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Hanka

Bewertungen

Insgesamt 108 Bewertungen
Bewertung vom 28.11.2025
Beckett, Simon

Knochenkälte / David Hunter Bd.7


ausgezeichnet

Wie unterschiedlich Wahrnehmungen und Geschmäcker sind, zeigt sich an diesem Buch. Wobei es vielleicht manchmal auch an der Erwartungshaltung liegt. Vielfach wird das Umherirren im Schnee und die fehlende Forensik kritisiert. Auch wenn ich diese Punkte durchaus nachvollziehen kann, habe ich es nicht so empfunden.

Da mein letzter Simon Beckett schon einige Jahre her ist, kann ich keine fairen Vergleiche zu den früheren Bänden ziehen. Und so bin ich ganz ohne große Erwartungen und unvoreingenommen an dieses Buch rangegangen und im Nachhinein wirklich froh, dass ich es lesen konnte. So sei auch allen, die noch kein Buch der Reihe kennen, gesagt, dass hierfür keine Vorkenntnisse nötig sind.

Das Setting ist weder neu noch sonderlich ausgefallen. David Hunter ist nach einem Sturm in einem kleinen Dorf in den Bergen, dessen Bewohner ihm mit spürbarer Feindseligkeit und teils aggressivem Verhalten begegnen, gefangen. Verbindungen zur Außenwelt gibt es keine und so ist er auf sich allein gestellt.

Mich hat dieses Buch mit seiner düsteren, unheilvollen und bedrohlichen Atmosphäre, in der stets Unheil mitschwingt, überzeugt. Diese baut sich langsam und Stück für Stück auf. Einzelne Wendungen bzw. Ereignisse, die ich so nicht erwartet habe, sorgen für eine sich zuspitzende Situation.

Das Buch ist geprägt von komplexen Verflechtungen und Familiengeheimnissen. Zusammenhängen, die nicht sichtbar waren, sich aber nachvollziehbar aufklären ließen. Aber an allererster Stelle vom Setting, dass vor allem von der Landschaft, dem unberechenbaren Wetter, der Abgeschiedenheit und den Dorfbewohnern und weniger von den Morden oder deren blutige Schilderung (auch wenn es sich nicht komplett vermeiden ließ) lebt.

Fazit: ein ruhiger Thriller mit toller Atmosphäre, den ich besonders Fans von psychologischer Spannung empfehle.

Bewertung vom 20.11.2025
Weiß, Sabine

Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte


sehr gut

Das Cover mit der grünen Schrift ist auf jeden Fall ein Hingucker. Auch der Titel ist interessant gewählt, da hier der wissenschaftliche Ansatz der Verbrechensaufklärung in den Vordergrund rückt. Gerade dies hat meine Aufmerksamkeit erregt und mich neugierig gemacht. Der Einstieg über die kursiv erzählte Vorgeschichte schafft Spannung und Raum für Spekulationen, bleibt aber bewusst offen.

Die Kapitel haben eine angenehme Länge und sind aus der Perspektive von unterschiedlichen Beteiligten erzählt. So erhält man unter anderem Einblicke in die Sichtweise der Familie der getöteten Ute wieder.

Die Hauptpersonen sind Strafverteidigerin May und Privatdetektiv Tarek, zugleich bester Freund des Beschuldigten. Um uns diese beiden Personen und deren bisherigen beruflichen Hintergrund näherzubringen, gibt es zwei Nebenhandlungen. Diese sind zwar interessant, da sie mit dem eigentlichen Fall aber nichts zu tun haben, bisweilen zu ausufernd.

May wirkt sympathisch, aber gerade zu Beginn kommt bei ihr eher die Wissenschaftlerin als die Anwältin durch. Gegenüber ihrem potenziellen Mandanten zeigt sie sich selbstbewusst und durchaus forsch. Dies konnte sie im mittleren Teil leider nicht halten. Auch blieb hier die anwaltliche Tätigkeit von May viel zu blass. Es wird abgehandelt mit „hat getan, was immer zum aktuellen Zeitpunkt möglich gewesen war“, oder auch „ich arbeite Tag und Nacht, um sie freizubekommen“. Aber was genau heißt das? Mit konkreten Handlungen wird es nicht untermauert. Wirklich schade!

Ihr Können konnte sie erst im letzten Drittel ausspielen. So war dies auch der interessanteste Abschnitt für mich. Die Beschreibung des Gerichtsverfahrens wirkt fundiert und authentisch. Nun ging es Schlag auf Schlag. Immer neue Erkenntnisse sorgten für interessante Wendungen und münden in einen nicht vorhersehbaren Ausgang.

Etwas zu kurz kommt die Dynamik innerhalb der damaligen Clique. Wer hatte hier das Sagen. Warum hatte man den Jungen in die Falle gelockt. Wer kam auf diese Idee. Was war Beates Rolle an diesem Abend. Gerade Ute konnte ich dadurch nicht wirklich nachvollziehen. Ich frage mich immer noch, warum sie überhaupt mitgemacht hat.

Auch hatte ich mir etwas mehr davon erhofft, dass laut Klappentext die Frage nach der Eindeutigkeit des DNA-Beweises gestellt wird. Wenngleich es eine Rolle in der Aufklärung spielte, hatte ich nicht das Gefühl, etwas Neues zu lesen oder hier ein Alleinstellungsmerkmal vorzufinden. Insgesamt ist es für mich weniger ein Wissenschaftskrimi als ein Anwaltskrimi und würde es Lesern empfehlen, die sich für die Arbeit von Strafverteidigern interessieren.

Bewertung vom 13.11.2025
Huth, Peter

Aufsteiger


gut

Ich bin zwiegespalten, was dieses Buch betrifft. Hat mich doch sowohl der Verlauf als auch das Ende der Geschichte zunächst ratlos zurückgelassen. Es ist kein Buch, was sich einfach so weglegen und zum nächsten übergehen lässt.
Mit etwas Abstand lassen sich jedoch so einige interessante Themen und Fragestellungen finden. Die Rolle der Medien. Die Bedeutung von beruflichem Erfolg und die Frage, ob man sein Leben ausschließlich darauf ausrichten sollte. Wie damit umgehen, wenn man beruflich alles auf eine Karte setzt und scheitert. Kann man mit aktuellen positiven Taten frühere Fehler ausgleichen. Identifikation Mann und Frau im Kontext aktuelle Genderdiskussion. Und so ließe sich diese Liste noch weiter fortsetzen.

Trotz der Vielzahl an Themen fand ich es nicht überfrachtet, da kein Thema ausführlich behandelt wird und im Mittelpunkt steht. Eher ist dies ein Indiz für die Aktualität des Buches und das sich der Autor wirklich Gedanken gemacht hat.

Aber. Und jetzt kommt das Aber. Der Weg ist steinig und zäh. Den Schreibstil würde ich als nüchtern und sachlich beschreiben. Lesefreude wollte da nicht aufkommen. Erschwerend kommt hinzu, dass keiner der Protagonisten sympathisch ist. Lediglich der Prolog im Hinterkopf sorgt dafür, dass man wissen will, wie sich die Ereignisse dermaßen zuspitzen konnten. Allerdings muss man dafür wirklich lange durchhalten.

Fazit: ich wünschte ich könnte behaupten, dass sich das Durchhalten lohnt

Bewertung vom 13.11.2025
Voosen, Roman;Danielsson, Kerstin Signe

Schwüre, die wir brechen / Svea Karhuu & Jon Nordh Bd.2


gut

Allein aufgrund des Klappentextes hätte ich dieses Buch nicht gelesen. Ausschlaggebend war vielmehr die Kenntnis von Band 1 und dass ich diesen sehr gut fand. Das, was man im Klappentext liest, bekommt man dann auch. Inszenierte und zur Schau gestellt Opfer. Jon Nordh prophezeit zu Beginn der Ermittlungen, dass dieser Fall toxisch ist und die Ermittler auffressen wird.

Bei der Beschreibung der Entstellungen muss man hart im Nehmen sein. Spannend fand ich dies nicht. Eher makaber, unmenschlich und unnötig grausam. Will man so aufseiten der Autoren einen möglichst großen Effekt erreichen? Wenn das die Kulisse für spannende Unterhaltung ist, bin ich mittlerweile raus.

Die Idee, die Morde mit der Götterwelt Ägyptens zu verbinden, mag originell sein, aber ist es stimmig? Diese Ungewöhnlichkeit betont für mich eher die Skurrilität und Abscheulichkeit der Morde. Realistische Darstellungen liegen mir da deutlich mehr.

So war es dann auch weniger die Ermittlung des Täters, welche mich angesprochen hat, sondern die zentrale Fragestellung nach dessen Motivation. Hier werden unterschiedlichste Varianten und Überlegungen ins Spiel gebracht und beleuchtet.

Gefallen hat mir auch das Zusammenspiel zwischen Jon North und Svea Karhuu. Sie sind zu einem echten Team geworden, verfolgen das gleiche Ziel und ziehen an einem Strang. Auch wenn man Band 1 nicht kennt, hatte ich das Gefühl, dass man problemlos einsteigen kann. Alle wichtigen Hintergründe werden gekonnt vermittelt.

Beide Ermittler haben private Sorgen, werden bedroht bzw. trauern um den Tod des Ehepartners. Diese zusätzlichen Einblicke in das Privatleben machen die Ermittler für mich erst interessant und ehrlich gesagt bin ich gespannt, was bei deren privaten Ermittlungen noch an Licht kommt. Diese Nebenschauplätze sind nun auch für mich der Hauptgrund, das nächste Buch zu lesen.

Bewertung vom 04.11.2025
Schäfer, Stephan

Jetzt gerade ist alles gut


ausgezeichnet

Die ersten Seiten verfliegen rasant. So rasant, wie sich der Gesundheitszustand des Protagonisten verschlechtert. Von Stunde zu Stunde geht es ihm schlechter. Ihm, der immer gesund ist, der sich gesund ernährt, Sport treibt und es nicht kennt, krank zu sein. Die vermeintliche Lappalie gipfelt in einem Krankenhausaufenthalt und die Diagnose ist verheerend. Es war so knapp, dass der Protagonist hätte sterben können.

Wie geht man mit so einem Ereignis um? Wie beeinflusst es das weitere Leben? So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich ist der Umgang damit ist. Unser Protagonist beschließt ein Sammler der schönen Momente zu werden.

Auf den folgenden Seiten nimmt uns der Autor mit auf eine Reise der kleinen Augenblicke. In vielen kurzen Geschichten tauchen wir ein in das kleine Glück des Alltags. Den kleinen Augenblicken voller Wärme. Den Momenten die wir für selbstverständlich halten, denen wir aber mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Die hoffentlich jeder so ähnlich ebenfalls erlebt. Den Geschichten von Freunden, Begegnungen, der Natur oder der Liebe.

Diese Geschichten sind ganz leicht und sanft erzählt und absolut kurzweilig. Und so schlicht sie auf den ersten Blick erscheinen, so berührend sind sie. Bleibt zu hoffen, dass wir nicht immer den Schicksalsschlag brauchen, um diese kleinen Momente zu sehen, zu genießen, dankbar zu sein und wertzuschätzen.

Fazit: ein positives Buch mit einer wichtigen Botschaft

Bewertung vom 16.10.2025
Sten, Viveca

Lügennebel / Hanna Ahlander Bd.4


sehr gut

Dies ist nicht mein erstes Buch der Reihe, aber ich kenne trotzdem nicht alle Bände. Dennoch habe ich mich innerhalb des Ermittlerteams schnell zurechtgefunden. Verweise auf vergangene Entwicklungen habe ich einfach überlesen, so dass es mich nicht gestört hat.

Sechs befreundete Studenten wollen ihre Skiferien in Are verbringen. Sie wollen nicht nur Skifahren, sondern auch ausgelassen feiern und trinken. Doch die Freundschaftsbande sind untereinander sehr unterschiedlich ausgeprägt, was sich bereits auf der Hinfahrt zeigt.

Besonders interessant zu lesen ist, wie brüchig und fragil die Freundschaft der Studenten ist. Der Tod der Freundin löst sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Echte Trauer ist nur bei wenigen spürbar. Unter den Freunden machen sich Verdächtigungen und Anschuldigungen breit. Schritt für Schritt zerbricht die Gruppe. Umso mehr, als im Laufe der Ermittlungen klar wird, dass einer der Männer lügt. So gerät nach und nach fast jeden in den Fokus der Ermittlungen.

Der Kreis der Verdächtigen ist übersichtlich. Trotzdem tappen die Ermittler sehr lange im Dunkeln. Belastende Beweise gibt es nicht. Anfänglich ist noch nicht mal klar, ob hier überhaupt ein Verbrechen vorliegt. Vielmehr ist es das Bauchgefühl, das die Ermittlungen antreibt.

Die Kapitel sind sehr kurzgehalten, was den Lesefluss unterstützt. Immer wieder wird aus einer anderen Perspektive erzählt. Das bringt die Personen sehr nah und lässt uns die aktuelle Situation aus deren Sicht nachfühlen.

Besondern von den Ermittlern gibt es viele private Einblicke. Durch die kurzen Kapitel entstehen keine übermäßigen Längen und die Personen wirken äußerst authentisch und menschlich. Aber die vielen privaten Einschübe muss man trotzdem mögen. Dadurch war es für mich nicht der spannendste Fall, aber das Buch war trotzdem sehr flüssig und angenehm zu lesen.

Fazit: zu empfehlen, wenn man nicht nur einen interessanten Fall lesen, sondern auch mehr über das Leben der Ermittler erfahren möchte

Bewertung vom 13.10.2025
Dröscher, Daniela

Junge Frau mit Katze


gut

Wie bitte soll ich dieses Buch objektiv beurteilen, ohne die Protagonistin zu beurteilen? Wie kann ich mir anmaßen, schlecht über eine kranke Person zu denken. Bzw. über eine Person, die befürchtet krank zu sein und auf der Suche nach der Ursache ist. Wer bin ich, mir ein Urteil zu erlauben, ohne zu wissen, wie ich selbst in einer solchen Lage denken oder handeln würde?

Und dennoch. Die Protagonistin Ela blieb mir seltsam fremd. Mir fehlte das Berührende in dieser Geschichte. Das ich mit ihr mitfühlen kann. Das ich ihre Sorgen, Ängste, Übersprungshandlungen und Unsicherheit nachvollziehen kann.
Bei jedem Ziepen, Stechen, Unwohlsein muss eine ärztliche Diagnose her, aber eigentlich meint sie die Ursache bereits zu kennen. Und so werden Ärzte unterschiedlicher Fachrichtung aufgesucht. Und selbst wenn sie dann eine Diagnose hat, handelt sie nicht entsprechend und nimmt verschriebene Medikamente einfach nicht.

Aufgrund ihrer Vorgeschichte ist es verständlicherweise schwer, ruhig und besonnen zu bleiben. Vor allem wenn das Umfeld ebenfalls rät, zum Arzt zu gehen. Für mich grenzte ihr Handeln dennoch teilweise an Hysterie.

So dreht sie sich mit ihren Gedanken, ihrem Nichtwissen, ihrem Nichthandeln, dem Ignorieren im Kreis. Und das ist irgendwann auch für den Leser anstrengend. Erst das Ende mit dem positiven Ausblick und der Aufarbeitung und Klärung der Beziehung zu ihrer Mutter stimmt mich mit dem Buch wieder versöhnlich. Wenn gleich ich im Verlauf des Buches das Verhältnis der beiden nur schwer habe greifen können.

Bewertung vom 08.09.2025
Slaughter, Karin

Dunkle Sühne / North Falls Bd.1


gut

Karin Slaughter hat sich längst einen Namen unter den Krimiautoren gemacht und das merkt man auch. Die Beschreibungen sind sehr bildhaft und detailliert. Sie weiß die wahren Hintergründe eines Verbrechens bis zum Schluss geschickt zu verschleiern. Und selbst für das Finale hat sie sich noch eine Wendung aufgespart. Dies ist bestens geeignet, um auf eine mögliche Fortführung im nächsten Band neugierig zu machen.

Aber wenn mir der Autorenname nichts sagen würde, weiß ich nicht, ob ich ein weiteres Buch lesen würde. Gedanken, Dialoge und Szenen sind zu ausschweifend und verlieren sich oft in Details, die das Tempo bremsen. Die Kapitel sind ungewöhnlich lang, vor allem da sie keine Absätze haben, um eine Pause einlegen zu können. Direkt 30 Seiten zu lesen, kann sehr ermüdend sein. Da ist Durchhaltevermögen erforderlich.

So menschlich und authentisch Emmy, Deputy der Kleinstadt North-Falls, rüberkommt, ist auch hier die private Ebene zu dominant. Ihre weitverzweigte Familie sorgt gelegentlich für Verwirrung, und die Vielzahl an Namen erfordert Konzentration. Emmys Handlungen sind stark von inneren Konflikten wie Schuldgefühlen und Selbstzweifeln geprägt. Besonders im ersten Abschnitt, wo sie unbedingt Ergebnisse vorweisen will. Dies ist zutiefst verständlich, wirkt aber nicht immer stimmig mit ihrer Rolle als Polizistin.

Fazit: Insgesamt entspricht der Inhalt eher einem Kriminalroman. Zu empfehlen, wenn man Wert auf das Privatleben der Ermittler legt und gemächliches Tempo zu schätzen weiß.

Bewertung vom 06.09.2025
Georg, Miriam

Die Verlorene


ausgezeichnet

Ich muss sagen, dass ich im Vorfeld gar nicht so große Erwartungen an das Buch hatte. Zum einen, weil ich bislang keine Werke der Autorin kannte, zum anderen wirkte das schlichte Cover wenig auffällig. Auch das Thema Familiengeschichten schien mir nicht besonders originell, da man die ein oder andere bereits gelesen hat.

So war der Einstieg auch etwas gemächlich. Hier wird der Fokus auf die Gegenwartsebene gelegt und somit der Bogen in die Vergangenheit von Änne, der Mutter von Ellen bzw. der Großmutter von Laura gespannt. Als klar wird, dass Änne einige Geheimnisse hatte, beginnt die spannende Spurensuche und die zweite Erzählebene, die Vergangenheit, gerät in den Fokus.

Was sich auf den folgenden Seiten entwickelt, ist eine vielschichtige und mitreißende Familiengeschichte. Welches Geheimnis Änne mit sich herumgetragen hat, bleibt bis zum Schluss unklar. Kaum glaubt man als Leser eine plausible Theorie gefunden zu haben, gibt es Enthüllungen, die dagegensprechen. Hypothesen werden aufgestellt, nur um alsbald wieder verworfen zu werden. Dieses ständige Spiel an Möglichkeiten macht die Geschichte unvorhersehbar, voller Überraschungen und voller Brüche.

Änne entpuppt sich dabei als ambivalenter und streitbarer Charakter. Wobei immer die Lebensumstände und Möglichkeiten in Kriegszeiten berücksichtigt werden müssen. Das Herzstück des Buches ist das Verhältnis der Schwestern. Voller Liebe und Unterstützung, aber auch Rivalität und dem Wunsch nach Selbstständigkeit. Und so schwierig es war, haben sie sich doch letztendlich geschützt und füreinander aufgeopfert.

Ich wollte nicht, dass dieses Buch zu Ende geht, so ruhig und detailliert, aber auch traurig und spannend ist es geschrieben. Und gleichzeitig fiebert man dem Ende und der Auflösung entgegen.

Fazit: berührender Blick in eine andere Zeit, in die Lebensumstände und deren traumatische Folgen

Bewertung vom 02.09.2025
Keßler, Verena

Gym


gut

Ehrlich gesagt finde ich das Cover furchtbar hässlich. Umso überraschter war ich vom Klappentext, der mich sofort neugierig gemacht hat.

Die ersten Seiten verfliegen geschwind. Die Kapitel sind sehr kurzgehalten. Der Schreibstil locker, leicht und unterhaltsam. Zunächst scheint es im Buch um die kleine Lüge zu gehen, die der Protagonistin während ihres Vorstellungsgespräches für das Mega Gym unterläuft. Ebenso könnte es um den Körperkult in einem Fitnessstudio gehen. Um den gesellschaftlichen Druck auf den perfekten Körper.

Der zweite Abschnitt bringt die Wende. Doch leider auch die Fragezeichen. Wo führt dieses Buch hin? Die Protagonistin, deren Namen wir nie erfahren, verliert sich zunehmend in einem obsessiven Trainingswahn. Bis dahin wirkte sie lässig und entspannt. Nun zeigt sie ein komplett anderes Gesicht. Sie entwickelt einen krankhaften Ehrgeiz und wirkt unvernünftig. Was ist ihr Ziel? Geht es ihr darum, um jeden Preis die Beste zu sein?
In kurzen Einschüben erfährt man nun auch mehr über ihr Leben vor dem Job im Fitnessstudio. Auch hier offenbaren sich die gleichen Muster.

Die Beschreibung ist überspitzt und für mich nicht nachvollziehbar. Dieses übersteigerte wahnhafte Verhalten war mir fremd. Aus mir nicht ersichtlichem Grund und unklarem Antrieb, verrennt sie sich. In der Beschreibung des Buches liegt dies nicht an gesellschaftlichem Druck, sondern dem Druck, den sie sich selbst macht. Ihr Handeln empfand ich als komplett unreflektiert. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren, was sie so getriggert hat. Was ihre Motivation war.

Je länger ich für diese Rezension über den Inhalt und die Aussage des Buches nachdenke, umso schlüssiger erscheint sie mir. Auch wenn die Darstellung vereinfacht und überzogen ist, zeigt sich, dass es nicht viel braucht, um in diese Spirale von Abhängigkeit und Besessenheit zu geraten.

Dennoch fand ich die Wendung, die das Buch genommen hat, zu extrem und das Ende sehr irritierend.