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Benutzername: TheUjuala
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Bewertungen

Insgesamt 49 Bewertungen
Bewertung vom 06.10.2018
Rückkehr der Engel
Woolf, Marah

Rückkehr der Engel


ausgezeichnet

Fesselnd und dystpoisch in einer mystisch neuen Saga, Perfektes Einführband

Idee
Wer hätte gedacht, dass die Engel gar nicht “die Guten” sind, wie die Menschheit sich die göttliche Schöpfung vorgestellt hat. Sie sind blutrünstig und vergnügen sich mit ihnen wie die alten Römer bei Brot und Spiele. Denn die Engel haben noch mehr vor. Sie gönnen der Menschheit nicht die Existenz und möchten als alleinige Schöpfung ins Paradies einziehen. Mir gefällt die Idee der Engelsmythologie als Basis der Geschichte extrem gut, da sie mal was anderes ist. Die Engel sind hier nicht die sympathischen, übernatürlichen Geschöpfe, sondern Bestien. Oder doch nicht? Vielleicht sind nicht alle so, oder verfolgen nicht alle das gleiche Ziel?

Besonders hervorzuheben dabei ist aber auch der ethische und moralische Gedanke, der hier stark präsent ist. Kein Geschlecht der Welt hat das Recht über andere zu urteilen und zu richten. Und trotzdem gibt es Menschen, die sich aus der Unterdrückung ihrer eigenen Sippe einen Vorteil gegenüber Ihresgleichen rausholen. Oder aus Rache die Unterdrücker mit gleichen Mitteln bekämpfen und dabei das Leben Unschuldiger in Kauf nehmen. Marah Woolf schafft es immer wieder hoch brisante, gesellschaftskritische Aspekte in ihre Werke einzubauen, die einen auch zum Nachdenken bringen.

Emotionen
Moon musste schon früh die Mutterrolle übernehmen, die Verantwortung über ihre stumme Zwillingsschwester Star und dem vorpubertären kleinen Bruder Tizian. Sie ist voller Sorge und wünscht sich Nichts sehnlicher, ihre Familie in Sicherheit zu bringen. Sie entscheidet zwar viel aus dem Bauch heraus, wirkt aber dennoch reflektiert. Trotzdem kann sie auch ganz schön aufmüpfig sein, vor allem gegenüber Lucifer und seinen ständigen Bevormundungen. Und das gefällt mir besonders gut an ihr, obwohl sie sich damit selber immer wieder in brenzlige Situationen bringt.

Cassiel ist sehr sympathisch und interessiert an Moons Welt, und scheint wohl nicht so das Monster wie die anderen Engel zu sein. Trotzdem ist er mir nicht ganz so greifbar. Ich fand ihn wirklich nett, wobei mir tatsächlich das i-Tüpfelchen gefehlt hat. Es hat leider nicht ganz so gekribbelt, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber er bringt Moon dazu, sich ihrer eigenen Gefühle mal bewusst zu werden.

Handlungsaufbau
Gleich zu Beginn kämpfen wir mit Moon gegen Semjasa, einen von Lucifers engsten Vertrauten. Darauf baut Marah den Spannungsbogen immer weiter auf. Dieses Buch ist nicht darauf ausgerichtet krasse Kampfszenen zu erzählen, sondern den Leser in die Geschichte einzuführen. Und trotzdem wird es immer wieder spannend. Die Autorin hat es geschafft, dass die Engel und Moon einen in den Bann ziehen. Das Ende dieses Buches lässt einen nach einem unvorhergesehenen Plottwist auch mit einem fiesen Cliffhanger zurück. Und ein paar Fragen sind noch offen geblieben - auf deren Antwort ich unbedingt brenne.

Szenerie
Venedig, einer meiner Lieblingsstädte voller Mythen und Zauber. Die Kanäle, Brücken, das stinkige Wasser, zerfallene Häuser und abgeblätterte Fassaden, faulige Holzstempen, die Stufen, die einfach ins Wasser führen! Marah hat dieses auch heute schon verfallene Venedig so wunderbar authentisch gezeichnet und es passt einfach perfekt zu dieser dystopisch-mystischen Stimmung. Venedig war mir gleich wieder so präsent - absolut perfekt.

Sprache
Es ist immer so erfrischend Marahs Sprache zu lesen. Sie weiß einfach die Geschichte rasant und direkt zu erzählen, ohne überlange Umschreibungen oder Ausschweifungen. Ich liebe einfach ihren Schreibstil, die Spritzigkeit und Leichtigkeit mit einem Augenzwinkern. Auch wenn die Ich-Perspektive typisch für das Genre ist, passt die Wahl des Präsens sehr gut zu dieser aufregenden Geschichte.

FAZIT
Fesselnde Geschichte in einem dystopischen Venedig. Perfektes Einführungsband in eine neue Saga mit mysteriösen Engeln und einer sehr sympathischen und toughen Protagonistin.

Bewertung vom 06.10.2018
Blutparadies
Hammering, Claus

Blutparadies


sehr gut

Durchaus spannend und toller Sprachstil, aber ohne großen Nervenkitzel

Handlung
Auf einer karibischen Insel wird ein Luxushotel eröffnet. Leider beginnt der Start nicht so, wie sich der Hotelmanager Ethan erhofft hat. Mitarbeiter kommen nicht und nur die Hälfte des Hotelkomplexes ist fertig gestellt. Den ersten Hotelgästen, die auf eine Sonderaktion hin sich angemeldet haben, muss Ethan ein perfekt funktionierendes Luxushotel vorgaukeln. Doch dann passiert plötzlich ein Mord, auf den Weitere folgen. Und die idyllische Insel entpuppt sich als Falle, ein Albtraum für alle Anwesenden. Denn der Täter muss unter ihnen weilen und Keinem kann mehr vertraut werden.

Buchlayout / Haptik
Das Buch mit seinen 398 Seiten wird in 33 Kapitel eingeteilt. Die Kapitelüberschriften enthalten lediglich die Kapitelnummer und den Perspektivennamen, was jedoch durch die unterschiedliche Farbgebung und der serifenlosen Font gekonnt grafisch vom Fließtext abgesetzt wird. Die Zwischenkapitel aus Sicht des Mörders enthalten lediglich ein paar Kleckse, wahrscheinlich Blutstropfen, als Einleitung. Insgesamt ist die Gestaltung des eBooks schlicht aber professionell.

Idee / Plot
Es erinnert mich doch stark an einen Agatha Christie. Eine buntgemischte Menschengruppe aus allen sozialen Schichten trifft aufeinander und ist mit Morden konfrontiert. Es fehlt eigentlich nur noch der über alles erhabene Detektiv (à la Hercule Poirot). Gefallen hat mir die Idee, wie bei allen Beteiligten von Mord zu Mord die Fassade zu bröckeln beginnt und ureigene Instinkte, Ängste und Vorurteile zu Tage kommen.

Emotionen / Protagonisten
Ich hatte ein wenig Probleme mit den Charakteren. Da das Buch insgesamt in 10 Perspektiven plus Mörder erzählt wird, konnte ich nicht wirklich eine Beziehung zu den einzelnen Personen aufbauen. Die Figuren bleiben daher leider oberflächlich und ich konnte teilweise nicht alle Emotionen nachempfinden. Trotzdem hat mich begeistert, wie unterschiedlich die einzelnen Charaktere gezeichnet wurden und für mich auch sehr plastisch beschrieben wurden. Dabei wurde sich zwar mit einigen Klischees bedient (der Ami, die Russin, die deutsche Familie), aber das half ganz gut, sich die einzelnen Personen passend vorstellen zu können.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Ich habe leider das Gefühl, dass sich der Autor mit den vielen Perspektiven keinen Gefallen getan hat. Im Grunde finde ich die Idee richtig gut, aber durch das Hüpfen verliert man oft auch das Zeitgefühl. Es ist auch nicht immer klar, wieviel Zeit zwischen dem Perspektivenwechsel vergangen ist.
Die ersten Kapitel dienen der Einführung in die einzelnen Charakter und Umstände. Ab dem ersten Mord wird es dennoch immer spannender. Ab der Hälfte hat man ständig gerätselt, wer denn nun der Täter sein könnte, und ich hatte alle reihum schon in Verdacht. Den einen mehr oder weniger. Ein bisschen hat mir aber dann doch die große Wendung, der überraschende Moment, gefehlt. Ab gut ⅔ des Buches hatte ich den Täter schon stark im Verdacht und war dann auch nicht besonders überrascht, als die Auflösung kam.

Szenerie / Setting
Eine idyllische Insel in der Karibik lädt natürlich zum Träumen ein und bildet das perfekte Setting für einen solchen Schauplatz. Denn sobald man von der Außenwelt abgeschnitten ist, ist von dort kein Entrinnen mehr möglich.

Sprache / Schreibstil
Sprachlich bin ich extrem begeistert. Claus Hammering alias Laura Newman hat einen extrem flotten und flüssigen Sprachstil, mit tollen, anschaulichen Metaphern, den ich auch bereits aus ihren anderen Titeln kenne.

Alle Kapitel werden in der personalen Perspektive erzählt, passend zu dem Genre im Präsens. Lediglich die kurzen Einschübe des Mörders sind in der Ich-Perspektive.

FAZIT
Insgesamt ein gutes Buch und durchaus spannend. Mir hat jedoch der richtige spannende Moment und der Nervenkitzel gefehlt. Trotzdem habe ich es sehr gerne gelesen.

Bewertung vom 24.09.2018
Ein Augenblick für immer. Das erste Buch der Lügenwahrheit / Lügenwahrheit Bd.1
Snow, Rose

Ein Augenblick für immer. Das erste Buch der Lügenwahrheit / Lügenwahrheit Bd.1


weniger gut

Kitschig, stereotypisch und zäh durch häufige Wiederholungen - leider enttäuschend


Wer Rose Snow kennt, wird von dem Plot nicht überrascht sein: Gut & Böse, Schwarz & Weiß oder besser gesagt Grün & Blau. Ein Mädchen entdeckt plötzlich eine Gabe an sich und gehört einem Geschlecht an, das seit Jahrhunderten in alter Tradition gegen ein feindliches Geschlecht ankämpft. Denn es gibt immer nur zwei, also Gut & Böse. Und nur das Mädchen ist in der Lage zwischen diesen beiden Sippen zu vermitteln oder einen alten Fluch zu brechen. Und selbstverständlich ist der heißeste Boy aus der Gegenpartei der Loveinterest und beide müssen sich auf ein gefährliches Spiel einlassen. So weit so gut. Wer die bisherigen Bücher von Rose Snow gerne gelesen hat, weiß, dass er sowas erwarten muss und sollte es auch mögen. Dafür kenne ich sie und dafür liebe ich sie.

Aber um Himmelswillen, was ist hier passiert? Ich bin verwirrt und überrascht - nicht im positiven Sinne. Denn hier wird plötzlich das Cinderella-Schema verwendet, so dass ich wirklich am Überlegen bin, ob es Vorgaben gab. Ein ganzes Kapitel (!) wird sich intensiv dem Styling gewidmet.

Mehr, als dass sich Junes Gabe entwickelt und sie auch hinter das Geheimnis und den Gaben der beiden Cousins kommt, passiert hier leider nicht. Hier gibt es keinen richtigen Spannungsbogen, kein Showdown, NICHT EINMAL einen Cliffhanger, Spannungsmomente werden nicht ausgebaut.

Und dann kommen auch noch die ständigen Wiederholungen dazu. Im gesamten Buch habe ich gefühlt auf jeder 3. Seite von den strahlend blauen Augen, der stählerne Männerbrust und dem betörenden Duft gelesen. Die vielen Wiederholungen von Junes Gabe waren dabei für mich noch am wenigsten schlimm sondern immer schön beschrieben.

Anfangs hilt ich June noch für schlagfertig und resolut. Sie ist das good-girl in Person, ohne Ecken und Kanten, die mit ihrer Magie zurechtkommen muss. Sie hat wegen ihrer Gabe ein schlechtes Gewissen, wenn sie diese bewusst einsetzt. Dabei fehlt mir hier die wirkliche Reflektion über die möglichen Konsequenzen einer solchen Gabe. Welche Macht könnte Sie dadurch erlangen?

Positiv waren die Beschreibungen der Umgebung. Hier habe ich Rose Snow sofort wieder erkannt und bin immer begeistert, wie sie mit einem die Szene bildlich vor Augen führen können.


FAZIT

So kenne ich Rose Snow nicht und ich muss ehrlich sagen, dass ich echt enttäuscht bin. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diese Rezension so veröffentlichen soll.

Bewertung vom 14.08.2018
Secret Darkness. Im Spiegel der Schatten (Ein »Secret Elements«-Roman) (eBook, ePUB)
Danninger, Johanna

Secret Darkness. Im Spiegel der Schatten (Ein »Secret Elements«-Roman) (eBook, ePUB)


gut

Schöne Geschichte mit kleineren Schwächen, mehr Spannung als Romantik

Handlung

Die junge Luisa wurde gleich nach ihrer 3 jährigen Ausbildung als Sepcial Agent der Anderswelt in das Team 6 eingeteilt. Diesem Team gehört auch der als Schwerenöter bekannte Alator Stanson. Obwohl Luise sich gleich mit ihrem Team gut versteht und sich übereifrig an die Arbeit macht, bleibt ihr Alators seltsames Verhalten ihr gegenüber ein Rätsel. Die Agency muss nicht nur die Anderswelt vor den Augen der Dortwelt verbergen, sondern auch Verbrechen zwischen den beiden Welten aufklären. So verfolgt das Team 6 eine heiße Spur zu einem längst verschollen geglaubten Kristall und muss beide Welten vor dem Untergang retten.

Idee / Plot

Der Gedanke, dass parallel zu unserer Welt eine Anderwelt existiert, deren Bewohner und Zivilisation uns Menschen ähnlich, aber mit weit aus mehr Gaben und Intellekt bestückt sind, ist nicht neu. Interessant hier aber ist, dass diese Anderwelt in ihrer Kultur und Zivilisation schon wesentlich weiter und fortschrittlicher ist als unsere. In dieser Geschichte sind wir gerade mal Anfang der 90er und die Dortwelt beginnt langsam aus dem Kassettenalter zu entwachsen. Die Anderwelt allerdings beherrscht bereits die heute bekannte Technik, und sogar noch weiter darüber hinaus.

Emotionen / Protagonisten

Luisa ist jung und unerfahren, geht aber voller Enthusiasmus an ihre neue Aufgabe ran, manchmal aber auch ziemlich unbedacht - wobei diese Unbedachtheit beim Leser schon vorhersehbar war. Ich fand sie recht sympathisch und authentisch, konnte aber irgendwie nicht so wirklich eine Beziehung zu ihr aufbauen. Ich weiß auch nicht, woran es wirklich lag.

Wahrscheinlich wohl daran, dass es für mich nicht glaubhaft rüberkam, dass Alator so ein Schwerenöter sein soll. Sie ist ihm gegenüber erst mal total abgeneigt und verurteilt ihn von Anfang an, und das kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Auch Torys innere Zerissenheit seiner Gefühle gegenüber Luisa kommt bei mir nicht richtig an. Das Verhältnis zwischen den beiden ist für mich einfach nicht greifbar. Luisa redet sich wie ein Mantra ein, dass er die Frauen nur so vernascht, aber wirklich etwas in der Art getan, hat er nie.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Die Handlung wiederum baut sich stetig und solide auf, bis sie in einem fulminanten und spannenden Showdown endet. Das Ende wird von zwei (?) Epilogen abgerundet, die eine interessante Fortsetzung versprechen. Luisa erlebt mit ihrem Team einige Abenteuer und beginnt sich auch mit Torys Eigenheiten anzufreunden. Für mich liegt hier die Lovestory aber auch gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern viel mehr die Suche nach den Bruchstücken des Schlüsselsteins und die Rettung der Welt vor der Vernichtung durch die Schattenwelt. Den Handlungsaufbau finde ich gelungen, und ich konnte mich ohne Längen auf die Geschichte einlassen.

Szenerie / Setting

Es wird viel angerissen, aber wenig erklärt und ausgeführt. Das Geschlecht der Zwerge zum Beispiel. Ich hätte mir da einen tieferen Einblick gewünscht. Auch gibt es vor allem am Anfang ein paar Logikfehler oder Ungereimtheiten, die mich immer wieder etwas stutzig gemacht haben. Vielleicht werden diese Dinge dann auch in der Fortsetzung der Dark Diamonds Bücher vertieft, es hat mich dennoch gestört.

Sprache / Schreibstil

Sprachlich ist es gut und solide. Die Autorin findet immer gute Synonyme und hat einen lockeren Schreibstil, in dem sie immer wieder ein paar schöne Formulierungen eingeflochten hat. Die Geschichte wird aus der typischen Ich-Perspektive im Präteritum erzählt. Vielleicht hätte ein zusätzlicher Erzählstrang aus Torys Sicht geholfen, mir die Protagonisten greifbarer zu machen.

FAZIT

Eine solide und nette Geschichte mit mir etwas zu flachen Protagonisten, aber einer spannenden Story. Ein bisschen mehr Einblick und Tiefgang hätte ich mir gewünscht.

Bewertung vom 30.07.2018
Die Elternsprecherin
Gelman, Laurie

Die Elternsprecherin


sehr gut

Herrlich sarkastisch und aus dem wahren Leben

Handlung
Jennifer Dixon, die 3-fache Mutter von 2 fast erwachsenen jungen Frauen und dem 5-jährigen Nesthäkchen Max, muss mal wieder als Elternsprecherin herhalten. Denn es wollte ja sonst kein anderer diesen Job übernehmen. Aber ihre ironische Einstands-Email sorgt unter der Elternschaft für einigen Wirbel, denn nicht jeder scheint Jennifers Humor zu verstehen. Außerdem trifft sie schon auf dem ersten Elternabend auf einen alten Jugendschwarm und muss neben einem Chatflirt nicht nur einen Putschversuch abwiegeln, sondern auch noch das Mysterium um Sasha Lewicki aufklären.


Buchlayout / eBook
Die ca. 384 Seiten sind in 24 angenehme Kapitel eingeteilt. Jede E-Mail ist mit den typischen Empfänger- und Absender-Daten versehen, und in kursiver Schrift gesetzt.


Idee / Plot
Endlich schreibt mal jemand über die Erfahrungen eines Elternsprechers. Hätte ich das vor 10 Jahren gelesen, ich hätte meine Amtszeiten aller meiner Elternvorsitze in sämtlichen Kinderaufbewahrungsstätten meiner Kinder genauso angefangen: mit einer fetten Portion Ironie - denn anders ist das manchmal nicht zu ertragen! Großartig, mit welchem Sarkasmus die Autorin die Realität der Schulkinder-Eltern begegnet. Das geht soweit, dass die Intrigen und das Getratsche nicht minder schlimmer als das Kindergartengeplänkel der Kinder sind.


Emotionen / Protagonisten
Ich kann Jennifer so gut verstehen. Meine Güte, was habe ich für Typen unterschiedlichster Charakterzüge kennengelernt. Sie ist mir von direkt sympathisch. Ich habe mit Jen mitgelacht und konnte mich wirklich gut in ihre Lage versetzen. Es hat mir richtig gehend Spaß gemacht, sie als Elternsprecherin zu begleiten und die anderen Eltern mit ihrer saloppen und sarkastischen Art und Weise auch ein Stück weit aufzuziehen.


Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Wir steigen direkt in den ersten sarkastischen Brief an die Eltern ein und werden gleich mit der sarkastisch-flapsigen Art von Jen vertraut gemacht. Natürlich sind die unterschiedlichen Reaktionen der Elternschaft nachvollziehbar. Die Handlung baut sich über das Buch stetig auf, bis zum Einen das Unverständnis mancher Eltern in einem Putsch eskaliert und zum Anderen Jens Ehe durch das Prickelabenteuer stark ins Wanken gerät. Aber selbstverständlich erhalten wir am Ende ein - für mich schlüssiges und zufriedenstellendes - Happy-End.


Szenerie / Setting
Ob Amerika oder hier in Deutschland. Diese Geschichte hätte überall passieren können. Deswegen hatte ich mit dem Setting auch überhaupt keine Probleme, es ist ja überall gleich. Eine typisch bürgerliche Umgebung mit unterschiedlichen Menschen aller Couleur und Einkommensklassen.


Sprache / Schreibstil
Knackig und sarkastisch, ohne große Umschreibungen. Die Autorin hat hier einen zeitgemäßen und herrlich komischen Sprachstil. Mir gefällt das unheimlich gut, zumal es aber auch nicht übertrieben wirkt, sondern aus dem echten Leben gegriffen - wie eine gute Stand-up-comedian.


FAZIT
Herrlich sarkastisch und aus dem wahren Leben. Ein Leitfaden für alle werdenden Elternsprecher. Ich habe mich köstlich amüsiert.

Bewertung vom 30.07.2018
Flammen und Finsternis / Das Reich der sieben Höfe Bd.2
Maas, Sarah J.

Flammen und Finsternis / Das Reich der sieben Höfe Bd.2


gut

Durchwachsen, wesentliche Steigerung aber trotzdem einige Mängel.

Obwohl mich der 1. Band „Dornen und Rosen“ dieser Trilogie irgendwie gar nicht überzeugen konnte, mussten mich meine Mädels nicht sehr überreden, gemeinsam mit ihnen noch den 2. Band zu lesen. Gesagt - getan, und so haben wir wieder in hitzigen und abwechslungsreichen Diskussionen dieses Buch miteinander erlebt.


Feyre und Tamlin kehren nach der Befreiung aus Amaranthas Schreckensherrschaft im Hofe unter dem Berg zurück an den Frühlingshof. Aber anstatt dort gemeinsam mit seiner Verlobten die wiedererlangte Freiheit zu erleben und zu genießen, beginnt Tamlin Feyre im Schloß einzusperren und komplett aus seinem Leben und Walten am Hofe auszuschließen.

Gebeutelt von Albträumen rutscht Feyre immer mehr in traumatische Zustände und Phobien, ausgelöst allein schon an Erinnerungen an ihre Erlebnisse unter dem Berg. Doch der Handel, den sie mit Rhys eingegangen ist, zwingt sie an den Hof der Nacht und in die Hände des mächtigsten High-Fae, des größten Feindes des Frühlingshofes. Aber der Hof der Nacht birgt nicht nur einige Geheimnisse sondern auch Wunder. Und Rhys scheint nicht nicht der zu sein, den er ganz Prythian vorgibt zu sein und Feyres Leben wendet sich um 180 Grad.

Dem nicht genug, war Amarantha nur ein Vorbote der Gefahr, die aus Hybern droht. Denn der übermächtige König von Hybern plant einen Krieg und möchte ganz Prythian unterwerfen.

Feyre macht in diesem Band für mich eine komplette Wandlung durch. Ihre anfängliche Panik und Wut kommt bei mir sehr gut und authentisch an. Womit ich immer noch nicht so zurecht komme, sind die immer wieder sich wiederholenden, mantraartigen Gedankengänge mit Vorwürfen und der inneren Zerrissenheit, dass sie als Verlobte Tamlin eigentlich hintergeht und eine Verräterin ist. Sie wirkt auch wesentlich reflektierter und mutiger.

Tamlin erscheint nur recht kurz und kommt nicht sehr sympathisch rüber. So blass er mir am Ende des 1. Bandes war, so farblos geht es mit ihm auch weiter. Rhys ist mir fast schon zu weichgespült, da fehlt mir ein bisschen der bad-boy.

Über das gesamte Buch gibt es immer wieder Längen und hineingeflochtene Geschichten, die mir zu ausführlich beschrieben waren. Die Handlung kommt eigentlich im gesamten Buch nicht wirklich in Schwung. Wären da nicht die ständigen prickelnden Momente zwischen Feyre und Rhys, die sich wie zwei Magnete anziehen und dann wie am Gummiband zurückschnalzen. Dieses Beziehungsdrama ist über das gesamte Buch hinweg eines der wenigen Treibmittel, um die Lesespannung anzuheizen. Die eigentliche Handlung, den Krieg zu verhindern, wird dadurch zu einem Nebenschauplatz mit vielen kleinen Geschichten und Scharmützeln, die den Spannungsbogen erst am Schluß in einem fulminanten Showdown in die Höhe schnellen lassen.

Die Ausschmückungen der Landschaft gefallen mir sehr gut, sind gekonnt dosiert eingesetzt. Was man aber von den Beschreibungen der Bekleidung nicht beheaupten kann. Es wirkt dann eher wie ein Kostümball.

Die erotischen Szenen sind dafür wahnsinnig gut beschrieben. Zum Schluß hin war es mir dann aber einen Ticken zu ausführlich. Definitiv kein Jugendbuch.

Sprache / Schreibstil

Sprachlich erfährt dieser Band gegenüber dem ersten eine enorme Steigerung. Die vielen ... sind immer noch vertreten, haben mich aber nicht mehr so sehr gestört. Aufgefallen sind sie mir trotzdem. Auch ein paar kleinere Logikfehler sind immer noch dabei. Manchmal passt der Dirty-Talk irgendwie nicht zu dem doch eher High-Fantasy Setting, der etwas altertümlichen Sprachfarbe.

FAZIT

Insgesamt gefällt mir das Buch eigentlich ganz gut, hat leider ein paar Längen und zu viele ausführlich beschriebene Geschichten gleichzeitig. Die erotischen Szenen ist anfangs sehr gut, wird mir dann aber zu viel, bzw. nicht mehr Jugendbuch-tauglich und der Dirty-Talk passt da einfach nicht so rein.

Bewertung vom 30.03.2018
Verlasse mich nicht! / Götterfunke Bd.3
Woolf, Marah

Verlasse mich nicht! / Götterfunke Bd.3


ausgezeichnet

Aufreibende Achterbahn der Gefühle - fulminanter aber würdiger Abschied aus der Götterwelt

So hat sich Prometheus wohl die Erfüllung seines Wunsches nicht vorgestellt. Zum Einen wurde er aus dem Kreis der Götter verbannt da er nun ein Mensch ist - das war Bedingung des Wettstreits. Und zum Anderen wendet sich Jess mit gebrochenen Herzen von ihm ab, aus Angst noch einmal verletzt und enttäuscht zu werden, so wie ihre Mutter.

Zeus, der mächtigste Gott aller olympischen Götter, entmachtet und geflüchtet in eine amerikanische Kleinstadt. Haleluja, wer hätte das geglaubt? Denn Gaia und Agrios möchten natürlich die Chance auf die Machtergreifung nicht verpassen. Und plötzlich tummeln sich im verschlafenen Monterey lauter göttliche Gestalten, die für die Einwohner nicht eigentümlicher sein könnten. Jess will eigentlich nichts mehr mit den Göttern zu tun haben, aber sie lassen Sie nicht in Ruhe.

Besonders spannend wird der Plot auch dadurch, dass es einen Verräter gibt, und man als Leser sich in Spekulationen ergeht, die einem bis zum Schluß den Verstand rauben.

Oh Gott, wie habe ich mit Jess mitgelitten! Ich finde sie so stark, so tough und so emotional! Es kostet sie enorm viel Energie sich von Cayden fern zu halten, aber der Wunsch nach Geborgenheit und sich endlich fallen lassen zu können ist so präsent! Caydens Verrat lastet schwer auf ihr und sie tut sich schwer damit, Vertrauen zu ihm aufzubauen. Doch im Grunde ihres Herzens weiß sie genau, dass sie ihn liebt.

Cayden tut mir wirklich leid. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Das menschliche Leben ist für ihn nichts wert, ohne Jess an seiner Seite. Und immer, wenn Jess etwas tut, was ihm nicht passt, ist er da. Er hat Angst um sie und er ist tierisch sauer auf sie und diejenigen, die sie in Gefahr gebracht haben. Er ist so toll und einfach nur zum dahinschmachten.

Gleich zu Beginn bekommt man eine so heftige Gefühlsdusche, dass es einem den Boden wegzieht. Die Gefühlsachterbahn geht auf und ab, man möchte Jess schütteln, Cayden ohrfeigen, Apoll anschmachten, und endlich wissen, wer der Verräter ist. Die Frage danach und die geschickt eingeflochtenen Überlegungen und Anmerkungen dazu, treibt Marah bis zum Schluß an, und man kann das Buch nicht aus der Hand legen. Jeder aus Zeus engen Götterkreis ist bei mir schon in Verdacht gezogen worden.

Und dann natürlich das Hin und Her zwischen Jess und Cayden. Wer das schon in den ersten Bänden nicht so gut fand, wird hier auch nicht glücklich. Ich bin auf meine vollen Kosten gekommen. Zumal Marah dann auch noch einige Wendungen und Entscheidungen eingebaut hat, die dem ganzen noch mal eine enorme Würze verliehen haben. Ja, kurz hatte ich auch das Gefühl, dass dieser Eiertanz auch ein Tick zu viel war.

Besonders gelungen finde ich die Verflechtung der menschlichen Umgebung und die griechische Mythologie. Mytikas wird von Marah so ausreichend genug beschrieben, dass man dennoch seiner eigenen Phantasie freien Lauf geben kann. Auch finde ich es toll, wie Marah die Geschichten und Sagen der einzelnen Götter geschickt einbaut, so dass man schon ein bisschen was von den Zusammenhängen versteht, das Buch aber nicht überladen wird. So bekommt man richtig Lust, sich mehr mit der griechische Mythologie zu befassen.

Wer Marah kennt, weiß, dass sie einen rasanten Schreibstil hat mit viel Witz und Charme. Viele kleine Spitzen, jugendlich und frech. Das macht das ganze Buch in sich so flott. Sie hat aber auch kein Problem uns direkt in das emotionale Ping-Pong zu schleudern - und ZACK sitze ich da und flenne wie ein kleines Mädchen. Es ist einfach nur berauschend.

FAZIT

Ein unglaublich fulminantes Finale, sehr emotional und sehr nervenaufreibend. Der Abschied von Cayden und Jess fällt mir schwer. Aber es ist ein würdiger Abschluss und der Epilog hat mich glücklich zurück gelassen.

Bewertung vom 12.02.2018
Jenseits der Wellen / Calypso Bd.3 (eBook, ePUB)
Nonn, Fabiola

Jenseits der Wellen / Calypso Bd.3 (eBook, ePUB)


gut

Zu wenig Emotionen und Romantik in flacher Handlung

Die ersten Probleme der Neusiedler scheinen im Griff zu sein, nun kommt die Gefahr doch von den Abtrünnigen aus der Ruinenstadt Celonia, die das Leben der Siedler bedrohen, diese morden und Jonaz entführen. Die Gemeinschaft der Neuansiedler fängt an zu zerfallen und einige beschließen aus dem Tal auszuziehen. Noemis Zwillingsbruder Ashek ist dem Sektenanführer Baran hörig und wendet sich von ihr ab. Damit hat Baran ein mächtiges Druckmittel gegen das Mädchen, das wieder zwischen sämtlichen Welten steht. Sie muss sich nun ganz alleine um die Rettung der Siedlung und ihrer eigentlichen Heimat, ihre Familie, kümmern, denn sie kann keinen mehr vertrauen.

Im Grunde gefällt mir die Idee, bin aber von der Umsetzung nicht ganz überzeugt. Anfangs bahnte sich ein Beziehungskonflikt mit Jonaz an, der dann plötzlich nicht mehr existent war, und nicht einmal die Dreiecksbeziehung mit Nicon wurde hier weiter ausgebaut. Ab Mitte des Buches wurde der romantische Aspekt völlig weggelassen und Noemi verstrickte sich nur noch in taktische Grübeleien und Geplänkel.

Anfangs finde ich Noemi sehr emotional. Vor allem ihre Angst um Beek, und ihre neue Zweisamkeit mit Nicon, ihre Gedanken um Ashek konnte ich sehr gut nachempfinden. Womit ich aber von Anfang an meine Probleme hatte, war die Beziehungskiste zwischen Jonaz und Noemi und auch Nicon und ihr. Irgendwie ist das weder Fisch noch Fleisch. Da kommt mir viel zu wenig Gefühl rüber und verblasst auch im weiteren Verlauf total. Klar, für Noemi steht viel mehr auf dem Spiel. Es hat mich auch gestört, dass Beek abgehauen ist, Noemi sich zunächst auch wirklich viele Gedanken um ihn gemacht hat, dieser Handlungsstrang dann aber über das ganze Buch kaum noch wirklich weiter aufgefasst wurde und in Vergessenheit gerät.
Mir wird Noemi mit der Zeit viel zu taktisch, viel zu kopflastig und überhaupt nicht mehr emotional. Das ist für mich nicht so ganz authentisch. Auch den Verlust, den die Freunde beim Kampf mit den Abtrünnigen erleiden mussten war mir viel zu oberflächlich. Von Baran in die Ecke gedrängt lässt sie sich dann auch zu einem Ritual überreden, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Irgendwie wirkt das nicht mehr so richtig tough, und ja mir fehlt da sogar ein wenig auch der Trotz, den man sich von einer Protagonistin eigentlich wünschen würde.

Zu den anderen Personen kann ich kaum noch etwas sagen, denn sie treten alle nur noch peripher auf. Ashek hüllt sich in Schweigen und ist gar nicht mehr präsent, das finde ich sehr schade. Nicon ist am Anfang oft in Noemis Nähe, wird dann aber plötzlich kaum noch mehr erwähnt, ebenso wie Jonaz. Auch alle anderen Freunde aus dem ersten und zweiten Buch verblassen komplett, Liah, Neyk, Braam, Franja und Noelle. Sie haben zwar ihre Auftritte - teilweise mit komischen Wendungen die ich zu konstruiert finde - aber irgendwie keine tragende Funktion mehr.

Die Handlung wird sehr sanft aufgebaut, und bleibt mir ähnlich wie die Charaktere einfach zu blass. Es gibt ab der Mitte des Buches spannende Momente die sich hin und wieder noch bis zum Ende des Buches verteilen. Viele Handlungsstränge werden aber nur angedeutet, bleiben dann aber unerwähnt oder verlaufen sich im Sand. Der weitere Verlauf wird mir zu oberflächlich, die letzten Spannungsbögen können dies auch nicht mehr retten. Insgesamt gab es für mich wenig Handlung in diesem Buch, und das Ende ist weder Cliffhanger noch wurde das Band dadurch abgeschlossen.

Sprachlich ist es immer noch sehr ausgereift und metaphernreich. Trotzdem verfällt Noemi oft in lange innere Monologe und in taktische Überlegungen. Es wird dadurch auch teilweise zäh und mir leider auch zu langatmig. Das kenne ich von Fabiola Nonn aber anders und bin daher doch etwas enttäuscht.

FAZIT

Etwas enttäuschend. Sprachlich gut, aber die oberflächliche Handlung reißt mich nicht mehr vom Hocker. Emotional eher schwach, und für mich einfach zu wenig Romantik.

Bewertung vom 03.02.2018
Wenn du dich traust
Gembri, Kira

Wenn du dich traust


sehr gut

Sprachgewaltig und humorvoll mit sympathischen Charakteren, aber auch sehr berührend

Jay und Lea lernen sich in der Psychiatrie kennen. Jay muss dort Sozialstunden ableisten, Lea hat sich als Patientin dort einliefern lassen. Sie leidet unter Zwangsneurosen und hätte beinahe das Leben ihres kleinen Bruders aufs Spiel gesetzt. Ihr Zählritual erschwert ihr das Leben und sie leidet unter großen Ängsten. Als Jay wegen Geldnöten dem Chefarzt ein paar Scheine vom Tisch klauen will, wird er von Lea erwischt. Auch wenn Lea freiwillig in die Klinik gegangen ist, nutzt sie die Chance und geht mit Jay einen Deal ein. Sie zieht in die Männer-WG von Jay und seinen Freunden ein. Was natürlich unter den Kumpels nicht besonders auf Begeisterung stößt, zumal sie die Bude ganz schön mit ihren Eigenheiten auf den Kopf stellt und Jay immer wieder in die Quere kommt. Jays Freunde wollen das komische Mädchen los werden.

Die Handlungsidee ist schon typisch für ein Jugendbuch. Ein Mädchen mit gewissen Problemen trifft auf einen Jungen, der sie zunächst abweist und so ganz anders ist. Zunächst wirkt er auch abgebrüht und ist ein typischer bad-boy. Doch im Laufe des Buches wird klar, dass auch er eine Vergangenheit hat und selber vieles aufarbeiten müsste. Was ich aber hier hervorheben muss ist, dass Kira Gembri das Thema von Toleranz und Akzeptanz angeht. Menschen mit Zwangsneurosen haben ein psychisches Defizit, sind aber nicht geistig behindert. Ihre Zwangsneurosen sind eine enorme Einschränkung für Lea, und sie leidet wohl am meisten unter den Auswirkungen in ihrem Leben. Ich finde, dass die Autorin dies unheimlich gekonnt in die Geschichte eingeflochten und trotz Lovestory ist dies der druchgehende Grundtenor. Besonders interessant finde ich, dass es eigentlich nicht um Lea geht. Für mich ist Jay die eigentliche Hauptperson. Denn nicht nur Lea hat Probleme und ihm wird durch ihre Anwesenheit einiges klar. Wer therapiert hier wen?

Lea beginnt tatsächlich durch das Leben in der WG über ihren Schatten zu springen obwohl sie immer wieder von ihren Zwängen heimgesucht wird. Sie erleidet zwischendurch auch immer wieder einige und teilweise auch heftige Rückfälle. Leas Gedankengänge während eines Anfalls wirken oft abstrus und verstörend, aber auch sehr beklemmend. Denn sie ist ja nicht geistig gestört, sie bekommt ja alles mit und weiß aber auch, dass sie es einfach nicht abschalten kann. Sie wirkt auf mich absolut authentisch. Manchmal ist sie aber auch ein ganz schöner Sturkopf, die aber trotz Psychosen ihren Humor und Sarkasmus nicht verloren hat.

Jay ist frech, nach außen hin ein ganz schöner Macho. Doch mit der Zeit blickt man hinter seine coole Fassade und merkt, dass auch er von seiner Vergangenheit gebeutelt wurde - auch wenn sich bei ihm daraus keine Psychose entwickelt hat. Und im Grunde ist er ein liebevoller Junge, dem sehr viel Leid zugefügt wurde.

Die Handlung an sich und das Ende sind tatsächlich ein wenig vorhersehbar. Aber es ging auch der Autorin nicht darum, aus diesen Handlungsstrang ein Geheimnis zu machen. Sondern vielmehr um die vielen kleinen Andeutungen, um die innere Erkenntnis, die beide Protagonisten durchmachen müssen. Der Ursprung von Leas und Jays Problemen wird erst mit der Zeit stückchenweise über das Buch hinweg erklärt. Und diese Vergangenheit erschwert zunehmends die Entwicklung der Liebesbeziehung. Das zieht die Spannung natürlich stetig an. Jay merkt erst spät, wie sehr er Lea braucht weil sie ihm wie ein Spiegel seiner eigenen Vergangenheit ist.

Absolut begeistert hat mich der außerordentliche flotte und spritzige Sprachstil. Den Perspektivenwechsel zwischen Jay und Lea finde ich super gelungen. So bekommt man Einblick in beide Protagonisten und die unterschiedlichen Erlebnissen der Szenen.


FAZIT

Handlung zwar vorhersehbar, dennoch spritzig und sprachgewaltige Geschichte mit sympathischen Charakteren. Humorvoll aber auch sehr berührend. Ich bin absolut begeistert.

Bewertung vom 07.01.2018
Another Day in Paradise
Newman, Laura

Another Day in Paradise


sehr gut

Mitreißender Sprachstil in einer außerordentlich spannenden Geschichte

Die verseuchten Menschen verwandeln sich auch in Wesen, die keine Gnade mehr kennen, sind aber immer noch Menschen und keine wirklich Untoten. Das gibt dem Ganzen einen bitteren Beigeschmack, denn die Überlebenden müssen sich mit allen Mitteln gegen die aggressiven Deadheads wehren. Nur, was macht man, wenn sich lieb gewonnene Menschen plötzlich verwandeln? wann ist es ein bewusstes Töten eines Menschen und wann nur das Retten des eigenen Lebens vor einer wild gewordenen Bestie? Wo liegt die moralische Grenze?

Die kleine Gruppe um die 19 jährige Naya hat sich in dem apokalytpischen Chaos kennen zusammengetan und kämpft tagtäglich über ihr Überleben. Naya kommt bei mir sehr authentisch und sympatisch an. Sie ist tough, aber auch überlegt. Anfangs ist sie vom ruhigen, besonnen aber auch etwas grüblerischen Sam ziemlich angetan, kann die Gefühle aber auch nicht wirklich einordnen. Zumal in der dystopischen Situation Gefühle für sie fehl am Platz sind. Das ändert sich aber, als Jaze auf der Bildfläche erscheint. Der eingebrödlerische und manchmal auch aufreißerische Jaze schleicht sich langsam in Nayas Herz, wird aber zu einem harten Konkurrenten für Sam.

Die Beziehungsgeflechte kommen sehr gut raus und ich kann Nayas Gedanken und Handlungen sehr gut nachvollziehen. Auch wie sie lernt mit den Deadheads emotionslos umzugehen. Besonders berührt haben mich die sehr emotional tiefgreifenden Szenen, in denen Entscheidungen getroffen werden mussten die einen inneren Nachhall verursachen. Ich habe Nayas Trauer förmlich spüren können. Ebenso konnte sie mir auch die Empfindungen der Gefährten feinfühlig vermitteln.

Sam entwickelt sich mehr zum großen Bruder, der zwar für Naya sehr tiefe Gefühle hegt, aber diese nicht über das Wohl der Gemeinschaft stellt. Das macht ihn mir sehr sympathisch. Jaze ist mehr der Draufgänger und Hitzkopf, dem auch mal seine Gefühle durch gehen. Das macht ihn aber um so authentischer und präsenter. Mir gefällt die Entwicklung zwischen Naya und Jaze. Einige sehr emotionale Momente haben tief in sein Herz blicken lassen und mir Jaze sehr nahe gebracht.

Obwohl man gleich direkt in die Apokalypse hineingeworfen wird, kommt man schnell in das Buch hinein. Laura Newman hat auch gekonnt die Handlung aufgebaut und über den Plot hinweg immer wieder geschickt Rückblenden und Erklärungen eingebaut, so dass sich dem Leser die Spannung erhalten bleibt und häppchenweise tiefer in die Geschichte hineingezogen wird und sich die Zusammenhänge peu à peu erschließt. In der Mitte gibt eine unerwartete Wendung dem Ganzen noch mal eine enorme Würze und treibt die Spannung enorm voran.

Klar, dass so eine Seuche in Amerika stattfinden muss, aber ich finde das passt ganz gut und ich kann mir das gut vorstellen. Die Autorin beschreibt die Umgebung sehr bildhaft, die Handlung und die Protagonisten wirken hier auch authentisch. Auch die texanische Wüste passt gut zur apokalyptischen Situation. Ja, es gibt viel spritzendes Blut und eine gewisse Abgebrühtheit im Töten der Deadheads, aber Laura Newman schafft hier eine moralische Trennung zwischen dem Abschlachten von Monstern und dem Verlust von lieb gewonnenen Gefährten.

Besonders hervorheben muss ich hier der extrem spritzige, flüssige und sarkastisch pointierte Sprachstil von Laura Newman. Die Geschichte wird ausschließlich aus Nayas Perspektive als Ich-Erzähler im Präsens dargestellt, was die oft krassen Kampfszenen aber auch sehr emotionalen Situationen sehr gut unterstreicht und einen direkt vermittelt.

FAZIT
Absolut spannende Geschichte mit mitreißenden Sprachstil machen dieses Buch zu einem Pageturner. Es hat mich total überzeugt, auch wenn Zombie-Dystopien mit viel Splatter nicht unbedingt mein absolut bevorzugtes Genre ist. Die Story um Naya und Jaze hat mich ziemlich gepackt.