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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: JosefineS
Wohnort: Schwarzenberg
Über mich: https://bibliomanie-hoch2.blog/
Danksagungen: 10 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 76 Bewertungen
Bewertung vom 12.05.2021
Der Montagsmordclub / Die Mordclub-Serie Bd.1
Osman, Richard

Der Montagsmordclub / Die Mordclub-Serie Bd.1


ausgezeichnet

Das gewiefteste Seniorenquartett der Krimi Literatur
In Choppers Chase, der luxuriösen Seniorenresidenz trifft sich jeden Donnerstag im Puzzlezimmer eine ganz besondere Bande. Der selbsternannte Donnerstagsmordclub befasst sich für gewöhnlich mit Cold Case Verbrechen, doch kaum bringt Elizabeth Joyce, deren Fähigkeiten noch von Nützen sein könnte, mit ins Team, passiert plötzlich ein Mord in der Nachbarschaft. Die scharfsinnig, rüstigen Hobby Detektive, bestehend aus einer ehemaligen Geheimagentin, einer Krankenschwester, einem in die Jahre gekommenen Vollblut Gewerkschaftsführer und einem Psychologen, machen sich sofort munter auf die Suche nach Spuren. Dabei Stellen die vier so einiges auf den Kopf, dass sogar den ermittelnden Beamten bei dieser unerwartet spitzfindigen Bande kaum mehr aus dem Staunen kommen.
Der Donnerstagsmordclub ist ein „Cosy Crime“ Roman, dem es weder an Leichen, ungewöhnlichen Protagonisten und erst recht nicht an britischem Humor fehlt. Die vier hält, trotz ihres Alters absolut nichts auf, sie schleichen sich ein, manipulieren und sind im Tatsachen verbiegen mehr als geschickt. Es sind Rentner, wer denkt da schon böses? Doch ausgerechnet dieser Umstand bringt die herrlich komischen Momente dieses Falls zustande. Während also die Polizei die vier noch munter belächelt, ziehen sie im Hintergrund schon die Fäden und fördern charmant so manches zu Tage. Der Humor ist immer wieder herrlich und typisch britisch, trocken auf den Punkt, genau richtig dosiert und platziert, mit einem Hauch Sarkasmus. Doch es gibt jede Menge zu tun, die Liste der Verdächtigen wird scheinbar immer länger und allzu leicht verliert man da den Überblick. Nach und nach klärt sich jedoch auf, wer hier welchen Dreck am Stecken hat. Das meiste war unvorhersehbar, weswegen sich der Schluss auch etwas Traurig und Wehmütig für mich gestaltete. Nichtsdestotrotz bleibt das Ende aufschlussreich für restliche Fragen und versöhnlich Rund nach dem ganzen Trouble. Da die Kapitel kurz gehalten sind, lässt es sich schnell und flüssig lesen. Joyce neigt zwar in ihren Kapiteln zur Plauderei, was sich hin und wieder etwas zog, jedoch wunderbar vom Rest des Textes abhob, da ihre Auftritte Tagebucheinträge sind und sie sich somit realistisch vom Erzähler Text abgrenzen konnte. Das Hörbuch ließ sich sehr angenehm hören, da der Schreibstil nicht all zu extravagant ist und man der Story so gut nebenbei lauschen konnte. Ein absoluter Pluspunkt des Audio Books war, dass es zwei Sprecher gab. Somit wurden Joyces Kapitel von weiblicher Stimme begleitet und die restlichen von einer männlichen. Beide verfielen auch nicht dem Versuch die Stimme in ihrem Kapitel dem anderen Geschlecht anzupassen, sondern sprachen auch andere Geschlechter neutral weiter, was die angenehmen Stimmen konstant bleiben ließ.
Fazit: ein großartig humoristischer Krimi, bei dem man, dank des rüstigen Scharfsinns von vier Rentnern lachen und rätseln im gleichen Maß genießen kann. Leichte, kurzweilige Lektüre, mit jeder Menge Charme und britischem Humor, welche sich sowohl gut lesen, als auch ausgezeichnet Hören lässt.

Bewertung vom 09.04.2021
Die Sagen der Antike
Stoll, Heinrich Wilhelm

Die Sagen der Antike


ausgezeichnet

Die schönsten und bedeutendsten Sagen
Bis in die heutige Zeit sind in unserem Sprachgebrauch Redewendungen aus längst vergangenen Zeiten bekannt. Doch wie kam es zu Ausdrücken wie dem „Zankapfel“ oder „bezirzen“? Der Glanz einstiger Heldensagen, Mythen und Kriege der Antike hält bis heute an und fesselt die Menschen im gleichen Maße. Heinrich Wilhelm Scholls, im 19. Jahrhundert erschienene, 2 bändige Sammlung der bedeutendsten griechischen Sagen befinden sich hier in diesem Werk. Es finden sich jedoch nicht nur die großen Epen und Tragödien dieser Zeit, wie der Trojanische Krieg, die Odysee oder das Leben des Herakles und des Theseus, sondern auch kleinere Anekdoten wie Narkissos und Echo oder die von Amor und Psyche. Die, deren Synonyme heute noch geläufig sind und deren Geschichten uns ein menschliches Spiegelbild vorhalten. Auf unserer Reise durch die Antike treffen wir auch hinterhältige Schlitzohren wie Sisyphos und vom Schicksal gebeutelte, wie Diadolos und Oidipus. Der Fokus ist also deutlich weniger auf die Götter an sich gerichtet. Scholl hält sich nicht mit Erklärungen über eben jene, deren Entstehung oder Kriege auf. Somit ist das Buch für neugierige Einsteiger gut geeignet, setzt aber einen gewissen Wissensgrundstock über griechische Gottheiten vor raus. Durch die Wiedergabe der Mythen in seinen eigenen Worten, macht Heinrich Wilhelm Scholl es für die Leser einfacher zu verstehen als die Texte der antiken Autoren, welche jedoch immer zu Beginn vermerkt sind mit dem jeweiligen Werk. Es finden sich aus diesen auch originale Auszügen, welche gut eingearbeitet wurden.
Fazit: wunderschöne Sammlung, von zum Teil chronologisch erzählten Sagen, mit Illustrationen bekannter Reliefs. Wenn auch nicht gänzlich allumfassend, ein Muss für Liebhaber griechischer Mythologie, jedoch auch ein guter Einstieg in diesen Bereich.

Bewertung vom 07.04.2021
Rattenkönig
Engman, Pascal

Rattenkönig


gut

Die letzte Frau, die mich ignorierte.
Als in Stockholm eine Frau ermordet aufgefunden wird, ist schnell ein Verdächtiger gefunden. Es liegt nahe wer es war, schließlich gibt es auch genug Indizien. Doch ist es wirklich so einfach wie es scheint? Vanessa Frank stößt auf Ungereimtheiten, Widersprüche und weitere Morde an jungen Frauen. Verbissen versucht sie die Parallelen zu finden, doch gefährlicher Weise besitzt sie als Kommissarin großes Potenzial zum nächsten Opfer einer Bewegung zu werden. Die so genannten „Incels“ verbindet nicht nur eine unfreiwillige Enthaltsamkeit, sondern auch daraus resultierender, abgrundtiefer Hass auf Frauen.
Pascal Engmann ist schwedischer Journalist, Rattenkönig ist der 2. Band aus seiner Reihe um die Kriminalkommissarin Vanessa Frank. Das Buch lässt sich unabhängig vom 1. Band lesen, da relevante Details noch mal aufgeführt werden, jedoch könnte es den Ausgang des ersten Buches spoilern. Der Einstieg in die Story war für mich sehr zwiegespalten. Kurze Kapitel und der flüssige Schreibstil machen es sehr kurzweilig, jedoch erscheint die Geschichte bis zur Hälfte sehr plan- und ziellos. Mir fehlte da einfach der Bezug zu der im Klappentext erwähnten Incel Bewegung. Durch die kurzen Kapitel und die immer wieder wechselnden Blickwinkel der vielen handelnden Personen wirkte es unruhig, wirr und kaum spannend, da es gefühlt einfach nicht vom Fleck ging und der Zusammenhang fehlte. Sobald sich jedoch die Teile aufeinander zu bewegten wurde es Interessant, packend und auch schon wieder etwas zu erschreckend Realitätsnah. Diese „Incel“ Bewegung gibt es tatsächlich und deren, zum Teil durch traumatische Erfahrungen hervorgerufenen Hass, kommt der Realität öfters näher als es mir lieb gewesen wäre. Mit dem Antagonisten habe ich mich wirklich schwergetan, vor allem wegen seiner reduzierenden Einstellung Frauen gegenüber, dadurch hat er seine Wirkung als Charakter nicht verfehlt. Engmann hält uns hinter einem Krimi auch den sozialen, ethischen Spiegel, im Umgang miteinander vor Augen. Nichts rechtfertig diese Taten, doch die auslösenden Faktoren sind ebenso durch nichts zu entschuldigen. Möglicherweise wäre hier für einige Themen eine Trigger Warnung angebracht.
Fazit: alles in allem ein stimmiges Buch, was nach anfänglichem Durcheinander durchaus, auf seine Weise überzeugen konnte. Die Thematisierung über den Umgang der Menschen untereinander ist zum Teil erschreckender als der eigentliche und solide Kriminalfall, der dadurch etwas in den Hintergrund gerät.

Bewertung vom 28.03.2021
Das Geheimnis von Zimmer 622
Dicker, Joël

Das Geheimnis von Zimmer 622


ausgezeichnet

Eine Story, gleich einem erbitterten Schachspiel
Das Ereignis des Jahres, im Hotel Palace de Verbier. In den Alpen treffen sich mittlerweile schon traditionell einmal im Jahr die Angestellten einer angesehenen Schweizer Bank. Doch ein Mord der zu einem ungelösten Fall wird, wirft einen tiefen Schatten über das Hotel und die Bank. Als einige Jahre später der Bestseller Autor Joël Dicker in eben jenem Hotel die aufgeschlossene Scarlett Leonas kennenlernt, ahnt er nicht, dass die Neugierde der beiden sie bald zu Mordermittlern werden lässt. Was geschah nur im Zimmer 622, welches offiziell im Hotel nicht einmal existiert.
Eine mysteriöse Geschichte der anderen Art. Wir starten mit Joël Dicker höchst selbst als Protagonisten in die Geschichte und Überraschung, er schreibt ein Buch. Doch dabei bleibt es nicht lange, denn er stürzt ungewollter Weise während seiner Auszeit vom Schreiben mit seiner charmanten und energischen Zimmernachbarin in einen Fall, der seines gleichen sucht. Mord, gescheiterte Ermittlungen, Neid, Missgunst und das in den höchsten Kreisen, ein Machtspeil der Superlative. Die vielen einzelnen Fäden, die zu Beginn noch sehr wirr wirken fügen sich am Ende zu einem großen Ganzen zusammen. Dabei hat man während des Lesens schon das ein oder andere misstrauische Gefühl, doch Dicker lenkt den Fokus wunderbar ab und wenn man denkt etwas durschaut zu haben kam es im wahrsten Sinne des Wortes noch dicker. Einem Schachspiel gleich bewegten sich die Charaktere, wie Spielfiguren auf dem Brett veränderten sie ihre Positionen. Den nächsten Zug voraus zu ahnen war schier unmöglich, da bis zum Schluss nicht ersichtlich war, wer die Figuren setzte, wer König, Läufer oder lediglich Bauer war. Trotz der ein oder anderen Vorahnung war es jedes Mal wie ein Hammerschlag der Wahrheit näher zu kommen. Zum Ende wurden die Sprünge etwas wirr, da man sich immer auf den Wissensstand der gerade erzählenden Person einlassen muss, was als „mehrwissender Leser“ Verwirrung stiften kann. Mit diesem Buch nimmt er auf wirklich spektakuläre Weise Abschied von seinem, 2018 verstorbenen Verleger. Dessen enge Beziehung zu ihm auch ihren Platz in der Geschichte findet. Man spürt den Hauch von Verlust, den Dicker verarbeitet, nach dem Tod eines geliebten Menschen. In vielem spiegelt er eigene Züge wieder, hebt die Endlichkeit des Lebens hervor, ohne jedoch in die Melancholie abzurutschen. Die Quintessenz eben jener Szenen ist es, das Leben zu schätzen, es auszuschöpfen und zu feiern. Ich war begeistert was für ein geschicktes Spiel er mit seinen Figuren getrieben hat. Obwohl es zu keiner Zeit actionreich war, war dieses Buch ab einem gewissen Punkt doch sehr fesselnd. Man musste einfach wissen was hinter all dem steckt und seine unglaublichen Enthüllungen haben in keinem Kapitel enttäuscht.
Fazit: ein fesselndes Buch, welches Dank einer fulminant gestrickten Story ganz eigene Spannungsmomente erzeugte. In diesem Buch stecken sowohl viel Herz-, als auch Kopfarbeit.

Bewertung vom 09.03.2021
Mordsand / Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn Bd.4
Fölck, Romy

Mordsand / Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn Bd.4


weniger gut

Die Zeit heilt nicht alle Wunden
Ein 30 Jahre altes, gefesseltes Skelett taucht am Strand einer Elbinsel auf. Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn ermitteln, doch stehen sie vor einem Rätsel als kurz darauf in der Nähe die Leiche eines Hamburger Baulöwen gefunden wird. Niemand ahnt, dass die Spuren in die ehemalige DDR führen, deren Grausamkeiten vielleicht von vielen verdrängt, jedoch von einigen nie vergessen wurde.
Romy Fölck, die deutsche Bestseller Autorin mit einem Abschluss in Jura wurde durch ihre Kriminalromane in der Elbmarsch bekannt. „Mordsand“ ist der 4. Band der Reihe um das Ermittlerduo Frida Paulsen & Bjarne Haverkorn. Ein Teil des Buches spielt in der ehemaligen DDR, in der Romy Fölck selbst aufwuchs. Ihr Motiv für die Story war, geschehenes nicht vergessen zu lassen und mit festgesetzten Vorurteilen aufzuräumen. Sie versucht, zu Unrecht erlittene Traumata aus dieser Zeit einfließen zu lassen, kommt jedoch über deren Erzählung nicht hinaus. Hier fehlte leider, ihr sonst so gutes Händchen für Atmosphäre und Emotionen, um es den Leser wirklich fühlen zu lassen. Nüchtern blieb bedauerlicherweise auch der Kriminalfall, denn mehr als im Trüben fischen war den größten Teil des Buches nicht drin. Weder der Leser, noch die Ermittler konnten sich wirklich auf den Fall konzentrieren, da gefühlt an jeder Ecke ein privates Schauspiel ausbrach, welche insgesamt einfach zu viel Raum einnahmen und zum Teil an Theatralik kaum zu übertreffen waren. Der Schreibstil war gut und flüssig zu lesen, wobei einige kurz gehaltene Sätze eher wie Füllmaterial wirkten und die wesentliche Handlung zusätzlich unterbrachen. Ihr sehr gutes Gespür dem Leser Umgebung zu vermitteln blieb diesmal gänzlich auf der Strecke. Das wurde an jeder passenden, wie unpassenden Stelle eingestreut. Auch das Gefühl für Atmosphäre scheint leider ertrunken zu sein, die war nämlich zu meinem Bedauern zu keiner Zeit vorhanden. Immer, wenn sich etwas Neues ergab und man Hoffnung auf Spannung schöpfte kam wieder eines der vielen außerdienstlichen Dramen dazwischen. Zum Ende sorgten noch „Hilfssheriff Zufall“ und ein äußerst geständiger Täter für eine schnelle Auflösung des Ganzen. Gerade noch rechtzeitig um zum nächsten privaten Höhepunkt der Geschichte zu flitzen. Nach der langen Fahrt mit angezogener Handbremse, jeder Menge Stopps im Privatleben und dem Schnellschuss um das Ziel zu erreichen, war wenigstens die Auflösung Rund und ohne größere Lücken. Wirklich schade, Romy Fölck kann ganz anders und vor allem viel besser.
Fazit: enttäuschender 4. Band, der neben einer guten Grundidee nicht mehr als private Kriegsschauplätze zu bieten hat. Musste er wahrscheinlich auch, da der Fall und die Ermittlungen mehr als dürftig waren.

Bewertung vom 23.02.2021
Die Tierolympiade
Wich, Henriette

Die Tierolympiade


ausgezeichnet

Lass uns gemeinsam lesen
Manchmal ist die Lust, sich mit Buchstaben und dem Lesen lernen zu beschäftigen schon bei Kindern im Kindegartenalter vorhanden. Dafür hat Ravensburger die Vor- Lesestufe entwickelt die, Kindern ab 5 Jahren mit ihren Eltern gemeinsam erstes Lesern erleben lässt. Einige Hauptwörter werden im Text durch Bilder ersetzt, so wächst das Verständnis, dass jedes Wort eine Einheit bildet, bezieht die Kinder leicht in den Leseprozess ein und weckt die Neugier auf das Lesen lernen.

Die Illustrationen sind sehr schön, kinderfreundlich und bunt gestaltet. Die, durch Bilder ersetzten Hauptwörter sind einfach und gut zu verstehen. Wenn doch mal etwas unklar ist, hilft die Wörterliste am Ende des Buches weiter. Die Geschichte über 3 tierische Zoobewohner, die sie die Langeweile an einem trüben Tag ohne Besucher vertreiben ist toll erzählt. Spaß, Freude und auch Enttäuschungen kommen vor, doch unter wahren Freunden gibt es keine Verlierer. Die Sätze sind kurzgehalten damit die kleinen „Leser“ dem Inhalt, trotz der Konzentration auf ihre Aufgabe folgen können. Bebilderte Hauptwörter werden regelmäßig wiederholt um sie zu festigen. Die Schrift ist schön groß gegliedert und simpel dargestellt, so ist das Buch zum späteren Lesestart immer noch eine tolle Lernhilfe. Durch die Unterteilung der Geschichte in drei Kapitel gibt es die Möglichkeit pausen einzulegen um nicht gleich zu überfordern. Wer Lust und Laune hat liest eben weiter. Ich, als der Vorlesende Erwachsene bin ab und an über den richtigen Stopp gestolpert, also auch gemeinsames lesen ist am Anfang ungewohnt. Wir mochten beide diese Möglichkeit zu lesen, die Bild/ Wort Assoziationen und dass wir direkt ins Abenteuer starten konnten ohne groß vorher etwas zu üben. Zum Abschluss lieferten die Rätsel am Ende der Geschichte tolle Denksport Aufgaben in Sachen Buchstaben, Aufmerksamkeit und Logik.

Fazit: ein tolles Buch für Kinder im KiTa-/ Vorschulalter, die das selber Lesen kaum erwarten können. Ein schöner, abenteuerlicher Einstieg in das gemeinsame Lesen.

Bewertung vom 23.02.2021
Zimmer 103
St. James, Simone

Zimmer 103


ausgezeichnet

Home Sweet Home
Viviane Delaney macht die Nachtschicht an der Rezeption des Sun Down Motel in Fell, einem kleinen Vorort an der Route 6. Hier ist in der Nacht nicht viel los, so ist die Arbeitszeit für Viv immer einsam und lang. Doch mit jeder Schicht wächst ihr Angst vor einer geheimnisvollen Bedrohung. 35 Jahre später zieht es Carly Kirk wie magisch das stark gelalterte Sun Down Motel. Sie will endlich die Wahrheit über ihre, vor langer Zeit verschwundene Tante herausfinden. Doch scheinbar ist dieses Motel selbst ein rastloser Ort und was diese Wände schon gesehen haben ist weit außerhalb Carlys Vorstellungskraft.

Zimmer 103 ist in 2 Zeitebenen aufgeteilt. 1982, die wir mit Viv erleben und 2017, in der wir Carly begleiten dürfen. Beide Mädchen landen im Sun Down Motel und können sich den Vorkommnissen dort nicht entziehen. Jede geht auf die Suche nach der Wahrheit, doch gibt es hinter all diesen Erscheinungen überhaupt eine logische Erklärung? Fell ist eine eher morbide Stadt, mit einigen Leichen im Keller und sowohl Carly, als auch Viv scheinen hierher zu gehören. Beide sind als Charakter sehr klug aber auch etwas verschroben gezeichnet, was sofort die Sympathie des Lesers weckt. Eben das nette, lesende Mädchen von nebenan, mit einem Hang zu True Crime Fällen. Das Buch war von Anfang an durchweg spannend, nicht zuletzt durch die grandios eingearbeiteten Wendungen, viel Spielraum für Vermutungen und den schwer vorhersehbaren Ausgang der Story. Der Mix aus Spukgeschichte und Ermittlungen war rundum gelungen. Der Switch zwischen den Zeiten brachte immer wieder neuen Wind und trieb die Geschichte unaufhaltsam voran. Die Länge der Kapitel war gut angepasst und das Ende oft mit einem Cliffhanger versehen. Es fiel schwer gegen Ende das Buch aus der Hand zu legen. Einziges Manko: beide Charaktere verschwammen ab und an miteinander. Aufgrund der Ähnlichkeit beide musste ich manchmal im nach hinein sondieren wer von beiden was erlebt hat, beziehungsweise wer wen getroffen hat. Das Tat der Story und der Spannung jedoch keinen Abbruch. Die düstere Atmosphäre war einfach viel zu mitreisend und sorgte für einige atemlose Momente.

Fazit: eine fulminante, spannende und gruselige Story, bei der man die ein oder andere Überraschung erlebt.

Bewertung vom 16.02.2021
Die stillen Gefährten
Purcell, Laura

Die stillen Gefährten


ausgezeichnet

Manche Geister Ruhen nie

1865. Elsie könnte nicht glücklicher sein, sie hat den reichen Rupert Bainbridge geheiratet. Zusammen wollen sie den alten englischen Landsitz der Familie beziehen. Doch Rupert verstirbt und Elsie findet sich alleine in diesem großen, seit Jahren aufgegebene Haus wieder. Einzig die distanzierte Dienerschaft und Ruperts Cousine leisten ihr Gesellschaft. Ihr und dem ungeborenen Kind unter ihrem Herzen. Das Anwesen hält jedoch so einige Geheimnisse bereit, unter anderem eine, seit Jahrzehnten, verschlossene Tür. Als diese sich wie von Geisterhand für Elsie öffnet findet sie außer jeder Menge Staub auch ein 200 Jahre altes Buch und eine merkwürdig lebensecht anmutende Holzfigur. Ein sogenannter „Stiller Gefährte“ und tatsächlich, Elsie ist von nun an gar nicht mehr so allein im Haus.

Laura Purcells Inspiration zu unheimlichen historischen Romanen entstand aus der Faszination der Engländerin, für die düstere Seite der königlichen Geschichte.
Elsie, von ihrer eigenen Familiengeschichte stark gebeutelt ist einsam in ihrer Trauer in diesem alten Haus, doch bald wünscht sie sich nichts sehnlicher, als alleine zu sein. Selbst die Dorfbewohner haben schon seit vielen Generationen Angst vor diesen Mauern und bald muss Elsie lernen was wahrer Aberglauben bedeutet. Die Story ist sehr ausgewogen und keinesfalls als reiner „Haunted House“ Roman zu betrachten. Die düstere Atmosphäre zieht zwar so unerbittlich herauf wie Nebel, doch der Fortlauf dieser ausgefeilten Erzählung wird nicht zum Opfer einer reinen Jagd nach Adrenalin. Es gibt zwischendrin immer wieder Momente zum Aufatmen, in denen sich jedoch die Fäden der Vergangenheit zu einem unerbittlichen Henkersseil verknüpfen. Laura Purcell legt viel Wert schafft einen Mix aus weitreichender Story und Gänsehaut Situationen, mit Adrenalin Kicks in denen man sich fühlt als würde man mit unwohlem Gefühl die dunkle Kellertreppe emporsteigen. Eine faszinierende und zugleich beängstigende Information war, dass es die Stillen Gefährten tatsächlich gegeben hat. Was bedrohliche Szenen noch schauriger wirken lies, wenn man diese „Gefährten“ einmal zu Gesicht bekommen hat. Durch den Wechsel zwischen unterschiedlichen Orten und Zeitebenen bleibt die Spannung immer erhalten, weil man den dunklen Geheimnissen unbedingt auf die Spur kommen möchte. Das Buch ist wie ein Mosaik aufgebaut, da es erst gegen Ende seine Komplexität Preis gibt, dem Leser aber genug Spielraum lässt für eigene Interpretation. Die Geschichte ist in sich gut durchdacht und fügt sich in seinen verschiedenen Ebenen wie Puzzleteile in einander. Der Schreibstil ist sehr flüssig, wohl proportioniert und gut angepasst an die jeweilige Zeit. Sowohl der Hintergrund als auch die Story selbst haben eine stimmige Gewichtigkeit und geben dem Buch eine gewisse Tiefe. Die ausgearbeiteten Charaktere fügen sich harmonisch in das Gesamtbild. Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen.

Fazit: eine rundum einnehmende Geschichte, die sowohl mit mysteriösem, atmosphärisch dunklem Feeling, sowie einer verhängnisvollen Familiengeschichte aufwartet, dem Leser jedoch genug eigenen Spielraum zur Interpretation lässt. Optisch wie Inhaltlich sehr empfehlenswert.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.01.2021
Wenn Schweigen tötet
Marrs, John

Wenn Schweigen tötet


ausgezeichnet

All die lieben Lügen zwischen uns
Maggie lebt angekettet im Dachgeschoss. Jeden zweiten Abend holt Nina sie an ihrer langen Kette zum Essen runter. Doch danach muss Maggie sofort wieder auf den Dachboden, denn sie hat Dinge getan, die Nina ihr nicht verzeihen kann und dafür muss sie nun büßen. Dabei kennt Nina nicht einmal die ganze Wahrheit und Maggie wird dafür sorgen, dass sie diese auch nie erfahren wird, selbst wenn es sie das Leben kostet.
John Marrs ist US- amerikanischer Journalist und Schriftsteller. Wenn Schweigen Tötet spielt viel auf psychologischer Ebene und lässt den Leser sofort parteiisch werden. Beim Lesen fällt es schwer einen neutralen Standpunkt zu den Taten aufrecht zu erhalten. Die Beziehung zwischen Nina und Maggie ist sehr komplex und man erfährt sukzessiv wie es zu all dem kam. Zu Beginn wirkt der Plot, obgleich sehr unmenschlich auch simpel, doch der Schein trügt. Nina ist nicht gerade die zuverlässigste Erzählerin ihrer eigenen Geschichte. John Marrs lässt den Leser hier oft im Glauben feste Tatsachen zu kennen und kippt später im Buch einen Teil davon wieder völlig über den Haufen. Protagonisten und Handlung erscheinen plötzlich in einem ganz anderen Licht und für einen von beiden wird es mit vor ran schreiten der Story zappen Duster. Ein subtiles Spiel mit der Wahrnehmung was sehr gut gelungen ist, einige Wendungen schlugen bei mir wie eine Bombe ein. Wirklich Abgründig war seine Darstellung über das Verhalten der beiden miteinander. Die Beweggründe für einige Handlungen waren oft schwer nachvollziehbar, jedoch wirkte es nie gänzlich abstrus, was es wahrscheinlich noch grausiger machte. Ohne großes Blutvergießen lief einem hier trotzdem die Gänsehaut über den Rücken. Die Spannung glich einer Achterbahnfahrt, es gab durchaus seichtere Stellen in denen die Story vor sich hinplätscherte. Doch bevor man es sich versah nahm es wieder Fahrt auf. Rückblickend waren die dort untergebrachten Details wichtig und ohne diese wäre die Geschichte zum Schluss unrund gewesen, jedoch hätte einiges kurzer gefasst werden können. John Marrs hat es geschafft mich allzu oft in Sicherheit zu wiegen, plötzlich zu packen und zu erschüttern. Vieles hielt ich für vorhersehbar, erlag da allerdings vorrangig seinen Täuschungen. Das zwischenmenschliche Verhalten von Nina und Maggie hat mich des Öfteren schockiert aber auch berührt, ich war sogar den Tränen nahe angesichts dieser grausigen Konsequenzen. Das Ende hat mich dann gänzlich in zwei gerissen, da so einige Gefühle in mir tobten und ich möchte behaupten, das hat Marrs geplant. Trotz kurzer Durststrecken in der Spannung ließ sich das Buch flüssig lesen und der Blick in menschliche Abgründe und wie aus so viel gut gemeintem, so viel böses werden konnte hat mich wahnsinnig gefesselt auch wenn es schockierend war wie und vor allem warum man einem Menschen so was antun kann.
Fazit: wirklich gelungener Thriller, der auf psychologischer Eben ein Gemetzel veranstaltet, mit einer ganz besonderen Beziehung spielt und den Leser in Zwiespalt bringt.

Bewertung vom 14.12.2020
Der Mädchenwald
Lloyd, Sam

Der Mädchenwald


ausgezeichnet

Verloren im Mädchenwald
Elissa ist ein kleines, kluges 13-jähriges Mädchen, dass für ihr Leben gerne Schach spielt. Die Züge des Gegners voraus zu ahnen und zu parieren, fällt ihr leicht, doch was während eines Schachturniers passiert, damit hätte niemand rechnen können. Ihre härteste Partie wird sie nicht auf einem Brett ausfechten, sondern in einem dunklen Keller, tief unter der Erde. Als Elijah auftaucht, hält sie ihn für ihre Rettungsleine, doch viel zu schnell muss sie feststellen, dass er nicht das erste Mal in diesem Verließ ist. Jetzt kommt es auf jeden einzelnen ihrer Züge an. Sie zu retten will er ihr nicht versprechen, stattdessen versichert er, dass er wieder kommen wird…
In seinem Buch merkt man, dass dem Autor Sam Lloyd weder der Wald, noch das Geschichten ausdenken fremd ist. Das Setting und die Atmosphäre sind sehr stimmig und einnehmend, da seine Darstellungen sich sehr greifbar festsetzen. Für sein Thriller Debüt, hat er sich zwei sehr eigenwillige Protagonisten ersonnen. Von 0815 Charakteren hier keine Spur. Elissa ist ein unfassbar kluges Mädchen, hat jedoch psychische Ticks und bewältigt Situationen anders, doch nicht minder fähig. Elijah ist ein so mannigfaltiger Charakter, dass er bis zum Schluss den Leser grausig fasziniert obwohl er kaum begreifbar bleibt. Nie weiß man welche Tendenz die Story nimmt, da Lloyd geschickt manipuliert und die Wahrheit nur Stück für Stück Preis gibt. Er zieht mit den wechselnden Perspektiven und der unsicheren Entwicklung seiner Figuren den Leser immer weiter in den Bann. Ab einem gewissen Punkt ist es schier unmöglich das Buch aus der Hand zu legen. Nicht nur die Spannung und die Abgründe sind überwältigend, zum Schluss reißen einen die Emotionen zusätzlich von den Füßen. Sam Lloyd schafft es, dank seines starken Ausdrucks und der aufwühlenden Schreibweise den Leser völlig im geschehen abtauchen und am Ende sogar darin unter gehen zu lassen. Bis zum Schluss bleibt so vieles unklar, da nichts und niemand trauen kann, sich selbst am aller wenigsten. Von Anfang bis Ende stieg die Spannung stetig an und trotz der Verstrickungen, passten die Puzzleteile letztendlich ineinander.
Fazit: atemberaubendes Thriller Debüt, welches durch sein Kaleidoskop artiges Verwirrspiel, jede Menge Spannung und auch Emotionen punkten konnte.