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Benutzername: Traeumerin109
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Bewertungen

Insgesamt 143 Bewertungen
Bewertung vom 18.06.2018
Christsein ist keine Religion
Kellner, Albrecht

Christsein ist keine Religion


sehr gut

Ein Physiker entdeckt die Antwort?

„Es handelt sich nicht um Glauben in dem Sinne, dass man einfach Dinge für wahr hält, die man nicht beweisen kann – das wäre für mich als Physiker völlig inakzeptabel – sondern um eine innere, konkrete, unmissverständliche Erfahrung“
So bringt Albrecht Kellner es auf den Punkt. Das ist auch die Hauptaussage seines Buches. Nachdem er als Physiker auf vielen Wegen den Sinn gesucht hat, hat er ihn im Christentum, auch für ihn völlig überraschend, gefunden. Nun legt er dar, warum für ihn Naturwissenschaft und Christentum nicht im Widerspruch zueinander stehen.
Dazu liefert er in den ersten Kapiteln viele spannende Fakten, sowohl aus dem naturwissenschaftlich physikalischen Bereich als auch im Hinblick auf ein Zusammendenken mit den Geschichten der Bibel. Es geht (mal wieder) um die wirklich wichtigen Fragen, die uns Menschen bewegen: Was ist der Sinn? Warum all das Leid, wenn es einen guten Gott gibt? Usw. Hierbei liefert der Autor viele spannende und durchaus lohnenswerte Ansätze. Er führt beispielsweise das Leid in der Welt auf ein Leben des Menschen in Eigenregie zurück. Ein so auf sich selbst gestellter Mensch entscheidet nach eigenen, fehlerhaften Prinzipien und kann so bei sich selbst und anderen Leid verursachen. Allerdings finde ich, dass die Antworten, die Albrecht Kellner uns gibt, nicht alles so vollständig erklären, wie er es teilweise darlegt. Diese Themen sind nicht umsonst immer wieder Aufhänger für erhitzte theologische Debatten. Vielleicht liegt das Problem darin, dass es eben wirklich, wie der Autor ja auch schreibt, zuallererst um eine konkrete Erfahrung geht, die der Mensch mit Gott macht. Und im Grunde kann er nur von seiner Erfahrung berichten, die nicht bei allen gleich aussehen wird. Seine Ansätze haben auf jeden Fall viel für sich und bieten viel Stoff zum Nachdenken.
Was mich ein wenig gestört hat, war die stellenweise sehr ausufernde Wiederholung immer derselben Formulierungen, wenn es beispielsweise um diese innere, konkrete, unmissverständliche Erfahrung geht, die auch immer wieder genauso erwähnt wird. Außerdem hatte ich im zweiten Teil des Buches manchmal Schwierigkeiten, der Argumentation des Autors zu folgen. Teilweise waren seine Schlussfolgerungen mir zu radikal. So spricht er sich beispielsweise sehr deutlich gegen Meditation, Yoga und andere „spirituelle Praktiken“ aus, wie er sie nennt. Das erschien mir dann doch ein wenig zu pauschal und zu einseitig. Natürlich soll jedem selbst überlassen bleiben, wie er zu all diesen Dingen steht, doch mir fehlte hier ein wenig der Respekt vor anderen Meinungen, die ebenso gerechtfertigt sein können. Der Geist der Freiheit, der im ersten Teil durchschimmerte, hat sich also gegen Ende leider verflüchtigt. Anderes hat er meiner Meinung nach einfach übersprungen oder ist sehr leichtfertig darüber hinweggegangen, als würde sich das aus dem Vorausgegangenen von selbst erklären. Das tut es aber nicht immer.
Fazit: Das Buch hat einige Schwächen, aber auch viele Stärken. Insgesamt habe ich viel daraus mitgenommen und es auch schon ein zweites Mal zur Hand genommen. Es hat viele kluge und interessante Gedanken und versucht, ein gerechteres Bild vom Christentum zu schaffen. Von mir vier Sterne.

Bewertung vom 18.06.2018
Ich bin so frei
Ochs, Ille

Ich bin so frei


ausgezeichnet

Freiheit, sich zuzumuten

…Das ist eine der Überschriften aus dem Buch, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist. Muten wir uns den anderen zu, so wie wir sind? Oder versuchen wir, jemand anderen darzustellen, spielen wir vielleicht sogar etwas vor? Ille Ochs schreibt von einem Leben im Käfig, das sie selbst nur allzu gut kennt. Sie erzählt von Lebenslügen und was sie anrichten, von Leitsätzen, die zu Leidsätzen werden. Nicht zuletzt von Ansprüchen von uns selbst und anderen. All dies endet in einem Teufelskreis, aus dem wir nur schwer wieder hinauskommen, viele Menschen sogar nie. Sie verbringen ihr Leben lang auf einer Rennbahn, immer im Bemühen um Applaus, anstatt sich vergnügt auf einer Wiese zu tummeln.
Ille Ochs ist eine mutige Autorin, die sich nicht nur an den sicheren, distanzierten Ufern der Unnahbarkeit bewegt, sondern sich hinauswagt und sich selbst hineinnimmt in ihre Bücher. So schreibt sie nicht nur über andere und über uns als Leser, sondern vor allem über sich selbst und wie die ganze Geschichte bei ihr gelaufen ist. Der Klappentext ist zwar sehr allgemein gehalten und könnte auch zu einem mehr oder weniger spannenden Ratgeber passen, aber das hier ist alles andere. Es geht um Freiheit, ja, aber da ist niemand, der uns erzählt, wie wir sie erreichen können. Da erzählt lediglich jemand davon, wie er selbst sie erreicht hat und auch wie andere Menschen auf ihrem Weg vorangekommen sind. Das ist wesentlich lehrreicher als eine verallgemeinerte Anleitung, wie dieses oder jenes zu tun ist.
Ille Ochs vergleicht unser Leben mit einer Rennbahn, auf der wir unterwegs sind, um Applaus zu ernten. Wie wäre es stattdessen, übermütig auf einer Wiese herumtollen zu können? Sie spricht von Überforderung und zu gut gemeinten Ratschlägen, von Anpassung und Verantwortung. All dies sehr feinfühlig und verständnisvoll denjenigen gegenüber, bei denen die Dinge vielleicht (noch) nicht so gut laufen. Sehr wichtig ist ihr, zu betonen, dass der Grundstein für vieles Spätere schon ganz am Anfang gelegt wird. Immer wieder geht sie darauf ein, dass wir auf unsere Kinder achtgeben müssen und können. Was mir sehr gut gefällt, ist der Respekt, den sie allen gegenüber erweist. Das zeigt sich beispielsweise, wenn sie über Traumata schreibt und betont, dass man ein Trauma nicht kleinreden kann mit der Begründung, dass es anderen Menschen schlimmer ergangen ist. Das beweist sehr viel Einfühlungsvermögen und Empathie für ihre Mitmenschen, deren Schwierigkeiten sie somit ernst nimmt.
Am Ende jedes Abschnittes stellt sie Fragen, die man aber auch überspringen kann. Vielleicht springt die eine oder andere davon einen geradezu an. Es sind jedenfalls keine ellenlangen Fragenkataloge, sondern eher dezent gehaltene „Anstupser“.
Fazit: Man merkt, dass die Autorin in eigenen, manchmal leidvollen Erfahrungen Dinge gelernt hat, die sie mit anderen teilen möchte. Dies schafft sie, ohne dabei ständig einen Finger mahnend zu erheben oder Vorwürfe zu machen, ohne Verhaltensvorschriften und indiskrete Eingriffe. Für mich ein sehr gelungenes Buch, das ich gerne gelesen habe und auch anderen gerne weiterempfehle.

Bewertung vom 18.06.2018
Es gibt so viel, was man nicht muss
Sjödin, Tomas

Es gibt so viel, was man nicht muss


ausgezeichnet

Ein paar Minuten Zeit für die Ewigkeit

…Haben wir die in unserem vollgepackten Alltag hin und wieder? Tomas Sjödin möchte die Aufmerksamkeit auf all das lenken, was uns alltäglich und selbstverständlich erscheint. Dabei geht es ihm nicht in erster Linie darum, etwas Neues zu sagen, sondern eine Sprache zu finden für das, was wir alle manchmal fühlen und denken, woran wir aber oft kaum einen Gedanken verschwenden. Ein spezielles Oberthema gibt es dabei nicht. Es geht um Dinge, die wir nicht müssen, die wir brauchen und lieben, an die wir glauben und an denen wir zweifeln.
Diesen selbst gestellten Anspruch hat der Autor meines Erachtens wunderbar erfüllt. Mehr als einmal schien er mir direkt aus dem Herzen zu sprechen und hat es mir so leichtgemacht, das Buch mit großem Vergnügen zu lesen. Es stecken viele wertvolle Gedanken darin, die er in einer sehr sanften, aber klaren und eindringlichen Sprache so auf den Punkt bringt, dass die Sätze teilweise noch lange nachhallen. Beispielsweise bedauert er einen Wandel, den er beobachtet, wo unsere Gedanken sich verschieben: Weg von der Dankbarkeit für alles, was man erleben durfte, hin zu dem Bedauern über das, was man verpasst hat oder verpasst zu haben meint. Und auch andere, eher schädliche bzw. hinderliche Gedanken durchdringen unser tägliches Leben: Wir wollen genügen. Es gibt so viel zu tun. Da wird auch schnell mal schlecht über andere geredet, um selbst gut dazustehen. Aber Sjödins Botschaft ist ganz anders: Wir müssen nicht genügen. Hin und wieder sollten wir uns Zeit nehmen für ganz alltägliche Dinge, eben ein paar Minuten für die Ewigkeit. Und es gibt immer ein gutes Wort, das wir über einen anderen Menschen sagen können, und es lohnt sich, es zu sagen.
Sehr sympathisch an dem Autor ist, dass er die Welt, in der wir leben, nicht leugnet und auch nicht schönredet - aber eben auch nicht schlechter macht, als sie ist, und alle materiellen Dinge verteufelt. Er predigt keinen Rückzug aus der Welt, sondern eher ein friedliches Zusammenleben, ohne wiederum der Welt zu viel Macht zu geben. In dem ganzen Buch steckt so viel Hoffnung und so viel Gefühl. Man spürt die Liebe, die auch mal versagt, den Schmerz über das Versagen und die Hoffnung, in all dem aufgefangen zu werden. Tomas Sjödin schreibt über Fehler, ohne Vorwürfe zu machen oder zu verurteilen. Er schreibt über einen Gott, der das genauso wenig tut. Der im Leid bei uns ist, und schweigt, weil es da nichts zu sagen gibt. Es ist ein Gott, der für ihn so glaubhaft ist, weil es der einzige Gott ist, der weint. Ein sehr schönes Bild.
„Ich gehöre zu denen, die glauben, aber ich möchte auf keinen Fall zu denen gehören, die sich sicher sind“
Das Buch ist sehr gut strukturiert, sodass man die relativ kurzen Kapitel leicht zwischendurch lesen kann. Es handelt sich dabei um 77 Texte, die aus verschiedenen Kolumnen des Autors stammen. Meistens werden kurze Geschichten oder Anekdoten erzählt, die als Gedankenanstoß dienen. Bemerkenswert ist, dass der Autor all diese Geschichten vor allem auf sich selbst bezieht und zugibt, dass auch er eventuell noch zu lernen hat. Wie auch ein anderes Buch von Tomas Sjödin, welches ich vor kurzem gelesen habe, so hat dieses mir sehr gut gefallen.
Fazit: Die Lektüre von Tomas Sjödin macht etwas mit dem Leser, denke ich. Man lernt beim Lesen einen Menschen kennen, der alles, wovon er schreibt, selbst gefühlt oder durchgestanden hat und der somit weiß, wovon er schreibt. Das ist bei weitem nicht immer so deutlich zu spüren. Sjödins Texte sind ehrlich und heilsam, sie nehmen uns ernst und versuchen, uns einen Weg zu weisen.
„Vielleicht hat alles, was aus Liebe geschieht, einen Wert, der bleibt…ganz sicher sogar“
Es liegt eine tiefe Ehrfurcht vor dem Leben und jedem einzelnen Menschen, der es lebt, darin. Eine Haltung, vor der ich nur Respekt haben kann. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen. Eine Lektüre, die im Alltag vielleicht ein paar Minuten Zeit für die Ewigkeit bedeuten kann.

Bewertung vom 29.05.2018
Dein Leben ist ein wilder, wunderschöner Garten
Strickland, Danielle

Dein Leben ist ein wilder, wunderschöner Garten


ausgezeichnet

Das Chaos zulassen

Was machen wir, wenn unser Leben im Chaos versinkt? Wir wollen die Ordnung wiederherstellen, denn Chaos ist ein sehr beängstigender Zustand. Aber oft kann aus dem Chaos etwas Neues entstehen, so wie in dem wilden, ungebändigten Garten, mit dem Danielle Strickland unser Leben vergleicht. Wenn wir wachsen wollen, braucht es das Durcheinander, denn in der Ordnung folgt alles seinem vorgezeichneten Weg.
Dabei ist dieses Buch keineswegs ein typischer Ratgeber, der auf Klischees herumreitet und immer wieder das herunterbetet, was man schon hundertmal in anderen Büchern gelesen hat und was einen doch nicht so richtig weiterbringt. Das ist auch gar nicht das Ziel des Buches. Es ist vielmehr eine Einladung, sich auf das Chaos einzulassen, den Mut aufzubringen und mitten hinein zu springen. Und es geht darum, Gott zu vertrauen, der als Künstler diesen wilden Garten erschaffen hat und damit auch einen Plan verfolgt.
Wenn wir ehrlich sind, ist es ja so: Das Leben ist nun einmal unberechenbar und chaotisch, auch wenn wir noch so oft versuchen, alles nach unserem Plan zu ordnen. Daher sollten wir zu dem Chaos in unserem Leben stehen. Das Problem dabei ist nur, dass ein solches Eingeständnis allen gesellschaftlichen Schablonen widerspricht und als Zeichen von Schwäche aufgefasst wird. Doch das ist es keineswegs, wenn man sich bewusst macht, dass das eigene Leben sowieso immer eine Mischung aus Scheitern und Erfolg, Mut und Furcht, Glaube und Zweifel ist. Wer kann da noch behaupten, dass alles immer seine Ordnung hat? In diesem Buch nimmt die Autorin den Kreislauf der Natur als Vergleich und schreibt von den Voraussetzungen für Wachstum, sowohl in einem Garten als auch im eigenen Leben. Es beginnt mit Licht, das uns den Weg weist, auch wenn wir auf diesem Weg an dunkle Orte gelangen. Dann wird das Leben größer, bekommt mehr Raum, wenn wir nicht nur das sehen, was direkt vor Augen ist. Und, wer springt, muss natürlich auch landen, Wurzeln schlagen. Auch die unterschiedlichen Jahreszeiten mit ihren je eigenen Herausforderungen geben uns die Möglichkeit, an ihnen zu wachsen, ohne immer den Sommer herbeizusehnen. Schließlich merken wir, dass unser Leben manchmal einfach klingt, aber ziemlich komplex ist, und manchmal auch komplex wirkt, aber eigentlich ganz einfach ist.
Das Buch ist sehr schön geschrieben und verliert sich weder in theologischen Ausführungen noch in komplizierten Formulierungen. Die Autorin erzählt nicht nur von unserem, sondern auch von ihrem eigenen Leben. Sie möchte uns dazu ermuntern, uns fallen zu lassen, in dem Wissen, dass jemand uns fängt. Man merkt, dass sie selbst diesen Weg gegangen ist und immer noch geht, sonst könnte sie nicht so eindringlich davon schreiben. Das Buch ist dabei keineswegs rein angenehme Lektüre, sondern fordert uns auch dazu auf, Fragen zu stellen. Am Schluss jedes Kapitels findet sich eine Liste von Fragen, die der Leser sich selbst stellen kann.
Fazit: Ein absolut lesenswertes und wertvolles Buch, klug und weitsichtig geschrieben, voller Anregungen und Fragen. Ein Buch über unser wildes Leben, das gleichzeitig wunderschön ist.

Bewertung vom 06.04.2018
Der falsche Amerikaner
Barsky, Jack

Der falsche Amerikaner


sehr gut

Spannender Blick hinter die Spionage-Kulissen
Albrecht Dittrich, William Dyson, Jack Barsky – wer ist dieser Mann, der so viele Namen hatte? Im Auftrag des KGB wurde er im Kalten Krieg in die USA eingeschleust und begann dort unter dem Namen Jack Barsky ein Doppelleben zu führen. Nach außen ein ganz normaler Familienvater, aber insgeheim führte er Geheimaufträge für den KGB aus. Doch schließlich änderte sich seine Loyalität.
Eine beeindruckende und überaus spannende Geschichte. Selten bekommt man so einen Einblick in das Leben eines Spions zur Zeit des Kalten Krieges. Dass es sie gab, wissen wir im Grunde alle, aber mehr auch nicht. Jack Barsky wagte einen mutigen Schritt, als er sich im Land des „Feindes“, das zu seiner Heimat geworden war, dazu entschloss, den KGB hinter sich zu lassen. Doch zunächst erfahren wir in seinem Buch, wie es überhaupt dazu kam, dass er Spion wurde. Seine Kindheit war dafür ebenso ausschlaggebend wie seine Schul- und Studienzeit. Schließlich erfordert es eine besondere Geisteshaltung, um Agent zu werden: Loyalität dem eigenen Land gegenüber, die bedingungslose Überzeugung, dass man im Recht ist und der andere der Feind, Abhärtung und Gefühlskälte. Über all dies verfügte Jack Barsky, zumindest eine Zeit lang. Im Nachhinein sagt er, dass er zu einer ungünstigen Zeit an einem ungünstigen Ort geboren wurde. Auch die ständige Knappheit an praktisch allem, die damals in Ostdeutschland vorherrschte, trug zu seiner Entwicklung bei.
Er schreibt klar und spricht, schonungslos sich selbst gegenüber, von allen Fehlern, die er begangen hat und Entscheidungen, die er treffen musste. Eine Ehrlichkeit, die ihn sehr menschlich und sympathisch und das Buch lesenswert macht. Es war mit Sicherheit nicht einfach, über all diese Dinge zu berichten. Aber Jack wollte endlich mit der Vergangenheit abschließen und sich dem zuwenden, was er in den USA gefunden hat und was ihn schließlich verändert hat: den Menschen, die er liebt. Als er seine neugeborene Tochter das erste Mal sah, wurde er von solch einer bedingungslosen Liebe überwältigt, dass er sie später, als der Befehl zum Rückzug kam, nicht einfach im Stich lassen konnte.
Fazit: Eine weitere Geschichte, die zeigt, was das Leben manchmal für merkwürdige Wege geht. Auf jeden Fall ein sehr spannendes Buch mit einer außergewöhnlichen Geschichte. Jedoch, das ist mein einziger Kritikpunkt, steht größtenteils die spannende Geschichte zu sehr im Vordergrund, während Gedanken und Gefühle zurückstehen müssen. Oft werden Entwicklungen auch schon in Andeutungen vorweggenommen. Dennoch ein wirklich lesenswertes Buch.

Bewertung vom 19.03.2018
Die unerhörte Leichtigkeit des Glaubens
Haak, Rainer

Die unerhörte Leichtigkeit des Glaubens


ausgezeichnet

Es geht um alles
…davon ist Rainer Haak überzeugt, wenn er vom christlichen Glauben spricht. Dabei meint er nicht etwa einen angestaubten, schweren, kaum zu erreichenden Glauben, der sich aus Regeln und Glaubensinhalten speist. Nein, es geht um einen leichten, vertrauens- und liebevollen Glauben, der Geborgenheit vermittelt, Wachstum ermöglicht und Lebendigkeit schenkt.
Mal wieder ein kleines Büchlein, das mich sehr positiv überrascht hat. Da steckt wirklich eine Menge drin! Zunächst einmal haben wir es hier mit einer Sichtweise des christlichen Glaubens zu tun, die so konsequent sehr selten in christlichen Büchern anzutreffen ist. Einer Sichtweise, die davon ausgeht, dass der Glaube uns keineswegs klein machen, auf die Knie zwingen und unter Druck setzen will. Gleichzeitig ist für den Autor der Glaube auch kein Selbstläufer mit Wohlfühlgarantie. Aber was ihn wirklich ausmacht, das kann man in drei Stufen zusammenfassen: Geborgenheit, Wachstum und Veränderung, Liebe und Lebendigkeit. Um sich mit diesen Stufen intensiver auseinanderzusetzen wählt er einen sehr schönen Weg: Er bringt Farbe in die ganze Sache, z.B. Blau für Geborgenheit. Außerdem lässt er fiktiv seine Seele und seinen Verstand gemeinsam durch seine Innenwelt schlendern. Die beiden beginnen, sich anzufreunden; sie sprechen über die unterschiedlichen Glaubensstufen und am Schluss endet die ganze Geschichte in einem rauschenden Fest, zu dem alle Gefühle als Gäste geladen sind. Dies ist ein ebenso kreativer wie feinfühliger Weg, sich an das Thema ranzutasten.
Ich habe an dem Buch wirklich nichts auszusetzen. Der Autor schreibt sehr lebendig und schön, sodass allein das Lesen Freude bereitet. Dazu kommt dann noch der wirklich lesenswerte Inhalt, sehr liebevoll aufbereitet. Er hält, was er mit dem Titel des Buches verspricht, und führt den Leser vorsichtig in eine Welt, in der Glaube weit weg von allen Dogmen und festgefahrenen Regeln etwas ist, das gelebt und geliebt werden will.
Fazit: Vor allem für die Kürze des Buches ist der Inhalt sehr intensiv. Er bringt zum Nachdenken und vielleicht zu einer neuen Perspektive auf den Glauben. Dabei kommt der Autor aber nicht etwa mit drohend erhobenem Zeigefinger daher, genauso wenig wie er versucht, alles schön- und einfachzureden. Eine sehr gelungene Mischung, die ich nur weiterempfehlen kann.

Bewertung vom 19.03.2018
Meer als Alles
Schroeter, Udo

Meer als Alles


ausgezeichnet

Wo brennt dein Feuer?
Und wer sitzt mit dir am Feuer? Welche Geschichten erzählst du? Welches Wort steht auf der Visitenkarte deines Lebens? Udo Schroeter lässt die Menschen in seinem Buch viele Fragen stellen, aber diese Fragen lohnen sich! Es geht darum, seine Bestimmung zu erkennen, im Hier und Jetzt zu leben, Schmerzen aus der Vergangenheit und Sorgen um die Zukunft loszulassen.
Was genauso gut wie so viele andere Lebensratgeber daherkommen könnte, ist doch ganz anders! Ich war sehr positiv überrascht. Nachdem das Buch lange in meinem Regal stand, hatte ich dann beim Lesen viel Freude. Die Rahmengeschichte spielt auf einer kleinen Insel, wo der Protagonist einen alten, weisen Freund wiedertrifft. Beide sind begeisterte Angler, und so sind auch die Bilder und Metaphern, die gewählt wurden, aus dem Anglerleben. In Gesprächen am Strand oder am Lagerfeuer sitzen die beiden Freunde zusammen und versuchen, ihre Fragen zu beantworten.
Udo Schroeter schreibt sehr schön und poetisch, aber auch klar und ohne viel Drumherum. Ich habe in dem Buch viele schöne Ideen und inspirierende Gedanken gefunden. Auch viele Fragen, die Impulse geben und vielleicht helfen, uns darüber klarzuwerden, welches Feuer unseres ist. Er bringt die Dinge gut auf den Punkt und findet sehr passende und schöne Formulierungen. Insgesamt ein sehr lebendiges Buch, welches vor einem wunderschönen Hintergrund spielt: Dem Meer. Zwischendurch sind auch immer wieder tolle Bilder, die ein wenig zum Träumen einladen und auf jeden Fall noch mehr Ruhe und Gelassenheit in das Ganze bringen.
Fazit: Es ist ein eher ruhiges Buch, aber es kommt auch gar nicht darauf an, dass viel passiert. Vor dem Meer als Hintergrund werden tiefgreifende Fragen aufgeworfen. Dabei kommt es weniger auf die Antworten an, als vielmehr darauf, die Fragen zu stellen. Ein wunderbares Leseerlebnis, das ich von der ersten bis zur letzten Seite genossen habe!

Bewertung vom 19.03.2018
Wo du richtig bist
Sjödin, Tomas

Wo du richtig bist


ausgezeichnet

Auf den Spuren des Apostels Thomas
Woher weiß ich, dass ich meinen Platz im Leben gefunden habe? Diese Frage stellt sich der Autor Tomas Sjödin. Auf der Suche nach einer Antwort findet er einen „Leidensgenossen“ in dem Apostel Thomas, und er begibt sich auf eine Reise in dessen Fußspuren. Dabei macht er sich vor allem innerlich auf den Weg, um endlich seinen Platz zu finden.
Zunächst einmal: Ein ganz, ganz tolles Buch! Der Autor lässt uns an seiner persönlichen Reise teilhaben, und berichtet dabei offen und ausführlich von seinen Gefühlen, Gedanken und Erlebnissen. Er berichtet also nicht distanziert oder spricht darüber, was „man“ machen sollte, sondern er steigt selbst in den Ring. Das macht ihn und sein Buch auf jeden Fall sehr sympathisch. Sein Schreibstil gefällt mir sehr gut, er ist locker und humorvoll, nimmt die Suche aber gleichzeitig sehr ernst. So ist es leicht, ihm durch das Buch zu folgen, jedoch wird auch der Leser sich an der einen oder anderen Stelle fragen: Was bedeutet das für mich? Die gleichen Fragen, die der Autor sich stellt, habe auch ich mir beim Lesen gestellt, ohne dass ich das Gefühl hatte, gönnerhaft von oben herab behandelt zu werden. Es ist vielmehr die Erkenntnis, dass wir alle uns im Grunde dieselben Fragen stellen, und dass keiner das Recht hat, anderen in dieser Hinsicht etwas vorzuschreiben.
Auch der Inhalt ist sehr lesenswert. Tomas Sjödin schreibt abwechslungsreich und tiefgründig. Er begnügt sich nicht damit, an der Oberfläche zu kratzen. Denn es ist ihm nicht nur wichtig, von seiner Reise zu berichten, sondern auch die Leser auf die Reise zu schicken. Er betont immer wieder, wie wichtig es ist, sein Leben auf ein „JA“ zu bauen. Wenn man dieses JA sagen kann, dann ist man am richtigen Platz angekommen.
Fazit: Ein wertvolles Buch mit vielen spannenden Erfahrungen, wertvollen Ideen und lustigen Anekdoten. Es macht Freude, dieses Buch zu lesen, und ich möchte es wirklich weiterempfehlen!

Bewertung vom 22.02.2018
Hinter dem Orangenhain
Joubert, Irma

Hinter dem Orangenhain


ausgezeichnet

Die Geschichte einer mutigen jungen Frau
Pérsomi wächst in armen Verhältnissen auf, doch ihr Traum ist es, zu studieren und Anwältin zu werden. Der Weg dahin ist nicht einfach, doch sie ist eine mutige und entschlossene junge Frau, die sich Ungerechtigkeit gegenüber den Armen nicht länger bieten lassen möchte.
Für mich nach „Sehnsuchtsland“ schon das zweite Buch der Autorin, und ich bin ähnlich begeistert wie vom ersten. Wieder beschreibt die Autorin unglaublich feinfühlig und eindrücklich die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die im Schatten eines Krieges aufwächst, der zwar weit entfernt ist, ihr Leben aber dennoch beeinflusst. Schließlich dient auch ihr geliebter Bruder an der Front, und nicht zuletzt werden viele Ereignisse in ihrer unmittelbaren Umgebung von lange gehegten Ressentiments und Vorurteilen hervorgerufen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie Irma Joubert es schafft, ihre Figuren zum Leben zu erwecken. Sie verfügen über sehr ausgeprägte Charaktere und jede muss sich ihren eigenen Platz suchen. Manchmal ist die Sprache auch sehr karg, und doch fehlt auch an diesen Stellen nichts. Man spürt die Gefühle hinter dem, was passiert, und auch die scheinbar knappen Beschreibungen passen ins Geschehen. Manchmal sind sie auch unglaublich detailreich und versetzen einen an einen völlig anderen Ort. Das ist eine der großen Fähigkeiten dieser Autorin: Sie ist nicht vorhersehbar, sie kann ihre Sprache ihrer Geschichte anpassen. Und was für Geschichten dabei entstehen – voller Liebe und Hass, Freundschaft und Feindschaft. Stets sind auch die ganz großen Themen vertreten: Krieg, Hunger, Armut. Da ist nichts vorhersehbar und klischeehaft. Auch Gott spielt eine Rolle, wenn auch eher im Hintergrund. Aber immer mal wieder beschäftigt Pérsomi sich mit diesem Thema. Für mich ein sehr erfrischender christlicher Roman, der vor allem eines möchte: Eine Geschichte erzählen.
Fazit: Ich kann Irma Joubert wirklich nur absolut weiterempfehlen. Ihre Bücher zählen zu den besten christlichen Romanen, die ich kenne. Die Autorin versteht es, den Leser in die Geschichte hineinzuziehen und nicht mehr loszulassen. Pérsomi ist eine Hauptfigur, die mit ihren Ängsten und Kämpfen absolut überzeugt. Ich habe wirklich nichts auszusetzen an dem Buch. Ein wahres Vergnügen beim Lesen!

Bewertung vom 22.02.2018
Der Jesus-Dschihad
Andrews, Dave

Der Jesus-Dschihad


sehr gut

Die nicht so heiligen „Heiligen Kriege“
… sowohl der Christen als auch der Muslime. Beide Religionen blicken auf eine lange Geschichte von Gewalt und Missbrauch zurück. Was verbirgt sich wirklich hinter dem Dschihad und was hat das mit Jesus zu tun? Wie können wir lernen, als Christen und Muslime aufeinander zuzugehen? Mit diesen Fragen beschäftigt Dave Andrews sich in seinem Buch.
Ein provokanter Titel, der neugierig macht. Der Begriff des Dschihad ist wahrscheinlich den meisten geläufig, aber er wird doch meistens negativ gebraucht. Dave Andrews erklärt, was der Dschihad wirklich bedeutet. In seinem Buch gibt es zunächst einen groben Überblick über die „Heiligen Kriege“ in der Geschichte des Christentums und Islams, die gar nicht so heilig waren. Auffällig ist hierbei zunächst, dass zuerst die Geschichte des Christentums behandelt wird, danach erst die des Islam. Auf jeden Fall löblich, sich als Christ zuerst mit der eigenen Vergangenheit zu befassen, bevor andere kritisiert werden. Die Kritik bleibt stets sachlich und alles wird nachvollziehbar erzählt. Dennoch werden die furchtbaren Vorfälle und grausamen Epochen keineswegs verharmlost und „unter den Tisch gekehrt“. Außerdem beschäftigt sich der Autor auch mit dem Wesen der beiden großen Religionen und der Möglichkeit, auf Grundlage von Gemeinsamkeiten miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch Muslime kennen schließlich Jesus und verehren ihn als großen Propheten. So rückt der Jesus-Dschihad als konsequente, aber gewaltfreie Nachfolge Jesu in den Mittelpunkt, welche von allen Menschen praktiziert werden kann. Ein schöner Begriff für eine gute Idee. Nachfolge Jesu verbinden mit interreligiösem Dialog.
Ein kleiner Kritikpunkt allerdings auf formaler Ebene: Der Autor verwendet fast alle Zitate nicht nur einmal, sondern mehrmals, und zwar immer in genau demselben Wortlaut. So kommt es häufig vor, dass man einen Abschnitt liest, und genau denselben Abschnitt mit genau demselben Wortlaut (inklusive Zitat) ein paar Seiten später wiederfindet. Rückverweise finden sich dabei nicht (z.B. „…wie bereits eben erwähnt“). Das ist natürlich irritierend, da ich mich als Leser ständig gefragt habe: „Das habe ich doch eben schon mal gelesen, oder?“ Es wirkt ein wenig so, als seien dem Autor die Formulierungsideen ausgegangen. Auch wenn am Ende von Abschnitten eine kurze Zusammenfassung erfolgt, werden genau dieselben Worte gewählt, wie bereits vorher in den Zwischenüberschriften. Das finde ich ein bisschen schade, denn Zusammenfassungen sollten nicht wiederholen, sondern kurz und prägnant zusammenfassen. Darüber hinaus fällt es mir teilweise schwer, den Schlussfolgerungen des Autors zuzustimmen, aber ich denke, das wird bei jedem Leser unterschiedlich sein. Er spricht auf jeden Fall einige interessante Themen an, und hat eine sehr offene, menschliche Sichtweise auf den Islam, die mir gut gefällt. Die Suren des Koran lassen viel Platz für Auslegung, und ich glaube, das was Dave Andrews hier schreibt, hat viel mit dem zu tun, was ursprünglich gemeint war.
Fazit: Trotz dieses Kritikpunktes dennoch ein insgesamt gelungenes Buch, um sich mit den beiden Religionen Christentum und Islam auseinanderzusetzen. Sehr gut gefällt mir, dass hier weder die eine auf-, noch die andere abgewertet wird. Im Gegenteil, der Autor betont immer wieder: Es ist ein Gott, den alle Religionen anbeten, nur machen sie das auf ihrem je eigenen Weg. Auch das zieht sich sehr schön durch das ganze Buch. Von mir daher vier Sterne.