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Natalie

Bewertungen

Insgesamt 106 Bewertungen
Bewertung vom 10.05.2022
Die Kinder sind Könige
Vigan, Delphine de

Die Kinder sind Könige


sehr gut

Mélanie hat immer davon geträumt berühmt zu sein, seit die ersten Menschen durch Reality-Shows über Nacht zu Stars wurden. Heute ist sie eine bekannte Youtuberin und Millionen von Menschen sehen ihre Videos. Videos, in denen ihre beiden Kinder Kimmy und Sammy die Hauptrollen spielen. Dann verschwindet Kimmy plötzlich und die Polizeibeamtin Clara ist Teil des Ermittlungsteams.

Eigentlich ist es traurig, dass es dieses Buch gibt. Dass es Eltern gibt, die Videos von ihren Kindern ins Internet stellen, sie vermarkten, sie bloßstellen ohne groß an ihre Kinder oder deren Zukunft zu denken. Der Schreibstil der Autorin ist sehr packend, an manchen Stellen etwas anspruchsvoller, mit längeren verschachtelten Sätzen, aber immer gut verständlich.

Die Entführung von Kimmy ist zwar der große Auslöser, spielt aber im Buch eher eine Nebenrolle. Es geht mehr um das Konzept der Familieninfluencer, in denen Eltern zusammen mit ihren Kindern Videos drehen und das Familienleben auf Youtube und anderen sozialen Kanälen vermarktet wird.

Es ist schon erschreckend wie sorglos Eltern, wie Mélanie in der Geschichte, mit der Privatsphäre ihrer Kinder umgehen. Es wird immer wieder angedeutet, dass Kimmy ab einem gewissen Alter keine Lust mehr hat, gefilmt zu werden und nicht für die Kamera eine Rolle spielen möchte, Mélanie sie aber weiter dazu zwingt. Wenn man sich näher mit dem Thema beschäftigt, erhält man zwar keine neuen Informationen, aber ich finde dieses Buch dennoch wichtig, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken.

Im letzten Teil des Buches wird ein kleiner Blick in die Zukunft geworfen und gezeigt, welche langfristigen Folgen es für Kimmy und Sammy hat, schon in jungen Jahren einem Millionenpublikum vorgeführt worden zu sein. Ich finde, jeder Influencer, der seine Kinder vor die Kamera zerrt, sollte dieses Buch lesen. Vielleicht verstehen sie dann besser, was sie ihren Kindern antun.

Der einzige negative Punkt ist, dass die Sicht von Kimmy und Sammy zu kurz kommt. Größtenteils wird aus Mélanies und Claras Sicht erzählt und man erfährt ihre Gedanken und Gefühle. Man hätte den Kindern hier mehr Raum geben sollen.

Bewertung vom 04.05.2022
Schallplattensommer
Bronsky, Alina

Schallplattensommer


weniger gut

Maserati hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, sie ist im näheren Umkreis ihres Dorfes auch das einzige Mädchen. Blicke ist sie daher gewohnt. Dann zieht in die verfallene Villa eine neue Familie mit zwei Jungen ein, die Maserati neugierige Fragen stellen. Es beginnt ein Sommer voller Geheimnisse und einer besonderen Schallplatte mit Maseratis Gesicht darauf.

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was ich von diesem Buch erwartet habe. Vielleicht eine sommerliche Geschichte mit interessanten Charakteren und einem spannendem Geheimnis. Vor allem wollte ich auch mal ein Buch der Autorin lesen, von der man so viel hört. Bekommen habe ich eine Geschichte, die irgendwie hohl wirkt.

Das Buch ist recht kurz, daher wird die Handlung schnell voran getrieben, nur … es gibt keine wirkliche Handlung. Theo und Caspar kommen in das Dorf und Maserati verbringt Zeit mal mit dem einem, mal mit dem anderem, mal mit beiden. Dabei werden nebenher Geheimnisse der Charaktere gelüftet, aber alles bleibt ohne Substanz.

Der Schreibstil ist locker und prägnant, man kommt gut durch die Seiten, doch Gefühle weckt er nicht. Die Protagonisten bleiben einem fremd, ich kann nicht mit ihnen mitfühlen. Sie sind nicht einmal unsympathisch, sondern einfach nichtssagend. Dadurch erzeugen auch die Beziehungen der Personen untereinander keine Emotionen.

In der kurzen Zeit werden relativ viele Themen aufgegriffen, kurz eingeworfen und dann wieder fallen gelassen. Mit dem psychischen Problem eines Charakters wurde, wie ich finde, sehr unsensibel umgegangen. Nein, das war nichts. Die Geschichte war merkwürdig, fühlte sich leer und unnahbar an. Zwei Sterne für den Schreibstil und durch die Kürze habe ich mich zumindest nicht allzu sehr geärgert.

Bewertung vom 07.04.2022
A Song of Wraiths and Ruin. Die Spiele von Solstasia
Brown, Roseanne A.

A Song of Wraiths and Ruin. Die Spiele von Solstasia


gut

Solstasia ist das größte Fest im Königreich Sonande. Sieben Champions kämpfen um den Sieg und um den Preis, den die Sultanin in Aussicht stellt. Die junge Königin Karina verfolgt ihr eigenes Ziel bei Solstasia. Sie benötigt das Herz eines Königs, um ihre Mutter zu retten. Aus seiner Heimta vertrieben, kommt Malik mit seinen zwei Schwestern nach Ziran. Ihre Freude auf das Fest wird durch Nadias Entführung gebrochen. Um seine kleine Schwester zu retten, muss er Karina töten.

Ich mag die Atmosphäre des Buches. Das Magische, das gleich von der ersten Seite an zu spüren ist, das Neuartige, das durch den westafrikanischen Einfluss eingebaut wird und die authentischen Charaktere, die vom Stereotyp abweichen, die ihre Schwächen haben und auch mal nicht perfekt sein müssen.

Das Grundgerüst war also vielversprechend. Wenn man aber genauer hinschaut, hat die Geschichte einige Schwächen. Durch den westafrikanischen Bezug wurden viele Begriffe aus dieser Kultur verwendet, die nirgends näher erklärt werden. Ein Glossar wäre so hilfreich gewesen, nie habe ich mir ein Glossar mehr gewünscht, als bei diesem Buch. Auch bei anderen Dingen, wie den magischen Tieren, spart die Autorin etwas an Beschreibungen, sodass man nie ein klares Bild vor Augen hat.

Die einzelnen Aufgaben von Solstasia nehmen nur einen kleinen Teil der Handlung ein. Die Szenen sind kurz und schnell abgehandelt, die Aufgaben keine großen Herausforderungen. Da habe ich mir mehr erhofft. Das Fest an sich wird zwar auch beschrieben, aber obwohl es eine Woche lang geht, sind es nur wenige Ausschnitte. Es geht mehr um Malik und Karina, wie sie versuchen ihr Ziel zu erreichen, sich dabei kennenlernen. Daneben gibt es Intrigen am Königshof von Ziran und einen rachsüchtigen Geist. Das hört sich nach einer guten Mischung an, doch die Spannung war größtenteils nicht da. Meistens schreitet die Geschichte sehr gemächlich dahin und man erfährt viel über das Innenleben von Malik und Karina.

Und während der ganzen Zeit blieb mir die Geschichte und blieben mir die Charaktere fern. Ich konnte nicht mitfühlen und nicht mitfiebern. Dabei wollte ich das Buch wirklich mögen. Mir gefielen die Mythen, Legenden und Geschichten über Bahia und Hyäne, die Wirklichkeit wurden, aber es konnte mich nicht mitreißen.

In den letzten Kapiteln nimmt es Fahrt auf und es wird dann doch noch sehr spannend. Das Ende hat mich neugierig gemacht, daher werde ich den zweiten Band wohl lesen.

Bewertung vom 01.04.2022
Eine Frage der Chemie
Garmus, Bonnie

Eine Frage der Chemie


ausgezeichnet

Elizabeth Zott ist Chemikerin. Aber 1961 wird Frauen nicht zugetraut, dass sie Wissenschaftlerinnen sein können. Und so muss sich auch Elizabeth vielen Widrigkeiten und Anfeindungen entgegen stellen. Letztendliche wird sie aus der Wissenschaft gedrängt und sie landet bei der Koch-Show „Essen um sechs“. Für Elizabeth ist aber auch Kochen Chemie.

Die Autorin kann wirklich sehr gut auf emotionaler Ebene schreiben. Vieles, was Elizabeth widerfährt und gegen das sie ankämpfen muss, macht einen wütend. Allen voran das engstirnige Denken der Menschen zu dieser Zeit. Und dann macht es einen noch wütender, wenn man daran denkt, dass es heutzutage oft immer noch so ist.

Elizabeth ist keine typische Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt. Sie hat definitiv ihre Ecken und Kanten, aber auf jeden Fall hat sie Charakter. Sie will die Welt, wie sie ist, nicht akzeptieren, vor allem die Rolle, die ihr darin zugeteilt wird. Sie spricht aus, was sie denkt, lässt sich nicht verbiegen und verstellt sich für niemanden. Sie ist eine sehr starke Person.

Die Zeit bei der Koch-Show „Essen um sechs“ wird erst später im Buch aufgegriffen. Zuerst begleitet man Elizabeth bei ihrem Job als Chemikerin und wie sie Calvin Evans kennen lernt. Man versteht schon, warum sich die beiden ineinander verlieben, aber genau in diesem Punkt konnte die Autorin für mich die Gefühle nicht so gut übermitteln. Die Liebesbeziehung blieb für mich immer etwas entfernt.

Es gibt einige tolle Nebencharaktere, die man schnell liebgewinnt und die Elizabeth auf ihrem Weg begleiten und ihr helfen, auch wenn sie anfangs Zweifel ihr gegenüber haben.

Der einzige große negative Punkt am Buch sind für mich die plötzlichen Perspektivwechsel, die häufiger vorkommen und manchmal auch mit Zeitsprüngen einhergehen. Das fand ich hin und wieder störend. Ansonsten ist es eine spannende Geschichte über eine interessante Frau, die zwar hinfällt, aber immer wieder aufsteht.

Bewertung vom 24.03.2022
Legend Academy: Fluchbrecher (Folge 1)

Legend Academy: Fluchbrecher (Folge 1)


gut

Graylee ist aufgrund ihrer Streiche schon öfter mit der Polizei in Berührung gekommen. Dann ist es einmal zu viel und ihre Eltern entscheiden sich, sie auf ein Internat zu schicken. Bald erkennt Graylee, dass es sich um kein normales Internat handelt. Sprechende Kolibris und die Schüler sind Nachfahren mythischer Wesen. Auch Graylee trägt ein mythisches Erbe in sich. Zusätzlich wird die Schule von einem alten Fluch heimgesucht.

Ich mochte die Atmosphäre des Buches. Das Internat in einer sommerlichen Zeit, die sprechenden Kolibris, die Witz und Magie bringen. Es ist eine Mischung aus ‚Harry Potter‘ und ‚Percy Jackson‘, leider mit vielen Stereotypen. Hudson, der grüblerische Schönling, auf den die Mädchen stehen. Vivian, das zickige Biest, das Graylee nichts gönnt und ihr das Leben schwer macht. Willow, die schüchterne Freundin. Und natürlich Graylee selbst, die Neue, die etwas Besonderes ist, da ihr mythisches Erbe nicht eindeutig zuordenbar ist.

Man merkt sehr deutlich, dass sich um einen ersten Band handelt, der vor allem dazu dient, in die Welt einzuführen und die Charaktere vorzustellen. Es gibt zwar Action-Szenen, aber die Spannung hält sich in Grenzen. Es werden immer wieder sehr ruhige Situationen eingestreut, die sich manchmal in die Länge ziehen. Über die Mythen im Allgemeinen erhält man viele Informationen, aber im Speziellen bleiben viele Fragen offen: was es mit Graylees Legenden-Erbe auf sich hat oder was genau mit den Schülern passiert ist, die nach kurzem Verschwinden verändert zurückkommen.

Ich fand das Verhalten der Lehrer auch ganz merkwürdig. Schüler verschwinden, kommen zurück und sind augenscheinlich nicht sie selbst, die ganze Zeit versucht jemand Graylee umzubringen und die Lehrer stehen daneben und machen nichts.

Die Liebesgeschichte ist typisch kitschig für einen Jugendroman und nicht wirklich überzeugend. Die Ereignisse der Geschichte spielen sich innerhalb einer Woche ab und die meiste Zeit sollte man meinen, dass Graylee andere Sorgen hat, als einen Typen anzuschmachten.

Mit der Sprecherin des Hörbuches musste ich erst warm werden und ich glaube, die Sprecherin mit der Geschichte. Die verschiedenen Stimmlagen für die Charaktere hörten sich anfangs noch hölzern an, mit der Zeit wurde es besser und sie gefiel mir dann sehr gut.

Bewertung vom 22.03.2022
Papier & Blut / Die Chronik des Siegelmagiers Bd.2
Hearne, Kevin

Papier & Blut / Die Chronik des Siegelmagiers Bd.2


gut

Der Siegelmagier und stolzer Schotte Al MacBharrais bestreitet sein nächstes großes Abenteuer. Die in Australien stationierte Siegelmagierin ist verschwunden. Ihre Schülerin bittet Al um Hilfe. Zusammen mit seinem Hobgoblin Buck Foi macht er sich auf den Weg nach Down Under. Bald schon treffen sie auf die ersten Gefahren und Leichen. Zum Glück steht ihnen der Eiserne Druide zur Seite.

Auch im zweiten Band der Reihe baut der Autor wieder den derben Humor ein, den man vor allem von Buck Foi kennt. Anfangs ist es dadurch ein bisschen, wie nach Hause kommen. Lieder konnte mich die Geschichte im Verlauf nicht so überzeugen wie der erste Teil.

Neben dem Humor und der Action kommt es im Mittelteil zu Gesprächen zwischen den Charakteren, die gesellschaftskritische Themen ansprechen und Dialoge, die ins philosophische gehen. Der Autor hat sich damit bestimmt etwas gedacht, aber es passte in den Momenten überhaupt nicht ins Geschehen und hat mich total rausgebracht.

Australien als Setting fand ich toll und eine Abwechslung zum ersten Teil. Nach den ersten Kapiteln spielt sich alles im australischen Busch ab, was nach einiger Zeit doch eintönig ist. Die Charaktere wandern zwar auf ihrer Mission mehrere Kilometer durch das Outback, aber es gibt keine wirklichen Ortswechsel, wodurch auch keine große Dynamik entsteht.

Die Action war für mich teilweise ein Schwachpunkt. Al und seine Begleiter begegnen auf ihrem Weg diversen mörderischen Monstern, die von ihnen aber mit Hilfe von Siegeln und eisernen Waffen fast mühelos aus dem Weg geräumt werden. Man bekommt an keinem Punkt das Gefühl, die Charaktere wären wirklich in Gefahr. Im ersten Band hat es mich noch nicht so stark gestört, dass die Siegel sehr mächtig sind und keinen wirklichen Gesetzmäßigkeiten folgen. Diesmal werden etwas besser die Grenzen der Magie aufgezeigt, dennoch lassen sich mit den Siegeln fast alle Probleme beseitigen. Den Rest erledigt die Magie des Eisernen Druiden.

Mir hat das Buch schon Spaß gemacht, es lässt sich schnell lesen und vor allem die Zwischenspiele, in denen Geschichten erzählt werden, die nicht direkt mit dem aktuellen Geschehen zusammenhängen, haben mir gefallen. Trotzdem gab es ein paar größere Kritikpunkte.

Bewertung vom 16.03.2022
Das Fundbüro Der Verlorenen Träume

Das Fundbüro Der Verlorenen Träume


gut

Dot arbeitet bei einem Londoner Fundbüro. Dabei hatte sie andere Pläne für ihr Leben. Sprachen studieren und Dolmetscherin werden, sie lebte sogar in Paris. Aber ein schwerer Verlust verändert ihr Leben und jetzt hilft sie anderen Menschen, verlorene Dinge wieder zu finden. Bis Mr Appleby im Fundbüro erscheint und seine Tasche sucht. Dots Leben verändert sich ein weiteres Mal.

Dot ist eine melancholische, fast schwermütige Person. Man merkt sofort, dass in ihrem Leben etwas schreckliches passiert ist und als Leser muss man auch nicht lange darauf warten, bis das Geheimnis gelüftet wird. Es hat mich bis zum Ende aber irritiert, dass ich Dots Alter nicht wirklich einschätzen konnte. Manchmal wirkt sie wie eine alte Frau, die viel im Leben gesehen hat, manchmal wie ein verlorenes kleines Mädchen.
Von den Nebencharakteren haben mir vor allem Dots Kolleginnen im Fundbüro gefallen, die immer etwas Humor reingebracht haben.

Das Buch ist definitiv eine Geschichte der leisen Töne. Es geht viel um Dots Leben, ihre Gefühlswelt, ihre Arbeit im Fundbüro, hin und wieder gibt es Rückblicke in ihre Vergangenheit. Die Autorin spielt viel mit Beschreibungen und in einem Fundbüro gibt es sehr viel, das beschrieben werden kann. Ab der Hälfte des Buches wird es dadurch anstrengend und zäh. Der Erzählstil ist sehr ausschweifend und gleichzeitig mangelt es an einem Spannungsbogen. Die Suche nach Mr Applebys Tasche ist nur ein sehr kleiner Teil der Geschichte, da hatte ich mehr erwartet, aber das liegt leider am irreführenden Klappentext.

Der Geschichte fehlt es an einer Handlung, die wohin führt. Es ist eine Aneinanderreihung von Situationen aus dem Leben einer Person, die einiges mitmachen musste, aber es fehlt leider an Spannung. Durch die ernsten Themen Verlust, Trauer und Suizid ist es auch kein Feel-Good-Roman. Für mich ist das Buch schwer einzuordnen.

Die Sprecherin des Hörbuchs reißt hier einiges heraus. Durch die verschiedenen Stimmlagen für die Charaktere haucht sie der Geschichte leben ein und sie hat generell eine gute Betonung und Sprechmelodie, die zu Dot passt.

Wenn ich es als Buch gelesen hätte, weiß ich nicht, ob ich durchgehalten hätte. Es gab gute Stellen, aber auch viele langweilige. Vor allem im Mittelteil muss man sich etwas durchkämpfen.

Bewertung vom 07.03.2022
Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe
Hazelwood, Ali

Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe


weniger gut

Olive glaubt an wissenschaftliche Erkenntnisse und nicht an die wankelmütige Liebe. Doch dann gerät sie durch ihre Freundin Anh in die prekäre Lage, den erstbesten Mann zu küssen, der ihr über den Weg läuft. Und das ist ausgerechnet Adam Carlsen, Stanfords unausstehlichster Professor. Bald bangt Olive nicht nur um ihre Karriere als Doktorandin, sondern auch um ihre Gefühle.

Das wissenschaftliche Setting an einer Universität und die kleinen Einblicke in die Forschungsarbeit und was es einem alles abverlangen kann, dabei zu bleiben, haben mir gut gefallen. Es war mal etwas anderes für eine Liebesgeschichte. Das Buch an sich lässt sich auch schnell lesen. Der Schreibstil ist locker und humorvoll.

Der Verlauf hat mich – vor allem nach den ganzen positiven Meinungen – nicht überzeugen können. Die Autorin bringt immer wieder augenzwinkernd RomCom-Vergleiche ein und genau das ist diese Geschichte. Eine RomCom in Buchform mit eher unglaubwürdigem Verlauf, den obligatorischen Missverständnissen und natürlich dem unwiderstehlich gutaussehenden männlichen Part. Ich versteh das bei Liebesromanen nie. Schafft man es nicht einen Protagonisten zu erschaffen, der auch mal mit seinem Charakter punkten kann? Kann sich die Protagonistin nur in ihn verlieben, wenn er absolut perfekt aussieht und groß ist? (Ja, verstanden, Adam Carlsen ist groß. Das wichtigste bei einem Mann.)

Ich finde es schön, dass hier Diversität angesprochen wird und das wichtige Thema Frauen in STEM, aber der plumpe Plot macht es zunichte. Und es ist so vorhersehbar. Nicht nur die Liebesgeschichte an sich, das war mir klar, auch die Plottwists waren sehr offensichtlich. Es gibt deutlich kitschigere Liebesromane, aber auch hier bleibt das Schmachten der weiblichen Protagonistin nicht aus. Die Chemie zwischen Adam und Olive ist okay. Es kommt gut rüber, dass sie beide für die Wissenschaft brennen, aber darüber hinaus, haben sie kaum etwas, das sie verbindet.

An sich ist es eine nette Geschichte, die Spaß macht, aber durch das Marketing habe ich mehr erwartet. Außer dem Setting fand ich das Buch nicht besonders originell.

Bewertung vom 23.02.2022
Butter
Yuzuki, Asako

Butter


weniger gut

Rika ist eine junge Journalistin in Tokio, die die einmalige Gelegenheit bekommt, Manako Kajii zu interviewen. Kajii soll drei Männer mit ihren Kochkünsten verführt und anschließend ermordet haben. Regelmäßig besucht Rika Kajii im Gefängnis und lernt durch sie die Genusswelt des Essens kennen.

Das Buch spricht auf jeden Fall gesellschaftskritische Themen an. Frauen in Japan müssen noch immer bestimmten Normen entsprechen, die durch das Patriarch geprägt sind. Das Aussehen von Frauen spielt eine große Rolle. Rika nimmt im Lauf des Buches an Gewicht zu und ihr Umfeld reagiert nicht immer positiv darauf.

Daneben nimmt Essen – und die namensgebende Butter – einen großen Einfluss auf die Geschichte. Es gibt viele Beschreibungen wie Essen zubereitet und verzehrt wird und wie der Geschmack ist. Das war mir an vielen Stellen zu viel, da es nicht viel für die Geschichte beigetragen hat.

Allgemein gab es keinen Spannungsbogen oder Höhepunkte. Die Morde um Manako Kajii sind nur ein Aufhänger für die Ausgangssituation und für den Verlauf nicht mehr relevant. Es gibt viel Dialog, der oft zu sehr ausgereizt wird, um noch interessant zu sein. Ich konnte auch keine Sympathien für Charaktere aufbauen. Kajii war unsympathisch und überheblich. Rika versucht zwar immer mehr sich nicht von den gesellschaftlichen Normen etwas vorschreiben zu lassen, aber sie konnte mich dennoch nicht erreichen.

Es werden interessante und wichtige Themen angesprochen, aber ich habe mich größtenteils durchgekämpft. Es fehlte mir an Spannung und sympathischen Charakteren.

Bewertung vom 17.02.2022
Thirteen / Eddie Flynn Bd.4
Cavanagh, Steve

Thirteen / Eddie Flynn Bd.4


sehr gut

Eddie Flynn ist Strafverteidiger in einem der größten Verfahren in Amerikas Geschichte. Er vertritt den aufstrebenden Schauspieler Bobby Solomon, der seine Frau und seinen Bodyguard ermordet haben soll. Er ist aber Opfer eines perfiden Serienkillers. Und der sitzt in der Jury.

Der Ansatz, dass man den Mörder von Anfang an kennt, ist interessant und ich war anfangs skeptisch, aber es tat der Spannung keinen Abbruch. Die Geschichte wird abwechselnd aus Eddies Sicht und aus Sicht des Mörders Kane erzählt.

Man bekommt so einen guten Einblick in Kanes Arbeiten. Was er sich alles einfallen lässt, um am Ende wirklich als Geschworener ausgewählt zu werden und sein Opfer auch wirklich verurteilt wird. Aus Eddies Sicht bekommt man mit, wie ein solcher Fall vorbereitet wird und wie der Gerichtsprozess abläuft. Da der Autor selbst lange als Anwalt gearbeitet hat, werden diese Szenen sehr authentisch dargestellt.

Dieser Wechsel der Sichten treibt die Spannung stark voran und man möchte immer weiterlesen, um zu erfahren, wer die Oberhand behält und mit welchen Tricks die beiden Seiten noch aufwarten können.

Das Buch ist wirklich gut geschrieben, aber eine Bindung zu den Charakteren konnte ich nicht aufbauen. Vielleicht liegt es daran, dass es schon mehrere Eddie-Flynn-Fälle gibt und man ihn in den anderen Büchern besser kennenlernt. Es gibt zwar kleinere Szenen, die Bezug auf Eddies Vergangenheit nehmen, aber das schafft kein ganzes Bild. Für den Fall ist es nicht relevant, der ist in sich abgeschlossen.

Der zweite negative Punkt ist das Ende, das sehr rasant ist und dabei etwas zu viel des Guten. Da wollte der Autor zu viel einbauen, um es besonders dramatisch zu gestalten. Die finale Auflösung war gut, es hätte mehr ins Detail gehen können, aber der Autor hatte es geschafft, den Leser in einem Punkt etwas an der Nase herumzuführen.

Ein spannender Pageturner, den man schwer aus der Hand legen kann.