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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: chatita
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Bewertungen

Insgesamt 24 Bewertungen
Bewertung vom 27.08.2021
Thirteen
Cavanagh, Steve

Thirteen


ausgezeichnet

Bereits beim Lesen des Textes auf dem Rückumschlag war mir klar, das ist eine geniale Geschichte für einen hervorragenden Thriller: "Bobbys Schuldspruch ist Teil eines perfiden Plans. Um ihn zu erreichen, hat sich ein eiskalter Serienkiller unter die Geschworenen gemischt…" .
Bobby Solomon, ein beliebter prominenter Schauspieler, wird des Mordes an seiner Ehefrau, ebenfalls eine berühmte Hollywood-Schauspielerin und seinem Leibwächter angeklagt. Ein Mord aus Eifersucht? Er schwört unschuldig zu sein, aber die Beweise gegen ihn sind erdrückend. Überall finden sich seine Fingerabdrücke und DNA und es tauchen immer wieder neue Details auf, die seine Schuld bestärken. Dieser Prozess erfährt kraft seines Prominentenstatus ein hohes Publikumsinteresse; die Verteidigung übernimmt der Anwalt Eddie Flynn, der für seine bizarre Prozessführung bekannt ist und das obwohl er nicht hunderprozentig von der Unschuld seines Mandanten überzeugt ist. Das ändert sich hingegen im Laufe des Prozesses, zumal immer wieder Widersprüche auftreten und infolge von befremdlichen Zwischenfällen auf der Geschworenenbank sich verstärkt Unruhe ausbreitet. Seine Aufgabe, die vorliegenden Beweise gegen Bobby hohnzusprechen, meistert er hochintelligent und als ehemaliger Hochstapler nicht immer gesetzesgerecht.
Die Geschichte ist jeweils aus der Ich-Perspektive des Verteidigers Flynn und der des Mörders geschrieben. Ein geschicktes Vorgehen des Autors, da der Leser ergo in die Rolle des Mörders mit seinen perfiden Absichten und die des Verteidigers mit seinen brillanten Schachzüge schlüpft.
Wie ich feststellen konnte, handelt es sich hierbei um den vierten Roman einer Buchreihe mit dem Protagonisten Eddie Flynn. Ich hatte aber überhaupt keine Schwierigkeiten ohne vorheriges Wissen der Story zu folgen. Der Schreibstil sagt mir zu; der Nervenkitzel ist für das Genre eines Thrillers hoch. Das ist vor allem auf die faszinierenden Charaktere der beiden Figuren zurückzuführen. Dem Serienkiller Kane, einen manipulativen Soziopathen, kalt, gefühllos und ohne jegliche Skrupel, bereit, seinen Plan bis zum bitteren Ende zu vollenden und dem Verteidiger Flynn, ein hochintelligenter und empathischer Hochstapler, taktisch handelnd und mit einem scharfsinnigen Verstand, mit dem glimmenden Hoffnungsfunken, durch die Annahme und erfolgreichen Abschluss dieses Gerichtsverfahrens wieder die Kontrolle über sein privates Leben übernehmen zu können.
Sehr zu empfehlen für alle Leser die einen aufwühlenden Thriller lieben.

Bewertung vom 13.07.2021
Und dann war es Liebe
Brown, Lorraine

Und dann war es Liebe


gut

Hannah, die Hauptprotagonistin, hat mit ihrem Freund Simon ein paar Tage in Venedig verbracht und danach fahren sie mit dem Zug zur Hochzeit seiner Schwester nach Amsterdam. Im Abteil ist es laut und voll, um etwas zu schlafen, wechselt sie das Abteil. Leider werden die Waggons geteilt und Hannah von Simon getrennt ; sie findet sich in Paris wieder. Hier lernt sie Leo kennen, einen Franzosen, der ihr die Wartezeit bis zur Weiterfahrt versüßt, indem er ihr die schönsten Ecken seiner Stadt Paris zeigt.
Mit dem Charakter der Hauptfigur konnte ich mich bis zum Schluss nicht anfreunden. Sieht alles rosa oder schwarz, alles ist ihr zu viel. Für ihre Probleme macht sie immer jemand anders verantwortlich ; verlässt sich auf andere, wirkt somit sehr abhängig und schutzbedürftig, obwohl sie es gar nicht sein will, meiner Meinung nach die typische Opferrolle.
Ein absoluter Frauenroman. Leider konnte es mich gar nicht begeistern. Man wußte bereits nach dem ersten Kapitel wie es enden würde. Die Dialoge zwischen den Figuren sind sehr einfach geführt. Positiv empfand ich die bildhafte Beschreibung der ihr von Leo gezeigten Ecken von Paris.
Der Schreibstil ist leicht und lebendig, somit gut zu lesen. Eine nette, leichte Lektüre für den Reisekoffer oder nach einer stressigen Arbeitswoche.

Bewertung vom 20.04.2021
Der Morgen davor und das Leben danach
Napolitano, Ann

Der Morgen davor und das Leben danach


sehr gut

Ann Napolitano “Der Morgen davor und das Leben danach”
In diesem Roman beschreibt die Autorin welche Folgen der Verlust der gesamten Familie für das seelische Gleichgewicht eines Kindes haben kann. In diesem Fall für den zwölfjährigen Edward nach dem Verlust seiner geliebten Eltern und seines Bruders durch einen Flugzeugabsturz. Er ist der einzige Überlebende.
Beim Lesen des Vorgehens seitens der gierenden Presse, die nach Schlagzeilen für die Illustrierten keine Rücksicht auf die psychische Verfassung dieses Kindes nimmt und der Menschen, die in dem einzigen Überlebenden einen Heiland sehen wollen, um ihn als Allheilmittel für ihren eigenen Schmerz zu gebrauchen, kommt sogar schon mal ein bisschen Wut auf. Berührend dargestellt ist wie sein ihn adoptierender Onkel John alles versucht, um Edward vor dieser Außenwelt zu beschützen. Auch was dieses Unglück und die Aufnahme von Edward in ihrem Haus für John und seine Ehe bedeuten, wird sehr glaubhaft beschrieben. Johns Frau Lacey ist die Schwester von Edwards verunglückenden Mutter Jane; sie besitzt eine kaum wahrnehmbare Ähnlichkeit mit ihr und der in Trauer erstarrte Edward ist für die von ihr dargebotenen Liebe unzugänglich.
Die einzige Person, die ihm bis zur halbwegs erreichten Genesung zu einer stützenden Säule wird, ist Shay, das Mädchen aus dem Nachbarhaus des neuen Zuhauses. Shay durchlebt gerade eine Zeitspanne der "Ich-Hasse-Alles und Mich-Auch". In seinem Kummer erkennt Edward in ihr eine verwandte Seele und gemeinsam bauen sie langsam ihre zerbrochene Welt wieder auf.
Die Autorin teilt die Handlung und die Lebensgeschichte der Romanfiguren kapitelweise abwechselnd in vor und nach dem Unglück ein, also im Sinne des Titels "der Morgen davor - und das Leben danach". In diesen "Davor-Kapiteln", also vor dem Absturz, hat die Autorin auch die Gedanken und den Lebenslauf einiger anderer Passagiere während des Fluges festgehalten. Diese sind aber für mich zu undefiniert und nicht profund genug dargebracht, sodass ich keine Beziehung zu diesen Personen aufbauen konnte.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und somit gut und durchgehend zu lesen. Ein Buch, das aufzeigt, dass das Leben keine Pläne zulässt und das Schicksal nicht vorhersehbar ist. Ein berührendes Buch.

Bewertung vom 04.03.2021
Denn Familie sind wir trotzdem
Duken, Heike

Denn Familie sind wir trotzdem


sehr gut

In jeder Familie gibt es wohl Geheimnisse und auch mal dunkle Schatten. Kinder interessieren sich nur für die bunten, lustigen Erzählungen. Erst später, als Erwachsene, beginnen wir uns an Personen und Aussagen zu erinnern und möchten mehr darüber erfahren und vorhandene Lücken füllen, vor allem wenn wir erkennen, dass Familienangehörige enorm gegen unsere Werte verstoßen haben und diese sich dann möglicherweise auf unser heutiges Leben auswirken. So ist es der Autorin in dieser Drei-Generationen-Geschichte der Familie Fux ergangen. Sie findet heraus, dass ihr Vater, hier als Paul geführt, im Zweiten Weltkrieg bei der Waffen-SS war. Im Laufe ihrer Recherche zu diesem Buch findet sie Dokumente über seine freiwillige NS-Mitgliedschaft und wie stolz er darauf war.
Er wächst zusammen mit seinem jüngeren Bruder Gerd bei einem strengen, gewalttätigen Onkel auf der sie beide zu Recht und Ordnung züchtigend erzieht und dem Nationalsozialismus zuführt. Paul verfällt dieser Ideologie, sein Bruder Gerd dagegen ist ein einfühlsamer Charakter, der das Leben liebt und künstlerisch sehr begabt ist. Aber auch dieser wird noch zum Ende des Krieges eingezogen und erschossen. Dieser Onkel war Kinderarzt und während des Krieges an der Ermordung von Kindern beteiligt.
Paul überlebt den Krieg. Er muss mit dem Scheitern des Nationalsozialismus fertig werden. Er beginnt zu verstehen, wie geblendet er war, bereut vieles und gibt sich die Schuld an Gerds Tod. Er heiratet und bekommt eine Tochter, Ina. Diese macht ihren freiwilligen Dienst in einem Kibbuz und verliebt sich in einen Israeli. Sie wird von ihm schwanger und freut sich sehr, ihm diese Neuigkeit mitzuteilen. Er kommt aber nicht zum verabredeten Treffen. Dafür ist seine gesamte Familie da und sie machen ihr deutlich, dass sie gegen diese Beziehung sind. raten Ina, das Kind abzutreiben und dem werdenden Vater nichts zu sagen. Ina fährt zurück nach Deutschland und zieht ihr Kind Floh unter großen finanziellen Schwierigkeiten groß.
Sie nimmt nie wieder Kontakt zum Vater des Kindes auf. Floh ist ein sehr ungewöhnliches Kind und versucht auf eigenerweise diese "ohne Vaterrolle" zu bewältigen. Dieses gelingt ihr, indem sie ihre Gedanken und Wut ihrem Tagebuch anvertraut, und zwar in Form von Briefen an diesen nicht greifbaren Vater schreibt. Sie ist zornig auf die ganze Situation, und als sie auch noch schwanger wird, beginnt sie in der Vergangenheit zu recherchieren.
Der Autorin gelingt es aufzuzeigen, dass wir nicht für die Gräueltaten unserer Vorfahren die Schuld tragen, aber wir uns trotzdem damit auseinandersetzen sollten, wie der sehr passende Titel "Denn eine Familie sind wir trotzdem" anzeigt. Ein Buch, das dazu bewegt, sich mit der eigenen Familiengeschichte zu beschäftigen.

Bewertung vom 12.01.2021
Ein Fluch so ewig und kalt / Emberfall Bd.1
Kemmerer, Brigid

Ein Fluch so ewig und kalt / Emberfall Bd.1


sehr gut

Es spielt in zwei verschiedenen Welten, einer Welt der Fantasy und einer Welt der Realität. PRINZ RHEN ist der Kronprinz von Emberfall und von einer mächtigen Zauberin mit einem Fluch belegt, der ihn sein 18. Lebensjahr immer wieder durchleben lässt und ihn jeden Herbst in ein Ungeheuer verwandelt, der alles um ihn herum zerstört. Dieser Fluch kann nur gebrochen werden, wenn sich ein Mädchen aufrichtig in ihn verliebt.
Mit HARPER, dem Mädchen aus Washington D. C. keimt neue Hoffnung auf, da sie anders zu sein scheint als alle anderen davor. Sie ist mutig, kämpferisch und willensstark. Alles Eigenschaften, die vielleicht aufgrund ihrer Erkrankung erwuchsen, einer Zerebralparese.
Rhen zeigt immer wieder mal berechenbare und kalte Züge, sodass Harpers zeitweise auftretende Verliebtheitsgefühle im Keim erstickt werden.
GREY ist der dritte wichtige Protagonist in dieser Romanze. Für mich eines der wichtigsten Charaktere. Er ist der Kommandant der königlichen Garde, der seinem Prinzen ewige Treue geschworen hat und alles tut, um den auferlegten Fluch zu brechen. Rätselhaft und liebenswert in seinem Wesen, aber auch grausam in seiner Pflichterfüllung. Er besitzt als Einziger die Fähigkeit, beide Welten zu passieren und somit Mädchen aus Washington in das Schloss Emberfall zu entführen.
Es ist eine gelungene Mischung aus einem Liebes- und Fantasyroman. Es wird kapitelweise aus der Perspektive von Harper und Rhen erzählt, sodass man gut ihre Gedanken und Gefühle nachverfolgen kann.
Eine solche Geschichte voller Kämpfe, einem alles zerstörenden Ungeheuer und Rache enthält natürlich blutige und gewalttätige Passagen, aber aufgrund der nicht sehr genauen Beschreibung derselben verlieren sie viel von ihrer Abschreckung. Der Schreibstil ist angenehm einfach, aber sehr lebendig, nicht zuletzt aufgrund der zwischen den drei wichtigsten Charaktere immer wieder wunderbar geführten Monologe.
Das Ende ist eigentlich vorhersehbar, da ein bindendes Band zwischen Rhen und Harper von Anfang an spürbar ist. Ein wundervolles Jugendbuch, das ich jedem empfehlen kann, der sich auch noch als Erwachsener in märchenhafte Fantasywelten versetzen lassen möchte. Man darf auf das nächste Band dieser Serie gespannt sein.

Bewertung vom 25.10.2020
Das Verschwinden des Dr. Mühe
Hilmes, Oliver

Das Verschwinden des Dr. Mühe


sehr gut

Ist Dr. Mühe ermordet worden, hat er Selbstmord begangen oder ist er möglicherweise untergetaucht? Oliver Hilmes greift diesen aus dem Jahre 1932 unaufgelösten und auf tatsächliche Gegebenheiten basierenden Fall sehr geschickt und spannend auf. Mit Hilfe der Ermittlungsakte und der agierenden Figur des Kommissars Ernst Keller geht er akribisch jeder Zeugenaussage nach und unterwirft die Verhöre einer eingehenden Prüfung. Dieses gestaltet sich recht schwierig, da sich die Zeugen immer wieder in Widersprüche verwickeln. Der Autor lässt uns am bürgerlichen und unauffälligen Leben des verschwundenen Arztes Mühe teilnehmen, indem er seine Kontakte, Patienten, Familie und Gewohnheiten bildlich aufs Papier bringt. Doch bald wird klar, dass Dr. Mühe nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Auch das Verhältnis zu seiner Frau war nicht das eines liebenden Ehemannes und zeigt für die damalige Zeit ein ungewöhnlich geführtes Eheleben, über das sich die Leute die Münder zerrissen. Dazwischen wird sehr detailliert die Stadt Berlin am Anfang des Nationalsozialismus beschrieben, sodass man sich sehr gut in die damalige Zeit zurückversetzt fühlt und die Ängste, Wünsche und Gedanken der Romanfiguren in jener Zeit gedenkt. Es werden auch nicht die kleinen Möchtegerns vergessen, die durch Eintritt in die NSDAP groß und stark werden und diese Macht den ungeliebten reichen oder glücklichen Nachbarn, die sie bereits ewig beneidet haben, schmerzlich spüren lassen. Sogar die Arbeitsweise eines damaligen Arztes, Medikamente, die Kleidung der Damen der Gesellschaft, die Einrichtung der Wohnung, Restaurantessen und vieles mehr bringt uns der Autor näher. Aber auch, dass zu jener Zeit die Sehnsüchte, Beziehungen und die Gier nach Geld genauso vorhanden waren wie in der heutigen Zeit. Wie zu erwarten, konnte Oliver Hilmes diesen "Nicht aufgeklärten Fall" leider nicht aufklären und es wird bis zum heutigen Tag ein Rätsel bleiben, was aus Dr. Mühe geworden ist. Dieser Roman zeigt auf, wie schwierig sich die Aufklärung der Fälle von verschwundenen Personen darstellt. Sehr lesenswert.

Bewertung vom 24.06.2020
Eine Liebe in Neapel
Goodrich, Heddi

Eine Liebe in Neapel


gut

Heddi ist eine Amerikanerin, die in den 1990er-Jahren nach Neapel kam, um dort zu studieren. Es ist eine Liebesgeschichte, aber ohne ein Happy End. Eigentlich sind es zwei Liebesgeschichten, einmal Heddis Gefühle für diese Stadt, vor allem für das spanische Viertel von Neapel, und einmal zu Pietro.
Dass diese Geschichte kein glückliches Ende nehmen wird, erfahren wir bereits im ersten Kapitel, und zwar aufgrund der E-Mail, die Pietro an Heddi schreibt. Natürlich will man dann erfahren, warum diese große Liebe auseinanderging, und legt das Buch nicht mehr weg.
Die Geschichte wechselt zwischen den Briefen von Heddi und Pietro. Die Briefe sind in der "Zukunft" geschrieben und die Erzählung findet in der "Gegenwart" statt.
Es ist klar erkennbar, dass die Charaktere der beiden Protagonisten grundverschieden sind. Heddi hat keine Verpflichtungen, ist frei zu tun und zu lassen, was sie möchte, und hat Pläne und Ziele. Sie braucht keinerlei Konventionen einzugehen. Dagegen Pietro, er weiß, dass er sich den Wünschen der Eltern beugen wird. Trotz dieser Gewissheit, liebt er Heddi und bindet sie solange an sich, bis er sich für das Leben an der Seite seiner Eltern entscheidet, um die ihm vererbten Ländereien weiterzuführen.
Die Schreibart der Autorin hat mir gut gefallen, verständlich und flüssig. Auch werden die Plätze und Landschaften Italiens sehr bildlich beschrieben. Ein guter aber einfacher Roman über eine Liebesgeschichte, die viele in ihrer Jugend vielleicht selbst erlebt haben.

Bewertung vom 15.01.2020
Die Rivalin
Robotham, Michael

Die Rivalin


ausgezeichnet

Zwei Frauen erzählen kapitelweise aus ihrem sehr unterschiedlichen Leben: MEGHAN, lebt glücklich mit einem gut verdienenden Ehemann ohne Sorgen und großem Freundeskreis, zwei perfekten Kindern und in Erwartung eines, allerdings nicht geplanten, Dritten. Sie führt im Internet einen erfolgreichen Mama-Blog, in dem sie über ihr Leben schreibt. Sie hat genug Geld, um es sich gut gehen zu lassen und einzukaufen, ohne auf die Preisschilder zu schauen. AGATHA, ist dagegen geschieden, muss in einem Lebensmittelgeschäft hart arbeiten, um ihr Leben zu bestreiten, und lebt zurückgezogen in einer Traumwelt. Sie hat bereits mehrere Kinder verloren und ihr größter Wunsch ist es, wieder Mutter zu werden. Dies scheint sich zu erfüllen, da sie jetzt wieder schwanger ist. In ihrem Wahn träumt sie davon, dass ihr Mann sich bei ihr meldet, sobald er erfährt, dass sie ein Kind von ihm bekommt…

AGATHA trifft im Lebensmittelgeschäft auf die ebenfalls schwangere MEGHAN und beginnt sie zu beobachten und ihr Leben zu studieren. Allabendlich liest sie ihre Elternblog-Posts. Sie beneidet Meghan, denn sie verkörpert alles, was sie selbst begehrt. Das aber auch in MEGHANS Leben nicht alles nach Plan läuft und auch diese ihre Probleme zu bewältigen hat, will sie nicht sehen. Geschickt beginnt sie eine freundschaftliche Beziehung mit MEGHAN und als die fast gleichzeitig fallenden Geburtstermine näher rücken, beginnt der wirkliche Horror für MEGHAN.

Dem Autor ist es sehr gut gelungen, die Wünsche, Lügen und Gedanken, die Frauen in ihren Köpfen geheim zu halten versuchen, rüberzubringen. Dies ist ihm vor allem dadurch gelungen, dass die Erzählung aus der Sicht der beiden Frauen in abwechselnden Kapiteln erzählt wird. Man dringt quasi in den Kopf dieser Frauen ein und erlebt ihre Gefühle, Erfahrungen und Entscheidungen hautnah mit. Was weiß man wirklich über jemanden? Ein fesselnder, psychologischer Thriller über Täuschung, Neid, Verzweiflung und Vergebung. Gänsehaut pur. Sehr zu empfehlen!

Bewertung vom 13.08.2019
Der Kinderflüsterer
North, Alex

Der Kinderflüsterer


ausgezeichnet

Tom Kennedy und sein kleiner Sohn, Jake, stecken nach dem plötzlichen Tod der geliebten Ehefrau und Mutter, Rebecca, in tiefer Trauer. Jake hatte ein sehr gutes Verhältnis zur Mutter. Zu Tom, dem Vater, verhält er sich dagegen eher distanziert und wortkarg. Tom kann mit dem sensiblen und kreativem Charakter des Kindes, das auch häufig mit imaginären Freunden spricht, einfach nicht umgehen und versucht, das Miteinander durch Nachgiebigkeit und Verständnis wettzumachen. Jake wiederum denkt, dass sein Vater ihn nicht liebt und somit kommen sie sich trotz der tiefen Liebe zueinander nicht näher und sie kommunizieren immer weniger miteinander.
Durch den Umzug in die Kleinstadt Featherbank erhofft sich Tom für sie beide, dass wieder Ruhe in ihr Leben einkehrt und sie wieder zueinanderfinden. Das neue Haus macht einen sehr heruntergekommenen und gruseligen Eindruck, aber Jake fühlt sich sofort zu ihr hingezogen und will dort unbedingt wohnen. Der erstaunliche Grund hierfür wird erst am Schluss des Buches klar. Als Tom entdeckt, dass Jake immer öfter mit einem imaginären Freund spricht, dies auch in der Schule bemerkt wird und er von seinen Mitschülern gemobbt wird, schwinden seine Hoffnungen auf ein besseres Leben immer mehr. Aber für den Mörder zeigt Jake genau die Charaktermerkmale, die seine kriminelle Energie erweckt. Und Jake behauptet nun, dass er nachts ein Flüstern an seinem Fenster hört … Es beginnt ein Albtraum.
Was Tom nicht weiß, ist, dass in dieser Stadt vor 20 Jahren ein Serienmörder mit flüsternder Stimme fünf kleine Kinder in seine Gewalt lockte und umbrachte, der sogenannte "Kinderflüsterer". Auch weiß er nicht, dass von diesen fünf Kinder immer noch ein kleiner Junge vermisst wird. Etwas, das DI Pete Willis bis heute nicht zur Ruhe kommen ließ, ein früherer Alkoholiker, der mit seiner Sucht immer noch zu kämpfen hat. Er hat damals den Fall gelöst und den Kindesflüsterer und Mörder, Frank Carter, festgenommen und lebenslänglich ins Gefängnis gebracht. Hier sitzt Carter immer noch ein und genießt seine Berühmtheit. Und trotzdem wird jetzt wieder ein kleiner Junge entführt und ermordet. Ein Nachahmungsverbrechen? Aufgrund seines Wissens wird Pete Willis wieder zur Mitarbeit an der Lösung dieses Falles herangezogen. Keine einfache Aufgabe für ihn, da er mit unverarbeiteten, privaten Geheimnissen konfrontiert wird.
Ein sehr guter Thriller, spannend, fesselnd und auch gruselig. Sehr gut fand ich die kurz gehaltenen Kapitel und dass die Geschichte aus der Sicht der einzelnen Protagonisten erzählt wird. So lernt man die Charaktere sehr gut kennen und wie sie denken und fühlen. Trotz dieses Hin und Her der Perspektiven musste ich nie zurückblättern.
Dass es sich bei diesem spannenden Buch um ein Debüt des Autors Alex North handelt, ist mehr als beeindruckend. Ich werde ihm jedenfalls folgen. Ein Buch, das ich jeden Krimi- und Thrillerfan empfehlen kann.

Bewertung vom 22.05.2019
Das Haus der Verlassenen
Gunnis, Emily

Das Haus der Verlassenen


sehr gut

Das Thema ist überaus bekannt und hochbrisant, nicht nur in Irland, sondern vor allem im Hinterland und der "guten Gesellschaft" extrem katholischer Länder ist es zu Hause. Es wurden und werden ledige, schwangere Frauen und Mädchen zum Entbinden in Heimen gegeben oder zur Tante aufs Land geschickt, damit die Gesellschaft nichts von diesen"gefallenen" Mädchen und der Schande erfährt. Der Mann dagegen, der mitschuldig und oft verheiratet ist, kann sein Leben in seinen bisherigen gesellschaftlichen Kreisen weiter ungerührt führen. In den Heimen wurden die Kinder geburtsnah an kinderlose Ehepaare verkauft. Es suchen heute noch viele ihre genetischen Mütter und Väter, siehe die Situation zur Zeit in Spanien. Schockierend, dass "Eltern" ihre Töchter einfach so kalt abschieben können.
Da dieser Roman also auf eine nicht nur geschichtliche, sondern tagesaktuelle Wahrheit beruht, war es für mich lesenswert. Das Thema ist sehr aufwühlend und die Erzählungen, unter welchen Bedigungen die unverheirateten Mütter bis zur Geburt des Kindes und auch noch danach leben mussten und wie die Nonnen diese Mädchen körperlich und geistig für ihre "Sünden" bestraft haben, wird von der Autorin sehr ergreifend beschrieben.
Auch die Verbissenheit, mit der die Journalisten Sam Harper die Geschichte des Mädchens Ivy im St.Margaret`s anpackt und wie dadurch die emotionale Seite nicht nur der betroffenen Mütter sondern auch ihrer entrissenen Babys im Kindes- und Erwachsenenalter aufzeigt, war beim Lesen sehr berührend.
Obwohl mich das Wechseln zwischen dem Heute und dem Gestern in den Kapiteln hin und wieder aus dem Lesetrott brachte, gefällt mir der Schreibstil der Autorin Emily Gunnis. Nicht nur empfehlenswert, weil es sich mit einem Thema beschäftigt, dass sehr emotional geladen und noch heute hochaktuell ist.