kriegsherren und Mitleid, Scham und Schmerz ihrer Opfer schwankt. Die Besonderheit: Das Gute und das Böse wechseln in einem stetigen Fluss. Allem obliegt die Frage nach der Erbsünde. Werden Grausamkeiten vererbt, von Vater auf den Sohn oder die Tochter? Ist das Kind eines Kriegsverbrechers selbst ein Verbrecher? Oder wird das Kind eines Kriegsopfers auch eine Opferrolle in seinem Leben zuteil. Ich habe selten einen Krimi gelesen, der mich geschichtlich so stark aufgewühlt hat. Ich finde die Recherchen des Autors hoch interessant, zumal mir vieles gar nicht bekannt war. Bis zum Schluss gelingt es Jaklin, seinen Leser zu fesseln. Immer wenn ich dachte, ich kenne den Ausgang der Geschichte kam eine neue Wendung.
Tödlicher Frost ist ein ganz besonderes Buch, das ich gerne weiterempfehle, da es selbst ausgemachte Krimiliebhaber fesseln dürfte.

Bewertung vom 13.11.2014
Die Rache der Hurenkönigin / Frankfurter Hurenkönigin Bd.3
Neeb, Ursula

Die Rache der Hurenkönigin / Frankfurter Hurenkönigin Bd.3


ausgezeichnet

Eine aufgeheizte Stimmung herrscht in Frankfurt anno 1522, erst fünf Jahre ist es her, dass Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen zur Reformation der Kirche publik machte und die Entwicklung der Lutherischen Ideen macht auch vor der Mainmetropole nicht halt. Immer öfter kommt es zu öffentlichen Disputen zwischen den Anhängern der alten und der neuen Kirche. Auch die Hurenkönigin und ihr Geliebter müssen solche Auseinandersetzungen beim Besuch der Buchmesse erleben. Der Weg durch die engen Gassen, zum vereinbarten Treffpunkt mit dem Verleger Doktor Eckhart Heller, gestaltet sich durchaus schwierig. Dabei ist Ursel sowieso schon mehr als aufgeregt, wird der Verleger ihre Idee, einen Kriminalroman zu schreiben, überhaupt ernst nehmen?
Ursels Bedenken zerstreut der sympathische Verleger sofort, mehr noch, er bestärkt sie sogar in ihrem Vorhaben, mit ihrem Lebensgefährten Bernhard von Wanebach zusammen dieses Buch zu schreiben.
Doch ihr Vorhaben findet ein jähes Ende, als in Frankfurt kurz hintereinander zwei junge Frauen ermordet aufgefunden werden. Die Toten sind eine Inszenierung der Mater Dolorosa, der Schmerzensmutter. Als dann auch noch die innig geliebte Nichte des Gelehrten Wanebach verschwindet, wird Ursel sogar von der Obrigkeit zur Aufklärung der Frauenmorde hinzugezogen.

Ursula Neeb schickt ihre sympathische Hobbydetektivin Ursel wieder auf Verbrecherjagd. Wie auch in den Vorgängern dieser Reihe, besticht die Autorin wieder durch eine gut recherchierte Story und eine detailgetreue Wiedergabe des Lebens im Mittelalter. Die aufgeheizte Stimmung zwischen den Katholiken und Protestanten auf der Buchmesse ist förmlich mit Händen greifbar. Sehr intensiv fand ich auch die Schilderung der Überläufer, der Ex-Priester, die sich den Lutheranern anschließen und ein normales Leben führen wollen. Doch ohne den Schutz der Kirche ist es doppelt so schwer, Fuß zu fassen in einem bürgerlichen Leben. Meist obsiegt die Armut. Dieser Zwiespalt ist sehr deutlich herausgearbeitet. Der eigentliche Kriminalfall ist nicht minder spannend, hier fehlte mir nur ein bisschen etwas Neues oder Anderes. Die Opfer sind wieder Frauen und der Täter außerordentlich brutal. Trotzdem hält das Interesse, weil die Erzählweise ungemein fesselnd ist, die Sorgen und Nöte der Protagonisten nachempfindbar und die Szenerie des Mittelalters fast erlebbar wird.
Mit ein bisschen Wehmut las ich die letzten Abschnitte, ich hoffe ich täusche mich sehr, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das dies Ursels letzter Fall war.

Bewertung vom 13.11.2014
Vegetarisch mit Leidenschaft
Schweiger, Andi

Vegetarisch mit Leidenschaft


weniger gut

Ein überaus imposantes Werk, dieses Kochbuch, reichlich bebildert und nicht nur mit der reinen Rezept Abfolge ausgestattet, sondern neben der Biographie des Kochs auch mit viel saisonalem Wissen über die diversen Gemüsesorten und deren perfekte Zubereitung. Das hat mir sehr gefallen, ist dies doch eine gelungene Abwechslung zu all den anderen Kochbüchern. Trotzdem hadere ich ein bisschen mit diesem Werk, da ich gänzlich andere Erwartungen hatte. Dazu muss ich anmerken, dass ich zwar gerne gut und abwechslungsreich koche, aber definitiv bin ich kein „Zauberkünstler“ in der Küche. Die Zubereitung dieser Gerichte ist aber schon sehr anspruchsvoll, das fängt schon mit der Zutatenliste an. Nach einigem rumgoogeln hatte ich ein ungefähres Bild von Sauerampfer und Blutampfer, mit einigem Suchen findet man Ersteres auf einer Wiese in der Nachbarschaft schon, das letzte jedoch nicht. Genauso ging es mir mit Johannisbeertomaten und vielen anderen Dingen auch, mal ganz davon abgesehen das ich meine Küchengeräte um ein Dutzend neuere erweitern müsste, da ich weder eine Gemüsespaghettimaschine noch einen Vakuumierer u.v.a.m. mein eigen nennen.
Ich hatte mich auf ein Buch mit praktikablen Rezeptideen gefreut um meinen kulinarischen Horizont zu erweitern, leider habe ich unterschätzt, das Andi Schweiger ein Sternekoch ist und da reich ich leider mit meinen „Kochkünsten“ bei weitem nicht ran.

Bewertung vom 13.11.2014
Tribunal
Georgi, André

Tribunal


gut

17 Monate hat Jasna Brandic gebraucht, um den Belastungszeugen Oreskovic für das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, ausfindig zu machen. Ein Zeuge der den Kriegsverbrecher Kovac überführen könnte, kämpften doch beide bei den „Wölfen“, und sind doch beide mitverantwortlich für den Mord an 3953 Menschen, darunter viele Frauen und Mädchen, die vor ihrer Ermordung vergewaltigt wurden. Aber die „Wölfe“ verfügen auch über ein Jahrzehnt nach Beendigung des Balkankrieges über ein dichtes Netzwerk an Sympathisanten und Informanten und durch Heckenschützen wird eine Aussage Oreskovic verhindert. Siebzehn Monate Ermittlung und schlaflose Nächte umsonst. Doch während sich die Straßen von Den Haag noch von dem blutigem Schock erholen, nimmt ein weiterer „Wolf“, Decknamen Branko,mit Jasna Kontakt auf, auch er will aussteigen und gegen seinen ehemaligen Kameraden und Weggefährten Kovac aussagen. Ganz gleich ob es sich nur um ein Gerücht handelt, die Niederlage, den Hauptbelastungszeugen, so kurz vor der Verhandlung, verloren zu haben, wiegt so schwer, das sich Jasna nicht allzu große Gedanken um die Echtheit des Neuen macht. Sie begibt sich auf die Suche nach Branko, nicht ahnend dass die zukünftigen Geschehnisse eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verwoben sind.

Osteuropa Anfang der 90ziger Jahre, während sich der Ostblock, nördlich des Balkans, über das Ende des Kalten Krieges freut, den Warschauer Pakt aufgibt und Deutschland sich wiedervereinigt, wird aus dem Schwelbrand im Vielvölkerstaat Jugoslawien ein verehrender Krieg, ungeahnten Ausmaßes. Die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen dauert nun schon fast zwei Jahrzehnte an, und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Vor diesem Hintergrund spielt der Thriller von André Georgi.
Der Autor schont seinen Leser nicht, die Grausamkeiten des Krieges, Gräueltaten, Foltermethoden, sowohl physischer und psychischer Natur schildert er ausführlich. Das ganze Buch ist ausschließlich in der indirekten Rede geschrieben, auf der einen Seite hatte ich das Gefühl, mich live in einer Kriegsberichterstattung zu befinden, auf der anderen Site viel es mir wiederum schwer mehr als drei, vier Seiten am Stück zu lesen, und das nicht nur wegen der oben beschriebenen Fürchterlichkeiten, sondern wegen dem enervierenden Schreibstil. Mühselig hab ich mich durch die Seiten gequält. Alle Geschehnisse, ob das Jasnas Privatleben, oder die Schauplätze in Den Haag oder in Serbien betraf, fanden für mich, durch den eigenwilligen Schreibstil des Autors, irgendwie auf einer Ebene statt. Nichts hob sich vom anderen ab, oder unterschied sich. Durch die indirekte Erzählweise, fehlte mir jeglicher Ansatz von Emotionen. Eine kalte, unbarmherzige Darstellung des Krieges, die durchaus angebracht scheint, aber keine gut gewählte Erzählweise für die Hauptprotagonistin und ihre Geschichte in diesem Thriller.
Ein Thriller mit durchaus viel Potenzial, für mich zu eintönig umgesetzt.

Bewertung vom 13.11.2014
Treibland / Kommissar Danowski Bd.1
Raether, Till

Treibland / Kommissar Danowski Bd.1


sehr gut

Ein, unter panamaischer Flagge fahrendes Kreutzfahrtschiff wird im Hamburger Hafen festgesetzt, da ein Paasagier am hämorrhagischen Fieber auf dem Schiff verstarb.
Das Schiff wird driekt am Kai unter Quarantäne gestellt, kein Passagier darf es verlassen. Die Gesundheitsbehörde und das Tropeninstitut versuchen einen Grund für das plötzliche Ableben zu finden, und auch die Polizei wird eingeschalten. Da es zu verhindern ist, das Panik unter der Hamburger Bevölkerung ausbricht, werden nicht die erfahrensten Kriminalisten mit der Aufgabe betreut.
Adam Danowski, bisher eher der Mann für die Bürofraktion zuständig, findet sich plötzlich im Aussendienst wieder. Seine Ermittlungstätigkeit ruft nicht nur unter Kollegen sondern auch auf dem Schiff Gegner auf den Plan, und durch widrige Umstände ist Danowski auf einemal selbst "passagier" auf dem Schiff, und seinen Feinden schutzlos ausgeliefert.

Kein ganz normaler, reisserischer Krimi um Pharmariesen, Lobbyisten und korrupte Politiker. Obwohl diesem Krimi eine sehr plakative Idee zu Grunde liegt, finde ich ihn interessant umgesetzt. Allein der etwas gestresste Familienvater Danowski, leicht hypochondrisch, chronisch übermüdet und einfach nicht das stereotype Abbild eines Kriminalisten, machen dieses Buch zu etwas Besonderem. (Ein kleiner Wermutstropfen ist hiebei lediglich seine "Krankeit" Hyposensibilität, sie ist keine solche sondern, beschreibt einfach einen sehr empfindsamen, empatischen Menschen).Die bösen Buben werden zwar in gewohnter Manier dargestellt, hervorstechend ist aber die ein klein bisschen verrückte Auftragskillerin und ganz besonders das Eigenleben auf einem Kreuzfahrtschiff. Eingespeert auf enstem Raum, ohne grossen Komfort, die Abwechslung bietende Satdt so nah. Ein etwas überspitztes Porträt einer "misslungenen" Kreuzfahrtreise und eine kleiner kalter Blick hinter die Kulissen. Till Raethers Buch kann ich nur empehlen, da er keine übliche, schon in vielen Büchern vorgekommene Szenerie einer bevorstehenden Epidemie mit einem tödlichen Erreger skizziert.

Bewertung vom 13.11.2014
Der Teufel von New York / Timothy Wilde Bd.1
Faye, Lyndsay

Der Teufel von New York / Timothy Wilde Bd.1


ausgezeichnet

Als Geschwisterliebe kann man die Beziehung der Brüder Valentine und Timothy Wilde nicht gerade bezeichnen, sie sind immer noch schwer traumatisiert vom Tod ihrer Eltern, die bei einem Brand vor vielen Jahren ums Leben kamen. Jeder versucht auf seine Weise mit dem Verlust umzugehen. Während der Ältere Valentine, als Feuerwehrmann, sich geradezu in jedes Feuer stürzt, keine Prügelei auslässt und sich hemmungslos Wein, Weib und Morphium hingibt, versucht Timothy jedem Brand aus dem Weg zu gehen und seinem Leben einen seriösen anstrich zu geben. Das gelingt ihm bis zur Feuersbrunst im Juli 1845. Danach im Gesicht durch eine unschöne Brandnarbe gezeichnet, steht er vor dem existenziellen Nichts. Seine 400 Dollar, die er sich als Barkeeper angespart hat, um seine große Liebe heiraten zu können, sind im Feuer verschmolzen, seine Bar gibt es nicht mehr. Da Val durch seinen Dienst als Feuerwehrmann auch gute Beziehungen in die Politik hat, verschafft er Tim einen Posten in der neu gegründeten Polizei, den dieser widerwillig annimmt. Doch kaum beginnt er im 6. Bezirk, ein etwas heruntergekommenes Stadtteil von New York, läuft im ein blutbesudeltes kleines Mädchen in die Arme, kurze Zeit später wird die Leiche eines Jungen gefunden, dem neben dem Blut auch die Milz fehlt, und der wie Abfall im Müll landete.Diese beiden Ereignisse sind kein Zufall! Tim nimmt die Ermittlungen auf, und sieht sich bald noch mehr grausam entstellten Kinderleichen gegenüber. Die Alt- New Yorker Bevölkerung wird, dank des „Harolds“, alsbald über die geschändeten Kinderleichen informiert, ihr ganzer Hass richtet sich jetzt gegen die irischen Einwanderer. Eine tief verwurzelte Feindseligkeit zwischen Protestanten und Katholiken bricht sich einen Damm. In dieser aufgeheizten Stimmung versucht Tim, zusammen mit der kleinen Kindermusche, den Täter zu fassen. Eins hatten alle Kinder gemeinsam, sie waren in einem Bordell tätig.

Lyndsay Faye gelingt mit ihrem Erstlingswerk wirklich ein fulminanter Roman. Gefallen hat mir außerordentlich, ihr historisches Wissen und das Gespür für die Lebensweise der damaligen Bevölkerung. Ihr Roman ist auch eine Huldigung an das berühmte NYPD, obwohl es sich in der Anfangszeit eher um einen bunt zusammengewürfelten Haufen aus Raufbolden, älteren Wachtmeistern und Gestrandeten handelte und noch so gar nichts mit ihrer heutigen Berühmtheit zu tun hat. Ihre Protagonisten sind allesamt vielschichtig, mit zahllosen interessanten Charaktereigenschaften, allen voran Timothy Wilde, lediglich aus der Figur der Mercy Underhill bin ich nicht ganz schlau geworden. Originell fand ich auch das Einbringen der „Gaunersprache“. Hierbei ist mir aufgefallen, dass ich einige Begriffe durchaus kenne und auch anwende (z. Bsp. Schäks für Freund oder Liebhaber), entweder das liegt an der Übersetzung oder diese Begrifflichkeiten sind wirklich schon so alt.
Dieses Buch legt einen längst vergessenen, dafür umso erschütternden Bericht über die katastrophalen Umstände der irischen Einwanderer ab. Geächtet von den Alteingesessenen, vertrieben durch Hunger und Not aus der Heimat, stranden sie an Amerikas Küste, um hier ein besseres Leben zu beginnen, unter manchmal erbarmungswürdigen Umständen. Die Hetzpredigten des Harolds, die vor jedem Kapitel stehen legen ein erschütterndes Zeugnis dar und lassen sich problemlos in die jetzige Zeit transportieren, denn gegenwärtig fürchten wir anscheinend nichts mehr als die „Sozialschmarotzer“ (ein Begriff aus der aktuellen Debatte um die gelockerten Zuwanderungen von Bulgaren und Rumänen in die EU).

Eine Autorin, die ich mir merken werde!

Bewertung vom 13.11.2014
Ein feiner dunkler Riss
Lansdale, Joe R.

Ein feiner dunkler Riss


ausgezeichnet

Ausgerechnet Dewmont! In diesem verschlafenen Kaff in East Texas, im Sommer 1958, übernimmt der Vater der 16 jährigen Callie und des 13 jährigen Stan ein Autokino. Umkreisen Callie schon nach kurzer Zeit die Jungs, wie Satelliten, findet Stan so gar keinen Anschluss an die Kinder, ihm graut schon richtig vor dem Schulanfang. Außer in Richard, ein Junge der mehr oder weniger vor seinem gewalttätigen Vater flüchtet, hat er einen Freund und natürlich steht ihm sein treuer Hund Nub zur Seite.
Es ist ein sehr heißer, schwüler Sommer und mit ihm kommt das Ende der Kindheit, Stück für Stück. Erst muss Stan verkraften, das weder Weihnachtsmann noch Osterhasen je existiert haben, dann wird er auch noch, für seine Begriffe recht rüde, „aufgeklärt“, aber das ist erst der Anfang von diesen schicksalhaften Sommerferien. Zum Glück hat er etwas Ablenkung, durch die Entdeckung einer Schatulle, in einem verfallenem Haus, das auf dem Grundstück des Autokinos steht. Die daraus folgernde Geister- und Gruselgeschichte, über zwei junge Mädchen die in Newmont vor einigen Jahren , recht grausig, den Tod fanden, versprechen eine gehörige Portion Nervenkitzel. Seine Neugier teilt er mit dem Schwarzen Buster, früher Sheriff in einem Indianerreservat, heute Filmvorführer bei Stans Vater. Beide spielen Sherlock Holmes, und kommen dem Mörder dabei sehr nahe.

Joe R. Landsdale beschreibt eindrücklich die Szenerie einer texanischen Kleinstadt, geprägt von Rassendiskriminierung den Schwarzen gegenüber, von gewaltbereiten Männern, egal welcher Ethnie sie angehören, und von einem Hauch Aufbruchsstimmung, einer kleinen Ahnung vom Umdenken der weißen Bevölkerung und von der Bürgerrechtsbewegung, die erst ein paar Jahre später Verbote von Rassendiskriminierungen durchsetzen wird. Er erzählt seine Geschichte mitreißend, ohne erhobenen Zeigefinger aber auch ohne zu beschönigen.
Es ist erfrischend wie er den Jungen Stan „erwachsen“ werden lässt, seine Empörung ob der Ungeheuerlichkeiten, die das Erwachsenenleben so mit sich bringt, alles Veränderungen, gegen die er sich sträubt, die er am besten nicht näher hinterfragt. Bei einer älteren Schwester, die zudem auch noch viel reifer als er selber ist, gar nicht so einfach. Ein Portrait, über das man schmunzelt und sich an die eigene Kindheit erinnert, und den damit verbundenen Schwierigkeiten in der Welt der Erwachsenen.
Joe R. Landsdale zählt für mich zu den interessantesten Autoren. Seine Geschichten sind nie laut, oder übertrieben, sie sind eher leise und nachhaltig, dabei aber unverkennbar. Sollte man sich aber jetzt dem Glauben befinden, gar keinen Krimi in den Händen zu halten, so täuscht man sich gewaltig.

Bewertung vom 13.11.2014
Die Kälte in dir / Kristina Reitmeier Bd.1
Kern, Oliver

Die Kälte in dir / Kristina Reitmeier Bd.1


schlecht

Stuttgart im Hochsommer, die Kriminalistin Kristina Reitmeier hat wiederholt versucht ihren Problemen mit einer ordentlichen Portion Gaspedal durchdrücken davon zu fahren, mit dem Ergebnis das sie jetzt 3 Monate ohne ihr geliebtes Auto und den dazugehörigen Führerschein leben und arbeiten muss. Fast zeitgleich wird im Umland das erste Mordopfer aufgefunden. Bizarr sind die großflächigen Wunden und das Fehlen von einer nicht unerheblichen Masse Bauchfetts, denn der Tote war stark übergewichtig. Kristina muss flexibel bleiben, deswegen wird ihr, der wegen einer Liebesbeziehung zu der Tochter eines russischen Oligarchen, in Ungnade gefallene angehende Kriminalpsychologe Daniel Wolf als Fahrer zugeteilt. Für Beide keine gute Konstellation. Erschwerend kommt hinzu, das Daniel nicht unbedingt nur den Chauffeur spielen will, sondern nur zu gerne aktiv ermittelt.

VORSICHT SPOILER-WARNUNG!!!!

Ich muss gleich zu Anfang eine Spoiler Warnung setzen, weil ich sonst ganz schlecht beschreiben kann, warum dieser Thriller mir fast gänzlich nicht gefallen hat, bzw. einfach unglaubwürdig ist.
Dabei ist er nicht gänzlich schlecht, die beiden Hauptprotagonisten bieten viel Potenzial, sind in ihrem Agieren glaubwürdig und interessant. Die Spannungsbögen, die Nebendarsteller und die Schauplätze sind sehr gut gewählt und bieten wirklich alles was einen guten Thriller ausmacht, wenn da nicht die Motivation des Mörders wäre. Dieser leidet nach der Vermutung der ermittelnden Beamten an einer Stoffwechselerkrankung, einer Schilddrüsenüberfunktion. Deswegen "klaut" er Fett von seinen Opfern, das er aufbereiten lässt, um seinen enormen Energiebedarf zu decken. Entschuldigung, das ist völliger Blödsinn. Ein Morbus Basedow kann heutzutage sehr gut erst einmal mit Medikamenten therapiert werden, falls das nicht hilft kann man auf eine Operation oder eine Radiojodtherapie zurückgreifen. Außerdem wird der Mörder nicht daran sterben dass er einen zu großen Grundumsatz hat, sondern er wird eher, bei einer Nichtbehandlung seiner Erkrankung, an einem Herzinfarkt sterben. Das war eigentlich mein Hauptmanko, die schlechte Recherche einer Erkrankung, die fast 15 % aller Schilddrüsenfehlfunktionen ausmachen. Dann erklärt uns der Autor auch nicht wie das aufbereitete Fett dem "Patienten" verabreicht werden soll. Es tut mir leid, aber nicht nur weil ich über rudimentäre medizinische Kenntnisse verfüge, sondern auch in meinem persönlichen Umfeld viel mit dieser Erkrankung zu tun hatte, können mir diese Thesen des Autors nicht gefallen.

Bewertung vom 13.11.2014
Das Falsche in mir / Lukas Salfeld und Sina Rastegar Bd.1
Bernuth, Christa

Das Falsche in mir / Lukas Salfeld und Sina Rastegar Bd.1


ausgezeichnet

Die neue Mordserie die Leyden heimsucht, wird nicht nur die mühsam aufgebaute Fassade eines bürgerlichen Lebens zum Einsturz bringen, sondern auch das Leben der ermittelnden Kommissare nachhaltig verändern.
Die übel zugerichtete Leiche der jungen Anne Martenstein wird gefunden, für Kommissar Gronberg nicht nur der Beginn einer Ermittlung sondern ein Déjà-vu. Vor Jahrzehnten, ganz am Anfang seiner Laufbahn war er an den Ermittlungen gegen den Jugendlichen Lukas Salfeld beteiligt, dieser hatte seine Freundin auf ähnliche Art und Weise umgebracht. Erschweren kommt noch hinzu das das Opfer dem Damaligen auffallend ähnlich sieht. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden, denn Lukas Salfeld lebt noch in der Stadt, hat im selben Lokal wie das Opfer verkehrt und für die Tatzeit hat er kein Alibi aufzuweisen. Seine Frau und seine Kinder wissen nichts von seiner dunklen Vergangenheit, sie werden genauso wie Lukas von den Ermittlungen gegen ihn überrollt, aus Scham und Verzweiflung flieht er, immer von dem Gedanken begleitet, das er sehr wohl der Mörder sein kann.

Vererbt sich Böses? Hat man eine Chance ein normales Leben zu führen, wenn das Böse einem in die Wiege gelegt wurde? Das könnte man als Kernaussage dieses Thrillers werten, auch wenn es die Autorin nicht so pathetisch, wie ich, beschreibt.
Ganz besonders interessant fand ich den psychologischen Aspekt. Stellenweise solidarisiert man sich mit dem Protagonisten, spürt förmlich seine Verzweiflung und Unsicherheit, bis die ersten Zweifel wieder Oberhand gewinnen, denn er könnte sehr wohl der Täter sein…Oder?
Dieser Thriller hat so einiges zu bieten. Gefallen hat mir die Ich-Perspektive des Protagonisten. Sein Gefühlsleben, seine Zweifel und auch Ängste auf der einen Seite zeitnah mitzuerleben und auf der anderen Seite ihn für seine frühere Tat aufs Tiefste zu verabscheuen. Ein psychologisches Katz- und Maus-Spiel das die Autorin geschickt ausspielt. Die Spannung wird noch durch einen „alten“ Fall der die Kommissarin Stina Rastegar, der Partnerin von Gronberg, persönlich betrifft, verstärkt.
Eine wirklich ausgeklügelte und in sich schlüssige Story dramatisch verpackt.

Bewertung vom 13.11.2014
Empfindliche Wahrheit
le Carré, John

Empfindliche Wahrheit


gut

John le Carré war noch nie ein nur „bequemer“ Autor, bei seinen bisherigen Büchern musste man immer mitdenken, unausgesprochenes hinzudichten oder das wüste Knäuel an Fallverstrickungen auseinander wirren. In seinem neuesten Werk übertrifft sich der ungekrönte Meister des Spionageromans aber enorm, und das meine ich nicht im positiven Sinne. Woran liegt es das ich zu so einem Fazit kommen, zum einen an den fast gänzlich fehlenden Spannungsbögen zum anderen ist die Story an sich ist irgendwie grotesk. Ein Ministerialbeamter, der nie, von seinen früheren Botschaftstätigkeiten mal abgesehen, im Außendienst tätig war, wird jetzt als Mittelsmann geködert. Nicht unbedingt mit Geld, aber Ruhm und Ehre vielleicht. Angeblich hält sich auf Gibraltar ein Topterrorist auf, dieser soll dingfest gemacht werden und Paul, unser Ministerialbeamter darf Agent spielen. Angeblich geht beim Zugriff alles glatt. Paul bekommt später einen super Job in der Karibik und wird sogar von der Queen geadelt. Drei Jahre später hat er eher ungewollt Kontakt mit einem Soldaten, der die Mission auf Gibraltar ebenfalls unterstützte, dieser offenbart ihm die angebliche Wahrheit. Die Drahtzieher der damaligen Operation sind nicht gerade erfreut und torpedieren die „Enthüllung“ auf allen Ebenen.
Das kurz zur Story. Aus verschiedenen Sichten werden nun die Dinge vorher und nachher von zwei Protagonisten geschildert. Dieser Szenen- und Personenumschwung fiel mir nicht leicht. Irgendwie kam bei mir auch nie ein Anflug von Spannung auf. Ich würde fast sagen die Geschichte dümpelt vor sich hin. Lediglich auf den letzten fünf Seiten gibt es einen Spannungsbogen der abrupt, man ahnt es, endet. Das ist mir zu wenig.