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Bewertungen

Insgesamt 385 Bewertungen
Bewertung vom 13.08.2017
Finster ist die Nacht / Macy Greeley Bd.3
Salvalaggio, Karin

Finster ist die Nacht / Macy Greeley Bd.3


sehr gut

Radiomoderator Philip Long wurde entführt, konnte sich aber scheinbar aus den Fängen der Verbrecher befreien. Auf seiner Flucht jedoch gerät er nicht nur vor Detective Macy Greeleys Auto, sondern im wahrsten Sinne des Wortes erneut in die Schusslinie. Dieses Mal überlebt er die Begegnung mit seinem Peiniger nicht. Das Fatale an der Sache: Für den Mord verwendet der Täter Macys Dienstwaffe, während sie nur hilflos zusehen kann. Auf der Suche nach Antworten geraten die Ermittler schnell an ihre Grenzen, sogar über komplett neue Ansätze wird diskutiert, denn bei diesem Fall passt einfach nichts wirklich zusammen, ein Muster ist schwer auszumachen. Und doch muss es einen Grund für die Entführung gegeben haben. Werden Macy und ihr Team das Motiv rechtzeitig entschlüsseln oder wird es weitere Opfer geben?

In „Finster ist die Nacht“, ihrem nunmehr dritten Fall, bekommt es Detective Macy Greeley mit einer schier unglaublichen Geschichte zu tun, deren Ausmaße weder auf den ersten Blick greifbar noch bei genauerem Hinsehen sofort deutlich werden. Erst mit der Zeit entwickelt sich ein Gesamtbild, welches mit einigen ungeschliffenen Ecken und Kanten zu kämpfen hat, so richtig rund vermag es kaum zu werden. Egal wie tief die Ermittler graben, welche Geheimnisse sie zutage fördern, es scheint immer als bliebe etwas im Verborgenen. Dieses Gefühl beschleicht auch den Leser, obwohl dieser einen umfassenderen Einblick in die Ereignisse erhält und somit auch über Informationen verfügt, die die Polizei nicht zu Gesicht bekommt.

Ähnlich wie im Vorgänger kann die Spannungskurve nicht auf ganzer Linie überzeugen, sie scheint sich nicht für eine konkrete Richtung entscheiden zu können. Mal geht es temporeich zu, so dass man aufpassen muss den Faden nicht zu verlieren, dann aber gibt es auch immer wieder Passagen, die das Geschehen beinahe zum Stillstand bringen. Erneut befindet sich der Wendepunkt etwa innerhalb des zweiten Drittels der Erzählung, ab dem man das Buch kaum mehr aus der Hand legen kann, da endlich die vermeintlich zielführenden Hinweise auftauchen, um die vorangegangenen Ereignisse rekonstruieren zu können. Auch wenn der Leser bereits früh im Gefühl hat wer für die Taten verantwortlich sein könnte, so fehlt es doch an Beweisen, Intuition reicht schließlich nicht aus. Entsprechend gespannt ist man ob des weiteren Verlaufs und auf mögliche Überraschungsmomente.

Es ist erneut vor allem Protagonistin Macy Greeley, die dem Leser im Gedächtnis bleibt, da sie sich nicht so einfach in eine Schublade stecken lässt und ihren Charakter beruflich wie privat einbringt, wodurch eindeutig Wiedererkennungswert entsteht. Auch wer noch keinen Vorgängerband gelesen hat, wird sofort eine Bindung zu ihr Aufbauen als wäre sie eine alte Bekannte. Vorkenntnisse sind entsprechend nicht notwendig für das Verständnis des vorliegenden Falls. Und das Ende zeigt: Es liegt bereits Potential für mindestens einen weiteren, vielleicht sehr persönlichen, Fall vor der Tür.

Bewertung vom 06.08.2017
Mit dir auf Düne sieben
Janz, Tanja

Mit dir auf Düne sieben


gut

Das war wirklich alles andere als die feine Art, als Klaas seine Verlobte Jette einfach vor dem Standesamt hat stehen lassen und sich still und heimlich vom Acker machte. Jetzt, zwei Jahre später, scheint sie die damalige Schmach einigermaßen überwunden zu haben und geht in ihrem Job als Hochzeitsplanerin voll auf. Für ihre Kunden macht sie alles möglich, sämtliche Wünsche werden berücksichtigt, niemand kommt zu kurz. Als bereits die nächste Heiratswillige in Jettes Büro erscheint, ahnt sie noch nicht, dass es sich dabei um Klaas' Verlobte handelt...

Bei Tanja Janz' Romanen ist immer Verlass darauf, dass sie dem Leser eine frische Meeresbrise in die heimischen Gefilde schicken, wodurch das Fernweh angekurbelt wird, welches sich nur stillen lässt, indem man voll und ganz in die Lektüre eintaucht – oder es zumindest versucht. Fast schon möchte man behaupten St. Peter-Ording läge quasi um die Ecke, so bildhaft wird die Umgebung dargestellt. Und wer hätte das Meer nicht gerne direkt vor der Haustür – ein Traum.

Eher das Gegenteil erlebt Jette als Klaas sie, ohne einen Mucks zu sagen, vor dem Ja-Wort sitzenlässt und abhaut. Dass sie sich dennoch nicht einschüchtern lässt und voll und ganz für ihren Job brennt, vielleicht sogar mehr denn je, spricht absolut für sie. Dennoch bleibt Jette leider, wie sämtliche andere Protagonisten auch, in der Darstellung zu oberflächlich. So baut sich eine gewisse Distanz auf, die schwer bis gar nicht zu überbrücken ist. Dadurch bleibt auch das Geschehen als solches zu weit entfernt, um gefühlsmäßig tatsächlich nah dran zu sein.

Inwiefern es sich bei den Ereignissen um klischeehafte oder vorhersehbare Situationen handelt, muss jeder Leser individuell entscheiden, vor allem auch, ob er dies als positiv oder negativ erachtet. Manches Mal möchte man ja durchaus in seinen Gedankengängen bestätigt werden. Vielleicht versteckt sich sogar die ein oder andere Überraschung innerhalb der Erzählung. Was auf jeden Fall ganz offensiv ausgespielt wird ist der Humor, der gezielt eingesetzt und gekonnt platziert wird, um der Geschichte Witz zu verleihen, auch wenn es manchmal schon fast sarkastisch wird.

Im Großen und Ganzen ist „Mit dir auf Düne sieben“ eine locker-leichte Geschichte, die am Strand oder auf dem Balkon einige Stunden gute Unterhaltung bietet und den Alltag auszusperren vermag.

Bewertung vom 06.08.2017
Ein Fall von Pink / Sherlock Bd.1
Gatiss, Mark; Moffat, Steven

Ein Fall von Pink / Sherlock Bd.1


ausgezeichnet

Ein gerade aus Afghanistan zurückgekehrter Militärarzt, ein Genie nahe dem Wahnsinn, eine gemeinsame Wohnung und mysteriöse Selbstmorde. Mehr braucht es nicht, die Geschichte rund um Sherlock Holmes und Dr. Watson ins Rollen zu bringen. Ob „Die Studie in...“ oder „Ein Fall von...“ ist egal: Hauptsache „Pink“. Obwohl Watson der neuen Bekanntschaft misstrauisch gegenübersteht, so geht von dieser gleichzeitig eine gewisse Faszination aus, der er sich nicht zu entziehen vermag. Holmes' Gedankengänge, mitunter nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar, reizen sehr, ein zweites Mal, vielleicht genauer, hinzuschauen. Auch der Leser ist somit schnell in dem Sog gefangen, obwohl die Geschichte inhaltlich vermutlich bereits bekannt ist. Nun aber ist das Duo auch zeichnerisch adaptiert worden, und zwar, wie sofort sichtbar wird, angelehnt an die TV-Serie. Die markanten Gesichtszüge sämtlicher Charaktere weisen nicht nur eine Ähnlichkeit auf, vielmehr ist es als wären die schwarz-weiß Bilder lebendig.

Der geneigte Manga-Leser wird sicherlich keinerlei Probleme haben, wenn es um die korrekte Leserichtung geht, Neulinge müssen sich erst einmal ein wenig mit diesem Gebiet beschäftigen. Glücklicherweise gibt es im Buch eine exemplarische Anleitung nach welcher Reihenfolge die Darstellungen betrachtet werden sollen beziehungsweise müssen. Anfangs mag sich noch ein komisches Gefühl einschleichen, vor allem beim Blättern von „hinten nach vorne“, aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch an diesen Stil, so dass man sich voll und ganz auf die Geschichte einlassen kann.

Wie nicht anders zu erwarten lässt diese schlussendlich auch keinerlei Wünsche offen. Holmes' ganz besondere Eigenheiten sowie Watsons Loyalität oder Mycrofts auftauchen werden sowohl sprachlich wie auch visuell zum Ausdruck gebracht. Manchmal sagt ein Gesichtsausdruck tatsächlich mehr als jedes Wort, so auch hier. Es lohnt sich daher auch mal einen genaueren Blick zu riskieren, wenn gerade keine Sprechblase vorzufinden ist. Spannung wird ebenso gekonnt aufgebaut und man ist teilweise noch immer überrascht ob der Fähigkeit der Deduktion und was diese hervorzubringen vermag.

Ein mehr als gelungener Auftakt, um Sherlock und Watson auf einem weiteren Markt zu etablieren. Selbst solche Leser, die bisher im Manga-Genre nicht fündig wurden, könnten sich durchaus dazu hinreißen lassen, diese Meinung noch einmal zu überdenken. Entsprechend gespannt darf man auf die Folgebände sein, die bereits erschienen beziehungsweise in Vorbereitung sind.

Bewertung vom 06.08.2017
Fingerhut-Sommer / Peter Grant Bd.5
Aaronovitch, Ben

Fingerhut-Sommer / Peter Grant Bd.5


gut

Der Fall zweier, auf mysteriöse Weise, verschwundener Kinder zwingt Peter Grant, Londoner Bobby und Zauberlehrling, in die tiefste Provinz. Ob es sich dabei tatsächlich um eine Entführung mittels Magie handelt oder ob er es hier mit zwei Ausreißern zu tun bekommt, ist allerdings noch gar nicht klar. Widerwillig macht Peter sich also auf den Weg, an seiner Seite Flusstochter Beverly Brook, um den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Diese wiederum sind alles andere als rar gesät...

Inzwischen hat Peter Grant wahrlich einiges gesehen, gehört und gelernt, doch zeigt sich hier wieder einmal, dass man in seinem Beruf besonders vielfältig sein muss. Nicht nur auf eine vollkommen andere Umgebung gilt es sich einzustellen, sondern auch auf die verschiedensten Charaktere, die scheinbar sogar noch das bunte Treiben in London übertreffen. Dass er sich allerdings auf dem Land nicht so richtig wohl fühlt, wird schnell deutlich, immer wieder steht die Frage der Rückkehr im Raum, welche man ihm zwar wünschen würde, die Auflösung des Falls sollte aber dennoch vorgehen.

Möglicherweise trägt somit seine Einstellung dazu bei, dass einige offensichtliche Hinweise übersehen werden, Peter nicht ganz bei der Sache scheint. Das mag jedoch auch eine reine Interpretation sein, die nicht in Gänze zutrifft. Gut nur, dass nicht alle Einheimischen ihm gegenüber auf Konfrontationskurs gehen, manchmal sehen vier oder sechs Augen einfach mehr, sogar solche, die nichts mit Magie am Hut haben.

Davon gibt es in diesem fünften Band streng genommen viel zu wenig. Sicherlich ist das Thema unterschwellig durchweg vorhanden, im Vergleich zu den Vorgängerbänden jedoch hält es sich stark im Hintergrund. Könnte man drüber hinwegsehen, wenn die Spannungskurve entsprechend ausgearbeitet wäre, aber auch da hapert es leider ein wenig. Die erste Hälfte verläuft extrem zäh und langwierig, fast schon als reine Nacherzählung der vorhandenen Fakten. Erst nach gut 200 Seiten kommt das Geschehen endlich richtig in Schwung und schafft es doch noch den Leser zu fesseln und in weiten Teilen zu überraschen. Zum Ende hin dann wird es plötzlich hektisch, als hätte der Einstieg zu viel Zeit und Platz geraubt, woran es am Schluss fehlt.

Dementsprechend im fünften Fall keine allzu runde Sache, auch wenn nach Kräften versucht wird die Rahmenhandlung, die sich seit dem ersten Band abzeichnet, weiter auszubauen. Zu viele Stolpersteine ebnen den Weg, wodurch die schlussendliche Bewertung nur mittelmäßig ausfallen kann, mit der Hoffnung, dass Band 6 wieder aus den Vollen schöpft.

Bewertung vom 30.07.2017
Kalle und Kasimir - Flitterwochen im Pfötchenhotel (eBook, ePUB)
Müntefering, Mirjam

Kalle und Kasimir - Flitterwochen im Pfötchenhotel (eBook, ePUB)


sehr gut

Herrchen Mads und Frauchen Linna haben sich endlich wieder versöhnt und nun sogar das Ja-Wort gegeben. Höchste Zeit für die Flitterwochen in Österreich, und das Beste: Kalle und Kasimir dürfen mit. Das Hotel bietet eine exquisite Haustierbetreuung an, die Mops und Kater schon bald selbst testen dürfen. Auch wenn sie dafür in getrennten Bereichen untergebracht werden, die schlauen Vierbeiner finden auch hier wieder einen Weg ihre Kommunikation nicht einschlafen zu lassen. Das ist enorm wichtig, denn es verschwinden immer wieder haarige Lieblinge und Herrchen oder Frauchen erhalten Erpresserschreiben. Klar, dass Kalle und Kasimir nicht lange zögern, auch weit weg von zu Hause ist ihnen kein Fall zu schwer, außerdem können sie auf tatkräftige Unterstützung hoffen, schließlich sind sie nicht allein in der Betreuungseinrichtung...

Nachdem bereits zweimal quasi vor der eigenen Haustür Verbrecher ihr Unwesen getrieben haben, hatte sich nicht nur das frisch vermählte Paar auf ruhige Flitterwochen gefreut und eingestellt. Mops und Kater hätten ebenfalls nichts dagegen einfach mal zu faulenzen und den Tag auf sich zukommen zu lassen. Doch daraus wird nichts als es zum Verschwinden diverser Vierbeiner kommt. Nicht nur für die tierischen Ermittler ist sofort klar, dass sie schnellstmöglich handeln müssen, um Schlimmeres zu verhindern. Der Leser ist ebenfalls gleich Feuer und Flamme, ahnt man doch bereits, dass neben einem spannenden Fall auch eine ordentliche Portion Humor auf einen wartet.

Wer als Neuling in die Reihe einsteigt, hat im Grunde keine allzu großen Nachteile. Sicherlich werden Elemente aus den Vorgängerbänden kurz aufgegriffen und auch nicht immer ausführlich erläutert, für das Verständnis des vorliegenden Bandes ist dies allerdings auch nicht unbedingt relevant. Die Entwicklung der Charaktere, Menschen wie Tiere, ist da schon ein wichtigeres Element, welches in seiner Gänze erst verstanden werden kann, wenn auch die ersten beiden Fälle gelesen wurden, Voraussetzung ist es jedoch nicht. Der Band als solcher ist in sich abgeschlossen und kann entsprechend alleinstehend gelesen werden.

Trotz der Entfernung zu ihrem bekannten Umfeld stellen Kalle und Kasimir sich schnell auf die veränderte Situation ein und wechseln sofort in den Ermittlungsmodus. Dennoch scheint ihnen die frische Bergluft ein wenig die Sicht zu vernebeln, offensichtliche Hinweise werden nicht immer als solche wahrgenommen, überhaupt scheint es diesmal schwer einen tatsächlichen Ansatz zu finden, der das Duo auf die richtige Spur bringt. Der Leser hingegen ahnt bereits zu einem frühen Zeitpunkt wie Täter und Motiv aussehen und findet zielgerichtet auch diverse Hinweise, die für die eigene Theorie sprechen. Werden Kalle und Kasimir im Laufe des Geschehens noch die Kurve bekommen und zu alter Stärke zurückfinden?

Auf Grund der soeben angeführten Kritik leidet die Spannungskurve ein wenig, das Niveau ist nicht durchweg konstant, Schwankungen ergeben sich zudem durch ausschweifende Passagen, die die Handlung zeitweise stagnieren lassen. Auf den Humor allerdings kann man sich absolut verlassen. Dieser wird nicht subtil eingestreut, sondern gekonnt und gezielt eingesetzt, ohne dabei konstruiert zu wirken. Emotional ist und bleibt man nah an dem tierischen Duo, von dem man hoffentlich noch so einiges lesen wird.

Bewertung vom 30.07.2017
Killerküsse
Veen, Jill van

Killerküsse


sehr gut

Lilly Hart dachte bislang, dass sie glücklich ist. Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen und sie steht kurz davor mit ihrem Freund zusammenzuziehen. Doch all das wird auf den Kopf gestellt, als sie plötzlich Zeugin eines Mordes wird und Hals über Kopf vom Tatort flieht. Dabei läuft sie Patrick McClane in die Arme, der gleichermaßen sexy wie geheimnisvoll, aber scheinbar auch unberechenbar ist. Von einer Sekunde auf die andere befindet Lilly sich auf einem Roadtrip, der sie nicht nur aus der Schusslinie bringen soll, sondern auch dafür sorgt, dass sie ihren Lebensplan noch einmal überdenkt...

Schon die Inhaltsangabe mag den ein oder anderen Leser stutzig werden lassen. Kennt man solche oder ähnliche Geschichten nicht aus anderer Feder? Nicht ohne Grund wirbt der Verlag mit dem Hinweis, dass vor allem Fans von Janet Evanovich sich angesprochen fühlen werden. Doch auch wenn es durchaus Parallelen zu entdecken gibt, allerdings mehr den Humor als die Story betreffend, finden sich ebenso Unterschiede und individuelle Eigenschaften.

Lilly Hart gerät durch einen dummen Zufall ins Visier von Verbrechern, die vor Mord nicht zurückschrecken. Überstürzt und kopflos ergreift sie die Flucht und kreuzt den Weg von Patrick McClane, der nicht nur für Lilly zunächst undurchschaubar ist. Als Leser weiß man ebenfalls nicht so recht, ob er nun wirklich einer von den Guten ist oder nicht. Denn dass er ein Geheimnis bewahrt ist mehr als offensichtlich, fragt sich nur inwiefern dieses möglicherweise mit dem Fall zusammenhängt. Nichtsdestotrotz müssen die beiden sich zusammenraufen, um möglichst unbeschadet aus der Sache herauszukommen, was leichter gesagt als getan ist. Mit Spannung verfolgt man entsprechend die wilde Jagd, die mitunter Zeit zum Verschnaufen lässt, zugleich aber auch viele Fragen bereit hält.

Emotional hin- und hergerissen heißt der Leser Lillys Verhalten nicht zu jedem Zeitpunkt gut und würde am liebsten kurz ins Geschehen eingreifen, um ihr den Kopf zurecht zu rücken. Auch wenn man im Verlauf des Geschehens die Protagonisten um einiges besser kennenlernt, hat man dennoch immer das Gefühl einer gewissen Distanz, die partout nicht überwunden werden kann. Selbst der gezielt eingesetzte Humor kann dies nicht überbrücken. Dennoch fühlt man sich durchaus gut unterhalten und kann für ein paar Stunden abschalten.

Bewertung vom 30.07.2017
Das kann man doch noch essen. Renate Bergmanns großes Haushalts- und Kochbuch, 2 Audio-CDs
Bergmann, Renate

Das kann man doch noch essen. Renate Bergmanns großes Haushalts- und Kochbuch, 2 Audio-CDs


weniger gut

Renate Bergmann weiß wie zu allem und jedem etwas zu sagen, kein Wunder also, dass auch ihr „Haushalts- und Kochbuch“ nicht lange auf sich warten ließ. Hier handelt es sich erneut, wie schon bei „Kennense noch Blümchenkaffee?“ nicht um eine zusammenhängende Geschichte, vielmehr werden einzelne Rezepte oder diverse Haushaltstipps herausgegriffen und erläutert. Leider nicht in einer solchen Form wie man es sich gewünscht hätte.

Sicherlich gibt es zahlreiche Anekdoten, die mitunter mal mehr mal weniger humorvoll daherkommen, aber das kennt man inzwischen ja auch von der Online-Omi. Nach dem Sprecherwechsel zeigt sie sich bissiger als zuvor, doch gewöhnt man sich langsam auch an diesen, wenn auch geringen, Imagewandel. Nichtsdestotrotz hätte man sich weitreichende Ausschmückungen gewünscht. Sei es hinsichtlich der dargestellten Ratschläge oder auch der Geschichten „drumherum“.

Es scheint fast, als sei alles auf ein Minimum reduziert, um möglichst viel in der doch recht kurzen Laufzeit unterzubringen. Dadurch wirkt das Erzählte gehetzt und noch unzusammenhängender als bei einer reinen Aneinanderreihung, wie sie hier vorliegt, sowieso schon. Hinzu kommt, dass es sich selten bis gar nicht um neue „Weisheiten“ und Erkenntnisse handelt. Natürlich nicht im Sinne von modern, sondern von nicht bekannt. Da macht auch der beliebte Humor nicht mehr viel wett.

Auch „Das kann man doch noch essen“ hätte nicht unbedingt einer Vertonung bedurft, als Lesefassung mag es, je nach Aufmachung, noch funktionieren, in der Hörversion leider mehr schlecht als recht. Bleibt zu hoffen, dass die im August erscheinende Erzählung wieder mehr bekannten Renate-Bergmann-Charme zu bieten hat, schließlich geht es hinaus auf die weite See.

Bewertung vom 23.07.2017
Landliebe
Lukas, Jana

Landliebe


gut

Wie sie es auch dreht und wendet, Ellie bleibt keine andere Wahl, als an einer Realityshow teilzunehmen, um ihre Geldprobleme loszuwerden. Dafür muss sie vier Wochen die bayerische Frohnatur mimen, natürlich stilecht in Dirndl und High-Heels. Kann doch eigentlich so schwer nicht sein, denkt sich Ellie und reist frohen Mutes an die Mosel auf das Weingut von Tom und seinem Bruder. Die Umgebung ist ein Traum und seine Familie nimmt sie nett auf, doch zu Tom findet Ellie partout keinen Zugang. Es scheint fast, als würde er sie lieber heute als morgen nicht mehr auf dem Hof sehen. Doch dann sähe es auch für ihn eng aus, schließlich ist auch seine Teilnahme an der Show mehr dem Geld als der Suche nach einer Partnerin geschuldet. Niemand kennt die eigentlichen Beweggründe des Anderen, doch müssen sie eigentlich an einem Strang ziehen, um mit dem erhofften Gewinn aus der Sendung zu gehen. Ob ihnen dies wirklich gelingt?

Egal wie eine Show sich nennt, eines scheinen sie alle gemeinsam zu haben: Sie täuschen Zuschauer wie Teilnehmer. „Landliebe“ zeigt zumindest dem Leser ihr wahres Gesicht und somit auch das Skript, welches im Vorfeld geschrieben und schlussendlich im besten Fall umgesetzt wird. Hat man jedoch so eigenwillige Kandidaten wie Ellie und Tom, kann es schonmal zu unvorhergesehenen Ereignissen kommen, die die eingespielte Filmcrew aber auch nur kurz ins Schwitzen bringen, schnell befindet man sich wieder auf dem vom Sender vorgesehenen Weg. Obwohl man dies alles mitbekommt, vielleicht gerade deswegen, fragt man sich als Leser doch ein ums andere Mal, warum vernünftige Menschen, wie Ellie und Tom es augenscheinlich sind, sich auf ein solches Niveau einlassen. Kann man es wirklich mit sich vereinbaren, sich selbst zu verleugnen, nur weil man dringend Geld benötigt? Oder liegt hier doch ein gewisses Maß an Naivität vor?

Die Geschichte als solche ist relativ vorhersehbar, auch wenn manch ein Protagonist ein bisschen länger benötigt, um zu begreifen was sich abspielt. Da würde man schon gerne von außen eingreifen, kräftig schütteln und die Richtung weisen. Aber früher oder später – meist später – findet doch jeder den korrekten Pfad. Allerdings wirkt das ständige Hin und Her auf Dauer doch etwas nervtötend, so dass man am liebsten einige Passagen nur überfliegen würde. Zum Ende hin wird es noch einmal spannend gemacht, obwohl man sich natürlich denken kann, welcher Abschluss zu erwarten ist. Nichtsdestotrotz hält man kurzfristig den Atem an, schließlich könnte es ja doch noch eine wahre Überraschung geben.

„Landliebe“ weiß im Großen und Ganzen zu unterhalten, hält aber keine größeren Überraschungsmomente bereit, so dass die Lektüre leider auch nicht unbedingt allzu lang im Gedächtnis hängen bleibt. Der Blick hinter die Kulissen allerdings ist mehr als aufschlussreich, auch wenn man natürlich von den gegebenen Darstellungen nicht zwangsläufig auf reale Formate schließen darf – vorstellen kann man es sich jedoch gut.

Bewertung vom 23.07.2017
Der Club, 2 Audio-CDs
Würger, Takis

Der Club, 2 Audio-CDs


sehr gut

Niemals hätte Hans Stichler sich träumen lassen eines Tages die Uni in Cambridge zu besuchen, geschweige den Mitglied im gleichsam elitären wie legendären Pitt Club zu werden. Doch er bekommt diese Chance, im Gegenzug soll er quasi undercover Ermittlungen anstellen, um ein Verbrechen aufzuklären. Dass es hinter den Mauern einige Geheimnisse zu entdecken gibt, merkt Hans schnell, worum genau es sich bei seinem Auftrag allerdings handelt, kommt erst mit der Zeit ans Tageslicht. Je näher er der grausamen Wahrheit kommt, desto häufiger stellt er sich die Frage, ob er wirklich das Richtige tut, ob er wirklich bereit ist die Grenze zu überschreiten...

Hans Stichlers Leben beginnt relativ unspektakulär, er lernt sich durchzuboxen, doch eigentlich steht ihm eine viel größere Aufgabe bevor. Doch weder er selbst noch der Hörer ahnt zunächst was es damit auf sich haben und welchen Weg er noch einschlagen wird. Im Nachhinein stellt sich möglichweise sogar die Frage, ob man sich darauf eingelassen hätte, wüsste man im Vorfeld was sich am Ende zeigt. Denn man wird in Abgründe blicken, die nicht unbedingt leicht verdaulich sind, aber leider immer wieder vorhanden, ob im Verborgenen oder auch öffentlich. Lässt man sich auf die Geschichte ein, werden Emotionen geweckt, wie es selten bei einem Hörbuch der Fall ist. Denn man ist nah dran am Geschehen, manches Mal empfindet man es vielleicht sogar als zu nah. Die Charaktere entfalten sich regelrecht vor dem inneren Auge, auch wenn ein paar Passagen recht langwierig, hin und wieder sogar zäh, erscheinen, im Gesamten gesehen ergibt sich ein stimmiges Werk.

Es wird nicht nur aus verschiedenen Perspektiven erzählt, jede Figur erhält auch eine eigene Stimme, die quasi kapitelweise wechseln, somit nicht nur die Geschichte im Fluss halten, sondern auch verschiedenste Eindrücke zusammenbringen. Einige Situationen werden somit aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet, so dass der Hörer sich ein eigenes Bild machen kann und soll, eigenen Interpretationen wird ebenfalls Raum gegeben. Man hat schon früh das Gefühl, dass sämtliche Sprecher sich nicht nur mit dem Text, sondern vor allem ihrer Rolle im Allgemeinen intensiv beschäftigt haben. Dadurch wirkt es nicht wie eine reine Lesung des Geschriebenen, sondern wie etwas Lebendiges, etwas, das tatsächlich von den Vortragenden erlebt wurde. Die Sprecherwahl hätte besser nicht ausfallen können.

„Der Club“ wird sicherlich kontroverse Meinungen und Empfindungen hervorrufen, doch gerade wenn das der Fall ist, und über ein Buch/Hörbuch gesprochen und diskutiert wird, so spricht das doch für die Qualität des Werks.

Bewertung vom 23.07.2017
Das verflixte Vermächtnis / House of Ghosts Bd.1
Reifenberg, Frank M.

Das verflixte Vermächtnis / House of Ghosts Bd.1


sehr gut

Melli hat absolut keine Lust darauf mit ihren Eltern nach Kohlfincken zu ziehen. Wo liegt das überhaupt? Aber da sie sich New York nicht mehr leisten können, kommt die alte geerbte Villa gerade recht. Obwohl man schon glauben könnte, dass sie in sich zusammenfällt, sobald man sie nur schief anschaut. Melli bleibt also nichts weiter übrig als sich in ihr Schicksal zu fügen – und das hat es wahrlich in sich. Gemeinsam mit dem Nachbarsjungen Hotte findet sie sich plötzlich auf Geisterjagd wieder und spürt, dass das Vermächtnis viel weitreichender ist als zunächst angenommen...

Mit „Das verflixte Vermächtnis“ startet Autor Frank M. Reifenberg eine neue Reihe für Klein und Groß. Geistergeschichten sind allseits beliebt, schließlich weiß man nie, welche übernatürlichen Phänomene es tatsächlich gibt. Vielleicht ist auch alles nur großer Humbug, doch so oder so ist es meist der gewünschte Gruselfaktor, der Leser jedweden Alters dazu bringt zur entsprechenden Lektüre zu greifen. Da „House of Ghosts“ passendes verspricht, ist die Erwartungshaltung hoch.

Jeder wird mit Melli fühlen können, als sie sich aus ihrem alten Leben verabschieden muss, um in Kohlfincken noch einmal von vorne anzufangen. Egal, ob man dies nur im kleinen erlebt hat, wie beispielsweise ein Schulwechsel, oder tatsächlich in ähnlicher Form wie beschrieben, es ist nie leicht, wenn das ganze Umfeld sich plötzlich verändert. Gut, wenn man schnell Anschluss findet, um nicht unterzugehen. Zwar ist Melli von Hotte und seinem Ansinnen anfangs nicht vollends überzeugt, mehr und mehr ahnt sie dann aber doch, dass mehr Wahrheit hinter seinen Worten steckt, die man schnell als Übertreibungen abstempeln könnte.

Plötzlich beginnt für Melli ein ganz neuer, unerwarteter Lebensabschnitt, der so manche Überraschung, vor allem aber viel Spannung mit sich bringt. Gebannt verfolgt der Leser das Geschehen, das sich mit der Zeit immer mehr in die erhoffte Richtung entwickelt, dennoch viel Platz für Spekulation und Fantasie bietet, gleichzeitig aber auch immer zielgruppengerecht bleibt. Obwohl sich der voraussichtlicher Verlauf abzeichnet, wartet der Autor mit diversen Elementen auf, die man so nicht unbedingt auf dem Schirm gehabt hat. Es empfiehlt sich als konzentriert bei der Sache zu bleiben, auch zwischen den Zeilen zu lesen und sich vor allem gut unterhalten zu lassen. Dann kommt jeder, ob Klein oder Groß, voll auf seine Kosten.