Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Midnight-Girl
Wohnort: NRW
Über mich:
Danksagungen: 42 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 596 Bewertungen
Bewertung vom 11.11.2018
Der Welten-Express Bd.1
Sturm, Anca

Der Welten-Express Bd.1


sehr gut

Seit ihr Bruder vor zwei Jahren spurlos verschwand ist für Flinn Nachtigall nichts mehr wie es war. Nur eine mysteriöse Postkarte ist ihr geblieben, mit einem Motiv, das scheinbar nur für sie sichtbar ist. Als an dem alten, verlassenen Bahnhof in Weidenborstel plötzlich ein imposanter Zug hält, sieht Flinn ihre Chance gekommen. Etwas tief in ihr spürt, dass die einzige Möglichkeit herauszufinden was mit ihrem Bruder geschehen ist darin liegt, auf diesen Zug aufzuspringen. Nichtsahnend welche Geheimnisse sich ihr offenbaren werden, beginnt für Flinn eine abenteuerliche Reise.

Der Welten-Express, ein rollendes Internat für außergewöhnliche Kinder und Jugendliche, die in der Zukunft einmal etwas bewegen werden. Endlich spricht es mal jemand aus, dass es nicht ausschließlich auf stupide, teils antiquierte Lehr- und Lernmethoden ankommt. Sicherlich sind Grundkenntnisse sämtlicher Fächer notwendig und wichtig, doch in der Regel lernt man deutlich effektiver, wenn sich einem ein konkreter Sinn offenbart. Diese Ansicht führt dazu, dass der Leser sofort – egal ob selbst noch Schüler oder dieser Zeit bereits entwachsen – auf den Express aufspringen würde.

Die Geschichte rollt, einem Zug gleich, zunächst gemächlich an, nimmt dann aber stetig an Fahrt auf, bis das endgültige Tempo erreicht ist. Trotz kleinerer Zwischenstopps bleibt die bis dato aufgebaute Spannung erhalten und kann zum Teil sogar noch angefeuert werden. Ungeahnte Fähigkeiten und ominöse Ereignissen machen die Fahrt im Welten-Express nicht nur für die Protagonisten zu einem Erlebnis der besonderen Art. Hin und wieder erscheinen Situationen vorhersehbar, dann aber gibt es auch solche, die jeder Logik und Rationalität widersprechen und von denen eine Magie ausgeht, die sich schwerlich beschreiben lässt. Man kann sie spüren, aber nicht anfassen, und schon gar nicht erklären.

Mit den meisten Figuren wird man schnell warm, Sympathien jedweder Art sind schnell verteilt. Ob man mit seiner Einschätzung richtig liegt zeigt sich zwangsläufig erst im weiteren Verlauf, vielleicht wird der ein oder andere Eindruck sogar noch korrigiert. Nichtsdestotrotz sind dahingehend keine allzu großen Überraschungen zu erwarten. Anders sieht dies inhaltlich aus. Gekonnt und präzise spickt die Autorin die Erzählung mit erhellenden, aber auch verwirrenden Momenten, die jedoch allesamt eins gemeinsam haben: Sie beleben das Geschehen mit diversen Wendungen, die gleichzeitig atmosphärisch Einfluss nehmen.

Ein wunderbar gelungenes Debüt, das zwar zu Beginn ein paar kleine Anlaufschwierigkeiten aufweist, aber schnell zu einer gesunden Form findet. Gleichzeitig der Auftakt einer Trilogie, die noch viele Abenteuer und magische Momente bereit halten wird.

Bewertung vom 11.11.2018
Der Insasse
Fitzek, Sebastian

Der Insasse


gut

Er ist ein Monster das Kinder entführt, quält und tötet. Der Vater des kleinen, vor einem Jahr verschwundenen, Max Berkhoff, ist sicher, dass auch sein Sohn der Bestie in die Falle gegangen ist. Doch warum gibt es keinen Hinweis oder gar ein Geständnis? Der mutmaßliche Täter sitzt abgeschirmt im Hochsicherheitstrakt der Psychiatrie. Wie also an ihn herankommen. Max’ Vater sieht nur einen Weg…

Die Vorstellung einen geliebten Menschen zu verlieren, ganz gleich ob es sich dabei um das eigene Kind oder eine andere nahestehende Person handelt, ist grausam. Nicht zu wissen was mit demjenigen passiert ist, nicht mit dem Verschwinden abschließen zu können, treibt die Verzweiflung ins Unermessliche. Schnell stellt man sich somit die Frage, ob man nicht ebenfalls nach jedem Strohhalm greifen würde, sobald die Hoffnung von offizieller Seite zunichte gemacht wird. Berkhoffs Handeln ist dadurch durchaus nachvollziehbar, gleichzeitig beginnt aber auch die Verwirrung, denn in der Psychiatrie gelten andere Regeln.

Früh schon lassen einige Hinweise den Leser aufhorchen, die seine Gedanken zu einem Film aus dem Jahre 2010 (und dessen Romanvorlage aus 2003) lenken. Es ergeben sich Parallelen wodurch das vorliegende Geschehen zu durchsichtig wird, obwohl der Grundgedanke noch immer gut ist. Würde man Wendungen und Überraschungsmomente nicht vorhersehen, käme durchaus ein hohes Spannungspotential zustande, das den Leser fesselt. Man würde vermutlich in die ein oder andere Sackgasse geführt, immer in der Hoffnung die Klinik bald verlassen zu können.

Wer die Anspielungen versteht wird leider während der Lektüre enttäuscht, wer jedoch den gesuchten Film/Roman nicht kennt darf sich auf knallharte Psychospielchen einlassen.

Bewertung vom 11.11.2018
Mord in Serie - Gemini, 1 Audio-CD
Topf, Markus; Duschek, Markus

Mord in Serie - Gemini, 1 Audio-CD


ausgezeichnet

Unterschiedliche Tat- und Fundorte, keine – auf den ersten Blick sichtbare – Verbindung und doch steht die Frage im Raum, ob es sich bei den grauenvollen Morden in der Nähe von Hamburg und München um einen Serientäter handelt, der noch weiter zuschlagen wird. Kommissare aus dem Norden sowie dem Süden Deutschlands müssen sich zusammentun und die Ermittlungen voran treiben. Als sie der Lösung gefährlich nahe kommen wird es selbst für die erfahrenen Ermittler brenzlig…

Obwohl der Hörer bereits von Anfang an mit deutlich mehr Hintergrundwissen ausgestattet ist, entwickelt sich hier ein Katz-und-Maus-Spiel, dem man sich nicht entziehen kann. Vieles ist denkbar, nahezu alles möglich, denn es gibt keinen klar vorgezeichneten Weg, dafür ist das Handeln diverser Protagonisten – trotz festgestecktem Ziel – ein ums andere Mal recht impulsiv, wodurch es zu plötzlichen Wendungen und der ein oder anderen Überraschung kommen kann. Sicherlich mag die ein oder andere Situation vorhersehbar erscheinen, aber vielleicht ist dies ja genau so gewollt, um den Hörer dann und wann auch auf falsche Fährten locken zu können. Vielleicht steckt dahinter aber auch gar keine Berechnung, wer weiß…

Grausame Taten halten die Ermittler in Atem und das Spannungsniveau hoch. Im Zusammenspiel mit den Sprecherleistungen und der unterlegten Geräuschkulisse ergibt sich ein Hörspiel, das trotz aller Brutalität Faszination verströmt. Man wohnt dem Geschehen bei, kann sich nicht abwenden, ist aber gleichzeitig froh kein konkreter Teil dessen zu sein. Sehr gelungenes Gesamtpaket.

Bewertung vom 04.11.2018
Die drei Magier - Die schwarze Höhle
Bornstädt, Matthias von

Die drei Magier - Die schwarze Höhle


ausgezeichnet

In Mühlfeld fiebern alle dem Jahreswechsel entgegen, auch wenn eine Silvesterparty mit sämtlichen Lehrern nicht unbedingt auf Vickys, Milas und Conrads Wunschzettel gestanden hat. Doch bevor es so richtig peinlich werden kann, werden die drei Freunde nach Algravia beordert. Dort steht eine Zeitenwende an, die nur mit Hilfe der drei Magier gelingen kann. Wird das Ritual gelingen und eine neue Zeitrechnung in Gang setzen?

Vicky, Conrad und Mila spüren immer eine gewisse innere Unruhe, wenn sie sich schon längere Zeit nicht mehr in Algravia aufgehalten haben. Doch eigentlich bedeutet dies nur, dass es den Bewohnern gut und alles seinen gewohnten Gang geht. Nichtsdestotrotz haben sie sich inzwischen so sehr daran gewöhnt in dieser Parallelwelt als Magier unterwegs zu sein, dass ihnen von Zeit zu Zeit regelrecht etwas fehlt. Als dann allerdings doch ein neues Abenteuer ansteht, werden die Freunde plötzlich nervös, denn etwas Großes bahnt sich an.

Gemeinsam mit den Freunden, die der Leser inzwischen recht gut kennt, wirft man sich in dieses neue Abenteuer, das eine neue Ära ankündigt. Handelt es sich womöglich sogar um den Abschlussband oder wird sich noch eine Wendung offenbaren? Bis es allerdings so weit ist diese Frage eventuell beantwortet zu bekommen gibt es einige Hindernisse zu überwinden, die in weiten Teilen souverän gemeistert werden. Dennoch kommt es auch dieses Mal zu diversen Schrecksekunden, in denen der Leser den Atem anhält, um auch ja nichts zu verpassen, schließlich steht einiges auf dem Spiel. Dabei dachte man, schlimmer als mit dem gestohlenen Drachenfeuer kann es gar nicht werden. Das war jedoch ein Trugschluss, denn nun ist die gesamte Magie in Gefahr.

In dem Wissen um diese gefährliche Mission machen die drei Freunde sich dennoch unerschrocken auf den Weg, denn es liegt ihnen natürlich viel an Algravia und dessen Bewohnern, so dass sie alles in ihrer Macht stehende versuchen, um das vorgesehene Ritual vollziehen zu können. Der Autor nimmt den Leser, egal ob Klein oder Groß, mit auf eine Reise ins Ungewisse. Und auch wenn der ein oder andere Hoffnungsfunke hell am Himmel erscheint, so kann man dennoch nie sicher sein, ob nicht eine unliebsame Überraschung hinter der nächsten Ecke wartet.

Von Anfang bis Ende eine gelungene, runde Sache und wieder einmal absolut empfehlenswert. Schlussendlich aber doch noch einmal die Frage: Wird es einen weiteren Band geben?

Bewertung vom 04.11.2018
3 Zimmer, Küche, Mord
Minck, Lotte

3 Zimmer, Küche, Mord


ausgezeichnet

Neue Wohnung, neue Nachbarn, neue Vorsätze. Loretta will ihr Leben ändern, was beim Umzug anfängt und beim „sich nicht mehr in mörderische Angelegenheiten einmischen wollen“ aufhört. Schnell hat sie sich in ihrem neuen Heim eingerichtet, wird von den Mitbewohnern in die Gemeinschaft eingeführt – und findet eine Leiche. Das Schlamassel ist perfekt als ausgerechnet Kommissarin Küpper mit dem Fall betraut wird und Loretta spürt, dass sie weder ihre Neugier im Zaum noch ihre Neigungen bezwingen kann. Die Ermittlungen können beginnen…

Auch im tiefsten Ruhrpott muss mit unschönen Ereignissen gerechnet werden. Dabei hilft es dem Leser jedoch ungemein, wenn er Loretta Luchs in der Nähe wähnt, schließlich weiß er um ihre Fähigkeiten, die mit deutlich mehr Humor aufwarten als trockene Ermittlungen es könnten. Wer zum ersten Mal dabei ist mag zunächst skeptisch sein, kaum dass er die illustre Rund kennengelernt hat, doch schon bald offenbart sich auch Neulingen Lorettas Potential.

Dass ein nach außen bemüht ehrenwertes Haus die ein oder andere Leiche im Keller – oder auf der Bank – hat, ist offensichtlich. Was sich allerdings hinter den geschlossenen Türen wirklich abspielt, dafür reicht die eigene Vorstellungskraft womöglich nicht aus. Wie gut, dass Lotte Minck zur Stelle ist und aufzeigt was sonst nur im Verborgenen stattfindet. Unbedingt konzentrieren muss man sich auf die feinen, eingestreuten Nuancen, die den Unterschied zwischen Ernst und Witz ausmachen.

Obwohl explizit als „Krimödie“ ausgewiesen ist ein hohes Maß an Spannung enthalten, denn immer wieder kommt es zu unvorhersehbaren Ereignissen, die das gesamte Geschehen ordentlich durchrütteln und vor allem die eigenen Theorien in Wanken bringen. Bis zum Schluss ist daher alles möglich.

Mit gelungenem Wortwitz schafft es Lotte Minck ein weiteres Mal den Leser für sich einzunehmen und gleichzeitig ein Szenario zu entwickeln, das einerseits wie alltäglich daherkommt, aber andererseits ganz weit weg erscheint. Wie nah würde man sich selbst wohl an eine solche Situation herantrauen? Loretta jedenfalls nimmt die Zügel erneut in die Hand und startet Aktionen, die mitunter gewaltig ins Auge gehen können – aber dennoch extrem zur Erheiterung beitragen.

Bewertung vom 04.11.2018
Miese kleine Morde
Adler-Olsen, Jussi

Miese kleine Morde


gut

Lars, von seiner Frau als Langweiler betitelt und vor die Tür gesetzt, merkt schon bald, dass das Geld knapp wird und sich in seinem Leben unbedingt etwas ändern muss. Durch Zufall verfolgt er ein Gespräch, das ihm Möglichkeiten offenbart, die er wohl von selbst niemals in Betracht gezogen hätte. Soll er sich ein lukratives Geschäft wirklich durch die Lappen gehen lassen nur weil es gegen so ziemlich alles verstößt?

Auftragsmörder – wie wird man das eigentlich? Jussi Adler-Olsen zeigt in „Miese kleine Morde“ und mittels seines Hauptprotagonisten Lars einen Weg auf wie dieser Berufszweig womöglich zustande kommt. Dass es in einem solchen „Spiel“ diverse Variablen und mitunter auch Unbekannte gibt erscheint realistisch, manch anderer Aspekt mag zunächst weit hergeholt sein, doch bei genauerer Betrachtung stellt sich die Frage: Wer weiß das schon?

„Learning by doing“ ist Lars’ Motto. Er hat bisher nicht allzu viel Erfahrung auf dem Gebiet, aber durchaus Ideen, die ihm schon bald einen gewissen Ruf einbringen, wenn er auch selbstverständlich im Verborgenen agieren muss. Nichtsdestotrotz fragt man sich ein ums andere Mal wann seine Tarnung auffliegt, denn viele Situationen beinhalten Stolpersteine, die zwar für zahlreiche amüsante Momente beim Leser sorgen, dem Auftragskiller jedoch eine schweißnasse Stirn bescheren. Da kommt die fehlende Professionalität und Abgeklärtheit zum Vorschein.

Da man sich durchweg an Lars’ Seite befindet, hält sich der allgemeine Spannungsgehalt in Grenzen, die Frage nach dem Ende des Kurzkrimis drängt sich aber allemal auf. Es gibt schließlich einige denkbare Szenarien, doch mit dem hier vorliegenden hätte man wohl eher nicht gerechnet, eine absolut gelungene Überraschung.

Ein äußerst kreativer Seiteneinsteiger in einem nicht alltäglichen Beruf, mit Ansichten, die das Gelingen seiner Mission sofort in Frage stellen. So ist „Miese kleine Morde“ ein netter Appetithappen für zwischendurch, nicht mehr und nicht weniger.

Bewertung vom 28.10.2018
In der Nacht hör' ich die Sterne
Peretti, Paola

In der Nacht hör' ich die Sterne


ausgezeichnet

Mafalda weiß, dass es schon bald absolut dunkel um sie herum sein wird. Es ist unausweichlich, denn ihre Krankheit raubt ihr fast täglich immer mehr von ihrem Augenlicht. Mafalda ist auf diesem Weg glücklicherweise nicht alleine, sie erhält Unterstützung von vielen Seiten, dennoch möchte sie dieser Situation häufig einfach nur entfliehen.

Paola Peretti erzählt die Geschichte des Mädchens, die im Grunde ihre eigene ist, denn sie selbst leidet unter dieser seltenen Augenkrankheit. Sicherlich handelt es sich um fiktive Ereignisse, dennoch betrachtet man mit diesem Wissen das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel. Da die junge Hauptprotagonistin selbst zu Wort kommt, versucht der Leser sich voll und ganz auf ihre Welt einzulassen, obwohl die eigene Vorstellungskraft häufig gar nicht so weit reicht.

Interessant und verwirrend zugleich sind Mafaldas Erlebnisse und ihre Sicht der Dinge. Mal hoch erhobenen Hauptes und hoffnungsvoll, manchmal aber auch zu Tode betrübt und melancholisch, ein Potpourri an Emotionen entfaltet sich mit jeder Seite, so dass ein regelrechter Sog entsteht. Auch wenn sicherlich einige Situationen sich bereits frühzeitig abzeichnen und vielleicht sogar als zuviel des Guten angesehen werden können, so ist man doch mit jeder Zeile froh darüber zu diesem wundervollen Buch gegriffen zu haben. Es heischt nicht nach Mitleid, sondern vermittelt eine Stärke, die zunächst nur von außen wahrgenommen wird und den Protagonisten selbst lange Zeit verborgen bleibt.

Gefühlvoll, mit einer absolut positiven Note versehen erreicht Paola Peretti die Leser und zeigt ihnen auf was sie trotz vollständig vorhandener Sehkraft vermutlich noch nie gesehen haben. Es lohnt sich einmal tiefer (in sich) zu blicken und die Oberfläche zu durchdringen, man wird überrascht, erstaunt und vielleicht sogar verwirrt sein, im Endeffekt aber mit Sicherheit klarer sehen.

Bewertung vom 28.10.2018
Ostfriesenfete
Wolf, Klaus-Peter

Ostfriesenfete


weniger gut

Als er von seiner ehemaligen Klassenkameradin Nadja eine Einladung zur „Loserparty“ erhält, überlegt Rupert lange, ob er zusagen soll. Schließlich könnte es sich um eine Falle handeln, vielleicht soll er vorgeführt werden, man weiß eben nie um die Gemeinheit und Hinterhältigkeit der Menschen. Er macht sich dann aber doch auf den Weg nach Langeoog, denn neugierig ist er allemal. Wer wird noch auf diese Party sein und welche Niederlagen zu berichten haben? Mit vielem hätte Rupert gerechnet, aber nicht mit einem Toten und damit, dass er nun die Ermittlungen aufnehmen muss.

In diesem Kurzkrimi koppelt Klaus-Peter Wolf eine seiner Figuren aus der bekannten Ostfriesen-Krimi-Reihe ab und lässt ihm eine etwas größere Rolle zuteil werden. Aber ob Rupert diese auch ausfüllen kann? Auf etwas mehr als 100 Seiten hat er nun Zeit sich von seiner besten Seite zu zeigen und dem Leser ein umfassendes Bild zu liefern. Vielleicht hat man ihn bislang einfach nur unterschätzt – sofern man die Reihe ansonsten auch verfolgt.

Auf Grund der Kürze hätte man eigentlich mit einem enormen Spannungsgehalt gerechnet, doch lange Zeit will sich nichts dergleichen einstellen. Vielmehr plätschert die Handlung vor sich hin, durchzogen mit durchaus humoristischen Begebenheiten, doch eher einer reinen Erzählung denn einem Kriminalroman folgend. Somit wird man mehr von der Hoffnung auf Steigerung angetrieben als von fesselnden Ereignissen. Der Mord ereignet sich zwar nicht überraschend, ist aber dennoch nicht auf den ersten Blick zu durchschauen. Da kommt es erstmals zu Regungen der Neugier sowie erwachender Ermittlerinstinkte. Fragt sich nur wer geeigneter ist des Rätsels Lösung zu finden – der Leser oder Rupert..

Zum Schluss geht alles ganz schnell, das Ende wartet dann auch tatsächlich noch mit Spitzfindigkeiten auf, die in der eigenen Theorie nicht unbedingt vorkamen. Nichtsdestotrotz ist man eher enttäuscht ob des kurzen Ausflugs mit Rupert nach Langeoog. Unter dem Aspekt eines Kurzkrimis wäre sicherlich einiges mehr an Potential vorhanden gewesen.

Bewertung vom 28.10.2018
Greyzone: No Way Out - Staffel 1 (3 Discs)
Greyzone

Greyzone: No Way Out - Staffel 1 (3 Discs)


sehr gut

Wie hoch ist die Gefahr eines Terroranschlags in Skandinavien beziehungsweise wie weit sind die Vorbereitungen für einen solchen bereits fortgeschritten? Dass es dazu kommen soll scheint offensichtlich, als die schwedische Polizeibeamtin Eva während einer Kontrolle auf einen voll einsatzfähigen Raketensprengkopf stößt. Gemeinsam mit dem dem dänischem PET-Offizier Jesper soll sie die Sache schnellstmöglich und glimpflich in den Griff bekommen. Derweil gerät die Software-Ingenieurin Victoria in die Hände des Reporters Iayd, der seine eigentlichen Pläne erst nach und nach offenbart…

In „Greyzone“ wird ein Szenario entwickelt, das bereits bei erster Betrachtung in weiten Teilen eine gewisse Realitätsnähe aufweist. Terrorismus ist ein Aspekt der Gegenwart, da gibt es nichts dran zu rütteln. Die Frage inwiefern die dargestellten Ereignisse möglicherweise der Wirklichkeit entsprechen könnten steht durchweg im Raum. Eine Antwort darauf wird sich kaum finden, auch wenn man sicher ist, dass nicht alle Handlungsweisen – vor allem seitens der Ermittler – genau so vonstatten gingen.

Zu Beginn ist vom Zuschauer volle Konzentration gefragt, denn die Schauplätze und mit ihnen die Protagonisten wechseln immer wieder. Was zunächst für verschiedene Handlungsstränge gehalten werden könnte wächst langsam aber sicher zusammen und bildet ein großes Netzwerk, das allerdings noch immer nicht so recht zu durchschauen ist. Der einprasselnde Input muss nicht nur aufgenommen, sondern auch verarbeitet werden, so dass sich Zusammenhänge erkennen lassen und Verbindungen gezogen werden können. Trotz der Komplexität hegt man hin und wieder Zweifel am Spannungsgehalt des Geschehens, denn einige Handlungen scheinen nur als Lückenfüller zu agieren, ohne den eigentlichen Inhalt zu betreffen.

Mit der Zeit jedoch geht eine Wandlung vor sich, die man so nicht erwartet hätte. „Greyzone“ zieht den Zuschauer förmlich in seinen Bann und lässt tiefer blicken als so manche Serie zuvor. Bleibt nur die Frage mit welchem Ausgang man nach 10 Folgen zu rechnen haben wird, denn die Erfahrung zeigt: Alles ist möglich.

Bewertung vom 21.10.2018
Die toten Katzen von London
Billingham, Mark

Die toten Katzen von London


gut

DI Tom Thorne ist alles andere als begeistert als er erfährt, dass er einen Katzenmörder jagen soll. In London hat es jemand auf idyllische Wohngegenden und darin wohnhafte Haustiere abgesehen. Und wer weiß zu was der Täter noch fähig ist, wenn er schon die Tiere auf brutalste Weise tötet und verstümmelt. Hätte Thorne im Vorfeld geahnt was ihn erwartet, vermutlich wäre seine Einstellung eine andere gewesen…

Mark Billingham, eigentlich ein Garant für atemlose und actiongeladene Spannung von Anfang bis Ende, schafft es dieses Mal leider nicht den Leser sofort abzuholen. Der Einstieg gestaltet sich zu zäh, so dass nicht nur der Zugang zum Geschehen, sondern auch zu den Protagonisten fehlt. Die Länge beziehungsweise Kürze der Kapitel ist im Grunde genau richtig, um eine Handlung im Fluss zu halten und das Tempo zu beeinflussen. Doch beides geht schnell unter, da für den Leser keine rechte Grundlage geschaffen wird. Oftmals fragt man sich, inwiefern die dargelegten Ereignisse eigentlich für das Geschehen relevant sind.

Leider bleibt dieser anfängliche Eindruck relativ lange im Kopf des Lesers präsent, auch wenn man weiterhin versucht einen neutralen Blick zu behalten, um sich eines Besseren belehren zu lassen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Nichtsdestotrotz plätschert die Handlung vor sich hin, es fehlt an Überraschungsmomenten und fesselnden Ereignissen, die den Leser dazu animieren eigene Theorien zu ersinnen. Dem Schreibstil wiederum fehlt es an nichts, auf Grund seiner Leichtigkeit kommt man dennoch gut und locker durch die Seiten.

Wer die Zähne zusammengebissen und sich dem Projekt angenommen hat wird schlussendlich allerdings doch noch belohnt. Plötzlich tritt eine mehr als unerwartete Wendung ein, inhaltlich wie auch in der Umsetzung diverser Spannungselemente. Endlich wird das versteckte Potential freigesetzt, der Autor findet zu seiner alten Form zurück und der Leser ist mittendrin statt nur Zaungast. Auf wenigen Seiten wird ein Szenario dargestellt, das einem kalte Schauer über den Rücken jagt. Hätte man diesen Spirit von Beginn an zu spüren bekommen, hätte es sich hier schnell um ein absolutes Highlight handeln können, so aber bleibt im Gesamten nur eine solide Leistung zu erkennen.