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Bookwood
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Bad Honnef

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Insgesamt 136 Bewertungen
Bewertung vom 16.01.2026
Elfgren, Sara B.

Die Insel meiner Schwester


sehr gut

Komplexe Beziehungen
Mit „Die Insel meiner Schwester“ legt Sara Elfgren einen spannenden Roman vor, der das komplexe Beziehungsgefüge der beiden Halbschwestern Mirjam und Nia in den Mittelpunkt stellt. Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt, wobei die Autorin eine sehr dramatische Einstiegsszene wählt. Danach wird erzählt, wie es zu diesem dramatischen Ereignis kommen konnte.
Mirjam und Nia lernen sich erst im Teenageralter kennen, nachdem ihr Vater seiner Frau einen Seitensprung mit einer ihrer besten Freundinnen gestanden hat, aus der eine Tochter, Nia, entstanden ist. Die Mädchen treffen sich und werden engste Vertraute. Die beiden jungen Frauen machen verschiedene Erfahrungen mit Männern, von denen einige toxisch sind. Mirjam verliebt sich schließlich in Juan, der sie aber nach langer Beziehung an ihrem 40. Geburtstag wegen einer anderen Frau verlässt. Nia hat schließlich Konrad geheiratet, einen sadistischen Narzisten, der sie quält und misshandelt. Sie versucht, ihn zu verlassen, schafft es aber nicht. Darüber kommt es zum Streit der beiden Schwestern. Deshalb ist Mirjam froh, dass sie von Nia zu deren Geburtstag auf die Schäreninsel eingeladen wird, auf der beide als Kinder und Teenager die Sommer verbrachten und die nun Konrad gehört. Was so viel Hoffnung in Mirjam erweckt, entwickelt sich jedoch zu einer wahren Katastrophe.
An diesem Roman hat mir besonders gefallen, dass er nicht nur eine spannende Story erzählt, sondern auch detailliert das Verhältnis der Halbschwestern und die gesamte Familiendynamik beleuchtet. Die Schärenlandschaft, im Finale noch atmosphärischer gestaltet durch das Sturmszenario, ist eine perfekte Bühne für das Drama, das man natürlich schon ein bisschen kommen sieht. Die Personen sind stimmig gestaltet und auch die einzelnen Nebendarsteller und Nebendarstellerinnen detailliert entwickelt. Ich fand die Story auch insgesamt rund und sie hatte keine Längen. Wer nordische Krimis mit psychologischem Schwerpunkt mag, der wird sich durch „Die Insel meiner Schwester“ gut unterhalten fühlen. Das Cover ist natürlich ein Hingucker und gefällt mir ausnehmend gut.

Bewertung vom 16.01.2026
Alvarenga, Daniel

Ruf der Leere


ausgezeichnet

Hat mich absolut überrascht
„Ruf der Leere“ von Daniel Alvarenga gehört für mich absolut den Buchüberraschungen meines Lesejahres 2025. Die Story ist spannend, hintergründig und voller intelligenter Wendungen. Dabei ist der Roman eigentlich gar kein richtiger Krimi sondern für mich eher ein Psychothriller, der von der ersten Seite an fesselt.
Protagonist des Buches ist der Medizinstudent Felix, der durch seine arrogante Art nicht unbedingt sympathisch erscheint. Als sein Freund Ben nach einem halbjährigen Australienaufenthalt wieder zurückkehrt, plant er für diesen eine Willkommensparty auf einer Berghütte. Eingeladen hat er dazu auch Laura, eine Kommilitonin, zu der er sich stark hingezogen fühlt. Doch nicht nur Laura bringt überraschenderweise ihren Freund und eine Freundin mit, sondern auch Ben kommt nicht alleine, sondern mit seinem Freund Bill aus Australien zurück.
Auch Felix jüngere Schwester stößt zu der Party dazu, ebenso wie ein wunderlicher alter Mann, der behauptet, der Tod zu sein.
Was zunächst etwas verworren erscheint, entpuppt sich als raffiniert konstruierte Geschichte, die in Rückblenden erzählt, was tatsächlich passiert ist. Doch erst der Showdown auf den letzten Seiten des Buchs enthüllt die vollständige Wahrheit.
Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und konnte es kaum aus der Hand legen. Einzig sprachlich hätte ich mir einzelne Passagen etwas anspruchsvoller gewünscht, aber dadurch wurde meine Lesefreude nur leicht getrübt.
Wer einmal ein etwas ungewöhnlicheres Werk lesen möchte, der trifft mit „Ruf der Leere“ eine gute Wahl.

Bewertung vom 16.01.2026
Horowitz, Anthony

Tod zur Teestunde


ausgezeichnet

Spannend bis zur letzten Seite
Anthony Horowitz lässt in seinem neuen Buch wieder Susan Ryeland ermitteln. Dabei mag ich besonders an dieser Protagonistin, dass sie weder Polizistin noch Privatdetektivin ist. Susan gerät durch ihren Beruf als Lektorin, die schwerpunktmäßig Krimis liest, jetzt schon zum dritten Mal selbst in eine Mordermittlung. Beim letzten Mal ist sie selbst knapp dem Tod entronnen. Ihr damaliger Chef wurde von ihr als Mörder eines Autoren entlarvt und sitzt nun im Gefängnis.
Susan arbeitet als freie Mitarbeiterin nun bei einem neuen Verlag und soll einen jungen Autor, Eliot Crace, betreuen, der die Krimireihe des ermordeten Autors weiterführen soll. Schnell wird Susan klar, dass dieser seine eigenen Familienerinnerungen in sein Buch einfließen lässt und behauptet, dass jemand seine Großmutter, eine bekannte Kinderbuchautorin, ermordet hat. Je mehr sich Susan in das Script von Eliot einliest, desto mehr ahnt sie, dass die Familie Crace tatsächlich ein Geheimnis hütet. Doch als der junge Schriftsteller selbst Opfer eines Verbrechens wird, ist Susan plötzlich selbst die Hauptverdächtige und befindet sich in großer Gefahr.
Ich mochte die beiden erste Bände der Reihe sehr, bin aber von dem dritten Buch der Serie richtig begeistert. Die Idee des „Buchs im Buch“ finde ich originell und sie bewirkt, dass das Lesen durchgehend spannend ist. Erst auf den letzten Seiten, wird das Verbrechen vollständig aufgeklärt. Zwischendurch gibt es zahlreiche intelligente Wendungen. Horowitz schreibt in gewohnt lockerer Art und schafft wieder einen überzeugenden „Whodunit“-Krimi, der schon sehr britisch ist, aber im sonnigen Südfrankreich spielt und ein schönes Setting bietet. Es gelingt ihm erneut, eine lesenswerte, intelligente Geschichte zu erzählen, die ohne viel Brutalität und Blutvergiessen auskommt und eher auf die leisen zwischenmenschlichen Töne setzt. Ich habe die Lektüre sehr genossen und warte schon auf das nächste Horowitz-Werk.

Bewertung vom 11.11.2025
Korn, Carmen

In den Scherben das Licht


sehr gut

Zeitreise, die berührt
Die Bücher von Carmen Korn muss man einfach mögen. Auch ihre erneute Zeitreise ins Nachkriegs-Hamburg bietet wieder gute Unterhaltung, die das Herz berührt, auch wenn sie manchmal etwas betulich daherkommt. Das gehört einfach bei der Autorin dazu, stört mich aber bei der Lektüre wirklich nur am Rande.
In „In den Scherben das Licht“ werden wieder sehr sympathische Personen in den Mittelpunkt gestellt. Da sind z.B. Gisela und Gert, die beide befürchten, in den Wirren des 2. Weltkrieges ihre Familien verloren zu haben. Sie finden Zuflucht im Keller von Friedes Haus, einer alternden Schauspielerin, die für die jungen Leute quasi zur Ersatzmutter wird.
Vor dem Krieg stand Friede zwischen zwei Männern. Sie macht sich Vorwürfe, der Grund für die Deportation ihres jüdischen Freundes Victor Franke in ein Konzentrationslager gewesen zu sein, da sie befürchtet, dass ihr damaliger eifersüchtiger Verehrer Karl Palutke seine Beziehungen dahingehend spielen ließ.
Doch Victor hat überlebt und ist ebenfalls nach Hamburg zurückgekehrt.
In Friedes Haus ziehen auch noch Robert und Lulu ein. Beide sind auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, wobei Lulu, der homosexuell ist, von seiner Familie für seine Lebensweise verachtet und angefeindet wird. Und da ist auch noch Martha, mit der Friede schon seit Jahrzehnten befreundet ist, die ihre Freundschaft aber fortwährend strapaziert, da sie immer nur ihren Vorteil sucht.
Alle versuchen in den ersten Jahren nach Kriegsende Hamburg mit aufzubauen, aber auch herauszufinden, was aus ihren jeweiligen vermissten Familienmitgliedern geworden ist. Die einzelnen Geschichten sind sowohl spannend als auch anrührend.
Carmen Korn hat natürlich ihren eigenen Schreibstil, auf den man sich schon einlassen muss, um ihre Bücher zu mögen.
Was ich besonders an ihren Romanen schätze ist, dass sie sich so genau mir den Handlungsorten beschäftigt. Wer schon einmal in Hamburg war, wird gleichsam geistige Spaziergänge mit der Autorin machen können, Orte wiedererkennen und sie vor sich sehen. Gut fand ich auch, dass es sich um eine abgeschlossene Geschichte handelt, denn bei den mehrbändigen Werken gibt es m.E. durchaus schon mal kleine Längen und Wiederholungen.
Für mich ist das Buch auf jeden Fall eine Leseempfehlung für all diejenigen, die gerne hoffnungsvolle Literatur aus der Nachkriegszeit lesen. Die Covergestaltung ist ja eher unspektakulär und die Pastelltöne hätte ich nicht unbedingt gewählt.

Bewertung vom 10.11.2025
Mullen, Kelly

Die Einladung - Mord nur für geladene Gäste


weniger gut

Eher durchschnittlich

Eigentlich hatte ich gedacht, dass der Krimi „Die Einladung - Mord nur für geladene Gäste“ von Kelly Mullen mich total begeistern würde. Erinnert mich der Klappentext doch tatsächlich an meine geliebten Agatha-Christie-Romane und war auch die Gestaltung des Covers für mich total ansprechend, so wurde ich doch von diesem Cozy-Crime ziemlich enttäuscht.
Die Story ist eigentlich gut: Rosemary Maclaine, genannt Mimi, wird von ihrer steinreichen Nachbarin Jane zu einer Party mit Auktion eingeladen. Die Einladung deutet an, dass Jane irgendetwas aus Mimis Vergangenheit weiß, mit dem sie Mimi erpressen kann. Mimi mobilisiert ihre Enkelin Addie, die gerade von ihrem Freund getrennt lebt und der ihr ihre Geschäftsidee für ein Escape-Game gestohlen hat, sie zu der Einladung zu begleiten.
Beide treffen auf eine buntgemischte Gästeschar und Mimi gewinnt rasch den Eindruck, dass alle, inklusive der Bediensteten des Haushalts, etwas zu verbergen haben. Als Janes Anwesen aufgrund eines Schneesturms von der Außenwelt abgeschnitten wird und man die Gastgeberin ermordet auffindet, beginnen Mimi und Addie damit herauszufinden, wer die bei allen unbeliebte Jane getötet haben könnte. Als dann weitere Morde geschehen und auch auf Mimi ein Anschlag verübt wird, spitzt sich die Lage langsam zu.
Ich glaube, die Autorin hat sich für ihren Krimi einfach zu viel vorgenommen. Die Parallelen zu Agatha-Christie-Büchern ist einfach zu gewollt. Wenn sie sich nur auf den Kriminalfall konzentriert hätte, hätte das Buch m.E. auch noch ganz gut gelingen können. Aber das Mimi durch die Zusammenarbeit mit ihrer Enkelin Addie auch noch ihr ganzes kompliziertes Verhältnis zueinander wieder geradebiegt und sogar Mimis Vergehen, weshalb sie von Jane erpresst wurde, von ihrer Enkelin großherzig abgesegnet wird, ist mir einfach zu viel. Auch der von Mimi inszenierte „Showdown“ konnte mich nicht so richtig begeistern, da viele Geschichten und Handlungsmotive der anderen Gäste mich nicht überzeugt haben und konstruiert erschienen.
Leider war der Krimi für mich daher eher nur Mittelmaß, was Freunde des Cozy-Crime-Genres sicherlich anders sehen werden. Vielleicht waren meine Erwartungen aber auch einfach zu hoch.

Bewertung vom 10.11.2025
Sten, Viveca

Lügennebel / Hanna Ahlander Bd.4


sehr gut

In Åre wird wieder gemordet
Das Cover des neuen Krimis von Viveca Sten „Lügennebel“ ist schon einmal ein absoluter Hingucker. Die Kombination aus der Schneelandschaft mit dem rot gefärbten Himmel ist sehr stimmungsvoll und passt perfekt zur Story.
Der neue Fall, in dem Hanna Ahlander und ihr Partner Daniel Lindskog ermitteln müssen, wirft viele Fragen auf. Eine junge Studentin, die mit einer Gruppe von Freunden eine Skiwoche im idyllischen Wintersportort verbringen wollte, liegt tot im Schnee. Keiner der Jugendlichen scheint bei den Befragungen durch die Polizei die Wahrheit zu sagen. Aber was verschweigen sie und wer deckt wen? Auch die Nachbarn des Ferienhauses machen sich verdächtig, hatten sie doch Streit mit der Studentengruppe, bei deren Urlaub der Alkohol in Strömen floss und auch Drogen konsumiert wurden.
Als schließlich noch das Gästehaus des Feriendomizils abbrennt, erkennen Hanna und Daniel dass sie es mit mehr als einem Täter aufnehmen müssen.
Auch in Hannas und Daniels Privatleben geht es wieder turbulent zu. Hannas Beziehung zu ihrem superreichen Freund wird intensiver. Auf einem romantischen Ausflug werden sie von Paparazzi beobachtet, deren Artikel die von Hanna bisher verheimlichte Beziehung öffentlich macht. So erfährt auch Daniel davon, der sich gerade sehr zerrissen zwischen den Ermittlungen und der Versorgung seiner kleinen Tochter fühlt. Auch das neue Glück seiner Ex-Partnerin macht im zu schaffen. Ihm wird plötzlich klar, wieviel ihm Hanna eigentlich bedeutet.
Mir hat wieder besonders gut die Mischung aus Kriminalfall und privaten Geschichten der beiden Ermittler gefallen. Dabei finde ich den Mordfall in diesem Band nicht so spektakulär und spannend wie bei den Vorgängerbänden. Trotzdem ist die Geschichte gut erzählt und auch interessant zu lesen. Am Schluss wird es aber dann doch noch spannend und es gibt einen gut gemachten Twist, mit dem man nicht unbedingt gerechnet hat.
Für mich war „Lügennebel“ alles in allem wieder eine runde Sache und die Åre-Krimis gehören weiterhin zu meinen nordischen Lieblingskrimis.

Bewertung vom 05.10.2025
Lagerlöf, Ulrika

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)


sehr gut

Ein vielschichtiger Roman
„Wo die Moltebeeren leuchten“ von Ulrika Lagerlöf ist ein vielschichtiger Roman, der verschieden Themen aufgreift, die mit dem Land Schweden eng verknüpft sind. Die Autorin lässt die Geschichte auf zwei Zeitebenen spielen. Einmal erzählt sie von der jungen Siv, deren verarmte Familie im Jahr 1938 gezwungen ist, sie als Köchin mit einer Gruppe von Waldarbeitern in die schwedische Wildnis ziehen zu lassen, obwohl das Mädchen viel lieber eine Ausbildung zur Lehrerin gemacht hätte. Siv fügt sich aber schnell in ihr Schicksal und kann ihrer neuen Situation sogar etwas Gutes abgewinnen, da sie im Wald ihre eigenen Entscheidungen treffen kann und viel freier ist, als bei ihrer Familie.
Als sich Siv jedoch in einen jungen Waldsamen verliebt, schlittert ihr Leben auf eine Katastrophe zu.
Die zweite Geschichte, auf die Ulrika Lagerlöf in ihrem Buch eingeht, ist die von Eva, Sivs Enkelin, die als PR-Beraterin für ein Forstunternehmen arbeitet und beruflich nach Nordschweden reist, um in einem Konflikt mit Aktivisten zu vermitteln. Schnell erkennt sie, dass sie emotional in keinster Weise so abgebrüht ist, wie sie es sich wünschen würde. Es gelingt ihr nicht, die Interessen ihres Arbeitgebers zu ihren eigenen zu machen und sie erkennt, dass sie viel zu sehr verwurzelt ist mit der Gegend, in der sie einen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Sie begegnet ihrer Jugendliebe Mattias wieder, dessen Tochter auf der Seite der Aktivisten steht. Als Eva realisiert, dass es in ihrer Familie ein großes Geheimnis gibt, muss sie sich entscheiden, wohin ihr Lebensweg sie führen soll.
Mir hat an diesem Buch besonders gefallen, dass die Autorin die Geschichte von Eva und Siv in parallelen Erzählungen geschildert hat, die quasi aufeinander zulaufen. Sivs Geschichte ist die einer jungen Frau, die letztendlich niemals selbstbestimmt sein kann und sich einer schrecklichen Täuschung bedienen muss, um keine Schande über ihre Familie zu bringen. Im Vergleich dazu kann Eva ihr Leben selbst in die Hand nehmen, auch wenn das bedeutet, viel zu wagen.
Ein bisschen zu kurz kam mir die Problematik der Sámi. Von Ihnen hätte ich gerne noch mehr erfahren. So bleibt leider die Geschichte von Nila etwas schattenhaft.
Insgesamt fand ich den Roman aber sehr lesenswert und freue mich schon auf die Fortsetzung. Vielleicht geht der zweite Band der Norrlandsaga ja noch etwas detaillierter auf das Leben der Samen ein.
Die Gestaltung des Buches es einfach wunderschön. Vom Äußeren her sicherlich für mich eines der grandiosesten Bücher in 2025.

Bewertung vom 12.09.2025
Lühmann, Hannah

Heimat (MP3-Download)


ausgezeichnet

Topaktuelles und brisantes Thema
Für mich war das Buch von Hannah Lühmann „Heimat“ schon ein ganz besonderer Roman.
Zuerst einmal, weil ich das Thema „Tradwife“ sehr spannend finde, aber auch weil ich den Schreibstil der Autorin so ansprechend fand.
Im Buch geht es um Jana, Mutter von zwei Kindern und wieder schwanger, die mit ihrem Mann Noah in ein scheinbar idyllisches Dorf auf dem Land zieht. Noah ist kaum zuhause, Jana mit zwei Kleinkindern ein Stück weit überfordert. Außerdem kommen ihr manchmal Zweifel, ob es richtig war, ihren Job aufzugeben, der ihr früher viel bedeutet hat. In dieser Situation lernt sie Karolin kennen, die scheinbar mühelos ihre Familie managt. Sie und ihre Freundinnen kümmern sich hingebungsvoll um Kinder, Haushalt und soziale Projekte. Karolin lässt darüber hinaus über Social Media die Öffentlichkeit an ihrem perfekten Leben teilhaben.
Zunächst betrachtet Jana dies alles nur fasziniert von außen, je größer aber ihre eigene Überforderung wird und je mehr sie sich von ihrem Mann entfernt, desto mehr wird sie auch Teil der Gemeinschaft um Karolin.
Dass einiges in Karolines Leben alles andere als perfekt läuft, nimmt sie zwar zur Kenntnis, zieht aber daraus keine Konsequenzen. Auch die geistige Nähe der Frauengruppe zur AFD verdrängt sie und lässt sich sogar letztendlich instrumentalisieren.
Mich hat das Buch schnell fasziniert, wenn sich auch für mich die Frage stellt, warum Jana als Frau, die einmal fest mit beiden Beinen im Leben stand, so leicht manipulierbar ist. Leider werden manche Themen auch nur angeschnitten, bei denen ich mir eine Vertiefung gewünscht hätte. Auch das Ende des Romans fand ich etwas sonderbar. Es wurde einiges nicht zu Ende erzählt und das Buch ist für mich einfach deshalb zu kurz.
Ich habe den Roman als Hörbuch gehört und mir hat die Sprecherin außergewöhnlich gut gefallen, die eine sehr angenehme Stimme hat. Sie kann die oft kurzen Sätze von Hannah Lühmann mit einer angenehmen Satzmelodie vermitteln. Es hat mich hier auch nicht gestört, dass sie das Buch als einzige Sprecherin gelesen hat.
Das Cover macht neugierig und ist auch sehr ansprechend gestaltet.

Bewertung vom 05.09.2025
Hausmann, Romy

Himmelerdenblau


ausgezeichnet

Perfekt inszeniertes Verwirrspiel
Romy Hausmann sticht mit ihren Krimis für mich schon lange aus den Autorinnen und Autoren der deutschen Krimi-Landschaft heraus. Das liegt nicht einmal in erster Linie daran, dass die Autorin spannende Geschichten mit überraschenden Wendungen erzählt, sondern daran, dass ihre Figuren so exzellent gezeichnet und realistisch sind, dass sie man schnell glaubt, die Personen selbst zu kennen.
In ihrem neuen Werk „Himmelerdenblau“ entrollt die Verfasserin ein Familiendrama in dessen Mittelpunkt Theo steht, ein renommierter ehemaliger Chirurg, der mit fortschreitendem Alter immer mehr in Demenz versinkt.
Vor 20 Jahren verschwand Theos älteste Tochter Julie spurlos. Die Polizei konnte eine mutmaßliche Entführung nicht aufklären und den Täter nie dingfest machen.
Als die Podcaster Liv und Philipp den Cold Case wieder aufrollen, gibt es neue Spuren, neue Verdächtige und es wird klar, dass einiges ganz anders war, als es damals schien.
Alle Beteiligten verbergen etwas und Theo bleibt nicht mehr viel Zeit, bis die Vergangenheit für ihn in der Dunkelheit verschwindet.
Obwohl Theo für mich sicherlich der Mittelpunkt der Geschichte ist, werden aber auch die anderen Mitwirkenden mit ihren persönlichen Hintergrundgeschichten perfekt in die Handlung verwoben. Es gibt manche Überraschung und auch wenn man den Schluss-Twist irgendwann schon ein bisschen erahnen kann, passt er doch sehr gut zur tragischen Story.
Eventuell hätte man die eine oder andere Seiten-Story doch noch weglassen können, um das Buch handlungsmässig nicht ganz so zu überladen. Aber für mich ist das alles noch im Rahmen.
Ich fand es sehr berührend, wie Romy Hausmann so einfühlsam den verzweifelten Theo darstellt, der seinen Verfall nicht aufhalten kann und trotzdem unermüdlich darum kämpft, den Tod von Julie aufzuklären.
Für mich wieder ein toller Spannungsroman der Autorin, der nicht reißerisch ist, sondern beim Lesen emotional mitnimmt.
Die Covergestaltung ist mit simplen Mitteln schön und passt sehr gut zum Buch.
Wer einen etwas anderen Krimi lesen möchte trifft mit „Himmelerdenblau“ eine gute Wahl!

Bewertung vom 05.09.2025
Geschke, Linus

Der Trailer / Donkerbloem Bd.1


gut

Gut, aber in den Folgebänden sicher noch steigerungsfähig
Linus Gerschke ist für mich im Normalfall immer ein Garant für super spannende deutsche Krimis. Mit dem Auftaktband seiner neuen Donkerbloem-Trilogie „Der Trailer“ bleibt er allerdings etwas hinter meinen Erwartungen zurück.
Dabei hat die Story viel Potenzial: Durch einen Truecrime-Podcast wird ein alter Vermisstenfall wieder aufgerollt, bei dem vor 15 Jahren eine junge Frau von einem belgischen Campingplatz spurlos verschwand.
Die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke, die wegen einer Intrige gegen sie, vom Dienst suspendiert wurde, kannte Lisa Martin, die mit ihr die selbe Schule besuchte und wurde deshalb von einem bekannten Podcaster zum Interview zu deren Verschwinden eingeladen. Plötzlich kontaktiert ein Zeuge Frieda und deutet an, dass er Informationen hat, die damals bei den Ermittlungen nicht berücksichtigt wurden. Frieda spürt den Zeugen mit Namen Wout auf, der mittlerweile eine Kneipe in Köln führt und alles andere als begeistert davon ist, dass Frieda die Vergangenheit wieder ans Licht zerrt. Zusammen mit seiner Untermieterin Kathinka und seinem Freund Tayfun fährt Wout wieder zu Camp Donkerbloem, um herauszufinden, was dort bei einer Party vor 15 Jahren wirklich geschah. Frieda folgt den dreien und alle geraten in tödliche Gefahr. Auch das Rätsel um Lisa Martins Verschwinden klärt sich auf, doch in keinster Weise so, wie es alle erwartet hatten.
Spannend ist das neue Buch von Linus Gerschke wieder zweifellos. Ich hatte nur das Problem, dass ich einige der Personen nicht wirklich mochte.
Da ist zum Beispiel Kathinka, die keine Berührungen zulassen Kanin und trotzdem Wouts tröstende Nähe sucht. Irgendwie konnte ich zu ihr keine richtige Beziehung aufbauen. Und auch Wout selbst fand ich zu machohaft, als dass er mir sympathisch geworden wäre.
Ich habe aber die Hoffnung, dass dies in den Fortsetzungen besser wird.
Schreiben tut der Autor richtig toll. Vor allem mag ich, wie er auf dem im Wald gelegenen Campingplatz so eine unheilvolle Atmosphäre kreiert.
Von mir also durchaus eine Leseempfehlung, nicht nur für eingefleischte Fans des Autors.
Die Umschlaggestaltung finde ich mega und obwohl ich sonst Farbschnitte eher für unnötig halte, bin ich von diesem mit seinen Nieten und Schattierungen sehr angetan.