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Insgesamt 417 Bewertungen
Bewertung vom 15.10.2017
Der blinde Banker / Sherlock Bd.2
Moffat, Steven; Gatiss, Mark

Der blinde Banker / Sherlock Bd.2


ausgezeichnet

Ein ehemaliger Studienfreund Sherlock Holmes' tritt an den berühmt-berüchtigten Detektiv heran und bittet ihn in einer delikaten Angelegenheit um Hilfe. Da ahnt Holmes noch nicht, dass Watson und er es mit einem chinesischen Schmugglerring zu tun bekommen werden, der keinerlei Gnade kennt. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Zahl der Opfer steigt, und noch weiß das Duo überhaupt nicht welche Wertsache überhaupt den Stein ins Rollen gebracht hat.

Egal ob bekannt oder nicht, auch diese zweite Story rund um den eigensinnigen Detektiv zieht den Leser sofort in den Bann. Fieberhaft versucht man den deduktiven Gedankengängen zu folgen, um das Rätsel möglichst schnell auflösen zu können. Doch natürlich werden Hürden, auch für die Protagonisten, eingebaut, die sich überraschend geschmeidig ins Gesamtgeschehen einfügen und doch gleichzeitig für Verwirrung sorgen. Es ist nicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit, denn ihre Gegner sind stark, sehr stark, und scheinbar den ein oder anderen Schritt voraus.

Erneut gelingt es wunderbar die Serie zeichnerisch auf Papier zu bannen, fast schon als realistisches Abbild. Umso schneller freundet sich der geneigte Leser mit der Darstellung an, schließlich sind ihm die Charaktere in weiten Teilen geläufig, man bekommt schneller das Gefühl von einem Wiedersehen mit „alten Bekannten“. Es ist selbstverständlich, dass nicht jede Sekunde in den Bildern festgehalten werden kann und die Erzählung somit leicht eingekürzt werden muss, dennoch hat man nicht das Gefühl, dass gravierende Elemente ausgelassen wurden. Ein bisschen Fantasie ist immer gefragt, schadet aber definitiv nicht, lässt man sich so doch noch weiter auf die Geschichte ein.

Erfreulich, dass der zweite Teil niveautechnisch absolut an den ersten anknüpfen konnte. Da wird man sich wohl beruhigt zurücklehnen und auf den bereits angekündigten dritten Band warten können, der schon bald erscheinen wird. Vielleicht gibt es ja sogar eine weitere Fortsetzung der Reihe – wünschen würde man es sich zumindest.

Bewertung vom 15.10.2017
Blutzeuge / Jane Rizzoli Bd.12
Gerritsen, Tess

Blutzeuge / Jane Rizzoli Bd.12


ausgezeichnet

Eine junge Frau, ermordet, ihre Augäpfel in der offenen Hand. Ein junger Mann, durchbohrt von Pfeilen, die in seinem Brustkorb stecken. Doch beide Verletzungen wurden den Opfern erst post mortem beigebracht, die tatsächliche Todesursache bleibt im Dunkeln. Gerichtsmedizinerin Maura Isles ist schnell klar, dass hier ein- und derselbe Täter am Werk war, eine Verbindung zwischen den verstümmelten Personen ist allerdings weder auf den ersten noch den zweiten Blick zu erkennen. Jane Rizzoli und ihr Team ermitteln fieberhaft in sämtliche Richtungen, denn es ist nicht auszuschließen, dass der Täter nur darauf wartet erneut zuzuschlagen. Dass nach dem Motiv allerdings in der Vergangenheit, die mehrere Jahrzehnte zurückliegt, gesucht werden muss, hätte wohl niemand erwartet...

In ihrem zwölften Fall wird es knifflig für Ermittler und Gerichtsmediziner, denn nicht nur das Motiv hält sich versteckt, auch der tatsächliche Tathergang ist nicht auf Anhieb zu rekonstruieren. Da man als Leser ebenfalls keine gewinnbringende Theorie beisteuern kann, bleibt einem nichts anderes übrig als sich an die Fersen der erprobten Schnüffler zu heften, um auch den kleinsten Hinweis schnellstmöglich zu entlarven. Dabei hilft es ungemein, dass man auf Grund des fesselnden Schreibstils der Autorin sofort im Geschehen gefangen ist, das, sei es noch so grausam, einen erst wieder los lässt, sobald das Rätsel vollständig gelöst ist. Die Spannung ist von Beginn an auf einem hohen Niveau, kann aber im weiteren Verlauf noch gesteigert werden, gespickt mit diversen Überraschungsmomenten. Die ein oder andere Wendung lässt sich bereits im Vorfeld erahnen, mindert aber keineswegs die Lesefreude oder den Spannungsbogen.

Mit den Figuren wird man schnell warm, egal ob man bereits Vorkenntnisse besitzt oder nicht. Sicherlich findet keine umfassende Vorstellung oder Einführung mehr statt, aber innerhalb der Erzählung ergeben sich konkrete Darstellungen der jeweiligen Charaktereigenschaften, so dass sich auch für Neueinsteiger ein recht reales Bild ergibt. Vorsichtig sein sollte man allerdings, wenn man ausschließlich die Fernsehserie rund um Rizzoli und Isles kennt. Sicherlich tauchen Ähnlichkeiten auf, doch genauso gibt es auch gravierende Abweichungen. Entsprechend sollte man im Hinterkopf halten, dass die Serie natürlich in gewisser Weise auf Tess Gerritsens Figuren basiert, dennoch nicht 1:1 übertragbar ist. Am besten ist es daher sich neutral auf das jeweilige Medium einzulassen, ohne direkt tiefgründige Vergleiche anzustellen.

Ein Fall äußerster Brutalität, der seelische Abgründe offenbart, die häufig vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Ein Fall, der emotional berührt und zugleich aufzeigt, welcher Machtlosigkeit und Willkür der Mensch manches Mal ausgesetzt ist. Ein neuer Fall für Rizzoli und Isles, der dem Leser auch nach der Lektüre noch im Kopf bleiben wird.

Bewertung vom 15.10.2017
Verbotene Gefühle / Beautiful Liars Bd.1
McGee, Katharine

Verbotene Gefühle / Beautiful Liars Bd.1


sehr gut

Im New York des Jahres 2118 hat das höchste Gebäude der Welt 1000 Stockwerke, die Meilen bis zum Sockel sind kaum greifbar. Die schöne Avery lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder in der obersten Etage, wird von allen geliebt, aber auch beneidet. Einzig sie selbst empfindet ihr Leben nicht als perfekt, denn sie darf nicht mit dem Jungen zusammen sein, für den ihr Herz schlägt. Überhaupt tummeln sich allerhand Geheimnisse hinter den Mauern, egal ob in den oberen oder unteren Etagen. Auf einer Party eskaliert plötzlich die Situation, es geschieht das Unfassbare...

Bereits im Prolog wird der Leser mit dem Unglück konfrontiert, in dem die Ereignisse schlussendlich gipfeln werden. Doch um wen genau es sich handelt wird noch nicht preisgegeben, der Leser sieht es als seine Aufgabe an, während des Lesens herauszufiltern was möglicherweise geschehen wird. Im Idealfall bevor es zur Auflösung kommt. Zunächst aber ist man schier überwältigt ob der Beschreibungen des Towers und des Lebens im Jahre 2118. Technologische Veränderungen gibt es auch heute schon am laufenden Meter, doch die hier beschriebene Entwicklung in den nächsten hundert Jahren, wenn man sie einmal als gegeben annehmen würde, ist einerseits beeindruckend, andererseits angsteinflößend. Dennoch findet man sich schnell zurecht, denn es ist leicht sich auf die Geschichte einzulassen. Katharine McGee entführt den Leser regelrecht mit ihrem eingängigen Schreibstil, der keinerlei Verzierungen bedarf, um fesselnd zu wirken. Schnell ist man im Geschehen als wäre man selbst Bewohner des Towers.

Erzählt wird aus der beobachtenden Perspektive, doch wird pro Kapitel das Hauptaugenmerk auf jeweils einen Protagonisten gelegt. So erhält man einen tieferen Einblick in die Gedankenwelt der Figuren und erfährt sämtliche Geheimnisse, die aber für die weiteren Charaktere unsichtbar bleiben, egal wie nah sie sich anderweitig kommen. So zeigt sich, dass sich die Welt als solche zwar radikal verändert, manche Dinge, vor allem das Emotionale betreffend, aber immer noch gleich sind. Intrigen und Neid sind ebenso an der Tagesordnung wie Liebe und Zusammenhalt. Jeder Leser wird sich sicherlich mit mindestens einer Figur gewissermaßen identifizieren können und eine besondere Verbindung zu ihr aufbauen. So wird man noch tiefer eingesogen, die Atmosphäre heizt sich regelrecht auf.

Trotz der knapp über 500 Seiten vergeht die Lesezeit wie im Flug. Und doch fehlt im Nachhinein das gewisse Etwas. Nicht, dass man einen negativen Beigeschmack verspüren würde – außer vielleicht, dass es noch so unendlich lange dauert, bis endlich der zweite Teil erscheint – aber irgendwie fehlt der Pep, vielleicht eine unerwartete Wendung oder ähnliches. Womöglich ist man aber auch einfach nur zu ungeduldig oder vorschnell und wird im nächsten Band genau das bekommen.

Bewertung vom 07.10.2017
Sieh nichts Böses / Kommissar Dühnfort Bd.8
Löhnig, Inge

Sieh nichts Böses / Kommissar Dühnfort Bd.8


sehr gut

Kaum von seiner Hochzeitsreise zurückgekehrt, hat der Arbeitsalltag Kommissar Dühnfort bereits wieder voll im Griff. Die halbverweste Leiche einer seit langem vermissten Frau wird gefunden, neben ihr eine Affenfigur, der zunächst keine großartige Bedeutung beigemessen wird. Doch als die tiefergehenden Nachforschungen zum Thema und ein weiterer unaufgeklärter Mord darauf hindeuten, dass ein Zusammenhang besteht, muss Dühnfort schnell handeln, denn schon bald könnte es ein weiteres Verbrechen geben. Außerdem darf er sein Privatleben nicht vernachlässigen, denn Gina erwartet ihr gemeinsames Kind.

Inge Löhnig geht mit „Sieh nichts Böses“ und Kommissar Dühnfort in die achte Runde und schafft es noch immer die Leser abzuholen. Auf Grund ihres ruhigen, gleichzeitig flüssigen, Schreibstils ergibt sich eine Atmosphäre, in der man sich wohlfühlt, zugleich aber auch die Anspannung der Protagonisten spürt, also entsprechend nah am Geschehen ist. Egal ob man Dühnfort und Gina bereits in einem oder mehreren ihrer früheren Fälle erlebt hat oder nicht, das Gefühl des Wiedererkennens setzt fast sofort ein. Wichtige Hintergrundinformationen und vergangene Ereignisse werden kurz angeführt, um Brücken zu schlagen und Zusammenhänge deutlich zu machen. Als Neuling fühlt man sich daher auch zu keiner Zeit benachteiligt. Im Gegenteil, man ist gewillt sich auch in die Lektüre der Vorgänger zu vertiefen, von denen es bereits einige gibt.

Die Ermittlungen im vorliegenden Fall gestalten sich als schwierig, da das Verschwinden der jungen Frau bereits einige Jahre zurück liegt. Alte Verbindungen müssen ausgegraben und neue Schlüsse gezogen werden, damit endlich Klarheit herrscht und vor allem die Eltern mit diesem Kapitel auf gewisse Weise abschließen können. Bei seinen Recherchen gerät Dühnfort immer tiefer in ein kurioses Geflecht, das noch die ein oder andere Überraschung bereit halten soll, auch für den Leser. Obwohl man sich erstaunlich selten auf dem Holzweg befindet, sondern im Kopf beharrlich an seiner eigenen Theorie festhält, versuchen immer wieder Momente des Skepsis an die Oberfläche zu dringen.

Ist man gewillt den Hinweisen konsequent zu folgen und sich nicht einschüchtern zu lassen, so bleibt im Grunde nur eine mögliche Lösung übrig, die jedoch noch verifiziert werden muss. Zum Ende hin sinkt somit leider ein wenig die Spannungskurve, da auch kaum noch mögliche Wendungen eingebaut werden, wodurch die Marschrichtung schnell deutlich wird.

Dem Lesefluss und -vergnügen steht dies allerdings nicht im Wege, auch der achte Band der Reihe hat durchaus seinen Reiz. Vor allem im Hinblick auf Ginas und Dühnforts privates Glück, erst die Hochzeit, jetzt die freudige Erwartung. Logisch, dass hier ein genauerer Blick riskiert und die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten eingehender betrachtet wird als in so manchem Vorgänger. Alles in allem also erneut ein spannender Fall für Kommissar Dühnfort, der natürlich tatkräftige Unterstützung erhält, um dem Chaos Herr werden zu können.

Bewertung vom 07.10.2017
Morgan & Bailey - Tot aber herzlich, 1 Audio-CD
Topf, Markus

Morgan & Bailey - Tot aber herzlich, 1 Audio-CD


sehr gut

So wirklich begeistert ist Rose Bailey nicht, als ihre Schwester Violet und deren Gatte ihren Besuch ankündigen. Auch Liam zeigt nicht unbedingt den Drang seine Eltern zu begrüßen. Als dann auch noch ein ganzes Fernsehteam gemeinsam mit den Fletchers anrückt, scheint das Chaos perfekt. Ausgerechnet eine Reality-Show musste es sein, um das Familienleben des erfolgreichen Unternehmers einzufangen. Doch schon bald nach der Ankunft gibt es einen Mord, der natürlich nach Aufklärung verlangt, so dass Rose Bailey und Charles Morgan direkt wieder in ihrem Element sind.

Es ist die Zeit des Wiedersehens, denn nicht nur Rose bekommt Besuch, auch Charles Morgan trifft auf eine alte Bekannte, die wohl ab jetzt häufiger anzutreffen sein wird. Entsprechend erscheint die Atmosphäre ein wenig angespannter Natur zu sein. Niemand möchte sich danebenbenehmen und doch kostet es Kraft, stets freundlich und zuvorkommend zu sein. Fast schon scheint man Erleichterung zu spüren, als ein Mordfall eigentlich alle erschüttert. Sofort ist das Duo wieder absolut in seinem Metier unterwegs, die Routine übernimmt die Führung und lockert die Stimmung in gewisser Weise auf.

Natürlich handelt es sich um eine schreckliche Tat, die allerlei Theorien auf den Plan ruft, wodurch einige Personen in den Fokus der Verdächtigungen geraten. Nichtsdestotrotz, und unbeeindruckt von verwandtschaftlichen Banden, muss selektiert werden, ob bei den gegebenen Möglichkeit tatsächlich ein konkretes Motiv zu finden ist. Gemeinsam mit Morgan und Bailey begibt sich der Hörer an die Nachforschungen, die zumindest teilweise gehemmt werden, wodurch womöglich wichtige Hinweise ins Hintertreffen geraten.

Im Verlauf des Geschehens erhält man mehr als nur eine vage Ahnung von den Vorkommnissen, die zu dem Mord führten und fragt sich, warum die Hobbydetektive diesen Weg zunächst nicht einschlagen, erscheint er doch fast schon offensichtlich. Vielleicht ist es die veränderte Situation, wodurch es zu Unaufmerksamkeit oder gestressten Zeitgenossen kommen kann. Sicherlich handelt es sich dennoch um eine spannende Folge, die Hoffnung, die beiden Hobbyermittler schon beim nächsten Mal wieder voll auf der Höhe zu erleben, aber bleibt.

Bewertung vom 07.10.2017
Die Wölfe kommen
Fel, Jérémy

Die Wölfe kommen


gut

Alles beginnt mit einem Feuer – oder loderten die Flammen schon viel länger in ihm? Doch nicht nur Daryl, der vor mehreren Jahrzehnten sein Elternhaus niederbrennt, trägt Wut und Verzweiflung in sich. Jeder könnte sich getrieben fühlen, äußerliche wie innerliche Faktoren spielen dabei eine Rolle. Es ist und bleibt nur die Frage, inwiefern es diversen Charaktereigenschaften gelingt ans Tageslicht zu gelangen...

In seinem Episodenroman setzt Jérémy Fel in jedem Kapitel eine andere Figur in den Mittelpunkt. Dem Leser ist natürlich sofort klar, dass sich mitunter Schnittpunkte zwischen den Ereignissen ergeben werden. Diese können mal nur nebensächlich, aber manchmal auf sehr konkret auftauchen. Je näher man dem Höhepunkt kommt, desto mehr ahnt man, dass noch etwas bevorsteht, was alles andere in den Schatten stellen soll. Doch wird dies gelingen?

Spannung und Tempo stehen und fallen mit den einzelnen Episoden sowie ihren Protagonisten. Manche Geschichten werden in einer solch fesselnden Art und Weise erzählt, dass man reflexartig den Atem anhält, um keine Silbe zu verpassen. Dann aber gibt es auch zähere Passagen, bei denen das Weiterlesen nicht unbedingt flüssig vonstatten geht, man möglicherweise sogar zwischenzeitlich unterbricht. Daher ergibt sich ein nicht einheitliches Niveau, wodurch gleichzeitig der Gesamteindruck geschmälert wird.

Die Idee, die hinter diesem Roman – ihn als Thriller zu bezeichnen, würde tatsächlich etwas zu weit gehen – steckt, bietet sehr viel Potential, das leider nicht konsequent umgesetzt werden konnte. Jérémy Fel zeichnet ein Bild diverser Persönlichkeiten, ihrer Ängste, Wünsche und Träume, aber auch der Abgründe, die sich innerhalb der menschlichen Seele auftun können. Einige Figuren sprechen den Leser sofort emotional an, andere wiederum hat man leider fast sofort wieder vergessen. So bleiben auch die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Episoden nicht immer im Gedächtnis, manches Mal muss man zurückblättern, um sich die Zusammenhänge in Erinnerung zu rufen.

Hier zeigt sich, dass eine pfiffige Grundidee mit ordentlichem Tiefgang allein leider nicht immer ausreichend ist. Ein eher mittelmäßiges Debüt, welches aber Hinweise darauf gibt, was alles möglich ist und dass der Autor durchaus zu mehr in der Lage ist.

Bewertung vom 07.10.2017
Besser als Bus fahren (3 Audio-CDs)
Bergmann, Renate

Besser als Bus fahren (3 Audio-CDs)


sehr gut

Einfach mal etwas anderes erleben, nicht immer die ewig gleichen Bustouren, das dachte sich Renate Bergmann und lud ihre Freundin Gertrud kurzerhand zu einer dreiwöchigen Kreuzfahrt ein. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten und sonstigen Missverständnissen, landen die beiden Damen dann aber doch gesund und munter in ihrer Suite. Die Reise über das Mittelmeer hat so allerhand zu bieten, nicht nur diverse Landgänge oder bunte Abende. Die Online-Omi sammelt mal wieder fleißig Anekdoten und trifft sogar auf eine Person aus längst vergangenen und fast vergessenen Zeiten.

Endlich gibt es wieder eine zusammenhängende Erzählung von und mit Renate Bergmann, die natürlich ebenfalls mit witzigen Episoden angereichert ist, aber nicht ausschließlich aus einer Aneinanderreihung derselben besteht. So war die Hoffnung groß, dass der Hörer endlich wieder auf seine Kosten kommt, ein wenig Alltagsflucht betreiben kann und die Grenze zwischen Fremdschämen und Schadenfreude kaum noch erkennt.

Schon am Flughafen kommt es zu ersten Turbulenzen, wodurch ganz klar der typische Renate-Bergmann-Charakter deutlich wird, der Hörer sich beruhigt zurücklehnen und sicher sein kann, dass die Erwartungen dieses Mal erfüllt werden. Es scheint als würden die Freundinnen jedes Fettnäpfchen bereitwillig betreten, glücklicherweise kommen sie aber fast immer aus der Nummer heraus, ohne dass irgendjemand etwas bemerkt. Das ist schließlich wichtig, um sein Gesicht zu wahren. Kaum, dass ein Hindernis umschifft wurde, bahnt sich allerdings bereits das nächste an. Man darf entsprechend gespannt sein, inwiefern die Lachmuskulatur beansprucht wird, denn den beiden Damen gelingen urkomische Dinge, die von keinem anderen Protagonisten so hätten umgesetzt werden können.

Carmen-Maja Antoni scheint nun auch im Renate-Bergmann-Universum angekommen zu sein. Sicherlich interpretiert sie die Figur nach wie vor nach eigenen Vorstellungen, dennoch scheint eine minimale Angleichung an die ersten Teile erfolgt zu sein. Sie erzählt die Geschichte als sei sie selbst an Bord gewesen und schafft es so, die Stimmung auf den Hörer zu übertragen, der sich schon bald ebenfalls auf dem Meer wähnt.

„Besser als Bus fahren“ kann endlich wieder nahezu an die alte Form anknüpfen, so dass sich ganz deutlich zeigt: Die Online-Omi funktioniert hörtechnisch um einiges besser, wenn es sich um ein zusammenhängendes Geschehen handelt. Jetzt darf man also bereits gespannt sein auf die diesjährige Weihnachtsepisode.

Bewertung vom 07.10.2017
ContamiNationZ - Totenland, 1 Audio-CD
Rahlmeyer, Dane

ContamiNationZ - Totenland, 1 Audio-CD


ausgezeichnet

Ein kleines Dorf im Harz, besiedelt mit den letzten Überlebenden, kämpft jeden Tag aufs Neue dafür, dass ihre Gemeinschaft bestehen bleibt. Ein Angriff der Untoten hätte fatale Auswirkungen. Von Kind an wird den Bewohnern daher alles notwendige vermittelt, um bei einem eventuellen Aufeinandertreffen entsprechend handeln zu können. Als plötzlich ein Fremder auftaucht, schöpfen die Menschen Hoffnung, dass es noch weitere Kolonien wie ihre gibt. Doch hatte bereits eine Gruppe Verfolger seine Fährte aufgenommen, die mit Sicherheit nichts Gutes im Schilde führen...

Mit „Totenland“ startet die neue Miniserie „ContamiNation Z“ aus dem Hause Contendo Media. Angelegt auf fünf Folgen begibt der Hörer sich auf eine Reise in die Zukunft, die alles andere als rosig aussieht. Die Welt wie wir sie kennen gehört der Vergangenheit an, alltägliche Gewohnheiten sind nur noch Relikte einer längst vergangenen Zeit. Es geht ums nackte Überleben und den Zusammenhalt einer eingeschworenen Gemeinschaft. Doch was, wenn durch einen tragischen Unfall plötzlich einer von ihnen zum lebenden Kadaver wird? Widerstreitende Gefühle lassen die Protagonisten zuweilen unvernünftig, aber auf verquere Weise dennoch verständlich, handeln. Wobei sich immer wieder die Frage stellt, wie man selbst wohl in einer ähnlichen Situation, die hoffentlich niemals zum Tragen kommt, entscheiden würde.

Die Idee der „lebenden Toten“ ist sicherlich keine neue, und doch kristallisiert sich eine Individualität hinter der Geschichte heraus, die dafür sorgt, dass der Hörer in den Bann gezogen wird. Zwischen Hoffnung, Leid, Freude und Trauer liegen oft nur Sekunden, die Atmosphäre kann binnen eines Lidschlags umschwenken, es ist daher also Vorsicht geboten, vor allem die Dorfbewohner müssen ständig auf der Hut sein. Für den Hörer, der prinzipiell um eine gewisse Distanz zwischen sich und der Ereignissen weiß, bricht sich natürlich dennoch die Spannung bahn, schließlich sind die Untoten unberechenbar, wenn auch nicht unbesiegbar.

Bis zum Schluss hofft und bangt man mit der Dorfgemeinschaft, die nicht nur um Hab und Gut, sondern vor allem um ihr Leben kämpft. Das wie erwartet offene Ende, auf Grund der Reihenankündigung, bietet gleichsam Licht und Schatten, Anspannung inklusive. Am besten direkt mit dem zweiten Teil fortfahren.

Bewertung vom 23.09.2017
Was kann einer schon tun?
Martin, Peer

Was kann einer schon tun?


ausgezeichnet

Klimakatastrophe, Erderwärmung, Flüchtlingspolitik, Terror – Projekte, die ein einzelner gar nicht stemmen kann. Oder etwa doch? Ausgestattet mit einem wahren Fragenkatalog begibt der Autor sich auf die Suche nach Antworten. Was kann einer schon tun? Wo fängt Hilfe an und wo hört Hilflosigkeit auf? In vier ganz unterschiedlichen Gesprächen stellt er dar was für ihn in der Welt „falsch“ läuft, welche Gedanken er sich macht, welche Ziele und Wünsche hinter all dem stecken und auch wie sein Gegenüber zu alldem steht.

Im Grunde findet sich jeder Leser, egal ob jugendlich oder erwachsen, an dem ein oder anderen Punkt der Erzählung wieder. Sei es im Hinblick auf ähnliche Gedankengänge, durchgeführte Aktionen oder innerhalb der Hoffnungen. Dinge, die inzwischen unseren Alltag begleiten, keine Lichtjahre entfernt, sondern quasi vor der eigenen Haustür. Da ist Wegschauen schon lange keine Option, auch wenn man, wie in jeder Lebenslage, hier ebenfalls ein gesundes Maß finden muss, damit ursprünglich positives Handeln nicht plötzlich ins Gegenteil umschlägt.

Die aufgeführten Gespräche stehen im Grunde exemplarisch für die gesamte Menschheit. Wenn man bereit ist die Augen nicht länger zu verschließen, wird man einiges anders erleben. Und ganz wichtig: Es fängt im Kleinen an. Die Welt zu retten ist sicherlich nicht Aufgabe eines einzelnen, zu hoch gesteckte Ziele führen ebenfalls nicht zum Erfolg. Daher unbedingt mit der notwendigen Ruhe die Dinge betrachten, neutral und von außen, vielleicht sogar die ein oder andere Situation eingehender analysieren, aber im Idealfall niemals impulsiv reagieren.

Trotz des geringen Umfangs ist „Was kann einer schon tun?“ wahrlich keine leichte Kost oder gar „mal eben schnell“ gelesen. Bedächtig verfolgt man die Zeilen, hält ein ums andere Mal inne und schweift mit den Gedanken ab, um in der Folge möglicherweise einige Passagen erneut zu lesen und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Eigentlich gibt der Autor hauptsächlich Denkanstöße, doch das in einer Art und Weise, die nachdenklich stimmt und noch einige Zeit nachklingen wird. Im besten Falle natürlich auch im Alltag.

Bewertung vom 23.09.2017
Höllennacht in Desolation Hill / Demon Road Bd.2 (7 Audio-CDs)
Landy, Derek

Höllennacht in Desolation Hill / Demon Road Bd.2 (7 Audio-CDs)


sehr gut

Weiterhin auf der Demon Road unterwegs landen Amber und Milo in Desolation Hill, einem scheinbar friedlichen Städtchen. Dass der Schein gewaltig trügt, müssen sie feststellen, als immer wieder von der bald anstehenden Höllennacht die Rede ist. Zwar erhalten Amber und Milo keine genauen Details, können sich aber auf Grund einiger Andeutungen schon bald ein Bild von den bevorstehenden Grausamkeiten machen. Eigentlich werden Fremde zu dieser Zeit der Stadt verwiesen, doch vor den Toren lauern bereits Ambers Verfolger. Welchen Weg wird sie wählen?

Nach dem eher mittelmäßigen Auftakt mit „Hölle und Highway“ sind die Erwartungen an den nun vorliegenden zweiten Band umso höher, hoffte man schließlich, dass es sich nur um Startschwierigkeiten handelte. Glücklicherweise wird man nicht enttäuscht, denn „Höllennacht in Desolation Hill“ wartet mit Spannung, hohem Tempo und Hang zu schwarzem Humor auf. Eine explosive Mischung, die nur wenige Wünsche offen, aber doch noch ein bisschen Platz nach oben lässt.

Dass Ambers Flucht noch lange nicht vorbei sein würde, war nach dem ersten Showdown sonnenklar. Doch was ihr noch als widerfahren sollte, hätte man sich im Vorfeld absolut nicht ausmalen können. Sie trifft auf neue und alte Bekannte, Menschen, die sich hinter einer Fassade verstecken und Kreaturen, deren Existenz nur mit Fiktion erklärbar ist. Als Hörer versucht man sich auf das Geschehen einzulassen, dass trotz aller Realitätsferne eine gewisse Faszination ausübt. Obwohl die Grundstimmung düster und die Atmosphäre aufgeladener denn je ist, ist weghören keine Option. Entsprechend wird Ambers Weg nicht nur von ihren Verfolgern genauestens inspiziert.

Hin und wieder gibt es auch in dieser zweiten Folge ein paar Längen, doch lassen sich die Passagen dieses Mal mühelos an einer Hand abzählen. Überwiegend geht es in rasantem Tempo voran, so dass man manches Mal gar nicht weiß wie einem geschieht, so schnell ist der Augenblick des Verstehens auch schon wieder vorbei. Sicherlich besteht auch hier das Risiko den roten Faden zu verlieren, Herr Landy scheint ein Freund der Extreme zu sein, nicht nur inhaltlich betrachtet, sondern auch in der Umsetzung.

Erneut führt Rainer Strecker gekonnt durch die Handlung. Er vereint sämtliche Charaktere in einem Körper und gibt ihnen die Stimme, die sie brauchen, um sich Gehör zu verschaffen. Ohne Zweifel ist er der Hauptmagnet, der den Hörer in den Bann zieht. Die Zeit vergeht in weiten Teilen wie im Flug, auch hier liegt wieder eine grandiose Sprecherleistung vor, die hoffentlich im abschließenden Teil der Trilogie fortgeführt werden kann.

„Höllennacht in Desolation Hill“ hinterlässt einen positiveren Eindruck als noch der Auftakt. Entsprechend groß ist die Hoffnung, dass der Abschlussband nochmals alle Geschütze auffahren wird, um ein fulminantes Finale zu kreieren, das nicht so schnell in Vergessenheit gerät.