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Benutzername: Midnight-Girl
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Insgesamt 842 Bewertungen
Bewertung vom 09.05.2021
Fünf Freunde und das rätselhafte Spukhaus, 1 Audio-CD
Blyton, Enid

Fünf Freunde und das rätselhafte Spukhaus, 1 Audio-CD


gut

Zwar nicht mit einhelliger Begeisterung, aber dennoch gemeinsam melden die Fünf Freunde sich als freiwillige Tester für das neu errichtete Spukhaus. Gleich ihr erster Besuch bringt seltsame Vorkommnisse ans Tageslicht, es scheint als treibe ein Einbrecher sein Unwesen. Mary Wilson, die Tante des Spukhaus-Erfinders, ist außer sich vor Sorge. Und auch, wenn sie in Kontakt mit einem Polizisten steht, so stehen die Fünf Freunde ihr selbstverständlich zur Seite und begeben sich ihrerseits auf Spurensuche..

Ein Spukhaus ist sicherlich nicht jedermanns Sache und doch in gewisser Weise faszinierend. Auch die Freunde sind bei der Thematik unterschiedlicher Meinung, stürzen sich aber trotzdem zusammen ins Abenteuer. Wer weiß, vielleicht gibt es ja wieder ein Geheimnis zu lüften. Dass das Rätsel nicht lange auf sich warten lässt, vermutet man als Hörer natürlich sofort. Entsprechend gespannt verfolgt man das Geschehen, womöglich werden schon zu Beginn wichtige Hinweise gestreut, an die man sich nachher zu erinnern versucht.

Hinter den mysteriösen Ereignissen verbergen sich kriminelle Aspekte, die inzwischen fast täglich in den Medien zu finden sind, weshalb es sicherlich nicht verkehrt ist die eigentliche Zielgruppe der Hörspiele bereits dafür zu sensibilisieren. Eventuell muss man das Thema im Nachgang noch ein wenig vertiefen, um allerdings überhaupt erst einmal damit in Berührung zu kommen ist die hier gewählte Darstellung gut geeignet.

Im Verlauf der Geschichte verblasst die Wirkung des Spukhauses leider ein wenig, weshalb sowohl Protagonisten als auch Erzählung recht nüchtern daherkommen. Obwohl es mehrere Tatverdächtige und Motive gibt, liegt vieles zu schnell auf der Hand, ob mangelnder Ablenkung durch Nebenschauplätze. Insgesamt eine solide Folge, der ein wenig der letzte Schliff fehlt.

Bewertung vom 09.05.2021
Mörderfinder - Die Spur der Mädchen
Strobel, Arno

Mörderfinder - Die Spur der Mädchen


sehr gut

Ein verzweifelter Vater bittet Max Bischoff händeringend um Hilfe. Der Fall seiner vor sechs Jahren verschwundenen Tochter wurde nie aufgeklärt, doch jetzt gibt es Hinweise darauf, dass sie zurückgekehrt ist. Bischoff, der den Dienst eigentlich quittiert hat und nun an der Polizeihochschule unterrichtet, lässt die Angelegenheit keine Ruhe, weshalb er schlussendlich nachgibt. Seine teils inoffiziellen und nicht immer gesetzeskonformen Nachforschungen führen ihn tief hinab in menschliche Abgründe.

Vermisste Mädchen, damals wie heute, diverse Parallelen, aber auch Unterschiede und viele, viele Ungereimtheiten. Hat ein- und derselbe Täter tatsächlich sechs Jahre die Füße still gehalten oder sind die Gemeinsamkeiten nur Zufall oder sollen gar in die Irre führen? Eigentlich wollte Max Bischoff den Auftrag ablehnen, eigentlich hatte er den Dienst quittiert, um sich und seine Lieben zu schützen, doch eigentlich kann er nicht anders als Verbrechen aufzuklären, wenn sie sich zeigen. Nichtsdestotrotz steht er sich zunächst selbst im Weg und benötigt einige Zeit, um wieder in die Spur zu gelangen. Wertvolle Zeit, die somit verloren geht und dem Täter die Möglichkeit zur Verschleierung eröffnet.

Arno Strobel versteht es geschickt mit allem und jedem zu spielen, niemand ist vor seinen Angriffen gefeit. Leser wie Protagonisten werden mit teils harten Bandagen bekämpft, bevor die Samthandschuhe ausgepackt werden – dies jedoch nur zum Schein. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass seine Werke inhaltlich mit Sicherheit nichts für schwache Nerven sind. Auch hier wartet er mit ziemlich starkem Tobak auf, der dem Hörer durchaus auf den Magen schlagen kann und dessen wahres Ausmaß sich erst im Verlauf des Geschehens abzeichnet, und dennoch bis zum Schluss absolut unbegreiflich erscheint.

Dietmar Wunder setzt seine geballten Fähigkeiten ein und dringt mitsamt der Grausamkeiten direkt ins Bewusstsein des Hörers vor. Ein Schreckensszenario folgt dem nächsten, man fragt sich regelmäßig wann die Tortur ein Ende haben mag. Gleichzeitig erscheint es unmöglich sich der angespannten Atmosphäre zu entziehen bevor nicht alles gesagt und aufgelöst wurde, so es denn wirklich dazu kommt. Denn dies scheint mitunter gar nicht hundertprozentig gegeben, zahlreiche lose Fäden verheißen nichts Gutes.

Der erste Fall in der Max-Bischoff-Reihe: brutal und schnell, zeitweise aber auch zu glatt. Mit beängstigender Ruhe blickt er immer tiefer in die menschlichen Abgründe und lässt dem Hörer keine Wahl als sich ebenfalls dorthin zu wagen. Wie kann eine Geschichte stilistisch so sehr faszinieren und eine regelrechte Sogwirkung entfalten, obwohl man sich ob des Inhalts gerne mal die Ohren zuhalten würde?

Bewertung vom 09.05.2021
Der Montagsmordclub / Die Mordclub-Serie Bd.1
Osman, Richard

Der Montagsmordclub / Die Mordclub-Serie Bd.1


ausgezeichnet

Im Regelfall sind es Cold Cases, derer sich die vier Mitglieder des Donnerstagsmordclubs der Seniorenresidenz bei ihren Treffen annehmen. Besser man fragt nicht weiter nach wie nah am Rande der Legalität die entsprechenden Akten den Weg nach Coopers Chase gefunden haben. So weit, so ungewöhnlich. Als sich in kurzer Abfolge zwei Todesfälle im Umfeld der Residenz ereignen, wittern die vier Senioren ihre Chance, mit geballter Kompetenz die Aufklärung der Fälle voranzutreiben – unter mehr oder minder strenger Aufsicht der Polizei.

Leben heißt, das Hier und Jetzt genießen, nicht die Vergangenheit betrauern, nicht die Zukunft fürchten. Sicherlich, in Erinnerungen zu schwelgen gehört natürlich ebenso dazu wie Träume und Wünsche zu haben, unabhängig vom Alter. Dass dies alles nicht ausschließlich positive Emotionen hervorruft ist selbstverständlich, trotz allem ist die Gegenwart der relevante Dreh- und Angelpunkt. Die Bewohner in Coopers Chase nehmen ihr jeweiliges Schicksal absolut selbstbestimmt in die Hand, auf welche Art und Weise auch immer.

Hat man innerhalb der ersten Kapitel noch das Gefühl keinen rechten Draht zu Geschehen und Figuren zu finden, stellt sich dieser erste Eindruck erfreulicherweise schnell als falsch heraus. Ist man erst einmal warm geworden mit der Erzählung, die zeitweise durch Tagebucheinträge eines Mordclubmitglieds an noch mehr Tiefe gewinnt, fühlt man Ruhe und Zufriedenheit in sich aufsteigen, obwohl die Ereignisse, rein faktisch, eher das Gegenteil bewirken. Der Autor trifft in jeder Situation zielsicher den richtigen Ton und vergisst dabei weder die Spannungskurve zu nähren noch Protagonisten wie Leser gleichermaßen einzubinden.

Die Zeit während der Lektüre vergeht wie im Flug, dabei gilt es dennoch konzentriert zu bleiben und die Zeichen richtig zu deuten. Manchmal gelingt dies gut, manchmal tappt man aber auch in die geschickt platzierte Falle und lässt sich im Nachhinein eines besseren belehren. Schöne Wendungen, die dennoch keinen harten Bruch zur Folge haben, pflastern den Weg der eher unkonventionellen Ermittlungen. Bleibt zu hoffen, dass der zweite Band nicht allzu lange auf sich warten lässt.

Bewertung vom 01.05.2021
Mission Hollercamp Band 1 - Der unheimliche Fremde
Hach, Lena

Mission Hollercamp Band 1 - Der unheimliche Fremde


sehr gut

Die Wartezeit, bis Leon, Emily und Jakub sich jedes Jahr zum Camping treffen, vergeht viel zu langsam, wohingegen die Zeit am Hollersee nur so verfliegt. Dass diesmal alles anders wird liegt nicht nur daran, dass Leons unliebsame Cousine Charlie urplötzlich auftaucht, es gehen auch seltsame Dinge vor sich. Die Erwachsenen sind sich sicher, dass der fremde Mann, der seit einiger Zeit immer wieder auftaucht, für die Vorkommnisse verantwortlich ist.

Fast schon zufällig werden die Freunde in das Abenteuer katapultiert. Oder wurden sie etwa bewusst involviert oder gar instrumentalisiert? Das ist allerdings nicht das einzige was es herauszufinden gilt, schließlich wird der Campingplatz zielgerichtet angegriffen. Selbstverständlich lassen Leon, Emily, Jakub und Charlie das nicht einfach auf sich sitzen und schreiten zur Tat. Vielleicht nicht immer ganz organisiert, aber immer noch besser als nichts zu tun.

Ziemlich schnell sind der Leser und die jungen Protagonisten sicher, dass der Fremde nicht der Übeltäter ist. Oder soll man ihn als harmlos einstufen, damit er weiter Unruhe stiften kann? Inwiefern man richtigen oder falschen Fährten folgt, zeigt sich meist spontan oder durch ein glückliches Zusammenspiel verschiedener Aspekte. Auch wenn eine konkrete Planung in weiten Teilen sicherlich hilfreich gewesen wäre, bleibt man als Leser gerne an der Seite der Freunde, scheint es doch immer wieder zu interessanten Aufeinandertreffen zu kommen.

Ähnlich schnell wie die Tage im Hollercamp vergeht auch die Lesezeit, obwohl man durch die handschriftlichen Anmerkungen von Emily – die das Geschriebene von Leon kommentiert und teilweise korrigiert – mitunter aus dem Lesefluss gerissen wird. An sich ein schönes Stilelement, von dem aber jeder individuell entscheiden muss, ob man es als störend empfindet oder nicht. Zum Schluss ergibt sich ein richtig fieser Cliffhanger, der vermutlich/hoffentlich im bereits erschienenen zweiten Band aufgelöst wird.

Bewertung vom 01.05.2021
Das Camp der Unbegabten
Koch, Boris

Das Camp der Unbegabten


sehr gut

Der Traum vom Fliegen ist so tief in Bjarne verankert, dass er einfach alles dafür tun würde, damit die Begabung sich endlich zeigt. Doch weder die entsprechend ausgelegte Ernährung noch das Herbeiführen einer Extremsituation mit den dazugehörigen Emotionen, führt zum Erfolg. Ist Hypnose der Weg zum Ziel? Als sein bester Freund plötzlich eine übernatürliche Begabung entwickelt und Bjarne selbst im Camp für Unbegabte landet, wähnt er sich bereits am Tiefpunkt..

Es gibt zahlreiche Statistiken darüber, zu welchem Zeitpunkt sich tendenziell eine Begabung zeigt, welche Nahrung oder Aktivität womöglich eine Rolle spielt und ähnliches mehr – Bjarne kennt sie alle. Sein Wissen hat ihm bisher allerdings wenig genutzt, eher im Gegenteil, manövriert er sich zunehmend in brenzlige und gefährliche Situationen. Regelmäßig erwischt man sich während der Lektüre dabei, die eigenen Träume und Wünsche zu klassifizieren, um herauszufinden wie weit man selbst bereit wäre zu gehen, um diese zu erreichen.

Eingebettet in eine Geschichte rund um Rivalitäten, Ängste, Begabungen und Zusammenhalt, geht es im Grunde noch um soviel mehr. Tiefgründiger als auf den ersten Blick erwartet, dabei gleichzeitig so nah an den eigenen Empfindungen, dass die eigentlichen Ereignissen fast schon ein wenig in den Hintergrund rücken. Dass er diesen Nerv treffen könnte, war dem Autor scheinbar bewusst, denn plötzlich wartet er mit Überraschungsmomenten auf, die den Leser imaginär zurück ins Camp holen, wo es rasant zur Sache geht, da bleibt kein Stein auf dem anderen.

Nicht jeder Charakter kann den Leser für sich einnehmen, nicht jede Aktion befürwortet man, nichtsdestotrotz werden neben kleinen und großen Kämpfen oder alltäglichen (Teenie)Problemen elementare Aspekte geschickt eingeflochten, ohne den reinen Unterhaltungswert zu mindern. Vergnüglichen Lesestunden steht demnach nichts im Wege.

Bewertung vom 25.04.2021
Die Krieger
Maurer, Martin

Die Krieger


gut

Es scheint als sei das verheerende Feuer in der Diskothek Liverpool der Höhepunkt der Revierkämpfe im Rotlichtmilieu. Doch ein Bekennerschreiben deutet plötzlich in eine andere Richtung. Die Ermittlungen müssen noch einmal ganz neu aufgestellt werden und Nick Marzek, erst vor Kurzem von Berlin nach München gewechselt, wird nach Italien entsandt. Laufen die Fäden wirklich dort zusammen und war der Anschlag Teil einer viel größeren Sache?

Es ist immer eine Gratwanderung, wenn wahre Begebenheiten thematisiert werden und mit fiktiven Elementen, Ereignissen und Figuren verschmelzen. Sei es, um Antworten zu finden, die es in der Realität (noch) nicht gibt oder Alternativen zur bisherigen Darstellung aufzuzeigen. Hier versetzt der Autor Leser und Protagonisten zurück ins Jahr 1984, was man allerdings hauptsächlich merkt, wenn man den Stand der Technik vor Augen geführt bekommt. Ansonsten konzentriert sich das Geschehen primär auf die inhaltlichen Verstrickungen. Natürlich sind die äußeren Umstände ein Teil dessen, spielen aber dennoch eine eher untergeordnete Rolle.

Die Gruppe Ludwig, diverse Bekennerschreiben und Anschläge, sowohl auf Einzelpersonen als auch auf Gruppen, Spuren nach Italien, das und mehr gilt es nun für Kriminalkommissar Nick Marzek zu sortieren, um möglichst zeitnah die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dabei ist die Sprachbarriere noch das kleinste Problem. Generell ist es vermutlich immer so, dass ein solch komplexer Fall in weiten Teilen diffus und unzusammenhängend erscheint. Hier aber liegt dann genau der Knackpunkt beziehungsweise Fallstrick zwischen rein fiktiven Kriminalromanen und solchen mit wahrer (Hintergrund)Geschichte.

Die zugrunde liegende Recherche ist auf höchstem Niveau, gerade wenn man die Ausführungen am Ende beachtet, aus denen hervorgeht, wie schwierig es überhaupt ist an Material zu diesem Fall/diesen Fällen zu kommen. Dass das erlangte Wissen nun unbedingt an den Leser gebracht werden möchte, ist selbstverständlich. Nichtsdestotrotz gestaltet sich dies hier in weiten Teilen leider etwas zäh. Die Ermittlungen gehen nur stockend voran, die gewonnen Erkenntnisse werfen meist mehr Fragen auf als dass sie Antworten liefern. Somit bleibt häufig die Spannung auf der Strecke, obwohl das Geschehen als solches wahrlich interessant ist. Der Fokus liegt hier jedoch zu sehr auf den historischen Geschehnissen, so dass das Zusammenspiel der verschiedenen Aspekte und Elemente nicht recht funktioniert.

Bewertung vom 25.04.2021
Die Wahrheit und andere Lügen
Arango, Sascha

Die Wahrheit und andere Lügen


sehr gut

Seit sein hochgelobtes Debüt erschienen ist, kann Henry kaum mehr einen Schritt vor die Tür machen, ohne dass er erkannt wird. Dennoch kennt ihn eigentlich niemand, weder Fans noch Verleger oder Kritiker – nicht einmal seine Ehefrau. Bisher konnte Henry Details aus seiner Vergangenheit immer gekonnt unter Verschluss halten. Doch was wird man finden, wenn man sich nicht so einfach abspeisen lässt?

Durch Klappentext, Kurzbeschreibung und direkt mit Einstieg wird deutlich, dass dem Charakter Henry mit Vorsicht gegenüberzutreten ist, Sympathien behält man wohlweislich für sich. Obwohl trotz aller Andeutungen die Unschuldsvermutung im Raum stehen sollte – schließlich kann es sich ja auch immer um ein perfides Spiel handeln, das ihn zu Fall bringen soll – spürt man sofort eine gewisse Abneigung.

Innerhalb der Erzählung wird garantiert nichts beschönigt, und doch ist man schon bald unsicher was Wahrheit und was Lüge ist. Wo ist die Grenze zwischen beidem, an welchem Punkt vermischt sich das tatsächlich Erlebte mit dem Erdachten? Regelmäßig erwischt man sich bei dem Gedanken es möge endlich eine in sich stimmige Variante dargelegt werden, um Ungereimtheiten auszuradieren und fadenscheinige Annahmen zu eliminieren. Trotz dessen, dass man als Leser kontinuierlich mit einbezogen wird, ist man doch nichts weiter als ein Zaungast oder gar ein Spielball des Autors – wie so viele andere auch.

Sprachlich muss man sich zunächst ein wenig einfinden, die Handlung folgt einer recht nüchternen Erzählweise, es fällt kein Wort mehr als unbedingt notwendig. Dennoch, vielleicht auch gerade deswegen, wird der Leser mit jeder weiteren Seite tiefer hineingezogen in diese Geschichte, die so wenig greifbar scheint, obwohl doch alles vor den Augen des Lesers geschieht. Schon lange ist nicht mehr der Ausgang des Geschehens entscheidend. Zahlreiche Elemente pflastern den Weg der Existenz eines jeden einzelnen, Abzweigungen entstehen, werden genommen oder ignoriert, aber immer bleibt alles in Bewegung. So ist auch dieser Roman aufgebaut, der in letzter Konsequenz vermutlich nach einmaligem Lesen gar nicht in Gänze zu durchdringen ist.

Bewertung vom 25.04.2021
Portugiesische Tränen / Lissabon-Krimi Bd.3
Sellano, Luis

Portugiesische Tränen / Lissabon-Krimi Bd.3


sehr gut

Ein Whiskey, ein Lieferschein und eine Fahne, drei Dinge, die auf den ersten Blick nichts gemein haben, und doch führen sie Henrik Falkner auf die Spur eines weiteren ungeklärten Falls, den sein verstorbener Onkel ihm gemeinsam mit dem Antiquariat vererbt hat. Die Hinweise führen Falkner zur japanischen Botschaft und mitten hinein in einen Kampf um einen seltenen Koi. Die Beteiligten würden töten für den wertvollen Fisch. Aber wer von ihnen geht tatsächlich bis zum äußersten?

Obwohl der dritte Band einer Reihe, so kann er doch vollständig für sich alleine stehen und ist auch ohne Vorkenntnisse verständlich. Im Verlauf wird über vergangene Ereignisse, die zumindest einen geringen Einfluss auf die aktuellen Geschehnisse haben, ausreichend informiert. Selbst wenn man erst nach der Lektüre später erschienener Bände auf diesen Fall zurückgreift, merkt man sofort, dass nichts relevantes vorweggenommen wurde, das Rätsel absolut ungelöst vor einem liegt.

Nicht immer sind die Gedankengänge Falkners für den Leser sofort nachvollziehbar, dennoch folgt man ihm bereitwillig in jede noch so brenzlige Situation. Vermutlich könnte er selbst nicht beantworten, ob er sich der bevorstehenden Gefahren nicht bewusst oder einfach nur lebensmüde ist. Allerdings muss man trotz allem unumwunden zugeben, dass durch seinen Leichtsinn immer mehr Gegenspieler ihre Maske fallen lassen, wodurch die Handlung merklich angetrieben wird.

Zunächst noch ein bisschen verhalten, schließlich müssen die gefundenen Artefakte erst einmal einen Sinn ergeben, wird der Spannungsaufbau stetig vorangetrieben. Konzentration ist ebenso geboten, um nicht die Orientierung zu verlieren oder gar in eine geschickt platzierte Falle zu tappen. Einmal gefangen im Kosmos rund um den angebeteten Fisch, scheint ein geordneter, gewaltfreier Rückzug unmöglich. Die Frage ist nun, wie stark die Blessuren sein werden, die man davonträgt.

Luis Sellano gelingt es regelmäßig aus eher unscheinbaren, fast schon trivial anmutenden Hinweisen eine komplexe Geschichte zu formen, deren Ausmaß womöglich selbst für den Autor im Vorfeld nicht unbedingt zu erfassen ist. Über unbedachte Aktionen der Hauptfigur lässt sich mitunter streiten, aber gerade die Unberechenbarkeit des Charakters zieht den Leser in den Bann. Ab und an wird das Tempo ein bisschen zu sehr heruntergefahren, hier wünscht man sich ein wenig mehr Kontinuität. Ansonsten ist man schlichtweg gespannt welche Geheimnisse das Antiquariat noch preisgeben wird.

Bewertung vom 25.04.2021
Nur Helga schwamm schneller
Wood, Dany R.

Nur Helga schwamm schneller


sehr gut

Am Abend zuvor war Oma Käthe noch auf der Geburtstagsfeier ihrer Freundin Margot, als diese am nächsten Morgen tot im Pool gefunden wird. Hat da jemand nachgeholfen oder war es ein schrecklicher Unfall? Jupp entschließt sich, zunächst ein paar allgemeine Nachforschungen anzustellen, schließlich bringt es nichts direkt die Kripo einzuschalten, wenn sich nachher alles als Irrtum herausstellt. Doch dann stößt er in ein absolutes Wespennest, denn scheinbar jeder in der Familie der Toten hat etwas zu verbergen. Sind die Motive womöglich ebenso vielfältig?

Zum nunmehr vierten Mal wird im beschaulichen Hirschweiler eine Leiche gefunden. Ist es dort überhaupt noch sicher? Oberkommissar Jupp Backes ist sofort zur Stelle, um die Lage zu sondieren und erste Spuren zu sichern. Auch wenn Oma Käthe überzeugt ist, dass ihre Freundin ermordet wurde, weiß Jupp, dass es nichts bringt sofort die Pferde scheu zu machen. Besser man wird unterschätzt, dann plaudern die Tatverdächtigen von ganz alleine.

Und was er bei den Befragungen nicht alles zu hören bekommt .. da stellen sich selbst dem hartgesottensten Leser teilweise die Nackenhaare auf. Gut, es mag nicht alles stringent oder gar nach Lehrbuch vonstatten gehen, aber es heißt nicht umsonst ‘der Weg ist das Ziel’. Man muss auch mal in die falsche Richtung blicken, bevor die Erleuchtung von ganz alleine kommt.

Neben der Aufklärung des Falls, wie auch immer dieser geartet ist, hat Jupp allerdings auch noch einige andere Baustellen zu bedienen – mal mehr mal weniger lästiger Natur. Dabei trifft der Autor es mit seinem trockenen Humor immer genau auf den Punkt. In manch einer prekären Situation neigt der Leser daher zunächst zur Schnappatmung, um in der nächsten Sekunde Tränen zu lachen. Egal ob man Familie Backes bereits kennt oder in diesem Band kennenlernt, schnell ergibt sich eine Nähe, die zwar durchaus für Fremdschämmomente sorgen kann, aber ebenso wichtige Einblicke ins Geschehen gibt.

Bis zum Schluss ist es ein emotionales Durcheinander auf verschiedensten Ebenen, weshalb man selbst nach der Auflösung nicht sicher ist, ob die Wahrheit nicht auch hier nochmal ein bisschen angepasst und zurechtgebogen wurde. Aber gut, solange niemand protestiert will man mal nicht so sein. Ein wahrlich gelungener Mix unterschiedlichster Elemente. Der Leser begibt sich bereitwillig auf direktem Weg in das spaßige Unterfangen mit ernsthaften Zwischentönen.

Bewertung vom 18.04.2021
Sylvester und der Gespensterdoktor
Cornelius, Nicholas

Sylvester und der Gespensterdoktor


sehr gut

Geflohen aus dem Waisenhaus und auf der Suche nach Antworten, braucht Sylvester in einer Gewitternacht schnellstmöglich einen Unterschlupf. Er findet eine einsame Scheune, die allerdings alles andere als verlassen ist. Die anfängliche Skepsis gegenüber dem Doktor, auf den er dort trifft, weicht schnell einer Neugierde, mit der Sylvester nicht gerechnet hätte, schon gar nicht bei der Thematik. Es gibt tatsächlich Gespenster? Und Gespenster können genauso krank werden wie Menschen?

Allein auf Grund des Titels ahnt der Leser zumindest auf was für eine Geschichte er sich hier einlässt. Und doch verhält sich einiges komplett anders als erwartet, überhaupt sollte man niemals vorschnell urteilen, weder über Figuren noch über Situationen. Schon mit dem ersten Satz bleibt dem Leser nichts anderes übrig als mitten ins Geschehen zu stolpern, denn nicht nur zu Beginn, sondern über die gesamte Distanz, wird man einbezogen wo es nur geht. Das mag ein wenig unfair erscheinen, schließlich hat man keine Chance zur Gegenwehr, meist allerdings geht eine solche Taktik vorzüglich auf – so auch hier.

Zunächst zieht Sylvester die Sympathien nicht unbedingt an, doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr Details werden offengelegt, die zum Teil selbst für ihn absolut überraschend sind. Dadurch verändert sich einerseits sein Verhalten merklich, andererseits auch die Sichtweise des Lesers auf ihn.

Mitnichten handelt es sich hier um eine ‘typische’ Gespenstergeschichte, wie man vielleicht annehmen könnte. Teilweise düsterer als gedacht, aber definitiv auch tiefgründiger. Hin und wieder hätte man sich weiterführende Erläuterungen gewünscht, denn so werden einzelne Aspekte recht schnell abgehakt, als wären sie einfach ein notwendiges Anhängsel. Nichtsdestotrotz überwiegt der Spannungsgehalt des Inhalts, der den Leser förmlich in den Bann zieht. Die Richtung ist klar, aber trotz allem ein Lesevergnügen für Groß und Klein.