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Petra Sch.
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Gablitz

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Insgesamt 599 Bewertungen
Bewertung vom 09.01.2026
Maly, Beate

Mord auf der Trabrennbahn


ausgezeichnet

Zwei Todesfälle auf der Trabrennbahn

Wien, Spätfrühling 1925: Die pensionierte Lateinlehrerein Ernestine Kirsch und ihr Freund (mittlerweile ihr fester ;) Anton Böck, ehemaliger Apotheker, besuchen zum ersten Mal die Trabrennbahn in der Krieau. Ernestine ist ganz verzückt von der Atmosphäre, der Kleidung (es gibt sogar eine Hut-Modenschau!), dem neuen Prickelwasser (Sekt), der kostenlos ausgeschenkt wird, und das aufregende Wetten. Anton hingegen hätte lieber einen Gugelhupf in der Meierei in der Praterallee.
Doch dann muss das Rennen noch vor dem Start abgesagt werden, da einer der Jockeys, ein Geheimfavorit, tödlich verunglückt ist.
Und am nächsten Rennwochenende kommt einer der beiden Schaumweinwinzer zu Tode, dessen Aufklärung der Polizist Erich Felsberg, Antons Bald-Schwiegersohn, übernimmt. Klar, dass Ernestine ihm helfen muss, da sie auch hinter dem Tod des Jockeys ein Verbrechen vermutet.

Dies ist der 7. Fall für Ernestine und Anton; die Bände können eigenständig gelesen werden, da die Fälle abgeschlossen sind. Die private Entwicklung der beiden und sämtlicher anderer handelnden Personen baut natürlich ab Band 1 auf.
So sind Ernestine und Anton nun ein festes Paar und bauen das Kutscherhaus zu einem gemeinsamen Refugium um, sodass Antons Tochter Heide mit ihrer Tochter Rosa und ihrem Bräutigam Erich die Wohnung über der Apotheke vergrößern kann. Auch eine Hochzeit steht ins Haus.

Ich mag Ernestines Neugier und Hartnäckigkeit, aber auch Antons Grummeligkeit. Wie er im Anzug aus dem (wortwörtlich) vorigen Jahrhundert zur Trabrennbahn kommt und dann not amused ist, dass er sich für die Hochzeit seiner Tochter einen neuen Anzug kaufen muss. Und eigentlich mit den Ermittlungen gar nichts zu tun haben will, sich aber Ernestine zuliebe fügt (und allem Widerwillen zum Trotz hat er eine gute Beobachtungs- und Kombinationsgabe und trägt auch zur Auflösung des Falls bei!) Und Ernestine, wie sie Anton zur Versöhnung und zum Lob immer kulinarische Köstlichkeiten zukommen lässt (denn er isst ja für sein Leben gern.)
Übrigens erfährt man viel Interessantes über das alte Wien. Das Kaufhaus Herzmansky zB war mir natürlich ein Begriff, aber Infos zur Geschichte des Hauses habe ich recherchiert. Oder das Norbertinum in Tullnerbach, das ich nur als Schule kenne, das mal ein Waisenhaus der katholischen Kirche war. Auch die Geschichte des Wiener Gebär- und Findelhauses ist spannend dargestellt sowie die neu eingeführte Wett-Steuer, die der Stadt Wien dringend notwendige Einnahmen bescherten.

Die Auflösung ist ziemlich komplex; man fragt sich immer wieder, warum Ernestine eine Verbindung vermutet. Manchmal kann ich ihren Gedankengängen gar nicht so schnell folgen, aber sie hat eine gute Kombinationsgabe und das Motiv für die Todesfälle ist traurig, aber spiegelt die Lebenseinstellung der Menschen der damaligen Zeit authentisch wider.


Fazit:
Ein komplexer 7. Fall für Ernestine Kirsch und Anton Böck, die diesmal Todesfälle auf der Trabrennbahn Krieau lösen müssen. Humorvoller historischer Cosy Crime im Wien des Jahres 1925.

Bewertung vom 07.01.2026
Beckett, Simon

Knochenkälte / David Hunter Bd.7


sehr gut

David Hunters 7. Fall: eisige Kälte, abgeschiedene Düsternis und verborgene Knochen

Im lang erwarteten 7. Band der Reihe verirrt sich der forensische Anthropologe Dr. Robert Hunter im Wintersturm im Gebirge und landet in dem kleinen Kaff Edendale, das sehr abgeschnitten liegt.
Aus der Heimfahrt am nächsten Tag wird nichts, denn die Brücke, der einzige Weg aus dem Dorf hinaus, ist abgerissen.
Zu allem Überfluss ist auch noch der Strom weg. Und in dieser Düsternis stößt David Hunter im Wald bergan, wo er eigentlich nach Handyempfang gesucht hat, auf ein Skelett, das in den Wurzeln einer vom Sturm umgerissenen Fichte hängt.

Zu Beginn dauert es etwas, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt. Das ganze Drumherum, wie und warum Hunter in Edendale landet, hätte für meinen Geschmack etwas kürzer sein können.
Auch die vielen handelnden Personen sind erstmal unzählig; doch alle sind lebendig gezeichnet. Ein bisschen Klischee ist auch mit dabei: eine mürrische Familie, die Beddoes, dessen bösartiges Oberhaupt seine Familie und das Dorf fest im Griff hat; Hooley, ein Schlägertyp, das Anhängsel dieser Familie, und die Einwohner, die Hunter abweisend gegenübertreten.
Doch es gibt auch freundliche Menschen: Maud, die Chefin der Fichtenplantage, die erstmal ablehnend ist; und natürlich Jon Reese, dessen Frau Nisha und Baby Kiran, die David bei sich im "Hotel" aufgenommen haben.

Ich mag den Schreibstil von Simon Beckett sehr, er ist wirklich mitreißend. Und auch wenn dieser Hunter-Thriller ein anderer ist als gewohnt, fand ich auch hier den Spannungsbogen konstant aufrecht. Und durch sein Wissen und seine Erfahrung kann David Hunter auch ohne Leichenhalle und Technik ein Skelett zuordnen: Geschlecht, Alter, Abstammung; und wie lange es schon im Erdreich liegt.
Auch wenn mir das Geheimnis um das Skelett schnell klar war, hat sich die ganze Geschichte dann erst nach und nach komplett aufgedeckt.

Dieses Buch lebt aufgrund der fehlenden 'echten' Forensik-Arbeit von der lebendigen Beschreibung der Landschaft und der Atmosphäre. Man hat die schroffen Berge, die düstere Fichtenplantage und den Fluss genau vor Augen und fühlt die eisige Kälte, den Schnee; aber auch die Kraftanstrengungen und die Verletzungen mit. Schnee, Eis, Kälte, und die isolierte Abgeschiedenheit sowie der Fund der verborgenen Skelette (logisch, dass eines nicht genug ist ;) bringen Spannung.
Zu offensichtlich war mir allerdings der Täter; doch es gibt natürlich auch einige überraschende Wendungen.


Fazit:
Ein etwas anderer 7. Fall für David Hunter. Für mich sehr spannend. Doch ich finde, das Buch lebt von der anschaulichen Beschreibung der unwirtlichen Landschaft, der eisigen Atmosphäre und der gruseligen, stromlosen Abgeschiedenheit des Dorfes mit den grimmigen Einwohnern.

Bewertung vom 03.01.2026
Fitzek, Sebastian

Horror-Date


sehr gut

humorig und zum Nachdenken anregend

Für mich war "Horror-Date" der erste nicht-Thriller von Sebastian Fitzek und ich war schon seeehr gespannt, ob er auch lustig kann. Kann er! Hier aber gemischt mit einem sehr ersten Thema.
Denn Raphael ist unheilbar krank. Und möchte deshalb noch einmal ein Date haben, weshalb er sich bei "The Walking Date", angemeldet hat , einer Dating-Plattform für Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben, und dort die ebenfalls sterbenskranke Nala kennengelernt hat. Die beiden haben den gleichen Humor und sie verbindet ihre Liebe zur Literatur.
Als es jedoch zu einem echten Treffen kommen soll, kriegt Raphael kalte Füße und schickt seinen besten Freund Julius zu dem Date.
Doch Julius ist das komplette Gegenteil von Raphael und soll eigentlich in wenigen Tagen heiraten - und so kommt es, wie es kommen muss: das Treffen wird zum Horror-Date.

Die Idee einer Dating-Plattform für todkranke Menschen, fand ich interessant.
Und der chaotische Julius, der erstmals sehr oberflächlich erscheint, und sein bester Freund sind wie Tag und Nacht. Und trotzdem - oder gerade deshalb - so gute Freunde. Toll fand ich, dass Julius zum Date geht, weil es Raphael dafür zu schlecht geht. Obwohl er doch bald heiraten soll und auf ein Treffen mit einer Fremden so gar keine Lust hat. Und auch nicht sofort abhaut, als es anfängt, so richtig schief zu laufen. Da merkt man, dass ihm sein Freund wirklich sehr wichtig ist.
Manchmal war mir die Geschichte zu gewollt lustig, und für manche Menschen kann dies gerade bei so einem sensiblen Thema unpassend erscheinen.
Ich wurde jedenfalls gut unterhalten, auch durch überraschende Wendungen; aber auch zum Nachdenken angeregt.


Fazit:
Ein sehr sensibles Thema mit etwas zu viel Humor verarbeitet. Wenn es einen nicht triggert, dann ist es sehr unterhaltsam und regt zum Nachdenken an.

Bewertung vom 03.01.2026
Lloyd, Ellery

Das geheime Bildnis


sehr gut

komplexe Familiengeschichte und ein Kunst-Kriminalfall

Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen; zu Beginn ist es nur im Prolog ein Krimi (in der Gegenwart wurde Patrick wegen Mordes verhaftet - aber an wem und warum?), danach eher eine komplexe Familiengeschichte.
Im Jahr 1991 liest man abwechselnd in ich-Form aus Sicht von Caroline und Patrick; und dann gibt es noch Auszüge aus Juliette Willoughbys Tagebuch aus dem Jahr 1938.

Man begleitet abwechselnd Patrick und Caroline, dadurch baut man schnell eine Beziehung zu den beiden Figuren auf.
Man springt immer wieder in den Zeitebenen umher, somit erfährt man erst nach und nach alle Infos und die Puzzlestückchen fallen erst sukzessive an ihren Platz.
Durch die leicht zu lesende Schreibweise und die gute Strukturierung weiß man immer, wo man sich befindet und alles ist trotz der komplexen Handlung und den Verflechtungen gut nachvollziehbar.
Der Roman beinhaltet eine Vielfalt an Themen; eine Mischung aus Kunst, die einen hohen Stellenwert hat und Familiengeheimnissen. Für mich war es weniger ein Krimi, sondern eher eine Familiengeschichte, die auf mehreren Zeitebenen spielt. Und solche Familiengeschichten haben ja auch immer ihre dunklen Geheimnisse.

Durch die Komplexität und die aufwühlende Geschichte einer Familie über mehrere Generationen war man immer gefesselt; und die Auflösung war authentisch und nachvollziehbar.
Schicht um Schicht werden die Geheimnisse langsam aufgedeckt, was manchmal ruhig etwas schneller hätte passieren dürfen.


Fazit:
Für mich war es weniger ein Krimi, sondern eher eine komplexe Familiengeschichte, die auf mehreren Zeitebenen spielt. Und solche Familiengeschichten haben ja auch immer ihre dunklen Geheimnisse.

Bewertung vom 28.12.2025
Winkelmann, Andreas

Entführung im Himmelreich / Mord auf Achse Bd.2


ausgezeichnet

unterhaltsame Fortsetzung der Camping-Krimi-Reihe

4,5 Sterne

Im zweiten Teil der Krimi-Reihe, die am Campingplatz Himmelreich nahe Berlin spielt, trifft man wieder auf alle Bekannten, die ich alle ins Herz geschlossen hab. Allen voran der kauzige Björn Kupernikus, Schauspieler a.D., der nun in der Rente Gefallen am Ermitteln gefunden hat (immerhin hat er da jahrelang geübt für die Rolle des Tatort-Kommissars. Leider hat er die Rolle nie bekommen.) Dann ist da noch Annabelle Schäfer, eine ehemalige Lehrerin, die sehr achtsam ist und der Dinge auffallen, die Kupernikus dann mit seiner guten Kombinationsgabe zu einem fertigen Puzzle zusammensetzen kann. Außerdem korrigiert sie immer seine Grammatik. Das finde ich gut, ich mag richtige Grammatik. Die beiden begleitet die supersüße Hundedame namens Pinguin, zu der sie im vorigen Band gekommen sind. Und dann ist da noch der junge und sympathische "Mädchen für alles" vom Campingplatz, Thiago, halb Brasilianer, halb Finne, der humorig und mit Jugendsprache mutig durchs Leben schreitet.

Total spannend und interessant fand ich wieder die Infos über den Mikrokosmos Campingplatz, der im Herbst fast nur noch von Dauercampern belegt ist und es dann natürlich viel ruhiger dort ist.
Denkt man - doch nun ist der Bäcker des Ortes Caputh verschwunden, der eigentlich gerade auf dem Weg zum Himmelreich war, um die Frühstücksbrötchen auszuliefern. Kupernikus hat den Bäckerwagen beim Gassi-Gehen gefunden.
Dann wird noch ins Hausboot von Solveig Bach eingebrochen, wobei sie angegriffen wird.
Und eine Leiche gibt es natürlich auch: ein unbekannter junger Mann im Schockfroster der Bäckerei.

Der Schreibstil ist sehr humorvoll und besonders witzig fand ich diesmal die Behandlungen (bzw. eher Exorzismus-Sitzungen), die Schauspieler und Synchronsprecher Charles Rettinghaus von seiner Hausboot-Nachbarin Solveig über sich ergehen lassen musste. Denn sie möchte, dass all ihre Mitmenschen mit dem Universum verschmelzen. ;)

In der Buchklappe gibt es wieder einen hilfreichen Übersichtsplan, auf dem man die Wege von Kupernikus und Annabelle nachvollziehen kann.
Achja, die Auflösung des Falls ist weniger aufregend als erwartet, jedoch sehr lebensnah, und wäre ohne Annabelles und Kupernikus' Hilfe wieder nicht möglich gewesen, denn der Caputher Kommissar Edgar Fass hat leider immer noch Scheuklappen auf; doch er wird langsam lockerer (auch mithilfe der Rechtsmedizinerin Sabrina Petrich ;) und springt über seinen Schatten, indem er dann doch noch (widerwillig) Kupernikus' Hilfe annimmt.


Fazit:
Auch im 2. Band kann das schrullige (Rentner-)Ermittler-Dream-Team mit viel Einsatz, Humor, Mut und Kombinationsgabe überzeugen und ich freue mich sehr auf weitere Campingplatz-Fälle!

Bewertung vom 23.12.2025
Osman, Richard

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code / Die Mordclub-Serie Bd.5


ausgezeichnet

der 5. Fall für die Oldies von Coopers Chase und ein unlösbarer Code

Als auf der Hochzeit von Joyce' Tochter Joanna mit Paul der Trauzeuge des Bräutigams, Nick Silver, zu Elizabeth kommt und diese um Hilfe bittet, da er unter seinem Auto eine Bombe gefunden hat, geht das Chaos wieder los.
Eigentlich hatten die vier Senioren des Donnerstagsmorclubs genug von Mordermittlungen - doch diese hier weckt Elizabeth' Kampfgeist wieder und sie erwacht aus ihrer Trauerphase.
Es stellt sich heraus, dass Nick mit Holly Lewis ein Unternehmen gegründet hat, das heikle und wertvolle Dinge geheim lagert. Unter anderem auch die Bitcoins einer ihrer ersten Bezahlungen - die nun das Vielfache Wert sind! Und daran kommt man nur mit einem speziellen Code, der der Grund für die Bedrohung ist.
Kann der Donnerstagsmordclub den Code knacken und Nick und Holly retten?

Man fühlt sich sofort wieder wohl in der Welt der Luxus-Seniorenresidenz und trifft wieder auf die alten Bekannten Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim. Natürlich auch auf das "Mädchen für alles", Bogdan (den ich aufgrund seiner Art sehr ins Herz geschlossen habe), und seine Freundin, die Polizistin Donna.
Der Schreibstil ist wie gewohnt humorig, mit britischem Charme. Ich mag diesen speziellen Erzählstil sehr!
Auch die Entwicklung der Protagonisten gefällt mir. Ja, sie sind alle schon im gehobenen Alter, trotzdem haben sie Schicksalsschläge zu verkraften, die sie verändert.
Elizabeth kommt nur aus ihrem Depressions-Trauer-Loch nach dem Tod ihres Mannes Stephen heraus, weil sie dieser Fall einfach packt, auch wenn sie das gar nicht will.
Ibrahim will immer noch die Verbrecherin Connie therapieren; und kommt so zu einer Nachwuchs-Gangsterin.
Und Ron hat mit seinen erwachsenen Kindern zu kämpfen - Tochter Suzie ist mit einem Gewalttäter verheiratet. Diese Nebengeschichte fand ich übrigens auch total spannend!
Und Joyce ist erwachsen geworden: sie lässt ihrer Tochter den Freiraum, den diese braucht, um sie so fester an sich zu binden. Ich habe mich richtig gefreut, dass die Beziehung der beiden sich angenähert hat.

Achja, und der Fall selbst: außergewöhnlich, ungewöhnlich, spannend. Ja, es gibt Tote. Ja, die Vier bringen sich selbst wieder in Gefahr. Und ja, der Donnerstagsmordclub kann das Rätsel um die Codes lösen. (ich glaub, so viel darf ich spoilern ;)


Fazit:
Ein außergewöhnlicher fünfter Fall für die vier liebevoll-skurrilen Senioren aus Coopers Chase; mit britischem Charme und Humor.

Bewertung vom 13.12.2025
Mullen, Kelly

Die Einladung - Mord nur für geladene Gäste


gut

ein Locked-Room Whodunit à la Agatha Christie

3,5 Sterne

Die 77jährige Mimi MacLaine lebt auf der kleinen und ruhigen Insel Mackinac Island im Huronsee, nahe der Grenze zu Kanada.
Eines Tages erhält sie überraschend eine Einladung ihrer Nachbarin Jane Ireland zu einer Auktion auf deren Familienanwesen, das in vergangenen Zeiten als Schmuggelplatz und Flüsterkneipe genutzt wurde.
Jedoch nicht nur, dass Mimi zu Jane keinen Kontakt hatte, ist die Einladung auch noch eine Erpressung: wenn sie nicht erscheint und ein bestimmtes Manga ersteigert, wird Mimis dunkles Geheimnis veröffentlicht.
Also schnappt sich Mimi als Verstärkung ihre Nichte Addie, eine Gamedesignerin, mit der sie jedoch schon länger keinen Kontakt mehr hatte, und verbringt neben 7 weiteren Gästen (die natürlich auch alle Geheimnisse haben) den verschneiten Abend mit den Gastgebern Jane Ireland und deren Lebensgefährten Matthew (der auch ihr Schwiegersohn ist).
Bis es einen Mord gibt - und zwar die Gastgeberin höchstselbst!

Das alte Anwesen und die eisigkalten Wetterbedingungen des Schneesturms, aufgrund dessen die Gäste eingeschlossen sind und die Polizei nicht kommen kann, sind eindrücklich beschrieben. Ich hatte oft Gänsehaut, weil ich alles genau vor Augen hatte. Und die Geschichte des Schmuggels zur Zeiten der Prohibition ist mit dem alten Anwesen der Irelands spannend erzählt.
Die vielen handelnden Figuren hatten mich anfangs oft durcheinander gebracht; ich fand einige schwer zuzuordnen. Die Hilfreichen Steckbriefe in den Buchklappen habe ich leider erst nach Beenden der Lektüre gefunden ;)
Da die Gesellschaft von der Außenwelt abgeschnitten ist, glaubt Mimi, ermitteln zu müssen. Addie kommt aufgrund ihrer Arbeit auch schnell auf den Geschmack - immerhin entwickelt sie die Storylines eines beliebten Locked-Room-Online-Games.
Die Erwähnung des Spiels "Murderscape" und warum Addies Gedankengänge so sind, wie sie sind, hätte für meinen Geschmack nicht ständig sein müssen. Nach zweimaliger Erwähnung war mir schon klar, dass Addie eine Krimi-Spiel-Entwicklerin ist und eben so denkt, wie es in ihrem Game notwendig ist. Auch wenn es hier echte Todesfälle gab, war ihre Denkweise manchmal nützlich - auch wenn es einem so vorkam, als würde gefühlt nur Mimi ermitteln. Oder nein, ermitteln tun beide Frauen, aber Mimi fällt alles Ungewöhnliche auf und Mimi kombiniert diese Dinge zu einem sinnvollen roten Faden. Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl, Addie wäre gar nicht nötig gewesen. Obwohl doch SIE die Krimi-Game-Entwicklerin ist.

Leider bin ich mit den beiden Hauptfiguren nicht so ganz warm geworden; auch die anderen Figuren blieben eher blass.
Die Ermittlungsarbeit selbst war für mich zu viel "Herumgehüpfe", ich bin mit den Handlungs- und Gedankensprüngen oft gar nicht mehr mitgekommen.
Und auch die Gedankengänge von Addie und Mimi zur Auflösung konnte ich nicht soo ganz nachvollziehen. Wieso wussten sie plötzlich, wer der Mörder war? Trotz Erklärung blieb mir das etwas rätselhaft.
Die Auflösung selbst (also das Motiv) war dann nachvollziehbar, aber leider wenig spektakulär.
Alles in allem ein netter Locked-Room-Krimi für kalte Tage, der mich aber nicht so ganz überzeugen konnte.


Fazit:
Ein Locked-Room-Krimi im Stil 'Whodunit' à la Agatha Christie mit zwei speziellen Ermittlerinnen, deren Handlungs- und Gedankensprünge mich manchmal verwirrt haben. Auch die Auflösung konnte mich nicht so ganz abholen.

Bewertung vom 08.12.2025
Poznanski, Ursula

Erebos Bd.3


sehr gut

Teil 3 um Nick und das grausame Computerspiel Erebos

Erebos ist zurück , ein Mädchen ist verschwunden - und Nick muss wieder als Dunkelelf Sarius mitspielen. Kann er das Spiel ein drittes Mal besiegen?

Auch wenn es schon länger her ist, dass ich Erebos 1 und 2 gelesen habe, ist man sofort wieder mittendrin in der Welt dieses Computerspiels, das nicht nur ein Computer-Spiel ist. Und in Nicks Leben, der als wirklich sympathischer und empathischer Charakter gezeichnet ist und versucht, mit den strengen Vorgaben von Erebos sein Leben und das seiner Spielfigur Sarius bestmöglich zu meistern. (Und im Spiel heißt das: überleben.)

Nick ist nun erwachsen und arbeitet als Fotograf, doch sein Job läuft nicht recht gut, er hat kaum Aufträge.
Sein Freund Victor, den ich immer schon sehr mochte, weil er so witzig und gefinkelt ist, ist auch wieder dabei.
Man fiebert mit Nick von der ersten Seite an mit und ist wieder genauso fasziniert von dieser dunklen, düsteren Spielewelt (die hier aber leider nicht ganz so detailliert gezeichnet ist wie in den Vorgängerbänden), in der Dunkelelfen, Vampire, Barbaren, Werwölfe und andere fantastische Wesen Kämpfe bestreiten und Rätsel lösen müssen. Doch nicht nur in der virtuellen Welt; auch in der realen Welt müssen Aufträge erledigt werden.
Die Spieler müssen Horden zu je 10 Figuren bilden, um Rätsel zu lösen und etwas oder jemanden zu finden. Jedoch erhalten sie keine genaueren Hinweise. Man rätselt ebenso mit und ist auch ebenso ratlos wie Nick. WAS sollen diese Zeichen, Hinweise und Andeutungen bloß bedeuten?

Ich habe mich diesmal jedoch lange gefragt, was genau der Sinn hinter Erbos ist; bzw. warum sich das Spiel nach so langer Zeit wieder aktiviert hat. Denn Erebos weiß, worum es geht, wer beteiligt ist usw. Warum also in der virtuellen Welt Mitstreiter finden für eine Sache, die man in der realen Welt leicht hätte anzeigen können? Bzw. kam es mir so vor, dass Erebos überhaupt der Grund für die kriminellen Handlungen war - also somit total widersächlich.
Leider hat mich die Auflösung bzw. Begründung nicht ganz überzeugt - oder ich hab es einfach nicht richtig verstanden ;)


Fazit:
Obwohl mich Motiv und Auflösung nicht so ganz überzeugen konnten, weiß Ursula Poznanski mit Schreibstil und Verlauf zu fesseln. Der Spannungsbogen ist konstant aufrecht und man fiebert mit Nick von der ersten bis zur letzten Seite mit!!

Bewertung vom 30.11.2025
Lehnertz, Waldi

Mord am Schätztag / Siggi Malich ermittelt Bd.2


sehr gut

Der zweite Todesfall für den Antiquitätenhändler Siggi

Im zweiten Teil der Reihe um den Antiquitätenhändler Siggi Malich findet dieser - nur wenige Wochen nach seinem ersten Toten - schon wieder einen auf seinem Gelände. Und zwar passiert dies am Schätztag, zu dem viele Leute aus der Umgebung kommen, um ihre 'wertvollen' Funde von Siggi und dessen Freund, dem Kunstexperten Anton Schauer, schätzen zu lassen. Die männliche Leiche liegt im nachgebauten Trevi-Brunnen (den Siggi endlich mal loswerden möchte), ertrunken im dreckigen Regenwasser; eine römische Säule auf ihm zerbrochen.
Als am nächsten Tag auch noch Siggis Freundin Doro verschwunden ist und er seine Hündin Lola in einer Kammer eingesperrt findet, macht er sich mit Anton selbst auf die Suche, denn der Polizei in Form von Gunnar (den er ja nicht leiden kann) vertraut er nicht. Warum ist der Mann auf seinem Hof ermordet worden? War es wegen dem Koffer mit Krempel, den er kurz zuvor an Siggi verkauft hat? Oder hätte gar Siggi selbst das Opfer sein sollen? Denn der Tote sah ihm (zumindest von hinten) zum Verwechseln ähnlich.

Wie schon im ersten Band ist man sofort mitten in Siggis Antiquitäten-Welt, und hat beim Lesen natürlich den Autor selbst vor Augen. Denn Siggi ist ein wahrlich einwandfreies Abbild von 80€-Waldi ;)
Der Schreibstil ist wieder eher einfach gehalten, aber dadurch und die viele direkte Rede sehr lebendig - man hat Siggis Laden "Kunst und Kurioses" samt Hof genau vor Augen!
Und alle Charaktere sind detailliert ausgearbeitet; jeder hat so seine Schrullen und Macken, und genau das macht es so unterhaltsam und lebendig.

Doros Vater Isä lernt man nun auch kennen; der alte Mann ist genauso verschroben, aber liebenswert wie seine Tochter.
Anton ist Siggi eine große Hilfe, ich fand ihn sehr sympathisch und kompetent - nicht nur in Sachen Antiquitäten.
Doro mochte ich, wie auch im ersten Teil, durch ihre chaotische Art wieder ganz besonders. Sie peppt Siggis Leben auf und macht die Geschichte noch humorvoller.
So richtig überrascht hat mich diesmal aber Gunnar! Kommt er im ersten Band noch als inkompetent, faul und (v.a. Siggi gegenüber) abwehrend daher, ist er diesmal - auch wenn er den Todesfall, da er Siggi betrifft, immer noch nicht soo ganz ernst nimmt - tatsächlich auf zack und ermittelt (leider versteckt im Hintergrund).

Die Auflösung war für mich nicht komplett nachvollziehbar, da mir der Grund für Doros Entführung nicht so ganz klar war. Aber Doro selbst hat es ja auch nicht verstanden ;)


Fazit:
Unterhaltsamer zweiter Fall für den Antiquitätenhändler Siggi Malich, der schon wieder einen Toten auf seinem Gelände findet. Doro ist wieder die Beste!!

Bewertung vom 30.11.2025
Lehnertz, Waldi

Mord im Antiquitätenladen / Siggi Malich ermittelt Bd.1


sehr gut

Auftakt der Reihe um Antiquitätenhändler Siggi, der ungewollt einen Mord aufklären muss

Als der Antiquitätenhändler Siggi Malich nach Hause kommt, bemerkt er, dass die Tür zu seinem Antiquitätenladen aufgebrochen und die Kamera an der Tür ausgeschalten worden ist. Und in einem Sessel in seinem Laden "Kunst und Kurioses" sitzt ein Toter.
Als der Polizist Gunnar (den er nicht leiden kann) eintrifft, ist von der Leiche jedoch keine Spur mehr zu sehen. Gunnar glaubt Siggi natürlich kein Wort.
Und eine neue Putzfrau hat Siggi auch plötzlich ganz ungewollt bekommen.

Der Auftakt der Reihe um den Antiquitätenhändler Siggi hat mich gut unterhalten; der Schreibstil ist eher einfach, dadurch aber so lebendig und man hat für die Figur des Siggi natürlich direkt 80€-Waldi vor Augen! ;)
Mein Favorit war jedoch Doro, sie ist so verschroben und chaotisch, aber hat das Herz am rechten Fleck - man muss sie einfach lieben! Wie sie da plötzlich in Siggis Laden auftaucht und drauflosputzt und durch Missverständnisse nun einen Job als Putzfrau hat ;) Außerdem hat sie eine überraschend gute Kombinationsgabe.

Ich konnte zuerst Gunnars Meinung, dass er Siggi als Spinner abtut, verstehen. Ist ja auch seltsam, dass man wegen eines Toten gerufen wird, und dann ist da niemand. Doch ich fand sein Verhalten Siggi gegenüber wirklich einfach unfassbar; immerhin ist er Polizist und muss seine privaten Befindlichkeiten hintenanstellen und auch Aussagen von ihm verhassten Menschen erstmal ernst nehmen.
Zum Glück löst sich alles auf, die Leiche wird gefunden und das Motiv hat mich überrascht, war aber nachvollziehbar.


Fazit:
Unterhaltsamer Auftakt um den Antiquitätenhändler Siggi Malich, der unfreiwillig einen Toten auf seinem Hof findet und den Mordfall wegen der Unfähigkeit der Polizei mithilfe seiner neuer Angestellten Doro, die ich besonders ins Herz geschlossen habe, selbst aufklären muss.