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Benutzername: Midnight-Girl
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Bewertungen

Insgesamt 510 Bewertungen
Bewertung vom 06.05.2018
Nackt über Berlin
Ranisch, Axel

Nackt über Berlin


gut

Jannik und Tai, absolut gegensätzlich und doch auf einer Wellenlänge – Wirklich? Zumindest führt Janniks heimliche Leidenschaft dem Mitschüler und Freund gegenüber dazu, dass er sich mitreißen lässt in eine Situation, die schon bald aus dem Ruder gerät. Denn die beiden Jugendlichen halten den Direktor ihrer Schule in seiner eigenen Wohnung gefangen. Damit allerdings nicht genug, mittels diverser Methoden erhalten sie einen tiefen Einblick in das Seelenleben eines gebrochenen Mannes. Bekommen Musikgenie Jannik und Technikfreak Tai die Kurve oder driften sie immer weiter ab, weit über die Grenzen der Legalität hinaus?

Unweigerlich stellt man sich gleich nach den ersten Seiten die Frage: Wie hoch ist der Anteil persönlicher Erfahrungen des Autors? Er selbst sagt: „Dieser Roman bin ich, trotzdem ist alles erfunden.“ Möglicherweise sind ihm einige Gedankengänge vertrauter als andere, aber vielleicht ist auch wirklich alles nur Fiktion, kein Außenstehender vermag dies konkret zu beantworten. Für das Leseerlebnis spielt dies allerdings auch eigentlich überhaupt keine Rolle, man versucht schließlich sich auf den Inhalt einzulassen, unabhängig biographischer Genauigkeiten.

Die sprachliche Darstellung, vor allem die Kommunikation der jugendlichen Protagonisten, gerät recht derb. Es scheint als würde ein überspitztes Bild der aktuellen Jugendbewegung gezeichnet, welches gleichzeitig recht konstruiert daher kommt. Auf der anderen Seite werden nämlich durchaus weichere Töne angeschlagen, die stilistisch kaum zu den anderen Sequenzen passen wollen, wodurch keine Einheit gebildet wird. Vielmehr scheint es als bestünde der Roman aus verschiedenen Handlungssträngen, die zwar immer wieder Berührungspunkte aufweisen, aber dennoch vollkommen voneinander abgegrenzt sind, nicht inhaltlich, sondern rein sprachlich. Dadurch ist der Leser ein ums andere Mal irritiert, wenn wieder ein Wechsel ansteht und der Lesefluss ins Stocken gerät.

Die Idee hinter dieser fast schon verkorksten Liebesgeschichte ist originell und abgedreht, in der Umsetzung dann aber doch nicht immer konsequent. Auch wenn es sich bei den Hauptprotagonisten um sprunghafte Teenager handelt, so sollte doch ein gewisses Maß an Kontinuität vorhanden sein. Selbstfindung ist ein Prozess, der nicht „mal eben“ abgehakt ist, das bringt eine gewisse Unruhe in die Darstellung.

Im Großen und Ganzen ist Axel Ranisch ein Debütroman gelungen, über den der Leser noch einige Zeit nachdenken wird, der ihn aber auch zum Teil irritiert und unbefriedigt zurück lässt.

Bewertung vom 06.05.2018
Morgan & Bailey - Einsatz im Vatikan, 1 Audio-CD
Topf, Markus

Morgan & Bailey - Einsatz im Vatikan, 1 Audio-CD


sehr gut

Pfarrer Morgan und Pastorin Bailey fliegen gemeinsam nach Rom, um einem Symposium beizuwohnen. Doch noch bevor sie zur Veranstaltungsstätte, geschweige denn zur Unterkunft vorgedrungen sind, finden sie die Leiche eines Schweizergardisten. Alles deutet auf Selbstmord hin, doch Charles Morgan hat auf den ersten Blick einige Ungereimtheiten entdeckt, die auch die Polizei vor Ort dazu veranlassen, den Fall nicht voreilig abzuhaken. Das Gespann Morgan und Bailey lässt natürlich ebenfalls nicht locker und beginnt den Toten und sein Umfeld genauer unter die Lupe zu nehmen...

Obwohl Rose Bailey dem „falschen Verein“ angehört, darf sie Charles Morgan nach Rom begleiten, der dort ein Symposium besuchen möchte. Als geneigter Hörer der Reihe ahnt man allerdings bereits, dass es dazu eher nicht kommen wird. Und man soll recht behalten: Ausgerechnet das geistliche Ermittlerduo stolpert regelrecht über eine Leiche. Klare Sache, dass sie Nachforschungen anstellen, um der Auflösung immer näher zu kommen. Bleibt jedoch die Frage, wie es mit der Gesprächigkeit im Vatikan aussieht.

Ruhig, fast schon lässig, so kann man das Auftreten des sympathischen Duos wohl am besten beschreiben. Das heißt nicht, dass sie nachlässig oder gar überheblich agieren, die bisherige Aufklärungsquote spricht vermutlich für sich. Die zuvor genannten Eigenschaften werden auch atmosphärisch gut umgesetzt, obwohl es im Hintergrund schonmal hektischer zugehen kann. Auf die vorherrschende Stimmung hat dies jedoch keinerlei Auswirkungen. Geschickt und konzentriert verfolgen sie diverse Spuren, denn auch kleinste Hinweise können zur Aufklärung beitragen. Obwohl der Hörer nicht sämtliche Informationen im Vorfeld erhält, sondern erst, wenn auch die anderen Charaktere einbezogen werden, hat man nicht das Gefühl ins Hintertreffen zu gelangen, denn man ist durchaus in der Lage einige Querverbindungen zu ziehen, die sich nach und nach offenbaren.

Inhaltlich werden Themen aufgegriffen, die auch in der Realität immer mal wieder im Zusammenhang mit der katholischen Kirche auftreten. Dennoch wird weder eine Wertung ausgesprochen, noch allzu tiefgründig auf irgendetwas eingegangen, so als dienen manche Aspekte ausschließlich als Mittel zum Zweck. Nichtsdestotrotz sind die Hintergründe nicht belanglos und geraten auch nicht sogleich in Vergessenheit.

Bis zum Schluss kann die Spannung aufrecht erhalten werden, auch wenn der Hörer zwischenzeitlich von einer Ahnung heimgesucht wird, die ihn nicht mehr los lässt, bis konkrete Fakten geliefert werden. Am Ende gelingt den Machern zudem noch ein besonderer Coup, der die Möglichkeit einer Fortführung der Geschichte nicht ganz abwegig erscheinen lässt.

Bewertung vom 06.05.2018
Sylter Blut / Kari Blom Bd.3
Kryst Tomasson, Ben

Sylter Blut / Kari Blom Bd.3


sehr gut

Karolina Dahl soll erneut undercover als Kari Blom auf Sylt ermitteln. Da sie allerdings explizit mit den Kollegen vor Ort zusammenarbeiten soll, ist es unvermeidlich, dass Hauptkommissar Jonas Voss nun ihre wahre Identität kennt. Bevor es jedoch um die persönlichen Belange der Ermittler geht, steht der Einsatz an erster Stelle. Nachdem bereits einige Einbrüche in Villen stattgefunden haben, gibt es nun zudem einen Toten. Sämtliche Spuren führen in das Sicherheitsunternehmen Sylt Guard, das alle betroffenen Objekte mit Alarmanlagen ausgestattet hatte. Kari muss nun in dem Familienunternehmen nach dem schwarzen Schaf suchen – im Idealfall natürlich ohne enttarnt zu werden...

Nachdem Kari zum zweiten Mal vollkommen überstürzt die Insel verlassen hatte, verlässt Jonas Voss die Hoffnung, sie überhaupt noch einmal wiederzusehen. Auf den Moment der Wahrheit im LKA Kiel ist er entsprechend kein bisschen vorbereitet. Allerdings spürt der Leser nicht nur die enorme Anziehungskraft zwischen den Charakteren, sondern ebenfalls Unsicherheit auf beiden Seiten, wodurch der Schluss nahe liegt, die persönlichen Differenzen könnten ein Risiko für das Gelingen der Mission darstellen. Inwiefern sich diese Annahme bestätigt, wird sich jedoch erst im weiteren Verlauf herausstellen.

Im Vordergrund steht der Blick hinter die Kulissen des Sicherheitsunternehmens. Die Familienmitglieder wie auch die weiteren Mitarbeiter halten sich jedoch bedeckt, obwohl schnell klar wird, dass jeder etwas zu verbergen hat. Theorien werden gesponnen, sowohl auf Ermittlerseite als auch vom Leser, an konkreten Beweisen jedoch mangelt es. Eine eingeschworene Gemeinschaft, auch wenn es untereinander zu Reibereien kommt, ist eben nicht so leicht zu knacken. Die Frage, die sich stellt: Wird es Kari trotzdem gelingen oder wird sie unvorsichtig?

Wie gehabt sind keinerlei Vorkenntnisse notwendig, um das Geschehen nachvollziehen zu können. Der Fall ist komplett in sich abgeschlossen. Informationen bezüglich der Figuren und ihrem Stand zueinander werden in die Erzählung eingebettet, um mögliche Wissenslücken zu schließen. Spannungstechnisch wird der Ball zunächst relativ flach gehalten, doch nach und nach, auch auf Grund des angezogenen Tempos, entwickelt sich eine wahrhaftige Sogwirkung, die nahezu durchgängig gehalten werden kann. Am Schluss glaubt man bereits vor der Auflösung zu erahnen wie sich die Dinge darstellten, aber Vorsicht: Vielleicht hält der Autor doch noch eine Überraschung bereit.

Mit Humor, Spannung und – nicht zu vergessen – den Häkeldamen erlebt man Sylt von einer weniger idyllischen Seite, und doch kann und wird man sich nicht von der Insel lossagen. Ob es allerdings einen weiteren Fall für Kari Blom geben wird, steht vermutlich in den Sternen...

Bewertung vom 29.04.2018
Steirerquell
Rossbacher, Claudia

Steirerquell


ausgezeichnet

Als Sandra einen Hilferuf ihrer Freundin Andrea erhält, ist sie sofort alarmiert und beginnt privat zu ermitteln. Ihr Vorgesetzter Chefinspektor Sascha Bergmann kennt Andrea ebenfalls und ist ähnlich beunruhigt, so dass der Fall schnell auf offizielle Ebene gehoben wird. Es beginnt eine verzweifelte Suche, die abrupt ins Stocken gerät als eine verbrannte Frauenleiche gefunden wird, und zwar in der Gegend, in der Andrea ihr Wochenende verbringen wollte. Doch handelt es sich bei dem Opfer wirklich um Sandras Freundin?

In ihrem achten Fall wird es für das Duo Mohr/Bergmann persönlich, denn die vermisste Person ist eine enge Freundin der Ermittler, auch wenn sie im Laufe des Geschehens feststellen, dass es durchaus Geheimnisse gibt, die sie nicht einmal vermutet hätten. Nichtsdestotrotz ändert sich an der Einstellung der Beamten natürlich nichts, der Fall soll möglichst schnell und reibungslos aufgeklärt werden.

Die Emotionalität, die Sandra während der Ermittlungen verständlicherweise ergreift, springt schon früh auf den Leser über, zumal man mit Hilfe diverser Einschübe auch hin und wieder an Andreas Seite weilt, ihr aber nicht helfen kann. Trotz des Wissens, dass die Freundin augenscheinlich noch lebt, tappt man vollkommen im Dunkeln was Täter und Motiv angeht. Zahlreiche Verdächtige kristallisieren sich im weiteren Verlauf heraus, doch einen wirklichen Zugang zur Lösung findet man nicht. Auch Sandra und Sascha sind ratlos, ihre Möglichkeiten und Mittel scheinen schon bald erschöpft, ein tatsächlicher Fortschritt lässt sich jedoch nicht verzeichnen.

Obwohl es den Anschein macht das Geschehen würde auf der Stelle treten, baut sich eine enorme Spannungskurve auf. Mit jeder Seite steigt der Pegel und hält Überraschungen bereit, die nicht einmal zu erahnen waren. Dadurch steigt auch die Hoffnung auf relevante Hinweise, die zum Täter und zu Andrea führen.

Auch mit ihrem achten Steirerkrimi lässt Claudia Rossbacher nicht nach und den Leser nicht los. Eine fesselnde Geschichte, die zu einer persönlichen Bewährungsprobe für die Ermittler wird. Der Leser wartet schon jetzt sehnsüchtig auf den nächsten Band.

Bewertung vom 29.04.2018
Follow the Money - Staffel 1 (4 Discs)
Follow The Money

Follow the Money - Staffel 1 (4 Discs)


sehr gut

Ein Todesfall in der Nähe des Windparks ruft Ermittler Mads Justesen auf den Plan. Je mehr er sich jedoch in den Fall hineinkniet, desto schneller wird er von ganz oben ausgebremst und gebeten, die Akten zu schließen. Glücklicherweise ergibt sich für Mads eine Möglichkeit mit Hilfe der Kollegen aus dem Dezernat für Finanzkriminalität weiterzugraben, denn er ist sicher, dass der Konzern Energreen einigen Dreck am Stecken hat...

„Geld regiert die Welt“ - Was ist dran an diesem häufig zitierten Ausspruch? Als Otto Normalverbraucher wird man sicherlich sehr schnell zu einer Antwort kommen, die einem nicht nur zusagt, sondern bei näherer Betrachtung auch einfach stimmig ist. Doch hier, im Zusammenhang mit „Follow the Money“ muss man in weit größeren Dimensionen denken, das Machtgefüge lässt sich nicht ausschließlich durch reine Nächstenliebe steuern. Schnell wird klar, dass es Menschen gibt, die genau wissen welche Strippen zu ziehen sind, um die eigenen Vorteile auszukosten, wer dabei auf der Strecke bleibt ist sofort auf sich allein gestellt.

Als Zuschauer erhält man Einblick in beide Seiten des Geschehens, so ist man einerseits ermittlungstechnisch nah dran, andererseits aber auch immer wieder in die geschäftlichen Tätigkeiten des Energiekonzerns involviert. Allerdings kann man bei letzterem nie sicher sein welches Ziel nun tatsächlich verfolgt wird, da strategische Planungen häufig im Geheimen ausbaldowert werden, so dass einige Überraschungen zu erwarten sind.

Gekonnt und gezielt wird während dieser ersten Staffel, die aus 10 Einzelepisoden à 60 Minuten besteht, Spannung aufgebaut. Es ist kaum möglich sich nach nur einer Folge etwas anderem zu widmen, denn das Gedankenkarussell dreht sich ohne Unterlass. Immer wieder ergeben sich Berührungspunkte der einzelnen Handlungsstränge, so dass zahlreiche Querverbindungen gezogen werden können. Mit dem typisch nordischen Flair werden nicht nur Landschaftsaufnahmen eingefangen, auch die Charaktere strahlen zumeist eine gewisse Unnahbarkeit aus, die sich je nach Person im weiteren Verlauf teilweise legt, teilweise aber auch verstärkt.

„Follow the Money“ dreht sich rund um das Thema Wirtschaftskriminalität und vermag den Zuschauer schnell in den Bann zu ziehen. Die zweite Staffel steht hoffentlich auch bald auf Deutsch in den Startlöchern.

Bewertung vom 29.04.2018
Sylt oder solo
Thesenfitz, Claudia

Sylt oder solo


weniger gut

Es schien als hätte Nina sich ihren Lebenstraum erfüllt. Doch in letzter Zeit gestaltet sich ihr Leben auf dem Campingplatz auf Sylt mit dem jüngeren Jan als schwierig. Immer mehr gehen ihr seine Marotten auf die Nerven, überhaupt hat er sich zusehends verändert. Oder ist es am Ende sie, die nicht mehr dieselbe ist wie vor zwei Jahren? Werden Nina und Jan gestärkt aus dieser Krise hervorgehen oder werden sich ihre Wege endgültig trennen?

Nach „Sylt oder Selters“ wagt Claudia Thesenfitz mit „Sylt oder solo“ den Versuch herauszufinden was nach einem Happy End geschieht, wenn das Buch zugeschlagen und der Fernseher ausgeschaltet wird. Für den Leser sind trotz Fortsetzung keinerlei Vorkenntnisse notwendig, da beide Teile auch für sich alleine stehen können.

Relativ schnell erfährt der Leser was Nina an Jan stört – und versteht sie vollkommen. Was man allerdings überhaupt nicht nachvollziehen kann ist ihr Verhalten im weiteren Verlauf des Geschehens. Es ist wundervoll, wenn man einem Menschen so viel Liebe entgegen bringt, doch bedeutet dies nunmal nicht, dass einer sämtliche Eigenarten des anderen bedingungslos akzeptieren muss und immer zurücksteckt, damit die Beziehung Bestand haben kann. Dadurch baut sich eine leicht aggressive Haltung des Lesers gegenüber Nina und auch Jan auf. Es scheint als seien beide unfähig miteinander zu reden und ihr eigenes Verhalten zu reflektieren.

Fast schon spürt man so etwas wie Erleichterung als Jan sein Studium wieder aufnehmen und dafür zeitweise nach Berlin gehen will. Da ahnt man allerdings noch nicht welche Aktionen – beiderseits – zu erwarten sind. Dennoch, die stille Hoffnung, dass alle Personen zur Vernunft kommen, möchte man nicht aufgeben, wird „Sylt oder solo“ schließlich als „Glücksroman“ angepriesen.

Versucht man nach der Lektüre ein Fazit zu ziehen, fällt dies alles andere als leicht. Trotz bildgewaltigem Lokalkolorit, das für eine heimelige Atmosphäre sorgt, springt der Funke den Inhalt betreffend leider nicht über.

Bewertung vom 29.04.2018
Nur Gisela sang schöner
Wood, Dany R.

Nur Gisela sang schöner


sehr gut

Im beschaulichen Hirschweiler gibt es für einen Polizisten eigentlich kaum mehr zu tun als unbescholtene Fernsehtechniker zu verhaften, die fälschlicherweise des versuchen Einbruchs bezichtigt werden. Doch als Inge Backes Nachbarin Beate tot in der Badewanne auffindet, kann Jupp endlich zeigen, dass auch sein kriminalistischer Spürsinn einwandfrei funktioniert. Da die Kripo von Suizid ausgeht, kommt man sich schließlich nicht in die Quere. Plötzlich gerät das ganze Dorf in Aufruhr, denn es gibt einige Geheimnisse, die die längste Zeit unter Verschluss gehalten wurden...

Vielleicht kennt der ein oder andere Leser Familie Backes bereits und hat sie zur Familienfeier oder in den Urlaub nach Thailand begleitet. Dann weiß man bereits ob der Eigenarten und des ganz besonderen Charmes der Charaktere, die meist unwissentlich in absurde und urkomische Situationen stolpern. Doch auch ohne Vorkenntnisse wird man schnell spitz kriegen mit wem man es hier zu tun hat.

Neben den humoristischen Einlagen, die in gewohnter Manier – eingespielt, aber dennoch nicht krampfhaft gewollt – auftauchen, gibt es dieses Mal auch spannende Aspekte zu verfolgen. Denn Dany R. Wood legt seinen ersten (Dorf-)Krimi vor und lässt Jupp Backes ermitteln als gäbe es kein Morgen mehr. Dabei geht der Polizist erstaunlich gewissenhaft, wenn auch nicht immer regelkonform was seine Mitstreiter angeht, und teilweise auch gewieft vor, so dass sich tatsächlich eine Spannungskurve ergibt, die sich sehen lassen kann. Das ein oder andere Ereignis mag der Leser im Vorfeld erahnen können, aber die ganz großen Überraschungen hält der Autor bis zuletzt zurück.

Durch humoristische wie spannende Elemente ergibt sich ein gelungener Mix, der es dem Leser schwer macht die Lektüre zur Seite zu legen, schließlich könnte etwas wichtiges passieren, wenn man kurzzeitig abgelenkt ist. Entsprechend kurzweilig, aber doch intensiv gestaltet sich das Lesevergnügen, in der Hoffnung noch weite Fälle für Jupp (und Inge) Backes erleben zu dürfen.

Bewertung vom 29.04.2018
Sommer mit Opa
Welk, Sarah

Sommer mit Opa


ausgezeichnet

Jonas und seine Schwester Marie freuen sich wie Bolle darauf mit ihrem Opa Franz im alten VW-Bus nach Italien zu fahren. Doch schon nach kurzer Zeit gibt das altersschwache Gefährt seinen Geist auf, mit Müh und Not stranden die drei an einem abgeschiedenen See, mitten im Wald. Obwohl Franz sein Handy nicht aufgeladen hat und sie somit keine Hilfe holen können, bleibt er vollkommen gelassen und schlägt seinen Enkelkindern kurzerhand vor an Ort und Stelle zu campen und die Zeit zu genießen, anstatt Trübsal zu blasen. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten rauft das Gespann sich zusammen und verbringt gemeinsam eine unvergessliche Zeit.

Opa Franz ist eine richtig abgedrehte Type, im positiven Sinne. Seine Leichtigkeit, das Leben und alle darin auftauchenden Situationen einfach zu nehmen wie sie sind und das Beste aus ihnen zu machen, mag einem zunächst etwas naiv erscheinen. Doch dürfte er durchaus auf einiges an Lebenserfahrung zurückgreifen können, weshalb die ein oder andere Reflektion erwachsener Leser sicherlich nicht verkehrt ist. Die eigentliche Zielgruppe wird sich schnell mit dem Alt-Hippie anfreunden, erscheint er doch als angenehmer Zeitgenosse und Spielkamerad, der auch mal Fünfe gerade sein lässt.

Neben all dem Spiel und Spaß, den die Urlauber augenscheinlich haben, beinhaltet die Lektüre aber auch tiefgründigere Aussagen. Vor allem Jonas liegt einiges auf der Seele, was er bisher versucht hat mit sich selbst auszumachen oder, noch schlimmer, es einfach als nicht veränderbar hingenommen hat. Glücklicherweise beweist Opa Franz auch hier Einfühlungsvermögen und ein gutes Händchen, denn nur sprechenden Menschen kann geholfen werden, wie es so schön heißt – egal wie jung oder alt jemand ist.

„Sommer mit Opa“ ist eine wundervolle Geschichte, die sich sowohl zum Vor- als auch zum Selberlesen eignet. Untermalt mit liebevollen Illustrationen wird das Geschehen lebendig und in einer Form visualisiert, die dennoch Platz für die eigene Vorstellungskraft lässt. Von Debütautorin Sarah Welk sind in diesem Jahr bereits drei tolle Kinderbücher erschienen, wodurch die Hoffnung groß ist, dass noch einiges folgen wird.

Bewertung vom 22.04.2018
Der Schädeltypograph
Schumacher, Jens; Lossau, Jens

Der Schädeltypograph


gut

Die Angst geht um in Mainz, der Geburtsstadt Gutenbergs, denn ein skrupelloser wie brutaler Killer treibt sein Unwesen. Aus dem hiesigen Museum wurden Original-Drucktypen des Erfinders der Buchdruckkunst gestohlen, die nun eine andere Art von Anwendung finden, indem zahlreichen Opfern lateinische Beschwörungsformeln in den Schädel getrieben werden. Frank Passfeller und Tillmann Grosch von der geheimen SK 666 des BKA werden auf den Fall angesetzt. Dieser außergewöhnliche Fall riecht regelrecht nach einer Verschwörung, der die beiden Ermittler auf den Grund gehen wollen.

Die geheime Sondereinheit, der Passfeller und Grosch angehören, beschäftigt sich mit Mysterien, an denen irgendetwas ungewöhnlich erscheint, wie auch in diesem ersten Fall. Zu Beginn ahnt niemand, auf welche Spuren sie stoßen und welche Geheimnisse sie aufdecken werden. Fakt ist jedoch, dass der Stein des Anstoßes nicht unbedingt in der Gegenwart zu suchen und zu finden ist, wodurch die Ermittlungen sicherlich alles andere als leichtfertig zu erledigen sind. Und das wirkt sich leider auch atmosphärisch hin und wieder aus. Alles erscheint ein bisschen schwerfälliger, entgegen dem was der wahrlich flüssige Schreibstil zu vermitteln versucht. So kommt es zu inhaltlichen Stockungen, die es dem Leser schwer machen durchgängig in der Materie zu bleiben.

Von vornherein ist klar, dass man hier keine 08/15-Charaktere zu erwarten hat, wodurch natürlich der Wiedererkennungsfaktor recht hoch ist. Sämtliche Eigenschaften werden im Laufe des Geschehens vermittelt, so dass der Leser nicht sofort von einer Fülle an Informationen erschlagen wird. Dadurch lernt man die Figuren nach und nach besser kennen und entwickelt bereits in diesem Zusammenhang die ein oder andere Theorie was die ungeheuerlichen Taten angeht. Inwiefern man jedoch zu einem wirklich relevanten Ergebnis kommt, muss jeder am Ende für sich selbst eruieren. Man wird überrascht sein welche Hinweise man womöglich überlesen oder für unwichtig erachtet hat.

Das Spannungsniveau variiert sehr stark, es gibt Passagen, die weisen ein sehr hohes Tempo auf und können den Leser somit gleich fesseln, dann gibt es aber auch wieder die bereits erwähnte Stockungen, innerhalb derer nicht nur das Tempo, sondern auch die Spannung zurückgenommen wird. Ein wenig mehr Kontinuität hätte man sich durchaus gewünscht, um dem roten Faden besser folgen zu können. Absolut gelungen wiederum sind die sprachlichen Feinheiten, die auf die Nuance genau wissen was sie wollen. Allerdings muss man humoristisch auf einer ähnlichen Wellenlänge liegen, um alles zu erfassen. Im Großen und Ganzen ein solider Auftakt, bei dem durchaus Luft nach oben ist.

Bewertung vom 22.04.2018
The New Dark - Dunkle Welt
Thomson, Lorraine

The New Dark - Dunkle Welt


sehr gut

In einer Welt, in der die Zivilisation fast vollständig zerstört wurde, sind für die 16-jährige Sorrel Familie und Freunde das Wichtigste. Als ihr Dorf eines Tages von Mutanten überfallen wird, wird sie von ihrem kleinen Bruder und ihrer großen Liebe getrennt. Doch so leicht lässt Sorrel sich nicht entmutigen, sie würde alles geben, um wieder mit ihren Lieben vereint zu sein.

Einerseits schwer vorstellbar, dass unsere Art zu leben nur noch als „Zeit Davor“ bekannt ist, andererseits aber auch wieder erschreckend realistisch, denn niemand kann konkret vorhersehen auf welche Katastrophe wir uns womöglich zubewegen. Daher ist es absolut nachvollziehbar, dass teilweise andere Werte vermittelt werden oder eine höhere Priorität besitzen. Anderes wiederum ist 1:1 zu übernehmen, denn wer würde nicht versuchen alles zu geben, um geliebte Menschen wiederzusehen.

Als Leser begibt man sich abwechselnd an die Seite der Protagonisten und kann somit nicht nur ihre Wege verfolgen, sondern gleichzeitig Vermutungen aufstellen, ob und wann ihre Wege sich kreuzen werden. Sorrels Sehnsucht ist mit jedem Wort spürbar und auch Davids und Elis Hoffnung erfährt nur geringfügige Dämpfer. Auch wenn sich die ein oder andere Passage zu sehr in die Länge zieht, man möchte unbedingt erfahren, ob es zu einem Wiedersehen kommt beziehungsweise wie das Aufeinandertreffen ausfällt.

Die Spannung passt sich an das steigende und fallende Tempo an, das sich scheinbar nicht so recht entscheiden kann. Nichtsdestotrotz spinnt der Leser eigene Theorien was den weiteren Verlauf angeht. Ob diese sich jedoch erfüllen, wird sich erst noch zeigen. Auf alle Fälle endet dieser Auftaktband einer neuen Reihe mit einem Cliffhanger sondergleichen, der postwendend nach dem zweiten Teil verlangt.