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Benutzername: carathis
Wohnort: Rostock
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Bewertungen

Insgesamt 24 Bewertungen
Bewertung vom 30.10.2019
Plötzlich war ein Wuckel da
Marmon, Uticha

Plötzlich war ein Wuckel da


ausgezeichnet

Toll für alle werdenden Geschwisterkinder

Schöne und lehrreiche Kinderbücher sind mit immer mehr ein Anliegen, seit ich selbst Mama geworden bin. Dabei ist es mir sowohl wichtig, dass die Geschichte lustig und spannend ist, aber auch, dass die Kleine etwas mitnehmen kann.

Und bei dem Bilderbuch „Plötzlich war ein Wuckel da“ werden beide Facetten miteinander vereint. Ich fühlte mich auch als Erwachsene, besonders durch die grafisch ansprechende Gestaltung, gut unterhalten. Der kleinen Ida sieht man so richtig schön an, dass sie keine Lust auf ein neues Geschwisterchen hat, das nur schreit und trotzdem Vorrang bei den Eltern hat. Ihre Grimassen und die teils leidvollen Gesichtsausdrücke der Eltern lassen einen richtig mitfühlen. Was mir an den Bildern auch gut gefällt ist die moderne Art. Mama und Papa sind eher Hipster-Eltern – der Vater mit Vollbart und Tätowierung – die mit geschmackvollen Designer-Möbeln leben.

Für kleine Kinder ist es durch den gereimten Text, der sparsam dosiert die Bilder begleitet, einfach, der Geschichte zu folgen und auch den Zusammenhang herzustellen. Frech und ein wenig listig nutzt Ida den neuen Wuckel, um alle schlimmen Dinge, die sie anstellt, auf ihn abzuwälzen. Klappt natürlich nicht so ganz. Aber lustig ist es allemal.

Die Erkenntnis, dass das kleine Geschwisterchen, dessen Geschlecht keine Rolle spielt, was ich gut finde, auch liebgewonnen werden kann und man mit ihm Spaß haben kann rundet die Geschichte schließlich ab.

Bewertung vom 25.09.2019
Spukalarm in der Schokofabrik
Matysiak, Mascha

Spukalarm in der Schokofabrik


ausgezeichnet

Eine süße Geschichte mit Teamgeist

Die erfahrene Kinderbuchautorin Mascha Matysiak lädt uns auf eine abenteuerliche Exkursion in eine stillgelegte Schokoladenfabrik ein. Klara, die neu in der Schokosiedlung ist, erkundet diese mit ihren neuen Freunden Matti und Theo. Doch statt Pralinés und süßem Duft finden die Drei viel Staub, alte Gerätschaften und überraschende Gestalten.
Ich hatte, nach Cover und Titel zu urteilen, erwartet, dass es eine etwas gruselige Geschichte wird, dies war es nach meinem Geschmack nicht. Aber vielleicht ist es das für Kinder im Alter von etwa 8 Jahren, für die diese Geschichte geschrieben wurde. Vielmehr geht es um den Aufbau von Freundschaften, die Eingewöhnung in einem neuen Wohnumfeld und das Helfen und Unterstützen von liebgewonnenen Wesen.
Klara, wie schon erwähnt die Hauptfigur, ist mit ihrer Mutter umgezogen. So richtig wohl fühlt sie sich am Anfang natürlich nicht in der neuen Umgebung. Ihre liebste Freundin vermisst sie sehr und die erste Begegnung mit den Nachbarsjungen verläuft auch nicht gerade günstig. Durch glückliche Umstände kann Klara aber doch beweisen, dass sie ein cooles Mädel ist, mit dem die Jungs dann gerne um die Häuser ziehen und auch den Einbruch in die alte Fabrik wagen. Die typischen Zwistigkeiten unter Kindern sind treffend dargestellt und jede Figur hat ihre liebevollen Macken und Vorlieben. Nicht nur die Kinder, sondern auch die anderen Bewohner der Siedlung werden herzig dargestellt, von Kater Nougat bis Frau Süß, ist alles sehr „schokoladig“.
Die eigentliche Herausforderung kommt dann noch auf die Kinder zu, aber dazu möchte ich nicht zu viel verraten, nur dass es um die Verhinderung eines üblen Ereignisses geht. Dafür müssen die Drei einen gewieften Plan aushecken, sich Verstärkung holen, tapfer und kreativ sein. Es gibt viele lustige Situationen, manche auch nicht ganz pädagogisch wertvoll, aber das macht letztlich nichts. Denn das schöne und lehrreiche Ende wertet den ganzen Unfug wieder auf.
Die liebevollen Illustrationen von Monika Parciak werten die Geschichte noch zusätzlich auf, sodass ich dieses Buch auf jeden Fall weiterempfehlen kann. Es ist sowohl für Mädchen, als auch Jungs geeignet.

Bewertung vom 28.08.2019
Verrückt nach Karten

Verrückt nach Karten


ausgezeichnet

Ich bin vollkommen begeistert

Ich muss schon zugeben, es gibt nur wenige Bücher, die es mir wert sind, mehr als zwanzig Euro auszugeben. „Verrückt nach Karten“ ist nicht allein durch seine Gestaltung und sein Format besonders, sondern auch die Idee und Umsetzung des Themas ist außergewöhnlich und rechtfertigt für mich den hohen Preis. Die mehr als zweihundert bunten und kreativen Seiten um Landkarten aller Art sind ein absolutes Muss für Literaturfans und geographisch Interessierte.

Huw Lewis-Jones, Historiker und Naturforscher, hat eine ganze Hand voll talentierter Autoren um sich geschart und gemeinsam mit ihnen Karten ausgegraben, die Geschichten erzählen. Poetisch, philosophisch und auch historisch wandelt man auf den Pfaden von Narnia bis nach Mordor. Es kommen unter anderem Philip Pullman, der Autor der Trilogie um den „Goldenen Kompass“ und David Mitchell, Schöpfer des „Wolkenatlas“ zu Wort. Lewis-Jones lud aber auch unbekanntere Menschen dazu ein, ihre Sichtweise auf die zweidimensionalen und doch oft vielschichtigen Welten darzulegen. So erweitern hier auch Illustratoren oder Puppenmacher unseren Horizont.
Bei der Vielzahl an Beiträgen kann es vorkommen, dass einen der ein oder anderen Text vielleicht nicht ganz anspricht, aber dann blättert man einfach weiter oder verliert sich in den meist großformatigen Abbildungen der vielen detailreichen Karten und kommt selbst ins Träumen.

Man erfährt einiges über die Entstehungsgeschichte von kartographischem Material und auch Romanen, wie der „Schatzinsel“. Dank vieler Anekdoten und den persönlichen Sichtweisen vieler Autoren, macht es unglaublichen Spaß mit ihnen in die fantastischen Welten einzutauchen.
Es lässt sich in kurzer Form gar nicht die Vielfalt dieses Buches beschreiben, ich bin aber restlos begeistert. Das folgende Zitat des Herausgebers fasst meine Eindrücke aber gut zusammen:

„Das Vergnügen an Karten speist sich nicht nur aus der Idee, unbekannte Gebiete zu erforschen, sondern auch aus der Erkenntnis, dass die Stelle, an der wir stehen, nur ein kleiner Teil eines riesigen, verwirrenden Ganzen ist.“ (S. 226)

Bewertung vom 23.07.2019
Fünf Tage im Mai
Hager, Elisabeth R.

Fünf Tage im Mai


gut

Verlust und Liebe auf engstem Raum... voller Gefühl

Heutzutage ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, seine Urgroßeltern wirklich kennenlernen zu können. Und umso mehr sollte man es dann genießen und wertschätzen, wenn dies möglich ist. Genau dies tut auch die Protagonistin in Elisabeth Hagers Roman „Fünf Tage im Mai“. Sie erzählt von der Beziehung des jungen Mädchens Illy zu ihrem Urgroßvater, den sie nur Tat’ka nennt. Obwohl er als ältester Mensch des urigen Tiroler Dorfs aus einer ganz anderen Zeit stammt als Illy, versteht er sie doch viel mehr als ihre eigenen Eltern.

Diese verbieten ihr den Umgang mit ihrer ersten großen Liebe Tristan. Der Musiker und unkonventionelle (für Tiroler Verhältnisse) Typ passt nicht in das ordentliche Bild, welches die Dorf-Gemeinschaft vorgibt. Nur Tat’ka versteht Illy und ihre Liebe zu Tristan. Dass diese Liebe aber nicht ohne Probleme daherkommt, lässt sich leicht erahnen. Und so treffen wir Illy, Tristan und Tat’ka in verschiedenen Situationen, stets im Mai, aber in unterschiedlichen Jahren an. Die Wandlungen sind manchmal drastisch, manchmal erst nach ein paar Seiten des neuen Kapitels verständlich, gehen aber sehr zu Herzen und hinterlassen ein melancholisches Bild einer tragischen Jugendliebe und die tiefe Verbundenheit zwischen Enkelin und Urgroßvater.

Dieses Buch geht zu Herzen. Für mich war es manchmal ein wenig zu viel. Wenn man selber schon Verlust erlebt hat, ist es oft nicht so einfach, darüber zu lesen. Und die Autorin schafft es sehr eindringlich, die Gefühle aufleben zu lassen. Die Handlungen an sich stehen nicht unbedingt im Vordergrund, sondern vielmehr die damit verbundenen und nachdenklich machenden Gedanken und Gefühle der Protagonisten. Manchen mag das langweilen, manchen versinken in Erinnerungen. So wird dies auch kein Buch für Jedermann sein. Empfehlenswert aber für Tirol- oder Berg-Liebhaber und Menschen, die gern anspruchsvolle Schicksalsromane und Familiengeschichten lesen.

Bewertung vom 17.07.2019
Das Labyrinth des Fauns
Funke, Cornelia; del Toro, Guillermo

Das Labyrinth des Fauns


sehr gut

Geschichte fantasie- und gefühlvoll aufgearbeitet

Mit großer Furore wurde uns in diesen Tagen der neue Roman von Cornelia Funke vom Fischer Verlag präsentiert. Besonders in den sozialen Medien wurde dieses Buch groß beworben, da es die Hauptnutzer dieser Medien, also die Jugend und jungen Erwachsenen, als Leser ansprechen soll.

Nach der Lektüre bin ich mir nicht so sicher, welche Altersempfehlung ich für dieses Buch geben sollte. Denn ohne Zweifel handelt es sich bei "Das Labyrinth des Fauns" nicht um eine einfache, märchenhafte Geschichte mit einem jungen Mädchen und ein paar magischen Geschöpfen. Nein, es ist vielmehr die Aufarbeitung der neueren Geschichte im Spanien des Zweiten Weltkriegs, die auf unterhaltsame, aber eben auch brutale und blutige Art und Weise vorgetragen wird. Man muss miterleben, wie gute Menschen sterben und wie grausam die faschistischen Soldaten mit der Bevölkerung umgegangen sind. Cornelia Funke findet dafür auch sehr deutliche und direkte Worte.
Auf der anderen Seite spielt sie mit der poetischen Macht der Worte und erzeugt als Gegenbild die fantastische Welt des Fauns und des unterirdischen Reichs, dem die Prinzessin Moanna entlaufen ist. Diese beiden Erzählstränge - die reale Welt in der Ofelia ihren Vater verloren hat und dem grausamen Stiefvater Vidal ausgeliefert ist, und der magischen Welt des Fauns und der Feen, in die Ofelia vielleicht nach bestandenen Prüfungen eintreten kann - werden mit zarten Fäden verwoben. Jeder neue Abschnitt wird mit einer märchenhaften Kurzgeschichte eingeleitet, die mal mehr, mal weniger mit der tatsächlichen Handlung zu tun hat. Dies freut des Poeten Herz, verwirrt aber auch manchmal, weil Figuren mehrfach vorkommen und man nicht recht weiß, ob diese nun zusammengehören.

Besonders schön gelungen sind die Illustrationsarbeiten, die ebenfalls abschnittsweise eingefügt sind und auch auf dem Cover, sowie Einband erscheinen.

Leider fehlte mir an manchen Stellen der erzählerische Tiefgang. Handlungen wurden äußerst kurz und fast hastig skizziert, was gerade die spannenden Prüfungsaufgaben anbelangt, waren mir die Abenteuer einfach zu kurz dargestellt. Da hätte man locker mehr Faszination und Fülle hinein schreiben können, damit der Leser etwas länger auf die Folter gespannt wird. So wunderte ich mich manchmal über die einfache Lösung und das schnelle Gelingen der Aufgaben.

Trotzdem ist das neue Buch von Cornelia Funke wunderbar zu lesen. Ihre Sprache ist eindeutig ihre Stärke, obwohl man hier auch mit ein paar grausameren Buchstaben vorlieb nehmen muss. Meine Altersempfehlung tendiert daher eher hin zu 16, da man doch an manchen Stellen besser auch ein bisschen Hintergrundwissen zum Zweiten Weltkrieg und der Herrschaft Francos brauchen könnte.

Zum Schluss ist jedoch auch noch anzumerken, dass das Buch im Vergleich zum Film kaum Neuigkeiten parat hält und deshalb Leser, die den Film schon kennen, vielleicht weniger begeistert sein könnten. Dies wohl auch der Grund, weshalb der Drehbuchautor hier als Co-Autor aufgeführt ist.
Für alle anderen ist dieses Genre-Mix-Buch aber sicher ein besonderes Leseerlebnis.

Bewertung vom 27.03.2019
Das gefälschte Siegel / Die Neraval-Sage Bd.1
Ilisch, Maja

Das gefälschte Siegel / Die Neraval-Sage Bd.1


sehr gut

Eine interessante neue Welt

Ein finsterer Dämon bedroht das Königreich Neraval und nur Prinz Tymur, sowie seine ungewöhnlichen Gefährten können das Unglück noch abwenden. Sie begeben sich auf eine lange Reise ins Nebelreich, in der Hoffnung, dort magische Hilfe zu bekommen.

Die Handlung an sich kommt recht schleppend in Gang, was aber größtenteils daran liegt, dass die Charaktere und auch die neue Welt erst einmal vorgestellt werden. Dies liest sich aber keineswegs langweilig, sondern besticht durch liebevolle Details und auch Witz. Besonders das Aufeinandertreffen von Prinz Tymur mit dem Fälscher Kevron ist filmreif beschrieben. Was mir besonders gut gefallen hat ist, dass die Magie hier nicht unbedingt eine vordergründige Rolle spielt. Es zaubert und hext nicht jede Figur, sondern nur ausgewählte und ausgebildete Personen. Wobei diese auch nicht zwingend höher gestellt sind als andere, wie es in vielen anderen Fantasy-Büchern der Fall ist. Die Magie erstreckt sich eher subtil über verschiedene Bereiche der Handlung. Zwar gibt es auch Magier, eine geht auch mit auf die Reise, aber wir treffen auch auf verzauberte Wälder und unheimliche Gestalten, sowie ein ganzes Volk von Nebelwesen. Diese vielfältigen Ausprägungen der fantastischen Potentiale haben mir an diesem Buch gut gefallen.
Auch die Interaktionen der Figuren waren für mich interessant und modern, denn auch Diversität kommt hier zum Tragen.

Einziges Manko am Buch, wofür es auch einen Stern Abzug gibt, ist die Tatsache, dass die Geschehnisse doch etwas zäh aufeinander folgen. Ich hätte erwartet, dass sich die Reise nicht das ganze Buch über erstreckt, was aber leider der Fall war.

Auf der anderen Seite hat die Autorin das Ende so spannend und unerwartet gestaltet, dass das Lesen des zweiten Teils auf jeden Fall ein Muss sein wird.

Bewertung vom 12.03.2019
Alles, was ich weiß über die Liebe
Alderton, Dolly

Alles, was ich weiß über die Liebe


gut

Authentisch, offen, aber nicht immer ganz mein Geschmack

Dolly Alderton liefert uns mit "Alles, was ich weiß über die Liebe" einen sehr offenen und ehrlichen Einblick in ihr Gefühlsleben als junge Frau. Beginnend mit den ersten aufregenden MSN-Chats in den 90ern bis hin zu Tinder-Dates, die katastrophal enden, dürfen wir sie begleiten.
Zu Beginn war ich ab und zu etwas schockiert über die Situationen, in denen sie gelandet ist und über die sie ohne Verschönerung schreibt. Die Drogen- und Bettgeschichten waren teilweise etwas unglaubwürdig. Trotzdem nehme ich an, dass Alderton durch ihre schonungslose Aufarbeitung nicht nur sich selbst, sondern auch der ein oder anderen jungen Frau helfen kann, die mit sich selbst und ihrem Liebesleben nicht im Reinen ist.
Denn, Ja, wir sind alle nicht perfekt, das können wir aus diesem Buch lernen. Wir haben alle unsere Macken, und doch können wir geliebt werden, wenn wir uns so akzeptieren wie wir sind. Das war mein Fazit, welches ich aus der Lektüre gezogen habe.
Alderton durchläuft hierfür eine Reihe von Therapiesitzungen und nächtelangen Gesprächen mit ihren besten Freundinnen, die zu ihrer Familie geworden sind. Es passieren auch sehr dramatische Dinge, die sie lehren, wie wertvoll doch das Leben ist. Und dass man es auskosten muss. Die letztliche Entwicklung, die sie durch diese vielen Aufs und Abs erfahren hat, lassen einen als Leser definitiv nicht kalt. Und ich schätze, dass jede Leserin für sich ein wenig mitnehmen kann: Aufmunterung, Unterstützung und Motivation. Und Männer können definitiv etwas über die Psyche der Frauen lernen.

Aufgelockert werden die intensiven Anekdoten durch Rezepte oder auch schreiend komischen und absurden Emails (z.B. Einladungen zu Junggesellinnen-Abschieden). Durch diesen Aufbau bringt Alderton eine gewisse Leichtigkeit in das Buch, die ich als sehr angenehm empfand.

Bewertung vom 07.03.2019
Stella
Würger, Takis

Stella


sehr gut

Ohne die Diskussion nur eine lauwarme Liebesgeschichte

Kann man sich heutzutage überhaupt vorstellen, wie es gewesen wäre zu Zeiten der Nationalsozialisten in Berlin zu leben - entweder auf der Seite der Juden, der Liberalen oder gar der Nazis selbst?

Wahrscheinlich ist dies für viele wirklich schwierig. Gerade der Blickwinkel junger Leser unter 30 ist doch hauptsächlich geprägt durch Filme oder Schulunterricht. Und was lernt man daraus? Meist, dass es nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse gibt. In "Stella" ist das ganz anders. Man wird von Takis Würger ins Graue Zwielicht geführt, hinein in die Abgründe und Glanzseiten der Protagonisten, die auf den ersten Blick leicht in Kategorien einzuordnen sind. Doch dies ist nur ein Trugbild.

Anhand einer Liebesgeschichte zwischen einem jungen, naiven Schweizer und einer ebenfalls jungen, aber so gar nicht unschuldigen Berliner Sängerin wird dem Leser ein Bild der tiefen Kluft zwischen Moral und Wahrheit aufgezeigt. Um seinem angestaubten Elternhaus zu entkommen, bricht Friedrich auf, um in der deutschen Hauptstadt, der kein gesund denkender Mensch in Kriegszeiten einen Besuch abstatten würde, das Leben zu spüren. Dort trifft er auf Kristin, die ihn magisch in ihren Bann zieht und dann nicht wieder los lässt.

Die Beziehung der beiden ist in vielerlei Hinsicht rational nicht nachzuvollziehen. Die Handlungen der beiden teils absurd, teils widersprüchlich - aus der heutigen Sicht. Mich hat dabei oft ein Unwohlsein ergriffen, dass mich zweifeln ließ, an der Geschichte und an den Figuren. Aber letztlich bildet diese Liebe nur den Rahmen für das eigentliche Thema, die Verfolgung der Juden im Dritten Reich und die Rolle, die verschiedene Personenkreise darin innehatten.

Für mich ist es wichtig hier zu unterscheiden, zwischen dem Offensichtlichen und dem dahinterliegenden Teil des Romans. Der stille, aber für mich grundlegende Part, die historischen Begebenheiten, die durch Zitate aus Gerichtsakten untermauert wurden, erschließt sich erst mit der Zeit. Er bedarf des Nachdenkens, des Hintergründe Recherchierens und einem offenen Geist. Dies vorausgesetzt, eröffnet "Stella" neue Blickwinkel auf schon oft Gehörtes und hat mir gezeigt, dass manchmal "eindeutige" Fakten, hinterfragt werden müssen.

Leider muss man sagen, dass ab und zu die öffentliche Debatte um Bücher dazu führen kann, dass die Lektüre darunter leidet. In Diskussionen offen gelegte Hintergründe oder auf Klappentexten gedruckte Vorgriffe auf die Handlung haben mir hier die Freude beim Lesen ein wenig verdorben .

Am Ende bleibt bei mir die historische Aufarbeitung hängen, das Abbild der Gesellschaft und die Auseinandersetzung mit falschen Persönlichkeiten. Das Wie, also die Liebesgeschichte, die ein wenig fades Beiwerk für die eigentliche Botschaft war, wird doch eher schnell in Vergessenheit geraten. Trotzdem empfehle ich dieses Buch Menschen, die sich aktiv mit der deutschen Geschichte auseinander setzen möchten, eine gewisse Vorbildung mitbringen und bereit sind, sich von harten Rollenbildern zu lösen.

Bewertung vom 03.02.2019
Eine Studie in Tintenblau (eBook, ePUB)
Stephan, Anja

Eine Studie in Tintenblau (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Freche Ingenieurin ermittelt mit unkonventionellem Pfarrer

Den Auftakt zu einer neuen und ungewöhnlichen Krimi-Reihe legt Anja Stephan mit "Eine Studie in Tintenblau" vor, einem wundervollen und atmosphärischen Steampunk-Roman.

Nicht oft findet man solche Bücher, in denen die Frauen den Ton angeben, schon gar nicht in historisch angehauchten Romanen. Doch diese nicht wirklich in Schubladen und auch nicht in eine bestimmte Zeit zu packende Geschichte hat mich sehr fasziniert und mitgerissen.
Thea, eine alleinerziehende junge Mutter zweier Kinder, besitzt viel Talent. Sie liebt es an Maschinen zu basteln, Schrauben zu richten und so auch Menschen zu helfen, die mechanische Prothesen tragen. Doch leider hat das Schicksal bzw. ein unsozialer Mitarbeiter der Universität ihr den offiziellen Abschluss verwehrt, sodass sie nun leider kein Diplom in der Tasche hat und sich auf andere Weise ihr Brot verdienen muss. Und gerade dieser Mitarbeiter wird Opfer eines tödlichen Verbrechens. Natürlich verdächtigt die Polizei Thea auch, und so gelangt diese ins Netz der Ermittlungen. Nicht zuletzt durch den Bruder der verantwortlichen Polizisten, den neuen Pfarrer, erhält sie Informationen, die ihr bei ihren eigenen Schnüffeleien hilfreich sind.
Die beiden sind mit ihren Eigenheiten, durch die sie beide in der Gesellschaft auffallen, ein herrliches Gespann, das für viel Furore sorgt. Natürlich darf ein gewisses Knistern zwischen den beiden auch nicht fehlen. Doch hier lässt uns die Autorin zum Glück noch Spielraum für die nächsten Teile.

Thea hat auch einige Freundinnen, die alle ihre speziellen Fähigkeiten besitzen und mehr oder weniger hilfreich sind. Diese Mischung an Figuren hat für mich den besonderen Reiz der Geschichte ausgemacht. Alle Personen werden liebevoll und kreativ beschrieben und erhalten so einen wirklichen Charakter auf den man auch für weitere Teile aufbauen kann.
Vielleicht werden manche Leser den kriminalistischen Fall an sich als nicht besonders bedeutend bezeichnen, mir haben die Ermittlungen aber Spaß gemacht. Wahrscheinlich könnte man den Stil am ehesten dem Cosy Crime-Genre zuordnen. Aber wie gesagt, ich finde die Geschichte einzigartig und kann sie demnach wärmstens weiterempfehlen, auch solchen Lesern, die sich eher nicht den hart gesottenen Krimifans zuordnen würden.

Bewertung vom 31.01.2019
Die Rebellinnen / Iron Flowers Bd.1
Banghart, Tracy

Die Rebellinnen / Iron Flowers Bd.1


sehr gut

Ein modernes Märchen für (fast) emanzipierte Frauen

Tracy Banghart legt mir dem ersten Teil von Iron Flowers ein modernes Märchen vor, das die Emanzipation der Frauen und Mädchen in einem fiktiven Land thematisiert. Dieses Land wird beherrscht von einem Regenten, der haremsgleich Frauen um sich schart, die Graces, die ihm zu Willen sein müssen und kaum einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen können.

Als Frau von heute, ist diese Situation nur schwer zu ertragen. Junge Mädchen werden schon früh dazu herangezogen, entweder schön und gefällig zu sein, oder aber hart in den Fabriken zu arbeiten. Ohne eigenen Willen, versteht sich.
Nomi und Serina geraten in den Strudel, der sie in den Palast zieht, wo beide glauben ihre einstudierten Rollen einnehmen zu können. Doch dann kommt es alles ganz anders.

Die Grundidee dieser Geschichte ist eine, die wohl nie außer Mode kommt, da Frauen auch heute noch nicht die Gleichberechtigung erfahren, die sie verdient haben. Doch leider gerät mir die Handlung im Palast manchmal etwas zu kitschig. Kleider, Make-up und Tanzunterricht, Prinzessinnen gleich, langweilen an manchen Stellen.

Zum Glück wird bei der Erzählweise, die abwechselnd, je nach Kapitel, aus der Sichtweise der einen oder anderen Schwester geschrieben ist, auch der Schauplatz gewechselt. Das erhält die Spannung und tröstet ein wenig über die kurzen öden Passagen hinweg.
Sehr schön ist, dass sich die Schwestern-Figuren auch entwickeln. (Selbst)Erkenntnisse, die auch von Handlungen begleitet sind, prägen dieses Buch.
Gegen Ende nehmen die Geschwindigkeit der Handlung und die Tiefe zum Glück weiter zu, sodass man gespannt dem Ende entgegen fiebert. Und damit wohl oder übel auch dem zweiten Teil, denn es sind noch so viele Fragen offen, wie es mit den Schwestern und dem Land weiter geht.

Insgesamt ein solider Jugend-Fantasy-Roman mit gutem Grundgedanken und auch einigen actiongeladenen Szenen, der nur leider hin und wieder etwas zu kindlich-kitschig dargestellt wurde.