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Benutzername: morgain66
Wohnort: Ludwigshafen
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Danksagungen: 61 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 102 Bewertungen
Bewertung vom 05.06.2015
Ocean King
Kader, Slimane

Ocean King


sehr gut

Als ich das Buch angeboten bekam, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich hatte schon einiges über Kreuzfahrtschiffe und den Zuständen der unteren Decks gehört und es interessierte mich brennend, was uns Slimane Kader zu diesem Thema zu erzählen hat.

Das Buch ist in einer sehr flapsigen und direkten Sprache geschrieben. Kader nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht aus, was ihm gerade durch den Kopf geht. Dabei ist er teilweise ziemlich rassistisch und voller Vorurteile. Aber das ist eben seine Art. Nur eins konnte ich wirklich nicht gut heißen. Er nannte ein an Trisomie 21 erkranktes Kind ständig Mongo. Da hab ich leider kein Verständnis für und das hat mich wirklich geärgert. Die Passagiere sind für ihn nur Fatties mit Crocs. Er ist voller Verachtung für sie und alle anderen Menschen um ihn herum. Wenn er so im wirklichen Leben ist, wundert es mich überhaupt nicht, dass er keine Freunde hat.

Das Buch liest sich super und ich hatte es sehr schnell durch. Ich hätte gerne noch viel mehr über die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff gelesen und das Buch war keine einzige Sekunde langweilig. Die Seiten flogen regelrecht dahin und ich wechselte ständig zwischen Lachen und ungläubigem Kopfschütteln. Kader ist absolut respektlos und hält sich selbst für den Nabel der Welt.

Wam, so nennt sich der Autor, heuert auf dem Kreuzfahrschiff an und weil er sich gleich mal daneben benimmt, wird er nicht als Hilfskellner, sonder als Joker eingestellt. Er muss überall einspringen wo Not am Mann ist und fängt wirklich gaaaanz unten als Swiffer an. Aber nach und nach arbeitet er sich nach oben. Geschlafen wird in winzigen Kabinen und zwar nicht alleine, sondern zu viert. Es sind unzumutbare Zustände. Gearbeitet wird 10 bis 15 Stunden am Tag und im Schichtbetrieb. Darum reichen auch die Minikabinen, da man nach der Arbeit sowieso ins Koma fällt. Den Passagieren soll es an nichts fehlen und damit alles reibungslos läuft, muss auch die niedrigste Arbeit perfekt ausgeführt werden. Die Meisten der Angestellten sehen nie das Sonnenlicht, weil sie immer im Bauch des Schiffes arbeiten.Unvorstellbar finde ich das. Während oben die Leute eine ständige Party feiern, schuften die Angestellten wie Sklaven.

Ich kann das Buch wirklich nur jedem empfehlen. Obwohl ich manchmal richtig sauer auf Wam war, habe ich mich doch sehr gut unterhalten. Darum vergebe ich für "Ocean King" 4 von 5 Punkten und werde meine Augen nach weiteren Büchern des Autors offen halten. Mal sehen, was er sich noch so einfallen lässt.

© Beate Senft

Bewertung vom 12.04.2015
Folter / Capitano Katerina Tapo Bd.2
Holt, Jonathan

Folter / Capitano Katerina Tapo Bd.2


sehr gut

Die 16-jährige Mia Elston, Tochter des Kommandanten einer US-Militärbasis in der Nähe von Venedig, ist verschwunden. Capitano Katerina Tapo von der venezianischen Polizei und Holly Bolland vom US-Militär werden damit beauftragt, das Mädchen zu finden – und ihnen bleibt nicht viel Zeit. Über eine verschlüsselte Website tauchen Videos von Mia auf – auf einem Stuhl sitzend, gefesselt, nackt. Bildunterschriften besagen: »Laut den USA ist der Entzug sensorischer Reize keine Folter. Ist sexuelle Erniedrigung keine Folter. Ist Waterboarding keine Folter. Sehen Sie heute Abend um 21 Uhr, wie Mia Elston NICHT gefoltert wird.« (Klappentext)

"Folter" ist der 2. Teil der Carnivia Trilogie und da ich dummerweise den ersten Teil "Marter" nicht gelesen hatte, fiel mir der Einstieg etwas schwer. Aber zum Glück war das Buch so spannend, dass es mich schnell in seinen Bann zog und für das weitere Verständnis war der erste Teil auch nicht zwingend notwendig. Trotzdem würde ich jedem empfehlen mit "Marter" zu beginnen.

Folter ist ein komplex geschriebener Politthriller, der keine Wünsche offen lässt. Wenn man erst mal mit allen Personen bekannt geworden ist und weiß, wer wer und für was verantwortlich ist, rast die Handlung nur noch so vor sich hin.

Der Klappentext beschreibt ja auch schon um was es hauptsächlich geht. Ich finde es wirklich sehr beängstigend, was da alles nicht zur Folter zählt, aber wie anders sieht man das doch, wenn ein geliebter Mensch davon betroffen ist. Da ich erst vor kurzer Zeit das Guantanamo-Tagebuch las, weiß ich, dass in Amerika und vielen anderen Ländern, Folter immer noch praktiziert wird.

Das ist aber nur ein Handlungsstrang. Es gibt noch einen Zweiten und bei dem geht es um eine US-Militär-Basis die gerade neu gebaut wird. Dort wird eine Leiche aus dem 2. Weltkrieg gefunden. Haben die Gegner des Baus etwas mit der Leiche zu tun? Wollen sie so den Bau stoppen? Und was hat das mit Mia zu tun? Um das herauszufinden müsst ihr schon das Buch lesen. Der Schreibstil ist sehr prägnant und trotz des brisanten Themas gut zu lesen. Der Autor verstrickt sich auch nicht in Widersprüchen, wie das ja leider öfter mal bei so intelligenten Thrillern passiert.

Ich vergebe für diesen rasanten Thriller, der alles beinhaltet was man von einem gut konstruierten Politthriller erwartet, 4 von 5 Punkten. Einen Punkt ziehe ich ab, weil es zwischendurch immer wieder mal ein paar kleine Längen gab. Aber Freunde von Politthrillern sollte das nicht vom Lesen abhalten. Sie werden trotzdem voll auf ihre Kosten kommen.

© Beate Senft

Bewertung vom 12.04.2015
Matamba
Brox, Kirsten

Matamba


ausgezeichnet

Was als ganz normaler Tag beginnt, verändert Morton Stanleys Leben von Grund auf. Dem Kriegshelden und Reporter wird bei einem Angriff die teure Beinprothese zerstört. Um diese ersetzen zu können bleibt ihm nichts anderes übrig, als eine Exepdition nach Afrika zu unternehmen um die Quelle des Nils zu finden. Zum Glück begleitet ihn sein Freund Wesley, der ihn mit seinem Tatendrang und seiner Vorfreude auf das Abenteuer sogar ein wenig anstecken kann. Aber sie sind nicht die einzigen, die die Quelle des Nils entdecken sollen. Auch Psychologieprofessor Jack Lambert soll sich auf die Suche machen. Und es kann nur einen Gewinner geben. Wer wird als Erster das Ziel erreichen und mit Ruhm, Ehre und Geld überhäuft werden?

Morton ist ein Ekelpaket vom Feinsten. Ich habe selten so einen widerlichen Menschen in Büchern angetroffen, den ich so komplett und als vollstem Herzen hassen konnte. Die ganze Zeit schimpfte ich beim Lesen vor mich hin und amüsierte mich über diesen ekligen Kerl aufs Beste. Natürlich wünschte ich ihm bei jeder Gelegenheit die Pest an den Hals. Sein Freund und Begleiter Wesley hatte wenigstens ein paar sympathische Züge.

Sein Gegenspieler Jack dagegen ist ein toller Mann und der perfekte Ausgleich zu Morton. Während Jack Flora und Faune in Afrika aus vollstem Herzen genießt und sich in diese geheimnisvolle Land und seine Bewohner verliebt, hasst Morton die Eingeborenen und kann sich nichts schöneres vorstellen, als wehrlose Tiere abzuknallen. Unterschiedlicher können Menschen kaum sein.

Das Buch ist unglaublich spannend und die Geräte und Apparate, die es in der Geschichte gibt, haben mich total fasziniert. Die Autorin hat sich da wirklich sehr viele Gedanken gemacht und auch wahre historische Ereignisse in ihre Geschichte fließen lassen.

Der Schreibstil ist unglaublich bildhaft und ich fühlte mich immer mitten im Geschehen und hätte sehr gerne das eine oder andere Mal eingegriffen. Trotz Leseflaute flog ich geradezu durch die Seiten und hatte unglaublich viel Spaß beim Lesen. Ich kann diesem Buch mit einer Rezension einfach nicht gerecht werden und finde nicht die richtigen Worte um zu beschreiben, was in mir beim Lesen vor ging.

Darum vergebe ich 5 von 5 Punkte, den Favoritenstatus und empfehle jedem, das Buch selbst zu lesen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Es ist einfach zu komplex und viel zu phantastisch um es in schnöde Worte zu fassen. "Matamba" ist eins meiner Highlights diesen Jahres und ich freue mich wahnsinnig auf weitere Steampunkromane von Kirsten Brox. Bitte lass mich nicht zu lange darauf warten.

© Beate Senft

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.03.2015
Ich sehe was, was niemand sieht
O'Rourke, Tim

Ich sehe was, was niemand sieht


sehr gut

Charley möchte nur ein ganz normales Mädchen sein, aber das ist ihr nicht vergönnt. Sie hat immer wieder Visionen, die sie Blitze nennt. In ihnen sieht sie einzelne Bilder von Morden, die an jungen Mädchen verübt werden. Außer ihrer Freundin Natalie hat ihr nie jemand geglaubt und jetzt ist auch Natalie tot. War es wirklich ein Unfall? Und dann gehen die Visionen wieder los und dieses mal kann Charley eindeutig beweisen, dass sie einen Mord miterlebt hat, denn sie kennt den Namen des Opfers. Durch Zufall lernt sie den jungen Polizisten Tom Henson kennen und erzählt ihm alles. Glaubt er ihr oder will sie er nur beschwichtigen? Können sie weitere Morde dank Charleys Hilfe verhindern, oder tun sie auch alles nur als Spinnerei ab? Gerät vielleicht auch Charley durch ihr Wissen in Gefahr?

Was für ein toller Jugendthriller. Charley ist mir sofort ans Herz gewachsen und ich konnte mich so gut in sie hinein versetzen. Von ihren Klassenkameraden wird sie ausgelacht und als Freak bezeichnet. Keiner möchte etwas mit ihr zu tun haben. Keiner außer Natalie. Und ausgerechnet sie stirbt und lässt Charley wieder alleine zurück. Eine Mutter hat sie nicht mehr und der Vater tut alles als Spinnerei ab und wird richtig wütend wenn Charley von ihren Blitzen erzählt. Dabei möchte sie doch nur, dass ihr Vater ihr endlich glaubt. Sehnt sich nach seinem Vertrauen. Doch er ist blind und taub und will davon nichts wissen. Und als wären diese Gedankenblitze nicht schon schlimm genug, leidet sie danach auch immer noch unter starken Kopfweh- und Migräneattacken. Sie hat mir so leid getan. Wie schlimm muss das sein, wenn man auch noch den einzigen Menschen verliert, der einem je geglaubt hat und diese Gabe einfach akzeptiert hat? Charley fühlt sich einsam und allein. Ich wollte sie immer nur in den Arm nehmen und sie trösten. Ihr sagen, dass ich ihr glaube.

Und dann trifft sie auf Tom. Sollte jetzt endlich alles gut werden? Ich habe so mit Charley gehofft. Mit ihr gebangt und ihre Ängste mit ihr geteilt. Das konnte ich nur, weil der Autor so einen lebendigen und bildhaften Schreibstil hat und seine Charaktere absolut authentisch wirken. Ich war wirklich sofort gefesselt und konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Einzig der total klischeehafte Kollege von Tom, der Polizist Jackson, hat ein wenig meine Lesefreude getrübt. Er ist so vorhersehbar und immer nur der Idiot, der niemals anders agiert und immer gegen Tom und seine Meinung interveniert. Ihn hätte ich mir einfach etwas vielschichtiger gewünscht. Aber das Ende hat mich auch mit ihm versöhnt.

Ich vergebe für dieses Buch 4 von 5 Punkten und eine absolute Leseempfehlung. Den Autor werde ich mir merken und nach weiteren Büchern von ihm Ausschau halten.

© Beate Senft

Bewertung vom 26.03.2015
Dunkle Havel
Pieper, Tim

Dunkle Havel


ausgezeichnet

Toni Sanftleben und seine Frau Sofie sind echte Globetrotter. Doch als sie schließlich Eltern werden, kehren sie nach Deutschland zurück um ihrem Sohn Aroon ein beständiges Leben zu bieten. Um sich einen schönen Abend zu machen, bringen die beiden den Einjährigen zu Oma und Opa und besuchen das Baumblütenfest. Total übernächtigt schläft Toni schließlich auf einer Wiese ein und als er aufwacht, ist nichts mehr so wie es war. Seine Frau ist verschwunden. 16 Jahre später weiß Toni, der mittlerweile bei der Polizei arbeitet, immer noch nicht was mit seiner Frau geschehen ist. Als er zu einem Mordfall gerufen wird, fällt er aus allen Wolken, als er bei dem Mordopfer ein altes Foto seiner Frau findet. Ist das endlich die heiße Spur, nach der er seit 16 Jahren sucht? Toni setzt alles daran um seine geliebte Sofie zu finden.

Anders als bei "Mord unter den Linden" und "Mord im Tiergarten" haben wir es bei "Dunkle Havel nicht mit einem historischer Krimi um Otto Sanftleben zu tun. Aber es geht um einem Nachfahren, der genauso interessant und sympathisch wie der allseits beliebte Otto ist. Dieser zeitgenössische Krimi ist genauso toll gelungen wie die historischen Krimis des Autors.

Toni Sanftleben ist Polizist geworden um besser Nachforschungen zum Verschwinden seiner Frau betreiben zu können. Auch nach 16 Jahren sind sein Schmerz und seine Verzweiflung nicht weniger geworden. Nie hat er die Hoffnung aufgegeben, seine Frau zu finden. Trotz allem versucht er, seinem Sohn Aroon, ein guter Vater zu sein. Ich konnte mich sehr gut in Toni hineinversetzen und seine Verzweiflung spüren. Es gibt wohl nichts schlimmeres als einen geliebten Menschen zu verlieren und nicht zu wissen was aus ihm geworden ist. Lebt der Partner oder das Kind noch? Oder sind sie schon tot? Mit dieser Ungewissheit kann man keinen Abschluss finden, kaum ein neues Leben beginnen, denn die Hoffnung bleibt immer bestehen.

Tim Pieper hat es wieder geschafft, mich schon beim Prolog ganz tief in die Geschichte zu saugen, so dass es nicht nur ein Lesen des Buches war, sondern eher ein Miterleben. Ich fühlte mich mitten in der Geschichte und litt mit Toni, aber auch mit seinem Sohn. Der Kriminalfall ist sehr spannend und ich rätselte begeistert mit. Bis zum Ende war ich mir nicht sicher, wer der Mörder gewesen sein könnte. So macht ein Krimi richtig spaß. Es gab keine einzige langweilige Sekunde.

Außer dem großartigen, bildlichen und fesselndem Schreibstil sind auch die Charaktere eine große Stärke von Tim Pieper. Er schafft es, seine Figuren lebendig wirken zu lassen. Man fiebert mit ihnen, trauert, hasst, liebt und leidet. Einmal musste ich auch ganz heftig gegen die Tränen kämpfen.

Schon lange hat mich ein Krimi nicht mehr so sehr bewegt. Darum vergebe ich 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Schade, dass ich das Buch jetzt schon beendet habe, aber bald wird es ein Wiedersehen mit Otto Sanftleben geben. Ich kann es kaum noch erwarten.

© Beate Senft

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.02.2015
Das Guantanamo-Tagebuch
Slahi, Mohamedou Ould

Das Guantanamo-Tagebuch


ausgezeichnet

Nachdem Mohamedou 12 Jahre lang in Deutschland und Kanada studiert hat, beschließt er in seine Heimat Mauretanien zurückzukehren. Auf der Reise wird der junge Mann zwei Mal verhaftet und zum Millennium Plot befragt. Laut diesem Plan sollte der Flughafen von Los Angeles bombardiert werden. Ihm kann keine Beteiligung nachgewiesen werden und er wird wieder frei gelassen. Nachdem er ein Jahr bei seiner Familie in Mauretanien gelebt hat, wird er wieder verhaftet und vom FBI verhört. 2 Wochen lang wird er im Gefängnis festgehalten, bevor er wieder frei gelassen wird, weil man ihm nichts nachweisen kann. Kurz darauf taucht wieder die Polizei bei Slahi auf. Sie bitten ihn aufs Revier zu kommen und er fährt mit dem eigenen Auto hin. Das war das letzte Mal, dass Slahi seine Familie sah. Er wird nach Jordanien geflogen und verhört. Danach kommt er nach Guantanamo, wo er seit 13 Jahren in Haft sitzt.

"Das Guantanamo Tagebuch" ist ein Buch, das ich nur in kleinen Abschnitten lesen konnte. Viel zu grausam war das Beschriebene und ich musste immer erst das Gelesene verarbeiten, bevor ich weitermachen konnte. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich Albträume davon bekam, denn eigentlich dachte ich immer, dass früher oder später die Wahrheit ans Licht kommen wird, wenn man ehrlich ist. Das war genauso ein Irrtum, wie die Annahme, es gäbe keine Folter mehr.

Als Mohamedou nach Guantanamo gebracht wird, beginnt er mit seinem Tagebuch. Die amerikanische Regierung hat lange versucht, die Veröffentlichung zu verhindern. Als sie sich nicht mehr vermeiden ließ, haben sie einiges im Buch geschwärzt. Aber der Herausgeber Larry Siems hat versucht, dem Leser das Geschwärzte in Fußnoten zu beschreiben oder zu erklären. Das ist auch oft gelungen. Manchmal konnte aber auch Siems keine Auskunft geben, was das Lesen manchmal etwas mühsam machte.

Ich bin wirklich geschockt. 13 Jahre lang wird Mohamedou jetzt schon verhört. Er wird immer wieder gefoltert, hat unter der Folter Dinge gestanden, die er nicht begangen hat, nur damit die Schmerzen und die Erniedrigungen aufhören. Er hat alle "Geständnisse" widerrufen. 13 Jahre lang ist es dem FBI und den anderen Stellen die ihn verhört haben, nicht gelungen ihm etwas nachzuweisen oder ihm anzuhängen. Und trotzdem wird er immer noch nicht entlassen. Was, denken sie denn jetzt nach der langen Zeit der Folter noch von Slahi zu erfahren? Was könnte er ihnen in den 13 Jahren noch verschwiegen haben?

Teilweise schreibt Mohamedou die Ereignisse sehr emotionslos. Ich denke das musste er, um das Grauen überhaupt zu Papier bringen zu können. Mir kamen öfter beim Lesen die Tränen. Da wird ein Mensch systematisch zerstört, nur weil er nicht das sagt, was von ihm erwartet wird. Erst wird er beschuldigt den Plan zum Millennium-Plot mit ausgearbeitet zu haben und als die Behörden feststellen, dass er damit nichts zu tun haben kann, soll er plötzlich am 11. September beteiligt gewesen sein. Es wird dem Leser klar, dass hier dringend ein Sündenbock gesucht wird.

Die Behörden brauchen jemanden, den sie dem Volk zum Fraß vorwerfen können. Und sie haben sich eben auf Slahi eingeschossen. Dass der seit 13 Jahren seine Unschuld beteuert, interessiert dabei niemanden. Auch nicht, als ein Gericht Mohamedous Freilassung angeordnet hat. Er ist bis heute in Haft und so wie es sich liest, wird sich daran auch so schnell nichts ändern.

Ich hoffe wirklich, dass viele Menschen dieses Buch lesen um zu erfahren, wie die Regierung der USA wirklich arbeitet. Wie wenig ihnen dabei ein Menschenleben wert ist, wenn sie einen Sündenbock brauchen. Wie hier Tatsachen verdreht werden und 13 Jahre lang gefoltert wird, damit er etwas gesteht, das er nicht getan hat. Ich bin immer noch geschockt und werde wohl noch einige Zeit an dem Buch zu knabbern haben.

Ich vergebe für dieses aufrüttelnde und mutige Buch 5 von 5 Punkten und bete, dass Mohamedou Ould Slahi bald aus der Haft entlassen wird und zu seiner Familie zurückkehren kann.

Bewertung vom 11.02.2015
Als Mörder geboren
Raine, Adrian

Als Mörder geboren


sehr gut

Dieses Sachbuch hat es wirklich in sich und ich brauchte sehr lange um es zu lesen. Man wird so mit wissenschaftlichen Informationen überflutet, dass mir meistens schon nach 20 Seiten der Kopf rauchte. Im Buch steht, dass es auch für Laien geschrieben wurde, aber es ist trotzdem nicht einfach zu lesen.

Mit vielen Beispielen wird erklärt, warum der Autor der Meinung ist, dass "Verbrechen" angeboren sein können. Dazu gibt es auch Schautafeln, die das Geschriebene wunderbar ergänzen. Die Wissenschaft fand heraus, dass manche Teile des Gehirns von Mördern anders aussehen als die "normaler" Menschen. Das fand ich unglaublich interessant. Auch, dass eine Verletzung des orbitofrontalen Kortex das Verhalten eines Menschen komplett verändern kann. Praktisch vom Messdiener zum Killer.

Auch Alkohol in der Schwangerschaft kann ein Babyhirn so weit schädigen, dass der Betroffene später keine Hemmungen mehr kennt. Aber auch die Ernährung kann eine gewisse Rolle spielen. Und es gibt noch viel mehr Dinge, die dafür verantwortlich sind, dass ein Mensch zum Killer wird. Aber das alles hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen.

Heißt das jetzt, dass ein Mörder gar nichts für seine Tat kann? Nein, absolut nicht. Alle die sich für dieses Thema interessieren, sollten dieses Buch lesen. Nehmt euch die Zeit dazu. Und auch wenn ihr sehr lange dafür braucht, es lohnt sich.

Ich vergebe für dieses Sachbuch 4 von 5 Punkten. Einen Punkt ziehe ich ab, weil ich fand, dass es viel zu viel Information auf einmal war und ich mich ziemlich erschlagen fühlte. Aber wenn man sich viel Zeit lässt, ist das vollkommen in Ordnung.

© Beate Senft

Bewertung vom 07.02.2015
Käpten Schisshose und der miese Fiesling
Knospe, Michaela

Käpten Schisshose und der miese Fiesling


ausgezeichnet

Und wieder geht die Wellentieger mit ihrer Crew auf große Fahrt. Nach Norden wollen sie dieses mal segeln. Warum? Das wissen nur Jens und der Käpten. Und dieses mal wird es keine unliebsamen Überraschungen geben, denn der Käpten hat alles so gut geplant, da kann doch gar nichts schief gehen. Oder? Irgendwie hat er dann doch ein ungutes Gefühl. Aber bisher hat er gemeinsam mit seiner Crew jedes Abenteuer überstanden. Aber was ist, wenn es dieses mal schief geht?

Ich kann nur immer wieder wiederholen, wie sehr ich diese Kinderbuchreihe liebe. Auch hier muss ich unbedingt wieder die tollen Illustrationen und das Cover erwähnen, die mit viel Liebe von Niclas Treinen gestaltet wurden. Ich denke, dass auch die Kinder viel Spaß daran haben werden, immer Neues auf ihnen zu entdecken.

Die Geschichte ist wieder sooo toll. Der Käpten unterschätzt seine Mannschaft gerne, aber die steht wie ein Fels hinter ihm und akzeptiert ihn genau so wie er ist. Keiner macht sich über ihn lustig, wenn ihn mal wieder die Angst packt. Bessere Freunde kann man sich gar nicht wünschen. Hier halten alle zusammen wie Pech und Schwefel.

Die Handlung ist wieder sehr spannend und liebevoll. Ich hätte gerne noch stundenlang weiter gelesen. Die Piraten erwartet eine ganz besondere Überraschung, denn sie finden etwas komplett anderes, als das was sie gesucht hatten.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr liebevoll und kindgerecht. Das Schriftbild sehr groß, damit auch ungeübte Leser damit zurecht kommen. Auch die Länge von 90 Seiten ist gut zu bewältigen. Aber die Bücher eigenen sich auch hervorragend zum Vorlesen und die Autorin besucht auch Schulklassen für Lesungen. Das finde ich echt klasse.

Ich bin so begeistert, dass ich die Bücher jetzt für unsere Kinderbibliothek besorgt habe, denn ich bin der Meinung, dass jedes Kind die Möglichkeit haben sollte, diese wundervollen Geschichten kennenzulernen und ich bin mir sicher, sie werden genauso süchtig danach wie ich.

Ich vergebe für den dritten Band der Käpten Schisshose-Reihe: "Käpten Schisshose und der miese Fiesling 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung für alle ab 7 Jahren. Auch die Omis werden diese Geschichten lieben. Da bin ich mir ganz sicher.

Reihenfolge:
1. Käpten Schisshose auf großer Fahrt
2. Käpten Schisshose und das Seemonster
3. Käpten Schisshose und der miese Fiesling
4. Käpten Schisshose und der Wandergeist (noch nicht erschienen)

© Beate Senft