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Benutzername: Traeumerin109
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Bewertungen

Insgesamt 203 Bewertungen
Bewertung vom 16.07.2020
Gott in Game of Thrones
Dietz, Thorsten

Gott in Game of Thrones


ausgezeichnet

Mit Gott ist man nie fertig
Thorsten Dietz nimmt uns in seinem neuen Buch mit auf eine Reise durch die Welt der gefeierten Serie „Game of Thrones“ und ihrer Religionen. Auf unserem Weg durch Westeros und während des Kampfes um den Eisernen Thron lernen wir viele Charaktere auf eine neue, umfassendere Weise kennen und entdecken überhaupt viel Neues in dieser Welt. Über allem steht die Frage: Was rettet uns, wenn der Winter naht – hier, in unserer Welt? Warum wenden sich so viele Menschen von tradierten Religionen ab, während gleichzeitig die Sehnsucht nach dem Göttlichen wächst?
Was ich an Thorsten Dietz so mag, auch in diesem Buch, ist seine sehr durchdachte, sprachlich vorzüglich ausformulierte und dennoch gut nachvollziehbare Argumentation. Er vereint immer sehr viel in seinen Büchern: Wichtige Themen, wichtige Fragen, verblüffende Erkenntnisse und dabei alles sehr spannend geschrieben und hochaktuell. In diesem Buch nun befinden wir uns einerseits in der Welt von „Game of Thrones“, andererseits aber auch in unserer eigenen Welt. Verschiedene Figuren der Serie begleiten uns durch das Buch und ich habe wieder neu gelernt: Keine von ihnen ist nur schwarz oder nur weiß. Thorsten Dietz zieht Vergleiche, zeigt Parallelen und präsentiert hier wie dort wichtige Erkenntnisse. Angefangen bei einer kurzen, aber prägnanten Religionsgeschichte, geht er weiter zu den alten und neuen Göttern von Westeros, zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Religion. Warum sind Menschen von Religion enttäuscht? Wo wird Religion gefährlich und wo brauchen wir sie? Was ist Religion überhaupt? Natürlich ist es kein simpler 1:1-Vergleich zwischen den beiden Welten, das wäre wohl auch nicht so ohne weiteres möglich. Aber er schafft es immer wieder und sehr gekonnt, seinen roten Faden hin und her zu spinnen und dabei viele wichtige Fragen unseres Lebens aufzugreifen. Es geht um den Tod als letzten Feind und den Umgang mit der Erkenntnis, dass wir alle in unserem Leben schuldig werden. Thorsten Dietz zeigt, wieviel Religionskritik eigentlich in der Serie steckt, wie viele unterschiedliche Gottesbilder, Weltanschauungen und Lebensvorstellungen. Mit der ihm eigenen Art schafft er es dabei, den ganz großen Bogen zu spannen und mich am Ende trotzdem nicht verwirrt, sondern eher bereichert und nachdenklich zurückzulassen. Es bleiben Ambivalenzen, mit denen wir leben müssen, bspw. wenn es um politische Religion geht. Dabei wird das Buch an keiner Stelle banal, klischeehaft oder überheblich-theologisch, sondern bleibt stets sehr ausdifferenziert. Letztendlich geht es darum, Gott zu suchen, aber zu fassen kriegt man ihn nie. Man findet Dracheneier, so wie dieses Buch, mehr nicht.
Fazit: Mal wieder ein ausgezeichnetes, sowohl spannendes als auch lehrreiches Buch von Thorsten Dietz. Er ist einer der Autoren, von dem ich gerne immer noch mehr lesen möchte. Für mich als Fan der Serie war es fast atemberaubend, was da alles drinsteckt, was ich so noch gar nicht gesehen hatte. Aber auch Lesern, die mit der Serie vielleicht nicht vertraut sind, möchte ich das Buch unbedingt empfehlen, ihr werdet es nicht bereuen. Wie Thorsten Dietz selbst in seinem Vorwort schreibt: „Dieses Buch ist für alle dazwischen. Für die Ungläubigen, die Sehnsucht nach Glauben kennen. Und für die Glaubenden, die ihren Glauben nicht als sicheren Besitz betrachten.“ Ich würde sagen, damit ist es ein Buch für (fast) alle.

Bewertung vom 13.07.2020
Der fromme Atheist
Groeschel, Craig

Der fromme Atheist


sehr gut

Glaube, der diesen Namen verdient
„Du glaubst an Gott, aber lebst so, als ob alles von dir abhängt?“
Der Untertitel beschreibt ziemlich gut, worin es in diesem Buch geht. Frommer Atheismus ist für Craig Groeschel ein Phänomen, das wahrscheinlich viele kennen werden: Ich glaube zwar irgendwie an Gott, aber das hat keine Auswirkungen auf mein Leben. Wer kann sich davon ausnehmen? Noch nicht einmal der Autor selbst als bekannter Autor, Redner und Pastor ist vor diesem frommen Atheismus gefeit.
In zwölf Kapiteln beschäftigt sich Craig Groeschel mit den verschiedensten Einschränkungen unseres alltäglichen Glaubens. So z.B. „Sie glauben an Gott, aber nicht daran, dass Ihre Gebete etwas bewirken?“ oder „Sie glauben an Gott, aber nicht an die Möglichkeit zur Veränderung?“. Oft habe ich mich beim Lesen ertappt gefühlt, denn es sind genau diese Verhaltensweisen, die ich größtenteils auch an mir selbst beobachte. Damit trifft der Autor den Zahn der Zeit denke ich, denn es wird wahrscheinlich vielen ähnlich gehen. Gerade auch einige Gegebenheiten unserer gegenwärtigen Zeit befeuern diese Art des lauwarmen Glaubens ohne Vertrauen. Daher ist dies ein sehr wichtiges Buch, das vielleicht Erschreckendes zutage fördert, wenn man sich darauf einlässt, aber letzten Endes wird es vielleicht etwas in unserem Leben bewirken.
Gut gefallen hat mir der Schreibstil und die ganze Art und Weise von Craig Groeschel. Er macht nicht viele Worte, trifft aber den richtigen Ton, um viele Menschen zu erreichen. Nicht zu aufdringlich, wichtigtuerisch oder vorwurfsvoll, aber dennoch eindringlich. Sympathisch macht ihn auch, dass er viel von sich selbst erzählt, auch wie sich der fromme Atheismus bei ihm selbst immer wieder zeigt. Da redet also nicht jemand von der Kanzel herab, sondern auf Augenhöhe mit den Lesern. Dennoch fand ich das Buch an manchen Stellen ein wenig zu seicht und vereinfachend. Nicht in allem würde ich dem Autor einfach so zustimmen.
Fazit: Ein Buch, das einem in vielen Bereichen des eigenen Glaubens einen Spiegel vorhält. Ich finde man kann es sehr gut lesen, entweder Kapitel für Kapitel oder auch mal einen längeren Abschnitt an einem Stück. Einiges bleibt beim Lesen hängen und regt zum Nachdenken an.

Bewertung vom 13.07.2020
Wenn man vom Teufel spricht
Kunze, Heinz R.

Wenn man vom Teufel spricht


ausgezeichnet

Eines meiner Highlights des Jahres

In den 200 Zeitgeschichten dieses Buches spricht Heinz Rudolf Kunze nicht nur vom Teufel, sondern auch von Gott, von Wahrheit und Lüge, Liebe, Ignoranz und Toleranz, vom Leben und vom Sterben. Die Themen sind so vielfältig wie man es sich nur wünschen kann. Was immer wieder auftaucht, ob direkt oder indirekt, ist das Älterwerden mit allem was dazugehört. Hinter jedem Text steht das Entstehungsdatum, denn oft liefern politische oder gesellschaftliche Ereignisse den Zündstoff für philosophische oder auch scharfzüngig ironische Gedanken.
Dieses Buch zu lesen war wirklich ein Genuss! Nicht etwa weil die Texte den Leser umschmeicheln und einlullen, sondern weil es herrliche Geschichten und Gedichte voller Witz und Tiefgang sind, dabei ein Text besser als der nächste. Ich habe mich auf jeden neuen Text gefreut und wurde selten enttäuscht. Es handelt sich sowohl um Fließtexte als auch um solche in Gedicht- oder Liedform. Manche wirken wie Gebete an einen Gott, von dem der Autor sich selbst nicht so ganz sicher ist, ob er zuhört (einer meiner persönlichen Favoriten: „Ohne jedes Risiko“). Zum Inhalt kann und möchte ich nicht mehr sagen, denn ich finde die Texte muss man einfach selbst gelesen haben. Nur so viel: Da ist jede Menge dabei, ob tiefgründig, augenzwinkernd, kritisch, politisch oder einfach nur nachdenklich. Viele geflügelte Worte, Sprichworte, Wortspielereien, Metaphern, und oft überrascht die letzte Zeile dann doch wieder. Es ist meistens eine feine Art von Sarkasmus bzw. Ironie, die mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht hat. Viele Texte habe ich mehr als einmal gelesen und bei jedem Lesen etwas Neues entdeckt.
Wenn man Zeit und Muße hat, kann man versuchen herauszufinden, welches wie auch immer geartete öffentliche Ereignis oder Geschehen Kunze zu dem entsprechenden Text inspiriert haben könnte, aber oft wird es auch einfach ein persönliches Erlebnis gewesen sein.
Fazit: Die Texte in diesem Buch sind von einer Sprachgewalt und Ausdruckskraft, die ihresgleichen sucht, aber auch voller leiser Untertöne. Man kann sie gut zwischendurch lesen, aber wenn man nicht aufpasst bleibt man hängen, weil man neugierig auf den nächsten Text ist. Ich war traurig, als das Buch zu Ende war. Absolute Empfehlung für jeden!

Bewertung vom 29.06.2020
Mach doch, was du liebst
Allen, Jennie

Mach doch, was du liebst


ausgezeichnet

Ein wunderbares, ermutigendes Buch

Kennst du es auch, dieses Gefühl, dass da noch mehr sein muss in deinem Leben? Eine meistens unbestimmte Sehnsucht nach etwas, das du nicht genau benennen kannst? Vielleicht kennst du auch Gedanken wie diese: Mein Leben ist nichts Besonderes, wozu soll das alles gut sein, was fange ich nur mit all meinen angefangenen Lebensfäden an? Dann ist dieses Buch von Jennie Allen genau das Richtige für dich. Und auch wenn du denkst, dass dein Leben eigentlich ganz in Ordnung so ist, wie es ist: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es besonders viele Menschen gibt, denen man dieses Buch nicht ans Herz legen sollte.
Für mich war es mal wieder eins von den Büchern, die erst lange ungelesen im Regal stehen, mich aber dann, kaum dass ich angefangen habe zu lesen, so begeistern, dass ich es bereue sie nicht schon viel früher gelesen zu haben. Der Titel klingt wie der eines ganz normalen Ratgebers für Frauen, den man zur Hand nimmt und ohne großen Gewinn hinterher wieder ins Regal stellt – und brauchen wir überhaupt so etwas, Ratgeber für Frauen? Nun, zunächst einmal denke ich, dass dieses Buch auch von Männern gelesen werden kann. Da steckt so viel drin, dass wahrscheinlich jeder das ein oder andere daraus ziehen kann. Und ich persönlich bin sehr dankbar für dieses Buch, das mich immer wieder überrascht und bereichert hat.
Jennie Allen schreibt sehr warm, offen und einfühlsam. Ihr Thema ist groß und sehr allgemein, und doch hat sie es geschafft, dass es alles andere als allgemein wirkt. Im Gegenteil, es wirkt immer wieder sehr persönlich und intim, aber nicht aufdringlich. Ja, was macht man nun mit seinen Lebensfäden, mit seinen Talenten und Sehnsüchten, und noch viel wichtiger: Welche Talente und Sehnsüchte habe ich überhaupt und erlaube ich ihnen auch, sich zu zeigen? Was ist meine Aufgabe an genau dem Ort, mit genau den Voraussetzungen und den Menschen, die ich um mich habe, genau für mich? Auch wenn die Antwort darauf beim ersten Nachdenken vielleicht lautet: Nichts Besonderes, ein ganz normales Leben eben, ist Jennie der Meinung, dass es kein Leben und keine Aufgaben gibt, die man einfach so abtun sollte. Es geht natürlich schon darum, wie der Titel des Buches sagt, das was man macht zu lieben. Aber das fängt im Kleinen und Alltäglichen an und bedeutet nicht für jeden etwas Großes, weithin Sichtbares.
Fazit: Es ist nicht so leicht, Worte für den Inhalt des Buches zu finden, deshalb überlasse ich es euch, es einfach selbst zu lesen. Ich kann nur sagen: Lasst euch vom relativ harmlosen Äußeren nicht täuschen. Ich war und bin immer noch sehr begeistert von dem Buch. Es steckt so viel Weisheit und so viel Wahres darin, so viel Ermutigendes, dass es definitiv einen festen Platz in meinem Bücherregal bekommen wird. Und ich bin Jennie sehr dankbar dafür, dass sie ihre Aufgabe, die unter anderem darin bestand, dieses Buch genau für mich und hoffentlich viele andere zu schreiben, so gut und liebevoll gemeistert hat. Wenn ich könnte, würde ich dem Buch mehr als fünf Sterne geben.

Bewertung vom 29.05.2020
Choose
Teichen, Tobias

Choose


gut

Entscheidungen begleiten uns alle unser Leben lang. Doch wie treffen wir gute Entscheidungen? Woher sollen wir wissen, wohin sie uns führen? Tobias Teichen, Pastor des ICF München, beschäftigt sich in diesem Buch mit genau solchen und noch vielen weiteren Fragen. Vor allem aber möchte er seinen Lesern näherbringen, wie sie göttliche Entscheidungen treffen können. Dazu stellt er ihnen das göttliche Filtersystem vor, welches aus verschiedenen Filtern wie bspw. Bibel oder Gebet besteht.
Zunächst zum Äußeren: Es handelt sich, wie auch bei „Roots“ und „Move“, hierbei um ein etwas größeres Format, das wirklich schön daherkommt. Nicht nur das Cover, auch die einzelnen Kapitel sind sehr schön ausgestaltet, und das ganze Buch ist sehr gut strukturiert. Auch der Untertitel („Weil Vielleicht keine Entscheidung ist“) und das Thema haben mich neugierig gemacht.
Allerdings bin ich vom Inhalt alles andere als überzeugt. Ja, es gibt einige gute praktische Tipps zur Entscheidungsfindung, wie wir uns oft selbst dabei betrügen usw. Doch vieles fand ich, auch ohne mich vorher mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt zu haben, nicht besonders spannend oder neu, sodass die versprochenen Aha-Effekte meistens ausblieben. Und es gibt noch einen weiteren großen, für mich sehr entscheidenden Kritikpunkt, welcher seine Theologie betrifft: Tobias Teichen hat einen sehr klaren, griffigen Schreibstil, dem man gut folgen kann. Er wirkt auch als Mensch absolut offen und sympathisch, aber seiner Theologie, wie er sie in diesem Buch zeigt, kann ich nicht viel abgewinnen. Vieles ist zu wenig durchdacht, oder zu einseitig interpretiert und lässt auch keinen großen Diskussionsspielraum. Der Bibel wird viel Raum eingeräumt, wogegen ich nicht grundsätzlich etwas habe. Jedoch ist Bibellesen nicht für jeden so leicht zugänglich, wie Tobias es beschreibt, und ganz gewiss findet nicht jeder den gleichen Zugang dazu. Darüber hinaus gab es auch einige Stellen, an denen Bibelzitate auf eine Art und Weise interpretiert wurden, die ich theologisch und sachlich für falsch halte. Wenn z.B. die Stelle „Gott will, dass ihr ganz und gar ihm gehört. Hütet euch deshalb vor einem sexuell unmoralischen Leben“ (1. Thessalonicher 4,3) so ausgelegt wird, dass Sex innerhalb einer heterosexuellen Ehe ausgelebt werden soll, kann man mindestens darüber streiten. Aber wenn jemand sagt, das sei eine ganz deutliche Aussage Gottes an dieser Stelle, kann ich ganz gewiss nicht zustimmen. Und als explizite Entscheidungshilfe würde ich diese Stelle schonmal gar nicht beschreiben.
Fazit: Mir hat das Buch weder besonders geholfen noch gefallen, aber das kann bei anderen anders aussehen. Für mich ist die Zielgruppe des Buches einfach eine sehr spezielle, denn nicht alle Christen können davon berichten, dass sie in ihren Herzen Gottes Zusagen spüren, oder dass „ihnen Bibelstellen zugesprochen werden“. Es ist auf jeden Fall ein Buch, das sich gut lesen lässt, aber weiterempfehlen würde ich es nicht.

Bewertung vom 20.05.2020
Der Schattendoktor (2): Der weiße Stein
Plass, Adrian

Der Schattendoktor (2): Der weiße Stein


sehr gut

Was steht unter dem Strich

Die Geschichte von Jack und dem Schattendoktor geht weiter: Auch nachdem Jack schon einige Zeit mit Doc verbracht hat, gibt er ihm immer noch Rätsel auf. Noch immer scheinen die Fragen des älteren Mannes oft völlig zusammenhanglos zu sein, doch führen sie meistens zu erstaunlichen Entwicklungen. Im zweiten Band lernt Jack nicht nur den Schattendoktor, sondern auch sich selbst besser kennen.
Den zweiten Band fand ich nicht ganz so gut wie den ersten. Hin und wieder schienen mir die Beschreibungen recht umständlich, die Handlung etwas holprig und die Dialoge ein wenig gekünstelt und langatmig zu sein. Doch auch in diesem Buch hat mir die Art und Weise des Autors, mit dem Thema Glauben umzugehen, sehr zugesagt. Es geht um einen Glauben ohne leere Hüllen, Schubladendenken und Vorurteile. Ein Glaube, der viele Fragen offenlässt und nicht behauptet, sie alle beantworten zu können. Ein Glaube, der gelebt statt nur gepredigt wird. Ein Glaube, der voller Hoffnung ist und unser Leben und das der Menschen, denen wir begegnen, positiv verändern kann.
Auch gibt es immer wieder zwischendurch sehr interessante Dialoge zwischen Jack und Doc, in denen essentielle Fragen auf den Tisch kommen, wie beispielsweise: Was steht unter dem Strich? Was ist sicher? All das ist gewürzt mit der sehr speziellen Art des Schattendoktors: Klug, humorvoll und immer direkt stellt er seine Fragen oder gibt Antworten, die weitere Fragen aufwerfen. Dabei ist für ihn immer der Mensch der wichtigste auf der Welt, der ihm gerade gegenübersteht. Eine sehr inspirierende Einstellung, die Doc auch sehr authentisch verkörpert.
Fazit: Ein wenig schwächer als der erste Teil, aber immer noch gut, vor allem dank der Figur des Schattendoktors. Viele gelungene Dialoge und interessante Frage-Antwort-Spiele. Ein Buch, das es schafft, als Roman sehr gelungen das Thema Glaube aufzugreifen, ohne dabei allzu aufdringlich zu werden.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.04.2020
Schön ohne Aber

Schön ohne Aber


sehr gut

Wie ich mich mit meinem Körper anfreunde

Dieses Buch ist eine Sammlung wahrer Lebensgeschichten und –berichte, überwiegend von Frauen, die sich und vor allem ihren Körper aus den verschiedensten Gründen abgelehnt haben. Es berichtet von Scham, Essstörungen, Selbsthass und Selbstzerstörung, aber auch davon, wie man es schaffen kann, seinen Körper lieben zu lernen.
Body shaming ist ein ziemlich weit verbreitetes Problem, welches wahrscheinlich die allermeisten Frauen kennen. Eine kleine unbedachte Bemerkung kann manchmal ausreichen, um die Selbstwahrnehmung zu trüben und uns zu unseren eigenen Feinden zu machen. Dann bekämpfen wir unseren Körper und das, was wir mit ihm verbinden. Daher behandelt dieses Buch ein sehr wichtiges Thema, und das aus christlicher Sicht. Alle, die in diesem Buch berichten, haben eine mehr oder wenige intensive Beziehung zu Gott, welche ihnen auf dem Weg zur Selbstannahme geholfen hat. Es sind authentische Geschichten, die auf jeden Fall auch helfen können, wenn man selbst mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat und beim Lesen denkt: „Ja, genau so ist es!“ Zwischendurch meldet sich immer wieder die Herausgeberin und Mitautorin Eva-Maria Admiral zu Wort, um ihre persönlichen Taktiken in dieser Beziehung darzulegen. Besonders zugesagt hat mir unter diesen der „Dekalog der Gelassenheit“, den ich so noch nicht kannte und wunderschön finde.
Es ist ein Buch, was man gut lesen kann, weil man die einzelnen Geschichten immer für sich lesen und zwischendurch eine Pause machen kann. Die Aufmachung ist auch schön, jede/r der Autor/innen ist mit einem oder mehreren Bildern vertreten, damit man weiß, wer da gerade zu einem spricht, das hat mir gut gefallen. Alle wirken auf jeden Fall gelöst und scheinen ihren Frieden mit sich selbst gemacht zu haben. Dennoch muss ich sagen, dass das Buch mich nicht berührt hat. Vielleicht gehöre ich nicht zur Zielgruppe (obwohl auch ich Body Shaming kenne). Doch es hat mich einfach nicht angesprochen, weil es für mich nichts Neues enthielt, nichts was ich für mich daraus ziehen konnte. Ich möchte aber betonen, dass das nur für mich gilt und bei anderen anders sein kann. Daher: Ein gutes Buch, aber nicht für mich.

Bewertung vom 18.04.2020
Beginne jeden Tag wie ein neues Leben
Sjödin, Tomas

Beginne jeden Tag wie ein neues Leben


ausgezeichnet

Ein wundervolles Buch

Tomas Sjödin hat hier mal wieder ein wunderbares Buch geschrieben, eine richtige Perle – voller (Lebens-)Weisheit und bis zum Rand gefüllt mit Hoffnung und Möglichkeiten. Es handelt sich um eine Auswahl an Kolumnen, welche er über einen Zeitraum von mehreren Jahren für eine große Göteburger Zeitung geschrieben hat. Diese kurzen Texte lassen sich auch sehr gut zwischendurch lesen, enthalten aber oft viel Stoff zum Nachdenken bzw. bringen etwas in uns zum Klingen. Es geht um Licht in der Dunkelheit, Warten auf dieses Licht, Hoffnung, die wir auch füreinander sein können und vieles mehr: Tomas Sjödin nimmt Szenen mitten aus dem Leben und auf seine unnachahmliche, wunderschön poetische Weise verwandelt er sie und verleiht ihnen Kraft, ohne dass sie ihre Zerbrechlichkeit verlieren. Die Texte sind nie langweilig oder oberflächlich, sie stecken voller Möglichkeiten und voller Leben.
„Und genau deshalb versuche ich in Tönen, die so zart sind wie die Morgenröte, über so starke Kräfte wie Glaube und Liebe zu schreiben – mir immer bewusst, dass wir alle zerbrechlich sind – und über das Licht, vorsichtig tastend, so wie der Morgen die Dunkelheit besiegt.“
Besser als der Autor selbst hätte ich es nicht ausdrücken können, und es beschreibt ziemlich gut, was in diesem Buch geschieht. Es sind unaufdringliche, warme Texte, die mich immer wieder aufs Neue begeistert haben. Sie lassen sich sehr gut lesen. Es sind Themen, die viele ansprechen werden: Wenn es in unserem Leben nur noch dunkel zu sein scheint, was machen wir dann? Wie können wir darauf vertrauen, dass es wieder hell wird? Der Autor hat selbst auch dunkle Zeiten erlebt und trotzdem spürt man durch die Texte sein Vertrauen auf Gott und sein Licht. Es ist mein drittes Buch von Tomas Sjödin, und alle drei sind wirklich großartig und haben mir viel gegeben. Ich kann das Buch nur wärmstens weiterempfehlen.

Bewertung vom 30.03.2020
Der Schattendoktor (1): Der letzte Brief
Plass, Adrian

Der Schattendoktor (1): Der letzte Brief


ausgezeichnet

Ein wunderbares, tiefgründiges Buch

Jack und seine Großmutter standen sich immer sehr nahe. Nachdem sie gestorben ist und in ihrem letzten Brief an ihn von ihrer Begegnung mit dem Schattendoktor berichtet hat, nimmt Jack Kontakt mit dem rätselhaften Mann auf. Doc, wie er genannt wird, hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich den Schatten im Leben anderer Menschen zu widmen. Doch seine Therapieansätze sind oft merkwürdig, unorthodox und sehr geheimnisvoll, manchmal auch provokant. Aber erstaunlich oft hat er mit seiner Art Erfolg. Auch für Jack werden durch die Begegnung mit dem Schattendoktor die Weichen neu gestellt und er erhält die Chance, diesen zukünftig bei seiner Arbeit zu unterstützen. Doch was steckt hinter dem Mann, der anderen so gut zu helfen versteht?
Nachdem ich eigentlich christliche Romane nicht so gerne lese, hat mich doch der Klappentext dieses Buches überzeugt, es nochmal zu versuchen, und ich wurde nicht enttäuscht. Von Anfang an hat mich das Buch fasziniert und begeistert. Es ist wunderbar geschrieben und behandelt auf sehr charmante Art und Weise wichtige Themen: Wohin wenden wir uns, wenn wir Heilung benötigen? Was hilft, wenn wir verletzt sind? Gleichzeitig widersteht der Autor konsequent der Versuchung, mit religiösen Plattitüden um sich zu werfen. Obgleich es sich um ein christliches Buch handelt, welches auch den Glauben als Thema hat, drängelt dieser sich keinesfalls in den Vordergrund. Nichts von dem, was ich normalerweise in christlichen Romanen oft lese, und was mich immer stört, habe ich hier wiedergefunden. Und doch ist das Thema sehr subtil immer präsent. Ich fand es angenehm authentisch, dass Glaube nicht als etwas Selbstverständliches dargestellt wird, sondern gerade auch in seiner Ambivalenz und in seiner Verletzlichkeit, dass es auch darum ging, was starre Ansichten mit uns machen. Jack macht sich Sorgen um die Seele seiner Großmutter, gleichzeitig ist er selbst in seinem Leben zutiefst unzufrieden und fühlt sich leer. Das, was er zu haben meint, reicht nicht. Ganz besonders gelungen finde ich die Figur des Schattendoktors: Jemand, der in jeder Situation etwas völlig Unerwartetes sagen kann, das nicht nur Jack, sondern auch den Leser aus der Bahn wirft und zum Nachdenken bringt. Jemand, der gleichzeitig sehr kindlich naiv und doch unglaublich ernst und weise wirkt.
Ich kann all die negativen Rezensionen zu diesem Buch wirklich nicht nachvollziehen. Ja, man muss öfters über das Gelesene nochmal nachdenken, und Manches wird sich einem ähnlich wie Jack erst später erschließen. Aber gerade solche Feinheiten machen für mich ein gutes Buch aus. Ich denke nicht, dass es bei diesem Buch darum geht, herauszufinden, was genau der Autor/der Schattendoktor einem sagen will. Vielleicht geht es eher darum, zum einen die kritische Herangehensweise des Schattendoktors an den Glauben und zum anderen seine Art, auf Menschen zuzugehen, als Anstoß zum Nachdenken zu nehmen. Dann können wir wahrscheinlich alle viel von ihm lernen, z.B. den Menschen, der uns gerade gegenübersteht, als wichtigsten Menschen auf der Welt wahrzunehmen.
Fazit: Ein wunderschönes Buch, brilliant geschrieben und voller tiefgehender Erkenntnisse und witziger Dialoge. Ich habe die Lektüre sehr genossen und werde auf jeden Fall weitere Bücher des Autors lesen.

Bewertung vom 27.02.2020
Unverschämt schamlos
Bolz-Weber, Nadia

Unverschämt schamlos


ausgezeichnet

Beeindruckendes Plädoyer für mehr Offenheit

Nadia Bolz-Weber bringt in ihrem neuen Buch ein sehr wichtiges, aber auch nicht gerade einfaches Thema zur Sprache: Sexualität, insbesondere der Umgang vieler Christen mit dieser und die damit einhergehende Scham, begegnet ihr in ihrem Leben als Pastorin immer wieder. Viele Menschen leiden unter Engstirnigkeit, falschen Vorstellungen, Schuldgefühlen und Unsicherheit, welche die kirchliche Sexualmoral in ihnen wachruft. Die Autorin plädiert für nichts weniger als eine sexuelle Reformation, einen gänzlich neuen und anderen Umgang mit der ganzen Thematik.
Die Idee, das Problem so anzugehen, wie Nadia Bolz-Weber es hier tut, finde ich sehr gut. Es ist (leider) immer noch ein hochaktuelles Thema, welches zu oft marginalisiert oder gleich ganz totgeschwiegen wird. Die Art der Autorin, wie ich sie auch aus ihren anderen Büchern kenne, ist an dieser Stelle genau die richtige: erfrischend, offen, direkt, feinfühlig – jemand, der nicht theoretisch über das Thema philosophiert bzw. theologisiert, sondern von ganz alltäglichen Beispielen berichtet, welche sich erschreckend ähnlich sind. Sexualität war schon immer ein schwieriges Thema für Kirche und Christentum. Es ist eine Geschichte voller Scham, Vorwürfe, verquerer Vorstellungen und Selbstgerechtigkeit. Mit dem Sex bis zur Ehe warten, Homosexualität ist gleichzusetzen mit Besessenheit, eine gute Frau/ein guter Mann hat so und nicht anders zu sein…diese Aussagen bzw. Ideen kennen wir wahrscheinlich fast alle, tun sie aber als veraltet ab. Nadia Bolz-Weber zeigt, dass das keinesfalls so ist, sondern anscheinend immer noch viel zu oft gepredigt wird.
Die Autorin hat hier ein absolut lesenswertes Buch geschaffen, das sich mit diesem so wichtigen Thema befasst, und zwar auf eine sehr ansprechende Weise. Ansprechend nicht in dem Sinne, dass sie keine unbequemen Wahrheiten aussprechen würde, sondern einfach weil sie das voller Liebe und Glauben tut und sich trotz allem bemüht, nicht zu verurteilen. Es muss einen Weg geben, auch erfüllendes Glück beim Sex erleben zu können, und diesen möchte Nadia zusammen mit ihren Lesern beschreiten.
Fazit: Für mich ein sehr gutes Buch, das bestimmt gerade für Menschen, die Ähnliches erlebt haben wie in Nadias Geschichten, wohltuend und heilend sein kann. Aber auch wenn man das Glück hatte, davor verschont zu bleiben, ist es eine Bereicherung. Zudem kann man das Buch auch gut lesen, es ist nicht langweilig, auch nicht zu theoretisch, sondern wird immer wieder von eigenen Erfahrungen der Autorin aufgelockert. Klare Leseempfehlung von mir!

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