Benutzername: Midnight-Girl
Wohnort: NRW
Über mich:
Danksagungen: 42 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 443 Bewertungen
Bewertung vom 10.12.2017
Ich seh den Baum noch fallen. Renate Bergmanns Weihnachtsabenteuer, 1 Audio-CD
Bergmann, Renate

Ich seh den Baum noch fallen. Renate Bergmanns Weihnachtsabenteuer, 1 Audio-CD


gut

Schon im Januar an Weihnachten denken, das kann eigentlich nur einer Renate Bergmann einfallen. Nichts gegen frühzeitige Planung, aber übertreiben muss man es wahrlich nicht, erst einmal in Ruhe den Braten verdauen, bevor man schon an den nächsten denkt. Und überhaupt: Eigentlich läuft sowohl die Adventszeit als auch Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage eh immer gleich ab. Einiges gehört ritualmäßig dazu, anderes wiederum ergibt und entwickelt sich immer wieder aufs Neue und in schöner Regelmäßigkeit in dieselbe Richtung. Warum dann einen Plan entwerfen, wenn das Ergebnis dasselbe bleibt...

Natürlich lauscht man den Ausführungen der Online-Omi dennoch, gehört schließlich ein Renate-Bergmann-Weihnachtshörbuch inzwischen ebenso zum Brauch. Verschiedenste Anekdoten und Episoden werden angeschnitten, die mal mehr mal weniger zusammenhängend erscheinen. So ergibt sich ein gesunder Mix, nicht alles auf demselben Niveau, aber doch größtenteils unterhaltsam, manchmal sogar zum Schmunzeln.

Am besten und nachhaltigsten gelingen die Ereignisse rund um einen Weihnachtsurlaub außerhalb Berlins, mit dem Renates Freundin ausgebootet werden sollte. Doch natürlich, wie könnte es anders sein, kommt eins zum andern und plötzlich weiß niemand mehr wie ihm geschieht. Hier zeigt sich, dass es meist die einfach gestrickten Geschichten, mit nichts als realistischen Elementen, sind, die die beste Unterhaltung erzeugen und der Gesellschaft humorvoll den Spiegel vorhalten, ohne dass gleich jemand beleidigt ist.

Das diesjährige Weihnachtsabenteuer ist ein Reise mit Höhen und Tiefen, in der Summe aber eine schöne Überbrückung für die kalten Tage. Nicht jeder Einschub wird im Gedächtnis bleiben, die weihnachtliche Atmosphäre jedoch springt über.

Bewertung vom 10.12.2017
Unter Verrätern / Holmes & ich Bd.2
Cavallaro, Brittany

Unter Verrätern / Holmes & ich Bd.2


gut

Allein die Vorstellung, die Ferien mit Charlotte Holmes und ihren Eltern auf deren Landsitz zu verbringen, führt zu einer angespannten Haltung seitens Jamie Watson. Doch es soll alles anders – teilweise sogar noch schlimmer – als in seiner Fantasie werden. Als Charlottes Lieblingsonkel spurlos verschwindet ist sofort klar, dass Jamie und sie sich auf die Suche nach Leander begeben. Die Nachforschungen führen das Gespann nach Berlin, zu einem Kunstfälscherring und zu August Moriarty, für einen Toten ziemlich lebendig...

Gleich in ihrem zweiten Fall wird es persönlich für Charlotte Holmes, als ihr Onkel verschwindet und das Schlimmste angenommen werden muss. Mit Watson an ihrer Seite nimmt sie den Kampf gegen unsichtbare Gegner auf, die sie schon im Vorfeld zu kennen glaubt, ihnen aber nichts nachweisen kann. Ist sie voreingenommen oder zu sehr von sich überzeugt? Erlaubt sie ihrem Verstand dennoch in andere Richtungen zu ermitteln oder wird sie stur bei ihrer Meinung bleiben? So oder so, Watson fühlt sich ausgeschlossen, ähnlich wie der Leser, Charlotte zieht häufig ihr eigenes Ding durch und lässt niemanden teilhaben. An ihrem Agieren lässt sich nur das ablesen was sie gerade beabsichtigt zu zeigen, so dass man nicht einmal auf diese Weise zu Informationen kommt.

Sicherlich hat man bereits im ersten Band gespürt, dass Charlotte sich oft zurückzieht, nicht schnell Vertrauen fasst und eher im Stillen deduziert. Nichtsdestotrotz wirkt das Geschehen dadurch meist planlos und verwirrend, eine klare Linie ist nicht zu erkennen. Entsprechend verhält es sich mit der Spannung, die darunter leidet, gar zeitweise auf der Strecke bleibt. Zwar wird immer wieder versucht mit gekonnten Überraschungsmomenten für Aufsehen zu sorgen, der Zustand hält allerdings nie lange an. Fast schon fragt man sich, ob es überhaupt zu einer Auflösung des Falls kommen soll, oder ob es sich um eine Art Beschäftigungstherapie handelt.

Natürlich verfolgt man den Weg des Duos trotz allem bis zum bitteren Ende, obwohl es zeitweise wirklich schwierig ist am Ball zu bleiben. Einige erhellende Momente und geschickt eingesetzte Elemente lassen jedoch den Schluss zu, dass noch mit einigen Wendungen zu rechnen ist, wenn man der Geschichte eine Chance gibt. Ob sich dies als lohnenswert betiteln lässt muss schlussendlich jeder für sich entscheiden, klar ist jedoch: Holmes und Watson in der heutigen Zeit sind ein noch seltsameres Duo als ihre Vorfahren einst waren.

Bewertung vom 10.12.2017
Lichterglanz und Weihnachtsflirt (Mängelexemplar)
Flegel, Sissi

Lichterglanz und Weihnachtsflirt (Mängelexemplar)


sehr gut

Mathilde wünscht sich einen Freund, aber bitte einen, der cool und witzig ist. Auch wenn der Wunschzettel eigentlich als Scherz gedacht und im Mülleimer gelandet war, ist Mathilde überrascht und neugierig als sie plötzlich ihrerseits Post vom Nikolaus erhält. Dieser möchte ihren Wunsch gerne erfüllen, benötigt aber doch noch ein paar weitere Angaben. Mathilde sucht Rat bei Jenny, ihrer besten Freundin, doch scheint ihre Verbindung zueinander zu bröckeln. Als Jenny ebenfalls beginnt dem Nikolaus zu schreiben sieht Mathilde rot...

Manche Wünsche werden wahr, egal ob im Geheimen gestellt oder an den Nikolaus adressiert. Es mag Glück, Zufall oder Schicksal sein, wer aber tatsächlich die Fäden in der Hand hält, weiß niemand so genau. Aber was passiert, wenn der Nikolaus noch Fragen zu einem Wunschzettel hat, den man eigentlich niemals hatte abschicken wollen? Mathilde ist hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen, die hinsichtlich der Gesamtsituation verständlicherweise Achterbahn fahren. Auch wenn der Leser möglicherweise dem Alter der Protagonisten bereits entwachsen ist, so kann man sich doch noch immer in diese Situationen hineinversetzen, vielleicht werden sogar längst vergessene Erinnerungen geweckt.

Auf der Suche nach der wahren Identität des E-Mail-Schreibers muss Mathilde allerlei Prüfungen bestehen, ein wahrer Hürdenlauf durch die Adventszeit steht ihr bevor. Doch wenn sie diesen bewältigt, scheint am Ende ein Traumprinz auf sie zu warten. Oder etwa nicht? Vielleicht findet der Nikolaus doch keinen passenden Kandidaten, um ihren Wunsch zu erfüllen? Wären dann alle Bemühungen umsonst?

Nicht nur thematisch passt die Geschichte wundervoll in die Vorweihnachtszeit, sie ist zugleich als Adventskalender aufgemacht. 24 Kapitel verkürzen und versüßen die Wartezeit mit jeweils sechs Seiten, die wunderbar abends vor dem Einschlafen gelesen werden können. Für allzu neugierige Leser sind die Seiten verschlossen und müssen zunächst mit Hilfe eines Lineals geöffnet werden. Zugegebenermaßen fällt es häufig schwer nicht sofort erfahren zu können wie es weiter geht, doch kann man währenddessen einfach seiner Fantasie freien Lauf lassen. Möglicherweise enttarnt man so den Nikolaus schon vor allen anderen.

Bewertung vom 10.12.2017
ContaminNation - Der Plan, 1 Audio-CD
Schütz, Elga; Dawn-Claude, René; Schwabe, Nientje

ContaminNation - Der Plan, 1 Audio-CD


sehr gut

Was zunächst wie ein Hoffnungsschimmer aussieht entpuppt sich schnell als Alptraum. Fremde greifen die Gruppe rund um Jan um, entzweien sie sogar, so dass Jan und Fee auf sich allein gestellt sind. Mit letzter Kraft und verletzt gelangen sie in ein Dorf, in dem sie weitestgehend freundlich aufgenommen und verarztet werden. Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack, Jan und Fee sind sich nicht sicher, ob die Bewohner mit offenen Karten spielen. Derweil sieht es für Nastja und die anderen noch düsterer aus...

Es geht auf die Zielgerade zu, auch wenn man noch nicht ganz sicher ist wie das Ende des Weges aussehen wird, denn momentan löst sich jegliche Hoffnung in Wohlgefallen auf. Zwar ahnt man als Hörer bereits, dass die Fremden nicht friedlich gesinnt sind, doch was sie mit ihren Gefangenen schlussendlich vorhaben ist schlimmer als alles im Vorfeld erdachte. Nochmals wird die Gruppe getrennt, doch ist es fraglich, ob sie wieder zueinanderfinden.

Die vorherrschende Frage ist die nach den Beweggründen für das Handeln der Fremden. Man kann sich keinen Reim auf ihre Feindseligkeit machen und diverse Aktionen tragen zu noch mehr Unverständnis und Verwirrung bei. Da man Jan und die anderen inzwischen besser zu kennen glaubt ist man natürlich auf ihrer Seite, spürt den Schmerz und hofft auf Gnade. Ihre Mission ist noch nicht zu Ende, ihr Ziel nicht mehr in weiter Ferne. Doch wird es ihnen gelingen sich aus den Fängen ihrer Widersacher zu befreien, um die letzte Etappe gemeinsam zu meistern?

Die vorletzte Folge katapultiert Hörer wie Protagonisten in scheinbar ausweglose Situationen und wirft eine Menge Fragen auf. Ist ein Entkommen möglich und werden sie Helgoland gemeinsam erreichen? Es ist nicht auszuschließen, dass sich das Blatt nochmals komplett wendet, doch so hoffnungsvoll wie zuvor ist man schon lange nicht mehr. Was wird der Abschluss der Miniserie bringen, darf man sich auf eine Überraschung gefasst machen oder steht das Ende der Menschheit kurz bevor?

Bewertung vom 03.12.2017
Crime Master (Spiel)

Crime Master (Spiel)


gut

Ob im Norden oder Süden, Westen oder Osten, in der gesamten Republik sowie der Schweiz und in Österreich kommt es zu seltsamen Kriminalfällen, die nur von einem kundigen Team mittels findiger Fragen gelöst werden können. Die Täter zu überführen und den Tathergang möglichst lückenlos zu rekonstruieren sollte das erklärte Ziel sein. Dabei sind nicht nur Beobachtungsgabe und Kombinationsgeschick gefragt, denn es müssen auch die richtigen Fragen gestellt werden, um Hinweise und Zeugenaussagen ins Gesamtbild einfließen zu lassen.

Die Rede ist hier nicht von Serienkillern, sondern dem Spiel „Crime Master 2“, welches die Spieler schier an den Rande der Verzweiflung bringt. Morde in den beliebtesten Urlaubsregionen sind nie gern gesehen, wenn sie dann auch noch unaufgeklärt bleiben, sitzt einem die Angst womöglich ständig im Nacken. Also sollte man sich schnell an die Aufklärung begeben, um die Gegenden wieder ein wenig sicherer zu machen.

Ob alleine oder im Team, ab 2 Spielern ist alles möglich, je nachdem ob man lieber im Wettbewerb gegeneinander antritt oder alle Talente in der Gemeinschaft vereint. Nur einer weiß zu jedem Zeitpunkt Bescheid und verfolgt die wilde Raterei, die zu Beginn definitiv stattfinden wird. Denn die Fälle sind hochkomplex und doch in einer Art und Weise konstruiert, dass einem schonmal die Haare zu Berge stehen können. Minimalste Hinweise und Spuren können häufig nicht zu der gewünschten Lösung führen.

Und genau hier liegt der Kritikpunkt des Spiels, das in gewisser Weise an die „Black Stories“-Reihe erinnert. Trotz Ortskenntnissen und gekonnt gestellter Fragen ist es in den meisten Fällen, auch im Team, nicht möglich auf die Lösung zu kommen. Zu sehr muss um die Ecke gedacht oder einfach etwas hinzugedichtet werden, denn weder die Tatortskizze noch die Spurenlage oder Zeugenaussagen führen zu sämtlichen Aspekten, die aufgedeckt werden müssen. Natürlich kann man andererseits hier auch die Herausforderung sehen, allerdings wirkt es recht frustrierend, wenn man oft nicht einmal in die Nähe der Lösung kommt, obwohl die angegebenen 15-20 Minuten pro Fall schon lange überschritten sind.

Die Gestaltung hingegen ist sehr liebevoll und absolut gelungen. Zu jedem Fall gibt es eine Tatortskizze sowie eine ausführliche Aufklärung. Für Ermittlungsakten ist ebenfalls gesorgt, so dass die Schnüffler ihre Ergebnisse notieren können, soweit vorhanden.

An sich eine geniale Idee, in der Umsetzung hakt es aber dann leider oft. Vielleicht muss man auch als Spieler einfach versierter werden und sich einen Überblick dessen verschaffen wie die Macher denken. Doch sollte davon eigentlich nicht der Ermittlungserfolg abhängen.

Bewertung vom 03.12.2017
Bitch
Anderson, L. S.

Bitch


weniger gut

Emma ist schon lange frustriert, seit ihre Mutter ihren Vater verlassen hat, ein Kontaktverbot erwirkte und sie in ein neues Leben mit Stiefvater und -bruder zwang. Eines abends dringen drei Männer in das Haus der Patchwork-Familie ein und nehmen sie als Geiseln. Niemand weiß wer sie sind, woher sie kommen und vor allem was sie wollen. Doch Emma spürt mit jeder Minute deutlicher, dass dies ihre Chance ist, dem Leben, in das ihre Mutter sie gezwungen hat, zu entfliehen. Doch muss sie vorsichtig sein, damit die Verbrecher ihren Plan nicht noch vereiteln...

Einerseits ist es für den Leser verständlich, dass Emma aus dieser „erzwungenen“ Familie ausbrechen möchte, nicht ganz nachvollziehbar ist jedoch, warum sie nach wie vor ihren Vater regelrecht vergöttert. Denn man erfährt durch diverse Rückblenden die schrecklichsten und grausamsten Dinge, die niemand, schon gar kein Kind, je erleben sollte. Vermutlich haben aber ebenjene Ereignisse Emmas Charakter geprägt und ihr Weltbild geformt. Somit schwankt man zwischen Abscheu und Mitleid, eine konkrete Tendenz zeichnet sich zunächst nicht ab. Allerdings wird die Hauptfigur mit jeder Aktion unsympathischer, und obwohl man auch die Taten der Verbrecher wahrlich nicht gutheißt, so kann man sich schwer entscheiden, wer grausamer ist.

Sprachlich recht einfach gehalten, bietet der Thriller hauptsächlich eins: Brutalität. Zwar wird versucht knifflige Verwicklungen einfließen zu lassen, doch können diese auf den ersten Blick durchschaut werden. Somit wird mehr auf derbe Aussagen und körperliche Grausamkeiten gesetzt, die detailliert aufs Papier gebannt wurden. Natürlich ist man sich als Leser, der sich im Vorfeld informiert hat, darüber bewusst, dass man keinen seichten Gänseblümchen-Thriller vorgesetzt bekommt, dennoch hätte man sich definitiv mehr Niveau gewünscht.

Auf Grund diverser vorhersehbarer Aspekte kann die Spannung sich nicht in der gewohnten und erwünschten Weise entfalten, wodurch gleichzeitig die Atmosphäre auf der Strecke bleibt, die eigentlich drückender Natur hätte sein sollen. Fehlende Emotionen tragen dazu bei, dass man das Gefühl hat einem reinen Faktenreport zu folgen, was schade ist, da durchaus einiges an Potential erkennbar ist, um einen gleichsam geistreichen wie verstörenden Thriller zu kreieren. So aber leider nur eine schwache Umsetzung mit vielen verschenkten Möglichkeiten.

Bewertung vom 03.12.2017
Kommet, ihr Hirten - Der Audiobuch-Adventskalender, 1 Audio-CD

Kommet, ihr Hirten - Der Audiobuch-Adventskalender, 1 Audio-CD


ausgezeichnet

Einer darf in der Vorweihnachtszeit keinesfalls fehlen: Der Audiobuch-Adventskalender. Zum nunmehr 20. Mal begeistert die Zusammenstellung, dieses Mal unter dem Titel „Kommet, ihr Hirten“, die Hörer. Ganz gleich, welchem Genre man ansonsten zugetan ist, die Gedichte und Geschichten laden zum Innehalten ein. Gelesen von Andreas Fröhlich, durch diverse Projekte sicherlich den meisten Hörern bekannt, wird in Verbindung mit dem Inhalt eine wohlige Atmosphäre erzeugt.

Wie gehabt erstrecken sich manche Erzählungen, auf Grund ihrer Länge, über mehrere Kapitel. So ist es zwar theoretisch möglich, in der Praxis allerdings dann doch schwerlich umzusetzen, pro Tag nur einem Track zu lauschen. Vielmehr möchte man die Zeit in den Wochen vor Heiligabend nutzen, die Sammlung am Stück, vielleicht sogar mehrfach zu hören. Mit einer Laufzeit von etwas über einer Stunde kann man sich so durchaus eine Weile zurückziehen. Einen „klassischen“ Adventskalender gibt es auf dem Cover natürlich ebenfalls erneut zu entdecken. Dieser wird dann aber wirklich erst zu den vorgesehenen Daten geöffnet.

Es ist an der Zeit, sich dem Trubel auch mal zu entziehen, um Kraft zu tanken oder einfach zum Entspannen. Verzaubern lassen kann man sich dabei mit Texten von Rilke, Ringelnatz oder Lagerlöf, um nur ein paar wenige zu nennen. Alle haben sie das Motto verinnerlicht und verkürzen die Vorfreude auf Abende im Kreise der Familie.

Bewertung vom 03.12.2017
Penelop und der funkenrote Zauber
Zinck, Valija

Penelop und der funkenrote Zauber


sehr gut

Penelop sticht immer sofort heraus, denn ihre Haare sind grau, wie die ihrer Oma. Als sie jedoch eines Tages aufwacht, spürt sie die Veränderung, noch bevor sie in den Spiegel schaut. Ihr Haar ist funkenrot und auch innerhalb ihrer Persönlichkeit hat sich etwas getan. Konnte sie zuvor ausschließlich vohersehen was ihre Mutter im nächsten Moment sagen wird, reichen ihre magischen Kräfte viel weiter. Doch ahnt Penelop nicht, dass mit dieser Wandlung noch einiges mehr einhergeht, auch ihren Vater betreffend, den sie eigentlich für tot hielt...

Ähnlich trist wie ihr Haarschopf zeigt sich zumeist auch Penelops Stimmung. Da sie es jedoch nicht anders kennt, schenkt sie der Bedrückung keine große Aufmerksamkeit, bis sich eines Tages alles ändern sollte. Auf Grund des Covers und der Inhaltsangabe ist dem Leser natürlich von Anfang an klar, dass ein Geheimnis bewahrt werden soll. Doch was hat es damit auf sich und warum darf nicht einmal Penelop davon erfahren, obwohl es sie explizit betrifft? Diese und weitere Fragen gilt es zu klären, im Idealfall ohne zu viel Aufsehen zu erregen, denn es sind Gegner im Spiel, mit denen ist nicht zu spaßen.

Valija Zinck erschafft eine magische Atmosphäre, die in einer Art und Weise in der Realität angesiedelt ist, als gehöre sie hierher. Sicherlich gibt es durchaus Momente der Verwirrung, zumeist jedoch werden Ereignisse als gegeben hingenommen, egal ob rational erklärbar oder nicht. Außerdem handelt es sich in erster Linie um ein Kinderbuch, an das die eigentliche Zielgruppe ganz andere Erwartungen stellt als erwachsene Leser. So ist es überhaupt nicht verwunderlich, lässt man sich einfach auf dieses Abenteuer ein, dass man die Welt aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet und eine gewisse Weitsicht entwickelt.

Gleichzeitig verflicht die Autorin gekonnt Spannungselemente mit der Erzählung, so dass Unterbrechungen der Lektüre nur schwerlich möglich sind. Gemeinsam mit Penelop, mit deren Verhalten man jedoch nicht zu jedem Zeitpunkt einverstanden ist, macht man sich auf die Suche nach ihrem Vater. Es gilt dabei einige gefährliche Situationen zu meistern, in denen dem Leser schonmal der Atem stocken kann. Schlussendlich jedoch bleibt nur die Hoffnung, dass das Geschehen einen positiven Ausgang findet...

Bewertung vom 26.11.2017
Kalte Seele, dunkles Herz
Walker, Wendy

Kalte Seele, dunkles Herz


sehr gut

Vor drei Jahren verschwanden die Schwestern Emma und Cass spurlos. Trotz intensivster Nachforschungen konnten sie nicht gefunden werden – weder tot noch lebendig. Die Ermittlungen wurden eingestellt, obwohl die FBI-Psychologin Abby Winter Zweifel hegte und ihre eigene Theorie offenbarte, der jedoch niemand Glauben schenken wollte. Als Cass jetzt plötzlich vor der Haustür ihrer Mutter steht, kochen die Emotionen über, doch die junge Frau hat nur einen Wunsch: „Finden Sie Emma!“

Trotz vielversprechender Inhaltsangabe macht es die Autorin dem Leser zunächst nicht leicht Zugang zum Geschehen und den Protagonisten zu finden. Letzteres ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass nicht sofort alle Karten auf den Tisch gelegt werden sollten, schnell würde Langeweile auftreten. Und doch wirkt der Einstieg erzwungen und zäh, weist Längen auf, die nicht notwendig gewesen wären. Hat man sich allerdings durchgebissen und nicht aufgegeben, wird das Durchhaltevermögen belohnt und man erhält einen psychologisch dicht gestrickten Thriller, mit einer ordentlichen Portion Spannung und Geheimnissen, die regelrecht unter die Haut gehen.

Das Verschwinden der Mädchen wurde in der Vergangenheit minutiös untersucht – leider erfolglos. Jetzt bekommen die Ermittler eine zweite Chance, doch werden sie diese nutzen können? Psychologin Abby Winter ist ebenfalls mit an Bord, auch wenn sie damals für ihre Theorien belächelt und nicht ernst genommen wurde. Sie ist voller Tatendrang und gewillt die Wahrheit aufzudecken, so schmerzhaft sie auch sein mag. Abwechselnd begleitet der Leser Cass und Abby, während nicht nur die Ereignisse der letzten Jahre eine Rolle spielen. Man taucht ab in eine Welt seelischer Grausamkeiten, krankhafte Abgründe sind quasi an der Tagesordnung, und doch schafft man es nicht sich diesem Sog zu entziehen, obwohl eine extreme emotionale Belastung entsteht – bei den Protagonisten ebenso wie beim Leser.

Je näher man der Lösung kommt, desto unglaublicher entwickelt sich die Geschichte, obwohl ziemlich früh diverse Ungereimtheiten auftauchen. Vorbereitet auf das was dann folgt ist man allerdings keineswegs. Eine ebenso faszinierende wie grausame Erzählung, angetrieben von Manipulation, Intrigen, Hass und Verzweiflung.

Bewertung vom 26.11.2017
The Fourth Monkey - Geboren, um zu töten
Barker, J. D.

The Fourth Monkey - Geboren, um zu töten


sehr gut

Ein Serienmörder begeht Selbstmord – einfach so? Als Sam Porter und sein Team erfahren, dass der lange gesuchte „Four Monkey Killer“ von einem Bus erfasst wurde, glaubt niemand so recht an einen Zufall. Und doch, die Indizien sind eindeutig, alles passt ein bisschen zu perfekt. Dennoch gibt es noch eine wichtigere Aufgabe zu erledigen: Sein letztes Opfer blieb bisher unentdeckt. Die Zeit läuft gegen die Ermittler, schließlich weiß niemand so genau wie lange die Person bereits ohne Essen und Trinken ausharren muss. Zeitgleich kämpft Sam Porter gegen seine ganz persönlichen Dämonen, die sein Blickfeld immer wieder einschränken...

Bereits nach einem ersten kurzen Einblick ins Geschehen wird dem Leser klar, dass hier wahrlich keine leichte Kost vorliegt. Als interessant erweisen sich in erster Linie jedoch die vorliegenden unterschiedlichen Perspektiven. So begleitet man in unregelmäßigen Abständen abwechselnd Sam Porter oder seine Kollegin bei den Ermittlungen, wohnt dem Kampf des letzten Opfers des Killers bei oder erfährt aus dem Tagebuch des Serienmörders wie dieser aufgewachsen und erzogen worden ist. Mit bildhaften Darstellungen spart der Autor ebenso wenig wie mit grausamer Brutalität, die nichts der Fantasie überlässt.

Sicherlich hat man zu Beginn noch Schwierigkeiten Personen wie Ereignisse übereinzubringen, doch nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kommt man mehr und mehr an in einem Geschehen, das schon früh Hinweise auf zahlreiche Überraschungen gibt. Es scheint als würde jeder mindestens ein Geheimnis hüten, ob dieses jedoch für den Fall relevant ist oder nur als Ablenkungsmanöver dient, wird man erst im weiteren Verlauf erfahren. So undurchsichtig manche Handlungen erscheinen, desto vorhersehbarer sind andere Verhaltensweisen, vor allem im Bezug auf die eigentliche Zielperson, den Täter. Stellt sich die Frage, ob eine Inszenierung vorliegt und wenn ja, für die Ermittler oder den Leser? Irritiert, aber nicht vollkommen von der eigenen Theorie abzubringen, stellt man sich einem unsichtbaren Gegner.

J.D. Barker gelingt ein Spannungsaufbau, der den Leser in seinen Bann zieht und trotz einiger Beschreibungen, die man sich lieber nicht hätte bildlich vorstellen wollen, fesseln kann. Es kommt mitunter zu Höhen und Tiefen, hauptsächlich wenn ich Längen innerhalb der Tagebucheinträge ergeben, dennoch ist man gewillt die Ereignisse gebannt zu verfolgen, denn es sich noch einige Fragen offen, die sich hoffentlich noch während der Lektüre klären lassen.