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Benutzername: Traeumerin109
Danksagungen: 6 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 215 Bewertungen
Bewertung vom 22.04.2021
Bei uns zu Hause geht's bald rund
Hall, Hannah C.

Bei uns zu Hause geht's bald rund


sehr gut

Niedlich illustriertes Kinderbuch


Das Eichhörnchen, der Koalabär und viele andere kleine Tiere bekommen bald ein Geschwisterchen oder haben gerade eines bekommen. Wie gehen sie damit um und was bedeutet das für sie selbst?
Ich finde das Buch sehr, sehr schön illustriert, mit niedlichen Bildern und kindgerechten Proportionen. Auch die Texte gefallen mir gut, sie sind kurz und in Reimform, sodass die kleinen Mitleser gut folgen können. Auch die Auswahl der unterschiedlichen Tierfamilien ist gelungen. Sie zeigt, dass es überall bei den Tieren normal ist, Geschwister zu haben oder zu bekommen. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob das Buch wirklich dabei hilft, einem kleinen Kind zu erklären, wie das sein wird mit einem Geschwisterchen. Mein Eindruck ist, das Kind wird entweder zu klein sein, oder schon so groß, dass man es ihm anders erklären kann. Nichtsdestotrotz kann man dieses Buch ja gerne zusätzlich lesen, besonders bei tierlieben kleinen Menschen.

Bewertung vom 22.04.2021
Jori - Das Schweinchen ohne Ringelschwanz
Schwarzrock, Damaris

Jori - Das Schweinchen ohne Ringelschwanz


sehr gut

Nette Geschichte für kleine Kinder

Jori ist weit und breit das einzige Schweinchen ohne Ringelschwanz, deshalb ist er sehr traurig. Er wäre so gerne wie die anderen Schweine. Die anderen Tiere auf dem Bauernhof versuchen alles, um ihm zu helfen, sei es mit Lockenwicklern im Schwanz, Ästen oder Klammern. Doch kein selbst gemachter Ringelschwanz will lange halten. Da fällt Jori auf, dass es auch andere Tiere gibt, die nicht so sind wie die meisten ihrer Art und auf einmal fühlt er sich nicht mehr so alleine.
Die Geschichte ist auf jeden Fall schön und auch die Botschaft dahinter sehr wertvoll für Kinder. Das Ganze dann spielerisch vermittelt durch die Idee, einem Schweinchen, das keinen Ringelschwanz hat, einen zu verpassen. Da kommen auch kleine Kinder gut mit und werden bestimmt die Ideen der anderen Tiere sehr lustig finden. Doch bin ich mir nicht sicher, ob das Buch schon für Kinder ab drei Jahren geeignet ist. Ich würde eher sagen, vielleicht ab vier Jahren. Erstens glaube ich nicht, dass das vorher ein großes Thema ist, eventuell nicht so zu sein wie die anderen oder nicht mit sich zufrieden zu sein, so wie man ist. Und zweitens finde ich die Illustrationen doch sehr unruhig und sie haben zugegebenermaßen auch nicht ganz meinen Geschmack getroffen. Da finde ich normalerweise die Illustrationen bei Kinderbüchern dieses Verlags schöner. Nichtsdestotrotz eine sehr wertvolle Botschaft, die dahinter steckt, vermittelt durch viele lustige Ideen.

Bewertung vom 22.04.2021
Fips ist mutig
Moussa, Carolin

Fips ist mutig


ausgezeichnet

Süßes Buch über Freundschaft und Mut

Erdmännchen Fips und Stachelschwein Lulu sind sehr gute Freunde und spielen oft zusammen. Doch diesmal geht etwas schief: Lulus schönes neues Armband treibt auf einem Papierschiffchen auf der Mitte eines Sees. Fips kann zwar schwimmen, hat aber Angst vor dem tiefen Wasser. Dennoch möchte er Lulu helfen, denn seine Freundin ist sehr unglücklich.
Ein wunderschön illustriertes Kinderbuch schon für kleine Leser. Mein Sohn (2 Jahre) mag es sehr gerne und findet es sehr traurig, dass Lulu so traurig ist. Ich finde die Bilder sehr liebevoll und nicht zu detailreich, aber trotzdem aussagekräftig. Auch das Verhältnis von Text und Bildern stimmt, sodass es den Kleinen nicht zu langweilig wird. Man kann sehr gut gemeinsam miterleben, wie Fips seine Angst überwindet und Lulu so wieder glücklich ist.
Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch über das Mutigsein.

Bewertung vom 22.04.2021
Wach!

Wach!


ausgezeichnet

Ein unglaublich bereicherndes Buch

Dies ist ein Lesebuch mit den verschiedensten Beiträgen aus der Zeitschrift AUFATMEN, die sich alle mehr oder weniger mit dem Thema „Wachwerden für den verborgenen Gott“ beschäftigen. Deshalb auch der Titel des Buches, der meiner Meinung nach wirklich hervorragend passt. Viele unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Geschichten schreiben hier ganz offen über ihre Lebensfragen und Lebensaufgaben, über ihre Begegnungen mit einem oft verborgenen Gott und der Gratwanderung, die das bedeuten kann.
Wenn wir ganz ehrlich sind, erkennen wir uns wahrscheinlich in den meisten der Erzählungen wieder, so unterschiedlich auch die Erfahrungen sind, die hier zu Wort kommen. Völlig egal, ob wir vermeintlich gefestigt im Glauben sind oder noch auf der Suche nach einem Gott, mit dem wir trotz aller Divergenz und Widersprüche leben können. Denn der Glaube, den wir haben, ist selten einfach und gegen jeden Zweifel erhaben. Und Gott ist und bleibt unvorhersehbar. Unser Leben verläuft auch mit ihm nicht wie auf Schienen, sondern wird immer ein Auf und Ab sein, nicht nur harmonisch und glücklich, sondern eben auch voller Niederlagen, Irrwege und der damit verbundenen Frustration. Nur weil wir an Gott glauben heißt das noch lange nicht, dass wir alles so bekommen, wie wir es brauchen. Genau darum geht es in diesem Buch: Um die Herausforderung, Gott weiter zu vertrauen, auch wenn sich gerade alles gegen uns wendet und wir ihn wirklich dringend bräuchten, er uns aber nicht zu antworten scheint. Denn Gott begegnet uns auf seine Weise, nicht auf unsere. Es geht darum, damit klarzukommen, dass der Anspruch, sich zusammen mit Gott stets auf dem richtigen Weg zu befinden und niemals falsche Entscheidungen zu treffen, nicht haltbar ist. Wir werden nach wie vor täglich Entscheidungen treffen, die nicht so gut sind, und es ist nicht Gottes Aufgabe uns davor zu bewahren. Wir können nur lernen, seiner Vergebungsbereitschaft zu vertrauen.
Das Buch spricht diese Sehnsucht an, die irgendwo in uns ist: die Sehnsucht nach einer richtigen, echten und guten Gottesbegegnung und –beziehung. Doch wir alle kennen Erfahrungen des Verlorenseins, in denen Gott unsichtbar und unfühlbar bleibt, obwohl er doch unser liebender Vater ist. Da kann niemand gegen anreden und mit Kraft oder Willensanstrengung versuchen, mehr oder besser zu glauben und dieser Ambivalenz dadurch zu entgehen. Das wird immer wieder Thema in den verschiedensten Texten der unterschiedlichsten Menschen, die in diesem Buch zu Wort kommen. Es gibt einfach eine Spannung, und die müssen wir aushalten und lernen damit zu leben, denn diese Spannung wird nicht einfach verschwinden.
Fazit: Für mich ein wahnsinnig bereicherndes Buch voller Aha-Momente, wertvoller Anstöße und authentischer Berichte. Es bleibt das Problem: Wie begegne ICH Gott in seiner Nicht-Abrufbarkeit, wie gehe ICH damit um. Denn wenn es eins gibt, das dieses Buch zeigt, dann dass jeder anders damit umgeht und andere Facetten dieses Problems erlebt. Es bleibt zu sagen: Gott ist da, auch wenn er verborgen ist. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen, es ist absolut lesenswert.

Bewertung vom 05.04.2021
Ja zu dir
Rosenkranz, Déborah

Ja zu dir


ausgezeichnet

Ein wunderbar ermutigendes Andachtsbuch

Was dieses Buch nicht ist: Normalerweise kann ich mit Andachtsbüchern nicht viel anfangen. Die Texte erscheinen mir oft gestelzt und treffen meistens nicht das, was mich in dem Moment oder auch generell beschäftigt. Pauschal und trocken klingende Gebete (die nichts mit mir zu tun haben), Allerweltsphrasen und das bemühte Ignorieren des ganz normalen Glaubensalltags zu Gunsten eines leidenschaftlichen, stets engagierten Lobpreises nehmen mir immer den Rest meiner sowieso nur kärglich vorhandenen Motivation. Aber ganz anders dieses Buch!
Was euch erwartet: Da ich die Autorin, Déborah Rosenkranz, sehr schätze, habe ich mich doch noch einmal herangewagt an ein für mich eher fremdes Unterfangen und wurde mehr als positiv überrascht. Das Buch ist aufgeteilt in 52 Andachten, für eine Woche jeweils eine. Zu Beginn jedes Kapitels steht ein Bibelzitat, danach kommt ein weiteres Zitat, quasi die Essenz des Kapitels, und dann der eigentliche Text. Abgerundet wird das Ganze mit Fragen zum Nachdenken, einem kleinen Rückblick auf das letzte Kapitel und einem Gebet. Wunderschön geschriebene Texte voller Kraft, Liebe und Zuversicht, die uns als Leser wirklich da abholen, wo wir meistens gerade stehen: Mitten in einem Alltag voller Pflichten, Fehler, (Selbst-)Zweifel und Erschöpfung, in welchem wir genau solche Ermutigungen dringend gebrauchen können. Die Texte sind nicht zu lang, aber sehr feinfühlig und voller Tiefgang geschrieben – und vor allem voller Liebe. So können wir uns ein Jahr lang jede Woche einen wertvollen Impuls abholen, der uns hilft aufzutanken und immer wieder bewusst Ja zu den dahinterstehenden Wahrheiten zu sagen. Oft helfen die Texte, wenn es um alltägliche Herausforderungen und Entscheidungen geht. Es geht um alles Mögliche: Mut, Träume, Selbstzweifel, Glaube, Vertrauen, Warten, Durchhalten und vieles mehr. Was für mich ganz besonders wertvoll war: Ich habe mich verstanden und ernst genommen gefühlt, mit all meinen Gedanken und Gefühlen, so wenig ich sie selbst manchmal verstehe. Bei diesen Andachten und Gebeten darf ich sein, wie ich bin, muss mich weder schämen noch anklagen. Die Gebete am Ende eines jeden Kapitels haben mir so oft genau aus der Seele gesprochen, dass ich es kaum glauben konnte. Und ich glaube, das wird vielen so gehen. Es kann sowohl ermutigend als auch heilsam sein, 52 Mal bewusst Ja zu etwas zu sagen, von dem man manchmal vielleicht gar nicht wusste, dass man dazu Nein gesagt hatte. Letztendlich geht es darum, ein großes und überzeugtes Ja zu uns selbst zu sagen, mit allem was dazugehört, was wir uns sonst nicht trauen auszusprechen. Dabei heißt es in den Gebeten immer wieder: Gott, hilf mir dabei. Aber nicht nach dem Motto: Mach du mal, sondern eher: Verändere mein Herz/meinen Blick dafür, damit ich das schaffe.
Fazit: Das erste Andachtsbuch, bei dem ich die Gebete selbst beten kann und möchte, weil sie zu meinem Leben und zum Leben im Allgemeinen passen. Alle Texte haben eine sehr frisch-fröhliche Art ohne verschwurbelte Formulierungen und der Gedanke dahinter ist sehr inspirierend und wunderschön: Ja zu sagen zu uns selbst, etwas was vermutlich die meisten nicht so ohne Weiteres schaffen. Ich bin mir bei diesem Buch sehr sicher, dass es für viele hilfreich sein wird und alle daraus verändert hervorgehen werden. Die Autorin redet mit den Lesern auf Augenhöhe, als würde sie uns gegenübersitzen, wäre gut mit uns befreundet und würde uns gerade ein paar Tipps geben. Die Texte kann man immer wieder lesen, genau wie man auch die Gebete immer wieder beten kann, je nachdem was gerade in deinem Leben akut ist. Mir hat das Lesen sehr viel Freude gemacht und es ist viel hängengeblieben, das mich von jetzt an begleiten wird, und ich würde mir wünschen, dass es euch genauso geht. Ich jedenfalls fühle mich gestärkt und ermutigt.

Bewertung vom 05.04.2021
Man erzieht nur mit dem Herzen gut
Zindel-Weber, Cathy;Zindel, Daniel

Man erzieht nur mit dem Herzen gut


ausgezeichnet

Erziehen heißt da sein

Fast alle Eltern beschäftigt wohl die Frage: Wie erziehe ich mein(e) Kind(er) am besten? Worauf kommt es an? Wann sollte ich etwas sagen und wann schweigen? Wann eingreifen und wann abwarten? Im Leben mit Kindern gibt es jeden Tag viele Situationen, in denen wir als Eltern gefragt sind, zwischen Nähe und Abgrenzung, Freiheit und Verantwortung zu balancieren. Doch braucht es wirklich noch einen weiteren Erziehungsratgeber in unserem Bücherregal? Ich finde: Ja, definitiv! Denn es handelt sich bei diesem Buch um weit mehr als einen klassischen Erziehungsratgeber. Daniel ZIndel und Cathy Zindel-Weber, die Autoren dieses Buches, sind als Eheberater und Coaches tätig. Gemeinsam haben sie vier Kinder großgezogen. Weit mehr als konkrete Erziehungstipps zu geben, etwa in bestimmten Situationen so oder anders zu reagieren, wollen sie Eltern sensibilisieren für die schmale Gratwanderung im alltäglichen Leben mit Kindern. Denn oft ist es weniger wichtig was wir genau sagen oder tun, sondern eher, dass wir wissen, wer wir selbst sind – und dass wir mit dem Herzen dabei sind, eben ganz da sind.
Für mich ein sowohl optisch als auch inhaltlich wunderbares Buch. Zunächst geht es um die Struktur und die verschiedenen Beziehungen innerhalb einer Familie: Wie funktioniert dieses Konstrukt eigentlich? Was sind wiederkehrende Muster, was ist wichtig in einer Familie? Dann werden „Gegensatzpaare“ vorgestellt, die einander ergänzen und bereichern: Vertrauen und Sorgfalt, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit, Autorität und Gehorsam, Dankbarkeit und Leidensfähigkeit, Freiheit und Verantwortung. Dabei geht es keinesfalls nur um unser Verhalten unseren Kindern gegenüber, um das was man im Allgemeinen „Erziehung“ nennt, sondern vielmehr auch um unser Verhalten und unsere Gedanken und Gefühle uns selbst gegenüber. So sollten wir nicht nur unsere Kinder im Hinblick auf die Entwicklung ihrer Eigenverantwortung fördern, sondern gleichzeitig Verantwortung für uns selbst und unser Wohlergehen als Eltern tragen. Ein anderes Beispiel: Natürlich ist im Konfliktfall Wahrhaftigkeit sehr wichtig, aber oft müssen wir in der Barmherzigkeit wachsen, also in der Fähigkeit, immer wieder neu mit uns selbst und unseren Kindern anzufangen und dabei Dinge auch mal ruhen zu lassen.
Als junge Mutter habe ich mich in vielem wiedergefunden, habe an vielen Stellen Schwarz auf Weiß in genau den richtigen Worten ausgedrückt gesehen, was mich selbst bewegt und auch oft genug zum Zweifeln (an mir selbst) bringt. Wie bei allen anderen Eltern, gibt es auch bei mir Seiten und Fähigkeiten geben, die meistens zu kurz kommen, auch wenn die entsprechenden Begriffe mir natürlich vertraut sind. Doch ich habe es nie besser auf den Punkt gebracht gelesen. Auch habe ich gemerkt, dass ich mir über viele Begriffe gar nicht so sehr Gedanken gemacht hatte. So hat mir das Buch für einiges die Augen geöffnet und mich ermutigt, mehr nachzusehen und nachzudenken, was da eigentlich passiert im Leben mit meinem Kind. Es hat mich darin bestärkt, mich selbst voll und ganz immer wieder neu auf das Abenteuer und die Aufgabe Erziehung einzulassen, dabei sowohl selbst beschenkt zu werden als auch meine Kinder mit etwas ungeheuer Wertvollem, nahezu Unbezahlbarem zu beschenken: Ich kann da sein für meine Kinder. Es geht nicht darum, etwas aus ihnen zu machen, sondern sie durch mein Vorbild dabei zu unterstützen, hervorzuholen was in ihnen steckt.
Fazit: Dies ist ein Elternbuch, aber auch ein Buch über Beziehungen allgemein. Denn die Grundpfeiler, um die es geht, werden unser Leben lang in jeder ernstzunehmenden Beziehung eine wichtige Rolle spielen. Umso wichtiger ist es, dass wir unseren Kindern vorleben, wie man sich ein solches Gerüst aufbauen kann. Für mich ein rundum gelungenes und sehr bereicherndes Buch, voller Inspirationen und konstruktiver Tipps. Ich kann es nur allen Eltern ans Herz legen, ihr werdet es nicht bereuen.

Bewertung vom 27.11.2020
Richard Dawkins, C. S. Lewis und die großen Fragen des Lebens
McGrath, Alister

Richard Dawkins, C. S. Lewis und die großen Fragen des Lebens


ausgezeichnet

Sehr interessanter Einblick
…denn mehr ist dieses kleine Büchlein natürlich nicht, mehr kann und will es auch nicht sein. Denn auf so wenigen Seiten die ganz großen Fragen erschöpfend zu beleuchten, das ist unmöglich. Aber die Absicht des Autors Alister McGrath ist auch eine ganz andere: Selbst Professor an der renommierten Oxford Universität, möchte er zwei der ganz großen Denker, die dort beheimatet waren, nicht nur vorstellen, sondern auch einander gegenüberstellen. Denn C.S. Lewis und Richard Dawkins scheinen Ansätze zu vertreten, die auf den ersten Blick miteinander unvereinbar sind. Auf der einen Seite C.S. Lewis, der bekannte christliche Apologet, und auf der anderen Seite der prominente Atheist Richard Dawkins, nicht zuletzt berühmt durch sein Buch „Der Gotteswahn“.
Doch es geht dem Autor nicht nur um den alten Streit zwischen Glaube und Wissenschaft, sondern um viel mehr: Was können wir lernen, indem wir uns diesen beiden Autoren zuwenden, ohne vielleicht den einen oder den anderen von vorneherein aufgrund seines Glaubens oder eben Nicht-Glaubens auszuschließen? Wie hätte es sein können, wenn diese beiden Männer sich begegnet wären? In vier großen Kapiteln werden kurz die wichtigsten Fragen angeschnitten: Warum ist Sinn für uns so wichtig? Wie sieht es aus mit Glaube und Beweis(barkeit)? Gibt es einen Gott? Wer sind wir als Menschen? Beide Wissenschaftler kommen zu Wort, ebenso wie auch der Autor im Vergleich der beiden hin und wieder seine persönliche Meinung einfließen lässt. Dabei bemüht er sich stets um eine objektive Gegenüberstellung, kann aber meiner Meinung nach nicht verhehlen, dass er selbst eher in Lewis‘ Richtung neigt. Trotzdem finde ich beachtlich, wie es ihm gelingt, zu allen Fragen die wichtigsten Argumente aufzugreifen, um so vielleicht auch die Leser dazu zu ermutigen, einen für sie bisher eher irrelevanten Autor näher unter die Lupe zu nehmen. Und erstaunlich ist auch, wie oft doch Gemeinsamkeiten der beiden großen Denker durchscheinen, wenn es etwa um ihre Herangehensweise an gedankliche Probleme geht.
Fazit: Ein kleines, aber äußerst spannendes und lehrreiches Buch, welches sowohl Lewis-Fans als auch Dawkins-Anhänger getrost lesen können – und wer weiß, vielleicht bleibt doch der eine oder andere bisher für abwegig gehaltene Gedanke hängen und verleitet zum Nachdenken und zur näheren Lektüre. Damit hätte das Buch seinen Zweck erfüllt denke ich.

Bewertung vom 21.11.2020
Ein Jahr mit C. S. Lewis
Lewis, C. S.

Ein Jahr mit C. S. Lewis


ausgezeichnet

Eine ganz besondere Lektüre

Wer C.S. Lewis mag, der wird mit Sicherheit auch dieses Buch mögen. Jeden Tag findet man hier einen Text aus einem seiner Werke, also gewohnt tiefgründige, aber auch vielseitige, unterhaltende und nachdenklich stimmende Kost – jedoch immer nur eine „Tagesdosis“, über die man gerne nachsinnen kann, oder die man auch einfach nur zum Einstieg in den Tag lesen kann. Dazu immer auch biographische Details, sodass man den berühmten christlichen Apologeten immer besser kennenlernt. Jedoch sollte man am besten tatsächlich am ersten Januar anfangen und nicht einfach mitten im Jahr, so wie ich es erst versucht habe. Oft folgen mehrere Texte hintereinander, die sich auf denselben Ursprung und denselben Gedanken beziehen. Das ist für mich jedoch kein Manko, und gerade für Leser, die mit C.S. Lewis vielleicht noch nicht so vertraut sind, bietet sich hier die einmalige Gelegenheit, ihn und seine Gedankenwelt in einem adäquaten Tempo zu erforschen. Wenn man hingegen schon ein wenig vertrauter ist mit dem Autor, oder vielleicht auch nach einem Jahr das ganze Buch durchgelesen hat, spricht nichts dagegen, es an einem beliebigen Tag aufzuschlagen, der einem gerade in den Sinn kommt oder auch eine besondere Bedeutung haben mag – so wie man es bei jedem anderen Andachtsbuch auch tun kann. Während ich aber normalerweise sogenannten Andachtsbüchern nicht viel abgewinnen kann, möchte ich dieses hier doch weiterempfehlen. C.S. Lewis ist einfach ein ganz besonderer Autor, der keine schwierigen Worte braucht, wo es auch einfache tun. Es gibt Texte querbeet aus allen seinen Werken, die bestimmt auch hin und wieder dazu verleiten werden, das entsprechende komplette Buch zur Hand zu nehmen. Um durchschnittliche Andachtslektüre handelt es sich hier jedenfalls meiner Meinung nach nicht, da bekommt man schon ein bisschen mehr mit auf den Weg, genauso wie es eigentlich sein soll.

Bewertung vom 18.08.2020
Die Bergpredigt aus jüdischer Sicht
Uschomirski, Anatoli

Die Bergpredigt aus jüdischer Sicht


gut

Leider kein großer Gewinn für mich
Anatoli Uschomirski möchte in diesem Buch eine neue, erweiterte Perspektive auf einen der bekanntesten Texte des Neuen Testaments eröffnen: Die Bergpredigt. Denn viele vergessen oft, dass Jesus in einem jüdischen Kontext gelebt und gelehrt hat und selbst als Jude großgezogen wurde. In seiner Bergpredigt aus dem Matthäusevangelium verstecken sich viele Anspielungen auf das Alte Testament, die oft nicht gesehen werden. Daraus ergibt sich eine oft einseitige Sicht nicht nur auf die Bergpredigt, sondern auf viele andere Texte des Neuen Testaments. Der Autor möchte keineswegs die christliche Auslegung abwerten, vielmehr möchte er sie erweitern und auch andere dazu bringen, noch besser zu verstehen, was Jesus uns eigentlich sagen wollte und was er uns heute sagen möchte.
Ich muss sagen, nach diesen großartigen Ankündigungen, sowohl hinten auf dem Buch als auch im Vorwort, war ich von dem was folgte, ziemlich enttäuscht. Da hatte ich eindeutig mehr erwartet: Mehr Überraschungen, mehr Verknüpfungen, die ich noch nicht kannte, mehr Inhalt – einfach mehr.
Was ich dem Autor natürlich nicht absprechen möchte, ist, dass er sich im Alten und Neuen Testament sehr gut auskennt, dass er die Originaltexte in hebräischer und griechischer Sprache zum Vergleich heranziehen kann und dass er begeistert ist von dem, was er tut. Das alles mag sein, und doch hat er mich nicht so wirklich erreicht. Nach und nach beschäftigt er sich mit diesem für viele Christen zentralen Text aus dem Matthäusevangelium und zieht oft Stellen aus dem Alten aber auch aus anderen Büchern des Neuen Testaments heran, in denen dieselben Worte verwendet werden oder dieselben Weisungen, Gedankengänge etc. auftauchen. Oft ist das sehr interessant und lehrreich, auch das möchte ich dem Autor nicht absprechen. Aber ich war doch enttäuscht, weil die einzelnen Aussagen, in welche er die Bergpredigt zerlegt hat, doch ziemlich kurz abgefrühstückt wurden. Und oft dachte ich hinterher: Ok, und wo ist da die Erklärung, wo ist das Neue? Ich denke, es liegt auch daran, dass Uschomirski seine Gedanken nicht immer gut verbinden kann. Manchmal reiht er ein paar Fakten bzw. Erläuterungen zu einzelnen Worten aus dem jeweiligen Abschnitt aneinander, und das wars – es fehlte mir oft der rote Faden. Ebenso ging es mir im zweiten Teil, als es um das Vaterunser ging: Auch hier waren einige interessante Hinweise und Ideen, aber das Große und Ganze, worauf der Autor nun hinauswollte, was er uns als Leser näherbringen wollte, das habe ich nicht gesehen. Darüber hinaus hat mich auch hin und wieder die stark vereinfachte Unterscheidung zwischen christlichen und jüdischen Ansichten gestört. Eine pauschale Aussage wie „Christen glauben, das Evangelium würde vom Gesetz befreien (…)“ stimmt einfach nicht, und von solchen Aussagen sind mir mehrere aufgefallen. So hat er doch meiner Meinung nach unterschwellig die christliche Auslegung abgewertet, dabei wollte er genau das nicht tun.
Fazit: Alles in allem war ich enttäuscht von dem Buch und habe keinen besonderen Gewinn daraus gezogen, deshalb würde ich es auch nicht unbedingt weiterempfehlen. Ich stimme dem Autor zu, dass auch christliche Auslegungen oft den jüdischen Kontext und Hintergrund Jesu nicht genügend miteinbeziehen, aber mir hat in dem vorliegenden Buch definitiv noch einiges gefehlt. Eine ausführlichere und fundiertere Sichtweise wäre wünschenswert gewesen.

Bewertung vom 18.08.2020
Spuren deines Lichts
Brown, Sharon Garlough

Spuren deines Lichts


ausgezeichnet

Auch im Dunkel bist du da

Wren kämpft seit ihrer Jugend mit Depressionen und Angststörungen. Meistens hat sie ihr Leben im Griff, aber hin und wieder zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg, ohne dass sie darauf vorbereitet ist. Hinzu kommt ihre Arbeit als Sozialarbeiterin, bei der sie täglich mit viel Leid konfrontiert ist. Nach einem erneuten Zusammenbruch landet sie zunächst in einer Klinik und dann bei ihrer Tante Kit, wo sie versucht, mühsam wieder auf die Beine zu kommen. Trost spenden ihr dabei, wie schon seit Jahren, die Bilder und Briefe von Vincent van Gogh.
Ein wunderschöner christlicher Roman, der mich tief berührt hat. Schon das Cover ist wunderschön, und auch der Inhalt ist voller Schätze. Wrens Kampf mit der Depression und den Panikattacken ist so gut dargestellt, mit all seinen schmerzhaften und dunklen, hoffnungslosen Facetten, dass mich das sehr zum Nachdenken angeregt hat. Auch die Gefühle ihrer Angehörigen, insbesondere ihrer Mutter, deren Hilflosigkeit und Schuldgefühle, sind sehr einfühlsam beschrieben und verraten ein waches Auge der Autorin für die Menschen um sie herum.
Sharon Garlough Brown schreibt sehr vielschichtig und psychologisch einfühlsam, mit Platz für die leisen Töne und Gefühle. Es ist eine Reise, auf die sie uns als Leser mitnimmt, und es ist nur auf den ersten Blick allein Wrens Reise. Wren braucht viel Mut auf ihrer Reise, sie braucht auch viel Zeit, bis sie die heilsame Wirkung dieser Reise spüren kann. Es ist alles andere als leicht, sich von der Angst loszureißen, auch wenn die Hoffnung und das Licht verlockend sind. Deshalb ist es eine zutiefst sympathische Protagonistin, mit der wir es hier zu tun haben. Auch wenn hoffentlich die meisten Leser selbst nie das Dunkel erlebt haben, in das eine Depression einen stürzen kann, so kennen wohl die meisten eine abgeschwächte Version dieses Dunkels. Schwierige Zeiten gibt es fast in jedem Leben und die tiefen geistlichen Einsichten dieses Buches können heilsam sein und Hoffnung spenden. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem so zart und einfühlsam mit dem schweren, dunklen Thema der Depression umgegangen wurde. Was Wren unter anderem aufrechthält, sind die Bilder von Vincent van Gogh, die sie mit einer Leidenschaft und einem Blick fürs Detail ansieht, die ich ehrlich gesagt vorher nicht dafür aufbringen konnte. Mit dem Hintergrundwissen aus diesem Buch habe ich mir ein paar seiner Bilder erneut angeschaut und ganz anders wahrgenommen als vorher. Allein das ist ein Gewinn für mich, den ich aus der Lektüre mitnehme. Aber es ist auch die ganze Geschichte mit allen zwischenmenschlichen Facetten, Gesprächen, leisen und lauten Untertönen, die mich auch jetzt noch beschäftigt, nachdem ich das Buch schon eine Zeitlang zur Seite gelegt habe.
Fazit: Ein Buch, das aus den anderen christlichen Romanen heraussticht. Die Autorin beschäftigt sich sehr ehrlich und daher sehr brutal mit Wrens Depression und ihren Ängsten, dabei gibt sie dem Leser keine Chance, als unbeteiligter Zuschauer danebenzustehen. Ich habe mit Wren und ihrer Mutter mitgelitten und mitgehofft, gleichzeitig war ich dankbar für alles was ich habe – ein Gefühl welches wir auch zu selten spüren. Es ist trotz allem oder vielleicht auch gerade wegen all dem ein Buch voller Hoffnung und Lichtstrahlen, die versuchen, durch die Wolken zu brechen. Ich kann es wirklich nur weiterempfehlen!