Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: fantafee
Danksagungen: 1 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 6 Bewertungen
Bewertung vom 21.10.2018
Piccola Sicilia
Speck, Daniel

Piccola Sicilia


sehr gut

In seinem zweiten Roman präsentiert Daniel Speck ein fesselndes Familienepos zwischen Deutschland und Tunesien, das in den Wirrungen des zweiten Weltkrieges beginnt und bis heute voller Geheimnisse steckt.

Das Buch erzählt die Geschichte in zwei Zeitenebenen und beginnt, nach einem kurzen Prolog, mit Nina, im heutigen Berlin. Sie ist Archäologin, hat ihr Leben stets auf Sicherheit ausgerichtet und sich dabei in ihrem Büro auf der Museumsinsel verkrochen. In ihr hat sich das Nachkriegstrauma ihrer Großmutter und Mutter weiter vererbt. Eine Familie ohne Männer, denn der Großvater Moritz, das große Familientabu, galt schon vor der Geburt ihrer Mutter als verschollen und auch sonst scheint sich keine der Frauen auf einen Mann verlassen zu wollen.
Auch Ninas scheinbare Bilderbuchehe liegt in Trümmern. Da erhält sie Nachricht von einem alten Freund aus Sizilien. Es wurde ein Flugzeugwrack vor Marsala entdeckt und allen Informationen nach war ihr Großvater mit auf der Passagierliste. Ganz untypisch für sie, bricht Nina aus ihrem sicheren Leben aus und begibt sich auf die Suche nach ihm. Dort trifft sie Joelle, eine außergewöhnliche Frau, die sich bei ihr als eine Tochter von Moritz vorstellt. Sie erzählt Nina von Moritz und seinem zweiten, für sie bisher geheimen Leben.

Hier beginnt die zweite Zeitebene. Moritz Reincke, Kameramann der Propagandakompanie der deutschen Wehrmacht erreicht Tunis 1942. In der Mittelmeerstadt leben Juden, Muslime und Christen friedlich zusammen. Im französischen Kolonialstil geprägten Grand Hotel Majestic begegnet Moritz den italienisch-jüdischen Geschwistern, Yasmina und Victor. Als Victor von der SS gefangen genommen wird, tritt Moritz aus seiner gewohnten Rolle des Beobachters aus und verhilft Victor zur Flucht.
Nicht lange danach müssen sich die Deutschen aus Afrika zurückziehen, Moritz wird selbst zum Gejagten und findet schwer verletzt Unterschlupf in Piccola Sicilia, bei Yasmina und ihrer Familie. Während sie ihn gesund pflegen, entwickelt er Gefühle für Yasmina. Als die ganze Welt in Schutt und Asche liegt, erkennt Moritz, dass er nicht mehr zurück in sein altes deutsches Leben kann. Und entscheidet sich für einen Neuanfang.


Dieser leicht zu lesende Roman besticht durch seine gut recherchierten Hintergrundinformationen, die gekonnt in die unglaublich spannende Handlung mit eingeflochten sind, aber auch durch seine differenzierten Betrachtungsweisen des Erzählten. Neben den zeitgeschichtlichen Hintergründen werden hier viele Fragen zu Schuld, Wissen und Unwissen, Familientabus, Geheimnissen, Gut und Böse und das Zusammenleben von Kulturen angesprochen. Zusammen mit den gefühlsbetonten und bildhaften Formulierungen regt er in vielen Passagen zum Nachdenken und Philosophieren an. Manchmal ist das, zusammen mit den eingestreuten Zitaten, fast schon zu viel des Guten, denn es lenkt den Leser stark ab und erschwert das Wiedereinsteigen in die Handlung.
Der Autor hat sich sehr mit Beweggründen und Gefühlen seiner Protagonisten auseinander gesetzt. Besonders die Charaktere der Vergangenheit sind ihm gut gelungen. Moritz, Yasmina, Victor und ihre Zeitgenossen sind realistisch und lebendig gezeichnet. Die Handlung kommt einem sehr nahe und man erlebt immer wieder eine Achterbahn der Gefühle. Nina und die Personen in der heutigen Zeitebene bleiben leider dagegen etwas blass und flach. Was ich sehr schade fand, denn gerade Nina hat mich in der Leseprobe besonders angesprochen. Und auch bei Joelle bleiben viele Fragen unbefriedigend offen.

Ich bin etwas hin und her gerissen wie ich das Buch bewerten soll. Ich bin begeistert von der Betrachtungsweise des Autors, von der Fülle an zitier-würdigen Passagen, der großen Recherchearbeit und der sensiblen Auseinandersetzung mit schwierigen Themen. Ich liebte anfangs die bildhaften Darstellungen, doch über 600 Seiten lang war mir das dann viel zu viel. Das könnte man gut mit Pralinen vergleichen: Man genießt eine und noc

Bewertung vom 01.02.2018
Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente
Bognanni, Peter

Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente


ausgezeichnet

Bewegende und tiefgründige Liebesgeschichte in Zeiten von Social-Media
Für Teenager ist das Leben ohnehin schon chaotisch. Schon durch Kleinigkeiten gerät ihre Welt ins Wanken und die Gefühle fahren Achterbahn. Für Tess Fowler sind aber sowas wie schlechte Partys oder fehlender WLAN-Empfang völlig belanglos geworden. In ihr klafft ein riesiges schwarzes Loch, das jegliche Freude, Interesse und Sinn ihrem Leben entzieht. Sieben Monate lang, war sie mit Jonah zusammen. Sie haben alles miteinander geteilt. Über Chats, Tweets, Facebook oder langen eMails haben sie sich die persönlichsten Dinge erzählt und gemeinsam, total verrückte Zukunftspläne geschmiedet. Obwohl sie sich nur einmal getroffen haben, kannten sie sich in und auswendig. Dachte Tess zumindest. Doch dass Jonah sich das Leben nehmen würde, damit hätte sie nie gerecht. Es traf sie aus heiterem Himmel und sie kann es nicht begreifen. Hat sie ihn in Wirklichkeit gar nicht gekannt? Sie ist völlig aus der Bahn geworfen, bricht die Schule ab, türmt aus dem Internat, sucht Unterschlupf bei ihrem getrennt lebenden Vater und schreibt aus Verzweiflung weiter Nachrichten an ihre einzige Liebe, Jonah.
Als sie eines Tages eine Antwort erhält, bleibt ihr Herz beinahe stehen.

Dieses Buch geht die Themen Liebe, Verlust, Trauer und Einsamkeit auf eine sensible und ganz aktuellen Weise an. Sehr realistisch wird Tess’ aus den Fugen geratene Welt gezeichnet; Ihre Verletzlichkeit, die Wut und Verzweiflung. Trotzdem spürt man, dass unter dem ganzen Chaos, eine aufkeimende neue Hoffnung ruht. Man hofft, dass Tess ihre Trauer, Phase für Phase verarbeiten kann, sie sich wieder stabilisiert und für sie ein neues Leben beginnt.

Die Sprache ist flott, teilweise schon schnoddrig oder flapsig, aber zum Alter und Thema passend. Die Figuren besitzen Persönlichkeit und ihre Beweggründe und Handlungen sind schlüssig ... bis kurz vor Schluss.
Leider hatte ich hier das Gefühl, dass die Geschichte im letzten Viertel an Tempo aufnimmt, aber dafür an Dichte und Tiefe verliert. Mir ging das dann zu schnell und hinterließ mich am Ende irgendwie unbefriedigt.

Das Cover, gefiel mir in den Medien schon richtig gut, aber wie ich es jetzt metallisch-schimmernd in den Händen halte, ist es noch viel besser.

Ein wirklich schönes Jugendbuch, dass sich sensibel mit schweren Themen wie Liebe und Verlust auseinander setzt und dabei mein Herz berührt, bekommt von mir eine klare Leseempfehlung.
Übrigens, Daniel ist meine Lieblingsfigur.

Wer gerne John Green, Colleen Hoover, Jodie Picoult ...liest, der könnte hier auch Gefallen daran finden.

Bewertung vom 22.01.2018
Fuck Beauty!
Kaller, Nunu

Fuck Beauty!


ausgezeichnet

Schönheitsdruck, Selbstliebe, Feminismus
Ein Thema, das mich schon lange beschäftigt, so unterhaltsam, persönlich und gut recherchiert, dass ich es in zwei Tagen ausgelesen hatte. Dabei habe ich mit der Autorin gelacht und gewettert. Ich fühlte mich total verstanden und bestätigt, als hätte ich einen tollen Abend mit einer guten Freundin.
Der Schlüsselmoment der Autorin war im Urlaub auf den Philippinen. Um sie herum das reinste Paradies, türkisfarbenes Meer, Sonnenschein, weiße Strände und sie dachte nur noch daran ihren Bauch einzuziehen und ob der Bikini auch richtig sitzt. Was könnten denn die Leute denken? - Sag mal spinnst du? - Ja genauso kennt man das auch, man macht sich viel mehr Sorgen um das was andere denken könnten, als dass man einfach mal die schönen Momente genießt.
Wir begleiten Nunu Kaller auf ihrer Reise zu mehr Body Positivity, macht sich Gedanken über das wirtschaftsgesteuerte Frauenbild, Frauenmagazine und den Selbstdarstellungswahn auf Social Media. Besonders angenehm war mir die persönliche und neugierige Art der Autorin, die so selbstreflektiert sich nie für schlauer hält, als den Rest der Welt.
Vielen Dank für dieses tolle kleine Buch, das ich allen Frauen ans Herz legen möchte, allein schon weil es mich selbst bestärkt und motiviert hat, aber auch weil ich es wichtig finde, sich mit den Mechanismen des Schönheitswahnsinns zu beschäftigen. Nur wenn man sich dessen bewusst ist, kann man sich wirklich frei entscheiden.

Bewertung vom 22.01.2017
Ins Blaue hinein
Dunker, Kristina

Ins Blaue hinein


ausgezeichnet

Ein 242 Seiten starkes Sommerlese-Träume-Buch, erschienen Januar 2016 beim Coppenrath-Verlag in der Reihe „Just me - neue Lieblingsbücher für Mädchen“. Und ja, es könnte ein richtiges Lieblingsbuch für viele Mädchen werden. Nur Mädchen? Nein, auch zart-verliebte Jungs wird es ansprechen. Zum Glück ist das wunderschöne Cover ziemlich geschlechtsneutral gestaltet, allein die lackierten Fußnägel verraten vielleicht das Geschlecht der Hauptperson.
Das ist Merle, gerade noch 12 Jahre, die anfangs so absolut keine Lust auf die Abschiebe-Ferien bei ihren Großeltern hat. Das ändert sich aber sehr schnell, als die Felix, den dauerquasselnden Nachbarjungen, die beiden Zwillinge Tim und Piet und die verrückte Dana kennenlernt. Auch bei Oma und Opa mit ihren phantasievollen Geschichten um den Königsfisch Günther fühlt sie sich schnell wieder geborgen. So liebevoll wie schon das Buch von Außen gestaltet ist (der hintere Klappentext lässt sich mit um den Buchblock klappen und so umschließt das Cover das gesamte Buch. So schön, dass das Buch nur mit Schleife ein tolles Geschenk ist), ebenso liebevoll werden die Charaktere und deren Gefühle beschrieben. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, und selbst die „Bösen“ haben ihre sympathischen Seiten. Der Stil ist leicht und voll schöner Wortbilder.
Für Merle werden es unvergessliche Sommerferien sein, voller Freundschaft, Abenteuer und die verwirrenden Gefühle einer ersten und sehr zarten Liebe.
Für mich war es ein tolles Jugendbuch, das mich zeitweise zurück in meine eigenen Sommer-Erinnerungen gebracht hat; ein durch und durch positives Buch, das meine Liebe zu Wörtern, Phantasiegeschichten und Natur neu berührt hat.

Fazit: Ich finde es ist ein tolles Sommerbuch, auch zum Verschenken, für fantasievolle und wortverliebte junge Jugendliche (auf der Schwelle zwischen Kind und Teenageralter). Und nochmal, ich glaube fest, dass auch Jungs es gerne lesen würde.

Bewertung vom 11.12.2016
Schmerzflimmern
Kemper, Marc

Schmerzflimmern


ausgezeichnet

Gregor kann eigentlich nichts mehr schocken, denn seine besondere Fähigkeit (oder Fluch, wie er es nennt) hat ihn schon in jeden Abgrund der menschlichen Seele schauen lassen. Bei Hautkontakt mit anderen Menschen sieht Gregor die letzten Minuten und das Ableben seines Gegenübers. Dass das natürlich auch in ihm Spuren hinterlässt, ist klar. Gregor hat sich damit mittlerweile arrangiert. Er betrachtet die Welt um sich scheinbar pessimistisch und dem Schicksal sarkastisch ergeben. Doch tut er das immer mit viel trockenem und schwarzen Humor. Völlig überraschend begegnet er einer Person, die alle seine Regeln bricht, seine Neugier, Sehnsucht und größte Angst erweckt.

Aus der subjektiven Sicht des Protagonisten kommt die Geschichte im neo-noir-Stil bereits auf den ersten Seite locker und flüssig in Gang. Skurrile Begegnungen und slapstickhafte Szenen, teilweise fast schon überzogen, locken mit seinem schwarzen Humor zwischen einem Dauergrinsen hörbare Lacher aus einem heraus. Bis man ganz überraschend von romantischen Gefühlen und traurigen Momenten berührt wird. Gegen Ende mischt sich eine immer weiter steigernde Spannung dazu, für die am Ende der kurzen 176 Seiten der Autor einen schönen Schlusspunkt gefunden hat. Wie nach einer genialen Wildwasserfahrt, pitschnass und glücklich, verlangt man jetzt nach mehr. NOCHMAL! bzw. bitte eine Fortsetzung!

Die Mixtur von fantastischen, spannenden, lustigen und berührenden Elementen im urbanen Schauplatz ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Die mit eingestreuten Anspielungen auf cineastische, popkulturelle und musikalische Werke werden Fans der 80/90er-Jahre freuen. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen und ganz sicher werde ich demnächst den ein oder anderen damit beschenken.
Nicht zuletzt passt das ansprechende und zum Inhalt passende Cover zum Gesamteindruck des Buches.

Bewertung vom 07.11.2016
Im Wald / Oliver von Bodenstein Bd.8
Neuhaus, Nele

Im Wald / Oliver von Bodenstein Bd.8


sehr gut

Der 8. Fall des hessischen Ermittlerteams Bodenstein/Sander scheint vorerst der letzte gemeinsam Fall der beiden zu sein. Denn Oliver von Bodenstein plant, für ein Jahr auszusteigen. Einen letzten Fall müssen sie aber noch zusammen lösen. Ein Fall der für Oliver ein ganz persönliches Kindheitstrauma weckt. Alles beginnt mit einem Wohnwagenbrand im Wald nahe Ruppertshein, dem Heimatort von Oliver von Bodenstein. Voraussichtlich war es Brandstiftung und Mord. Ein mutmaßlicher Zeuge befindet sich auf der Flucht, denn der Täter schreckt nicht vor weiteren Morden zurück. Ort, Opfer und Verdächtige kennt Oliver von Bodenstein sehr gut und nach und nach werden alte Geheimnisse der Dorfbewohner aufgedeckt, die jahrelang unter einer Decke des Schweigen verborgen waren.


Mich hat das schön gestaltete Cover sofort angesprochen und mit einem spannenden Prolog beginnt die Geschichte mit viel Tempo. Zwischen dem eigentlichen Fall und den Ereignissen in der Vergangenheit breitet sich ein weites Bild der dörflichen Gemeinschaft Ruppertshains. Um bei der Fülle an Personen und deren Beziehungen untereinander den Überblick zu bewahren, zeigt sich das vorangestellte Personenregister als hilfreich. Für mich war es der zweite Roman dieser Reihe und ich ging mit wenig Vorwissen heran, konnte aber keine Verständnislücken ausmachen. Der Roman ist flüssig und leicht zu lesen, die Szenen, Charaktereigenschaften der Personen und die Atmosphäre der Schauplätze werden gekonnt gestaltet, ohne konstruiert zu wirken und machen die Geschichte spürbar. Glaubte ich dem Täter und dessen Motiv auf die Schliche zu kommen, fanden sich neue Indizien und mein Verdacht löste sich in Luft auf. Immer wieder schlägt die Geschichte einen Haken und ein neuer Verdächtiger taucht auf. Das kann natürlich mit der Zeit auch langweilig werden, für meinen Geschmack war das hier aber noch im Rahmen.
Das Buch ist mit 556 Seiten ein richtiger Wälzer, aber so spannend und flüssig geschrieben, dass man das kaum merkt. Besonders gefallen haben mir die liebevollen Beschreibungen und Charakterstudien. Und das sympathische Ermittlerteam empfinde ich als sehr erfrischend.

Fazit: Tolles Lesefutter - beste Unterhaltung.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.