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Benutzername: Eulalia
Wohnort: Pfalz
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Bewertungen

Insgesamt 8 Bewertungen
Bewertung vom 26.11.2021
Wo kommen wir denn da hin
Habicht, Günter

Wo kommen wir denn da hin


gut

schade
Ein neues Werk aus der Feder von Torsten Rohde, diesmal nicht alias Renate Bergmann (die aber darin vorkommt), sondern alias Günter Habicht.
Die Leseprobe hatte mich sehr angesprochen: ein frühpensionierter Mann, der plötzlich mit seiner Frau daheim ist und viel zu viel freie Zeit hat; das habe ich selbst im Bekanntenkreis miterlebt, das hat Potential. Leider wurde dieses Potential verschenkt. Es gibt ein paar wirklich witzige Stellen im Buch, aber auch viel zu viele Klischees. Die Figur Günter Habicht hat mich nicht überzeugt.
Ich kenne viele Menschen dieses Alters, die sind nicht so. Unstimmigkeiten in den Zeitangaben habe ich auch gefunden.
Die Idee mit dem Beziehungsratgeber war gut, daraus hätte man mehr machen können, auch die Anspielungen auf Renate Bergmann, ihre Nachbarinnen aus einer anderen Perspektive...
Ich weiß nicht, ob dem Autor die Zeit zu knapp wurde, oder ob er coronabedingt zu wenig Inspiration aus dem echten Leben hatte - jedenfalls hatte ich den Eindruck, dass er die Lust an seinen Figuren verloren hat. Schade.

Bewertung vom 05.11.2021
Schwarzes Herz (Ungekürzte Autorinnenlesung) (MP3-Download)
Kuhnke, Jasmina

Schwarzes Herz (Ungekürzte Autorinnenlesung) (MP3-Download)


sehr gut

Selten ist es mir so schwer gefallen, die richtigen Worte für ein Buch zu finden.
Es ist gut - auch wenn darin Schlechtes geschieht.
Es tut weh - obwohl Jasmina Kuhnke eine sehr angenehme Stimme hat.
Es ist Fiktion - und doch auch wieder nicht.
An manchen Stellen dachte ich: das hat die Autorin bestimmt selbst erlebt. Oder es ist jemandem passiert, den sie kennt. Der Warnhinweis am Beginn ist berechtigt.
Wir hören die Geschichte einer Frau, die von Kindesbeinen an Rassismus erlebt, auch in ihrer eigenen Familie. Manches geschieht ganz beiläufig,
Doch nicht nur ihre Kindheit ist schwer, auch in Ihrer Ehe erfährt sie Leid und Gewalt.
Ich möchte nicht spoilern, deshalb schreibe ich hier nicht mehr zum Inhalt. Das Buch ist absolut hörens- bzw. lesenswert. (Vielleicht nicht unbedingt vor dem Schlafengehen.) Es wirkt lange nach.

Bewertung vom 13.10.2021
Das Leben, ein großer Rausch / Die Polizeiärztin Bd.2
Sommerfeld, Helene

Das Leben, ein großer Rausch / Die Polizeiärztin Bd.2


sehr gut

Das Leben... der Frauen im Berlin der Zwanziger Jahre
Das Buch beginnt genau in dem Moment, in dem der erste Band endet. Es ist von Vorteil, den ersten Teil zu kennen, aber nicht unbedingt notwendig.
Die Reise führt ins Berlin der sogenannten goldenen zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Magda hat inzwischen ihre eigene Praxis, Celia studiert Medizin und auch im Leben von Doris ist und wird einiges geschehen.
Das Leben der Menschen ist nicht einfach in dieser Zeit. Die Nachwirkungen des Krieges sind noch sehr präsent, dazu kommen die Wirtschaftskrise und politische Instabilität. Viele Menschen sind arm und wissen kaum, wie sie überleben sollen. Frauen und Kinder trifft es besonders hart. Aber auch Frauen mit Privilegien haben es nicht wirklich leichter. Nur, weil sie Frauen sind.
Diese Fortsetzung fesselte mich genauso wie der erste Teil. Die damalige Zeit wird durch die unterschiedlichen Frauenfiguren lebendig. Und durch die unterschiedlichen Figuren wird das Leben der Frauen jener Zeit in vielen Facetten lebendig und nachfühlbar.
Das Buch verknüpft Unterhaltung mit Wissenshäppchen, die ganz nebenbei einfließen und enthält ein paar Szenen, die nicht ganz leicht verdaulich sind. Auch der Titel sagt mehr, als man im ersten Moment vielleicht vermutet...

Bewertung vom 02.10.2021
Das Haus der Düfte
Lambert, Pauline

Das Haus der Düfte


sehr gut

Frankreich 1946, Anouk zieht mit ihrer Mutter nach Paris, wo diese eine Apotheke geerbt hat. Für die Mutter steht fest, dass Anouk die Apotheke einmal übernehmen soll - doch die hat andere Pläne. Anouk ist fasziniert von Düften und Parfums. Sie hat auch das Näschen dazu, doch weder die familiären Verbindungen, die ihr zu einer Lehrstelle verhelfen könnten, noch das Geld, eine Parfumschule zu besuchen.
Dann bekommt sie von unerwarteter Seite eine Chance...

Ein Teil des Buchs begleitet Anouk auf ihrem Weg in das Grasse der Fünfziger Jahre, ein anderer Teil lässt uns weiter in die Vergangenheit reisen zu den Familien Bonnet und Girard...

Das blumige Cover gefiel mir gut, die Handlung nahm mich gleich gefangen. Es geht um Düfte, Träume und Schicksale. Ein bisschen Romeo und Julia ist auch dabei. Ich konnte mich gut in die einzelnen Figuren einfühlen, hatte gleich Bilder vor Augen.
Gefallen hat mir auch, dass die Autorin gut recherchiert hat und am Ende noch ein paar Tipps gibt, wo man das Thema Parfumherstellung vertiefen kann.

Bewertung vom 22.09.2021
Berlin Friedrichstraße: Novembersturm / Friedrichstraßensaga Bd.1
Schweikert, Ulrike

Berlin Friedrichstraße: Novembersturm / Friedrichstraßensaga Bd.1


sehr gut

Luise, Ilse, Johannes, Robert und Ella kennen sich, seit sie Kinder waren. Wir begleiten sie im Berlin der zwanziger Jahre, erfahren aber auch in Rückblenden etwas über ihre Kindheit und die Erlebnisse der beiden Männer im ersten Weltkrieg.

Die zwanziger Jahre waren eine besondere Zeit. Die Republik ist noch jung, das Leben voller Herausforderungen und Veränderungen.
Ulrike Schweikert versteht es wieder meisterhaft, Vergangenes lebendig werden zu lassen. Wie die Menschen damals lebten, was sie bewegte - politisch und kulturell - all das fließt unaufdringlich in die Handlung ein, so dass man ganz nebenbei auch noch etwas lernen kann. Einige der genannten Namen sind auch heute noch bekannt.
(Zur Vertiefung gibt es hinten im Buch eine Literaturliste.)
Da mich die Zeit sehr interessiert, habe ich ein paar der erwähnten Persönlichkeiten "gegoogelt", was die Geschichte noch lebendiger macht. Im Internet finden sich so einige Bild- und Tondokumente...

Als ich das Buch zu ende gelesen hatte, war es ein bisschen wie Abschiednehmen und ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 02.09.2021
Wo das Licht herkommt
Skorpil, Clementine

Wo das Licht herkommt


gut

Auf den ersten Blick ist das Buch sehr ansprechend. Ein schönes Blau mit edler Optik und besonderes Papier am Einband. Leider riecht es irgendwie chemisch.

Zum Inhalt:
Philippine Moosleitner soll heiraten - einen, der Tiere quält. Das will sie nicht und weil sie eh die Hosen ihrer Brüder aufzutragen gewohnt ist, schneidet sie ihre Haare ab und läuft davon.
Klug ist sie auch, das Lernen fällt ihr leichter als ihren Brüdern. Doch als Mädchen im 18.Jahrhundert hat sie schlechte Chancen auf Bildung.
Aus diesem und anderen Gründen bleibt sie ihrer Verkleidung treu. Sie erzählt uns selbst von ihrem Leben, ihrer Flucht, und der ständigen Gefahr aufzufliegen.

Die Sprache ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber gut zu lesen. Die Kapitel im ersten Teil sind mit Zitaten überschrieben.

Leider ist die Geschichte nicht chronologisch erzählt und die Zeitsprünge sind nicht immer sofort erkennbar, so dass es schwierig ist ihren Lebensweg nachzuvollziehen. Das Hin und zurück verwirrt, erschwert den Lesefluss und die Orientierung in der Handlung. Auch mit Philippine selbst wurde ich nicht so vertraut, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Das ist schade, denn das Thema des Buchs hat mich sehr angesprochen.

Auch bleiben am Ende Fragen offen, daher gebe ich nur drei Sterne.

Bewertung vom 12.08.2021
Ein Koffer voller Schönheit
Engel, Kristina

Ein Koffer voller Schönheit


sehr gut

Anne Jensen, die erste Avon-Beraterin Deutschlands. Anne ist nicht historisch verbrieft, aber Frauen wie sie hat es gegeben. Frauen, die im Krieg schlimmes erlebt haben, sich um alles alleine kümmern mussten und danach nicht damit zufrieden waren, in die zweite Reihe gedrängt zu werden und plötzlich von der Gnade und Erlaubnis ihrer Ehemänner abhängig zu sein.
Das Cover zeigt eine gepflegte junge Frau mit einem roten Koffer und im Hintergrund eine hellblaue Isetta - die Knutschkugel. Die Frau blickt über ihre Schulter zurück; die Bedeutung erschließt sich bei der Lektüre.
Das Buch wird als Liebesroman eingeordnet. Würde ich jetzt nicht dort einsortieren, auch wenn die Liebe ein Thema ist. Ein historischer Frauenroman trifft es eher.

Anne ist eine sehr sympathische Frau, ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Sie hat Schweres erlebt und eine wunderbare Schwiegermutter. Das Leben und die Rolle der Frauen in den späten Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren, sind ein wichtiges Thema des Buches. Ihr Alltag, ihre Wünsche... Die Avon-Beraterin steht für einen Typ Frau und besucht die anderen, eine gute und glaubwürdige Möglichkeit unterschiedliche Leben zu verbinden. Zumal die Firma tatsächlich in dieser Zeit gegründet wurde und diese Art des Verkaufens in Mode kam. Ich erinnere mich noch an eine Tante, die immer von ihrer Avon-Beraterin schwärmte.

Fazit: ein unterhaltsames, aber keinesfalls oberflächliches Buch, das ganz nebenbei etwas Zeitgeschichte vermittelt und das ich gerne empfehle. Ein Buch, in das man gut eintauchen kann. (Ich habe es in einem Tag und einer Nacht gelesen.)

Bewertung vom 03.06.2021
Fräulein Mozart und der Klang der Liebe / Ikonen ihrer Zeit Bd.4
Maly, Beate

Fräulein Mozart und der Klang der Liebe / Ikonen ihrer Zeit Bd.4


sehr gut

Eine talentierte Frau im Korsett ihrer Zeit

Am 30. Juli 1751 wurde Maria Anna Mozart, genannt Nannerl, in Salzburg geboren. Sie war eine begnadete Pianistin und reiste als Kind mit ihren Eltern und dem jüngeren Bruder Wolfgang Amadeus um die Welt. Doch dann...

Außer Klavier spielte sie auch virtuos die Geige, doch anders als ihr Bruder wurde sie nie in Komposition unterrichtet, denn das gehörte sich nicht für ein Mädchen.
Beate Maly erzählt im Gewand einer Liebesgeschichte vom Leben einer jungen Frau, die ein Ausnahmetalent war, ihr Potential jedoch nie so entfalten konnte, wie ihr weltberühmter Bruder Wolfgang.
Ob sich alles ganz genauso begeben hat, das weiß man nicht - denen, die mehr erfahren möchten, empfiehlt die Autorin am Ende eine Biographie, die auch ihre wichtigste Informationsquelle war. Das Buch ist eine unterhaltsame, gut lesbare Erzählung, wie es gewesen sein könnte - mit interessanten Details und vielen Informationen über das Leben und die Rolle der Frauen in jener Zeit.
Wie schon bei ihrem Buch über Maria Montessori (unter dem Namen Laura Baldini veröffentlicht) bringt uns die Autorin eine historische Persönlichkeit näher, deren Namen zwar jeder kennt, über deren Leben man aber kaum etwas weiß.
Ihr Schreibstil ist angenehm und warmherzig, ich habe das Buch mit Freude gelesen.