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Benutzername: Traeumerin109
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Bewertungen

Insgesamt 165 Bewertungen
Bewertung vom 30.11.2018
Hüttenzeit
Zindel, Daniel

Hüttenzeit


sehr gut

Kraft tanken für das Leben im Tal

Daniel Zindel nimmt uns in verschiedenen Betrachtungen mit an einen für ihn ganz besonderen Ort. Es handelt sich dabei um eine Hütte oben auf dem Berg, wo er immer wieder Tage und Wochen zu verschiedenen Jahreszeiten verbringt. Es ist ein Ort, um zur Ruhe zu kommen, nachzudenken und vielleicht auch zu interessanten Erkenntnissen zu gelangen.
Zunächst einmal ein optisch sehr schönes Buch mit wunderschönen Landschafts- oder Momentaufnahmen zu Beginn jedes Kapitels. Die Abschnitte ziehen sich durch alle Jahreszeiten mit ihren jeweils eigenen Schönheiten und Besonderheiten, die es in der Natur zu entdecken gibt. Der Autor erzählt nicht abstrakt, sondern von eigenen Erlebnissen in dieser Hütte und stellt zugleich Vergleiche zum alltäglichen Leben dar. So haben viele Bilder, die er dort vor Augen hat, ihre Entsprechungen: z.B. der Brunnen vor der Hütte, welcher Wasser aufnimmt und wieder abgibt – ein Bild für Gläubige, wenn sie Gottes Fülle aufnehmen und an andere wieder abgeben.
Ich habe in dem Buch viele schöne Gedanken und Metaphern gefunden – von zwischenmenschlichem Stacheldraht zum Hüttenkoller – aber auch viele eher banale Gedanken. Ohne darüber urteilen zu wollen, hat mich das Buch deshalb nicht hundertprozentig angesprochen, weil einige Abschnitte keine besonders spannenden oder anregenden Vergleiche enthielten. Das wiederum kann von Leser zu Leser variieren, denke ich. Was mich auf jeden Fall irritiert hat, und zwar in jedem Kapitel, waren die eingestreuten, selbstverfassten Gebete. Diese wirken sehr steif und befremdlich – soll es eine Vorstellung davon geben, wie der Autor betet? Warum? Ich denke, Gebete von anderen übernehmen wir sowieso eher selten. Die Texte haben für mich das Gesamtbild gestört und waren überflüssig.
Fazit: Ein ganz nettes Buch, vielleicht eine schöne Geschenkidee. Nicht unbedingt in jeder Hinsicht mein Geschmack, aber trotzdem nicht schlecht.

Bewertung vom 27.11.2018
Heimat

Heimat


ausgezeichnet

Von den letzten und den vorletzten Dingen

Bei diesem Buch haben wir es mit einer Sammlung von Texten verschiedener Autoren zu tun, die sich ihre jeweils eigenen Gedanken zum Begriff Heimat machen. Was bedeutet ihnen Heimat? Ist es eher ein Ort, eine Prägung, liegt sie in bestimmten Menschen? Gibt es hier auf der Erde überhaupt eine Heimat für uns? Wie können wir Heimat im Kontext von Flucht und vertrieben sein, verschiedenen Kulturen die aufeinanderprallen, beurteilen.
Ein sehr bereicherndes Buch, welches dank der unterschiedlichen Autoren auf sehr verschiedene Facetten des Themas eingehen kann. Man kann es sehr gut lesen, auch wenn man vielleicht nicht so viel Zeit hat, da die einzelnen Abschnitte voneinander getrennt sind, und pro Autor immer nur ein paar Seiten bleiben.
Inhaltlich steckt hier jede Menge drin, dabei bleibt das Buch eigentlich durchgehend weit abseits jeglicher Klischees, ist stattdessen voller Mitgefühl und Einfühlungsvermögen, authentisch und ehrlich, überraschend und einprägsam. Es regt auch beim Lesen selbst zum Nachdenken darüber an, was Heimat für mich bedeutet. Gerade heute, in einer Zeit, in der weltweit so viele Menschen auf der Flucht sind, gewinnt das Thema noch mehr an Brisanz. Dieser Aspekt zieht sich auch teilweise durch die verschiedenen Überlegungen, welche ihn keineswegs auf die leichte Schulter nehmen. Einige der Autoren beschreiben auch selbst das Gefühl des Fremdseins, sich entwurzelt fühlen, den Konflikt zwischen frei sein wollen und dazugehören wollen. Sie alle stellen sich dieser einfachen und dann doch wieder schwierigen Frage: Was eigentlich ist nun Heimat? Wehmütige Erinnerungen oder mehr als das? Nur von der Vergangenheit geprägt oder auch gegenwärtig? Zuhause – kann man das konstruieren, oder muss man das finden? Gut gefallen hat mir auch, wie größtenteils mit der Frage nach der jenseitigen Heimat umgegangen wird. Einige Autoren schreiben, dass diese eine diesseitige Heimat nicht ausschließt. Einige beziehen sich auch auf Dietrich Bonhoeffer, wenn sie von den letzten und den vorletzten Dingen sprechen.
Klar wird: es gibt nicht die EINE richtige Antwort, sondern ich muss MEINE Antwort finden, brauche ich Wurzeln oder Flügel? Das Buch zeigt: Der Begriff Heimat ist nicht nur rechtsradikal, nicht nur romantisch überladen mit Kitsch, sondern es steckt auch etwas Echtes dahinter und die Sehnsucht nach Heimat steckt in jedem von uns. Es hat mir auch deshalb so gut gefallen, weil es nicht nur um Heimat geht, sondern auch um Demut und Achtung vor dem Fremden. Ein rundum lohnendes Buch!

Bewertung vom 27.11.2018
Alles, außer Plan
Pflug, Jule

Alles, außer Plan


ausgezeichnet

Ein wunderbares Buch über gescheiterte Pläne

Wie oft passiert das: Man startet begeistert in ein neues Projekt, eine Idee etc., und dann scheint alles schiefzugehen. Davor sind auch Christen nicht gefeit, obwohl sie Gott bei sich wissen. Es ist schwer, mit den darauffolgenden Zweifeln umzugehen: Warum läuft es nicht, obwohl ich doch Gottes Willen tue? Muss er mir da nicht helfen? Diese und viele weitere Fragen stellte sich auch Autorin Jule Pflug, als sie auf ihrem Weg scheinbar nur noch Hindernisse vor sich hatte. In ihrem Buch möchte sie uns daran teilhaben lassen, wie sie trotzdem weitergemacht hat.
Ein Buch, was mich wirklich überrascht hat. Wunderbar erfrischend, ehrlich und authentisch geschrieben, dabei mit der nötigen Prise Humor. Das Lesen macht richtig Spaß. Die Autorin schildert vor allem ihre eigene Geschichte, dies sehr lebhaft und nah, ohne irgendetwas schönzureden. Wir begleiten sie in die Verzweiflung, in die sie stürzt, nachdem sie und ihr Mann mutig etwas Neues begonnen haben, aber scheinbar alles schiefzulaufen scheint. Wo bleibt Gott? Hat er nicht versprochen, immer bei uns zu sein? Und trotz allem scheint immer wieder durch die Zeilen: Gott wird uns nicht hängenlassen, gerade dann, wenn alles den Bach runtergeht. Trotzdem: Nach einer Phase, in der wir zielstrebig losgegangen sind, folgt oft etwas, was eher an eine Wanderung durch die Wüste erinnert. Das kann man auch mit allem Glauben nicht wegdiskutieren, denn in solchen Zeiten fühlen wir uns schlicht und einfach von Gott und allen anderen verlassen. Jule Pflug spricht aus eigener Erfahrung und sie spricht genau das aus, was wir fühlen. Da ist keine Spur von immer zuversichtlichem Glauben, sich einfach in Gottes Arme fallen lassen - das ist nun einmal nicht immer so einfach, und die Autorin versucht gar nicht erst, es so aussehen zu lassen, als wäre es mit ein bisschen Gottvertrauen getan. Eine sehr sympathische Sicht- und Schreibweise, weil sie einfach Glauben so nimmt, wie er wirklich ist: kein Allheilmittel und erst recht keine reibungslos funktionierende Maschine, wenn man einmal den Weg gefunden hat.
Die Autorin schafft es dabei, dass ich mich auch immer wieder selbst angesprochen und ertappt fühle. Wie sieht es in meinem Leben aus, wenn etwas nicht nach Plan läuft? Noch schlimmer, was mache ich, wenn es nicht nach dem Plan läuft, von dem ich dachte, er käme von Gott? Habe ich mich geirrt? Sehr feinfühlig geht die Autorin diesen und vielen weiteren Fragen auf den Grund. Vor allem merkt man beim Lesen, dass sie weiß, wovon sie schreibt, was dem Ganzen eine andere Tiefe und Glaubwürdigkeit verleiht. Sie stellt klar: Erfolg ist weder Bedingung noch Konsequenz von Segen. Vor allem gefällt mir, dass in dem Buch keine einfachen Antworten auf schwierige Fragen gegeben werden. Es geht darum alles zu geben, dabei zu scheitern, zu verzweifeln, zu kämpfen, sich wieder aufzurappeln und weiterzumachen. Und darum, dass Gott mit jedem seinen eigenen Weg geht
Fazit: Das Buch ist nicht nur unterhaltsam und selbstironisch geschrieben, sondern auch der Inhalt stimmt, regt zum Nachdenken an und geht tief unter die Oberfläche. Es ist ein sehr ermutigendes Buch, denn die Autorin spricht hauptsächlich von ihrem eigenen Glauben, der eine sehr handfeste Krise durchmachen musste, sogar bis zu der Aussage: Ich glaube, ich bin kein Christ mehr. Sehr authentisch, aber auch herausfordernd, was unseren eigenen Glauben angeht. Trotz allem, was war, kann Jule Pflug schließlich sagen: Gott gibt einem, was man braucht. Alles. Außer einem Plan vielleicht. Es ist ihr auf jeden Fall gelungen, was sie am Ende ihres Buches hofft: Ich habe das Buch mit einem Lächeln zugeschlagen und bin ihr wirklich dankbar, dass sie es geschrieben hat und den Mut hatte, uns ihre Geschichte zu erzählen. Sie hat es geschafft, mich zu berühren und mit ihren Worten zu treffen. Ein wunderbares Buch, das auf jeden Fall seinen Platz in meinem Bücherregal gefunden hat und das ich nur jedem empfehlen kann.

Bewertung vom 27.11.2018
Nur wer sich ändert, bleibt lebendig
Hickert, Christoph

Nur wer sich ändert, bleibt lebendig


gut

Viel Lärm um wenig

In seinem Buch beschäftigt der Autor Christoph Hickert sich damit, wie wir alte Muster überwinden können, die wir vielleicht schon unser ganzes Leben lang anwenden. Es sind Überlebensstrategien, die uns allerdings nur so lange helfen, bis wir in eine ernsthafte Krise geraten. Sein Bild für das, was wir tun müssen, ist das von vier Zimmern, durch die wir hindurchmüssen, um uns zu verändern.
Wieder ein Buch, was mich mit zwiespältigen Gefühlen zurücklässt. Das Bild der vier Zimmer finde ich zunächst einmal sehr schön. Das reicht von „Ich habe alles im Griff“ über „Das Problem liegt bei anderen“ hin zu „Es hat auch etwas mit mir zu tun“ und „Ich kann mutig Neues wagen“ – Phasen, die uns allen bekannt vorkommen sollten, wenn es um das Thema Veränderung geht. Zuerst scheint meistens alles ganz gut zu funktionieren, so wie es läuft. Dann stellen wir fest, dass dem nicht so ist, geben aber zunächst anderen, den Umständen etc. die Schuld. Schließlich merken wir, dass wir die einzige Konstante in unseren Problemen sind. Im Prinzip geht es um Muster aus der Kindheit, die uns in unserem Leben schon oft und schon lange geholfen haben. Es gab bestimmte Gründe, warum wir sie uns antrainiert haben. Diese Muster brauchen wir, um unseren Ansprüchen an uns und unser Leben zu genügen, aber wir werden dadurch zu Getriebenen. Wenn wir merken, dass etwas nicht stimmt, reicht kein oberflächlicher Vorsatz, denn damit packen wir das Problem nicht an der Wurzel. Alles, was sich angestaut hat, meldet sich irgendwann zu Wort, gleichzeitig haben wir es uns in unserem Ist-Zustand ganz bequem eingerichtet. Ebenso gut finde ich den Blick zurück, welcher keine Schuldigen sucht, sondern verstehen möchte.
So viel ganz grob zum Inhalt, bzw. Leitgedanken des Autors. Er erzählt dabei auch seine eigene Geschichte, welches seine alten Muster sind, die er durchbrechen musste. Das bedeutet, er möchte uns auf einen Weg führen, den er selbst genauso gehen musste, für den man aber meistens einen Anstupser von außen braucht. Es wird ein Weg sein, auf dem wir immer wieder innehalten und auf unser Herz hören müssen. So ist es denn natürlich auch mit der Lektüre dieses Buches nicht getan, und für manche wird dies vielleicht auch nicht der richtige Anstupser sein.
Was mich an dem Buch gestört hat, war die ganze Art und Weise, wie an diese Thematik herangegangen wird. Aus meiner Sicht wirkt das Buch auf weiten Strecken wie ein typischer Ratgeber, der sehr distanziert bleibt, Allgemeinplätze wiederholt und damit nicht wirklich weiterhelfen kann. „Du musst dich dem und dem stellen, das und das akzeptieren“ etc. – und welche Fallstricke liegen auf dem Weg? In vielerlei Hinsicht macht der Autor es sich sehr einfach. Da sind keine besonderen neuen, noch nicht einmal neu aufbereitete Erkenntnisse. Das Ganze hört sich vielleicht schlau an, und liest sich auch so, bietet aber im Endeffekt nicht wirklich viel Inhalt. Vieles wird immer wieder wiederholt, sodass ich ständig das Gefühl hatte, dasselbe nochmal zu lesen. Auch die zwischendurch eingestreuten Berichte, die das Ganze verdeutlichen sollen, wirken sehr steril.
Fazit: Der Weg durch die vier Zimmer ist auf jeden Fall eine lohnende Idee. Aber letztendlich muss ich sagen, dass das Buch für meinen Geschmack zuviel 0815-Psychologie enthält – schön formuliert, aber das war es dann auch. Die Zielgruppe dürften eher Leser sein, die gerade erst anfangen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wenn sie schon eine Weile dabei sind, dann wird dieses Buch sie höchstens langweilen. Von mir also keine Empfehlung.

Bewertung vom 20.11.2018
Miracle Man
LeMarque, Eric; Seay, Davin

Miracle Man


sehr gut

Ein langer, kalter Weg zu Gott

Eric LeMarque erzählt seine Geschichte: vom erfolgreichen Profisportler zum „Krüppel“, von einem Menschen, der nur um sich selbst kreist, hin zu einem, der auch anerkennen kann, dass er nicht alles unter Kontrolle haben kann. Der Weg dahin ist allerdings sehr hart und auch ungewöhnlich. Während eines Sturms am Berg verschollen, hat Eric keine Chance, den Weg zurückzugehen und ist acht Tage in Schnee und Eis auf sich allein gestellt, mit nur minimaler Ausrüstung.
Es ist eine einfache Geschichte mit einer klaren Botschaft, die man gut lesen kann. Eric selbst erzählt, was er erlebt hat, wie in seinem Leben davor bereits die Weichen dafür gestellt wurden und wie es danach weiterging. Dabei ist er sehr ehrlich und selbstkritisch und gibt immer wieder offen zu, an welchen Stellen er Fehler gemacht hat, wird aber nicht selbstgeißlerisch und pathetisch. Eine Erzählweise, die ihn sehr sympathisch macht, obwohl er das natürlich im Zuge der ganzen Geschichte bei Weitem nicht immer war und ist. Sehr ergreifend beschreibt er, was in ihm vorgeht, während jener acht Tage und danach. Es ist ein Erlebnis, das keiner sich wünscht und das wohl auch kaum jemand überlebt hätte. Er benutzt eine sehr direkte Sprache, ohne etwas schönzureden oder kunstvoll zu umschreiben, auch das gefällt mir sehr gut. Nicht zuletzt ist die Geschichte sehr spannend, schließlich möchte man auf jeden Fall wissen, wie er da wieder herauskam, und dann ist das ja noch lange nicht das Ende: Was hat diese Geschichte aus ihm gemacht, wie hat sie ihn verändert? Die Antwort auf diese Frage ist auch ein wichtiger Teil seiner Botschaft, die er an andere weitergeben möchte.
Jedoch ist es für mich kein Buch, das ich unbedingt nochmal lesen oder zur Hand nehmen würde. Es ist kein schlechtes Buch, ein spannender Erlebnisbericht eines Menschen, vor dem man auf jeden Fall Respekt haben sollte. Aber es hat mich nicht vollends gepackt. Der Mensch Eric LeMarque erscheint mir nach wie vor sehr fremd und weit weg. Vielleicht liegt das auch daran, dass trotz der intensiven Schilderung seines Innenlebens immer noch ein Stück fehlt, was das Bild komplett gemacht hätte.
Fazit: Ein Buch, zu dem es nicht viel mehr zu sagen gibt, als dass es eine spannende Geschichte über die sehr außergewöhnlich herbeigeführte Veränderung eines Menschen beinhaltet. Wenn man solche Geschichten gerne liest und auch selbst etwas daraus zieht, dann kann ich dieses Buch auf jeden Fall empfehlen.

Bewertung vom 20.11.2018
Lebendig!
Herbst, Michael

Lebendig!


gut

Mit Jesus und wie Jesus

In seinem Buch beschäftigt sich Michael Herbst mit der Frage, wie es gelingen kann, im alltäglichen Leben mit all seinen kleinen und großen Herausforderungen ein mündiges Christsein zu leben. Dabei betont er immer wieder, dass wir dafür mit Jesus und wie Jesus entscheiden, denken und handeln müssen. Dann sind wir nicht nur mündige, sondern auch lebendige Christen.

Ein Buch, das mich ein wenig mit zwiespältigen Gefühlen zurückgelassen hat. Zunächst einmal finden sich hier viele gute Gedanken zu wichtigen Fragen, denen man in seinem Leben wohl nur schwer ausweichen kann. Dabei steht im Vordergrund die Liebe, jedoch nicht als billiges Gefühl, sondern als Hingabe, eine Liebe welche die Komfortzone verlässt und sich uns als Gottes Liebe immer wieder zuwendet, auch wenn wir sie ablehnen. Diese Liebe, so Michael Herbst, brauchen wir, und darüber kommen wir auch nie hinaus. Ein sehr vielversprechender Einstieg ins Buch. Wir sollten uns bewusst sein, dass wir nicht allein lebendig und mündig leben können, und so weg vom ständigen Kreisen um uns selbst kommen. Aber der Autor spricht auch die Abwesenheit Gottes an, welche Christen wie Atheisten gleichermaßen erleben. Der Unterschied bestünde lediglich darin, dass Atheisten im Angesicht dieser Abwesenheit die Geduld verlieren. Weitere sehr schöne Passagen sind z.B. Betrachtungen über einen Raum in jedem von uns, in dem es weint, über Arbeit als Gottesdienst oder über das Vaterunser als „Abenteuer-Gebet“. Was dem Autor sehr wichtig ist, ist dass wir nicht einfach bitten und warten, dass etwas vom Himmel fällt, sondern erwachsen und mündig auch selbst tätig werden: Letztlich war es dann Gott, der mich vielleicht anstupst, nicht ich, aber er war es auch nicht ganz ohne mich. Entscheidend ist auch meistens nicht, was wir konkret machen, sondern was für Menschen wir durch das werden, was wir tun oder lassen. Deshalb nimmt uns Gott bestimmte Entscheidungen auch nicht ab, sondern wir müssen in dem Wissen, dass es nicht die EINE richtige Entscheidung gibt, dass aber Jesus mit uns geht, selbst entscheiden. Wie gesagt, sehr viele gute Gedanken zu alltäglichen Dingen, wie sie zusammenhängen und vor allem, wie wir sie mutig und mündig angehen können. Einiges lohnt auf jeden Fall das Weiterdenken. So auch die Frage, wofür Gott mir eigentlich Leidenschaft gegeben hat und was ich daraus in meiner Lebenslage machen kann. Im Grunde geht es dem Autor darum, Jesus nachzufolgen trotz unerhörter Gebete, Plänen, die scheitern und auch, wenn wir in unsere Abgründe schauen.
Jedoch muss ich andererseits auch sagen, dass dieses Buch nicht für jeden geeignet ist. Meiner Meinung nach ist es eher ein Buch für bereits gläubige Christen, in dem Zweifel zwar angesprochen werden, aber nicht wirklich Raum bekommen. Sollte man also noch auf der Suche sein, wird man hier eher nicht fündig werden. Für mich persönlich nicht unbedingt hundertprozentig geeignet, was aber kein Kriterium gegen das Buch ist, schließlich gibt es nun mal solche Bücher. Dieses hier hat auf jeden Fall seine Berechtigung. Für mich war vieles zu starr und eindeutig, um dem Anspruch an ein Lebendigsein, wie der Buchtitel es fordert, zu genügen. Alles in allem ist das Christentum, wie ich es in diesem Buch gefunden habe, keins, das mich auf diesem Weg weiterbringen würde. Dafür ist die Sprache zu salbungsvoll, dafür stehen da zu viele Sätze, die man so oder so ähnlich schon oft gehört hat und die deshalb nicht hilfreicher oder stimmiger werden.
Fazit: Eins von diesen Büchern, die zwar viele wichtige Themen behandeln und immer wieder mit einfachen und klaren Erkenntnissen aufwarten können, dabei mich als Leser allerdings nicht wirklich berühren, weil irgendetwas fehlt. Vielleicht etwas mehr von dem Autor selbst, vielleicht aber auch schlicht und einfach eine gewisse Bereitschaft, zuzugeben, dass das was da steht nicht letztgültige Wahrheiten sind. Für mich also leider kein Buch, dem ich die volle Punktzahl geben kann.

Bewertung vom 13.11.2018
Neuländisch
Boppart, Andreas

Neuländisch


gut

Ein Gott, der uns hinaus ins Weite führt

Es gibt in unserem Leben, unseren Beziehungen und unserem Glauben noch unendlich viel unentdecktes Land, das es zu entdecken gilt. Dafür sind wir, so Andreas Boppart, geschaffen. Gott will, dass unser Herz weit wird und wir die Enge hinter uns lassen, die uns oft in vielem umgibt. Wir sollen immer wieder unsere Grenzen sprengen, nur so kommen wir voran. Das beste Beispiel dafür ist unser Glaube, der auch nicht statisch ist, sondern sich stets ändert und uns vor neue Herausforderungen stellt.
Zunächst einmal muss ich die Optik des Buches loben, denn die ist auf jeden Fall sehr ansprechend. Ein hübsches Cover, und im Buch immer wieder grüne Überschriften und grün unterlegte Textstellen. Das alles lädt erstmal zum Lesen ein.
Andreas Boppart beschreibt unser Leben als Abenteuer, mit dem wir nie fertig sind und in dem wir immer wieder Neuland betreten müssen. Neuländisch steht dabei für alles an dieser Lebensweise: Neugier, Sehnsucht, nicht abstumpfen, weiter glauben, mutig sein. Alles Dinge, die wir, wenn wir ehrlich sind, sowieso gerne möchten, nur schaffen wir es oft einfach nicht, manchmal auch ohne es zu merken. Das alte Land ist doch oft sehr bequem und verführerisch. Dennoch betont der Autor, dass Neuland zwar nicht immer einfach und auch nicht immer angenehm ist, dafür aber immer gut.
„Das Leben ist entweder ein großes Abenteuer oder nichts.“
Auch die Natur lehrt uns, dass, was sich nicht bewegt, stirbt. Soweit kann man sich Andreas Boppart nur anschließen. Er beschäftigt sich hier mit einem sehr wichtigen Thema, welches man gar nicht überschätzen kann. Wo gibt es vielleicht in unserem Leben enges Denken? Auch oder gerade in Bezug auf andere Menschen? Oft verurteilen wir allzu schnell, denken nicht weit genug. Umso näher wir aber Gott kommen, desto weiter und leichter werden die Dinge in allen Bereichen, denn das ist genau das, was Gott möchte: Zusammen mit uns Neuland betreten.
So weit, so gut. Dennoch hat mich das Buch nicht völlig überzeugt. Der Autor schreibt nicht schlecht, aber ich hatte auch das Gefühl, vieles doppelt zu lesen. Immer wieder sind die Kapitel unterbrochen von Bibelstellen. Die dürfen natürlich vorkommen, schließlich haben wir es hier mit einem christlichen Buch zu tun. Aber in dieser Häufung stören sie den Lesefluss und ziehen auch die Kapitel unnötig in die Länge. Schließlich muss auch ein christlicher Autor nicht jede einzelne Aussage mit einem Bibelzitat belegen.
Fazit: Ein Buch, das erstmal ganz nett ist, aber viel mehr auch nicht. Weder hat mich der Inhalt richtig vom Hocker gerissen, noch die Art der Aufbereitung. Kann man mal lesen, muss man aber nicht unbedingt gelesen haben.

Bewertung vom 13.11.2018
Das Meisterwerk
Rivers, Francine

Das Meisterwerk


gut

(Kein) Meisterwerk

Mit Roman Velasco und Grace Moore treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Er ist ein erfolgreicher Künstler und wohnt in einem großen Haus, sie hält sich und ihren kleinen Sohn mit Aushilfsjobs über Wasser. Als Romans neue Assistentin merkt sie bald, dass er ein Geheimnis hütet, doch auch sie selbst hat eine scheinbar undurchdringliche Mauer um sich aufgebaut. So treffen zwei im Grunde zerbrochene Menschen aufeinander, die sich nur vorsichtig einen Schritt aus der Deckung heraustrauen.
Nachdem ich schon einige Bücher von Francine Rivers kannte, die mir alle sehr gut gefallen haben, war ich gespannt auf dieses und habe mich auf das Lesen gefreut. Doch ich muss leider sagen, dass das Buch mich als erstes Buch der Autorin nicht überzeugt hat. Zwar ist die Geschichte, wie ich es von ihr gewohnt bin, spannend und lässt den Personen viel Raum, sich zu entwickeln. Doch das war es diesmal auch schon. Ansonsten wirken Handlung und Personen eher hölzern und unglaubwürdig. Was passiert, wird teilweise unglaublich abgehackt beschrieben, wie eine Abfolge von Handlungen, die nichts miteinander zu tun haben, teilweise könnte man sagen, da wird das Geschehen relativ emotionslos „runtergeleiert“. Das hatte zur Folge, dass ich mich immer wieder aus der Geschichte ausgeschlossen fühlte, weil kein richtiger Fluss aufkommen wollte. Auch unbedeutende, kleinere Aktionen der Protagonisten werden erwähnt, scheinbar ohne größere Bedeutung. Das fand ich sehr schade, weil ich diesen Stil sonst bei der Autorin nicht gewohnt bin und er doch ein wenig befremdlich ist. Auch die Personen haben mich diesmal nicht überzeugt. Zwar hat Francine Rivers ihr selbst gestecktes Ziel, über die Auswirkung von Traumata bei erwachsenen Menschen zu schreiben, einigermaßen erreicht, aber trotzdem konnte ich gar nichts mit den Hauptpersonen anfangen. Sie wirken sehr distanziert, was nicht nur an dem jeweiligen Trauma liegt, sondern einfach daran, dass man als Leser gar nichts darüber erfährt, was in ihrem Inneren vorgeht. Stimmungsschwankungen und auch größere Meinungsänderungen „passieren“ einfach ohne überzeugende Erläuterungen.
Auch die Art, wie in dem Buch von Gott und dem Glauben geredet wird, hat mich sehr enttäuscht. Die Personen denken zwar, dass der jeweils andere sehr natürlich mit diesem Thema umgeht, tatsächlich handelte es sich meistens nur um eine Abfolge von Plattitüden und salbungsvollen Sätzen, die alles andere als bewegen oder gar mitreißen. Und von Natürlichkeit keine Spur, es wirkt im Gegenteil alles etwas gezwungen. Ich habe weder eine eindringliche christliche Botschaft gefunden, noch überhaupt einen authentischen, lebensnahen Glauben bei den Personen, so wie sie beschrieben werden.
Was das Buch ein bisschen gerettet hat, sind die bereits erwähnte, trotz allem vorhandene Spannung und das Ende. Das wieder war inspirierend und passend. Dennoch: Alles in allem nicht genug.
Fazit: Ein Buch, das leider hinter anderen Büchern der Autorin weit zurücksteht und das ich daher auch nicht weiterempfehlen würde.

Bewertung vom 13.11.2018
Mein heller Abgrund
Wiman, Christian

Mein heller Abgrund


ausgezeichnet

Dieses Buch stand, das muss ich zugeben, eine Weile bei mir im Regal, bevor ich angefangen habe, es zu lesen. Dann aber hat es mich richtig beeindruckt, geradezu überwältigt. Mit so einem Feuerwerk der Sprache hätte ich nicht gerechnet. „Mein heller Abgrund“ ist ein Buch voller Poesie und tiefer Wahrheiten, das mich immer wieder zutiefst berührt hat. Es ist ein Buch voller Schmerz und Hoffnung, voller Trauer , Angst und Freude. Christian Wiman benutzt eine unvergleichliche Sprache, um uns auf uns selbst zurückzuwerfen.
Das Thema: Der Autor, welcher nach eigener Aussage jahrelang überhaupt nicht an Gott dachte, bekommt die vernichtende Krebsdiagnose. Diese ändert alles und führt unter anderem zu dieser wunderbaren Sammlung von Gedichten, Zitaten und Überlegungen, über viele Jahre hinweg geschrieben, immer vor dem Hintergrund des Bewusstseins des eigenen möglichen Todes. Der Autor spricht dabei auf eine Art und Weise von Gott und seinem Glauben, die ganz anders ist als die, welche man sonst meistens antrifft. Aber, wie ich finde, auch sehr viel echter und ehrlicher. Da sind keine unumstößlichen Gewissheiten, außer der einen: Gott ist Kontingenz, ist Ungewissheit.
„In der Minute, in der man anfängt, mit Gewissheit über Gott zu sprechen, ist er fort.“
Was ihn zum Glauben geführt hat, ist die Erkenntnis, dass seine alten Vorstellungen nicht ausreichen für das, was das Leben an Trauer und Schmerz, aber auch an Freude zu bieten hat. Eine sehr schöne Beschreibung: Gott, der nicht wie ein Sturm in unser Leben hineinbricht, sondern ihm einfach mehr Sinn verleiht als alles andere. Der Autor hat dabei eine sehr intensive Art, von Gott zu sprechen bzw. zu schreiben, die mich sehr berührt hat und die ich so noch in kaum einem anderen Buch gefunden habe. Abseits von überzogenen Erwartungen und Klischees, Sätzen, die so viel leichter dahergesagt sind als gefühlt. Gott ist immer bei uns? Ich bin mir sicher, niemand fühlt das immer so, wir alle müssen auch mit Gottes Abwesenheit in unserem Leben klarkommen und Christian Wiman hat dies nicht nur erkannt, sondern versucht in einem immer wieder auch verzweifelten Ringen, dafür eine Sprache zu finden. Was er letztlich sucht, ist eine Sprache für das Gefühl des Verlorenseins, das mit unserem Leben untrennbar verbunden ist. Er schreibt von einem Gott, den er als einen Gott der Trauer und der Liebe, der Abwesenheit und des Beständigen, aber auch des vernichtenden Schweigens erlebt.
Christian Wimans Art, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, ist die vielleicht beste und bewegendste, die man sich vorstellen kann, sodass am Ende vor allem eines bleibt: Hoffnung und Ermutigung. Gleichzeitig berichtet er auch von seiner nie enden wollenden Suche nach Gott, welche im Titel des Buches wunderschön zusammengefasst ist. Er gibt auf die Frage, warum er trotzdem Christ ist, eine ebenso einfache wie überzeugende Antwort: wegen jenes Momentes am Kreuz, in dem Jesus rief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Dies lässt, so Wiman, nur den Schluss zu, dass die Einsamkeit in menschlichem Leid eine Illusion ist, denn Gott ist bei uns. Diese Erkenntnis hat nichts zu tun mit oft gehörten und zitierten Beteuerungen auf diese altbekannte Frage, sondern hat einen anderen, viel tieferen Klang.
Auf dieses Buch muss man sich einlassen, viele Abschnitte vielleicht sogar mehrmals lesen. Und wahrscheinlich wird man trotzdem bei nochmaligem Lesen immer wieder Neues entdecken. Vieles ist kompliziert, aber nicht auf abschreckende Weise, sondern eher so, dass es zum Nach- und Weiterdenken anregt.
Fazit: Dieses Buch muss man selbst gelesen zu haben, denn es in wenigen Sätzen zusammenzufassen ist unmöglich. Wir haben es hier mit einem Autor zu tun, der anerkennt, dass man nicht alles verstehen kann und wird, und der das auch gar nicht erst versucht. Der von Gottes Liebe sprechen kann, ohne pathetisch zu werden und den mahnenden Zeigefinger zu erheben. Ein philosophisches, theologisch

Bewertung vom 08.11.2018
Größer als der Schmerz
Tuff, Antoinette; Tresniowski, Alex

Größer als der Schmerz


ausgezeichnet

Das Mitgefühl, das Gott uns zu erweisen gebietet

Wie kam es dazu, dass Antoinette Tuff in der Schule, in der sie arbeitet, eines Tages in den Lauf eines Gewehres blickt? In diesem Buch erzählt sie ihre ganz persönliche Geschichte, die sie schließlich befähigte, voller Mitgefühl zu reagieren, als es darauf ankam. Für sie ist klar: Gott hat sie auf genau diesen Tag vorbereitet.
Ein wunderbares Buch mit einer traurigen, aber auch wunderschönen Geschichte, das mich echt umgehauen hat. Die Autorin, Antoinette Tuff, erzählt sehr bewegend und unglaublich authentisch ihre Geschichte einer letztendlich gescheiterten Ehe, eines behinderten Kindes und von ihrem Wunsch, sich umzubringen. Es ist die Geschichte eines vereitelten Amoklaufes, verknüpft mit Rückblicken und Erinnerungen – definitiv eine Geschichte, die unter die Haut geht, und die doch nichts von mitleidheischender Dramatik hat und auch ganz ohne Selbstmitleid auskommt. Es bleibt das Bild einer starken Frau um Gedächtnis, vor der man nur den Hut ziehen kann. In all dem bleibt sie bescheiden und betont stets, dass dies keine Geschichte über außergewöhnlichen Heldenmut ist, sondern eine Geschichte darüber, wie es ist, ein Gefäß Gottes zu sein. Es spricht ein tiefes Gefühl des Verlorenseins durch ihre Zeilen, bis sie einen Menschen trifft, der genauso verloren ist, und nur deshalb kann sie ihm wahrscheinlich helfen. Deshalb spricht mindestens ebenso viel Hoffnung und Gottvertrauen aus ihr, wenn sie sagt, dass Gott es wirklich tut: Er schickt uns Menschen, die wir brauchen, wenn wir sie brauchen und wie wir sie brauchen. Das Schöne ist, dass in dem Buch klar wird, dass ihr Gottvertrauen nicht einfach so vom Himmel gefallen ist. Es ist durch viele Schmerzen und Kämpfe gegangen.
„Ich versuchte die Würde in denen zu sehen, die Schwierigkeiten hatten und den Funken in denen, die in der Dunkelheit verweilten. Ich versuchte, für die stark zu sein, die schwach waren und ich versuchte, diejenigen aufrecht zu halten, die fallen würden.“
Ein beeindruckendes Plädoyer dafür, nicht immer nur auf sich selbst zu schauen, sodass wir der Mensch sein können, der zu sein Gott uns vorbereiten möchte, jederzeit offen dafür, dass Gott uns bittet, für jemanden ein Engel zu sein.
Fazit: Ich muss ehrlich sagen, auch wenn ich das Buch toll finde, die Sprache hat mich anfangs nicht umgehauen. Sie ist manchmal unbeholfen, stilistisch auf jeden Fall verbesserungswürdig. Doch gerade das macht auch den Reiz dieses Buches aus, denn eines ist die Sprache sehr wohl: Unglaublich ehrlich und genau dadurch berührt sie mich. Ich habe einen wahnsinnigen Respekt davor, wenn jemand so ehrlich seine Geschichte erzählen kann, ohne groß auszuschmücken oder abzuschweifen. Es ist die Geschichte einer Frau, die es schafft, einem anderen Menschen das Mitgefühl zu erweisen, das Gott uns zu erweisen gebietet, wie sie selbst es so schön ausgedrückt hat. Kann ich nur weiterempfehlen.