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Benutzername: Traeumerin109
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Bewertungen

Insgesamt 147 Bewertungen
Bewertung vom 24.07.2018
Die Herzen unserer Kinder berühren
Fabiano, Catherine; Fabiano, Frank

Die Herzen unserer Kinder berühren


weniger gut

Es hat nie eine aufregendere Zeit gegeben, Kinder zu bekommen

Catherine und Frank Fabiano führen in diesem Buch durch die verschiedenen Entwicklungsstufen eines Kindes, vom Mutterleib bis zum Teenager. Dabei gehen sie besonders auf die speziellen Bedürfnisse ein, welche jede Stufe mit sich bringt, und versuchen die Frage zu beantworten, wie wir als Eltern unsere Kinder unterstützen können.

Von diesem Buch war ich leider sehr enttäuscht. Der Titel hatte mich angesprochen und neugierig gemacht, aber mit dem Inhalt konnte ich wenig anfangen. Die verschiedenen Entwicklungsstufen sind zwar sehr strukturiert dargestellt, aber dafür bräuchte ich dieses Buch nicht. Da fehlte der Aha-Effekt, der den Leser dazu bringen soll, genau dieses Buch zu lesen anstatt einen der tausend anderen Ratgeber zu diesem Thema. Denn viel mehr als ein typischer Ratgeber ist das Buch leider nicht geworden. Das Thema wird teilweise sehr trocken angegangen, was die Lektüre alles andere als spannend macht. Ja, die Autoren geben viele Informationen dazu, wie es in einem Kind aussieht. Das ist auf jeden Fall nicht schlecht. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen, sowie die besonderen Bedürfnisse, Ängste, Lernerfahrungen usw. werden gut dargestellt. Aber vieles wird auch mehrfach wiederholt, was nicht unbedingt nötig gewesen wäre.
Ein weiterer Punkt, der mich sehr gestört hat, war der sehr starke Fokus auf dem Gebet, mit dem wir unsere Kinder heilen können, wenn doch einmal etwas nicht so gut in der Erziehung gelaufen ist, was ja immer vorkommt. Natürlich handelt es sich hierbei um ein christliches Buch, aber man kann nicht alles, was man vielleicht falsch gemacht hat, einfach „wegbeten“. Genauso klingt es aber in dem Buch: Da werden immer wieder kurze Geschichten eingestreut, in denen Eltern erzählen, wie nach dem Gebet um Heilung alle Probleme wie weggeblasen waren. Zum einen klingen diese Geschichten immer irgendwie gleich, und zum anderen ist es mit Sicherheit nicht immer so einfach, wie die Autoren hier behaupten, egal wie gläubig man auch ist. Außerdem kann es genauso gut vorkommen, dass Verletzungen durch Gespräche mit den Kindern, Entschuldigungen und die Bitte um einen Neubeginn aufgearbeitet werden können. In dem Buch jedoch hört es sich so an, als sei Gebet die einzige Rettung.
Hinzu kamen viele weitere Kleinigkeiten, wie z.B., dass die Autoren alle paar Seiten auf ein anderes Buch verweisen, welches sie ebenfalls geschrieben haben. Das ist auch in dieser Häufung und Art unnötig und störend. Ich fand es sehr schwierig, das Buch zu lesen. Wenn man sich so zur Lektüre fast zwingen muss, ist irgendetwas schiefgelaufen. Es gibt mit Sicherheit auch Leser, denen genau diese Art, mit dem Thema umzugehen, zusagt. Den meisten jedoch würde ich das Buch nicht empfehlen.

Bewertung vom 24.07.2018
Ich mag dich fast so, wie du bist
Ortberg, John

Ich mag dich fast so, wie du bist


ausgezeichnet

Authentische Beziehungen, obwohl wir so sind, wie wir sind

John Ortberg ist davon überzeugt, dass wir dazu geschaffen wurden, um in Beziehung miteinander zu leben. Doch das ist meistens alles andere als einfach, wenn wir unser Leben betrachten. Da gibt es Lügen, Missverständnisse, Mauern und Ängste – und vieles mehr, was dem scheinbar im Wege steht. Wie geht das, dass wir trotz all dem, in all unserer Verletzlichkeit, tiefe Beziehungen haben und leben können?
Da dies nicht mein erstes Buch von dem Autor war, hatte ich mich schon auf eine unterhaltsame, humorvolle und tiefgründige Lektüre gefreut, und wurde auch nicht enttäuscht. John Ortberg versteht es wunderbar, den Leser durch kleine Anekdoten mitzunehmen und gleichzeitig kleine und große Weisheiten und Erkenntnisse einfließen zu lassen. Das alles klar und durchdacht, gut strukturiert und in einem sehr angenehmen Schreibstil, der das Lesen zu einer Freude macht. Auch inhaltlich hat dieses Buch wieder einiges zu bieten. Die Kunst ist ja oft nicht, etwas bahnbrechend Neues zu schreiben, sondern sich mit einem Thema auf eine bestimmte Art und Weise auseinanderzusetzen und den Leser dabei immer wieder mit der Nase auf Dinge zu stoßen, die er so vielleicht vorher noch nie gedacht hat. Gerade das Thema Beziehungen dürfte wohl jeden Leser etwas angehen, da wir ohne Beziehungen nicht leben können. Und all die Schwierigkeiten kennen wir nur allzu gut, trotzdem stoßen wir immer wieder darauf. John Ortberg bietet vieles Nachdenkenswerte und einige Ideen, wie wir selbst etwas anders machen können. Wie sieht es beispielsweise mit all den kleinen Einladungen aus, die andere täglich uns gegenüber aussprechen: Einladungen, miteinander in Beziehung zu treten oder die bereits vorhandene Beziehung zu vertiefen. Das können ganz banale Dinge sein, aber wie reagieren wir darauf? Wieviel investieren wir in unsere Beziehungen, wieviel Vertrautheit und Nähe lassen wir zu? Warum haben wir so große Probleme damit, verbindlich zu werden? Wie ist das mit Annahme und Ablehnung? Diese und viele weitere Fragen stellt der Autor nicht nur dem Leser, sondern auch sich selbst.
Ein Buch, was ich als sehr bereichernd empfinde und nur jedem empfehlen kann. Auch nicht gläubige Menschen werden hier mit Sicherheit einiges finden. Da stimmt einfach das Gesamtpaket: Es ist immer wieder eine Freude, John Ortberg zu lesen und seinen Gedanken zu folgen.

Bewertung vom 24.07.2018
Das Licht scheint in die Finsternis
Franke, Thomas

Das Licht scheint in die Finsternis


sehr gut

Eine mitreißende Geschichte über die Kraft der Veränderung

Jonathan Brendel hat von seiner Mutter ein kleines Vermögen geerbt. Allerdings kann er das Erbe nur zusammen mit seinem Bruder antreten, der vor vielen Jahren verschwunden ist. So begibt er sich auf die Suche nach ihm, nicht ahnend, dass dieser inzwischen ein ganz anderes Leben führt.
Eine wunderschöne und bewegende Geschichte über die Kraft der Veränderung und der Vergebung. Wir begeben uns zusammen mit beiden Brüdern auf die Reise, die jeweils ganz unterschiedlich aussieht. Der eine möchte seinen Bruder wiederfinden, der andere muss sich zuerst seinen Fieberträumen stellen, die in mitten hinein in die finstere Burg seines eigenen Herzens führen. Er hat viele Fehler begangen und irgendwann aufgehört, hinzusehen und hinzuhören.
Thomas Franke schreibt ziemlich heftige Geschichten, die aber auch sehr sanft und voller Hoffnung sind. Auch der Glaube spielt eine Rolle, drängt sich aber nie in den Vordergrund. Er ist eher die Hintergrundmelodie, vor welcher das Ganze spielt. Hauptsächlich haben wir es mit einer sehr spannenden Geschichte zu tun, deren Protagonisten durchweg überzeugen. Dabei ist das Buch nicht nur optisch sehr ansprechend, sondern auch tiefgründig. Wir erleben als Leser, wie die Kraft der Gnade nicht nur ein Leben verändert.
Ein Buch, welches ich gerne weiter empfehle!

Bewertung vom 24.07.2018
Weiterglauben
Dietz, Thorsten

Weiterglauben


ausgezeichnet

Freiheit ohne Beliebigkeit

Thorsten Dietz war mir bereits als Autor und auch als Redner bei „Worthaus“ bekannt. In beiden Funktionen schätze ich ihn sehr, denn was er von sich gibt, ist stets sehr einprägsam, aber auch humorvoll. So habe ich auch dieses Buch mit Spannung erwartet und wurde nicht enttäuscht. Erneut ein Buch, welches sich mit einem sehr interessanten theologischen Thema beschäftigt, jedoch dabei nicht zu sehr theologisiert und fachsimpelt, sondern ganz einfache und klare Worte findet.
Es geht um die Frage, wie wir weiterglauben können, trotz Theologie und durch Theologie. Wie wir Gott denken oder eben nicht denken können. Denn, das betont Thorsten Dietz immer wieder, Gott gehört uns nicht. Wenn wir ernsthaft im Glauben wachsen wollen, beinhaltet das immer auch Wachstumsschmerzen. Ob wir nun eigene, für sicher erachtete Überzeugungen hinterfragen müssen, oder einfach konsequenter werden: Einfach und unkompliziert ist es nicht, zu glauben. An vielen Fragen scheiden sich die Geister und es kommt zu heftigen Diskussionen. Brauchen wir mehr Weite im Glauben, mehr Freiraum, oder brauchen wir mehr Regeln, an denen wir uns festhalten können? Solche Fragen sind nicht einfach zu beantworten und der Autor macht es sich auch nicht einfach, in keiner der Fragen. Er ist vielmehr stets bemüht, alle Aspekte zu ihrem Recht kommen zu lassen. So auch, wenn es um den Fundamentalismus geht, den er selbst nicht vertritt, aber auch nicht anprangert und als Sündenbock hinstellt. Das ist eine schwierige Gratwanderung, die ich bei Thorsten Dietz stets sehr bewundere. Für ihn ist vieles, was mit Gott zu tun hat, schlicht ein Geheimnis. Damit geht er nicht den bequemen Weg, sondern gesteht ein, dass Gott immer anders ist, als wir ihn denken. Und die Überzeugung, selbst über die eine, einzige Wahrheit zu verfügen, hat schon mehr als genug Probleme verursacht. Wie sieht es aus mit der Bibel: Gottes Wort oder Menschenwort – oder beides, vielleicht auch keins von beidem? Wie sieht es aus mit der Historizität der Bibel? Oder ihrer Autorität in ethischen Fragen? Wir leben in einer Zeit, in der die Fragen eher mehr werden als weniger. Und doch kann man fundiert darüber nachdenken und sprechen, wie Thorsten Dietz beweist. Man kann auch die Bibel ernst nehmen, ohne auf Biegen und Brechen alles zu wörtlich zu nehmen.
Freiheit ohne Beliebigkeit, das trifft es ziemlich gut: ein Glaube, der in Freiheit gelebt wird, ohne in das andere Extrem zu verfallen und sich in der Beliebigkeit zu verlieren. Wir können das, wovon wir reden, meistens nicht richtig erfassen, aber das heißt nicht, dass wir überhaupt nichts oder alles darüber sagen können. Ein wunderbares Buch, tiefgründig und voller Anstöße zum Nachdenken. Thorsten Dietz ist ein Autor, den ich nur jedem empfehlen kann. Da macht nicht nur das Lesen Spaß, sondern es bleibt auch etwas hängen.

Bewertung vom 18.06.2018
Christsein ist keine Religion
Kellner, Albrecht

Christsein ist keine Religion


sehr gut

Ein Physiker entdeckt die Antwort?

„Es handelt sich nicht um Glauben in dem Sinne, dass man einfach Dinge für wahr hält, die man nicht beweisen kann – das wäre für mich als Physiker völlig inakzeptabel – sondern um eine innere, konkrete, unmissverständliche Erfahrung“
So bringt Albrecht Kellner es auf den Punkt. Das ist auch die Hauptaussage seines Buches. Nachdem er als Physiker auf vielen Wegen den Sinn gesucht hat, hat er ihn im Christentum, auch für ihn völlig überraschend, gefunden. Nun legt er dar, warum für ihn Naturwissenschaft und Christentum nicht im Widerspruch zueinander stehen.
Dazu liefert er in den ersten Kapiteln viele spannende Fakten, sowohl aus dem naturwissenschaftlich physikalischen Bereich als auch im Hinblick auf ein Zusammendenken mit den Geschichten der Bibel. Es geht (mal wieder) um die wirklich wichtigen Fragen, die uns Menschen bewegen: Was ist der Sinn? Warum all das Leid, wenn es einen guten Gott gibt? Usw. Hierbei liefert der Autor viele spannende und durchaus lohnenswerte Ansätze. Er führt beispielsweise das Leid in der Welt auf ein Leben des Menschen in Eigenregie zurück. Ein so auf sich selbst gestellter Mensch entscheidet nach eigenen, fehlerhaften Prinzipien und kann so bei sich selbst und anderen Leid verursachen. Allerdings finde ich, dass die Antworten, die Albrecht Kellner uns gibt, nicht alles so vollständig erklären, wie er es teilweise darlegt. Diese Themen sind nicht umsonst immer wieder Aufhänger für erhitzte theologische Debatten. Vielleicht liegt das Problem darin, dass es eben wirklich, wie der Autor ja auch schreibt, zuallererst um eine konkrete Erfahrung geht, die der Mensch mit Gott macht. Und im Grunde kann er nur von seiner Erfahrung berichten, die nicht bei allen gleich aussehen wird. Seine Ansätze haben auf jeden Fall viel für sich und bieten viel Stoff zum Nachdenken.
Was mich ein wenig gestört hat, war die stellenweise sehr ausufernde Wiederholung immer derselben Formulierungen, wenn es beispielsweise um diese innere, konkrete, unmissverständliche Erfahrung geht, die auch immer wieder genauso erwähnt wird. Außerdem hatte ich im zweiten Teil des Buches manchmal Schwierigkeiten, der Argumentation des Autors zu folgen. Teilweise waren seine Schlussfolgerungen mir zu radikal. So spricht er sich beispielsweise sehr deutlich gegen Meditation, Yoga und andere „spirituelle Praktiken“ aus, wie er sie nennt. Das erschien mir dann doch ein wenig zu pauschal und zu einseitig. Natürlich soll jedem selbst überlassen bleiben, wie er zu all diesen Dingen steht, doch mir fehlte hier ein wenig der Respekt vor anderen Meinungen, die ebenso gerechtfertigt sein können. Der Geist der Freiheit, der im ersten Teil durchschimmerte, hat sich also gegen Ende leider verflüchtigt. Anderes hat er meiner Meinung nach einfach übersprungen oder ist sehr leichtfertig darüber hinweggegangen, als würde sich das aus dem Vorausgegangenen von selbst erklären. Das tut es aber nicht immer.
Fazit: Das Buch hat einige Schwächen, aber auch viele Stärken. Insgesamt habe ich viel daraus mitgenommen und es auch schon ein zweites Mal zur Hand genommen. Es hat viele kluge und interessante Gedanken und versucht, ein gerechteres Bild vom Christentum zu schaffen. Von mir vier Sterne.

Bewertung vom 18.06.2018
Ich bin so frei
Ochs, Ille

Ich bin so frei


ausgezeichnet

Freiheit, sich zuzumuten

…Das ist eine der Überschriften aus dem Buch, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist. Muten wir uns den anderen zu, so wie wir sind? Oder versuchen wir, jemand anderen darzustellen, spielen wir vielleicht sogar etwas vor? Ille Ochs schreibt von einem Leben im Käfig, das sie selbst nur allzu gut kennt. Sie erzählt von Lebenslügen und was sie anrichten, von Leitsätzen, die zu Leidsätzen werden. Nicht zuletzt von Ansprüchen von uns selbst und anderen. All dies endet in einem Teufelskreis, aus dem wir nur schwer wieder hinauskommen, viele Menschen sogar nie. Sie verbringen ihr Leben lang auf einer Rennbahn, immer im Bemühen um Applaus, anstatt sich vergnügt auf einer Wiese zu tummeln.
Ille Ochs ist eine mutige Autorin, die sich nicht nur an den sicheren, distanzierten Ufern der Unnahbarkeit bewegt, sondern sich hinauswagt und sich selbst hineinnimmt in ihre Bücher. So schreibt sie nicht nur über andere und über uns als Leser, sondern vor allem über sich selbst und wie die ganze Geschichte bei ihr gelaufen ist. Der Klappentext ist zwar sehr allgemein gehalten und könnte auch zu einem mehr oder weniger spannenden Ratgeber passen, aber das hier ist alles andere. Es geht um Freiheit, ja, aber da ist niemand, der uns erzählt, wie wir sie erreichen können. Da erzählt lediglich jemand davon, wie er selbst sie erreicht hat und auch wie andere Menschen auf ihrem Weg vorangekommen sind. Das ist wesentlich lehrreicher als eine verallgemeinerte Anleitung, wie dieses oder jenes zu tun ist.
Ille Ochs vergleicht unser Leben mit einer Rennbahn, auf der wir unterwegs sind, um Applaus zu ernten. Wie wäre es stattdessen, übermütig auf einer Wiese herumtollen zu können? Sie spricht von Überforderung und zu gut gemeinten Ratschlägen, von Anpassung und Verantwortung. All dies sehr feinfühlig und verständnisvoll denjenigen gegenüber, bei denen die Dinge vielleicht (noch) nicht so gut laufen. Sehr wichtig ist ihr, zu betonen, dass der Grundstein für vieles Spätere schon ganz am Anfang gelegt wird. Immer wieder geht sie darauf ein, dass wir auf unsere Kinder achtgeben müssen und können. Was mir sehr gut gefällt, ist der Respekt, den sie allen gegenüber erweist. Das zeigt sich beispielsweise, wenn sie über Traumata schreibt und betont, dass man ein Trauma nicht kleinreden kann mit der Begründung, dass es anderen Menschen schlimmer ergangen ist. Das beweist sehr viel Einfühlungsvermögen und Empathie für ihre Mitmenschen, deren Schwierigkeiten sie somit ernst nimmt.
Am Ende jedes Abschnittes stellt sie Fragen, die man aber auch überspringen kann. Vielleicht springt die eine oder andere davon einen geradezu an. Es sind jedenfalls keine ellenlangen Fragenkataloge, sondern eher dezent gehaltene „Anstupser“.
Fazit: Man merkt, dass die Autorin in eigenen, manchmal leidvollen Erfahrungen Dinge gelernt hat, die sie mit anderen teilen möchte. Dies schafft sie, ohne dabei ständig einen Finger mahnend zu erheben oder Vorwürfe zu machen, ohne Verhaltensvorschriften und indiskrete Eingriffe. Für mich ein sehr gelungenes Buch, das ich gerne gelesen habe und auch anderen gerne weiterempfehle.

Bewertung vom 18.06.2018
Es gibt so viel, was man nicht muss
Sjödin, Tomas

Es gibt so viel, was man nicht muss


ausgezeichnet

Ein paar Minuten Zeit für die Ewigkeit

…Haben wir die in unserem vollgepackten Alltag hin und wieder? Tomas Sjödin möchte die Aufmerksamkeit auf all das lenken, was uns alltäglich und selbstverständlich erscheint. Dabei geht es ihm nicht in erster Linie darum, etwas Neues zu sagen, sondern eine Sprache zu finden für das, was wir alle manchmal fühlen und denken, woran wir aber oft kaum einen Gedanken verschwenden. Ein spezielles Oberthema gibt es dabei nicht. Es geht um Dinge, die wir nicht müssen, die wir brauchen und lieben, an die wir glauben und an denen wir zweifeln.
Diesen selbst gestellten Anspruch hat der Autor meines Erachtens wunderbar erfüllt. Mehr als einmal schien er mir direkt aus dem Herzen zu sprechen und hat es mir so leichtgemacht, das Buch mit großem Vergnügen zu lesen. Es stecken viele wertvolle Gedanken darin, die er in einer sehr sanften, aber klaren und eindringlichen Sprache so auf den Punkt bringt, dass die Sätze teilweise noch lange nachhallen. Beispielsweise bedauert er einen Wandel, den er beobachtet, wo unsere Gedanken sich verschieben: Weg von der Dankbarkeit für alles, was man erleben durfte, hin zu dem Bedauern über das, was man verpasst hat oder verpasst zu haben meint. Und auch andere, eher schädliche bzw. hinderliche Gedanken durchdringen unser tägliches Leben: Wir wollen genügen. Es gibt so viel zu tun. Da wird auch schnell mal schlecht über andere geredet, um selbst gut dazustehen. Aber Sjödins Botschaft ist ganz anders: Wir müssen nicht genügen. Hin und wieder sollten wir uns Zeit nehmen für ganz alltägliche Dinge, eben ein paar Minuten für die Ewigkeit. Und es gibt immer ein gutes Wort, das wir über einen anderen Menschen sagen können, und es lohnt sich, es zu sagen.
Sehr sympathisch an dem Autor ist, dass er die Welt, in der wir leben, nicht leugnet und auch nicht schönredet - aber eben auch nicht schlechter macht, als sie ist, und alle materiellen Dinge verteufelt. Er predigt keinen Rückzug aus der Welt, sondern eher ein friedliches Zusammenleben, ohne wiederum der Welt zu viel Macht zu geben. In dem ganzen Buch steckt so viel Hoffnung und so viel Gefühl. Man spürt die Liebe, die auch mal versagt, den Schmerz über das Versagen und die Hoffnung, in all dem aufgefangen zu werden. Tomas Sjödin schreibt über Fehler, ohne Vorwürfe zu machen oder zu verurteilen. Er schreibt über einen Gott, der das genauso wenig tut. Der im Leid bei uns ist, und schweigt, weil es da nichts zu sagen gibt. Es ist ein Gott, der für ihn so glaubhaft ist, weil es der einzige Gott ist, der weint. Ein sehr schönes Bild.
„Ich gehöre zu denen, die glauben, aber ich möchte auf keinen Fall zu denen gehören, die sich sicher sind“
Das Buch ist sehr gut strukturiert, sodass man die relativ kurzen Kapitel leicht zwischendurch lesen kann. Es handelt sich dabei um 77 Texte, die aus verschiedenen Kolumnen des Autors stammen. Meistens werden kurze Geschichten oder Anekdoten erzählt, die als Gedankenanstoß dienen. Bemerkenswert ist, dass der Autor all diese Geschichten vor allem auf sich selbst bezieht und zugibt, dass auch er eventuell noch zu lernen hat. Wie auch ein anderes Buch von Tomas Sjödin, welches ich vor kurzem gelesen habe, so hat dieses mir sehr gut gefallen.
Fazit: Die Lektüre von Tomas Sjödin macht etwas mit dem Leser, denke ich. Man lernt beim Lesen einen Menschen kennen, der alles, wovon er schreibt, selbst gefühlt oder durchgestanden hat und der somit weiß, wovon er schreibt. Das ist bei weitem nicht immer so deutlich zu spüren. Sjödins Texte sind ehrlich und heilsam, sie nehmen uns ernst und versuchen, uns einen Weg zu weisen.
„Vielleicht hat alles, was aus Liebe geschieht, einen Wert, der bleibt…ganz sicher sogar“
Es liegt eine tiefe Ehrfurcht vor dem Leben und jedem einzelnen Menschen, der es lebt, darin. Eine Haltung, vor der ich nur Respekt haben kann. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen. Eine Lektüre, die im Alltag vielleicht ein paar Minuten Zeit für die Ewigkeit bedeuten kann.

Bewertung vom 29.05.2018
Dein Leben ist ein wilder, wunderschöner Garten
Strickland, Danielle

Dein Leben ist ein wilder, wunderschöner Garten


ausgezeichnet

Das Chaos zulassen

Was machen wir, wenn unser Leben im Chaos versinkt? Wir wollen die Ordnung wiederherstellen, denn Chaos ist ein sehr beängstigender Zustand. Aber oft kann aus dem Chaos etwas Neues entstehen, so wie in dem wilden, ungebändigten Garten, mit dem Danielle Strickland unser Leben vergleicht. Wenn wir wachsen wollen, braucht es das Durcheinander, denn in der Ordnung folgt alles seinem vorgezeichneten Weg.
Dabei ist dieses Buch keineswegs ein typischer Ratgeber, der auf Klischees herumreitet und immer wieder das herunterbetet, was man schon hundertmal in anderen Büchern gelesen hat und was einen doch nicht so richtig weiterbringt. Das ist auch gar nicht das Ziel des Buches. Es ist vielmehr eine Einladung, sich auf das Chaos einzulassen, den Mut aufzubringen und mitten hinein zu springen. Und es geht darum, Gott zu vertrauen, der als Künstler diesen wilden Garten erschaffen hat und damit auch einen Plan verfolgt.
Wenn wir ehrlich sind, ist es ja so: Das Leben ist nun einmal unberechenbar und chaotisch, auch wenn wir noch so oft versuchen, alles nach unserem Plan zu ordnen. Daher sollten wir zu dem Chaos in unserem Leben stehen. Das Problem dabei ist nur, dass ein solches Eingeständnis allen gesellschaftlichen Schablonen widerspricht und als Zeichen von Schwäche aufgefasst wird. Doch das ist es keineswegs, wenn man sich bewusst macht, dass das eigene Leben sowieso immer eine Mischung aus Scheitern und Erfolg, Mut und Furcht, Glaube und Zweifel ist. Wer kann da noch behaupten, dass alles immer seine Ordnung hat? In diesem Buch nimmt die Autorin den Kreislauf der Natur als Vergleich und schreibt von den Voraussetzungen für Wachstum, sowohl in einem Garten als auch im eigenen Leben. Es beginnt mit Licht, das uns den Weg weist, auch wenn wir auf diesem Weg an dunkle Orte gelangen. Dann wird das Leben größer, bekommt mehr Raum, wenn wir nicht nur das sehen, was direkt vor Augen ist. Und, wer springt, muss natürlich auch landen, Wurzeln schlagen. Auch die unterschiedlichen Jahreszeiten mit ihren je eigenen Herausforderungen geben uns die Möglichkeit, an ihnen zu wachsen, ohne immer den Sommer herbeizusehnen. Schließlich merken wir, dass unser Leben manchmal einfach klingt, aber ziemlich komplex ist, und manchmal auch komplex wirkt, aber eigentlich ganz einfach ist.
Das Buch ist sehr schön geschrieben und verliert sich weder in theologischen Ausführungen noch in komplizierten Formulierungen. Die Autorin erzählt nicht nur von unserem, sondern auch von ihrem eigenen Leben. Sie möchte uns dazu ermuntern, uns fallen zu lassen, in dem Wissen, dass jemand uns fängt. Man merkt, dass sie selbst diesen Weg gegangen ist und immer noch geht, sonst könnte sie nicht so eindringlich davon schreiben. Das Buch ist dabei keineswegs rein angenehme Lektüre, sondern fordert uns auch dazu auf, Fragen zu stellen. Am Schluss jedes Kapitels findet sich eine Liste von Fragen, die der Leser sich selbst stellen kann.
Fazit: Ein absolut lesenswertes und wertvolles Buch, klug und weitsichtig geschrieben, voller Anregungen und Fragen. Ein Buch über unser wildes Leben, das gleichzeitig wunderschön ist.

Bewertung vom 06.04.2018
Der falsche Amerikaner
Barsky, Jack

Der falsche Amerikaner


sehr gut

Spannender Blick hinter die Spionage-Kulissen
Albrecht Dittrich, William Dyson, Jack Barsky – wer ist dieser Mann, der so viele Namen hatte? Im Auftrag des KGB wurde er im Kalten Krieg in die USA eingeschleust und begann dort unter dem Namen Jack Barsky ein Doppelleben zu führen. Nach außen ein ganz normaler Familienvater, aber insgeheim führte er Geheimaufträge für den KGB aus. Doch schließlich änderte sich seine Loyalität.
Eine beeindruckende und überaus spannende Geschichte. Selten bekommt man so einen Einblick in das Leben eines Spions zur Zeit des Kalten Krieges. Dass es sie gab, wissen wir im Grunde alle, aber mehr auch nicht. Jack Barsky wagte einen mutigen Schritt, als er sich im Land des „Feindes“, das zu seiner Heimat geworden war, dazu entschloss, den KGB hinter sich zu lassen. Doch zunächst erfahren wir in seinem Buch, wie es überhaupt dazu kam, dass er Spion wurde. Seine Kindheit war dafür ebenso ausschlaggebend wie seine Schul- und Studienzeit. Schließlich erfordert es eine besondere Geisteshaltung, um Agent zu werden: Loyalität dem eigenen Land gegenüber, die bedingungslose Überzeugung, dass man im Recht ist und der andere der Feind, Abhärtung und Gefühlskälte. Über all dies verfügte Jack Barsky, zumindest eine Zeit lang. Im Nachhinein sagt er, dass er zu einer ungünstigen Zeit an einem ungünstigen Ort geboren wurde. Auch die ständige Knappheit an praktisch allem, die damals in Ostdeutschland vorherrschte, trug zu seiner Entwicklung bei.
Er schreibt klar und spricht, schonungslos sich selbst gegenüber, von allen Fehlern, die er begangen hat und Entscheidungen, die er treffen musste. Eine Ehrlichkeit, die ihn sehr menschlich und sympathisch und das Buch lesenswert macht. Es war mit Sicherheit nicht einfach, über all diese Dinge zu berichten. Aber Jack wollte endlich mit der Vergangenheit abschließen und sich dem zuwenden, was er in den USA gefunden hat und was ihn schließlich verändert hat: den Menschen, die er liebt. Als er seine neugeborene Tochter das erste Mal sah, wurde er von solch einer bedingungslosen Liebe überwältigt, dass er sie später, als der Befehl zum Rückzug kam, nicht einfach im Stich lassen konnte.
Fazit: Eine weitere Geschichte, die zeigt, was das Leben manchmal für merkwürdige Wege geht. Auf jeden Fall ein sehr spannendes Buch mit einer außergewöhnlichen Geschichte. Jedoch, das ist mein einziger Kritikpunkt, steht größtenteils die spannende Geschichte zu sehr im Vordergrund, während Gedanken und Gefühle zurückstehen müssen. Oft werden Entwicklungen auch schon in Andeutungen vorweggenommen. Dennoch ein wirklich lesenswertes Buch.

Bewertung vom 19.03.2018
Die unerhörte Leichtigkeit des Glaubens
Haak, Rainer

Die unerhörte Leichtigkeit des Glaubens


ausgezeichnet

Es geht um alles
…davon ist Rainer Haak überzeugt, wenn er vom christlichen Glauben spricht. Dabei meint er nicht etwa einen angestaubten, schweren, kaum zu erreichenden Glauben, der sich aus Regeln und Glaubensinhalten speist. Nein, es geht um einen leichten, vertrauens- und liebevollen Glauben, der Geborgenheit vermittelt, Wachstum ermöglicht und Lebendigkeit schenkt.
Mal wieder ein kleines Büchlein, das mich sehr positiv überrascht hat. Da steckt wirklich eine Menge drin! Zunächst einmal haben wir es hier mit einer Sichtweise des christlichen Glaubens zu tun, die so konsequent sehr selten in christlichen Büchern anzutreffen ist. Einer Sichtweise, die davon ausgeht, dass der Glaube uns keineswegs klein machen, auf die Knie zwingen und unter Druck setzen will. Gleichzeitig ist für den Autor der Glaube auch kein Selbstläufer mit Wohlfühlgarantie. Aber was ihn wirklich ausmacht, das kann man in drei Stufen zusammenfassen: Geborgenheit, Wachstum und Veränderung, Liebe und Lebendigkeit. Um sich mit diesen Stufen intensiver auseinanderzusetzen wählt er einen sehr schönen Weg: Er bringt Farbe in die ganze Sache, z.B. Blau für Geborgenheit. Außerdem lässt er fiktiv seine Seele und seinen Verstand gemeinsam durch seine Innenwelt schlendern. Die beiden beginnen, sich anzufreunden; sie sprechen über die unterschiedlichen Glaubensstufen und am Schluss endet die ganze Geschichte in einem rauschenden Fest, zu dem alle Gefühle als Gäste geladen sind. Dies ist ein ebenso kreativer wie feinfühliger Weg, sich an das Thema ranzutasten.
Ich habe an dem Buch wirklich nichts auszusetzen. Der Autor schreibt sehr lebendig und schön, sodass allein das Lesen Freude bereitet. Dazu kommt dann noch der wirklich lesenswerte Inhalt, sehr liebevoll aufbereitet. Er hält, was er mit dem Titel des Buches verspricht, und führt den Leser vorsichtig in eine Welt, in der Glaube weit weg von allen Dogmen und festgefahrenen Regeln etwas ist, das gelebt und geliebt werden will.
Fazit: Vor allem für die Kürze des Buches ist der Inhalt sehr intensiv. Er bringt zum Nachdenken und vielleicht zu einer neuen Perspektive auf den Glauben. Dabei kommt der Autor aber nicht etwa mit drohend erhobenem Zeigefinger daher, genauso wenig wie er versucht, alles schön- und einfachzureden. Eine sehr gelungene Mischung, die ich nur weiterempfehlen kann.