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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Traeumerin109
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Bewertungen

Insgesamt 185 Bewertungen
Bewertung vom 15.09.2019
Du und die anderen
Stabile, Suzanne

Du und die anderen


sehr gut

Ein interessantes Buch über Beziehungen

Nach „Wer bist du“ ist dies hier das zweite Buch zum Enneagramm. Wer dieses Modell der verschiedenen Persönlichkeitstypen mit ihren unterschiedlichen Zugängen zur Welt nicht kennt, der liest am besten das erste Buch, eine wirklich gute Einführung. Auch ich hatte vorher noch nie etwas davon gehört, muss aber sagen, dass ich das Enneagramm sehr spannend finde – auf jeden Fall kein Modell, das man gleich wieder weglegt. Grob gesagt, gibt es neun verschiedene Persönlichkeitstypen, die untereinander wechselwirken und mal besser, mal schlechter zusammen funktionieren. Eben darum geht es nun in diesem Buch genauer: Wie sieht das aus in Beziehungen? Wie beeinflusst unser Zugang zur Welt unsere Beziehungen, welche Schwierigkeiten gibt es (und warum) und was kann ich tun, wenn ich
a) mich selbst wiedererkenne und gelingende Beziehungen führen möchte?
b) meinen Partner/Freund/Kollegen etc. wiedererkenne und das eine oder andere Problem mit ihm habe?
Es geht Suzanne Stabile darum, im Zwischenmenschlichen zu „übersetzen“, was sonst oft missverstanden wird. Solche Situationen gibt es häufig, oft auch ohne dass wir es merken. Wenn wir uns selbst und andere aber besser verstehen, dann können wir vielleicht auch anders damit umgehen. Dazu will das Buch uns verhelfen. Schade fand ich, dass es teilweise etwas eindimensional war, was auch in der Natur der Sache liegt, schließlich haben wir es hier mit einem Modell zu tun. Aber Beziehungen und Menschen sind einfach unglaublich komplex, und ich glaube nicht, dass sie immer so einfach zu erklären sind, wie das Enneagramm es letzten Endes tut. Außerdem sind Liebe und Freundschaft auch in gewisser Weise Entscheidungen, die wir treffen können, ungeachtet unserer Schwächen. Sowohl die Komplexität als auch die Willensfrage haben meines Erachtens im Enneagramm wenig Platz. Aber das Modell hilft dabei, uns unsere Schwächen und Stärken vor Augen zu führen.
Fazit: Wenn man das erste Buch schon gelesen hat, dann wiederholt sich einiges. Doch der Schwerpunkt ist hier anders, und es war nicht schlecht, die Beschreibungen der einzelnen Typen nochmal ins Gedächtnis gerufen zu bekommen. Ich habe durchaus noch einiges aus dem Buch gezogen und denke, dass es eine gute Erweiterung darstellt. Man kann es natürlich auch unabhängig davon lesen, da alle Typen noch einmal aufgegriffen werden. Insgesamt ein Buch, das viel Hilfreiches zu bieten hat und trotz der Schwächen des Modells dabei helfen kann, sich selbst und andere besser zu verstehen und gesunde Beziehungen zu leben.

Bewertung vom 15.09.2019
Schuldig.
Middelhoff, Thomas

Schuldig.


sehr gut

Ein verblüffend ehrliches Bekenntnis des ehemaligen Top-Managers

„Deshalb bekenne ich zuallererst: Ich bin schuldig. Schuldig an meinem Scheitern.“
Die Geschichte rund um Thomas Middelhoff war wohl eine der medienwirksamsten Storys der vergangenen Jahre: Ein international bekannter Top-Manager, der alles erreicht hat, was das Herz begehrt, um dann alles wieder zu verlieren. 2014 wurde er wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt - tiefer kann ein Mensch kaum fallen. In diesem Buch erzählt er selbst von seinem Scheitern und bekennt, dass es ebenso selbstverschuldet wie lehrreich war. Damit andere in vielleicht ähnlicher Situation wie er aus seiner Geschichte lernen können, möchte er sie mit uns teilen.
Zunächst einmal meinen Respekt dafür, dass Thomas Middelhoff derart ehrlich und selbstkritisch über die härteste Lektion seines Lebens berichtet. So etwas erfordert viel Mut und ist alles andere als einfach. Wer Bedenken haben sollte, dass er mit diesem Buch nur wieder darauf abzielt, sich selbst ins Rampenlicht zu stellen und die Schuld auf andere oder die Umstände zu schieben, der kann sich beim Lesen des Buches eines Besseren belehren lassen. Seine Selbsterkenntnis und Selbstkritik zieht sich durch das ganze Buch und wirkt absolut ehrlich.
Der Blick, den Middelhoff uns in das Leben eines Topmanagers gewährt, ist spannend und gleichzeitig ernüchternd. Was sein Verhalten angeht, dürfte er kein Einzelfall gewesen sein. Die von ihm genannten „Todsünden“, derer er sich schuldig gemacht hat, sind hier weit verbreitet, wohl auch als Folge eines bestimmten gesellschaftlichen bzw. wirtschaftlichen Systems. Gier und Macht bestimmen vieles, wenn nicht alles, in dieser Welt des Geldes. Im Fall von Thomas Middelhoff wurde der Grundstein für vieles was passiert ist schon gelegt, als er Jahre vorher beschlossen hat, trotz der Warnung seines Vaters sein arrogantes Verhalten nicht aufzugeben. Nicht jeder fällt deshalb gleich so tief wie er, aber er beschreibt auch die einzigartige Chance, welche ihm dadurch gegeben wurde, sein Leben neu auszurichten – und er hat sie genutzt.
Fazit: Ein auf jeden Fall interessantes und lehrreiches Buch. Ein wenig hat mir gefehlt, dass Middelhoff sich als Mensch zugänglicher macht. Er bleibt recht distanziert den Vorkommnissen gegenüber. Dennoch ist er brutal ehrlich sich selbst gegenüber und schreibt gleichzeitig von der Hoffnung, nach einem solchen Scheitern wiederaufzustehen. Daher von mir eine Leseempfehlung: Vielleicht wird der eine oder andere Middelhoff danach mit etwas anderen Augen sehen.

Bewertung vom 15.09.2019
Der weiße Löwe von Thabur
Kofmehl, Damaris

Der weiße Löwe von Thabur


sehr gut

Eine löwenstarke Geschichte

Leandro, der Protagonist des Buches, ist verzweifelt und wütend, mit Gott möchte er nichts mehr zu tun haben. Mittlerweile hat er sich mit dem Schatten eingelassen und widmet sich dunklen Praktiken und Riten. Als er in Afrika auf Löwenjagd ist, stürzt er zusammen mit einem geheimnisvollen weißen Löwen von einem Felsen und landet in einer anderen Welt, Thabur. Hier ist er kein Versager, sondern der lange erwartete Held und Retter, der als Teil einer alten Prophezeiung das Volk befreien soll.
Von Damaris Kofmehl habe ich schon viele gute Bücher gelesen, und auch dieses hier hat mich gleich gefesselt. Es ist eine sehr spannende Geschichte mit einem Protagonisten, der viele innere Kämpfe und Zweifel durchmachen muss, der auch mal strauchelt, der schon oft versagt hat und gerade dadurch sympathisch ist. Denn im Grunde ist er ein Mensch wie du und ich, der nicht glauben kann, dass ausgerechnet er ein Held sein soll. Leandro ist jemand, mit dem jeder sich identifizieren kann (auch ohne dunkle Riten etc.), der überaus authentisch ist und echt hart kämpfen muss. Er muss im wahrsten Sinne des Wortes alles geben, um das Volk von Thabur zu retten. Und alles zu geben, all seine Wut, den Hass, die Verzweiflung auf- und abzugeben, das ist alles andere als einfach. Auch seine Gefährten in dieser Welt haben ihre eigenen Kämpfe zu bestehen. Inhaltlich und psychologisch ein wunderbares Buch, das zeigt, dass in jedem Menschen Löwenblut fließt.
Kritikpunkt: Erzählerisch gesehen hätte das Buch etwas länger sein dürfen, wenn nicht sogar müssen. Dann hätte man nicht an der einen oder anderen Stelle das Gefühl gehabt, durch die Geschichte gehetzt zu werden und auch die Gedanken und Gefühle der handelnden Personen hätten besser zur Geltung kommen dürfen. So geht alles ziemlich schnell.
Fazit: Ein Buch, das gekonnt eine spannende Fantasy-Geschichte mit überzeugenden Protagonisten und tiefer geistlicher Wahrheit verbindet. Trotz des erzählerischen Tempos auf jeden Fall lesenswert. Wer Narnia kennt und liebt, dem wird auch dieses Buch gefallen.

Bewertung vom 24.08.2019
Die Ewigkeit ist jetzt
Ortberg, John

Die Ewigkeit ist jetzt


ausgezeichnet

Was es mit dem ewigen Leben auf sich hat

John Ortberg hat hier ein weiteres Mal ein Buch zu einem wichtigen, aber leider von Mythen umrankten Thema geschrieben. Ewiges Leben ist ein zentraler christlicher Begriff, oft im Munde geführt und laut Ortberg ebenso oft missverstanden. Er bezeichnet etwas, nach dem wir uns sehen, das wir eines fernen Tages zu erlangen hoffen. Aber was, wenn da noch viel mehr dahintersteckt? Wenn wir ewiges Leben schon jetzt und hier erfahren können und nicht erst, wenn wir tot sind?
Die Bücher von John Ortberg lese ich immer wieder gerne, auch dieses hier hat mir sehr gut gefallen. Er schreibt sehr klar und verständlich, sodass das Lesen wirklich Freude macht und an keiner Stelle langweilt oder frustriert, weil man etwa an umständlichen Sätzen hängenbleibt. Dabei hat er sowohl tiefgehende Einsichten als auch einen sehr ansprechenden Sinn für Humor zu bieten. Ortberg hat dem Leser einfach viel zu sagen, und er tut das sehr überzeugend. In diesem Buch nun geht es um das Thema Erlösung und ewiges Leben. Ganz anders als viele andere definiert er Erlösung nicht einfach so, dass dadurch alle in den Himmel kommen können. Da steckt viel mehr drin, als wir oft ahnen. Und es lohnt sich wirklich, die Einladung von Jesus, ihm nachzufolgen, ernst zu nehmen. Wer nun aber meint, das alles klingt sehr hochgestochen und scheint mit einem mahnend erhobenen Zeigefinger verbunden zu sein, der uns ein schlechtes Gewissen machen soll, der hat sich geirrt. Was John Ortberg wirklich gut kann, ist dem Leser auf Augenhöhe zu begegnen. Er nimmt Zweifel und Unsicherheit ernst. Seine Einsichten sind solche, die genau hier in unserem Alltag einen Unterschied machen und nicht in irgendwelchen theologischen Studierzimmern erdacht wurden. Mir jedenfalls hat das Buch sehr viel gegeben.
Dies ist ein Buch, sowohl für Gläubige als auch für Zweifelnde und Skeptiker. Denn überholte Begriffe, Bilder und Moralvorstellungen haben bei John Ortberg keinen Platz. Er entwirft ein einfaches, klares, und gleichzeitig herausforderndes Bild von Erlösung und ewigem Leben, das nichts mit einer Vertröstung auf das Jenseits zu tun hat. Er fordert heraus zum Nach- und Neudenken alter Vorstellungen. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen, daher fünf Sterne von mir!

Bewertung vom 24.08.2019
Habakuk
Bigger, Leo

Habakuk


sehr gut

Gott Fragen stellen
…ist etwas anderes als Gott in Frage zu stellen. Das beweist die Geschichte von Habakuk, dem Propheten aus dem alten Testament. Sie dient als Grundlage dieses Buches, anhand der Leo Bigger sich damit auseinandersetzt, was wir tun können, wenn wir Gottes Handeln nicht verstehen. Und das tun wir ziemlich oft nicht. Wahrscheinlich kennen die meisten von uns solche Fragen, wenn es um Ungerechtigkeit und Leid geht, und nicht selten möchten wir sie alle Gott hinwerfen, der ja schließlich nichts tut, oder? Aber darf man das? Habakuk sagt klar und deutlich: Ja.
Wie auch andere Bücher des Autors fand ich dieses hier inhaltlich und vom Aufbau her sehr gut. Es ist klar strukturiert, geht nicht zu schnell und auch nicht zu langsam vor, also genau in dem richtigen Tempo, und es beinhaltet sehr viel. Leo Bigger hat (mal wieder) eine Geschichte aus der Bibel herausgegriffen, die sonst wahrscheinlich nicht so viel Beachtung erfährt, wie sie verdient. Und er zieht daraus eine ganze Menge, indem er diese Geschichte auf unser Leben anwendet. Schließlich stand Habakuk damals vor ähnlichen Problemen, Fragen und Zweifeln wie wir heute. Bis hierhin habe ich an dem Buch auch nichts auszusetzen. Was ich allerdings bemängeln möchte, ist der Schreibstil. Der Autor möchte Menschen für den Glauben und für Jesus begeistern, und zwar auf eine neue, frische Art und Weise. Zielgruppe seines Buches dürften auch eher junge Leser sein. Dennoch finde ich, dass er manchmal ein wenig übers Ziel hinausschießt mit seinem Humor (und ich bin mit Mitte 20 nun wirklich noch nicht alt). Das wirkt an einigen Stellen einfach sehr gewollt lustig, ohne lustig zu sein. Er möchte das Thema unkompliziert angehen und sein Publikum begeistern, das finde ich super. Aber einige Sprüche fand ich eher nervig als unterhaltsam. Vielleicht ist es noch einmal etwas anderes, wenn man das alles so in einer Predigt o.Ä. formuliert. Aber in geschriebener Form passte es eben nicht immer.
Fazit: Ein Buch, das viele spannende Aspekte anspricht, wenn es darum geht, dass wir Gottes Plan einfach nicht verstehen, oder dass es nicht vorwärtsgeht in unserem Leben. Für den manchmal sehr gewöhnungsbedürftigen und hin und wieder „unlustigen“ Humor ziehe ich allerdings einen Stern ab.

Bewertung vom 30.05.2019
Orangen sind rot
Grauer, Immanuel

Orangen sind rot


weniger gut

Nicht überzeugend

Immanuel Grauer ist der Zusammenhang zwischen Denken und Glauben sehr wichtig, gerade in der Postmoderne, in der wir leben und in der niemand sich gerne so genau festlegt. Deshalb wollte er ein Buch für Gottsucher schreiben, in dem er zentralen Fragen nach Gott, Wundern, dem ewigen Leben und dem Leid in dieser Welt auf den Zahn fühlt.
Ich schreibe bewusst „wollte“, denn dieses Unterfangen ist ihm meiner Meinung nach nicht geglückt. Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass Gottsucher, wie sie im Untertitel genannt werden, aufgrund dieses Buches Gott finden werden. Den bisherigen positiven Rezensionen kann ich mich daher leider nicht anschließen, mich hat das Buch ganz und gar nicht überzeugt, weder was den Schreibstil noch den Inhalt anbelangt.
Zunächst einmal der Titel: Er wird kurz aufgegriffen, es wird aber überhaupt nicht erklärt, was rote Orangen damit zu tun haben sollen, dass alles nicht immer so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Verwirrend – muss nicht sein, finde ich. Das ganze Buch und wie es aufgemacht ist, war nicht wirklich meine Art. Für mich bewegt sich der Autor an der Oberfläche der beliebtesten klischeehaften Einwände gegen den christlichen Glauben, die er noch nicht einmal zufriedenstellend behandelt. Vieles wird einfach so als Annahme im Raum stehen gelassen, die wirklich interessanten Fragen werden teilweise geschickt umgangen. Wenn es beispielsweise um die historisch-kritische Bibelwissenschaft geht, so frage ich mich, mit welchen Wissenschaftlern er es bisher zu tun gehabt hat. Das, was er darstellt, sind eher einzelne, größtenteils abstruse Ansichten, die ein völlig falsches Bild liefern. So ähnlich ging es mir noch an einigen anderen Stellen. Es wirkt so, als würde der Autor es sich gerne so leicht wie möglich machen. Ohne sagen zu wollen, dass er nicht Recht hat, was den Wahrheitsgehalt der Bibel betrifft, so braucht es dafür doch bessere Argumente als „was in der Bibel steht ist wahr, weil es in der Bibel steht“ – gerade für jemanden, der am Anfang betont, wie wichtig ihm Denken im Zusammenhang mit Glauben ist, enttäuschend. Zwar ist das Buch nicht völlig frei von guten Gedanken und Anregungen, jedoch im Verhältnis zu den uninteressanteren Abschnitten eindeutig zu wenig.
Fazit: Ein paar gute Abschnitte, leider nicht wirklich darüber, worum es beim Glauben eigentlich geht. Für mich ist zweifelhaft, ob Glaubensskeptiker so überzeugt werden wollen, da habe ich schon viele wesentlich bessere Bücher gelesen. Kann ich leider nicht weiterempfehlen!

Bewertung vom 23.05.2019
Mein Versprechen
Gerber, Roy

Mein Versprechen


gut

Die Geschichte eines Versprechens

Roy Gerber ging nach Amerika, um reich und berühmt zu werden. Das gelingt ihm auch, doch bei einem Freiwilligen-Einsatz mit seinem Hund Ziba begegnet er einem Mädchen, das ihm ein Versprechen abnimmt. Dieses Versprechen ändert Roys Leben, lässt ihn für Missbrauchsopfer kämpfen und schließlich sogar seine Karriere als Geschäftsmann beenden, um Pastor zu werden.
Dies soll, das betont der Autor ausdrücklich, keine Autobiografie sein. Der Fokus soll nicht auf seinem Leben liegen, sondern auf dem Leben derer, um die es ihm eigentlich geht: Menschen am Rande der Gesellschaft, Obdachlose, Missbrauchsopfer – die Liste ist lang. Er möchte lediglich berichten, wie es zu dem enormen Wandel in seinem Leben kam und was das mit ihm gemacht hat. Dieses Ziel hat er, das muss ich leider sagen, nur bedingt erreicht. Auf mich wirkte das Buch sehr wohl wie eine Autobiografie. Es ist eine sehr spannende Lebensgeschichte, keine Frage, doch darum sollte es ja nicht in erster Linie gehen. Genau das tut es aber größtenteils, so mein Gefühl. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn der Autor nicht extra betont hätte, dass er eben das nicht möchte. Außerdem wird auch dem bahnbrechenden Wandel, der Begegnung mit dem Mädchen, dem Versprechen und all dem, was daraus folgt, nicht wirklich viel Platz eingeräumt. Ebenso Roys Weg in den Glauben – auch diesem wird nicht genug Raum gegeben. Auf einmal ist es so, fertig. Das fand ich etwas schade.
Aber das Buch hat trotzdem viele gute Seiten. Roys Leben verlief nicht unbedingt in geraden Bahnen, teilweise war es sehr verfahren. Er berichtet, wie es dazu kommen konnte und wie er aus diesem Schlamassel wieder herausgefunden hat. Auch wo es um die Menschen geht, die ihm so am Herzen liegen, schreibt er schön und berührend. Man merkt, dass das sein Lebenswerk und ihm wirklich wichtig ist. Zum Beispiel erzählt er von vielen wunderbaren Projekten und auch, wie Gott ihn dabei unterstützt hat. Gut fand ich auch den umfangreichen Bilderteil, der nochmal die Menschen zeigt, von denen er schreibt.
Fazit: Das Buch ist spannend und hat mich erneut zum Nachdenken gebracht, denn Missbrauch ist leider immer und überall ein hochaktuelles, trauriges und zu oft unter den Teppich gekehrtes Thema. Dennoch, „eine Hommage an das Leben“, wie es im Klappentext heißt, habe ich nicht darin gefunden, dafür war es stellenweise zu emotionslos und überhastet. Unterm Strich wohl kein Buch, das ich nochmal lesen oder unbedingt jemandem weiterempfehlen würde. Daher leider nur drei Sterne von mir.

Bewertung vom 23.05.2019
Expedition zum Ursprung
Kellner, Albrecht

Expedition zum Ursprung


ausgezeichnet

Spannende Lebens- und Glaubensgeschichte

Ursprünglich hatte Albrecht Kellner Physik studiert, um den Fragen auf den Grund zu gehen, die sich ihm aufdrängten: Woher komme ich, wohin gehe ich, und wozu das Ganze? In der Naturwissenschaft hoffte er eine Antwort zu finden. Doch nachdem er festgestellt hatte, dass er hier nur eine andere Art von Antwort finden würde, begann eine lange, spannende und abwechslungsreiche Suche. Bewusstseinserweiternde Drogen, Meditation, fernöstliche Philosophie – es gibt nichts, was der Autor nicht ausprobiert hätte. Eine Antwort fand er durch keines dieser Mittel, aber – für ihn selbst am meisten überraschend – schließlich im Christentum.
Ein wahnsinnig spannendes, großartiges Buch, welches viele interessante Überlegungen und Einsichten zu bieten hat. Nachdem der Autor in seinem anderen Buch „Christsein ist keine Religion“ bereits auf sein Verständnis vom Christentum zu sprechen kam, geht er hier nochmal tiefer und erzählt uns die ganze Geschichte seiner langen Suche, wobei er auch all seine Irrwege nicht ausspart. Ausführlich schildert er die Anfänge, die Hoffnung, die er auf die Naturwissenschaft setzte. Doch genauso ausführlich legt er schließlich dar, warum die Naturwissenschaft gar nicht in der Lage sein kann, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu geben. So geht es weiter, auch beispielsweise die meditativen Praktiken scheinen am Ziel vorbeizulaufen. Es ist eher ein Zufall, dass er dem Christentum begegnete, einer Religion, die er selbst von früher her kannte und eigentlich als „nutzlos“ abgestempelt hatte. Am Rande sei erwähnt, dass Kellner als Physiker und Christ interessante Argumente dafür bringt, warum die Naturwissenschaft keinen Beweis dafür liefern kann, dass Gott nicht existiert – warum sie vielmehr seine Existenz zumindest nahelegt. Aus seiner Sicht widersprechen sich diese beiden so oft als Kontrahenten angesehenen Denk- und Lebensweisen überhaupt nicht.
Dieses Buch hat mir auch deshalb so gut gefallen, weil mir Albrecht Kellners klares, kompromissloses Verständnis vom Christentum, besser gesagt vom Christsein, sehr zusagt. Bei ihm finde ich sehr gut auf den Punkt gebracht, um was es eigentlich geht. Nicht zuletzt ist dies eine Sichtweise, die, so behaupte ich einfach mal, eher selten anzutreffen ist. Da braucht es keine theologische Fachsimpelei, keine hochgestochenen Erleuchtungs- und Wundergeschichten. Obwohl sich das Buch meiner Meinung nach sehr von dem unterscheidet, was man meistens über Christsein hört, hat es mich doch viel tiefer berührt und angesprochen. Die Antwort, die der Autor gefunden hat, sowie die Art, wie er sie gefunden hat, finde ich unglaublich ermutigend, inspirierend und einfach überzeugend.
Fazit: Ein Buch, nicht nur, aber auch für Gläubige und für die, die noch auf der Suche sind. Sowohl für Leser, die das, was Albrecht Kellner erlebt hat, ebenso gerne erleben möchten, als auch für die, welche glauben, die Antwort bereits zu kennen. Das Buch ist zudem gut und leicht geschrieben, sodass das Lesen Freude macht. Spannend, informativ, offen, verletzlich, konsequent: Ein Buch, das einen bei der eigenen Suche begleiten kann.

Bewertung vom 23.05.2019
Wofür mein Herz schlägt
Royer, Hans Peter

Wofür mein Herz schlägt


ausgezeichnet

Ein Buch, das vor lauter Liebe strahlt

„Das Endziel all unserer Verkündigung und unseres Lebens muss immer Liebe hervorbringen“
Dieses Zitat trifft sehr gut, „wofür sein Herz schlägt“ – Hans Peter Royer predigt vor allem Liebe. Für mich das erste Buch von ihm, überhaupt das erste, was ich je von ihm gehört bzw. gelesen habe. Und es hat mich wirklich umgehauen, tief berührt und ein wenig sprachlos zurückgelassen, obwohl ich sonst eher skeptisch bin bei Büchern bekannter Prediger – die wenigsten halten für mich, was ihr Bekanntheitsgrad und ihre Beliebtheit versprechen. Nicht so Hans Peter Royer, er hat meine Erwartungen weit übertroffen. Überhaupt habe ich meine Erwartungen relativ schnell über Bord geworfen und mich ganz den wunderbaren, tiefgründigen und inspirierenden Texten überlassen.
Warum nun ist dieses Buch so gut? Royer erzählt gleichermaßen fasziniert wie begeistert von Jesus und von der unbedingten, alles und alle umfassenden Liebe Gottes, und das immer und immer wieder. Dennoch wird man als Leser (wie wahrscheinlich damals als Zuhörer auch) nicht müde, diese zentrale Botschaft immer wieder zu lesen. Denn, wie Royer selbst sagt: Er möchte uns nichts Neues erzählen, sondern uns nur an eine alte Wahrheit erinnern, weil es wichtig ist, sich immer wieder gegenseitig daran zu erinnern. Weil wir so leicht vergessen.
Was soll ich sagen, er hat es trotzdem geschafft, mir viel Neues zu erzählen. Für vieles hat er unglaublich klare Worte gefunden, während er gleichzeitig eine Sprache verwendet, die den Leser direkt anspricht. So, als würde er mit uns am Kamin sitzen und sich entspannt mit uns unterhalten. Dabei bringt er Gott so nahe, wie ich es kaum je erlebt habe. Als würde Gott selbst mit uns am Kamin sitzen. Seine Begeisterung ist ansteckend, es spricht eine tiefe Wahrhaftigkeit und ein wahnsinniges Vertrauen aus seinen Zeilen. Allein nach diesem Buch, ohne eine seiner Predigten erlebt oder gesehen zu haben, kann man denke ich sagen, dass er wirklich lebte, was er predigte. Mir hat er viel Stoff zum Nachdenken und „Nachleben“ gegeben.
Fazit: Aus dem Buch strahlt dem Leser etwas entgegen, was noch eine Weile nachleuchtet. Ich jedenfalls hätte mich dem, was Royer sagt, nicht entziehen können, selbst wenn ich gewollt hätte. Dieses Leseerlebnis muss man selbst gehabt haben, um das nachvollziehen zu können. Absolut fesselnd, vielschichtig und ermutigend. Diesen Autor kann ich nur jedem empfehlen! Ich empfinde das Buch als ein Geschenk und bin sehr dankbar, dass ich es lesen durfte.

Bewertung vom 23.05.2019
Durchblicke
Lewis, C. S.

Durchblicke


ausgezeichnet

Schwierige, aber lohnende Kost

In diesem Buch sind Texte von C.S. Lewis zusammengestellt, die zum ersten Mal in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. Sie reichen von apologetischen Argumentationen über theologische Fragestellungen bis hin zu Überlegungen zum Werk seines Freundes Tolkien oder, allgemeiner, bis hin zu der Frage, wie gute Bücher für Kinder (und Erwachsene) entstehen.
Die meisten der Texte haben es wirklich in sich. Zum Glück kann man jedes Kapitel für sich lesen, sodass man sich nicht immer wieder mühselig in den Text hineinfinden muss. Aber immer wieder neu muss man sich in den Gedankenfluss von C.S. Lewis selbst hineindenken, sich manchmal auch hineinfallen lassen. Dafür wird man reich belohnt, wenn man seinen gedanklichen Schritten einmal gefolgt ist. Lewis ist für mich einer der großen christlichen Denker überhaupt, dessen Schlussfolgerungen und Argumente in den allermeisten Fällen wahnsinnig spannend und zugleich sehr faszinierend sind. Manchmal kann man ihm wunderbar folgen, dann wieder muss man einen Absatz drei- oder viermal lesen, weil er so komplex ist. Was ihn aber durchgehend auszeichnet, ist, neben der messerscharfen Argumentation, sein Humor, der sich hin und wieder in ironischen Seitenhieben und lustigen Metaphern entlädt. Auch schafft er es immer wieder, von alltäglichen Gegebenheiten den Bogen zu den ganz großen Themen zu spannen. Wer hätte gedacht, welche Lichtblicke einen in einem Geräteschuppen ereilen können, oder wie philosophisch Fahrradfahren sein kann?
Ich bewundere C.S. Lewis als Autor sehr, sowohl seinen Verstand, als auch seine Ideen und ausgefeilten Argumentationen. Aber, auch wenn man ihn vielleicht noch nicht so gut kennt oder ihm nicht zustimmt, Fakt ist: eine Bereicherung sind seine Texte allemal. Ich jedenfalls hatte beim Lesen viel Freude und mehr als genug Stoff zum Nachdenken. Von diesem Buch wird garantiert jede Menge hängen bleiben. Lewis behandelt eine unglaubliche Bandbreite an Themen, da wird wohl für jeden etwas dabei sein. Von mir eine absolute Leseempfehlung.