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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Hilou
Wohnort: Bielefeld
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Bewertungen

Insgesamt 25 Bewertungen
Bewertung vom 19.09.2019
Das Versprechen des Bienenhüters
Lefteri, Christy

Das Versprechen des Bienenhüters


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Nuri Ibrahim ist Bienenhüter und führt ein glückliches Leben mit seiner Familie in Aleppo, als eines Tages der Krieg in Syrien ausbricht. Er verliert seinen kleinen Sohn Sami bei einem Bombenanschlag, seine Frau Afra verliert zudem ihr Augenlicht. Die Bienenstöcke, die Nuri mit seinem Cousin Mustafa mit voller Hingabe und Leidenschaft gehütet hat, werden vollkommen zerstört. Mustafa verliert ebenfalls einen Sohn an den Krieg und flieht nach England, wo er auf Nuri wartet. Doch für Nuri und Afra beginnt eine beschwerliche und gefährliche Reise über die Türkei und Griechenland, bei der sie sowohl äußeren Gefahren stand halten als auch ihre persönlichen Traumata bewältigen müssen. Viel wichtiger ist aber, wieder zu einander zu finden und einen Neubeginn in England zu wagen, denn die Folgen des Krieges haben Spuren bei dem Ehepaar hinterlassen und eine Kluft zwischen ihnen aufgetan, die sich kaum schließen lässt...


Meine Leseerfahrung:
Christy Lefteri hat als Freiwillige in einem Geflüchtetenzentrum in Athen gearbeitet, wo sie all den Geschichten Gehör schenkte und darüber schrieb, was sie nicht wieder vergessen konnte. Ihr Debütroman liest sich trotz anspruchsvollem Thema leicht und flüssig. Sie hat den Leidensweg der vom Krieg geflüchteten Menschen sehr authentisch eingefangen und lebensnah dargestellt. Die von ihr geschaffenen Charaktere besitzen Tiefe und sind absolut glaubwürdig. Dabei sind sowohl die Hauptfiguren Nuri und Afra als auch alle Nebencharaktere sehr fesselnd. Denn das Buch widmet sich sehr gekonnt allen Einzelschicksalen und greift ernste Themen auf, die teilweise schockieren und keine leichte Kost sind.

Erstaunlicherweise greift das Buch bereits zu Beginn vorweg, dass die Eheleute in England angekommen sind. Die Kapitel wechseln sich ab, indem in der Gegenwart erzählt wird und zwischendurch Rückblicke gezeigt werden, bei denen man sich vollkommen in Nuri und Afra hineinversetzen und ihre Flucht aus Syrien miterleben kann.

Ich hatte absolut keine Vorstellung, wie beschwerlich der Weg eines Flüchtlings aus Syrien eigentlich aussieht. Man verfolgt die Nachrichten und vernimmt die Geschehnisse, insbesondere die Polarisierungen und die Hetzpolitik gegenüber der Flüchtlingswelle. Doch persönlich hatte ich mich noch nicht mit Einzelschicksalen dieser Menschen befasst und auch sonst keinerlei direkten Kontakt zu ihnen gehabt. Ich bin verwundert, wie tief es mich getroffen hat, allein nur darüber zu lesen. Dieser Roman beinhaltet soviel Schmerz und Leid, aber auch Liebe und Hoffnung, so dass man sich auf eine emotionale Achterbahnfahrt begibt. Zudem habe ich bisher in keinem anderen Buch soviel über leidenschaftliche Bienenzucht gelesen, was mich derart fesseln konnte. 


Fazit:
Christy Lefteri erzählt vom Krieg, von Geflüchteten, von Tod und Leben, von Ängsten und von Hoffnung. Und sie lässt uns teilhaben an einer Welt, die wir uns in unseren grausamsten Alpträumen nicht ausmalen könnten. Wer von der Geschichte des Bienenhüters nicht tief in seinem Herzen berührt wird, der sollte ernsthaft darüber nachdenken, ob er überhaupt eins besitzt. "Das Versprechen des Bienenhüters" ist definitiv mein persönliches Buchhighlight 2019.

Bewertung vom 09.09.2019
Raus aus der Stadt / Riverdale Bd.2
Ostow, Micol

Raus aus der Stadt / Riverdale Bd.2


sehr gut

Zum Inhalt:
Archie wurde wegen Mordes angeklagt. Seine Freunde Jughead, Betty und Veronica sind von seiner Unschuld überzeugt. Allerdings fehlen ihnen jegliche Beweise. Es bleibt ihnen nichts Anderes übrig, als zum Tatort zurückzukehren, an dem das Unglück seinen Lauf nahm. Gemeinsam unternehmen die vier Freunde einen Roadtrip nach Shadow Lake zum Lodge Anwesen, um dort nach entlastenden Beweismitteln zu suchen. Der Ausflug gestaltet sich allerdings als sehr unheimlich und birgt seltsame Begegnungen...

Meine Leseerfahrung:
Wer die Archie Comics kennt, ist mit den mysteriösen Gegebenheiten in der Story vertraut. Ich hatte bereits die Serie verfolgt und war neugierig auf das Taschenbuch. Es liest sich flüssig und ist auf Grund der ständigen Perspektivwechsel sehr abwechslungsreich. Jede Figur stellt die jeweilige Situation aus eigener Sicht dar, es wird immer in der Ich-Perspektive erzählt, wobei auch einige Nebencharaktere zu Wort kommen. Zudem gibt es vereinzelt Mitschnitte von Textnachrichten zwischen einigen Charakteren, die sehr zur gespannten Atmosphäre beitragen.

Meines Erachtens bietet sich das Buch eher für Riverdale-Fans an, denen bereits die einzelnen Charakteren bekannt sind und die sich auch mit der Hauptstory um Archie und Veronicas Vater auskennen. Zudem werden viele Aspekte aus der Vergangenheit angesprochen. Daher sollte man bereits Vorkenntnisse bezüglich vergangener Geschichten haben, um beim Lesen nicht ins Stocken zu geraten. 

Für Fans ist diese exklusive Story eine gute Unterhaltungsliteratur und sollte nicht im Regal fehlen. Für mich persönlich war es ebenfalls unterhaltend und ein leicht verdaulicher Lesespaß, wobei mir allerdings die Geschehnisse ziemlich in die Länge gezogen wurden und das Ende etwas zu abrupt kam und nicht wirklich befriedigend war. Das Buch schreit förmlich nach einer Fortsetzung, die hoffentlich einen Abschluss bringt.

Fazit:
Eine gute Unterhaltungsliteratur für Riverdale-Fans mit gewohnt spannenden und mysteriösen Szenen, die für amüsante Lesestunden sorgen.

Bewertung vom 26.08.2019
Mama, nicht schreien!
Mik, Jeannine; Teml-Jetter, Sandra

Mama, nicht schreien!


sehr gut

Zum Inhalt:
Wer kennt nicht die Situation, wenn man mit zunehmendem Stress konfrontiert ist, nicht allen Terminen nachkommt, auch nicht allen Personen im eigenen Umfeld gerecht wird? Und dann hat man auch noch mit einem oder mehreren Kindern im Alltag zu kämpfen, die mit ganz anderen Bedürfnissen an Einen herantreten und womöglich auch noch übel gelaunt sind und nur noch herumquengeln. Dann brodelt es in Einem hoch und der Ärger ist vorprogrammiert. Doch was tun, damit die eigenen Kinder nicht zum Ventil werden, um Frust abzulassen? Jeannine Mik und Sandra Teml-Jetter erklären in ihrem Buch "Mama, nicht schreien!", wie man es dennoch schafft, in solchen Situationen trotz starker Gefühle weiterhin ruhig und besonnen zu reagieren und liebevoll mit den Kindern umzugehen.


Meine Leseerfahrung:
Ich hatte einen praktischen Ratgeber für kritische Situationen zwischen Eltern und Kindern erwartet. Doch dieses Buch ist weitaus mehr als das. Es beschäftigt sich nämlich hauptsächlich mit der eigenen Person und geht den starken Gefühlen auf den Grund, indem tiefe Ängste durchleuchtet werden und innere Belastungen und auch Ressourcen erforscht werden. 

Dabei finde ich den Titel doch eher irreführend, denn das Buch spricht gleichermaßen auch Väter an. Jeder hat seine eigenen Grenzen und seine Päckchen zu tragen. Entscheidend ist, dass man als Elternteil genug Reife besitzt, zu reflektieren und die Ursachen für Triggermomente bei sich selbst zu suchen. Beeindruckend fand ich hierbei die Erklärung mit der Prioritätenpyramide und der Vergleich mit der Sauerstoffmaske im Flugzeug, die man in einer Notsituation zu allererst sich selbst anlegt, um dann anderen Personen helfen zu können. 

Nichts Anderes ist es innerhalb einer Paarbeziehung und auch im Verhältnis zu unseren Kindern. Die gestärkte Verbindung mit dem eigenen Körper und dem eigenen Geist führt zwangsläufig dazu, auch seine persönlichen Grenzen zu erkennen und sich selbst zu erden. Erst dann kann man seinem Umfeld auf vernünftige und gesunde Art und Weise begegnen. 

Wer tatsächlich detaillierte praktische Tipps zum Umgang mit schwierigen Kindern oder Wutausbrüchen innerhalb der Familie sucht, sollte sich noch anderweitige Literatur zulegen. Mit diesem Buch wird ein Elternteil größtenteils zur Selbstreflexion und zur Erforschung der eigenen Gefühlswelt eingeladen, und das teilweise  mit einigen praktischen Übungen, die einfach durchzuführen sind. Dies kann allerdings nur dann gelingen, wenn man auch offen zu den o.g. Themen steht.


Fazit:
Ein faszinierendes Buch zur Selbstfindung und Selbstreflexion, das als Lebenshilfe dient, die Elternschaft bewusster zu (er-)leben. Aber auch Nichteltern werden sicherlich zur aktiveren Gestaltung ihres eigenen Lebens einige Themenpunkte für sich verwenden können.

Bewertung vom 18.08.2019
Der Kinderflüsterer
North, Alex

Der Kinderflüsterer


sehr gut

Zum Inhalt:

Nach dem Tod seiner Frau zieht Tom Kennedy mit seinem kleinen Sohn Jake in das idyllische Featherbank, um neu beginnen zu können. Der Ort birgt allerdings eine düstere Vergangenheit, da hier vor vielen Jahren mehrere Kinder entführt und getötet wurden. Der Täter, der als "Kinderflüsterer" bekannt war, wurde damals schließlich gefasst und befindet sich seitdem im Gefängnis. Nun nach etwa 20 Jahren verschwindet aber wieder ein Junge und wird erst nach 2 Monaten tot aufgefunden. Die Polizei vermutet entweder einen nie entdeckten Komplizen oder einen Nachahmungstäter. Als ob Tom nicht genug Probleme mit Jake hat, macht er sich nun auch um dessen  Sicherheit Sorgen. Denn auch Jake vernimmt das Flüstern an seinem Fenster, wie einst die verschwundenen Kinder...


Meine Leseerfahrung:

Alex North schreibt in einem flüssigen Stil und erzählt die Geschichte interessanterweise aus verschiedenen Perspektiven der jeweiligen Figuren. Nur die Abschnitte aus Sicht von Tom Kennedy werden in der Ich-Perspektive wiedergegeben. Alle anderen Handlungsstränge werden in der dritten Form erzählt, wobei völlig intensiver Einblick in ihre Gedanken- und auch Gefühlswelt gewährt wird. So erfahren wir als Leser die pure Verzweiflung Toms, als Vater völlig zu versagen und gleichzeitig, wie es in dem in sich gekehrten Jake aussieht und wie er das Verhalten seines Vaters für sich interpretiert. 


Alle Charaktere sind sauber und lebensecht ausgearbeitet worden. Selbst die Szenerien werden derart authentisch und lebhaft beschrieben, dass man sich absolut in die Örtlichkeiten und Situationen hineinversetzen kann. Zudem weiß der Autor ganz genau, wie und wann er für erstklassige Gänsehautmomente sorgt. Der mysteriös angehauchte Thriller über entführte und ermordete Kinder ist packend und erschreckend zugleich, wobei ich mir gegen Ende eine etwas weniger klischeehafte Aufklärung im Hinblick auf das Täterprofil gewünscht hätte. Trotzdem blieb die Spannung bis zum Abschluss jedoch konstant.


Ich bin durch den ersten Roman von Alex North sehr positiv überrascht worden und hoffe, dass er uns noch mit weiteren spannenden Romanen dieser Art beglückt.


Fazit:

Alex North hat mit seinem ersten Werk, eine absolut ausgezeichnete Story abgeliefert, die dem Leser spannende Lesestunden mit ausreichend Nervenkitzel beschert. Der Debutroman verdient unbedingt seinen Platz neben anderen Bestsellern.

Bewertung vom 09.08.2019
Die geheime Mission des Kardinals
Schami, Rafik

Die geheime Mission des Kardinals


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
An die italienische Botschaft in Damaskus wird ein Fass mit Olivenöl geliefert. Allerdings befindet sich darin auch die präparierte Leiche des Kardinals Cornaro. Dieser war auf einer geheimen Mission im Norden Syriens unterwegs. Kommissar Barudi, der kurz vor der Pensionierung steht, wird auf diesen für ihn letzten Fall angesetzt. Die Lage ist politisch so brisant, dass ihm der Kommissar Mancini aus Italien zur Seite gestellt wird, mit dem er sich innerhalb kurzer Zeit anfreundet. Gemeinsam stürzen sie sich in die Ermittlungen und versuchen in einer Welt voller Aberglauben und Wunderheiler den Täter zu finden, als sie plötzlich einer Gruppe von Islamisten in die Hände fallen...

Meine Leseerfahrung:
Ich war erstaunt, dass der Roman wie ein Krimi anfing, eine gewisse Erwartungshaltung hatte ich ohnehin nicht. Aus dem Krimi wurde sehr bald eine Geschichte über Politik, Religionen, die syrische Gesellschaft, die orientalische Küche und auch die Liebe. Rafik Schami ist ein grandioser Geschichtenerzähler besonderer Art. Er könnte über die banalsten langweiligsten Dinge erzählen und man würde ihm trotzdem mit Begeisterung zuhören.

Besonders gefesselt haben mich die wundervollen tiefgehenden Charaktere. Auch die kleinste Nebenfigur wird mit viel Backgroundinfo vorgestellt und in die Story eingebettet, wobei so viele kleine Geschichten um diese Personen entstehen und den eigentlichen Kriminalfall in die Länge ziehen. Das ist aber nicht schlimm, sondern fesselt Einen als Leser umso mehr.  Die Ermittlungsarbeit der Kommissare läuft weiterhin und der Leser setzt mit den ganzen Hintergrundinformationen die einzelnen Puzzlestücke selbst zusammen. 

Aber der Kriminalfall um den Kardinal ist hier nicht der einzige spannende Punkt. Vielmehr zeigt uns Rafik Schami ein Bild von Syrien in 2010, bevor der Bürgerkrieg ausgebrochen ist. Wir lernen dabei auch die Geschichte einzelner Islamisten kennen und wie sie überhaupt diesen Weg eingeschlagen haben.

Und schließlich werden wir auch Zeugen einer frisch aufblühenden Liebe zwischen dem verwitweten Kommissar Barudi und seiner Nachbarin Nariman. Dieser Roman hat wahrlich viel zu bieten und wird jedem Thema auch gerecht.

Fazit:
Der grandiose Geschichtenerzähler Rafik Schami ist wieder vollkommen in seinem Element und bietet mit diesem Roman eine abwechslungsreiche spannende Story über einen mysteriösen Mordfall mit überraschenden Wendungen und vielen kleinen unterhaltsamen Abschweifungen. Absolut lesenswert!

Bewertung vom 05.08.2019
Effi liest
Moretti, Anna

Effi liest


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Im prüden Deutschland des Jahres 1894 findet die 18-jährige Elena von Bürow, genannt Effi, bei einem Ausflug des Mädcheninternates ein Buch mit heiklem Inhalt. Noch bevor sie es allerdings lesen kann, wird sie von ihrer strengen Lehrerin erwischt und aus dem vornehmen Internat rausgeworfen. Auf der Zugfahrt nach Berlin zu ihrem Vater lernt sie den sympathischen jungen Arzt Max von Waldau kennen, mit dem ihre Wege sich bald erneut kreuzen. Bevor sich aber etwas daraus entwickeln kann, muss Effi in der nächsten Zeit noch viele Schwierigkeiten bewältigen. Ihre Tante Auguste reist an, um aus ihr noch eine anständige Dame der Gesellschaft zu machen und einen geeigneten Heiratskandidaten zu finden. Effi hingegen hat andere Pläne. Sie möchte studieren und die Welt kennenlernen. Noch mehr begehrt sie den Inhalt des skandalösen Buches, weswegen sie das Internat verlassen musste. Das Vorhaben gestaltet sich jedoch mehr als schwierig. Und dann ist da noch Max, der sie von einer Gefühlslage in die Andere versetzt...

Meine Leseerfahrung:
Anna Moretti erzählt gekonnt charmant und humorvoll die Geschichte einer jungen Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts versucht, sich Wissen anzueignen, das nur Männern vorbehalten ist. Das Buch beschert viele unterhaltsame Lesestunden; das damalige Halbwissen und Aberglauben sorgen für regelmäßiges Kopfschütteln und Schmunzeln, wobei die von Männern dominierte Welt und die schockierenden Ansichten über Frauen insbesondere Leserinnen zur Weißglut bringen.

Und mittendrin beginnt eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Menschen, die vor lauter Missverständnissen erst über viele Umwege zueinander finden. Effis humorvolle Gedankenwelt und mutig neugierige Art, der junge unerfahrene und dank gelegentlichen Kokainkonsums öfters verhaltensgestörte Arzt Max sowie auch die anderen jede für sich liebevoll erschaffenen Charaktere wie zum Beispiel Effis Tante Auguste oder ihre Freundinnen, die Effi bei der Jagd nach dem heißbegehrten Buch zur Seite stehen, lassen den Roman an keiner Stelle langatmig oder langweilig werden. Zu spannend war zudem die Entwicklung der Beziehung zwischen Effi und Max, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen wollte.

Wer ein Fan dieser Epoche ist und die Fernsehserie "Der Trotzkopf" noch gut in Erinnerung hat, wie ich, wird diesen Roman mit Begeisterung lesen. Abgerundet wird das Buch zudem mit einem sehr aufschlussreichen Nachwort über die tatsächlichen historischen Gegebenheiten, die die Autorin in ihrer Geschichte verarbeitet hat.

Fazit:
Moretti hat hier nicht nur eine höchst amüsante Unterhaltungsliteratur geschaffen, sondern ein wichtiges Buch, das als Ansporn für alle Frauen und Mädchen dient, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und entscheidungsstark den eigenen Weg zu schreiten. Es schreit förmlich nach einer Fortsetzung, auf die wir hoffentlich nicht allzu lange warten müssen.

Bewertung vom 15.07.2019
athleticflow
Kersten, Nora; Kersten, Simon

athleticflow


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Die Yogalehrerin Nora Kersten und der Experte für High Intensity Intervall Training Simon Kersten haben eine hochwirksame Kombination aus ihren jeweiligen Fachgebieten entwickelt und in diesem Buch sechs verschiedene Workouts zusammengestellt, die sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet sind. Ziel des Trainings ist es durch wechselnde Anspannungs- und Entpannungseinheiten die optimale Balance für den Körper zu erreichen. Bereits nach kürzester Zeit sollen sichtbare Erfolge zu sehen sein. Dazu gehören u.A. die Straffung des gesamten Körpers, eine effektive Fettverbrennung, mehr positive Energie, innere Ruhe und Ausgeglichenheit sowie auch ein stärkeres Immunsystem und eine Verbesserung der Ausdauer.

Meine Leseerfahrung:
Zu Yoga bin ich während meiner ersten Schwangerschaft gekommen, was mich durch die anstrengende Zeit bis zur Entbindung begleitet hat. Damit hatte ich nicht nur meine Atmung im Griff, sondern auch meine Rückenschmerzen wurden deutlich gelindert. 

Von Athleticflow hatte ich bisher noch nichts gehört. Die Kombination von Yoga mit High-Intensity-Training, um schnellere Resultate zu erzielen, klang zum Einen sehr interessant zum Anderen aber auch sehr belastungsintensiv und anspruchsvoll. 

Zu Beginn des Buches stellen sich zunächst die Autoren selbst und ihre Fachgebiete vor und erklären erstmal, wie sie zu der Idee mit der Verknüpfung beider Bereiche gekommen sind und was genau die Vorteile sind. Dann folgen die Workouts, wobei vorher 16 Seiten ganz ausführlich dem Warm-Up gewidmet sind, was ich persönlich sehr hilfreich finde.

Das Buch liest sich insgesamt sehr gut, die Workouts sind verständlich erklärt und mit Bildern veranschaulicht. Zudem werden die einzelnen Trainingseinheiten sehr übersichtlich dargestellt. Man wird mit Zeitangaben und einzelnen Hinweisen problemlos von einer Übung zur nächsten geführt. Der Wechsel von den anstrengenden Bewegungen zum entspannenden Yoga-Flow machen die Übungen sehr abwechslungsreich. Es ist zwar nicht einfach, aber wenn man regelmäßig am Ball bleibt, fühlt man sich am Ende jeder Einheit von Tag zu Tag besser.

Besonders gut finde ich, dass man tatsächlich ohne einen Lehrer auskommt und sein eigenes Tempo und Trainingsintensität bestimmen kann. Zudem leistet man nicht nur etwas für den Körper, sondern auch für den Geist und schafft es, zwischen den Anspannungen in sich zu gehen. 

Fazit:
Nora und Simon Kersten haben mit Athleticflow ein tolles Konzept erstellt, um das körperliche und geistige Wohlbefinden optimal zu stärken. Eine ebenso tolle Idee war es, hochwirksame Workouts in diesem Buch zusammenzufassen. Eine geniale Motivation für Leute, die ihre Ausdauer verbessern und ihre innere Balance wieder herstellen möchten.

Bewertung vom 07.07.2019
Cari Mora
Harris, Thomas

Cari Mora


weniger gut

Zum Inhalt:
Die Villa des einstigen Drogenbarons Pablo Escobar ist mit vielen originalen Film-Requisiten und verschiedenen interessanten Gegenständen wie den elektrischen Stuhl aus Sing-Sing ausgestattet und daher unheimlich begehrt bei den Anmietern. Immer wieder nisten sich dort diverse Filmcrews ein, um die Villa als Filmset zu nutzen. Cari Mora ist dort Haushälterin und hütet das Haus bei Nacht. Eines Tages taucht der dubiose Hans-Peter Schneider dort mit seiner "Filmcrew" auf. Er hat es allerdings auf das dort von Escobar versteckte Gold in Millionenhöhe abgesehen. Cari, die einst eine fähige kolumbianische Kindersoldatin gewesen ist, erkennt auf Anhieb, was für eine Gefahr von Hans-Peter ausgeht. Denn er ist nicht nur ein Krimineller, sondern auch die Abartigkeit in Person: ein Serientäter, der mit Frauen und ihren Organen bzw. Körperteilen auch noch Geld verdient, indem er anderen perversen Kunden auf der ganzen Welt gegen hohe Summen verstümmelte Opfer zur Verfügung stellt. Das Vermögen in der Villa ist nicht der einzige Schatz, den Hans-Peter begehrt. Als er Cari zum ersten Mal begegnet, nimmt er sie sofort ins Visier. Doch Cari ist wahrlich kein einfaches Opfer...

Meine Leseerfahrung:
Auf diesen Roman hatte ich mich tatsächlich sehr gefreut und als ich das Hardcover mit dem detailschönen Einband in den Händen hielt, war ich ganz aus dem Häuschen. Denn ich habe die vorherige Schöpfung "Hannibal Lecter" geliebt. Hannibal war nicht einfach ein Bösewicht. Er war weit mehr als das: ein komplexer intellektueller Charakter mit überraschend normalem Moraldenken und einem gewissen verzaubernden Charme. Es war ein Genuss, zu sehen, wie der grandiose Anthony Hopkins der Figur in den Verfilmungen Leben verlieh. 
Nun lernen wir im neuesten Werk des Autors einen Mörder kennen, der als viel schlimmer gepriesen wird: noch grauenhafter, böser und abartiger. Dabei ist Hans-Peter (klingt eher wie eine Witzfigur) nichts weiter als ein perverser ekelerregender Frauenhändler, der gleichgesinnten Kunden auf der ganzen Welt Frauen in "modifizierter" Form zur Verfügung stellt und daraus gut Kapital schlägt. Zu dieser Tätigkeit kommt er aber im ganzen Buch nicht, weil er in der Story hauptsächlich damit beschäftigt ist, an das Gold im Safe von Escobar zu kommen. So wird seine abartige Natur zunächst nur zur Nebensache und wird gegen Ende als Thema wieder aufgegriffen; viel zu spät, um als faszinierender Bösewicht zu brillieren. 

Die Hauptfigur, deren Namen Harris als Buchtitel gewählt hat ("Hans-Peter Schneider" wäre auch Folter für die Ohren gewesen), ist zwar auf Grund ihrer Vorgeschichte äußerst interessant, hat aber nicht genug Tiefe, um nur annähernd zu fesseln. Dabei hätte Harris weit mehr aus diesem Charakter herausholen können. Sämtliche Figuren bleiben vollkommen hinter ihrem ganzen Potenzial. 
Eigentlich ist der Klappentext sehr irreführend, da es erst zum Ende hin spannend zwischen Cari und Schneider wird. Ansonsten geht es im Roman hauptsächlich um das Gold in der Escobar-Villa und wie zwei rivalisierende Banden darum kämpfen. Das wiederum wird zum Teil recht langatmig breit getreten.

Und schließlich ist das Buch nach etwa 270 Seiten zu Ende. Damit es aber nicht allzu dünn ausfällt, beinhaltet es am Ende noch eine Leseprobe von "Das Schweigen der Lämmer", so dass man das große Werk des Meisters direkt mit seinem größten Flop vergleichen kann. Beim Letzteren hat man leider den Eindruck, dass Harris einfach nur abgeliefert hat, ohne sich wirklich ins Zeug gelegt zu haben. 

Fazit:
Eine derart langweilige Story, dass sich nicht entscheiden kann ein Krimi oder ein Thriller zu sein, und weder faszinierende Protagonisten mit Tiefgang hat, noch interessante Nebencharaktere aufweisen kann, ist einerseits eine völlige Zeitverschwendung und macht andererseits jegliches Lesevergnügen zunichte. Alle literarischen Erwartungen an Cari Mora sind absolut unerfüllt geblieben. Thomas Harris' neuestes Werk ist die Enttäuschung des Ja

Bewertung vom 19.06.2019
Endstation U-Bahnhof Kottbusser Tor
Soytürk, Alper

Endstation U-Bahnhof Kottbusser Tor


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Ferhat ist ein junger Türke, der von seinem Vater aus dem Osten der Türkei nach Berlin geschickt wird, damit er dort sein Abitur macht und Medizin studiert. Doch er landet mitten in Kreuzberg, wo er die meiste Zeit unter Landsleuten ist und sich mit den alltäglichen Problemen der Berliner mit Migrationshintergrund herumschlagen muss. Mit seinen engsten Freunden hat er oft Meinungsverschiedenheiten, da sie als Deutschtürken Ferhats Gedankengänge und Verhaltensweisen nicht immer verstehen, und in der Liebe hat er bisweilen auch kein Glück. Neben der Schule muss er zudem hart jobben. Als ob der ganze Stress um ihn und das Leben in Kreuzberg nicht genug wäre, treffen ihn die Suizidfälle von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an seiner Schule emotional sehr stark. Dann erlebt er selbst einen Schicksalsschlag mit seinem besten Freund, was ihn völlig aus der Bahn wirft...

Meine Leseerfahrung:
Als Deutschtürkin war ich sehr gespannt auf diesen Debütroman von Alper Soytürk und hatte ehrlich gesagt keine allzu große Erwartungen, als ich mit dem Lesen anfing. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und angenehm, so dass man durch die ca. 400 Seiten recht zügig vorankommt. Zudem handelt es sich hier tatsächlich um einen Episodenroman mit vielen kurzen Kapiteln, die alle für sich abgeschlossene Geschichten bilden, und damit auch für kurzweiliges Lesen bestens geeignet sind. 

Zu Beginn lernt man viel über Ferhat und seinen Background, sowie über seine Lebensweise in Berlin. Allmählich tauchen verschiedene interessante Charaktere auf, denen sogar vereinzelt ein ganzes Kapitel gewidmet ist, und man ist plötzlich in einem völlig anderen Geschehen. Da ich eher zusammen hängende Kapitel bei Romanen gewohnt bin, habe ich zunächst versucht, eine Struktur dahinter zu suchen. Dabei kommt der Roman aber bestens ohne das Konzept des roten Fadens zurecht.

Wichtig sind hier tatsächlich die einzelnen lebensechten Charaktere und ihre ganz persönlichen Geschichten, die mich tief berührt haben. Einerseits konnte ich Vieles völlig nachvollziehen, andererseits waren einige Stellen selbst für mich als Deutschtürkin sehr befremdlich. Und zu Allem kam noch die Darstellung Berlins hinzu, die sich allmählich durch das Buch hindurch  verfestigt und ein Bild der Stadt abgibt, welches ich so nicht kannte und mich geradezu schockiert hat. 

Neben den ganzen ernsten Szenarien gab es auch einige lustige Stellen, bei denen ich laut auflachen musste. Nichtsdestotrotz ist das Hauptthema jedoch sehr ernst: das Suizidrisiko bei jungen Migranten. Und das wird weder verschönt noch verzerrt, sondern in all seinen Facetten völlig authentisch dargestellt. Ich habe beim Lesen eine emotionale Achterbahnfahrt mitgemacht und war überrascht, wie intensiv mich dieser Roman trotz einfacher Sprache und teilweise nicht wirklich unbekannter Themen gefesselt hat. 

Leser mit schwachen Nerven und starker Sensibilität in Bezug auf Suizidthemen sollten meines Erachtens den Roman mit Vorsicht genießen. Denn es ist definitiv eine sehr aufrüttelnde Lektüre, die Einen tief berührt, wenn nicht sogar Tränen vergießen lässt.

Fazit:
Alper Soytürk hat einen sehr bewegenden Episodenroman über Probleme  junger Migranten in Deutschland geschaffen, das uns nicht nur die Augen vor der schockierenden Wahrheit öffnet, sondern auch zum verantwortungsvollerem Verhalten gegenüber Mitmenschen und zu einem verständnisvolleren Miteinander bewegt. Literatur dieser Art sollte es noch mehr in Deutschland geben. 

Bewertung vom 12.06.2019
Kein Grund zur Klage!
Reibold-Rolinger, Manuela

Kein Grund zur Klage!


sehr gut

Zum Inhalt:
Ob es nun Nachbarstreitigkeiten sind oder familiäre Zwists, ob vertragliche oder persönliche Auseinandersetzungen, der Weg zum Anwalt führt leider nicht immer zu einer Einigung. Wenn dann auch noch beide Seiten unnachgiebig sind, ist der Klageweg vorprogrammiert. Wieso es meistens so weit kommt, wie die Prozesswelt tatsächlich aussieht und auf welche Weise ein Verfahren tatsächlich vermieden werden könnte, wird in diesem Buch umfänglich behandelt und mit Beispielen aus der Praxis veranschaulicht.

Meine Leseerfahrung:
In meinem Beruf als Rechtsanwältin habe ich oft genug erlebt, dass Mandanten mit den verschiedensten Klagebegehren einen Anwalt aufsuchen, ohne sich im Geringsten im Klaren darüber zu sein, was ein Verfahren denn eigentlich so mit sich bringt. Frau Reibold-Rolinger setzt genau da an und zeigt in ihrem Buch auf, dass der Gang zum Anwalt allein bei Weitem nicht ausreicht, um zu seinem Recht zu kommen. Stürzt man sich dann auch noch in einen Prozess, kann es viel Lebenszeit und auch Nerven kosten, bis man zu einem mehr oder weniger zufriedenstellenden Ergebnis gelangt. 

Die Kollegin schreibt ohne die trockene juristische Art aufzusetzen und ohne jeglichen Paragraphenwirrwarr flüssig und verständlich und überzeugt auch auf menschlicher Ebene, indem sie auf das Gefühlschaos der Mandanten hinweist. Denn grade die innere Haltung dieser Personen, insbesondere falscher Stolz und fehlende Kompromissbereitschaft führen meist dazu, Streitigkeiten bis an die Spitze zu treiben und sich wie in einer ausweglosen Sachgasse zu fühlen.

Ganz so ausweglos wie angenommen sind die Fälle allerdings nicht immer. Frau Reibold-Rolinger veranschaulicht mit zahlreichen Fallbeispielen aus der Praxis, wann und wie  ein Streitfall schief laufen kann und dass mit Schlichtung und Mediation bessere Ergebnisse erzielt werden können, als wenn man den Schritt in die "Prozesshölle" wagt. 

Für mich und meine Kollegen ist dies ein gutes Sachbuch, wie man Mandanten den Verfahrensweg am Verständlichsten begreiflich machen kann, für Privatpersonen ist es sicherlich ein guter Ratgeber, bevor sie sich in einem Streitfalle für den anwaltlichen Weg entscheiden. Die wichtigste Aussage dieses Buches war für mich, dass Streitigkeiten am Ehesten gelöst werden können, wenn Parteien eine klare Trennung zwischen ihren emotionalen und sachlichen Gründen vornehmen könnten. Die Praxis zeigt da leider oft genug, wie schwer das ist.

Fazit:
Die Autorin liefert mit diesem Sachbuch einen guten Überblick über die juristische Ebene von Streitigkeiten jeglicher Art und ist damit ein guter Ratgeber für all diejenigen, die sich in oder vor einem Streitfall befinden. Lesenswert von Anfang bis Ende!