Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
maike_march

Bewertungen

Insgesamt 63 Bewertungen
Bewertung vom 07.08.2022
Denk ich an Kiew
Litteken, Erin

Denk ich an Kiew


ausgezeichnet

Tod durch Hunger

Es sind die 1930er Jahre. Katja wächst in einem Dorf bei Kiew auf. Der lange Arm Stalins hat, von der Sowjetunion aus, die Ukraine erreicht und hält sie mit eiserner Hand fest im Griff. Für Katja und ihre Familie beginnt damit nicht nur eine Zeit der Entbehrung, sondern des nackten Überlebens. Wer nicht dem Kollektiv beitritt, seinen Besitz und die Entscheidung über das eigene Leben aufgibt, wird als Verräter erschossen. Schon bald gibt es nichts mehr zu Essen. In der gesamten Ukraine sterben die Menschen zu Millionen.
Dieses dunkle Kapitel der Geschichte kennen viele nicht. So auch Cassie, die Enkeltochter von Katja. Sie entdeckt viele Jahrzehnte später Aufzeichnungen ihrer Großmutter. Sie beginnt, die Tagebucheinträge zu übersetzen und ist zutiefst betroffen.
Dieser Roman hat mich unfassbar traurig und wütend gemacht. Ich fühlte mich beim Lesen gleichzeitig hilflos und ohnmächtig, angesichts der Grausamkeit in dieser Welt.
Die Geschichte wiederholt sich, das ist eine der vielen schrecklichen Erkenntnisse dieses Romans. Aber es gibt auch Hoffnung. Das mag angesichts der Geschehnisse pathetisch klingen, aber Menschen sind stark. Sie machen immer weiter.
"Du kannst immer noch ein Leben haben, auch wenn du denkst, dass nichts übrig ist, denn es gibt immer etwas, für das es sich lohnt zu leben."
In einem beiliegenden Brief betont die Autorin, dass die Idee zu diesem Roman schon vor dem Einmarsch Russlands auf der Krim im Jahr 2014 entstanden ist.
Dieses Buch ist die vielleicht schwerste Kost, die ich je gelesen habe. Gerade jetzt angesichts des Krieges in der Ukraine.
Mein Fazit: Absolut lesenswert, aber auch sehr schwer zu verkraften.

Bewertung vom 30.07.2022
Drei Tage im August
Stern, Anne

Drei Tage im August


ausgezeichnet

Schokolade, Zuversicht und Menschlichkeit

Berlin im August 1936: Die Olympischen Spiele sind das Hauptgesprächsthema in der Stadt, doch in der Chocolaterie Sawade geht der Alltag seinen gewohnten Gang. Elfie Wagner arbeitet schon viele Jahre in dem Laden Unter den Linden, der diverse Kreationen süßer Köstlichkeiten an seine Kunden, ja bis hin an den ehemaligen Kaiserhof, zu bringen weiß. Veränderung liegt in der Luft, das spüren alle. Um einige Bewohner zieht sich die Schlinge der Nationalsozialisten immer enger.
Anne Stern gelingt es, nur mit Worten eine unglaublich vielfältige Welt voller Pralinen, Aromen und der Sehnsucht nach kleinen Köstlichkeiten zu kreieren. Über einen Zeitraum von drei Tagen, begleiten wir verschiedene Protagonisten und Protagonistinnen in Berlin. Sie alle haben mehr oder weniger mit Veränderungen zu kämpfen. Politisch und gesellschaftlich ist es eine hochbrisante Zeit. Ich bin begeistert davon, wie es der Autorin gelungen ist, diese im Nachhinein historischen Veränderungen in eine Erzählung aus dem Alltag einzuflechten. Ein Roman, nicht nur über Schokolade, sondern über so viel mehr, über Zuversicht und Menschlichkeit.
"Für den Genuss und die Schönheit lohnt es sich, weiterzukämpfen, es sind die kleinen Lichtpunkte in diesem unsteten Dasein der Menschen."

Bewertung vom 25.07.2022
Das letzte Grab
Erler, Lukas

Das letzte Grab


gut

Ich bin zwiegespalten

Mit "Das letzte Grab", hat Autor Lukas Erler eine Mischung aus Krimi und Thriller geschaffen. Die Frankfurter Rechtsanwältin Clara Winter gerät nach dem Tod ihres Ex-Mannes in einen Strudel der internationalen Kriminalität. Innerhalb weniger Stunden gerät ihr Leben komplett aus den Fugen, sie muss um ihr Leben fürchten und sucht für ihre Flucht ausgerechnet Schutz bei einem Mitglied der organisierten Kriminalität. Ist sie damit wirklich in Sicherheit oder begibt sie sich damit in noch größere Gefahr?
Das Buch zieht einen sofort und unweigerlich in seinen Bann. Die Kapitel sind kurz, sehr schnell und haben den ein oder anderen fiesen Cliffhanger parat. Mit Clara bin ich leider nicht besonders warm geworden. Die toughe und selbstbewusste Frau hat für mich zu viele Ecken und Kanten und eine Seite, hinter die ich nicht wirklich schauen konnte. Wie bereits genannt, geschieht alles sehr schnell. Manchmal war ich verwirrt, an welchem Handlungsort ich mich nun genau befinde. Einige Entscheidungen von Clara oder auch ihr Verhalten in gewissen Situationen konnte ich absolut nicht nachvollziehen. Gerade von einer Rechtsanwältin hätte ich einen anderen 'Stil' erwartet. Die Thematik bezüglich internationalem Raubkunstschmuggel fand ich hingegen sehr interessant. Hier finden sich auch mehrere gesellschaftskritische Aspekte, die sehr gut ausgearbeitet sind und nachdenklich machen.
Auch, wenn ich von der Protagonistin und der Handlung nicht zu 100% überzeugt bin, haben die Thematik, der Schreibstil und der Aufbau dieses Thrillers dieses Buch zu einem spannenden Leseerlebnis für mich gemacht.

Bewertung vom 08.07.2022
Die versteckte Apotheke
Penner, Sarah

Die versteckte Apotheke


ausgezeichnet

Lese-Highlight

Gegenwart: Ohne ihren Ehemann reist Caroline nach London. Anlässlich ihres zehnten Hochzeitstages hatten die beiden eigentlich einen Grund zu feiern, doch es kam anders.
Um ihren Kopf frei zu bekommen und auch ihrer wissenschaftlichen Neugier geschuldet, schließt Caroline sich an den Ufern der Themse einer Gruppe Schatzsucher an und entdeckt im Schlamm eine kleine, alte Phiole. Die studierte Historikerin möchte sofort mehr herausfinden und begibt sich in London zwischen Archiven und unheimlichen Gassen auf historische Spurensuche.
London, Ende des 18. Jahrhunderts: Die Apothekerin Nella ist für viele Frauen zu einer Retterin in der Not geworden. Ihre offizielle Apotheke gibt es nicht mehr, stattdessen werden auf Bestellung die gewünschten Gifte hergestellt und an die Kundinnen zur weiteren Verwendung übergeben. Nella hat dabei ihre Prinzipien: Sie hilft ausschließlich Frauen, einer Frau wird kein Leid zugefügt und jede Kundin sowie deren Auftrag wird in einem Buch verewigt. Als das junge Mädchen Eliza eines Tages ihre geheime Kammer betritt, spürt Nella sofort, dass dieser Auftrag etwas verändern wird.
Dieser Roman liest sich stellenweise wie ein Krimi oder ein Thriller. Ich war von der ersten Seite an gebannt und konnte das Buch einfach nicht zur Seite legen. Die beiden, sich jedes Kapitel abwechselnden Zeitebenen, erzeugen eine unglaubliche Spannung. Ich wollte herausfinden wieso Nella sich dazu entschlossen hat, Gifte herzustellen und damit indirekt zur Mörderin zu werden. Ihr Handlungsstrang hat mir dabei noch besser gefallen als der von Caroline in der Gegenwart.
Sarah Penner hat Vergangenheit und Gegenwart perfekt kombiniert. Die Mischung aus wissenschaftlichen Untersuchungen von Quellen in der Gegenwart und der fiktiven Geschichte rund um Nella und ihre Apotheke ist wunderbar gelungen. Ein Plädoyer für Frauen in jeder Epoche. Für mich ein Lese-Highlight!

Bewertung vom 27.06.2022
Blanche Monet und das Leuchten der Seerosen / Ikonen ihrer Zeit Bd.7
Paulin, Claire

Blanche Monet und das Leuchten der Seerosen / Ikonen ihrer Zeit Bd.7


ausgezeichnet

Eine tolle Romanbiografie

Der neueste Band der "Ikonen ihrer Zeit" Reihe, ist Blanche Hoschede gewidmet. Die Autorin Claire Paulin begleitet die Protagonistin in diesem Roman über 70 Jahre ihres Lebens.
1876 lernt Blanche den damals noch unbekannten Maler Monet kennen. Monet lebt einige Zeit in ihrem Elternhaus um zu Malen, Blanches Vater unterstützt den aufstrebenden Künstler. Durch Monet entdeckt Blanche die Faszination und die Freude an der Malerei, sie lernt von ihm. Als die Familie durch Spekulationen des Vaters bankrott geht, ist es Monet, der die Mutter Alice sowie die Geschwister bei sich und seiner Frau Camille aufnimmt.
Die gesamte Aufmachung des Buches hat mir sehr gut gefallen. Es beginnt mit dem wunderschön gestalteten Cover, den Seerosen die ich sofort mit Monet verbinde. Auf einer der ersten Seiten des Buches befindet sich außerdem eine Landkarte zur besseren Orientierung, da die Familie des öfteren ihren Wohnort wechselte. Ein Personenverzeichnis rundet das Ganze ab.
Der Roman ist in drei Teile gegliedert: Jugend, Liebe und Freiheit.
Eindrucksvoll wird das Leben von Blanche, ihre Hoffnungen, ihre Träume und auch die bittere Realität beschrieben. Die Darstellung des Alltags zu der damaligen Zeit hat mir sehr gefallen und mich der Protagonistin noch einmal näher gebracht.
Eine Geschichte über das Leben und das Miteinander einer 'Patchwork-Familie', die aller Widrigkeiten zum Trotz zusammen hält.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.06.2022
Der Mann, der vom Himmel fiel
Tevis, Walter

Der Mann, der vom Himmel fiel


ausgezeichnet

Der Mensch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet

Den Autor Walter Tevis habe ich zunächst mit dem weltweiten Erfolg "Das Damengambit" in Verbindung gebracht. Der Roman "Der Mann, der vom Himmel fiel", wurde von ihm bereits im Jahr 1963 veröffentlicht und im Jahr 1976 mit David Bowie verfilmt. Dies hier ist eine Neuübersetzung und kommt doch wie eine frische Neuerscheinung daher, so aktuell ist die Thematik.
Thomas Jerome Newton ist ein menschenähnlicher Alien, bis auf wenige äußere Merkmale ist er einem gewöhnlichen Erdbewohner zum verwechseln ähnlich. Er wurde von seinem, dem Untergang geweihten, Heimatplaneten Anthea entsandt, um die wenig verbliebenen Individuen seines Volkes zu retten. Diese Rettungsaktion verschlägt Newton nach Kentucky. Sein fortschrittliches und geradezu überleges technologisches Wissen, ermöglichen ihm die Anmeldung diverser Patente und die Gründung mehrer groser Technologie-Unternehmen. Sein Ziel ist, möglichst schnell so viel Geld wie möglich zu erwirtschaften. Trotz seiner Intelligenz und "außerirdischen" Denkweise, verfällt Newton mit den Jahren dem, was es bedeutet Mensch zu sein: Melancholie, Alkohol, Depressionen. Er hat nur zu wenigen Menschen regelmäßigen Kontakt, darunter seine Haushälterin Betty Jo.
"Der Mann, der vom Himmel fiel", wurde meiner Meinung nach zurecht wiederentdeckt und neu aufgelegt. Hätte ich nicht gewusst, dass dieser Roman ursprünglich 1963 erschienen ist, hätte ich das nicht vermutet. Obwohl der Zeitraum der Handlung die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts abdeckt und auch der Kalte Krieg und dessen Angst davor eine große Rolle spielt, ist dieser Roman aktuell wie nie. Ich bin begeistert wie detailliert der Schreibstil ist, ohne abzuschweifen wird in kurzer Zeit unglaublich viel dargestellt. Walter Tevis hat mit Newton einen Charakter geschaffen, der einen selbst hinterfragen lässt, was es bedeutet ein Mensch auf diesem Planeten zu sein.

Bewertung vom 07.06.2022
In fünf Jahren
Serle, Rebecca

In fünf Jahren


sehr gut

Schicksalhaft

New York, Dezember 2020: Die 28-jährige Anwältin Dannie Kohan glaubt an ein Leben nach Zahlen. Sie hat einen strengen Lebensplan, den sie konsequent verfolgt. Nichts scheint sie aus der Bahn werfen zu können. Als sie den ersehnten, und erwarteten, Heiratsantrag ihres Freundes David erhält, scheint alles perfekt. Doch in der darauffolgenden Nacht wacht sie nicht nur in einer fremden Wohnung auf, mit einem fremdem Mann an ihrer Seite und einem anderen Ring am Finger; es ist auf den Tag genau 5 Jahre später, im Jahr 2025. Am nächsten Morgen erwacht Dannie wieder in ihrem normalen Leben. Der Traum beschäftigt sie noch eine Zeit lang, wandert allerdings irgendwann in ihr Unterbewusstsein. Das ändert sich viereinhalb Jahre später schlagartig, als ihre beste Freundin und Seelenverwandte Bella ihren neuen Freund vorstellt: es ist der Mann aus Dannies Traum.
Die Geschichte von Dannie und vor allem ihr Traum, haben mich von Beginn an in ihren Bann gezogen. Natürlich wollte ich wissen wie sich das Leben der zielstrebigen jungen Anwältin entwickelt und ob ihr Traum wahr werden wird.
Obwohl der Roman in ich-Perspektive geschrieben ist, wurde ich nicht so richtig warm mit Dannie. Sie ist eine erfolgreiche Anwältin, deren Tag komplett strukturiert ist. Sie verbringt mehr Zeit im Büro als mit ihrem Verlobten und geht in der wenigen Freizeit in teuren Restaurants Essen oder bestellt Markenkleidung nach Hause. Geld scheint für sie keine Rolle zu spielen.
Ganz anders und unglaublich sympathisch ist hingegen Bella, ihre beste Freundin seit Kindertagen. Bella hat eine ganz andere Lebenseinstellung und geht mit einem offenen Herzen durch die Welt. Als Bella schwer erkrankt, erkennt Dannie, dass es um mehr geht als nur den perfekten Plan für's Leben. Mehr noch: sie erkennt, dass sich das Leben nicht planen lässt.
Erst zur zweiten Hälfte des Buches, nimmt die Handlung richtig an Fahrt auf und die Geschichte entfaltet sich. Es wird emotional, sehr berührend und traurig schön.
Ob Dannies Traum Wirklichkeit wird? Wer das herausfinden möchte, der muss dieses Buch lesen. Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

Bewertung vom 29.05.2022
Jeder Tag ein neues Wunder
Sommer, Jona

Jeder Tag ein neues Wunder


sehr gut

Liebe, Abschied und ganz viel Meer

Wie sagt man so schön: Gegensätze ziehen sich an. So war es auch bei Simon und Anja. Kennen gelernt haben die beiden sich auf der Hochseeinsel Helgoland, dabei kann Simon kaum ein Schiff betreten, so schnell wird er seekrank. Als angehende Meeresbiologin gibt es wiederum für Anja nichts schöneres als das Meer- bis die Liebe ins Spiel kommt. Für Simon bricht sie alle Brücken ab und zieht mit ihm ins Ruhrgebiet.
Nun, 50 Jahre später, ist Anja verstorben. Simon ist nicht mehr der Mann, der er einmal war. Inzwischen ist er nicht nur alt und gebrechlich sondern auch mürrisch und möchte am liebsten keine Hilfe annehmen. Das hält ihn aber nicht davon ab, sein Versprechen gegenüber Anja einzulösen: ihre Asche will er im Meer verstreuen- um sie nach Hause zu bringen. Mehr oder weniger freiwillige Unterstützung bei diesem Vorhaben, erhält er von seiner Haushaltshilfe Milena. Die Polin ist nicht nur ständig für Simon und seine Gesundheit da, mit ihrer resoluten Art wäscht sie dem Senior auch so manches Mal gehörig den Kopf.
Simon und Milena sind zwei Protagonisten, die, ohne zu viel zu verraten, beide eine positive Charakterentwicklung durchmachen. Dabei muss ich aber auch erwähnen, dass ich Simon als Person erst im Laufe der Handlung näher gekommen bin. Vor allem sein Verhalten in der Vergangenheit bezüglich Anja hat mir dies etwas schwer gemacht.
Der Autor hat es geschafft, mich mit seinem flüssigen und kurzweiligen Schreibstil in seinen Bann zu ziehen. Die Dialoge und Seiten fliegen nur so dahin. Ob die Handlung in dieser Form realistisch ist, möchte ich vorsichtig anzweifeln. Das tut der Moral des ganzen jedoch keinen Abbruch.
'Jeder Tag ein neues Wunder' ruft dazu auf, neuen Lebensmut zu fassen und sich auf neue Situationen und Chancen einzulassen.

Bewertung vom 27.05.2022
Wie man sich einen Lord angelt
Irwin, Sophie

Wie man sich einen Lord angelt


sehr gut

Kitty Talbot

England 1818: Nach dem Tod ihrer Eltern und der Auflösung ihrer seit zwei Jahren bestehenden Verlobung, ist Kitty Talbot, die Älteste von fünf Schwestern für die Familie verantwortlich. Doch wäre dies allein nicht schon schlimm genug, hat der Vater auch noch einen großen Berg Schulden hinterlassen. Um ihre eigene Zukunft, aber vor allem die ihrer Schwestern zu retten, macht Kitty sich gemeinsam mit ihrer Schwester Cecily auf nach London. Der Plan: einen reichen Mann finden und ihn ehelichen. Der Weg in die gehobene Gesellschaft ist jedoch alles andere als ein Spaziergang. Sich dann auch noch gekonnt auf dem Parkett der Schönen und Reichen zu bewegen, ein weiteres schwieriges Unterfangen. Mit ihrer selbstbewussten und zuweilen tapferen Art, gelingt es Kitty jedoch schnell sich die Aufmerksamkeit eines jungen Adligen zu sichern. Dessen älterer Bruder durchschaut Kitty allerdings schon beim ersten Aufeinandertreffen. Kitty ist fortan umso hartnäckiger, sie darf nicht scheitern und möchte ihr Ziel um jeden Preis erreichen. Mit einem hat sie jedoch nicht gerechnet: der Unvorhersehbarkeit der Liebe.
Das Buch sowie das Cover sind wunderschön gestaltet, die Frau auf dem Cover trifft perfekt meine Vorstellung von Kitty. Die junge Frau ist sehr zielstrebig, familienverbunden und hart mit sich selbst. Für das Wohl ihrer Schwestern würde sie ohne zu zögern einen reichen Mann heiraten, den sie nicht liebt.
Anfangs habe ich mich mit dieser Seite von Kitty etwas schwer getan. Sie ist zuweilen kalt, berechnend und unglaublich manipulativ. Aber sie verfolgt gute Absichten. Außerdem sind die Mitglieder der hohen Gesellschaft mit ihren Anforderungen an Heiratskanditaten- und Kandidatinnen moralisch auch nicht besser aufgestellt.
Nachdem ich in die Handlung hereingefunden habe, wollte ich nach jedem Kapitel wissen wie es weitergeht. Ich habe mit Kitty mitgefiebert und musste auch viel schmunzeln, wenn sie beispielsweise einen Mann höheren Standes die Meinung sagt und ihn damit öffentlich bloßstellt. Die gefühlt endlose Ballsaison, mit sich häufenden ähnlichen Szenen haben, manchmal leider für einen kleinen Spannungsabbruch gesorgt, aber das verzeihe ich gerne.
Mein Fazit: Ein sehr unterhaltsamer und lesenswerter Roman mit einer starken weiblichen Protagonistin.

Bewertung vom 24.05.2022
Tiefes, dunkles Blau
Kobler, Seraina

Tiefes, dunkles Blau


sehr gut

Biologie oder Schicksal?

Zürich: Rosa Zambrano ist Ermittlerin bei der Seepolizei. Sie liebt ihren Job und vor allem die Stadt und Umgebung, in der sie arbeitet. Ihr vollkommenes Glück wird jedoch durch einen unerfüllten Kinderwunsch getrübt. Rosa weiß, ihre biologische Uhr tickt, und so entscheidet sie sich dazu, Eizellen einfrieren zu lassen. Als kurze Zeit später ihr Arzt, Dr. Jansen, tot im Zürichsee aufgefunden wird, ist Rosa von Beginn an in die Mordermittlungen involviert. Sie und ihr Kollege stoßen schon bald auf mehrere Verdächtige, unter anderem aus der Gen-Forschungsszene. Haben die wissenschaftlichen Experimente und Forschungen von Dr. Jansen ethische Grenzen überschritten? Wollten Konkurrenten seine Forschungsergebnisse stehlen? Und was hat ein dubioses Start-up damit zu tun?

Dies ist der erste Fall für Rosa Zambrano und gleichzeitig der Auftakt einer neuen Zürich-Krimi-Serie. Die Autorin, Seraina Kobler, lässt es die Protagonistin sehr bedächtig angehen. Dies ist ein ruhiger Krimi, der sich vor allem mit Rosa, ihrem Privatleben und ihrer Leidenschaft für's Kochen und Gärtnern beschäftigt. Auch die Stadt Zürich wird bei vielen Gelegenheiten vorgestellt und mit Liebe für's Detail beschrieben.

Mir persönlich hat ein wenig das Tempo bei den Ermittlungen gefehlt, auch das Thema Genforschung hätte gerne intensiver behandelt werden können. Schließlich handelt es sich um ein hochaktuelles und ethisch kontrovers diskutiertes Thema.

Rosa ist ein sympathischer und warmherziger Charakter, ich bin gespannt mit welchen Fällen sie es in Zukunft noch zu tun bekommt.

Von mir gibt es für diesen Reihen-Auftakt 4 Sterne.