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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Hilou
Wohnort: Bielefeld
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Danksagungen: 15 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 88 Bewertungen
Bewertung vom 07.09.2021
The Rules of Magic. Eine zauberhafte Familie
Hoffman, Alice

The Rules of Magic. Eine zauberhafte Familie


weniger gut

Zum Inhalt:
Die Geschwister Franny, Jet und Vincent Owens stammen aus einer alten Familie von Hexen. Neben ihren magischen Talenten verbindet sie ein Familienfluch: Jedesmal, wenn sie sich verlieben, muss jemand mit dem Leben bezahlen. Ihre Mutter Susanna stellt daher einige Regeln für die drei Teenager auf, um sie unter Anderem vor sich selbst zu beschützen. Dann erhalten die Geschwister eine Einladung von ihrer Tante Isabelle und sollen den Sommer bei ihr in Massachusetts verbringen. Die ersten Regeln werden gebrochen, das Unheil nimmt seinen Lauf...

Meine Leseerfahrung:
Seit der Mayfair-Hexen-Reihe von Anne Rice lese ich sehr gerne Hexenromane und habe auch selbst mittlerweile eine kleine Sammlung zu Hause. Alice Hoffman war für mich neu und ich bin immer gespannt auf neue Hexenstories. Dabei ist es nicht wichtig, ob die Geschichte innovativ ist oder mit altbewährten Elementen daher kommt.

"The Rules of Magic" klang nach einer wundervollen Familiengeschichte, die berührt und viele Emotionen birgt. Leider ist der Erzählstil durchweg sehr nüchtern und distanziert, was bereits die erste Hürde beim Lesen war. Es war schwierig eine emotionale Bindung zu den Figuren und den Situationen aufzubauen. Selbst die traurigste Szene hat mich unberührt zurück gelassen.

Die Charaktere sind durchaus sehr interessant, verblassen aber auf Grund der trockenen Erzählweise. Zudem kommt die Magie viel zu kurz. Hier und da erhält man einen kurzen Einblick in die Gaben der Geschwister, aber die gesamte Story ist durchweg überladen mit Herzensangelegenheiten und einer unterschwellig traurigen Atmosphäre, dass man stellenweise bezweifelt, ob es sich überhaupt um einen Fantasyroman handelt oder doch eher um einen Teenager-Heartbreak-Liebesroman. Selbst dann ist die Geschichte nicht fesselnd genug. Abschnitte, die mehr Tiefe und Detail benötigt hätten, werden viel zu kurz abgehandelt, während andere eher unwichtige Handlungen ziemlich in die Länge gezogen werden und es stellenweise zu langatmig wurde. Mit ca. 360 Seiten ist das Buch nicht sonderlich dick. Eine solche Familiengeschichte, wie angekündigt, hätte durchaus ein Schmöker werden können, wenn die Autorin das Potenzial voll ausgeschöpft hätte. Leider wirkt das gesamte Buch, als wäre es lieblos in einer Woche herunter geschrieben.

Meiner Meinung nach wäre es eine Zeitverschwendung, das Buch zu lesen. Da kann man sich auch gleich die Neuverfilmung anschauen und auf dieses Buch gänzlich verzichten. Ich musste mich da leider durchquälen und kann daher keine Leseempfehlung aussprechen.

Fazit:
"The Rules of Magic" ist eine emotionslose Geschichte über Beziehungen, der es entgegen jeglicher Erwartung an Magie, Zauberei und Fantasyelementen fehlt. Der bisher schlechteste Hexenroman, den ich je lesen durfte!

Bewertung vom 20.08.2021
Die Verlorenen
Beckett, Simon

Die Verlorenen


sehr gut

Zum Inhalt:
Jonah Colley ist Mitglied einer Spezialeinheit der Londoner Polizei. Seit sein Sohn vor 10 Jahren verschwunden ist, läuft es sowohl beruflich als auch privat nicht mehr gut für ihn. Dann ruft ihn plötzlich sein früherer Kollege und bester Freund Gavin an und bittet ihn, zur Hilfe zu kommen. Dabei hatten sie den Kontakt ebenfalls vor vielen Jahren abgebrochen. Gavin scheint aber in Gefahr zu sein. Als Jonah zu dem angegebenen Ort fährt, ahnt er noch nicht, dass neben mehreren Leichen auch noch eine böse Überraschung auf ihn wartet...

Meine Leseerfahrung:
Ich habe die Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter geliebt, da die Hauptfigur Ecken und Kanten hatte und charakterlich sehr gut durchdacht war. Als ich hörte, dass Simon Beckett eine neue Reihe startet, war ich etwas skeptisch wegen des Hauptcharakters. Ich habe mich gefragt, ob ich mit ihm genauso warm werde, wie mit David Hunter. Dazu muss ich sagen, dass ich bei Hunter auch durchaus Anlaufschwierigkeiten hatte, da er recht komplex auf mich wirkte. Ähnlich ging es mir direkt beim ersten Buch mit Jonah Colley. Er hat aber auch eine schwere Last mit sich zu tragen. Das Verschwinden seines kleinen Sohnes hat tiefe Narben bei ihm hinterlassen. Und auch die Beziehung zu seiner Frau ist völlig in die Brüche gegangen. Nach Jahren scheint er sich etwas abgeschottet zu haben. Zudem erleidet er direkt am Anfang des Buches schwere Verletzungen und ist im Laufe der gesamten Story mehr oder weniger in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. All das trägt dazu bei, dass man Colley nicht unbedingt als einen genialen Superermittler wahrnimmt. Er ist vielmehr ein komplizierter Mensch, der mit viel Unsicherheit und Zweifeln zu kämpfen hat. Am Ende fragt man sich, wie er überhaupt Mitglied einer Spezialeinheit der Polizei werden konnte.

Dennoch habe ich ihn gerne begleitet, muss aber gestehen, dass ich seinen Gedankengängen und Verhaltensmustern nicht immer folgen konnte. Auch die Story ist an einigen Stellen etwas zu weit hergeholt und wirkte etwas zwanghaft konstruiert. Die Spannung blieb jedoch durchweg konstant, insbesondere auch durch die Zeitsprünge in die Zeit, als Colleys Sohn verschwand. Auch mit überraschenden Wendungen geizt Beckett nicht. Ich hätte mir allerdings mehr Aufklärung am Schluss gewünscht, stattdessen blieben viele Fragen offen. Es wäre wünschenswert, dass sie im nächsten Teil beantwortet werden. Der Auftakt ist trotzdem mE gut gelungen und bietet genug Stoff für weitere Bände.

Fazit:
Simon Beckett gelingt mit "Die Verlorenen" ein solider Auftakt zu einer spannenden neuen Reihe, die genug Potenzial hat, um mit seiner David Hunter-Reihe mithalten zu können. Spannende Unterhaltung mit unerwarteten Wendungen und beckett-typischer Krimi-Atmosphäre!

Bewertung vom 02.08.2021
Meditation
Beer, Peter

Meditation


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Peter Beer hat persönlich erfahren müssen, was Stress im Alltag mit der Gesundheit eines Menschen macht. Nach solchen Erfahrungen als Ingenieur in der Automobilindustrie studierte er Psychologie und gründete die Achtsamkeits-Academy. Als Meditationscoach ist es für ihn nun ein persönliches Bedürfnis, seine Mitmenschen auf ihrem Weg zu einem entspannteren Leben zu unterstützen. Mit diesem Buch führt er seine Leser Schritt für Schritt an die Meditation heran und gibt Tipps zu Achtsamkeitsübungen für mehr Selbstliebe und Gelassenheit. Zusätzlich haben Leser Zugriff auf 8 exklusive Audiomeditationen und umfangreichem Zusatz-Content.

Meine Leseerfahrung:
Seit geraumer Zeit hatte ich auf Grund von dem ganzen Stress im Alltag immer häufiger Konzentrationsschwierigkeiten und fühlte mich gesundheitlich durchgehend angeschlagen. Als sich dann auch noch ein Reizmagen bemerkbar machte, bin ich notgedrungen auf die Bremse getreten und habe in mich hineingehorcht. Es war der absolut richtige Zeitpunkt für mich, dieses Buch anzufangen. Ich habe mich nun etwa 2-3 Monate damit beschäftigt und bin erstaunt, wie bewusster ich Dinge mittlerweile angehe bzw. wie ich mit komplizierten, unangenehmen oder traurigen Situationen umgehe.

Die verschiedenen Achtsamkeitsübungen habe ich anfangs nur belächelt. Jetzt sind sie Bestandteil meines Lebens. Auf meine Atmung passe ich nun auch bewusster auf. Durch öftere Pausen, die ich mir gönne, ist auch mein medialer Konsum deutlich zurück gegangen. Das Handy nehme ich nur dann in die Hand, wenn es absolut notwendig ist. Unnötige Informationszufuhr wird unterbunden. Seitdem habe ich auch ein besseres Schlafverhalten. Peter Beer geht in seinem Buch noch weiter und erklärt, wie Meditation sowohl auf unsere körperliche als auch psychischen Gesundheit auswirkt bzw. welche gesundheitlichen Vorteile man durch Meditation erzielen kann wie z.B. Stärkung des Immunsystems, reduziertes Stressempfinden, Linderung von Depression, oder sogar Hilfe bei Sucht, Übergewicht oder bei Bewältigung von Traumata.

Ich für meinen Teil habe mehr Selbstkontrolle gewonnen und fühle mich auch viel wohler in meiner Haut. Ob ich mich in Zukunft meinen Ängsten und Sorgen besser stellen werde, wird sich noch zeigen. Dank Peter Beer fühle ich mich jedenfalls auf dem richtigen Weg und werde weiterhin dranbleiben, bis ich lerne, komplett abzuschalten und in mich zu gehen.

Fazit:
"Meditation" von Peter Beer ist wie Medizin für die erschöpfte und gedankengeplagte Seele und ebnet Schritt für Schritt den Weg in eine gelassenere und unbeschwerte Zukunft. Ein Buch, für das man sich sehr viel Zeit nehmen bzw. gönnen sollte!

Bewertung vom 13.07.2021
Oje, ich wachse! Back To You
Plooij, Xaviera;Mischner , Laurens

Oje, ich wachse! Back To You


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Es gibt ein neues Buch aus der Reihe "Oh je, ich wachse!". Und das richtet sich direkt an Frauen, die nach Schwangerschaft und Geburt zurück zu ihrer Form finden wollen. Dabei werden alle Aspekte der sowohl physischen als auch psychischen Begleiterscheinungen in dieser Zeit durchleuchtet. Neben umfassenden Informationen bietet "Back To You" auch ein begleitenden Übungsprogramm sowie den Zugang zu einer App, mit der man sich die Übungsvideos auch noch mal ansehen kann.

Meine Leseerfahrung:
Ich muss zugeben, nach der ersten Schwangerschaft habe ich noch fleißig an einem Rückbildungskurs teilgenommen und die Übungen auch zu Hause weitergemacht. Nach der zweiten Schwangerschaft dagegen habe ich mit zwei Kleinkindern einfach nicht mehr die Zeit oder aber die Kraft gehabt, regelmäßig etwas für meinen Körper zu tun. Langsam merke ich, wie sich das rächt. Und richtig bewusst ist mir das geworden, nachdem ich dieses Buch gelesen habe.

Einige körperliche oder mentale Veränderungen nach der Geburt habe ich nicht einmal als solche wahrgenommen. Dabei hängt tatsächlich Vieles zusammen. Mit anderen Worten: Viele Faktoren tragen dazu bei, wie wir uns nach einer Schwangerschaft fühlen. Alles nur auf den Hormonhaushalt zu schieben, wäre absolut falsch. Vielmehr kann man mit Hilfe dieses Buches selbst den Symptomen auf den Grund gehen und wird den einen oder anderen Aha-Effekt erleben.

Nach so einem Buch habe ich auf jeden Fall schon lange gesucht. Viele Bücher über die Zeit nach der Schwangerschaft sind mE zu einseitig geschrieben.  So umfassend wie hier findet man selten so viel geballte Informationen.  Außerdem ist das Buch in ordentliche Abschnitte unterteilt und sehr übersichtlich gestaltet. Man findet sofort das relevante Thema. Ich bin schon seit etwa 2 Monaten mit diesem Buch beschäftigt und kann eine deutliche Besserung meiner Verfassung sowie auch meiner persönlichen Einstellung zu meinem Körper und meiner Gesundheit feststellen. Angefangen bei der Ernährung und Medikamenteneinnahme bis hin zu körperlichen Aktivitäten habe ich eine grundlegende Umstellung vorgenommen. Die Motivation habe ich ganz klar durch dieses Buch erhalten. Die Übungs-App ist übrigens genauso gewissenhaft erstellt worden wie das Buch. Damit kann man beispielsweise auch die Atmung oder die Haltung trainieren, was ich oft nutze und tatsächlich sehr gebraucht habe.

Für alle Frauen, die sich auf eine Schwangerschaft vorbereiten, ist dieses Buch definitiv auch zu empfehlen,  damit sie im Vorfeld bereits erfahren können, was nach der Geburt auf sie zukommt.

Fazit:
Auf dieses Buch haben alle Mütter gewartet. "Back To You" ist eine umfassende Informationsquelle über die Veränderungen, die bei einer Frau nach Schwangerschaft und Geburt stattfinden und sollte als Ratgeber bereits während der Schwangerschaft nicht fehlen. Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 04.07.2021
Das Damengambit
Tevis, Walter

Das Damengambit


sehr gut

Zum Inhalt:
Beth Harmon ist grade mal 8 Jahre alt, als sie im Waisenhaus landet. Dort müssen alle Kinder täglich Beruhigungsmittel zu sich nehmen, die ihr Gemüt im Zaum halten sollen. Beth lernt jedoch, wie sie die Pillen aufheben und gezielt einnehmen kann, um nachts Schlaf finden zu können. Der Hausmeister des Waisenhauses, Mr. Shaibel, bringt ihr zu dieser Zeit Schach bei. Schnell begreift er, mit welcher Genialität Beth das Schachspiel beherrscht. Im Alter von 12 Jahren wird Beth adoptiert. Sie nimmt jedoch nicht nur ihr Talent fürs Schach mit. In der Zeit im Waisenhaus hat sich auch eine Sucht hinsichtlich der verabreichten Beruhigungspillen entwickelt. Als sie ein Schachturnier nach dem Anderen gewinnt und um die Meisterschaft spielt, scheint alles perfekt zu laufen. Wäre da nicht die Sucht nach den grünen Pillen und ein aufkeimendes Alkoholproblem...

Meine Leseerfahrung:
"Das Damengambit" ist ein Roman von Walter Tevis, der bereits im Jahre 1983 erschienen ist. Dass dieses Buch wieder so aktuell ist, haben wir der kürzlich erschienenen Netflixserie zu verdanken. Die habe ich jedoch erstmal außen vor gelassen und mich voll und ganz auf das Buch konzentriert.

Tevis erzählt gekonnt die Geschichte eines Wunderkindes, das sich bereits in sehr jungen Jahren zur Schachmeisterin entwickelt. Dass er dabei eine weibliche Figur ausgewählt hat, ist sicherlich nicht Zufall, ist doch die Schachwelt - sowohl heute als auch damals - ganz klar von Männern dominiert. Die Geschichte beginnt in den 50ern, als das Leben der Frau ohnehin bereits vorbestimmt war, nämlich als Hausfrau hinterm Küchenherd zu enden. Beth ärgert sich ständig, dass sie eben immer wieder in die Kategorie "Frau" eingeordnet wird. Dabei steht sie den großen Spielern in nichts nach.

Ein weiteres wichtiges Thema ist Rassismus. Beth findet im Waisenhaus eine Freundin, die ältere Jolene, die es schwieriger hat im Leben, weil sie eine Afroamerikanerin ist. Auch sie kämpft sich derweil hoch und wird eine gute Sportlerin mit Stipendium. Sie ist es auch letztendlich, die Beth zur Hilfe eilt, als diese auf Grund ihres Suchtproblems vor dem Abgrund steht.

Auch Schachinteressierte kommen mit diesem Roman voll auf ihre Kosten. Denn Beth fängt bereits sehr früh an, Schachpartien in ihrem Kopf nachzuspielen. Diese werden genau wir auch die realen Partien in aller Ausführlichkeit beschrieben, so dass man jeden Zug nachverfolgen kann. Ich habe früher sehr gern Schach gespielt und habe durch dieses Buch sehr stark das Bedürfnis gehabt, mein Schachbrett wieder auszupacken. Beth bewegt sich hier ganz klar auf höheren Leveln und es ist durchweg spannend, mitzulesen, wie sie gegen Großmeister antritt und sich den Weg ganz nach oben bahnt.

Die Serie bei Netflix habe ich nun auch bereits begonnen. Die ist übrigens zumindest am Anfang doch recht an den Roman angelehnt. Auf jeden Fall ist sie genauso interessant und spannend zu verfolgen wie das Buch.

Fazit:
Man muss nicht unbedingt Schach können, um "Das Damengambit" zu verstehen. Es ist ein großartiges Buch über starke Frauen, Freundschaft, das Entkommen aus der Sucht und natürlich über Schach in all seinen Facetten.

Bewertung vom 20.06.2021
Das unsichtbare Leben der Addie LaRue
Schwab, V. E.

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Es ist das Jahr 1714, als Adeline LaRue in einem kleinen Ort in Frankreich verzweifelt den Zwängen ihrer Familie zu entkommen versucht. Sie soll einen Witwer mit 3 Kindern heiraten, den sie nicht einmal kennt. In ihrer Hochzeitsnacht läuft sie davon in den Wald und betet zu den alten Göttern, damit sie sie aus dieser ausweglosen Lage befreien. Doch nur der Teufel antwortet und bietet ihr einen Pakt an:  Freiheit und mehr Lebenszeit gegen ihre Seele. Doch das Abkommen hat einen Haken. Fortan ist sie dazu verdammt, ein rastlos Leben ohne Familie und Freunde zu führen. Denn jeder, der ihr begegnet, vergisst sie kurz darauf wieder. Und jede kleine Spur ihrer Existenz wird sofort wieder gelöscht. 300 Jahre später begegnet sie jedoch in New York einem jungen Mann, der sich wieder an Adeline erinnert und sich sogar in sie verliebt. Doch wie lange kann diese Liebe bestehen?

Meine Leseerfahrung:
Ich habe bisher noch keine Bücher von V.E. Schwab gelesen, was ich durchaus bedauere. Die Autorin hat mich bereits mit den ersten Seiten in die Story gezogen und gefesselt.

Die Themen "Ewiges Leben" und "Pakt mit dem Teufel" sind zwar nicht wirklich neu, aber die Verflechtung und die Umstände, mit denen sich die Hauptfigur über 300 Jahre abmühen muss, sind bemerkenswert konstruiert. Da Adeline keiner Menschenseele auf Dauer in Erinnerung bleibt, ist es ein sehr einsames und hartes Leben, das die Autorin sehr gekonnt erzählt. Die Kapiteln wechseln zwischen Adelines Vergangenheit angefangen im Jahre 1689 und der Gegenwart im Jahre 2014.

Ich habe Adeline sofort ins Herz geschlossen. Ihre Entwicklung durch die Jahrhunderte ist bemerkenswert. Aus dem einfachen naiven Mädchen wird eine mutige und scharfsinnige junge Frau, die schließlich so weit ist, dem Teufel die Stirn zu bieten. Außerdem fand ich es beeindruckend, wie sie trotz ihres Fluches einen Weg findet, sich mit Hilfe von Künstlern zu verewigen, indem sie sie als Muse inspiriert. Ich habe diese historischen Abschnitte sehr genossen. Denn Adeline durchwandert viele Schauplätze der europäischen Geschichte und erlebt faszinierende Momente. Auch grausame Erlebnisse bleiben ihr nicht erspart. So ist man zwischen den Kapiteln dermaßen gefesselt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.

Ihr Gegenspieler Luc alias der Teufel ist ebenfalls ein faszinierender Charakter mit vielen Facetten. Als Leser ist man hin und hergerissen, ob man ihn mögen oder hassen soll. Neben ihm wirkt Henry etwas glanzlos. Das einzig Interessante an diesem ist sein Geheimnis, das er vor allen Menschen verbirgt und das nach und nach gelüftet wird.

Was jedoch alle Figuren gemein haben, ist ihre Authentizität. Schwab ist eine grandiose Geschichtenerzählerin, die ein Blick für Zusammenhänge hat und dieses Talent zu einem Meisterwerk verarbeitet. Das wird sicherlich nicht das einzige Buch von ihr in meinem Regal sein.

Fazit:
Was als ein Leben in Ewigkeit beginnt, entwickelt sich zu einer bewegenden Liebesgeschichte mit einem denkwürdigen Abschluss. "Das unsichtbare Leben der Addie LaRue" ist ohne Zweifel mein bisheriges Fantasy-Highlight des Jahres und gehört von nun an zu den seltenen Schätzen im Bücherregal.

Bewertung vom 12.06.2021
Das Lied der Nacht / Die Wayfarer-Saga Bd.1
Bernard, C. E.

Das Lied der Nacht / Die Wayfarer-Saga Bd.1


sehr gut

Zum Inhalt:
Im Königreich Schur ziehen nachts dunkle Schatten umher und töten alles, was ihren Weg kreuzt. Daher ist es in der Nacht verboten, laut zu sprechen oder zu singen oder gar ein Feuer zu entzünden. Viel zu groß ist die Gefahr, dass die Schatten angezogen werden. Der Wanderer Weyd und die Bardin Caer finden jedoch heraus, dass ein längst vergessenes altes Lied sie von den Schatten befreien könnte. Gemeinsam mit ihren Gefährten machen sie sich auf eine gefährliche Reise durch das Land. Und ihnen sind nicht nur die monströsen Schatten dicht auf den Fersen...

Meine Leseerfahrung:
Vielen Lesern ist die Autorin auf Grund der Palace-Saga ein Begriff. Für mich war sie jedoch gänzlich unbekannt. Ich bin froh, dass ich den ersten Teil dieser Trilogie lesen durfte. Sonst wäre mir dieser unvergleichliche poetische Schreibstil entgangen. Zugegeben, anfangs hatte ich Probleme damit, weil ich es nicht einordnen konnte. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran und begreift erst nach und nach, welche Wirkung die gewählte Erzählweise erzeugen soll.

Die Story nimmt einen langsamen Verlauf und wird immer tempo- und ereignisreicher. Was ruhig und sanft beginnt, überrascht schließlich mit einigen brutaleren Szenen. Ich habe mich dabei stellenweise etwas überrumpelt gefühlt, da der Kontrast zwischen den sanften, poetisch erzählten Passagen und den brutalen Schilderungen der Gewaltszenen sehr groß ist. Zudem springt die Autorin innerhalb der Story zwischen zwei Handlungssträngen hin und her, was für mich auch sehr ungewohnt war. So verfolgt man zwei verschiedene Schauplätze gleichzeitig, was die Geschichte bereits am Anfang in die Länge zog. Etwas entmutigt hatte ich tatsächlich noch mit dem Gedanken gespielt, das Buch abzubrechen. Doch es lohnt sich tatsächlich, am Ball zu bleiben. Nach etwa einem Drittel des Buches kommt endlich mehr Bewegung in die Story.

Weyd und Caer sind zwei interessante Hauptfiguren mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften, die wegen ihrer unausgesprochenen Liebe füreinander hin und hergerissen sind. So hat man neben der düsteren Atmosphäre und der konstanten Gefahr durch die Schatten noch eine kleine Liebesgeschichte, deren Entwicklung man durch das gesamte Buch mitverfolgen kann. Allein schon deswegen bin ich gespannt auf die weiteren Bände dieser Trilogie. Auch die Weggefährten der Beiden sind sehr facettenreich und weisen unterschiedliche Fähigkeiten auf. Insgesamt bilden sie zusammen eine perfekte Einheit, um sich gegen die Feinde zu wehren, denn sie ergänzen sich gegenseitig und halten loyal zusammen. Auf ihrem Weg begegnen sie weiteren Charakteren, die sich der Truppe anschließen. Da jede Figur eine eigene Hintergrundgeschichte hat, kommt hier keine Langeweile auf.

Auch wenn der Anfang etwas zäh war, bin ich gespannt auf den weiteren Verlauf dieser Wayfarer-Saga. Zudem enthält das Buch digitales Bonusmaterial (Augmented Reality), was für zusätzliche Eindrücke und Empfindungen zur Geschichte hervorruft. Ich bin neugierig, wie das Zusatzmaterial bei den weiteren Bänden aussehen wird.

Fazit:
Nach einem etwas zähen Einstieg entwickelt sich die Wayfarer-Saga zu einem High-Fantasy-Lesegenuss mit einer düsteren Atmosphäre und einer zarten Liebesgeschichte, der die weiteren Bände voller Spannung erwarten lässt.

Bewertung vom 15.05.2021
Vergiss mein nicht / Grant County Bd.2
Slaughter, Karin

Vergiss mein nicht / Grant County Bd.2


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Gerichtsmedizinerin Sara Linton und Polizeichef Jeffrey Tolliver befinden sich gerade auf einem Date an der Rollschuhbahn, als draußen auf dem Parkplatz die 13-jährige Jenny einen Teenager mit einer Waffe bedroht. Jeff schafft es nicht, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, und muss sie schließlich erschießen, um das Leben des Jungen zu retten. Bei der Obduktion macht Sara eine grauenvolle Entdeckung. Gemeinsam mit Jeff begeben sie sich in tiefe Abgründe ihrer sonst so idyllischen Kleinstadt...

Meine Leseerfahrung:
Wer Karin Slaughter kennt, weiß, dass die Autorin nicht zögerlich ist, wenn es um Brutalität und Grauen geht. Im zweiten Teil ihrer Linton/Tolliver-Reihe befasst sie sich mit sexuellem Missbrauch an Kindern/Pädophilie und damit gehört dieser Band für mich persönlich zu den schockierendsten und erschreckend realitätsnahen Stories, die Slaughter bisher zu bieten hatte. Es mag vielleicht daran liegen, dass ich als Mutter nunmal sensibilisiert bin oder aber die anschauliche Erzählweise der Autorin ist dermaßen ergreifend, dass ich an einigen Stellen hart schlucken oder eine Pause einlegen musste.

Die gesamte Ermittlungsarbeit liest sich wir eine True-Crime-Story, was überaus spannend angelegt ist. Was ich an Slaughters Büchern zudem sehr schätze, sind die authentisch gezeichneten Charaktere und die lebensnahen Geschichten um die einzelnen Figuren. Es wird nie langatmig, vielmehr überrascht Slaughter immer wieder mit geschickt eingebauten Wendungen und sorgt damit für konstante Spannung. Allerdings sollte man bei ihr auch immer auf die ungeschönte Wahrheit und Brutalität gefasst sein; dieser Band ist mE besonders hart und definitiv nichts für schwache Nerven oder zart Besaitete.

Für manche mögen die grauenvollen Umstände im Buch zu übertrieben erscheinen. Leider sind solche und ähnlich gelagerte Fälle keine Seltenheit. Thriller wie diese nennen grauenvolle Dinge beim Namen, während man selbst am Liebsten gar nicht über das Böse da draußen nachdenken möchte. Daher sollte man zweimal überlegen, bevor man zu diesem Buch greift.

Fazit:
Mit dem zweiten Band der Linton/Tolliver-Serie wagt sich Karin Slaughter auf ein schwieriges und absolut ekelerregendes Terrain und erzählt auf schockierend lebensechte Weise vom Grauen, dass nebenan lauert. Absolut fesselnd, aber mit Vorsicht zu genießen!

Bewertung vom 03.05.2021
Später
King, Stephen

Später


sehr gut

Zum Inhalt:
Jamie ist ein kleiner Junge mit besonderen Fähigkeiten. Er kann tote Menschen sehen und sogar mit ihnen sprechen; allerdings unmittelbar nach deren Ableben. Denn nach einer bestimmten Zeit werden die Geister immer leiser und schwächer, und lösen sich völlig auf, wenn ihre Zeit abgelaufen ist. Bis dahin kann Jamie ihnen jedoch Fragen stellen, worauf sie gezwungenerweise immer mit der Wahrheit erwidern müssen. Nur Jamies Mutter Tia weiß über die Gabe ihres Sohnes Bescheid und muss in der finanziellen Not davon Gebrauch machen. Denn sie ist Literaturagentin und ihr einziger erfolgreicher Autor segnet plötzlich das Zeitliche, ohne sein letztes Buch beendet zu haben. Für Tia und Jamie ist es DIE Chance, ein letztes Mal mit dem Verstorbenen reden zu können. Doch dieses Unterfangen setzt unheilvolle und bedrohliche Dinge in Gang...

Meine Leseerfahrung:
Ich habe bereits Einiges von Stephen King gelesen und bin dennoch immer fasziniert von seinen neuen Ideen und Erzählweisen. "Später" ist aus der Sicht des kleinen Jamie geschrieben, den wir bis zum Erwachsenenalter begleiten. Dementsprechend ist das Buch auch sprachlich aufgebaut, die Erzählweise ist einfach gehalten und hat den typischen Stephen King Charakter. Er kann einfach über alles und jeden schreiben, ohne langweilig zu werden. 

"Später" ist verglichen mit seinen anderen Romanen doch recht kurz. Dass es eine Horrorstory ist, wie die Hauptfigur immer wieder betont, merkt man allerdings erst ab der Mitte, obwohl es jetzt nicht unbedingt gruselig oder brutal wird. Trotzdem ist aber die Spannung von Anfang an präsent. King weiß einfach, wie man die Leser fesselt. Was ruhig beginnt, nimmt dann rasant an Tempo zu und steuert ein spektakuläres Finale an. Es ist  keine klassische Geistergeschichte, die man nicht unbedingt nachts lesen möchte. Vielmehr spielt King wieder mit menschlichen Ängsten und dem "Was wäre, wenn" - Gedanken, so dass man nach Beenden des Buches noch lange über das Eine oder Andere grübelt. Mir hat insbesondere die Hauptfigur und ihre Entwicklung sehr gefallen. Jamie ist sympathisch und dank seiner Sprache und seinem Auftreten absolut authentisch.

Dennoch war ich etwas unbefriedigt am Ende, da das Lesevergnügen nur von kurzer Dauer war.  Ob "Später" ein Auftakt zu einer Reihe um Jamie und seine Gabe sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis, wäre aber in Anbetracht des Potenzials dieser Story sehr wünschenswert. Zumal es ja auch keine richtige Auflösung über das Böse, womit Jamie in Kontakt kommt, geliefert wurde. Vielleicht hat mich gerade dieser Umstand etwas unbefriedigt zurück gelassen. Ich hätte mehr Erklärungen zu dem "Etwas", das von einem Verstorbenen Besitz ergriffen hat, erwartet.

Andererseits kann ich aber nicht leugnen, dass ich auch von diesem Stephen King - Buch gefesselt war und in einem Rutsch durchgelesen habe. Daher darf es mE in keiner King-Sammlung fehlen.

Fazit:
"Später" ist keine klassische Horrorstory, sorgt aber für absolut fesselnde Lesestunden voller Spannung und Unterhaltung. Ein Buch, worüber man sich lange nach Beenden noch Gedanken macht. Daher definitiv lesenswert!

Bewertung vom 25.04.2021
Liebestöter / Kommissar Vitus Pangratz Bd.2
Bayer, Alma

Liebestöter / Kommissar Vitus Pangratz Bd.2


sehr gut

Zum Inhalt:
Marina Pfister ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die mit ihrer Coaching-Agentur "Weiberheldin" in der Rosenheimer Altstadt für viel Gerede und Aufsehen sorgt. Denn hier bietet sie Frauen nicht nur Beratung in Sachen Selbstbewusstsein und Emanzipation an, Gerüchten zufolge kommen auch andere weibliche Bedürfnisse nicht zu kurz. Denn bei Marina gibt es einen "Allround-Service" für die Frauen aus Rosenheim. Dann wird jedoch ein Mordanschlag auf sie verübt und Privatdetektiv Vitus Pangratz und seine Tochter Jo Coleman nehmen die Ermittlungen auf. Schnell wird klar, dass das Opfer mehr als einen Feind hatte, denn für die gesamte Rosenheimer Männerwelt war Marina ein Störfaktor. Während sie im Koma liegt, decken Vitus und Jo einige Geheimnisse auf. Doch der Täter ist noch auf freiem Fuß und plant sein Werk, zu Ende zu bringen und die Marina ein für allemal loszuwerden...

Meine Leseerfahrung:
Als Krimifan mache ich eigentlich keinen Unterschied bei der Wahl meiner Lektüre, was das Setting oder die Charaktere betrifft. Aber ich muss zugeben, ich hätte in einer Buchhandlung bestimmt nicht zu einem Regionalkrimi gegriffen, der sich in Bayern abspielt. Denn mir fehlt da eindeutig der Bezug. Als mir dieses Rezensionsexemplar zugeschickt wurde, war ich sehr gespannt darauf, aus meiner Komfortzone zu kommen und mal was Anderes zu lesen.

"Liebestöter" bietet nicht nur viele unterschiedliche Charaktere, sondern auch einen umfassenden Einblick in die bayrische Welt. So wird natürlich in Dialogen auch oft der Dialekt genutzt, wobei für Laien allerdings sofort ins Hochdeutsche übersetzt wird, was jedoch den Lesefluss absolut nicht stört. Vielmehr war es für mich an einigen Textstellen eine Erleichterung, wenn direkt im Anschluss die Aufklärung folgte. Auch sonst liest sich die gesamte Story flüssig, der Erzählstil ist sehr angenehm und die einzelnen Kapitel sind recht kurz gehalten.

Ich fand es gut, dass die Thematik noch viel weiter geht als "nur" Mord und Totschlag. Vielmehr werden die Diskrepanzen zwischen der Mentalität bayrischer Männer und das Streben nach Selbstverwirklichung bayrischer Frauen aufgezeigt. Während die stadtbekannten männlichen Persönlichkeiten Rosenheims in Führungspositionen glänzen und auch kräftig in der Politik mitmischen, dürfen ihre Gattinnen ein eingeschränktes Leben zwischen Küche und Haushalt führen und sich für ihre Familie aufopfern. Dann kommt endlich eine erfolgreiche Frau mit Geschäftssinn daher und öffnet den Hausfrauen Rosenheims die Augen. Durch Marina erfahren Sie erst, was Freiheit und Selbstverwirklichung wirklich bedeuten. Einige nehmen die neu gewonnene Emanzipation sogar so ernst, dass sie endlich mal aktiv werden, um eine Veränderung in ihrem Leben zu erwirken.

So sehr mir diese aufrüttelnde Seite des Buches gefallen hat, so war ich doch etwas unbefriedigt, was die Ermittlungsarbeit anbelangt. Die zog sich leider etwas zu sehr in die Länge und wurde stellenweise etwas langatmig. Am Ende kommt es allerdings zu einem spannenden Showdown und als Leser kann man tatsächlich bis zuletzt miträtseln, wer Marina auf dem Gewissen hat. Die Aufklärung der Täteridentität bleibt durchgehend unvorhersehbar, was diesen Krimi lesenswert macht.

Fazit:
"Liebestöter" von Alma Bayer ist ein unterhaltsamer Krimi mit ausgesprochen interessanten Charakteren und viel bayrischem Flair. Überdies werden wichtige Themen wie Feminismus und Konservatismus gegenüber gestellt. Nicht nur für bayrische Lokalpatrioten ein Denkanstoß!