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Buchstabengeflüster

Bewertungen

Insgesamt 222 Bewertungen
Bewertung vom 09.01.2026
Bhatter, Ina

Drei Tage im Schnee


weniger gut

Macht schlechte Laune

Hannah ist ein Workaholic und völlig überarbeitet. Deshalb will sie raus aus der Großstadt und ihrer gewohnten Umgebung und hat sich übers Wochenende ein kleine Hütte am See mitten im Nirgendwo gemietet. Rundherum ist alles mit Schnee bedeckt, in dem ein kleines Mädchen in rotem Mantel tobt.

Da die Protagonistin sich eine Auszeit nimmt, ist es logisch, dass am Anfang des Buches Stress und getrübte Stimmung überwiegen. Es geht ja darum, dass es Hannah nicht gut geht, weshalb sie das Wochenende fernab ihres Alltags verbringt. Die Autorin hat auch richtig schön dargestellt, wie ausgelaugt und unter Strom sich Hannah fühlt. Aber diese negativen Themen kommen immer wieder auf. Kaum genießt Hannah ihr Essen oder die Zeit mit dem kleinen Mädchen, tauchen schon wieder Gedanken an die Arbeit in ihrem Kopf auf. Die kurze Geschichte fängt nicht mit Hannahs gestressten Zustand an, wird immer besser und am Ende fühlt sie sich gelöst… nein, es werden psychisch belastende Themen erwähnt, dann eine positiver Moment oder Gedanke, dann wieder ein negatives Thema, daraufhin etwas Positives, wieder belastende Emotionen, daraufhin etc. Mir hat die Entwicklung gefehlt. Auch Hannahs Entschluss, was sie alles ändern will, wenn sie wieder in ihrem Alltag angekommen ist, ist viel zu leicht gefallen. Ganz ehrlich, ich denke nicht, dass es Hannah nach dem Buch viel besser gehen wird. Mir fehlt das positive Gefühl, mit dem man aus der Geschichte rausgeht. Das Lächeln fehlt, während ich das Buch zuklappe und an Hannah und das kleine Mädchen mitten im Schnee zurückdenke. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass es eine Liste mit psychisch belastenden Themen gab, die die Autorin schrittweise abgearbeitet hat, ansonsten wäre auch dieser überraschende Moment über das Thema Ängste zum Ende hin nicht mehr aufgetaucht.

"Die Pflanzen zogen sich zurück, warfen alles ab, was Ballast war, und verbargen ihre zarten Knospen und Triebe, bis der Frühling kam. So überstanden sie die kargen Wintermonate und sammelten Kraft für ein neues Jahr, um umso prächtiger zu blühen, Früchte zu tragen und zu gedeihen. Nur für uns Menschen gab es, so schien es, keinen Winter mehr." S. 142

Ina Bhatter hat eine sehr anschauliche und klare Art zu schreiben, wodurch man sich sehr, sehr gut in Hannahs Gefühlswelt einfühlen kann. Die Geschichte hat sich durch den angenehmen Schreibstil wirklich schnell lesen lassen. Das Aufeinandertreffen von Hannah und dem kleinen Mädchen und ihre glücklichen Momente im Schnee haben mir am besten gefallen. Das Schneinhorn ist eine echt schöne Idee der Autorin bzw. ihren Kindern, wie sie in der Danksagung erwähnt.


Fazit:
„Drei Tage im Schnee“ ist eine sehr anschaulich beschriebene Geschichte mit schönen und spaßigen Momenten im Schnee. Jedoch gibt es keine klare Entwicklung im Gefühlsleben der Protagonistin, sondern immer ein hin und her zwischen positiven und negativen Gedanken. Kaum hatte ich Spaß an der Geschichte, wurde sie mit einem neuen negativen Thema getrübt.

Bewertung vom 05.01.2026
Groh, Kyra

The Pumpkin Spice Latte Disaster / Pumpkin Spice Latte Bd.1


weniger gut

Ich hätte am liebsten abgebrochen

Jude hat ihrem Heimatort Lower Whilby schon lange den Rücken gekehrt und wohnt nie lange an einem Ort. Für die Hochzeit ihrer kleinen Schwester kehrt sie natürlich für wenige Tage zurück. Doch aufgrund eines Umstands bezüglich ihrer Schwester und des Cafébsitzers James, dessen Eltern einer bekannten Band angehörten und perfekt zu Judes Musik-Podcast passen würde, werden daraus mehrere Wochen.

Ich war beim Lesen dieses Buches von Anfang an genervt, denn keiner der beiden Protagonisten ist mir sympathisch gewesen. Jude ist total aufdringlich, fast frech, z. B. als sie anfangs vehement mit James flirtet um ein Interview zu bekommen oder (auch ihn) ständig nervt, dass im Café Musik laufen und Pumpkin Spice Latte ausgeschenkt werden müsste. Ich habe wegen ihres aufgeweckten Auftretens schon vermutet, dass sie ADHS haben könnte, was die Autorin auch auf einer Lesung bestätigt hat. Aber das ist doch trotzdem kein Grund unhöflich zu sein. James denkt nur an das eine und wann bei ihm das letzte Mal war, was ihn als anstrengenden ausgehungerten Jugendlichen erscheinen ließ. Und stäääändig wird erwähnt, wie sexy Judes Po doch ist bzw. was für unglaubliche Unterarme James doch hat!

Vieles in dem Buch ist übertriebener und zugespitzer als in Kyra Grohs anderen Romanen, finde ich. Kein Humor, sondern übertrieben witzig. Zum Beispiel meint Jude, dass die Eltern einer perfekten jungen Frau zufrieden damit sind, ihre Gene gemischt zu haben, vermutlich aber bloß bis zu diesem Zeitpunkt, wo diese heftigen Liebeskummer hat und (wie ich finde verständlicherweise) etwas neben der Spur ist. Ernsthaft? Wie unempathisch und schräg geschrieben ist das denn? Oder die bizarre Beschreibung auf S. 160: „Eben beim Essen hat sie beinahe mütterliche Gefühle zu einem Stück Hähnchen entwickelt, nur weil es annähernd geformt war wie ein Herz.“

Von dem Setting in Lower Whiliby oder Herbstfeeling bekommt man auch nicht viel. Hauptsächlich werden ein paar Geschäfte bzw. am Ende wenigstens das Herbstfest beschrieben. Am besten gefallen hat mir ein Nebencharakter: Eleanore ist wirklich toll! Sie war mir direkt sympathisch, ist liebenswert und ich kann ihre Gefühle echt gut nachempfinden. Auf ihre Geschichte bin ich neugierig, ansonsten werde ich Lower Whilby den Rücken kehren.

Fazit:
„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ ist nicht unbedingt ein Desaster für mich gewesen, aber auch kein Buch, das ich genießen konnte. Die beiden Protagonisten waren mir total unsympathisch, ihr ständiges Denken an den sexy Körper der/des Gegenübers und dementsprechend das eine, hat mich einfach nur genervt! Auch der Humor ist drüber und deshalb überhaupt nicht mehr witzig. Ich wollte das Buch an so vielen Stellen abbrechen, hätte ich es doch getan! Das einzig Gute an der Geschichte ist der Nebencharakter Eleanore!

Bewertung vom 31.12.2025
Dunlap, A. Rae

Wer die Toten stört


ausgezeichnet

Ich bin begeistert!

James beginnt sein Medizinstudium in Oxford, da diese Uni 1828 die fortschrittlichste in dem Bereich ist. Doch das Studium ist nur theoretisch, die praktische Übung müssen sich die angehenden Ärzte in privaten chirurgischen Lehranstalten holen, die aber auch eine Menge Geld kosten. James‘ finanzielle Unterstützung wird immer geringer, weshalb er durch Aneurins Hilfe einen ungewöhnlichen Weg wählt, um sich diese zusätzliche unabdingbare Bildung zu leisten. Direkt zu Beginn des Studiums trifft er in seiner Unterkunft auf Charlie und seine Clique, mit denen er oft den Abend ausklingen lässt.

Ich mag die Atmosphäre des Buches sehr! Realistisch gesehen sind die damaligen Zustände in der Medizin und wie manche Erkenntnisse erlangt wurden, schockierend, aber in einem Buch sind die Anfänge der modernen Medizin total faszinierend und auch die Leichenraube auf dem Friedhof ein passendes Detail. Manchmal makaber, aber auch sehr abenteuerlich tragen so einige Momente zu einem düsteren Dark Academia-Vibe bei. Wobei ich finde, dass die Geschichte auch viel Augenmerk auf die Charaktere legt. James‘ Art ist einfach unglaublich sympathisch und seine Entwicklung schön mitzuverfolgen. Auch wenn seine Clique aus Kommilitonen und Mitbewohnern immer mehr untergeht, ist es eine tolle Truppe mit so einigen Eigenheiten. Die Liebesgeschichte hat mir auch unglaublich gut gefallen, weil man einerseits am Anfang noch nicht erahnen kann, in wen sich James verliebt (diese Tatsache ist ungewöhnlich und sehr erfrischend) und die beiden eher unspektakulär zusammen finden und es auch keine expliziten spicy Szenen gibt, sodass die Liebesgeschichte einfach nur herzerwärmend ist. Und absolut spannend ist die Geschichte natürlich ebenfalls. Für die Leichenräuber wird es einige Male ganz schön knapp, ich habe bei einigen actionreichen Szenen die Luft angehalten, später wird es zunehmend gefährlich und die Autorin konnte mich auch oft überraschen.

»Was denn? Leichen sind keine unangenehme Gesellschaft. Sie sind zwar miserable Gesprächspartner, aber ich kann bestätigen, dass sie ausgezeichnete Zuhörer sind.« S. 107

Ich bin kein großer Fan davon, wenn Protagonisten uns Leser/innen ansprechen, aber hier gefällt es mir. Diese Andeutungen von James machen mich eher noch neugieriger. Der Schreibstil der Autorin ist total lebendig und James‘ Erzählung bereitet mir dadurch noch mehr Spaß. Der Protagonist ist vornehm und deshalb auch teilweise unbedarft und unwissend, auf eine liebenswerte Weise. Ich finde es lustig, wenn er sich über den Kleidungsstiel Gedanken macht oder entrüstet ist, wenn jemand nicht seinem gewohnten Standard der Höflichkeit entspricht. Ich finde das Buch hat einige amüsante Momente, weshalb ich schon öfter schmunzeln musste. Ja, die Geschichte ist mit den Leichenrauben und Sektion düster und manchmal makaber, aber sie hat eben auch eine gewisse Leichtigkeit und macht einfach Spaß.

Fazit:
„Wer die Toten stört“ ist eine großartige und total fesselnde Geschichte! Mit einem anschaulichen Schreibstil, Humor, liebenswerten Charakteren, einer sanften Liebesgeschichte und so einigen erschreckenden und abenteuerlichen Momenten, hat diese Geschichte alles, was man sich nur wünschen kann. Ich bin begeistert von A. Rae Dunlaps Dark Academia-Geschichte und möchte unbedingt mehr von ihr lesen!

Bewertung vom 31.12.2025
Meyer, Kai

Das Antiquariat am alten Friedhof


ausgezeichnet

Rundum gelungen

Felix und seine Freunde sind als Kinder wohlhabender Eltern aufgewachsen und treffen sich in dem Antiquariat am alten Friedhof, das einem von ihnen gehört. Felix, Vadim, Julius und Eddie suchen Nervenkitzel bei ihren Bücher-Diebstählen und verkaufen die Sammlerstücke über Vadims Antiquariat. Eva bringt die Gruppe in Aufruhr und bald müssen sie sich auch entscheiden, wie weit sie mit ihrem diebischen Zeitvertreib gehen wollen… Der Protagonist Felix ist während des Krieges nach Amerika ausgewandert und kommt nun, 1945, als Bibliothekar zurück um die von den Nazis geraubten Bücher zu katalogisieren. In Leipzig trifft er auf einige seiner alten Freunde und geht der Frage nach, was mit Eva in den letzten Jahren geschehen ist.

Ich finde es überaus spannend, wie Kai Meyer die 15 vergangenen Jahre und Geheimnisse immer weiter entfaltet und Hinweise gibt. Der Protagonist Felix möchte unbedingt herausfinden, was mit Eva geschehen ist und auch wie es seinen ehemaligen Freunden geht. Parallel erzählt der Autor sehr spannend und ereignisreich die Erlebnisse der letzten Jahre bis in Felix‘ Gegenwart. Hier werden auch bald Verbrechen entdeckt, die das zerbombte Leipzig in Atem halten. Die Geheimnisse und Geschehnisse werden nach und nach aufgedeckt und entfaltet. Die Geschichte hat sich wirklich flüssig wie ein historischer Krimi lesen lassen (was es teilweise auch ist).

Was mir am besten an der Geschichte gefallen hat, ist der Vibe. In der älteren Zeitebene sehe ich immer noch die vier Freunde auf der Empore des Antiquariats sitzen, wo sie fachsimpeln, trinken und sich gegenseitig necken. Die Gruppe hat durch die verschiedenen Charaktere eine ganz einzigartige Dynamik. Währenddessen überblicken sie den Verkaufsraum des Antiquariats, den Friedhof außerhalb des Fensters und die immerwährenden Rauchschwaden des Graphischen Viertels - mystisch. Auch in der Zeit nach dem Krieg herrscht eine geheimnisvolle und düstere Atmosphäre, während Felix nach seinen Freund/innen sucht, überall zerstörte Häuser in Schutt und Asche liegen und bald auch ein Verbrechen eine große Rolle spielt.

Ich habe noch nie einen Roman gelesen, der direkt nach dem Krieg spielt und fand es hier überaus interessant und anschaulich dargestellt, wie die Menschen nach einem entbehrungsreichen Krieg gelebt haben. Das trostlose Stadtbild mit Schutthaufen hat dies auch gut verbildlicht.


Fazit:
„Das Antiquariat am alten Friedhof“ ist eine sehr spannende historische Geschichte, die mit einem fesselnden Kriminalfall, verschiedenartigen Charakteren und düsteren sowie gefährlichen Momenten punkten kann. Am meisten hat mir die mystische und geheimnisvolle Atmosphäre gefallen.

Bewertung vom 28.12.2025
MacBride, Freda

Mayfair Ladys - Drei Junggesellen für Lady Beatrice (eBook, ePUB)


sehr gut

Ruhig, romantisch, spicy

Beatrice ist mittlerweile Mitte 20 und gilt als alte Jungfer. Durch einen Unfall in der Kindheit hat sie eine Narbe im Gesicht, die potenzielle Heiratskandidaten abgeschreckt hat. Doch Beatrice hat ein Händchen dafür, wer gut mit wem zusammenpasst und schon einige ihrer Freundinnen verkuppelt. Deshalb bittet sie die Dowager Marchioness of Bayne für ihre drei Söhne geeignete Frauen zu finden.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus Beatrices Sicht erzählt, gelegentlich aber auch von anderen Charakteren, wie Francis. Lady Beatrice beobachtet auf den Bällen die drei jungen Männer, macht sich treffsicher ein Bild von deren Geschmack und stellt ihnen nacheinander potenzielle Kandidatinnen vor. Naja, zumindest zwei von ihnen, denn Francis weiß sie länger nicht einzuschätzen. Dabei haben die beiden schon relativ früh ein Auge aufeinander geworfen. Eigentlich hätte ich erwartet, dass Beatrice ihm eine junge Dame nach der anderen vorstellt, während die beiden ihre Gefühle entwickeln. Dadurch wurde der Plott für mich nicht langweilig, aber doch etwas langwierig. Ich habe Beatrices Bemühungen und ihre Gedanken zum Verkuppeln sehr gerne gelesen. Wie Beatrice und Francis sich näher kommen, finde ich wirklich schön und romantisch. Als er Lady Beatrice zuerst in Gedanken und dann auch ihr gegenüber mit dem Spitznamen „Bea“ angeredet hat, ist mein Herz geschmolzen. Spicy wird es dann auch zwischen den beiden, wobei mir Francis am Ende zu sehr an sein Vergnügen gedacht hat. Der Konflikt im letzten Drittel konnte mich überraschen und ein Detail am Ende hat mir ein Lächeln entlockt.


Fazit:
„Drei Junggesellen für Lady Beatrice“ ist ein schöner Regency-Roman über eine Saison mit vielen Wer-mit-wem-Momenten. Die Geschichte liest sich leicht und amüsant. Ich hätte einen etwas anderen Verlauf der Geschichte erwartet, aber trotzdem sehr gerne über die romantische, heimliche und teils sogar spicy entwickelnde Beziehung der beiden Protagonisten gelesen.

Bewertung vom 22.11.2025
Dabos, Christelle

Die Spur der Vertrauten


gut

Hää? (Ja, ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal so einen wortgewandten aussagekräftigen Titel nutze)

In dieser Welt steht das Wir über allem. Die Gesellschaft ist auf die Gesamtheit fokussiert und der/die Einzelne ist nicht wichtig, nur als kleines Zahnrad für das große Wir. Die Menschen haben alle einen Instinkt, der sich in der Kindheit entwickelt. Claire ist eine Vertraute, schenkt also jedem ihr Ohr, und Goliath ein Schützer, muss also die Menschen in seiner Umgebung vor Gefahren retten. Ja, muss! Denn der Instinkt hat eine gewisse Reichweite und die Personen üben ihn auf Autopilot aus. Claire und Goliath befinden sich in ihrem letzten Schuljahr, als beiden auffällt, dass andere Schüler/innen verschwinden. Die beiden fangen zunächst einzeln an nachzuforschen und suchen später gemeinsam nach den verschwundenen Jugendlichen. Dabei sind sie ein ziemlich gegensätzliches Paar, denn Claire hat ein Geheimnis und Goliath setzt alles daran, in der Rangfolge dieser Welt aufzusteigen.

Die Idee dieser Dystopie ist wirklich faszinierend und außergewöhnlich. Anfangs muss man sich erst darin einleben, denn wir sind alle daran gewohnt, dass unser Leben genauso wichtig ist, wie jedes andere auch. Hier aber zählt nur das Wir, der/die Einzelne ist quasi nur eine kleine Ameise für den riesen Bau. Der Instinkt ist stark, sodass die Menschen wie unter Zwang agieren. Wenn Goliath als Schützer z. B. sieht, dass ein Haus brennt, muss er hineinlaufen um alle aus den Flammen befreien, auch wenn er dabei selbst umkommen könnte. Diese Welt ist manchmal wirklich erschreckend und sehr krass. Mir hat die Idee von Christelle Dabos sehr gut gefallen. Der Weltenaufbau ist auch teilweise komplex, sodass man oft konzentriert lesen muss, keine Geschichte für zwischendurch. Die Protagonisten sind aber sympathisch, anschaulich und nahbar dargestellt, sodass man ihnen gut folgen kann. Außerdem sind die Geschehnisse richtig spannend und faszinierend, sodass ich sie kaum aus der Hand legen konnte.

Kurz vor der Hälfte hat die Geschichte einen kleinen Cut, der einige Monate überspringt und sich auch von der Erzählung ganz anders anfühlt. Als würde das Buch aus zwei Teilen bestehen. Nachdem es etwas gemächlicher beginnt, wird es aber wieder total spannend. Wobei ich mir manchmal auch dachte, dass man daraus gut eine Dilogie mit mehr Erläuterungen und Zeit zum Einfinden hätte machen können. Zwischen Claires und Goliaths Kapiteln gibt es auch einige wenige, aus anderen Erzählperspektiven. Diese sind sehr spannend und man merkt danach bald, um welche Person es sich handelt. Es werden immer wieder spannende Charaktere eingeführt und einiges aufgedeckt.

Die Idee der Geschichte hat mich wirklich beeindruckt, sodass ich dem Buch schon 5 Sterne geben wollte… Die Welt ist komplex, aber ich hatte immer das Gefühl sie verstanden zu haben; bis die letzten Kapitel kamen. Zum Schluss gibt es einen spannenden Showdown und sogar ein Kapitel, das sich wie ein Prolog liest. Aber es gibt keine Erklärung für das Ende. Für das, was passiert ist. Dafür, warum und wie es passiert ist. Ich habe einiges verstanden, ja, aber ich habe noch so viele offene Fragen. Für mich hat das Buchende gar nichts beendet. Man kann doch keine so komplexe Welt erschaffen, die dann irgendwie sinnfrei endet. Ich bin total enttäuscht und ratlos von dem Schluss. Ich habe das Buch schon vor einigen Wochen beendet und frag mich immer noch, ob die Lesezeit es wert war.



Fazit:
„Die Spur der Vertrauten“ ist eine thematisch faszinierende und absolut spannende Dystopie. Die Welt ist zwar komplex, sodass man aufmerksam lesen muss, aber auch unfassbar spannend, mitreißend und erschreckend. Ich war wirklich begeistert von dem Buch, weil es etwas Besonderes ist, aber das Ende hat mich maßlos enttäuscht. Ich bin so ratlos und habe zu viele offene Fragen. Wie kann man nur so ein tolles Gedankenexperiment zu Papier bringen und es dann völlig sinnfrei enden lassen?

Bewertung vom 22.11.2025
El-Bahay, Akram

Eine Tür aus Silber und Lügen / Die Buchreisenden Bd.2


ausgezeichnet

Spannender Abschlussband für Buchliebhaber*innen

Der Libronaut Adam und Ellisa versuchen auch im zweiten Teil die silberne Tür zu öffnen und deren Mutter zu finden. Mit neuen Verbündeten sind sie auf der Suche nach den Schlüsselsätzen um das Schloss der silbernen Tür vollständig zu entriegeln. Währenddessen sitzen ihnen Libronautic Inc im Nacken, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgen.

Der zweite Teil der Buchreisenden knüpft nahtlos an die bisherigen Geschehnisse an und hat mich direkt wieder begeistert. Schon auf der ersten Seite gibt es Spannung auf einen bevorstehenden Diebstahl eines Klassikers der Weltliteratur und den witzigen Dialog zwischen Adam und Luthin. Ich glaube nicht, dass mir jemals die erste Seite eines Buches so gut gefallen hat! Darauf folgen wieder Abenteuer, z. B. diesen Diebstahl eines Buches in keinem geringeren Gebäude als des Londoner British Museum, und auch in den Geschichten selbst. Ich finde es auch schön, dass Elisa, Adam und Rix (mein Lieblingscharakter!) dieses Mal länger in einem Buch verweilt sind. Dadurch sind die Hauptwerke, die zur silbernen Tür führen, sehr präsent und ich bin nun sehr neugierig auf diese Geschichten, weshalb ich sie jetzt auch lesen will (wie passend, dass ich die "Nibelungen" erst vor wenigen Tagen im Bücherschrank gefunden habe). Das Buch ist nicht nur abenteuerlich für die Protagonisten, sondern auch überraschend, total spannend, zeitweise verwirrend, leider traurig, sogar emotional und beeindruckend für mich. Es gab einige Szenen, die sehr eindrucksvoll geschrieben sind - richtig episch! Das Ende gipfelt in einen Showdown und hat mir, neben einem tragischen Aspekt (leider!), sehr gut gefallen. Ich finde es besonders schön, dass hier auch die Bedeutung der Worte hervorgehoben worden ist.


Fazit:
"Eine Tür aus Silber und Lügen" ist der passende Abschluss der Buchreisenden-Dilogie. Akram El-Bahay konnte mich überraschen, an die Seiten fesseln, zeitweise auch verwirren, beeindrucken und sogar berühren. Eine wunderschöne Geschichte mit Abenteuern, Klassikern, Buchliebe, Humor und die Macht der Worte.

Bewertung vom 22.11.2025
El-Bahay, Akram

Ein Weg aus Tinte und Magie / Die Buchreisenden Bd.1


ausgezeichnet

Voller Buchliebe und Abenteuer!

Haben wir Buchliebhaber*innen nicht schon immer mal davon geträumt in unsere liebsten Geschichten zu reisen? In der kleinen unscheinbaren Buchhandlung in London ist dies möglich! Die Libronauten haben eine besondere Stimme und können sich und andere in die Geschichten hineinlesen. Doch dabei gibt es eine wichtige Regel: Nicht vom Weg abkommen! Denn sonst könnte die gesamte Geschichte zusammenstürzen. Der junge Erwachsene Adam darf endlich, unter Aufsicht seines Mentors Gabriel, selbst Buchreisen durchführen. Doch einige Kund/innen halten sich nicht an die Regel und Adam steht inmitten eines Buches plötzlich vor einer silbernen Tür, die da nicht hingehört.

Die Bücher von Akram El-Bahay liebe ich wegen seiner kreativen Ideen. Alleine die Vorstellung in Bücher reisen zu können, ist unwiderstehlich. Aber der weitere Verlauf der Geschichte steht dem in nichts nach! Charaktere aus Büchern tauchen orientierungslos in London auf. Das verlassene Theater mit den riesigen Bäumen und Fantasywesen darin ist so beeindruckend. Hach, ich wünschte ich könnte dieses Bild in meinem Kopf auf eine Illustration bannen! In der Geschichte steckt so viel Buchliebe; in jeder Seite, in jedem kleinen Abenteuer, in jeder Buchreise, die Adam unternimmt. Es werden auch einige Klassiker, wie die Nibelungensage, Der Vampyr, Alice im Wunderland oder der Hobbit erwähnt.

Während man anfangs noch die zauberhafte Idee der Buchreisen genießt, kommt Adam unerklärlichen Ereignissen auf die Spur, wie z B die silberne Tür. Der Protagonist ist bei den Libronauten aufgewachsen, doch die Organisation ist sehr geheimnisvoll, was anfangs eine mysteriöse und aufregende Atmosphäre bildet. Es ist so spannend mit Adam über die Ereignisse nachzudenken und zu forschen. Es folgen viele Abenteuer in Büchern, aber auch in London. Mich hat die frühe Wendung überrascht, wodurch Adam immer weniger Zeit in der Buchhandlung Libronautic Inc verbringt. Die Geschichte um die Buchreisenden ist so fesselnd, dass ich sie innerhalb weniger Tage durchgelesen habe (lesen musste ;) ). Und das I-Tüpfelchen der Geschichte ist der Humor. Wenn ich nicht atemlos an den Seiten gehangen habe, dann hab ich geschmunzelt! Der Autor hat einige amüsante und leichte Momente eingefangen. Besonders die Dialoge zwischen Adam und dem Kobold Luthin fand ich grandios.


Fazit:
„Die Buchreisenden – Ein Weg aus Tinte und Magie“ ist ein Highlight! Buchliebe, eine geheimnisvolle Atmosphäre, spannende Abenteuer und Humor – was will man mehr? Ich kann es kaum erwarten den zweiten Teil der Buchreisenden zu genießen und verschlingen!

Bewertung vom 31.10.2025
Braun, Ruby

Glory of Broken Dreams / Devil's Dance Bd.1


sehr gut

Dezente, unheimliche und fesselnde Magie

Charlies großer Traum ist es eine gefeierte Tänzerin zu werden, deshalb ist sie glücklich als Varietétänzerin im Hotel Lichtenstein angenommen zu werden. Denn im Hotel finden rauschende Bälle statt, auf denen Wünsche erfüllt werden und diese Chance kann sie sich sie für ihren großen Traum nicht entgehen lassen! Da sie dort nur in Begleitung kommen kann, fragt sie den ruhigen Showboxer Willem, der diese Möglichkeit nutzt um seinen Bruder im Grandhotel zu finden. Ihre Erlebnisse werden mittels der Ich-Perspektive von beiden Protagonisten erzählt.

Der Anfang der Geschichte ist unspektakulär und zeitweise etwas holprig. Charlie glaubt an Magie und möchte unbedingt die geheimnisvollen Bälle des Hotels besuchen. Gleichzeitig glaubt sie der Warnung ihrer Schwester nicht, dass man durch den Arbeitsvertrag ans Hotel gebunden ist und bei Nichteinhaltung den Mitarbeiter/innen furchtbare Dinge geschehen. Alles für den großen Traum! Zeitweise hatte ich auch dadurch den Eindruck, dass die Magie in Frage gestellt wird, wäre da nicht Willem gewesen, dessen Erlebnisse zu viel des Zufalls wären, sodass es sich um Magie handeln muss.

Die Magie in dem Luxushotel Lichtenstein ist oft eher dezent, aber wenn sie wirkt, dann doch erschreckend und tragisch. Der Garten des Hotels mutet verwunschen an, die Wunschtombola ist bunt und leuchtend und die Bälle bieten unter anderem verzauberte Gegenstände. Dadurch entsteht ein geheimnisvoller und magischer Vibe, aber auch ein unheimlicher. Ein Grandhotel, in dem unerklärlichen Dinge geschehen und in dem Magie nicht nur Gutes bewirkt – das passt perfekt in diese Jahreszeit! Für Leser/innen, die keinen großen Grusel mögen, ist die geheimnisvolle, erschreckende und dezent übersinnliche Geschichte perfekt.

Charlie ist nicht unbedingt die größte Sympathieträgerin, denn sie ist störrisch, wild und unsicher, aber doch sehr nahbar dargestellt. Willem ist liebenswürdig und sehr wortkarg. Die Liebe der beiden Protagonisten füreinander konnte ich nicht immer nachvollziehen, besonders bei Willem waren seine Gefühle für Charlie plötzlich da. Da die Beziehung wichtig ist, aber nicht unbedingt viel Raum in der Geschichte eingenommen hat, ist die spicy Szene meiner Meinung nach auch unnötig. Die anderen Tänzerinnen der Varietégruppe haben alle unterschiedliche Lebensgeschichten, was eine nette und vielfältige Truppe ergibt. Die Geschichte behandelt dadurch auch in positiver Weise Themen wie Diversität, Selbstwertgefühl und Diskriminierung. Charlies Schwester Wanda mag anfangs etwas streng und blass wirken, aber im Laufe der Geschichte wird sie immer interessanter und auch eine wichtige Schlüsselfigur, weshalb ich sehr, sehr gespannt auf Teil 2 bin. Nicht zuletzt wegen dem gewaltigen Showdown und Cliffhanger am Ende.


Fazit:
„Glory of broken Dreams“ ist ein Urban Fantasy Roman mit vielfältigen Charakteren. Die Magie kommt zunächst verhalten und unscheinbar daher, ist aber trotzdem sehr eindrucksvoll, erschreckend und fesselnd. Das perfekte Herbstbuch mit magischer Fantasy und einem dezenten Touch Grusel.

Bewertung vom 30.10.2025
Kurisu, Hiyoko

Der Laden in der Mondlichtgasse


sehr gut

Ruhige Kurzgeschichtensammlung

Dieses Buch besteht aus sechs Kurzgeschichten, in denen von unterschiedlichen Menschen erzählt wird, die gerade etwas sehr stark beschäftigt, und dem Fuchsgeist, der die Confiserie betreibt. Die Personen finden magischerweise in die Mondlichtgasse, wo sich der Laden mit allerhand leckeren japanischen Süßigkeiten befindet, die aber alle eine magische Komponente haben und somit diesen Menschen bei ihrer Angelegenheit hilft.

Ich bin kein Fan von Kurzgeschichten und doch muss ich sagen, dass mir hier alle zugesagt haben. Das hängt unter anderem mit dem tollen Schreibstill von Hiyoko Kurisu zusammen, da sie die Gefühle und Gedanken der Protagonist/innen sehr intensiv und klar beschreibt. Auf wenigen Seiten schafft sie es, die unterschiedlichen Charaktere gekonnt darzustellen und ihre Unsicherheiten nachvollziehbar zu schildern.

Der Süßigkeitenladen in der Mondlichtgasse wird sehr anschaulich beschrieben und ich bin nun gespannt auf all die japanischen Naschwaren. Im Glossar werden diese erläutert, sowie auch Kleidungsstücke und weitere Begriffe aus der japanischen Kultur, was dieses Buch sehr schön abrundet. Außerdem befindet sich an jedem Kapitelanfang eine hübsche Zeichnung von der entsprechenden Süßigkeit, was mir auch sehr gut gefällt.

Die Protagonist/innen in diesem Buch, meist sehr jung, sind anfangs z. B. unsicher oder hadern in einer zwischenmenschlichen Beziehung. Die Angelegenheiten sind mitten aus dem Leben gegriffen und sehr nachvollziehbar, ob man es nun selbst erlebt hat oder nicht. Die Erkenntnisse der einzelnen Geschichten werden ruhig und liebevoll entwickelt. Die Hintergrundgeschichte des Fuchsgeistes Kogetsu finde ich sehr berührend, wenn auch teilweise etwas unspektakulär. Aber das gesamte Buch ist in sich rund und eine beschauliche Geschichte.


Fazit:
„Der Laden in der Mondlichtgasse“ ist ein schöner und ruhiger Roman über Themen, die uns selbst oder im Miteinander beschäftigen. In Kurzgeschichten kommen die Protagonist/innen zu Wort und in den Genuss der magischen Süßigkeiten. Dieses kurze Buch ist perfekt für ruhige Lesestunden zum Entspannen und Innehalten.