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... was ich rezensiere, bewerte, das habe ich auch gelesen!

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Insgesamt 1272 Bewertungen
Bewertung vom 29.12.2025
Tesche, Siegfried

Motorlegenden - The Rolling Stones


ausgezeichnet

„Satisfaction“ – Wenn Rock auf Chrom und PS trifft

Siegfried Tesche hat mit seinem im Motorbuch Verlag erschienenen Werk „Satisfaction“ ein Buch geschaffen, das die Brücke zwischen zwei der größten Kulturgüter der Moderne schlägt: Rockmusik und Automobilgeschichte. Auf rund 200 Seiten taucht der Autor tief in die Garagen der Rolling Stones ein und erzählt die Geschichte der Band anhand ihrer motorisierten Begleiter.

Das Buch ist weit mehr als eine reine Aufzählung von Autotypen und Autodaten. Auch diese sind zu finden. So erfährt der Leser auf Seite 37 dass Mick Jagger unter anderem einen Mini Cooper S, einen Morgan +8, Aston Martin DB6, Bentley, Ford Galaxy 500, Daimler, AC Cobra, Ferrari 400i, Mercedes 560 SEL, Volvo Kombi, Peugeot 505, Opel und auch einen Nissan Micra fuhr.
Tesche nutzt die Fahrzeuge als Spiegelbild der Bandgeschichte ab den 1960er Jahren. Angefangen bei der doch sehr 'konservativen' Autowahl von Brian Jones. Seine Bandkollegen lästerten über seinen Humber Hawk als "Auto wie für einen Landpfarrer". Der Autor beschreibt, wie die jungen Rebellen von klapprigen Lieferwagen zu luxuriösen Statussymbolen wie dem Bentley S3 Continental oder dem Ferrari 400 aufstiegen. Dabei gelingt es ihm, technische Details – etwa über Motorenkonzepte und Karosseriebau – so zu verpacken, dass sie auch für Laien verständlich bleiben, ohne den Experten zu langweilen.

Lesenswert ist das Buch auch, weil es stets den zeithistorische Hintergrund einbindet. Tesche bettet die Fahrzeuge in das Lebensgefühl der jeweiligen Epochen ein. Man erfährt, wie die Technik der Autos den rasanten, meist exzessiven Lebensstil von Mick Jagger und Keith Richards begleitete. Die sehr gute Aufmachung des Motorbuch Verlags, gepaart mit seltenem Bildmaterial, macht das Blättern zu einer Zeitreise durch die Band- und auch die Automobilgeschichte.

„Satisfaction“ ist eine Pflichtlektüre für Technikbegeisterte und Geschichtsinteressierte, die wissen wollen, wie Mobilität und Popkultur interagieren. Es ist eine unterhaltsame Analyse einer Ära, in der Autos noch echte Charakterstücke waren – genau wie die Musik der Stones. Ein Buch, das im Regal jedes passionierten Automobil-Enthusiasten einen Platz verdient hat. Egal, ob der Leser zudem auch noch Stones-Fan ist oder nicht.

Bewertung vom 28.12.2025
Kraft, Jonas

Tastenkombinationen für den Mac


ausgezeichnet

Der Schlüssel zur effizienten Arbeit

Als gelegentlicher Mac-Nutzer dachte ich, die die wichtigsten Shortcuts sind mir bekannt. Dieses kompakte Buch mit seinen 128 Seiten hat mich eines Besseren belehrt. Es liegt stets griffbereit neben der Mac-Tastatur.
Es ist kein Roman, den man einmal liest, sondern ein äußerst praktisches Nachschlagewerk und eine Fundgrube für Produktivitäts-Gewinne.

Die Stärken des Buches liegen in seiner klaren Struktur und benutzerfreundlichen Aufmachung. Die Kombinationen sind nicht einfach nur alphabetisch aufgelistet, sondern logisch nach Anwendungsbereichen und Programmen gruppiert. Man findet schnell, was man sucht: Von systemweiten Basics über detaillierte Shortcuts für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Bildbearbeitung bis hin zu versteckten Perlen für den Finder oder das Diktierfeature. Besonders hilfreich sind die Kapitel, die grundlegende Konzepte erklären, wie die „Befehlstaste“ (cmd) oder die „Wahltaste“ (alt) – also auch eine große Hilfe für User, die parallel mit Windows-Rechnern arbeiten oder komplett umsteigen wollen/müssen.


Was dieses Buch von einer einfachen Online-Liste unterscheidet, ist der didaktische Ansatz. Es werden nicht nur Befehle genannt, sondern oft kurz deren Funktion erläutert. Kleine Übungsvorschläge motivieren dazu, die neuen Tastenkombinationen direkt auszuprobieren und sich von dieser kleinen praktischen Übung einzuprägen. Die visuelle Darstellung der Tasten mit ihren Symbolen ist intuitiv und verhindert Missverständnisse.

Ein kleiner Kritikpunkt: Bei der rasanten Entwicklung von macOS und den dazugehörigen Programmen kann ein gedrucktes Buch naturgemäß nicht immer auf dem allerneuesten Stand sein. Dennoch bildet es das absolut solide und umfassende Fundament, auf dem man aufbauen kann.

„Tastenkombinationen für den Mac“ ist eine lohnende Investition für jeden, der seinen Mac besser ausnutzen möchte. Ob Student, Büromitarbeiter, kreativer Profi oder einfach nur interessierter Privatanwender – man spart sich durch die konsequente Anwendung der Shortcuts so viel Zeit und Mauskilometer, dass sich der Kaufpreis und die Lesezeit innerhalb kürzester Zeit amortisieren wird. Es macht die Arbeit am Mac spürbar flüssiger, schneller und vermittelt sogar Spaß. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 26.12.2025

All-American Ads of the 30s


ausgezeichnet

So ‚dachten‘ die Amis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg…

Dieser Bildband aus dem Taschen Verlag begeistert absolut. Zumindest all diejenigen, die sich für die USA der 30er Jahre, für Grafikdesign oder Kulturgeschichte interessieren. Alle mit diesen Interessensgebieten kommen voll auf ihre Kosten.


Es ist eine Zeitreise in die visuelle DNA der Großen Depression.

Der Taschen Verlag hat mit seiner opulenten Reihe „All-American Ads“ ein großartiges Archiv der amerikanischen Werbegeschichte geschaffen. Der spezielle Band zu den 1930er Jahren ist weit mehr als nur ein Bildband; er ist ein kulturhistorisches Dokument, Ranges, ein faszinierendes und zugleich ambivalentes Porträt einer Ära zwischen Weltwirtschaftskrise und aufkeimendem Modernisierungsoptimismus.

Auf über 600 Seiten versammelt das Buch in großem Folioformat (ca. 25 x 34 cm) nahezu 500 Werbeanzeigen aus US-amerikanischen Magazinen wie "The Saturday Evening Post", "Life", "Vogue" oder "Esquire". Die Reproduktionen sind, typisch für Taschen, von hervorragender Qualität. Die Farben leuchten, das Papier ist hochwertig, und selbst die feinen Rasterpunkte des damaligen Druckverfahrens sind sichtbar, was dem Betrachter das authentische Gefühl vermittelt, durch alte Zeitschriften zu blättern.


Die Botschaften der Krise: Träume und Realität

Die 1930er Jahre, geprägt von Börsencrash, Massenarbeitslosigkeit und Dust Bowl, waren eine Zeit der Extreme. Dies spiegelt sich eindrücklich in der Werbung wider. Auf der einen Seite finden sich die tröstenden Versprechen: Zigaretten als Symbol für Ruhe und Geselligkeit (Lucky Strike), Kaffee als wärmendes Ritual in unsicheren Zeiten, oder die Sehnsucht nach exotischer Ferne, verkörpert durch Kreuzfahrtlinien – ein unerreichbarer Traum für die meisten. Besonders auffällig ist der massive Fokus auf Körperpflege, frischen Atem und weiße Zähne. In einer Zeit, in der der soziale Abstieg allgegenwärtig war, verkauften Produkte wie Seife oder Mundwasser nicht nur Sauberkeit, sondern das Versprechen von Selbstwert, Anstand und sozialer Akzeptanz („Oft ein Hindernis für den Erfolg“ steht unter einer Anzeige für Listerine).


Design und Ästhetik: Vom Art Déco zum Streamline

Künstlerisch ist das Buch ein Hochgenuss. Die Ära des Art Déco mit ihren eleganten Linien, geometrischen Mustern und luxuriösen Goldtönen (vor allem in Mode- und Luxusanzeigen) trifft auf den aufkommenden Streamline-Stil. Dieser von Industriedesignern wie Raymond Loewy geprägte Look überzog alles mit aerodynamischen, glatten Formen – von Autos über Kühlschränke bis hin zu Toastern. Diese Ästhetik verkörperte Fortschritt, Geschwindigkeit und eine bessere, "reibungslose" Zukunft. Die Illustrationen sind meisterhaft, oft von bekannten Künstlern der Zeit geschaffen. Die Fotografie gewinnt zunehmend an Bedeutung und wirkt mit ihren inszenierten, idealisierten Alltagsszenen (die perfekte Familie am Frühstückstisch) bereits wie Vorboten der 50er Jahre.


Die Schattenseiten des Amerikanischen Traums

Ein heutiger Betrachter wird jedoch auch unweigerlich mit den damals nicht hinterfragten Normen konfrontiert. Die Werbung der 30er Jahre ist eine Welt der klaren Rollenbilder: Die Frau ist meist Hausfrau, verführerische "Femme fatale*" oder schmückendes Accessoire. Männer sind Ernährer, Abenteurer oder seriöse Geschäftsleute. Rassistische Klischees, insbesondere in der Werbung für Haushaltsprodukte oder Lebensmittel, sind präsent und dokumentieren ein stereotypes, koloniales Denken. Diese Aspekte machen das Buch auch zu einer wichtigen Quelle für die kritische Auseinandersetzung mit der Populärkultur.

Für jeden, der im Bereich Grafik, Marketing oder Design arbeitet, ist das Buch eine wahre Goldgrube für klassische Typografie und Illustrationen.

Zugleich ist es ein wunderschönes „Coffee Table Book“, das nicht nur dekorativ aussieht, sondern in das man immer wieder gerne reinschaut. Es ist jeden Cent wert und auch ein tolles Geschenk für Retro-Fans.

Bewertung vom 11.12.2025
Bohr, Felix

Vor dem Untergang


ausgezeichnet

Der Alltag Hitlers, seiner Entourage, seines Terror-Regimes...

Hitler verbrachte mit wenige Tage dauernden Abwesenheiten zwischen dem 24.06.1941 und dem 20.11.1944 insgesamt mehr als 800 Tage in seiner Wolfsschanze. Wer nicht weiß, wo diese ganze zum Großteil verbunkerte, mit bis zu 7 Meter dicken Betondecken ausgestattete Anlage zu finden ist: im hinteren Buchdeckel ist eine Übersichtskarte, die in etwa die Region in Nord - Süd-Ausdehnung von Leningrad bis zur Krim, in West - Ost-Ausrichtung von Łódź bis Stalingrad abbildet.
Die Ausdehnung, die Bestandteile, die jeweils unterschiedlich abgesicherten Sperrkreise werden im vorderen Buchdeckel dargestellt.
Beides durchaus wichtig zu wissen, um sich hinsichtlich der sehr viel wichtigeren Informationen, die das Buch bietet, orientieren zu können.

Schon nach dem sehr umfangreichen Quellen- und Literaturverzeichnis nach zu urteilen, saugt sich Felix Bohr diese Infos nicht aus den Fingern. Alles, was er beschreibt, hält einer Überprüfung stand. Und der Autor beschreibt (endlich) des 'Führers' Alltag. Keine Entscheidungen oder besser gesagt in seinem Größenwahn getroffene Fehlentscheidungen. Keine Weltkriegsschlachten, keine Psychogramme von Himmler, Heydrich, Goebbels oder Göring. Sondern Hitlers Kriegsalltag. Vom späten Frühstück in der Mittagszeit bis zu den von ihm abgehaltenen Monologen, die sich bis in die frühen Morgenstunden hinziehen konnten.

Dass dabei der Alltag des 'Büro-Teams' von Hitler, beispielsweise seiner Sekretärin Traudel Junge, seiner Bediensteten, der Wachmannschaften zur Sprache kommen - keine Frage.

Der Autor warnt meines Erachtens absolut zu Recht davor, dass die gesprengten im Wald liegenden Beton-Überreste der Bunkeranlagen von zahlreichen völlig geschichtsvergessenen AfDlern als eine Art ‚Kultstätte‘ instrumentalisiert werden. Welche Schande für die deutsche Demokratie!

Was mich verblüfft hat: dem Autoren ist es gelungen, acht Original-Fotos zu finden, die den Wolfsschanzen-Alltag sehr gut verdeutlichen. In anderen Werken findet man, wenn überhaupt Bilder von den Auswirkungen, die die von Graf von Stauffenberg platzierte Bombe in der Wolfsschanze hinterlassen hat. Diese Fotos habe ich sonst keinem Werk, welches sich mit der Nazi-Diktatur befasst, gefunden.

Meines Erachtens sind die 243 Seiten absolut lesenswert!
Denn sie beleuchten das, was sonst zum Großteil im Dunkeln bleibt: Hitlers Alltag.

Bewertung vom 11.12.2025
Kiefer, Philip

Tastenkombinationen für Windows 11, 10, 8.1, 7 & Microsoft 365, Office 2024 - 2010 - Alle wichtigen Funktionen


ausgezeichnet

Tastenkombinationen? Die bei Win11, Word, Excel, Outlook, Teams, OneNote wirken?

Bitte schön, hier sind deren 1.556!!

OK, die in so gut wie allen unter dem Betriebssystem Windows 11 funktionsfähigen Tastenkombinationen wie 'Strg + c' für Kopieren, 'Strg + x' für Ausschneiden, 'Strg + v' für Einfügen etc., diese Kombinationen werden bei den Erklärungen für jedes Programm explizit aufgeführt, also wiederholt.

Macht aber nix, denn man findet wahrlich genug bisher unbekannte Schmankerl, die das Leben einfacher machen. Weil diese Tastenkombinationen die Arbeit schneller erledigen lassen! Versprochen!!

Wer dann noch meint, mit dem Angebot, der Aufzählung (jede Kombination natürlich mit gut verständlicher Erklärung) der fest integrierten Kombinationen nicht auszukommen, der/die findet auf den Seiten 65ff. für Windows und auf den Seiten 83ff.

Die Investition von 9,95 € rentieren sich schnell! Nicht nur in Form der gesparten Arbeitszeit. Denn ein Tastendruck ist unbestreitbar schneller ausgeführt als der Griff nach der Maus, um dann in fünf Menu-Ebenen herumzurühren.
Dazu kommen die verblüfften neidischen Blicke der Kollegen, in denen die Frage zu erkennen ist: „Wie hat er denn das wieder so schnell hingekriegt?“

Bewertung vom 08.11.2025
Aly, Götz

Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945


ausgezeichnet

Eine messerscharfe Analyse der Ursachen, der Zustände während der 12 Jahre Nazi-Diktatur

Götz Aly ist nichts anderes als ein brillanter deutscher Historiker, der sich mit seinen fundierten Forschungen dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte verschrieben hat.

Auf den 681 Seiten zuzüglich den 78 Seiten Bild-, Abkürzungs-, Personen- und Quellenverzeichnis gelingt es ihm, das heutzutage für einen geschichtsbewussten Menschen unvorstellbare Grauen, nein, nicht zu verstehen. Denn die Vorgänge jener Zeit sind nicht verständlich.
Aber es gelingt Götz Aly mit seinem hervorragend zu lesenden Schreibstil die damals herrschenden Umstände, die innere Einstellung der deutschen Durchschnittsbürger nachvollziehbar zu erläutern.

Kaiserzeit, typisch deutsche Kriecherei vor angeblichen Autoritäten, Behörden, Militarismus, die Katastrophe des Ersten Weltkrieges, die unerträglichen Bestimmungen des Vertrages von Versailles, die politischen Unruhen, extrem hohe Arbeitslosigkeit - alles wird sich auf einmal zum Positiven ändern, wenn die 'Braunhemden' an der Macht sind...

Die gesellschaftlichen Barrieren können übersprungen werden. Immerhin war das Deutsche Reich ein agrarisch geprägtes Land. Und plötzlich sollte es nicht nur möglich sein, es war in der Realität möglich, dass aus einem Bauernbuben ein angesehener Nazi-Funktionsträger wurde.

Die sogenannte 'Reichskristallnacht' vom 09. auf den 10. November 1938 dauerte nicht nur eine Nacht, in den die jüdischen Gotteshäuser abgefackelt, Geschäfte, Betriebe von Besitzern jüdischen Glaubens zerstört und geplündert wurden. Diese faktisch gesetzlose Zeit dauerte angefacht durch die allgegenwärtige Propaganda von Joseph Goebbels eine ganze Woche. Zeit genug für die nicht-jüdische deutsche Bevölkerung, sich am Eigentum ihrer Mitbürger jüdischen Glaubens hemmungslos zu bereichern: Möbel, Teppiche, Porzellan, Schmuck, egal, was auch immer einen Wert zu besitzen schien. Die Wohnungen der deportierten Nachbarn wurden teilweise sofort besetzt. Woraus sich zwar erklären lässt, weswegen von 'bio-deutscher' Seite kein Interesse daran bestand, dass ihre Nachbarn, Mitbürger zurückkommen.
Hinzu kommen weitere Aspekte: in den jüdischen Gemeinden und Familien war eine sehr viel höhere Bildungsaffinität gegeben denn in den arischen Arbeiter- und Bauernfamilien. Was auf jüdischer Seite logischerweise zu besser bezahlten, höher angesehenen Berufen wie Rechtsanwalt, Arzt, Einzelhändler oder Bankkaufmann führte. Verbunden mit dem entsprechenden Sozialneid. Und der plötzlich gegebenen Möglichkeit, lästige Konkurrenten problemlos und dauerhaft los zu werden.

Die Nazis lockten die 'arischen' Deutschen auch mit holen Versprechungen für eine glänzende Zukunft: Massentourismus, man denke nur an die von der KdF ('Kraft durch Freude') angeblich für jeden guten Nazi erhältlichen Schiffskreuzfahrt mit der Wilhelm Gustloff. Dass bevorzugt nur die höheren Nazi-Bonzen an diesen Kreuzfahrten teilnahmen, das wurde von der Propaganda natürlich verschwiegen. Für jede arische Familie einen Volkswagen (VW), soweit sie nur lange genug sparen würde - eine leere Illusion.
Wie viele arme deutsche Bauern träumten nicht von einem ihnen gehörenden Rittergut irgendwo in den eroberten deutschen Ost-Gebieten? Des fruchtbaren Bodens wegen am besten irgendwo in der bisherigen Ukraine...

Spätestens mit Beginn der Aktion 'Barbarossa', also dem Überfall auf die Sowjetunion und dem damit ausgelösten Vernichtungskrieg war die Grenze endgültig überschritten. Was sich auf sowjetischem Boden abspielte, -zig Tausende erschossene Zivilpersonen täglich, mutwillig abgefackelte Dörfer, Gräueltaten ohne Ende - das Alles führte zu einer immer stärker werdenden 'Schicksalsgemeinschaft' der Deutschen... Was wäre von Seiten der Alliierten zu erwarten, wie würden diese in Kenntnis der von den Deutschen verübten Gewaltorgien mit eben den Deutschen verfahren??
Da gibt es vermeintlich nur einen einzigen Ausweg: Kämpfen bis zum Endsieg!

Das sind nur einige Aspekte, die Götz Aly analysiert.

Durch das bereits erwähnte Literatur- und Quellenverzeichnis nachvollziehbar belegt geht er den aus Nazi-Sicht berechtigten weiteren Gründen für die industrielle Ermordung von Millionen Juden, dem wissentlich in Kauf genommenen Hungertod von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener nach.

Das letzte unnummerierte Kapitel trägt die Überschrift "Was geschah, kann wieder geschehen".

Eine absolut gerechtfertigte Feststellung. Ukraine, Sudan, Gaza, Palästina, die us-amerikanischen Neo-Nazis, Ungarn, Tschechei, AfD, Geert Wilders in den Niederlanden, Marine Le Pen mit dem Rassemblement National in Frankreich, Belarus unter dem jahrzehntelangen Gewaltdiktat von Aljaksandr Lukaschenka - egal, wohin man schaut...

Überall: "Was geschah, kann wieder geschehen"!

Bewertung vom 30.10.2025
Molitor, Andreas

Hermann Göring


ausgezeichnet

Der dicke Onkel Hermann, der Goldfasan -- so einige seiner Spitznamen während der Nazidiktatur...

OK, Spitzname 1 mag stimmen. Im Netz existieren einige Dokumentationen, die Hermann Göring anlässlich einer Weihnachtsfeier auf einem enormen Berg Geschenke stehend eine Ansprache gegenüber zahllosen Kindern hält. Natürlich nicht ohne die nationalsozialistische Indoktrination. Erst dann dürfen sich diese Kinder ich auf ihre Geschenke stürzen: unter anderem Spielzeugpanzer, Kanonen, Gewehre, Helme...
Aber immerhin, der 'dicke Onkel Hermann'.

'Goldfasan' spricht für sich, wenn man sich Fotos von ihm in seinen immer ausgefalleneren Uniformen anschaut. Nichts mit einfachem Wehrmachtseinheitsgrau. Je mehr Troddeln, Litzen, Orden und Schulterklappen, Epaulette und Achselstücke, umso besser wohl seiner Ansicht nach.

Dass Göring ein fanatischer Kunst'sammler' war, das ist ebenfalls bekannt. In ganz Europa liess er Kunstwerke, Gemälden Alter Meister, insbesondere niederländischer und flämischer Meister des 17. Jahrhunderts zusammen rauben - aus Museen, aus privaten Sammlungen, völlig egal. Diese alten Meister waren bei den NS-Eliten besonders begehrt. So beispielsweise Gemälden berühmter Künstler wie: Peter Paul Rubens, Albrecht Dürer, Johannes Vermeer,
Jean Honoré Fragonard, Gustave Courbet.

Sakralen Figuren und mittelalterlichen Skulpturen (wie Ritter-, Heiligen- und Madonnenfiguren) gehörten ebenso zu seiner bevorzugten Beute wie Tapisserien und Textilien. Goldschmiedewerke und Kunsthandwerk verachtete er ebenso wenig.

Dass mit Hermann Göring aber auch einer der größten Kriegsverbrecher zu finden ist, dass ist eher unbekannt.

Mit dem Holocaust, dem Zusammentreiben und Transport von Millionen Menschen in die Industrie des Mordens, bei diesen unvorstellbaren Gräueltaten die sich jeglichen humanen Gedanken entziehen, fallen einem Namen wie Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Adolf Eichmann, die SS, vielleicht noch die Namen einiger Mitglieder von KZ- Wachmannschaften ein.

Dass Hermann Göring aber einen ebenso großen Anteil an der Judenvertreibung hatte, das geht zumeist unter. Er war aber derjenige, der stets zur größten Eile bei der 'Arisierung' jüdischen Besitzes drängte. Egal ob kleiner Einzelhändler, Industrieller, Bänker oder auch nur die 'Räumung' privater Wohnungen in jüdischen Besitz.

In Folge der so genannten 'Reichskristallnacht', der Begriff bezieht sich vornehmlich auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die Ausschreitungen auch der deutschen Zivilbevölkerung gegenüber ihren jüdischen Nachbarn und Mitbewohnern dauerten jedoch eine ganze Woche länger, befreite er die deutschen Versicherungsgesellschaften von der von ihnen eigentlich zu leistenden Schadensregulierung in Höhe von heute geschätzt etwas mehr 100 Millionen Reichsmark. Göring bürdete den Geschädigten jüdischen Glaubens die Übernahme nicht nur dieser 100 Millionen RM auf, sondern er erhöhte die zu regulierende, von den Juden aufzubringende Summe kurzerhand auf 1 Milliarde RM. Damit wurde der angesichts der forcierten Aufrüstung drohende Staatsbankrott abgewendet. Sie erhöht die laufenden Staatseinnahmen um immerhin sechs Prozent. (Seite 191).

Kurzum: wer sich mit der Zeit der Nazidiktatur und den Größen dieser katastrophalen Jahre beschäftigt, wird an der Lektüre dieses gut zu lesenden, hervorragend recherchierten Buches nicht vorbeikommen.

Bewertung vom 22.10.2025
Kiefer, Philip

LibreOffice - Praxiswissen - Das Handbuch zur Software für Ein- und Umsteiger


sehr gut

... weitaus mehr als nur elementare Grundkenntnisse von und zu LibreOffice!

Der Autor hat schon in sehr vielen anderen Büchern unter Beweis gestellt, dass er Wissen gut verständlich vermitteln kann. So auch hier auf den knapp 190 DIN-A5 großen Seiten.

Klar strukturiert geht es von der Installation und dem allgemeinen Bedienungskonzept zu den einzelnen Bestandteilen des kostenlosen Office-Paketes.

Auf den 53 Seiten zu der Textverarbeitung 'Writer' geht es um mehr als nur 'Fett an / Fett aus'. Verweise und Verzeichnisse werden ebenso gut erklärt wie die Serienbrieffunktion.

Trotz des bescheidenen Umfangs von 32 Seiten im Kapitel 'Calc' kommen einige Formeln zur Sprache. Und sogar das Erstellen von Diagrammen wird erläutert.

'Impress', der Mitbewerber zu PowerPoint, 'Draw' (Objekte zeichnen), 'Math' (Erstellen typographisch korrekt gestalteter mathematischer Formeln) und auch die Datenbank 'Base' werden da deutlich knapper abgehandelt.

Während es im letzten Kapitel 'Libre Office noch smarter nutzen' dann wieder mehr zur Sache geht: Menus anpassen, Tastenkombinationen definieren, Makros, Erweiterungen, Assistenten um nur ein paar zu nennen sind hier die Themen.

Das alle Erklärungen mit farbigen Screenshots verdeutlicht werden, ist bei den Büchern von Markt+Technik selbstverständlich.

Zusammengefasst: das Buch eignet sich sowohl für LibreOffice Einsteiger als auch für Microsoft Office Umsteiger.

Bewertung vom 21.10.2025
Storz, Alexander Franc

So rollten die 70er


ausgezeichnet

... als die Autos bunt wurden (ehe sie einem unter dem Hintern wegrosteten...)

Keine Ahnung, welche privaten Fotoalben Alexander F. Storz bei der Auswahl der zahlreichen fast nur farbigen Fotos zur Verfügung standen.
Alle Fotos sind in Alltagssituationen aufgenommen. Diese Tatsache macht das eher textlastige Buch sehr interessant.

Die zunehmende Wichtigkeit von Sicherheitsaspekte, befeuert durch den US-amerikanischen Rechtsanwalt Ralph Nader, führten beispielsweise zur Einführung der in der Öffentlichkeit als 'Eisenbahnschienen' bezeichneten breiten Stoßstangen am VW Käfer, zur Einführung weiterer der Insassensicherheit dienenden Techniken.

Die Umweltverschmutzung durch das bisher in den Motoren verbrannte Benzin und Zusammenhang damit die Einführung von (fast) bleifreiem Sprit war ein Thema. Die während der Wintermonate so weit verbreiteten Spike-Reifen waren zwar super auf vereisten Fahrbahnen, frästen aber deren Asphaltbelag ab, wenn das Eis weggetaut war. Ein der Umwelt auch nicht zuträglicher Effekt.

Die ersten japanischen Autohersteller wagten den Schritt auf den europäischen Markt. Honda mit dem N600, Datsun mit dem Cherry und etwas später folgte in der zweiten Generation der Mitsubishi Colt. Schade, dass der Autor keine Fotos vom Honda S800 ausfindig machen konnte. Das war ein von Design her ausgesprochen gelungenes ausgesprochen kleines 2-sitziges Sportwägelchen, als Coupé oder als Cabrio zu bekommen. Der verbaute Motor holte aus knapp 800ccm Hubraum rund 70 PS – eine unerhörte Leistung für die damalige Zeit. Der üblicherweise in orangeroter Lackierung verkaufte NSU TT brachte es auf 65 PS, der in einem sehr schönen blaumetallic angebotene TTS hatte dann ebenfalls rund 70 Pferdestärken.

Die Ölkrise mit den vier sonntäglichen bundesweiten Fahrverboten fand statt, die Partei "Die Grünen" wurde gegründet, nicht nur an den Hecks der 'Enten' (Citroën 2CV) prangten die gelben Aufkleber mit der lachenden Sonne und den Schlagworten "ATOMKRAFT - NEIN DANKE".

Die 143 Seiten sind eine bedenkenswerte Zeitreise in die 70er Jahre.

Bewertung vom 20.10.2025
Storz, Alexander Franc

So rollten die 60er


ausgezeichnet

Eine wundervolle und interessante Reise 65 Jahre zurück!

Ford 12M, Opel Admiral, Gogomobil, Renault R4, Fiat 500, wie diese echten Autos auch immer hießen. Sie sind in diesem netten, interessanten Bild-/Textband vertreten. Natürlich auch die für die damalige Zeit mit der unvorstellbaren Leistung von 100 PS ausgestatteten Porsche. Und immer wieder und überall der Käfer...

Es macht Spass, durch die 142 Seiten mit den vielen großteils farbigen Fotos zu blättern, sich immer wieder mal an der einen oder anderen Stelle fest zu lesen. Denn erstens sind die Texte stets humorvoll verfasst - trotz aller darin enthaltenen Informationen. Zweitens zeigen die Fotos das seinerzeitige Alltagsleben, zum Beispiel den durch Hand- und Armzeichen verkehsregelnden Polizisten auf seinem überdachten Podest mitten in einer Kreuzung. Oder den Grenzübergang Österreich/Italien auf dem noch nicht einmal durchgängig geteerten Brennerpass.

Um es in der damals gültigen Währung auszudrücken: das Buch ist jeden Pfennig wert!