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kerstin-scheuer.blog.de

Bewertungen

Insgesamt 2 Bewertungen
Bewertung vom 24.07.2014
The Signature of All Things
Gilbert, Elizabeth

The Signature of All Things


sehr gut

Inhalt:
Alma Whittacker wird zu Beginn des 19. Jahrhundert geboren.
Ihr Vater Henry Whittacker ist ein sehr erfolgreicher Botaniker, der bereits in weit entlegene Länder reist, um die dortige Pflanzenwelt zu studieren und in der westlichen Welt zu domeszieren. Im Laufe der Jahre entwickelte er sich so zum reichsten Mann der westlichen Welt.
Auch ihre Mutter stammt aus einer Familie, die seit Generation sehr erfolgreich auf dem Gebiet der Botanik arbeitet.
So wächst die kleine Alma in einer sehr behüteten Welt und in besonderem Luxus auf. Ihr wird eine besondere Bildung zu teil. Bereits als Kleinkind spricht sie mehrere Sprachen und unternimmt eigene kleine botanische Exkursionen. Es verwendert daher auch nicht, dass Alma ihr Leben später ebenfalls der Wissenschaft - genauer gesagt der Bontanik - verschreibt.

Meinung:
Dies ist bereits mein 3. Buch von Elizabeth Gilbert. Zuvor hatte ich bereits "Eat, Pray, Love" und dessen Fortsetzung "Comitted" gelesen. Dieses Buch aber unterscheidet sich ganz grundlegend von den beiden genannten. Zum einen handelt es sich um eine Fiktion, während "Eat, Pray. Love" und "Comitted" auf Tatsachen beruhen. Zum anderen hat das Buch mit mehr als 500 Seiten einen sehr viel größeren Umfang als die beiden anderen mir bekannten Werke der Autorin.
Aber gerade diese Unterschiede machten mich neugierig auf diesen Roman. Ich wollte schauen, wie Gilbert auf diesem (neuen) Gebiet schreibt, da ich die Autorin sehr schätze.

Ich habe den Roman sehr genossen. Alleine schon die Zeit, in der er spielt finde ich wahnsinnig interessant und aufregend, weil es hier so viele neue Entdeckungen und Entwicklungen auf dem Bereich der Wissenschaft gab. Es war allgemeine Aufbruchsstimmung und viele machten sich mit Schiff auf zu neuen Ufern, um ferne, unbekannte Welten zu entdecken. Dies ist auch hier der Fall. Die Reise führt von London über Peru und die Niederlande nach Philadelphia und von hier schließlich nach Tahiti.
Phasenweise erinnerte mich der Roman an "Die Vermessung der Welt" von David Kehlmann, den ich ebenfalls sehr gerne gelesen habe. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: hier haben wir eine weibliche Protagonistin, die all diese Dinge erlebt und erforscht. Dies macht den Roman trotz seiner historischen Verankerung im 19. Jahrhundert so modern. Es geht um eine Frau, in ihren Platz in der Welt und in der männlich geprägt Wissenschaft sucht. In den Nebenhandlungen werden weitere (typischere) Frauenschicksale dieser Zeit beschrieben.

Spaß machten auch die bisweilen etwas skurilen Charaktere, denen Alma begegnet.
Besonders angetan hatte es mir Ambrose Pike, ein Zeichner, der inspiriert von dem Werk "The Signiture of All Things", nach dem der Roman benannt ist, das Zeichen Gottes in allen Dingen suchte. Diese Suche ging schließlich so weit, dass er die Nahrungsaufnahme einstellte, um sich so besser auf die nichtstofflichen Erscheinungen in dieser Welt konzentrieren zu können. Er meinte, tatsächlich Erfolg zu haben. Sein bester Freund jedoch sah das anders und bringt ihn in ein Irrenhaus.

Wie alle bisherigen Elizabeth Gilbert-Romane habe ich auch diesen im englischen Originaltext gelesen. Ich muss zugeben, dass mir die Lektüre diesmal an einigen Stellen schon etwas schwer viel. Alma diskutiert oft mit anderen Wissenschaftler über neue Theorien auf dem Gebiet der Botanik. Mit meinen mittleren Sprachkenntnissen viel es mir da bisweilen etwas schwer, zu folgen. Das Sprachnievau war jedoch im Allgemeinen nicht so hoch, dass ich die Lektüre hätte aufgeben und auf die deutsche Übersetzung umsteigen müssen.

(kerstin-scheuer.blog.de)

Bewertung vom 20.07.2014
Wasser für die Elefanten
Gruen, Sara

Wasser für die Elefanten


ausgezeichnet

Inhalt:

Jacob Jankowski ist über 90 Jahre alt und lebt in einem Altenheim. Als der Zirkus in die Stadt kommt und seine Zelte genau gegenüber des Altenheims aufschlägt, erinnert er sich an seine eigenen Jahre beim Eisenbahnzirkus zur Zeit der ersten Weltwirtschaftskrise und der Prohibition:

Kurz vor seinem Abschluss des Vetärinär-Studiums kommen Jacobs Eltern bei einem Autounfall ums Leben. Da diese hochverschuldet waren, erbt Jacob nichts: weder das elterliche Haus noch die Tierarztpraxis seines Vaters. Das weitere Studium kommt ihm daher sinnlos vor. Mitten in den Abschlussprüfung steht Jacob daher einfach auf, verlässt den Prüfungssaal, verlässt die Eliteuni und springt auf den ersten fahrenden Zug auf, der ihm begegnet. Es ist ein Wanderzirkus. Jacob heuert bei diesem an und steigt schnell vom einfach Arbeiter zum Tierarzt des Zirkusses auf. Als er sich in eine der Artistinnen verliebt, die ausgerecht mit seinem Chef verheiratet ist, nimmt das Unglück seinen Lauf.

Meinung:

Um ehrlich zu sein: habe ich dieses E-Book aus dem Dumont-Verlag nur gekauft, weil es vor Monaten einmal bei Amazon als "Kindle Deal der Woche" im Preis gesenkt war. Ich hatte Gutes über die Verfilmung gelesen und war daher neugierig auf die Romanvorlage, von der ich bis dahin nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Das E-Book lag seitdem unbeachtet in meinem "ungelesen"-Ordner auf dem Kindle. Über den Inhalt wusste ich nur, dass es eine Liebesgeschichte ist, und da ich eigentlich keine besondere Vorliebe für dieses Genre habe, waren andere Bücher irgendwie immer wichtiger. Aktuell habe ich mir aber vorgenommen, erst einmal den "ungelesen"-Ordner leer zu machen, bevor ich neue Bücher bzw. E-Books kaufe. So bin ich auch wieder auf diesen Roman gestoßen.
Zum Glück - muss ich sagen; denn er ist wirklich großartig!

Geschrieben ist er aus der Perspektive von Jacob als Ich-Erzähler. Immer wieder sind Kapitel von Jacob als Greis im Altenheim in die Darstellung eingeflochten. Dies dient nicht nur dazu, den Spannungsbogen weiter aufzubauen; es streut auch Humor in die ansonsten eigentlich sehr tragische Geschichte ein.

Diese spielt zudem in einem sehr rauen und brutalen Umfeld. Von Eisenbahnromantik ist wenig zu spüren. Die Männer, die beim Zirkus arbeiten, sind harte Burschen, die sich abends mit illegal gebranntem Fusel volllaufen lassen und dann gerne handgreiflich werden. Auch der Zirkusdirektor ist nicht zimperlich und lässt Männer schon einmal "bei Rot aussteigen", wenn er sich deren Gage nicht mehr leisten kann oder sich die Männern auf andere Art unbeliebt machten. Wenn das Geld für Futter knapp wird, werden zudem Ziegen und kranke Pferde der Show an die Löwen und Tiger verfüttert. Und natürlich gehört auch eine Kuriositäten-Sammlung und eine inoffizielle Striptease-Show mit anschließender Möglichkeit, der "Künstlerin" einen Privatbesuch in der Gaderobe abzustatten zum Teil der Show.

Dieses raue Umfeld steht in einem starken Kontrast zur eigentlichen Liebesgeschichte. Auch die große Liebe zu Tieren, welche das Paar verbindet, scheint nicht in dieses Millieu zu passen. Aber gerade dieser Kontrast macht das Buch so wahnsinnig interessant und spannend. Dies mag auch an der schriftstellerischen Leistung von Sarah Gruen liegen, die es nicht nur schafft, diesen Stoff ohne jedes Abgleiten in Kitsch und Trivialität sondern auch wie bereits beschrieben mit einer Prise Humor zu erzählen. Und das Ende - hier möchte ich natürlich nicht zu viel erraten - ist wirklich ein extrem dramatisches Finale.

Ich bin restlos begeistert von dieser Entdeckung und froh, einmal über meinen literarischen Tellerand geschaut zu haben. Ich vergebe volle Punktzahl.

(Kerstin-Scheuer.blog.de)

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