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Benutzername: Fritz
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Bewertungen

Bewertung vom 10.03.2018
Alpha Deus
Goede, Wolfgang Chr.

Alpha Deus


ausgezeichnet

Die Schilderung von Menschen und Typen in ihrer Art des Verhaltens ist eine der literarischen Leistungen.

Andere Arten von Menschen in den Kulturen und Ländern, in den Kontinenten - im beruflichen und geschäftlichen verhalten werden sich ähnlicher, und sind doch immer auch anders. So enthält die beschreibende Fiktion immer eine Aussage zum Jetzt in den verschiedenen Orten und Kontexten - und lässt uns mit reisen in die Zeiten, die zum Teil schon gekommen sind:

Die NATO beschäftigt 37.000 Journalist*Innen, und die Macht der Medien mag von dem Konzernen weiter wandern in Internet-Konzerne und Netze, aber auf welchen Wegen?

Während wir vor ein paar Jahren noch an ansteigendes Bewusstsein durch Bildung in allen Ländern hoffen konnten, erleben wir plötzlich einen Rückfall in dümmlich verlogene Meinungsmache in unseren reaktionären Parallel-Kulturen, die in alter Tradition hetzen: Gegen Aufklärung, Umwelt-Politik, Geflüchtete und Internationales, als gäbe es ein Zurück.

Das Buch öffnet den Geist für das Denken der Anderen: Von Wissenschaftler*Innen, Journalist*Innen, aber auch Befreiungs-Kriegern, Machtbesessenen und ... ich bin noch nicht ganz durch.

Die kolumbianische Gesellschaft im Aufbruch passt noch sehr in unsere Zeit: Ich freue mich auf diese kommenden Zukünfte ... danach.

Der magische Realismus der südamerikanischen Literatur bekommt eine manchmal bitter-süss schmeckende Antwort auf der realen Ebene des paternalistischen Systems, wie es immer noch wirksam ist, aber von den jungen Frauen mit Bewusstsein unterlaufen werden kann.

Geschäfte und Wissenschaft sind ein international heißes Thema: Nicht nur unsere Hochschulen leben von bezahlten Gutachten und Professuren, von militärischen Forschungen und gesponserten Studien.

Das alles in einem eher saloppen Ton zu bringen und in einer rasanten Erzählung zu verpacken, die von eleganten jungen auch gut trinkenden Frauen zwischen schwerbewaffneten Guerilleros und gut betuchten Salonlöwen in Großstadt und Urwald wechselt, wird der zukünftige Ton der geborenen Internationalist*Innen im schreibenden Gewerbe werden.

Beinahe nebenbei werden die Widersprüche der kolumbianischen Gesellschaft vom irrsinnigen Landraub bis zur eigenen zivilgesellschaftlichen Verantwortung der Freiheitskämpfer anschaulich, die ihre jeweilige Rolle in der zukünftigen Gesellschaft klären müssen.

Bewusstsein oder Kokain, der verlogene "Krieg gegen Terror / Rauschgift / Kommunismus" der jeweiligen Zeiten, mit latino-weiblicher Raffinesse saust die Erzählung durch die europäische und koloniale Geschichte, durch die Länder und ihre aktuellen Verkäufe, ihre zukünftige Beherrschung.

Das geht in einem lateinamerikanischen Land natürlich nicht ohne die magische Rolle der Kirche, der Religion als koloniale und patriarchale, aber auch emanzipatorischen und stärkende Macht, in allen Varianten der volkstümlichen Reste und Rituale.

Die Chancen der Investoren, zweistellige Renditen zu kassieren, lassen US-Amerikaner und Chinesen mit diversen Konzernen und der Porno-Mafia konkurrieren, bis es in der Welt-Öffentlichkeit immer brenzliger wird: Computer-Nerds können klären, wie der Treibhaus-Effekt bis zu Erdbeben und Vulkan-Ausbrüchen wirkt, aber ob das in den ganzen aufgerissenen Problematiken wirkt?

Ein Sience-Thriller soll ja auch nicht aufgelöst werden, aber das letzte Kapitel heißt REARRANQUE - Neustart, dann folgen Personenregister und ein anschaulicher Dank, der das Entstehen schildert. Danke!