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Benutzername: Kathi248
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Bewertungen

Insgesamt 38 Bewertungen
Bewertung vom 12.07.2020
Zwischen den Seiten / Das Buch der gelöschten Wörter Bd.2
Garner, Mary E.

Zwischen den Seiten / Das Buch der gelöschten Wörter Bd.2


sehr gut

Die Reise in die Welt der Bücher geht in die zweite Runde

Mit "Das Buch der gelöschten Wörter - Zwischen den Seiten" ist kürzlich der packende zweite Band von Mary E. Garners Trilogie erschienen. Und soviel gleich vorweg: Trotz kleinerer Kritikpunkte hat mir auch dieser Band wieder sehr gefallen.
Seit die Londonerin Hope Turner in Begleitung des grummeligen Rufus Walker in die Welt der Bücher reisen kann, ist in ihrem bislang eher langweiligen Leben nun nichts mehr so, wie es einmal war. Denn diese Welt schwebt immer noch in großer Gefahr, eine Gefahr die auch vor der echten Welt keinen Halt macht. Und so machen sich Hope und ihre Freunde aus dem Bund erneut auf, um das Geheimnis um die Absorbierter zu lüften und deren mysteriösen Anführer Quan Surt zu finden. Denn dieser hat es auf das titelgebende Buch der gelöschten Wörter abgesehen, welches der Bund aus Menschen und Romanfiguren um jeden Preis schützen muss. Doch es scheint mindestens einen weiteren Verräter in seinen Reihen zu geben und auch dieser muss dringend gefunden und aufgehalten werden.
Man darf sich in diesem Teil der Geschichte auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen, vor allem natürlich mit der 42-jährigen Hope und ihrem Wanderer Rufus, sowie dessen Gehilfen, den Romanfiguren Gwen und Lance. Auch M, Portia Gateway und Kenan treffen wir wieder. Worüber ich mich besonders gefreut habe ist dass Vivien, Hopes Mutter, diesmal eine größere Rolle spielt als bisher, sie mag ich nämlich besonders. Aber auch neue Personen tauchen in Band 2 auf, allen voran Anne von Green Gables, Tinker Bell und der Wanderer Oliver. Und auch der Zauberer von Oz wird in seiner Buchwelt besucht, was mir sehr gefallen hat. Doch wie sich schon im ersten Band abzeichnete, ist man sich nie ganz sicher, wem man wirklich trauen kann. Denn es gibt nach wie vor viele ungeklärte Fragen und die Verdachtsmomente gegen diesen oder jenen Charakter sind breit gestreut.
Der Schreibstil der Autorin konnte mich wieder begeistern, man fliegt förmlich durch die Seiten und die Welt, von der sie erzählt, entsteht sofort wieder vor meinem inneren Auge. Dieser zweite Band ist wie schon Teil Eins wieder unglaublich spannend und spätestens nach dem ersten Drittel misstraut man wieder allen und jedem. Die ganze Zeit fragte ich mich, ob ich etwas übersehen habe, ob nicht vielleicht sogar einer meiner Lieblinge zu den Bösen gehören könnte und wo die Verräter lauern. Was mich dann allerdings teilweise ein wenig enttäuscht hat ist, dass viele Rätsel auf eine Art gelöst werden, die man so einfach nicht kommen sehen konnte und so wurde das miträtseln manchmal etwas schwierig. Auch haben sich einige Fragen zwar gelöst, aber mehr durch Zufall, als durch erfolgreiches Zusammensetzen der einzelnen Puzzleteile, was für mich manchmal etwas unbefriedigend war.
Für mich war dieser zweite Band einen Tacken schwächer als der erste, dennoch habe ich ihn wieder sehr gerne gelesen und bin schon sehr auf den abschließenden dritten Teil gespannt. Die Leser erwartet wieder eine Mischung aus Action, Liebe, Fantasy, Freunschaft und Verrat, es ist also für jeden Geschmack etwas dabei. Allerdings empfehle ich sehr, mit Teil eins der Reihe zu beginnen. Es gibt zwar zu Beginn nochmals einige Erklärungen und auch ein Glossar wurde wieder angehängt, doch dient dies mehr der Auffrischung des Gedächtnisses und ist für komplette Neueinsteiger eventuell nicht ganz ausreichend. Wer aber Band Eins mochte und wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht, darf sich wieder auf schöne Lesestunden freuen.

Bewertung vom 02.07.2020
Lips Don't Lie
Scott, Ginger

Lips Don't Lie


gut

Falsche Erwartungen
Riley, die schon an vielen trostlosen Orten gelebt hat, ist neu in Miller. Ihr Vater kann sich keine Wohnung in einer besseren Gegend leisten, doch diesmal ist es besonders schlimm, denn Miller wird von Gangs regiert. Hier trifft sie auf Tristan, der in eine dieser Gangs quasi hineingeboren wurde. Austreten ist keine Option, denn seine Freiheit müsste er mit dem Leben bezahlen. Also hat er sich bereits mit seinem Schicksal abgefunden - bis eines Tages Riley auftaucht und er Gefühle für sie entwickelt. Doch diese Gefühle versucht er mit aller Macht zu unterdrücken, denn sie könnten Riley in große Gefahr bringen. Und trotzdem beginnt er, die ihm vorherbestimmte Zukunft zu überdenken, denn auch Riley hat sich inzwischen in Tristan verliebt und möchte ihm helfen, den Absprung zu schaffen und für sie beide kämpfen. Aber hat ihre Liebe überhaupt eine Chance, oder wird sie tödlich enden?
Die Hauptcharaktere dieser Geschichte sind sehr unterschiedlich und genauso unterschiedlich waren beim Lesen auch meine Gefühle den beiden gegenüber. Die toughe Riley muss seit dem Fortgehen ihrer Mutter sehr viel Verantwortung übernehmen und hat gelernt, sich durchzubeißen und Respekt zu verschaffen. Sie findet überall schnell Anschluss, doch hinter ihrer Fassade ist sie sehr verletzlich und so leidet sie auch zunehmend unter Tristans abweisendem Verhalten. Dieser verhält sich ihr gegenüber die meiste Zeit wirklich total unmöglich - ja, ich weiß, er will sie auf Abstand halten, doch selbst, wenn ich seine Beweggründe nachvollziehen konnte, war mir das teilweise einfach etwas too much.
Und obwohl die Autorin sprachlich absolut alles richtig macht - jugendlich, flüssig, spannend - war die eigentliche Geschichte in meinen Augen einfach nichts Halbes und nichts Ganzes. Zu viel Gangalltag, um eine Liebesgeschichte zu sein, zu wenig Gangalltag um als Millieustudie durchzugehen und definitiv viel zu viel Basketball, um nur als Rahmen zu dienen. Es wirkt ein wenig, als ob die Autorin selbst nicht ganz sicher war, welche Art Roman sie eigentlich schreiben wollte. Das wäre an sich auch gar nicht so schlimm, wenn nicht Cover und Klappentext eindeutig andere Erwartungen schüren würden.
So fällt es mir leider schwer, eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen, denn obwohl ich das Buch nicht schlecht fand, wüsste ich nicht, wem genau ich es empfehlen würde, da mir die Geschichte in zu vielen Kategorien angesiedelt ist, aber in keine davon wirklich gut passt. Darum bleibt bei mir nur der Eindruck von "Kann man lesen, muss man aber nicht".

Bewertung vom 14.06.2020
Whitefeather / Legende der Schwingen Bd.1 (eBook, ePUB)
Meadows, K. T.

Whitefeather / Legende der Schwingen Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Romantasy vor traumhaft schöner Kulisse

In "Whitefeather", dem ersten Band der "Legende der Schwingen"-Dilogie erzählt K.T.Meadows die Geschichte der 18-jährigen Liz, welche - genau wie ihre Freunde auch - kurz davor steht, ihre Engelsflügel zu erhalten. Hierzu muss sie von einer heiligen Klippe springen, um dann weiße oder schwarze Schwingen zu erhalten und in eine der beiden Himmelsstädte aufsteigen zu können. Sie ist sich sicher, dass sie dadurch eine Whitefeather wird und somit Abschied von ihren Freunden nehmen muss, die zu Blackfeathers werden. Doch was, wenn nicht alles so eindeutig schwarz oder weiß ist, wie Liz bisher angenommen hat?
Zu Beginn lernen wir Liz und ihre beiden Freunde Lijan und Fab kennen und erfahren viel über deren Leben. Ich hatte anfangs ein wenig Schwierigkeiten damit, mich mit den Figuren anzufreunden, da sie mir ein wenig zu blass und langweilig erschienen. Vor allem Liz war mir im ersten Drittel der Geschichte etwas zu naiv und angepasst. Dies änderte sich aber glücklicherweise im Verlauf des Buches und nicht nur ihr Charakter machte eine interessante und glaubwürdige Entwicklung durch. Auch mit Fab wurde ich nicht sofort warm, doch er wuchs mir mit der Zeit immer mehr ans Herz. Die Beziehungen der einzelnen Protagonisten untereinander wurden ebenfalls spannend und authentisch geschildert.
Die Autorin beschreibt das Himmelreich sehr detailliert und ich konnte mir beim Lesen alles wunderbar vorstellen. Das Setting fand ich also wirklich großartig. Nach dem recht langatmigen Beginn zieht die Spannung langsam an und es gibt einige Überraschungen und unvorhergesehene Wendungen, bis sich am Ende die Ereignisse regelrecht überschlagen und einen den zweiten Teil herbeisehnen lassen.
Eine Geschichte, die sich mit all den Grautönen zwischen Weiß und Schwarz beschäftigt und die Suche nach der eigenen Identität in einem traumhaft schönen Setting stattfinden lässt. Ich bin gespannt auf den zweiten Teil und kann das Buch trotz gewisser Startschwierigkeiten doch empfehlen.

Bewertung vom 03.06.2020
Der erste Federstrich / Das Buch der gelöschten Wörter Bd.1
Garner, Mary E.

Der erste Federstrich / Das Buch der gelöschten Wörter Bd.1


ausgezeichnet

Toller Reihenauftakt

In "Der erste Federstrich" - Band Eins der Reihe "Das Buch der gelöschten Wörter" von Mary E. Garner - werden wir von Hope Turner mitgenommen auf eine Reise durch die Literatur. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Die sympatische, Anfang 40-jährige Büchernärrin wird nach ihrem täglichen Besuch bei ihrer demenzkranken Mutter im Pflegeheim vom plötzlich einsetzenden Regen überrascht und flüchtet sich in eine Buchhandlung. Hier erfährt sie, dass es Menschen gibt, welche in jedes Buch portieren können und so verschiedene Buchwelten und -figuren besuchen können. Einer dieser Menschen ist der mürrische Rufus Walker, welcher sie nicht nur den Romanen ihrer geliebten Jane Austen näher bringt, als sie sich jemals erträumt hätte. Doch sie erfährt auch, dass diese Buchwelt in Gefahr ist und vielleicht nur mit ihrer Hilfe gerettet werden kann.
Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich begeistert von Hope bin, die so ganz anders als die meisten Hauptfiguren in Fantasyromanen ist. Vor allem ihr Alter ist ungewöhnlich für eine Protagonistin in diesem Genre und allein dadurch wirkt sie gleich viel origineller als die ewig gleiche junge Frau, die sonst so oft beschrieben wird. Gemeinsam mit Hope begegnet man den unterschiedlichsten Romanfiguren, welche sich allerdings nicht immer an ihre ehemals erdachte Rolle halten. Denn auch Buchcharaktere entwickeln sich weiter und so zeigen manche von ihnen ganz neue Seiten an sich. 
Gut gefallen hat mir auch der äußerst charmante Schreibstil der Autorin. Er passt wunderbar zu dem Setting in London und ist humorvoll und spannend zugleich. Durch viele genau beschriebene Details entstanden beim lesen nicht nur die Buchhandlung, welche Ausgangspunkt für Hopes Reisen ist, sondern vor allem auch die einzelnen Buchwelten sofort vor meinem inneren Auge. Großartig gewählt sind auch die Namen vieler Figuren und vor allem der Ideenreichtum der Autorin, wenn es um Zusammenhänge und Erklärungen der Buchwelt und der drohenden Gefahr geht, ist einfach nur zum staunen. Ebenfalls sehr gefallen haben mir die immer wiederkehrenden Szenen mit Hopes Mutter oder Szenen in denen Hope von ihrer Mutter erzählt, diese haben mich sehr berührt. Sie sind so liebevoll geschrieben, gerade die Kindheitserinnerungen - wunderschön! Auch hatte ich beim Lesen großen Spaß daran zu rätseln, wer welche Buchfigur ist. Manche erkennt man sofort, andere erst nach Aufklärung.
Insgesamt lässt sich sagen, dass dieser Auftakt zu einer Reihe sehr gelungen ist. Wir lernen die Protagonisten und eine neue Welt kennen, erfahren etwas über die dort geltenden Regeln und die drohende Gefahr, und bleiben dank einem fiesen Cliffhanger sehnlichst auf den nächsten Band wartend zurück. Ein Buch, an welchem sowohl Freunde klassischer Literatur als auch Fantasyleser ihre helle Freude haben werden!

Bewertung vom 25.05.2020
Ardantica - Der Obsidian (ungekürzt) (MP3-Download)
Steinert, Carolin A.

Ardantica - Der Obsidian (ungekürzt) (MP3-Download)


sehr gut

In "Ardantica: Der Obsidian" erzählt Carolin A. Steinert die Geschichte der gleichermaßen ehrgeizigen wie schüchternen Studentin Leyla, welche eines Tages durch einen Übergang in das magische Land Naurenya gerät. Dieses wird immer mehr zu Stein, doch bisher weiß niemand, wer für diese Versteinerung verantwortlich ist. Und obwohl die menschlichen Bewohner dieser Welt die Fähigkeit haben, die Elemente zu beherrschen, stehen sie dem Phänomen machtlos gegenüber. Wird Leyla den Mut aufbringen, um nach der Ursache der Versteinerung zu suchen? Wird sie vielleicht sogar dabei helfen können, die drohende Zerstörung Naurenyas, und auch ihrer eigenen Welt, aufzuhalten?
Die anfangs ängstliche und sehr schüchterne Leyla war mir direkt zu Beginn schon sympathisch und ich hatte Spaß dabei, sie auf ihrer Reise durch Naurenya und bei ihrer Entwicklung zu einer immer mutigeren jungen Frau zu begleiten. Unterstützt wird sie dabei von einigen Freunden, manche mehr, andere weniger sympathisch. Vor allem der Gestaltwandler Pan gefiel mir gut, er ist stets sehr geheimnisvoll und verfolgt eigene Pläne, weicht dabei aber nicht von Leylas Seite. Auch Theo, einen Auristen aus einer alten Adelsfamilie, mochte ich trotz seiner mürrischen und eitlen Art sehr gerne. Einzig Majik, Leylas bester Freund in der "echten" Welt, hat mich mit seinem aufdringlichen Charakter eher genervt. 
Da es sich bei diesem Hörbuch um den ersten teil einer Reihe handelt, werden viele Fragen zwar gestellt, aber die wenigsten abschließend beantwortet. Man erfährt im Laufe der Geschichte immer mehr Details über die magische Welt und ihre Bewohner und nach einigen Überraschungen, und auch ein paar etwas vorhersehbareren Plottwists, endet das ganze mit einem fiesen Cliffhanger, der mir eine richtige Gänsehaut gemacht hat. Die Spannungskurve flacht leider immer wieder ab und zwischendurch wirkt das Handeln der Gruppe manchmal recht planlos, aber dank des wirklich spannenden Endes bin ich doch daran interessiert zu erfahren, wie die Story sich im nächsten Band entwickeln wird.
Außerdem möchte ich unbedingt noch ein Hörbuch mit Martha Kindermann als Sprecherin hören, diese schafft es nämlich mit ihrer wunderbar ruhigen und irgendwie melancholisch wirkenden Stimme, einen wirklich in die Erzählung eintauchen zu lassen und jeden einzelnen Charakter mit Leben zu füllen.
Insgesamt ein positives Hörerlebnis und für Fantasy-Freunde auf jeden Fall einen Blick wert.

Bewertung vom 21.05.2020
Der Bodyguard
Rüther, Sonja

Der Bodyguard


sehr gut

In "Der Bodyguard" erzählt Sonja Rüther die Geschichte von Personenschützer Maik, welcher sich nach einem äußerst ungewöhnlichen Kennenlernen in seine Schutzbefohlene Lynn, eine wohlhabende junge Frau, verliebt. Sie erwidert seine Gefühle und alles könnte so schön sein - doch da wird Lynn vor Maiks Augen brutal entführt. Kann er die Frau, die er liebt, noch retten?
Die Story beginnt sehr, sehr gemächlich. Anfangs werden nach und nach die Charaktere eingeführt und die Beziehung der Protagonisten Maik und Lynn entwickelt sich. Dafür hat sich die Autorin viel Zeit gelassen und ich war schon kurz davor, das Buch gelangweilt ins Regal zu stellen, doch dank der sympathischen Charaktere habe ich durchgehalten - und wurde belohnt. Nach ca einem Drittel kam dann endlich die von mir ersehnte Spannung auf und ab da gab es kein Halten mehr. Durchgeknallte Entführer, detaillierte Kampfszenen und das ständige mitfiebern, da ich wirklich mit den zuvor so ausführlich beschriebenen Charakteren mitgelitten habe.
Besonders gefallen hat mir hier die Figur der Lynn, welche meilenweit entfernt von der reichen, hilflosen, jungen Frau war, die man hier vielleicht erwartet hätte. Sie wird als echte Powerfrau beschrieben und wartet nicht einfach nur schluchzend auf ihren Retter. Auch Maik ist nicht der typische Bodyguard, er wird empathisch und clever dargestellt und bezeichnet sich selbst als Pazifisten, der eigentlich keine Waffen mag. Auch die Nebenfiguren und deren Beziehungen untereinander fand ich zum großen teil glaubwürdig und passend gestaltet.
Nach dem für meinen Geschmack deutlich zu gemächlichen Start, nahm die Geschichte doch noch sehr an Fahrt auf und es wurden immer neue Wendungen erzählt, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Somit finde ich die Bezeichnung Thriller ein wenig irreführend, aber wer gerne eine unglaublich spannende Lovestory mit Thrillerelementen lesen möchte, kann hier gerne zugreifen.

Bewertung vom 15.05.2020
Liber Thanatamor
Rödel, Dirk-Boris

Liber Thanatamor


sehr gut

Die Kurzgeschichtensammlung "Liber Thanatamor" ist das Debüt des Autors Dirk-Boris Rödel und beinhaltet 17 Kurzgeschichten, welche sich alle um das Thema Magie drehen. Die unabhängig voneinander lesbaren Geschichten sind in drei Kategorien unterteilt: Dramen, Visionen und Unfug, wobei die Dramen bei weitem den größten Teil ausmachen.

In diesem ersten Teil versammelt der Autor Geschichten, die mal in der Gegenwart, mal in der (näheren und ferneren) Vergangenheit angesiedelt sind. Die Geschichten welche in längst vergangenen Zeiten spielen haben mir meist besser gefallen, da die Sprache des Autors hier einfach besser zu passen scheint - aber dazu später mehr.
Besonders positiv herausgestochen sind in diesem Abschnitt die Geschichten "Das Einhorn von Magdeburg" und "Der Besucher". Erstere hat mich sehr gerührt. Sie handelt von einem jungen Mann, dessen Familie im Krieg ermordet wird, woraufhin er alles hinter sich lässt und selbst zu dem wird, was er eigentlich hassen müsste. Sie zeigt, wozu die Menschen in Notlagen im Stande sind, wie sie verrohen und bösartige Dinge tun. Doch die Begegnung mit einem jungen Mädchen lässt den Protagonisten erkennen, wozu er geworden ist und er erhält die Chance, seine Menschlichkeit unter Beweis zu stellen, wenn auch auf äußerst schmerzhafte Art und Weise. Eine sehr traurige Geschichte, die mir gut gefallen hat. Die Zweite großartige Geschichte aus diesem Abschnitt des Buches, "Der Besucher", handelt von einem Mann, der so einsam ist, dass er bereit ist für ein wenig Gesellschaft wirklich alles zu geben. Ein Fabelwesen, dass ihn eines Nachts besucht, bekommt dies auf grausame Art zu spüren. Die Geschichte endet für beide tragisch und hat mich noch eine ganze Weile beschäftigt.
Der zweite Abschnitt ist mit "Visionen" betitelt und enthält zwei wunderschöne Schöpfungsgeschichten, beide sehr poetisch und surreal. Sie haben etwas rauschhaftes und verträumtes und wirken noch lange nach. Sicher werde ich sie noch mehrmals hervorholen und im Klang ihrer Worte schwelgen.
Den Abschluss des Buches bilden drei Erzählungen der Kategorie "Unfug", welche alle sehr humorvoll sind und einem nach den vielen, sehr nachdenklich stimmenden Texten ein lächeln ins Gesicht zaubern - oder einen auch mal laut auflachen lassen. Da nutzt eine stets verwirrte Hexe aus Versehen Brausepulver statt Schwefel für einen Zauber, der Dämon Marduk macht jetzt "irgendwas mit Musik" und ein Mann will möglichst unhöflich zu einer alten Frau sein, um ja keinen weiteren Besuch einer wunscherfüllenden Fee zu erhalten.

Die Geschichten in diesem Buch sind alle recht kurz gehalten und eignen sich gut, um sie zwischendurch einzeln zu lesen, so kann man sie auch besser noch ein wenig nachwirken lassen, da einige von ihnen doch sehr nachdenklich stimmen. Manche lassen auch einigen Raum für Interpretationen und so lohnt es sich, der einen oder anderen Geschichte auch etwas Zeit zu lassen noch ein wenig nachzuhallen. Teilweise hätte ich mir die Erzählungen etwas ausführlicher gewünscht und gerade bei den Geschichten welche in der Gegenwart spielen passte die teils altertümlich anmutende Sprache des Autors nicht immer perfekt zum Inhalt. Eine Braut, die ihren Zukünftigen nicht "schelten" will als dieser verletzt auf seiner Hochzeit auftaucht, passt für mich nicht zu den Flitterwochen in der Dominikanischen Republik, um ein kleines Beispiel zu nennen. Dies hat den Lesefluss für mein Empfinden bei zwei oder drei der Erzählungen ein wenig gestört, passt aber umso besser zu den in der Vergangenheit angesiedelten Geschichten, weshalb dies auch nur ein kleiner Kritikpunkt ist.
Alles in allem ein sehr gelungenes Debut voll melancholischer, poetischer, nachdenklich stimmender und auch lustiger Geschichten, bei denen jeder Leser, der gerne ein wenig Magie in seinen Alltag lassen möchte, fündig wird.

Bewertung vom 12.05.2020
Die Tanzenden
Mas, Victoria

Die Tanzenden


ausgezeichnet

Eugénie de Cléry passt so gar nicht zu dem Bild, das die Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert von einer jungen Frau hat, möchte sie doch weder heiraten, noch sich mit der Rolle einer ruhigen Hausfrau zufrieden geben. Als sie dann auch noch ihrer Großmutter anvertraut, sie könne mit Toten reden, hat ihr Vater endgültig genug und verfrachtet sie kurzerhand in die Salpêterière, eine berüchtigte Nervenheilanstalt. Dort trifft sie unter anderem auf die Mitinsassin Louise und die Aufseherin Geneviève und wir folgen der Geschichte dieser drei Frauen eine Weile durch den Alltag in der Klinik. In Vorlesungen werden die Patientinnen als Anschauungsobjekte den Studenten vorgeführt und gedemütigt. Gemeinsam warten sie auf das größte Ereignis des Jahres, ein regelmäßig stattfindender Ball zu welchem viele Gäste geladen sind, die nur darauf warten mit anzusehen wie hoffentlich die ein oder andere Patientin aus der Reihe tanzt, um dann vielleicht sogar einen echten hysterischen Anfall mitzuerleben.
Mit ihrem Debütroman "Die Tanzenden" hat Victoria Mas einen Roman über unterdrückte, misshandelte Frauen geschrieben, welche nicht in das gesellschaftliche Rollenbild ihrer Zeit passen und deshalb - oft sogar von ihren eigenen Familien - einem grausamen Schicksal ausgesetzt wurden. Man darf sich hier nicht durch das schöne, fröhlich und leicht wirkende Cover täuschen lassen: Der Inhalt bietet einen deutlichen Kontrast dazu. Es ist erschreckend, von den unmenschlichen Behandlungsmethoden zu lesen und die Beschreibungen sind teilweise nur schwer zu ertragen. Man spürt die allgegenwärtige Macht des männlichen Geschlechts, die im krassen Gegensatz zu der Machtlosigkeit der Frauen steht.
Die einzelnen Protagonistinnen Eugénie, Louise und Geneviève sind gänzlich unterschiedlicher Herkunft und wirken trotzdem alle drei extrem authentisch, so detailgetreu werden sie beschrieben. Man leidet förmlich mit ihnen und hofft auf einen guten Ausgang für jede einzelne , doch vermutet bald, dass es nicht für alle glücklich enden wird. Anhand dieser drei liebevoll ausgearbeiteten Charaktere macht die Autorin subtil auf die Missstände der damaligen Zeit aufmerksam und mehr als einmal fragte ich mich bei der Lektüre, wie viel immer noch aktuelles in diesem Roman steckt.
Poetisch, sanft und eindringlich zugleich schildert die Autorin den Anstaltsalltag und man merkt ihrem Schreibstil stets die Zuneigung zu ihren Figuren an. Dank ihrer unaufgeregten Sprache findet sich vieles nur zwischen den Zeilen und das Feingefühl gepaart mit Ausdrucksstärke in Victoria Mas´ Erzählweise haben mich sehr beeindruckt.
Ein berührendes und nachdenklich stimmendes Buch, welches ich sehr empfehlen kann.

Bewertung vom 11.05.2020
Die Frau im grünen Regenmantel
Lippman, Laura

Die Frau im grünen Regenmantel


sehr gut

"Die Frau im grünen Regenmantel" ist der neue Kriminalroman aus der Feder Laura Lippmans und Teil einer Serie um die Privatdetektivin Tess Monaghan. Schauplatz ist das herbstliche Baltimore im Jahr 2008, wo die 35-jährige Tess die letzte Zeit ihrer Schwangerschaft im Bett verbringen soll. Schon nach kurzer Zeit geht der werdenden Mutter die ihr verordnete Bettruhe gehörig auf die Nerven und so beobachtet sie mit einem Fernglas das Treiben im benachbarten Park. Hier erregt eine Dame ihre Aufmerksamkeit, die täglich im grünen Regenmantel ihren passend gekleideten Windhund spazieren führt. Als der Hund eines Abends alleine durch den Park läuft, vermutet Tess sofort, dass etwas nicht stimmt und macht sich daran, mit den (ihrer Einschränkung wegen wenigen) ihr zur Verfügung stehenden Mitteln nach der Verschwundenen zu suchen. Schnell stößt sie dabei auf deren Ehemann und seine äußerst verdächtige Vergangenheit, in welcher schon mehrere seiner Exfrauen und -freundinnen verschwanden oder gar ums Leben kamen - alle durch unglückliche Verkettungen des Schicksals, angeblich. Daraufhin setzt Tess ihre beste Freundin auf den ominösen Herrn an und auch der zukünftige Vater ihres Kindes wird mit Ermittlungsaufgaben betraut.
Spannend und atmosphärisch dicht geschrieben schreitet die Handlung schnell voran und es bleibt keine Zeit, sich auf den knapp 200 Seiten auch nur eine Sekunde zu langweilen. Doch dank Lippmans großartigem Schreibstil kommt auch der Humor nicht zu kurz und die charmante witzige Erzählweise hat mir wirklich gut gefallen.
Auch die Protagonistin Tess war mir auf Anhieb sehr sympathisch und wie sie sich immer neue Wege einfallen ließ um von zu Hause aus zu ermitteln, war wirklich klasse. Die Nebenfiguren hätten für meinen Geschmack noch etwas mehr Raum in der Geschichte einnehmen dürfen, ein paar Seiten mehr hätten dem Buch meiner Meinung nach hier nicht geschadet.
Wiederum toll fand ich, dass der Krimi ohne großartige Gewaltdarstellungen auskommt, weshalb man dieses Buch auch ohne Bedenken verschenken kann, selbst wenn man die Lesevorlieben seines Gegenübers nicht genau kennt.
Was diesen Kriminalroman ebenfalls zu einem großartigen Geschenk machen würde, ist die absolut liebevolle und gelungene Aufmachung. So liegt der schmale Band durch sein etwas kleineres Format sehr gut in der Hand, ist aber dank festem Einband immer noch sehr stabil und fasst sich einfach schön an. Durch den roten Buchschnitt wirkt das ganze gleich nochmal wertiger und das wirklich passende Cover tut sein übriges.
Wer also einen witzigen, spannenden und unblutigen Krimi für zwischendurch oder auch als Geschenk sucht, ist hier bestens bedient und sollte unbedingt zugreifen.

Bewertung vom 10.05.2020
American Dirt
Cummins, Jeanine

American Dirt


sehr gut

In "American Dirt" erzählt die Autorin Jeanine Cummins die Geschichte von Lydia und ihrem 8-jährigen Sohn Luca. Die beiden sind die einzigen Überlebenden eines Attentats, bei welchem ein Drogenkartell ihre gesamte Familie ermordet hat. Nach dieser schrecklichen Tat müssen die beiden von Acapulco aus nach Norden in die USA fliehen, immer auf der Hut um nicht von ihren Verfolgern des Kartells aufgespürt zu werden. Aber diese sind nicht die einzige Gefahr, der die beiden auf ihrer lebensgefährlichen Reise auf dem real existierenden Güterzug "la Bestia", durch Migrantenunterkünfte und die Wüste entkommen müssen.
Das Buch ist von der ersten Seite an unglaublich spannend und der mitreißende Erzählstil der Autorin lässt einen jegliche Emotion mit Lydia teilen. Mal ist man voller Hoffnung, mal einfach nur unendlich erschöpft und immer hat man Angst. Doch mit Lydia hat Jeanine Cummins eine enorm starke Frauenfigur geschaffen, die nicht aufgibt und für sich und vor allem ihren Sohn weiter kämpft, obwohl die Umstände sie wieder und wieder in die Knie zu zwingen drohen. So lernt sie auf dem Weg eine Menge Menschen kennen, andere Migranten, Schlepper, Freunde und Feinde. Vergewaltigungen und Überfälle sind an der Tagesordnung, jedoch werden diese glücklicherweise oft nur angedeutet und nicht reißerisch ausgeschlachtet. Auch so ist die Atmosphäre des Buches schon mehr als beklemmend. Denn bei der hier erzählten Geschichte handelt es sich zwar um reine Fiktion, der Hintergrund der Flüchtlinge ist jedoch traurige Realität an vielen Orten auf der Welt. Drogenkartelle und Menschenschmuggel, Gewalt, Flüchtlinge, Schlepperbanden - das alles passiert jeden Tag wirklich und mit ihrem Buch möchte die Autorin auf diese absolut realen Probleme aufmerksam machen. Sie verleiht den Migranten eine Stimme und hilft durch die von ihr geschaffene Figur der Lydia, diese Menschen als Individuen wahrzunehmen.
Ein fesselndes Buch, dass mich atemlos zurücklässt und mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.