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Benutzername: Thomas Alba
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Bewertungen

Insgesamt 2 Bewertungen
Bewertung vom 19.07.2019
Mordslust
Dechant, Klaus Maria

Mordslust


ausgezeichnet

Klaus Maria Dechant gelingt es von Anfang an, seine Leser gefangen zu nehmen. Dazu tragen vor allem seine lebensnah gestalteten Protagonisten bei, die alle einen hohen Wiedererkennungswert haben. Dabei nutzt er zwar auch das ein oder andere gängige Klischee, wie zum Beispiel den skurrilen Spurensicherer und den cholerischen Staatsanwalt, er verzichtet aber auf allzu große Übertreibungen, so dass ich es nicht als störend empfunden habe.

Seine Heldin Michaela Cordes war mir gleich vom ersten Auftritt an sympathisch, sie ist konzentriert, zielstrebig und hat das Herz am rechten Fleck. Dennoch ist sie keine von den „Ich muss meinen männlichen Kollegen zeigen, dass ich mindestens genauso gut bin wie sie“ - Polizistinnen, die man aus manchem Krimi kennt, sondern einfach eine Frau, die ihren Job richtig gut macht. Kompetenzgerangel, wie es in vielen Krimis üblich ist, sucht man hier glücklicherweise vergebens.

Positiv empfunden habe ich auch, dass Klaus Maria Dechant hier wirklich eine Kriminalgeschichte erzählt. Mordslust hat überhaupt nichts mit Regiokrimis der Abteilung Kluftinger und Eberhofer zu tun. Zwar gibt es auch die ein oder andere Szene, bei der ich schmunzeln musste, insgesamt ist Dechants Debut aber ein spannender Krimi, keine Komödie. Dennoch trägt er den Untertitel „Kurpfalz-Krimi“ zu Recht, Klaus Maria Dechant erweckt die Region und vor allem Schwetzingen und Mannheim zum Leben, legt seinen Charakteren dabei auch die richtigen Worte und auch den richtigen Dialekt in den Mund. Dabei möchte ich eine besondere Empfehlung für das vom Autor selbst eingelesene Hörbuch aussprechen. Gerade bei der direkten Rede merkt man, dass Dechant besonderen Wert darauf gelegt hat, für seine Figuren die jeweils passende Sprache zu finden. Das macht die Charaktere realistisch und glaubwürdig. Das Privatleben der Ermittler spielt auch eine durchaus gewichtige Rolle, ist aber schlüssig in die Handlung eingearbeitet und wirkt nie störend.

Klaus Maria Dechant verzichtet bei seiner Geschichte auf übermäßig brutale Szenen. Schnell wird klar, dass ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Allerdings beschreibt der Autor die eigentlichen Taten nie sensationsheischend, sondern konfrontiert die Ermittler und die Leser nur mit dem Ergebnis der Morde. Gewalttätige Metzelorgien sucht man hier vergebens.

Dennoch kann ich Mordslust nur eingeschränkt empfehlen, was allerdings nichts mit der Qualität der Geschichte an sich, sondern mit der Szenerie zu tun hat. Mordslust spielt im Swingermillieu, insofern spielt Sexualität eine große Rolle in der Handlung. Und das bedeutet eben auch, dass das Buch für einen Kriminalroman verhältnismäßig viele Sexszenen enthält. Wer das nicht mag, der sollte sich überlegen, ob er Mordslust wirklich lesen möchte. Wer mit Sex in Büchern kein Problem hat und einen spannenden Kriminalroman lesen möchte, der nicht übermäßig brutal ist, der ist bei dem ersten Kriminalfall von Michi Cordes genau richtig.

Die Fortsetzung Mordseier ist für Herbst 2019 geplant. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte der Hauptkommissarin weitergeht.

Bewertung vom 20.07.2018
Nummer 25
Kodiak, Frank

Nummer 25


schlecht

Andreas Zordan hat es geschafft: der erfolgreiche Autor Autor blutrünstiger Thriller ist ein Star. Er pflegt das Image des unnahbaren Misanthropen, ist arrogant und gibt keine Interviews. Genau das richtige Objekt der Begierde für die junge Journalistin Greta Weiß, die sich durch ein Interview mit dem Autor eine Festanstellung erhofft. Dass Zordan von sich selbst behauptet, ein Psychopath zu sein, schreckt sie nicht ab. Doch das ist nur das geringste Problem des Schriftstellers. Denn gleichzeitig erhält er Nachrichten von einem Leser, der bezweifelt, dass Zordan einer ist, denn schließlich ist nur einer von 25 Menschen ein Psychopath - und diese Nummer 25 ist der Nachrichtenschreiber.

Handwerklich ist Frank Kodiak, hinter dem sich der bekannte Thrillerautor Andreas Winkelmann verbirgt, ein ordentlicher Roman gelungen, dem es allerdings meiner Meinung an einigen Zutaten gebricht, die einen spannenden Thriller ausmachen.

Zum einen gibt es für mich keine einzige Figur, die mich irgendwie (positiv oder negativ) berührt. Nein, die Charaktere bleiben belanglos, reizlos, uninteressant. Zordan ist ein Unsympath, wie er im Buche steht. Allerdings hat er überhaupt nichts Faszinierendes an sich. Es gibt in Büchern und Filmen mit Verlaub genug Kotzbrocken, die wirklich faszinieren. Zordan gehört leider nicht zu dieser Spezies. Greta ist mindestens genauso unsympathisch, sie nervt mich zwischenzeitlich so sehr, dass ich mir wirklich gewünscht habe, der Killer hätte Erfolg und würde dieses nervige Wesen aus der Geschichte befördern.

Das Schlimmste aber ist, dass die Geschichte trotz zahlreicher "überraschender" Wendungen (naja, eher Wendungsversuchen) ausrechenbar und vorhersehbar bleibt. Dazu schafft es Kodiak nie, eine Atmosphäre der Bedrohung zu schaffen. Ein Mangel, den er mit ekligen Schilderungen von Gewaltszenen zu kaschieren versucht. Aber ein Mehr an Blut ist selten ein Mehr an Stimmung.Selbst der Mord an einem jungen Mädchen lässt mich als Leser kalt. Ich als Leser werde weder von der Grundidee, noch vom Setting und schon gar nicht von den Protagonisten abgeholt.

Mein Fazit ist leider dementsprechend schlecht: hätte ich nicht gewusst, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, wäre mir dieser Thriller wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Und wenn ich ihn doch in die Finger bekommen hätte, hätte ich ihn wahrscheinlich spätestens nach der Hälfte des Buches weggelegt. Allein die Tatsache, dass ich beim Namen Andreas Winkelmann erwartet habe, dass sich irgendwann noch ein "Wow"-Effekt einstellt, hat mich dazu gebracht, die Geschichte bis zu Ende zu lesen. Dieser kam leider nicht, die Identität des Täters war für mich als relativ routinierten Krimi- und Thrillerleser praktisch von Anfang an offensichtlich. Da ich außerdem keine einzige Figur in der Handlung entdeckt habe, die mich auch nur ein wenig interessiert oder herausgefordert hätte, kann ich leider nur zu einem Ergebnis kommen: ich finde das Buch, obwohl es technisch in Ordnung ist, komplett enttäuschend. Es ist ein routinierter Roman aus dem Baukasten des Thrillerautors, der dem Genre keinerlei neue Facetten abringen kann. Deshalb bekommt "Nummer 25" von mir auch nur einen von fünf möglichen Sternen...