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Benutzername: Midnight-Girl
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Bewertungen

Insgesamt 548 Bewertungen
Bewertung vom 21.07.2018
Spinster Girls 01 - Was ist schon normal?
Bourne, Holly

Spinster Girls 01 - Was ist schon normal?


sehr gut

Evie möchte nichts weiter als ein ganz normaler Teenager sein, mit Problemen, die man als 16-Jährige eben so hat. Partys, Jungs, Schule – in der Theorie hat Evie einige Schlachtpläne parat, doch in der Praxis lässt ihr Gehirn sich nicht in der Form manipulieren wie sie es gerne hätte. Ihre Ängste drängen immer mehr zurück an die Oberfläche und sind gefährlich nahe dran Evies Erfolge zu zerstören…

Was treibt die Menschen – bei weitem nicht nur Teenager – bloß an nach „Normalität“ zu streben. Warum möchte man sein „wie alle anderen“? Bloß nicht herausstechen aus der Masse, kein individuelles Merkmal oder gar eine eigene Meinung besitzen. Das mag nun ein bisschen zu überspitzt ausgedrückt sein, aber im Grunde ist es genau so. Sicherlich ist Anpassung in gewisser Weise nötig, aber das geht auch ohne sich selbst und seine eigene Persönlichkeit zu verlieren.

Natürlich hat Evies Wunsch in diesem Fall einen ganz anderen Hintergrund. Sie leidet enorm unter ihrer Zwangsstörung und möchte nun, nachdem die Einstellung der Medikamente weitestgehend erfolgreich war, das Kapitel abschließen, um das Leben auf andere Weise wahrzunehmen und wieder genießen zu können. Der Leser begleitet Evie auf diesem harten Weg, der definitiv nicht nur Glücksmomente bereit hält. Es gibt Situationen, die betroffen machen, andere wiederum tragen zur Erheiterung bei, aber es gibt auch solche, die dem Leser seine gedanklichen Grenzen aufzeigen. Diese werden bei jedem andere sein, doch man erkennt sie auf den ersten Blick.

Neben dieser durchaus schwierigen, aber gleichzeitig so wichtigen Thematik wird auch der Feminismus groß geschrieben. Es findet eine gelungene Verknüpfung statt, die Grenzen sind fließend, so dass mal der eine, mal der andere Aspekt im Vordergrund steht. Manchmal hat man vielleicht das Gefühl von völlig irrelevanten Ereignissen abgelenkt und abgedrängt zu werden, dann muss man sich aber nur genau dessen bewusst werden und schon ist man wieder in der Spur.

Die Spinster Girls haben sich gerade erst gefunden und haben sicherlich noch einiges auf Lager. Der nächste Band steht bereits in den Startlöchern.

Bewertung vom 21.07.2018
Zurück auf Gestern
Lankers, Katrin

Zurück auf Gestern


sehr gut

Claire und Lulu haben nicht nur am selben Tag Geburtstag, sie sind unzertrennlich, seelenverwandt – einfach beste Freundinnen. Doch als Claire von ihrer verstorbenen Großmutter einen mysteriösen Anhänger, der, wie sich herausstellt, magische Kräfte besitzt, erbt, wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.

Wer würde sich nicht manchmal wünschen die Zeit zurückdrehen zu können, um Situationen noch einmal zu durchlaufen und möglicherweise andere Entscheidungen zu treffen. Oder um bereits Gesagtes ungeschehen zu machen, einen Fehler nicht erneut zu begehen… Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, doch macht man sich auch Gedanken darüber welche Auswirkungen es haben könnte, wenn dieser Wunsch wahr würde? Vermutlich weniger. So ergeht es auch den beiden Hauptprotagonistinnen, die berechtigterweise zunächst erstaunt über die ihnen gegebene Möglichkeit sind. Doch je tiefer sie in die Materie eintauchen und diese von ihnen Besitz ergreift, desto größer werden die Probleme.

Unabhängig vom Realitätsgehalt – denn wer weiß schon tatsächlich um die Möglichkeiten im Zeitgefüge – kreiert Katrin Lankers eine Geschichte voller Freundschaft, zeigt aber auch die Schattenseiten auf, wie es im Leben eben so ist. Nicht immer kann man das Denken und Handeln der Charaktere nachvollziehen, auch gibt es mitunter vorhersehbare Passagen, doch im Großen und Ganzen fühlt man sich nicht einfach nur gut unterhalten, sondern wird auch mit einer Thematik konfrontiert, die sicherlich einen zweiten Blick wert ist.

Mit einer gewissen Leichtigkeit in der Erzählweise erreicht die Autorin die Leser, egal ob eigentliche Zielgruppe oder nicht. Zusätzlich sind durchaus Spannungselemente zu erkennen, die womöglich auf ein Ereignis hindeuten, dass im Vorfeld nicht unbedingt sichtbar wurde. Doch vor allem wird man sich an Claire und Lulu erinnern, die nicht nur eine Reise durch die Zeit unternehmen.

Bewertung vom 21.07.2018
Der Tod bohrt nach
Archan, Isabella

Der Tod bohrt nach


ausgezeichnet

Eigentlich hatte Leo sich ganz fest vorgenommen nur noch ihren erlernten Beruf auszuüben und ihre Spürnase nicht mehr in mysteriöse Fälle zu stecken. Doch als eines nachts, während des Notdienstes, ein Mann auftaucht, der seltsame Andeutungen macht, hadert sie zwar noch kurzzeitig mit sich, kann aber schlussendlich nicht anders als sich einzumischen. Natürlich ermittelt die Polizei ebenfalls, denn schon bald stellt sich heraus, dass an der ominösen Geschichte tatsächlich etwas dran ist, doch Leo bewegt sich schon in anderen Kreisen und ahnt nicht mit wem sie es zu tun hat…

Als Zahnarzt erlebt man die kuriosesten Patienten, wie Dr. Leocardia Kardiff in ihrem nunmehr dritten Fall eindrucksvoll fest- und darstellt. Sicherlich kann man auch diesen Band vollkommen unabhängig lesen und verstehen, es macht aber zugegebenermaßen viel mehr Spaß, wenn man sich bereits an den Vorgängern erfreuen konnte. Denn während der Lektüre blitzen plötzliche einzelne Szenen aus der Vergangenheit vor dem inneren Auge auf, dazu reichen ein paar Reizworte, es muss nicht einmal eine Situation konkret zur Sprache gebracht werden. Allein dadurch wird das Lesevergnügen gesteigert, dabei ist noch gar nichts Fallrelevantes geschehen.

Kaum dass dieser jedoch in Fahrt kommt klemmt der Leser sich ebenfalls dahinter und Leo an die Fersen, denn die Neugierde kennt keine Grenzen. Obwohl man als Außenstehender durchaus mehr Einblick in das große Ganze erhält als die Protagonisten, kann man sich dennoch auf vieles keinen Reim machen, zu verworren erscheint die Angelegenheit. Überhaupt fragt man sich, mit was für Gestalten man es dieses Mal zu tun bekommt, jeder scheint auf seine eigene Art seltsam, und doch nicht richtig greifbar. So kommt es, dass man gemeinsam mit Frau Doktor plötzlich der Gefahr ins Auge sieht, die sämtliche Warnhinweise gekonnt ignoriert.

Trotz aufgeladener Atmosphäre und deutlich angespannten Nervensträngen aller Beteiligten kommt die Erzählung leichten Fußes daher, so dass die inhaltliche Schwere einen gelungenen Gegenpol erhält. So ergibt sich ein hohes Spannungsniveau, das gleichzeitig humoristische Elemente besitzt, die jedoch keineswegs lächerlich wirken. Das zeigt sich vor allem daran, dass die Stimmung selbst dann aufgelockert werden kann, wenn es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Allerdings kommt es zum Schluss hin zu einer absolut ernsten und vor allem unvorhergesehenen Wendung, bei der sowohl Protagonisten wie Autorin und Lesern das Lachen regelrecht im Halse stecken bleibt.

Ob Leo sich ein weiteres Mal auf Mörderjagd begeben wird? Oder hat sie nun endgültig genug und setzt wieder auf sicheren Grund und Boden? Man wird es erleben und ist sich uneins welchen Fortgang man sich wünschen soll.

Bewertung vom 21.07.2018
Morgan & Bailey - Tod in den Hamptons, 1 Audio-CD

Morgan & Bailey - Tod in den Hamptons, 1 Audio-CD


ausgezeichnet

Liam möchte etwas Wichtiges mit seinen Eltern besprechen, traut sich aber nicht allein und holt sich daher den Beistand seiner Tante Rose. Da diese gerade erst mit Charles Morgan aus Frankreich kommt, wird der katholische Geistliche kurzerhand ebenfalls in die Hamptons eingeladen. Doch noch immer rückt Liam nicht mit der Angelegenheit raus, als hätte er es sich anders überlegt. Derweil macht Hund Matty, der natürlich auch mit von der Partie ist, einen seltsamen Fund auf dem Golfplatz. Es scheint als hätte dort jemand eine Leiche verbuddelt…

Wie erwartet knüpft diese Folge direkt an die vorherige an, lässt den Hörer aber dennoch über eine lange Zeit im Unklaren über den Grund des überstürzten Aufbruchs in die Hamptons. Sicherlich legt man sich die ein oder andere Erklärung zurecht, allzu viele Möglichkeiten scheint es nicht zu geben, bis zur Enthüllung soll aber noch einiges geschehen. Denn das Hauptaugenmerk liegt plötzlich nicht mehr auf Liam, sondern einem Verbrechen, dass die beschauliche Idylle der Hamptons ins Wanken bringt.

Dass Rose und Charles sich sofort auf die Vorkommnisse stürzen scheint niemanden großartig zu überraschen, am allerwenigsten natürlich den Hörer. Doch wird es ihnen auch in dieser erneut fremden Umgebung im Kontakt mit vielen neuen Bekanntschaften gelingen dem Rätsel auf die Spur zu kommen bevor noch mehr geschieht? Denn zunächst heißt es sich zurechtzufinden und mit Umgebung wie Menschen vertraut machen. Der Hörer lauscht gebannt den Ereignissen, die zum Teil neue Fragen aufwerfen, andererseits aber auch aufschlussreiche Details liefern.

Ihre Nachforschungen führt das himmlische Duo auf einen Pfad, der gänzlich unvorhersehbar auftaucht. Doch je mehr man sich auf diverse Gedankenspiele einlässt, desto klarer nimmt die Auflösung Gestalt an. Oder ist man etwa einem Hirngespinst aufgesessen? In jedem Fall handelt es sich um eine absolut gelungene und spannende Folge, die die ein oder andere Überraschung bereit hält und in der sämtliche Sprecher brillieren, denn sie leben die Geschichte von Anfang bis Ende.

Bewertung vom 15.07.2018
Mopshöhle
Richter, Martina

Mopshöhle


sehr gut

Nach dem letzten Fall sind alle – Menschen wie Tiere – noch ziemlich aufgewühlt, die Nerven liegen blank. Da kommt das polizeiliche Austauschprogramm mit den französischen Kollegen gerade recht. Waterson überlegt nicht lange, sondern schnappt sich Mops Holmes, um diesem sechs Wochen Erholung, weit weg jeglicher Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse, zu gönnen. Die vermeintliche Ruhe ist jedoch nicht von langer Dauer, ein Serienkiller treibt sein Unwesen, allerdings nur an einem bestimmten Tag im Jahr – und bald jährt sich dieser erneut…

Eigentlich sah es mit der Entspannung ganz gut aus, bis Waterson drei mysteriöse Vermisstenfälle auf den Tisch bekommt und Holmes beim gemeinsamen Streifzug mit seiner Tochter auf einen menschlichen Schädel stößt. Der Leser ahnt natürlich von Anfang an, dass es mit der Ruhe nicht weit her ist, doch das neuartige Setting bietet mehr als nur Geheimnisse aus der Vergangenheit und öffnet die Tür für neue Bekanntschaften jedweder Art.

Schon bei der Erwähnung eines damaligen Verbrechens horcht der Leser auf und behält diesen Aspekt im Blick. Schließlich wäre es grob fahrlässig zu glauben hier ließe sich keine Verbindung zu den gegenwärtigen Ereignissen knüpfen. Doch wo genau der Zusammenhang besteht oder ob doch alles nur Zufall ist, offenbart sich nicht so schnell wie erhofft. So ist man einmal mehr auf Holmes’ feine Spürnase angewiesen, ähnlich wie Waterson, der auch mehr im Trüben fischt denn konkrete Hinweise zu finden. Neben der dadurch erzeugten Spannung, schließlich hat man es mit einem waschechten Detektivmops zu tun, streut Martina Richter gekonnt humoristische Sequenzen ein, die die Stimmung auflockern, dabei aber nicht lächerlich wirken.

Der sechste Fall für das inzwischen eingespielte Team hält nicht nur Protagonisten und Leser auf Trab, sondern auch einige Überraschungen bereit. Zwar lassen sich einige Geschehnisse im Vorfeld bereits ableiten, die Mischung aus Ungeahntem und Vorhersehbarem ist aber durchaus ausgewogen. Es macht einfach immer wieder Freude Holmes, Waterson und den Rest der Sippe auf ihren Abenteuern zu begleiten.

Bewertung vom 15.07.2018
Ein Gentleman in Arles / Peter Smith Bd.1
Coles, Anthony

Ein Gentleman in Arles / Peter Smith Bd.1


gut

Peter Smith hatte gehofft seine Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben und nun einem entspannten Renterdasein in der Provence, gemeinsam mit seinem Windhund Arthur, frönen zu können. Doch plötzlich gerät er mitten hinein in einen mehr als undurchsichtigen Mordfall. Diverse Personen bitten ihn unabhängig voneinander um seine Mithilfe und ahnen nicht, dass sie es mit einem ehemaligen britischen Geheimdienstler zu tun haben. Das ist Peters Glück, denn nur so kann er einigermaßen unbehelligt weiterführende Nachforschungen anstellen, die allerdings mehr Fragen aufwerfen als dass sie Antworten liefern. Außerdem rennt ihm die Zeit davon, denn es bleibt nicht bei dem einen Verbrechen.

Über Peter Smiths Vergangenheit wird sich nicht nur den anderen Protagonisten gegenüber ausgeschwiegen, auch der Leser verknüpft nur einzelne Indizien zu wilden Theorien, ohne konkretes Wissen zu erlangen. Denn das muss man der Hauptperson lassen: Man erfährt exakt soviel über die Figur Peter Smith wie er selbst zu geben bereit ist. Dadurch wirkt er aber gleichzeitig unnahbar, undurchsichtig und manches Mal sogar unaufrichtig. Ob man ihm damit Unrecht tut, lässt sich bis zuletzt nicht klären, eine enge Verbindung zwischen Leser und Protagonist scheint jedoch ausgeschlossen, nicht zuletzt auf Grund seiner zweifelhaften Einstellung manchem Ungemach gegenüber.

Der Fall als solcher dümpelt über lange Zeit mehr vor sich hin als dass tatsächlich etwas Aufregendes geschieht. Zwischendurch gibt es durchaus temporeiche Passagen, die den Eindruck erwecken das Geschehen würde nunmehr vorangetrieben, doch allzu schnell sind diese Sequenzen schon wieder vorbei. Es scheint als würde hier viel mehr Wert darauf gelegt umfangreiches Wissen im Bezug auf Technik sowie Essen und Trinken in der Provence anzubringen. Dadurch verliert der Autor sich allerdings häufig zu sehr in Beschreibungen, die weder relevant für die Handlung noch in interessanter Weise ausgeschmückt sind. Erst im letzten Drittel kommt es fast schon zu einem Bruch, der dem Krimi endlich neuen Schwung verleiht und auch die lange erwartete Spannung heraufbeschwört. Plötzlich geht alles ganz schnell, und auch wenn nicht sämtlichen Fäden eine Auflösung zuteil wird, so konnte man dennoch einigermaßen besänftigt werden.

Es scheint als hätte der Autor im ersten Band der Reihe zu viel auf einmal unterbringen wollen. Zu viele Handlungsstränge mit zu vielen Figuren, die mal mehr mal weniger nachvollziehbare Querverbindungen aufweisen, aber unbedingt mitmischen müssen. Die Grundidee ist durchaus gelungen und auch der Hauptcharakter scheint interessanter Natur zu sein, doch wäre in mancher Hinsicht etwas mehr Zurückhaltung nicht verkehrt gewesen. Möglicherweise kehrt nun in manchen Aspekten mehr Ruhe ein, nachdem die Grenzen abgesteckt und erste Unklarheiten beseitigt wurden. Vielleicht liegt dann im Nachfolgeband auch die volle Konzentration auf dem eigentlichen Fall.

Bewertung vom 08.07.2018
Der rote Stier / Nero Wolfe Bd.7
Stout, Rex

Der rote Stier / Nero Wolfe Bd.7


sehr gut

Auf dem Weg zu einer Orchideenausstellung geschieht ein Unglück, durch welches sich Nero Wolfe und Archie plötzlich Aug’ in Aug’ einem Stier gegenübersehen. Um die beiden aus der misslichen Lage zu befreien ist Fingerspitzengefühl notwendig, glücklicherweise naht Hilfe von außen. Das eigentliche Vorhaben gerät zwar nicht in Vergessenheit, rückt aber ein wenig in den Hintergrund als Nero Wolfe und Archie auf Thomas Pratt, den Besitzer des Stiers, treffen und erfahren, dass das teuer eingekaufte und berühmte Tier schon in wenigen Tagen verzehrt werden soll. Dann allerdings wird ein junger Mann tot auf der Weide gefunden, augenscheinlich aufgespießt von den Hörnern des roten Ungetüms…

Wer Nero Wolfe inzwischen ein wenig kennt, weiß um seine Aversion gegenüber unvorhergesehenen Ereignissen. Überhaupt schon das Haus zu verlassen und sich in ein Automobil zu setzen liegt eigentlich nicht in seiner Natur. Wie also muss eine solche Person empfinden, wenn nicht nur unerwartet ein Reifen platzt, sondern auch noch andere Planungen über Bord geworfen werden? Dennoch verhält Wolfe sich erstaunlicherweise weitestgehend professionell und ist sowieso schon bald voll und ganz in seinem detektivischen Element.

Auch der Leser glaubt keine Sekunde daran, dass sich auf der Weide ein Unfall zugetragen haben soll. Sicherlich kann man diese Erkenntnis an keinerlei Hinweisen festmachen, doch ist es mehr als ein Bauchgefühl, das deutlich macht, dass hier etwas faul sein muss. Die Gedankengänge der Hauptperson sowie die darauf folgenden Querverbindungen erscheinen im Nachhinein oft logisch, während der Lektüre fragt man sich dennoch häufig woher diese Theorien – die wohl mehr als nur reine Hirngespinste sind – kommen. Verblüfft muss man sich eingestehen, dass die eigene Spürnase nicht unbedingt immer ins Schwarze trifft.

Das Geschehen geht einen eher gemächlichen Gang, was den Autor jedoch nicht davon abhält Spannung zu erzeugen. Dies geschieht zumeist unterschwellig, so dass atmosphärische Veränderungen zwar spürbar, aber nicht unbedingt sofort greifbar sind. Innerhalb der ein oder anderen Passage gerät er zudem ins Schwadronieren, so dass man leicht abgelenkt wird ob der Ausführlichkeit mancher Situationen, die der eigentlichen Haupthandlung nicht zum Fortschritt gereichen. Hier gilt es unbedingt einen klaren Kopf zu behalten, um nicht ebenfalls abzuschweifen in Gefilde, die zwar interessant, aber aufklärungstechnisch nicht relevant sind.

Schon frühzeitig nach der doch recht überraschenden Auflösung ist der Leser gespannt welche weiteren Abenteuer auf Nero Wolfe und Archie warten.

Bewertung vom 08.07.2018
Tiefer denn die Hölle / Martin Bauer Bd.2
Gallert, Peter; Reiter, Jörg

Tiefer denn die Hölle / Martin Bauer Bd.2


sehr gut

Eigentlich sollte Martin Bauer seine hochschwangere Frau zum Vorbereitungskurs begleiten, ohne einen Gedanken an die Arbeit zu verschwenden. Doch sein katholischer Kollege, Monsignore Vaals, bricht beim Anblick eines Toten in den Tiefen eines stillgelegten Bergwerks zusammen, so dass Bauer doch noch zum Einsatzort gerufen wird. Der Fall lässt ihm keine Ruhe, so dass er wieder einmal beginnt eigene Nachforschungen anzustellen. Die Spuren führen in Vaals Vergangenheit, doch nicht nur dort gibt es einiges was nicht so recht zusammenzupassen scheint…

Nach „Glaube Liebe Tod“ legt das Autorenduo Peter Gallert und Jörg Reiter mit „Tiefer denn die Hölle“ den zweiten Krimi rund um Polizeiseelsorger Martin Bauer vor. Auch wenn jeder Band für sich genommen verständlich und eigenständig erscheint, so empfiehlt es sich dennoch die gegebene Reihenfolge einzuhalten, um auch die Entwicklungen zwischenmenschlicher Beziehungen nachvollziehen zu können. Denn hier gibt es durchaus Aspekte, die zwar oberflächlich betrachtet nur eine untergeordnete Rolle spielen und für die Handlung weniger relevant erscheinen, um sämtlichen Denk- und Handlungsweisen der Hauptfigur folgen zu können, sind sie aber oft von Bedeutung.

Normalerweise wäre Martin Bauer in diesen Fall gar nicht involviert gewesen, hätte sein Kollege nicht einen Herzinfarkt erlitten. Schon früh stellt sich dem Leser daher die Frage, inwiefern Monsignore Vaals an den Vorkommnissen beteiligt ist beziehungsweise welche Informationen ihm dazu vorlagen. Wie bereits in seinem ersten Fall kann Bauer seine Füße natürlich nicht still halten, ein Glücksfall für den ebenso neugierigen Leser, denn dass hier etwas im Argen liegt scheint offensichtlich. Leider werden sowohl dem Polizeiseelsorger als auch Hauptkommissarin Dohr immer wieder Steine in den Weg gelegt, mitunter von Menschen, die eigentlich für dieselbe Sache kämpfen. Dieser interne Zwist schwächt das Gefüge, egal wie erfolgreich die Spurensuche ausgehen wird.

Im Gegensatz zum ersten Band hat man dieses Mal das Gefühl, dass eine bestimmte Laufrichtung bereits vorgegeben und nicht mehr viel Spielraum für anderweitige, möglicherweise ganz und gar abwegige, Spekulationen vorhanden ist. Obwohl das Spannungsniveau natürlich dennoch im oberen Bereich anzusiedeln ist, fehlt der gewisse Biss, den man im Auftaktband sehr zu schätzen gelernt hat. Sicherlich soll der Leser auch hier in die Irre geführt werden, häufig bleibt es allerdings beim Versuch, da man diesen als ebensolchen entlarven kann. Die gewohnte und liebgewonnene Leichtigkeit, die „Glaube Liebe Tod“ trotz aller Tragik ausmachte, hätte man sich auch hier intensiver gewünscht.

Sehr gut gelungen und daher erwähnenswert ist in „Tiefer denn die Hölle“ das gewählte Setting. Stillgelegte Bergwerke verbindet man sofort mit dem Ruhrgebiet, so dass man den Ausführungen gerne folgt und sich sofort vorstellen kann wie wohl der laufende Betrieb damals ausgesehen hat. Lokalkolorit auf höchstem Niveau, wodurch ein Gefühl von Heimat entsteht, egal ob man nun selbst ein Ruhrpott-Kind ist oder nicht. Trotz einiger weniger Schwächen können die Autoren weitestgehend an den ersten Band anknüpfen und haben hoffentlich noch den ein oder anderen Fall für Martin Bauer auf Lager.

Bewertung vom 08.07.2018
Fashion for Friends - Josi / Your Style Bd.4
Schwörer, Ariane

Fashion for Friends - Josi / Your Style Bd.4


sehr gut

Manchmal fühlt Josi sich immer noch als „die Neue“, wenn sie sich und ihre Mädels von außen betrachtet. Überhaupt, seit es in Romys, Pepas und Gretas Leben auch noch den ein oder anderen interessanten Jungen gibt, scheint Josi mehr und mehr an den Rand gedrängt zu werden. Nehmen ihre Freundinnen sie wirklich nicht mehr wahr oder ist dies nur Josis Einschätzung, weil sie noch immer ein Geheimnis mit sich herumträgt, das zu wahren ihr größtes Anliegen ist, sie aber auch etwas unnahbar erscheinen lässt?

Knall auf Fall geht es auf die Zielgerade zu, denn mit Josis Geschichte findet die Your-Style-Reihe rund um die vier Mädchen vom Boxi ihren Abschluss. Doch bis es so weit ist warten noch einige Überraschungen auf den Leser. Schließlich hat nicht nur jede der vier ein ganz besonderes Talent, sondern hin und wieder auch ein Geheimnis.

Josi könnte glatt die nächste Sommerkollektion entwerfen, so schnell wie verschiedenste Outfits in ihrem Kopf Gestalt annehmen und dann auch noch von ihr zu Papier gebracht werden. Doch warum reagiert sie plötzlich so gereizt, wenn ihre Freundinnen sie darauf ansprechen und ihr eine große Karriere prophezeien? Dass Josi etwas zu verbergen hat, ahnt man seit dem ersten Band rund um Romy und die Schauspielerei. Doch bisher ist man nicht so recht dahinter gekommen was es sein könnte. Einzig, dass der Umzug vom Land in die Stadt wohl eine zentrale Rolle gespielt haben muss, scheint eindeutig. Da sie es meisterhaft versteht auch ihre Gedanken zu verschleiern, bleibt selbst dem Leser nichts anderes übrig als zu spekulieren und Theorien in den Raum zu werfen ohne sich auf konkrete Hinweise berufen zu können.

In der Hoffnung, dass die Enthüllung, die zweifelsohne früher oder später eintreten wird, der Mädchenfreundschaft keinen Schaden zufügt, verfolgt man gebannt das Geschehen, das ähnlich wie in den Vorgängerbänden mit diversen Gimmicks gespickt ist. Ob Rezepte, Psychotests oder Blogeinträge von „Wolke“, von der auch noch eine Überraschung zu erwarten ist, die Atmosphäre wirkt gleich aufgelockert und lässt keine trüben Gedanken zu, auch wenn es inhaltlich manchmal einen anderen Anschein hat.

Man beendet die Lektüre wahrhaftig mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn einerseits ist man traurig, dass die Reihe nun abgeschlossen ist, gerne würde man noch mehr Abenteuer mit den Mädchen erleben. Andererseits aber ist man unendlich froh die vier und ihre Geschichten kennengelernt zu haben. Und vielleicht gibt es ja doch nochmal ein Wiederlesen… wer weiß.

Bewertung vom 30.06.2018
Insel-Krimi - Eisenhut und Sylter Spitze, 1 Audio-CD
Albrecht, Erik

Insel-Krimi - Eisenhut und Sylter Spitze, 1 Audio-CD


sehr gut

Marga Neumann wird von vermeintlichen Mitarbeitern der Stadtwerke darum gebeten ihr Haus für eine Weile zu verlassen, es hätte ein Gasleck gegeben. Doch verfolgen die zwielichtigen Gesellen einen ganz anderen Plan, bei dem ihnen die alte Dame im Weg wäre. Diese allerdings ist nicht auf den Kopf gefallen und heckt mit ihrer Freundin Hedwig und dem Postboten Harald einen raffinierten Plan aus…

Andere Insel, anderer Autor, andere Protagonisten – beim dritten Insel-Krimi ist alles ein bisschen anders, denn nicht nur die bereits bekannten Figuren Arne Brekewoldt und Nele Röwekamp „fehlen“, auch stehen dieses Mal keine Ermittlungen seitens der Polizei im Vordergrund. Das würde im vorliegenden Fall auch keinen Sinn ergeben, hier ist schnelles, aber überlegtes, Handeln gefragt, sonst kommen die Gauner doch noch ungeschoren davon.

Der Hörer bemerkt sogleich negative Schwingungen als es zur ersten Begegnung zwischen Marga und einem Bauarbeiter kommt. Allerdings ahnt man zu diesem Zeitpunkt noch nicht welches Motiv hier zugrunde liegt. Vorstellbar wäre einiges, jedoch einzig auf Spekulationen aufgebaut, konkrete Hinweise fehlen zunächst. Interessant wird es als die Dame des Hauses offenbart den Grund für das Eindringen der Männer zu kennen. Nicht nur für ihre Freunde eine Überraschung. Das Dreiergespann greift alsbald in die Vollen, um den Übeltätern selbst das Handwerk zu legen.

Der Hörer verfolgt sämtliche Aktionen mit einer gewissen Skepsis ob der kontinuierlich drohenden Gefahr. So ist man schlussendlich hin- und hergerissen zwischen Unverständnis des eigenmächtigen Handelns der Protagonisten und Anerkennung des mutigen und gleichzeitig charmant-humoristischen Agierens. Nichtsdestotrotz bleibt ein Fünkchen Hoffnung im Hinterkopf, dass es auch einen möglichen Plan B gibt, den der Hörer vielleicht nicht kennt.

Wieder einmal zeigt sich, dass man auch im hohen Norden nicht vor Verbrechen gefeit ist, und doch scheint alles ein bisschen weniger schlimm als in anderen Teilen des Landes – das mag aber auch nur verklärte Einbildung sein.