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Benutzername: SBS
Wohnort: Pfalz
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Bewertungen

Insgesamt 28 Bewertungen
Bewertung vom 27.12.2017
Die Optimierer
Hannig, Theresa

Die Optimierer


sehr gut

Überwachungskameras, Datenlinsen für jedermann und eine Vielzahl von helfenden Robotern sind Alltag im Jahr 2052. Dies ermöglicht die absolute Wohlfühlökonomie, die jedem Individuum seinen richtigen Platz anweist, möglichst klimafreundlich ist und den Alltag eines jeden komplett optimiert. Samson ist ein rundum überzeugter Anhänger des Systems, bis es sich plötzlich gegen ihn wendet…
„Ich habe nichts zu verbergen, also machen mir Überwachungskameras, das Auslesen meiner Daten, etc. nichts, wenn es meiner Sicherheit dient“ so oder so ähnlich argumentieren viele Menschen, doch stimmt das wirklich? Ist es tatsächlich egal, wenn jede Behörde weiß, wie oft ich wo Spazieren gehe, ob ich Kaugummis auf die Straße spucke oder was genau in meinem Einkaufswagen landet? Ich glaubte das vorher schon nicht, doch nach der Lektüre noch weniger. Wird der Mensch nicht irgendwann zum Opfer der Technik? Wie weit darf künstliche Intelligenz den Alltag bestimmen? Alles Fragen, die sich unweigerlich nach der Lektüre stellen.
Diese Zukunftsvision hat mich sehr nachdenklich gestimmt und auch wenn ich mir keine Sorgen mache, es selbst so erleben zu müssen, so könnte es meinen Nachfahren blühen – denn unter dem Deckmäntelchen der Sicherheit, der Optimierung oder auch der schlichten Bequemlichkeit werden immer mehr Daten gesammelt. Wenn man diese dann nutzt, wie in der vorliegenden Geschichte, ist das definitiv kein schöner Gedanke…
Die ersten zwei Drittel hatten mich auf Anhieb überzeugt. Die Autorin erklärt die neue Weltordnung anschaulich, mit all ihren technischen Finessen, die sowohl Vor-, als auch eine riesen Menge Nachteile mit sich bringen. Auch soziale und wirtschaftliche Entwicklungen sind gut nachvollziehbar und manches wäre vielleicht auch gar nicht so übel. Das Ende der Geschichte hatte mich zunächst nicht ganz überzeugen können. Vieles ging mir zu schnell, meine Einstellung war zwiespältig (Details würden in Spoilern enden, daher hier nicht mehr Info), aber mit etwas Abstand konnte ich dem noch einiges abgewinnen und bin schon gespannt, wie es im zweiten Teil fortgesetzt wird.
Ich fand das Buch super durchdacht, mich hat es häufig überrascht, manche Wendung hatte ich so nicht erwartet und ich vermute, dass es nicht nur daran liegt, dass ich gewöhnlich nicht zu diesem Genre greife (ausgenommen 1984, welches mir sehr gut gefallen hatte – was auch einer der Hauptgründe war dieses Buch zu lesen), sondern es einfach nur richtig gut geschrieben war. Die meist recht kurzen Kapitel haben zum Weiterlesen animiert, Samson ist ein interessanter, wenn auch ein wenig spezieller Protagonist und der Schreibstil sehr flüssig. Abgerundet mit einem gewissen Witz und eine gesunde Portion Drama, hat mich das Buch überzeugt.
Erstreckend, unterhaltsam und raffiniert – ein Zukunftsroman, den ich gerne weiterempfehle!

Bewertung vom 18.12.2017
Die perfekte Gefährtin / Luc Callanach Bd.1
Fields, Helen

Die perfekte Gefährtin / Luc Callanach Bd.1


ausgezeichnet

Die erfolgreiche Anwältin Elaine Buxton wurde entführt und kurze Zeit später wird eine verkohlte Leiche gefunden. Allem Anschein nach handelt es sich um Elaine, doch tatsächlich muss sie noch im Haus des Täters ein trauriges Dasein führen. Dass er auf eine falsche Fährte gelockt wird, kann der Ermittler, der frisch in Schottland eingetroffene, frühere Interpol-Agent Luc Callanach, nicht erahnen. Wird er noch früh genug das perfide Spiel des Täters durchschauen? Werden weitere Frauen leiden müssen? Derweil ermittelt die neue Kollegin Ava in einem Fall ausgesetzter Säuglinge und scheint im Fokus eines Stalkers zu stehen…
Mich hat das Buch von der ersten Seite an schlichtweg begeistert und sowas hat schon einen gewissen Seltenheitswert, da ich gewöhnlich schon ein wenig Zeit benötige mich in ein Buch einzufinden. Dazu mag ich es gewöhnlich nicht so sehr, wenn ich als Leser so viel mehr weiß als die Figuren, aber die Autorin hat trotz allem Spannung entfachen können und das nicht nur aufgrund überraschender Wendungen, sondern auch aufgrund eines weiteren Falls, der nicht minder schlimm ist. Dass es sich hierbei um ein Debüt handelt, ist kaum zu glauben. Die Protagonisten sind besonders ansprechend ausgearbeitet, wenn auch nicht immer sympathisch. Gerade die Hintergründe zum Ermittler Luc fand ich sehr spannend und ich möchte seinen Lebensweg gerne weiterverfolgen.
Besonders gelungen empfand ich die zahlreichen Perspektivwechseln, sodass man sowohl aus Ermittlersicht, aber auch mit Augen des Täters und der Opfer das Geschehen verfolgt. Gerade die Opfersicht lässt beim Lesen nicht kalt…Die Motive des intelligenten, pedantisch planenden Täters sind schaurig und stimmig dargestellt. Wie seine kranke Psyche in Kombination mit hoher Intelligenz wirkt, ist beeindruckend und beängstigend gleichermaßen. Die recht kurzen Kapitel und die packende Story, mit zahlreichen interessanten Nebenschauplätzen, lassen dem Leser kaum eine andere Wahl als weiterzulesen.
Ich kann es kaum erwarten die Reihe fortzusetzen, denn sowohl der Schreibstil, als auch die Protagonisten haben mich auf ganzer Linie überzeugt, sodass ich einfach mehr über sie erfahren muss. Ich fand es beeindruckend, wie spannend die Geschichte war, obwohl der Täter und sein Vorgehen von Beginn an bekannt waren und der Leser deutlich mehr wusste, als jeder Protagonist. Folgerichtig empfehle ich dieses spannende Buch mit seinem intelligenten Verwirrspiel sehr gerne weiter und wünsche dem Buch und der Autorin sehr viele Leser!!

Bewertung vom 28.11.2017
Der gefährlichste Ort der Welt
Johnson, Lindsey Lee

Der gefährlichste Ort der Welt


sehr gut

Vielschichtig und unterhaltsam

Der gefährlichste Ort der Welt: Die Schule? Das Internet - insbesondere die sozialen Medien? Die Familie? Die Clique?
Die Geschichte beginnt in der achten Klasse und das direkt recht dramatisch mit der Geschichte des Tristan Bloch. Er ist anders, als alle anderen und fristet seinen Schulalltag als ein sonderbarer Einzelgänger und wird letztlich das Opfer von Cybermobbing. In Facebook ein wenig einen hochsensiblen Mitschüler mobben - was soll da schon so schlimm sein? Macht schließlich jeder mit und außerdem ist es ja nur ein „Scherz“. Im weiteren Verlauf der Geschichte werden dieses Mobbing und die daraus resultierenden Folgen das Leben mancher Beteiligten sehr beeinflussen…

Im ersten Kapitel lernt man durch ein Referat nicht nur Tristan, sondern auch Mill Valley, ein Städtchen nahe San Francisco kennen. Die meisten Einwohner sind recht vermögend und das Leben erscheint wie im Paradies – doch der Schein trügt. Dann starten die zahlreichen Geschichten der Schüler, die mit den verschiedensten Problemen zu kämpfen haben - mit den Eltern, den Freunden, dem Selbstwertgefühl, Drogen, Alkohol…
Häufig wird Bezug genommen auf die Freunde und Mitschüler, wodurch die zahlreichen Perspektiven das Buch sehr unterhaltsam machen und eine gewisse Spannung aufkommt. Der Schreibstil und auch der Aufbau der Geschichte sind sehr ansprechend, jedoch erscheinen die Protagonisten manchmal ein wenig zu sehr klischeehaft. Zeitsprünge und die Vielschichtigkeit haben mich dazu gebracht, dass ich das Buch binnen kürzester Zeit gelesen habe und auch über die manches Klischee hinwegzusehen. Über die einzelnen Probleme der Schüler möchte ich gar nicht zu viel berichten, um keine Überraschung zu nehmen, aber für die meisten Umstände hatte man jemanden in der Klasse oder dem Umfeld gehabt, dem es ähnlich ging.

Eine Geschichte, die unter die Haut geht, die den Leser beschäftigt und nicht mehr so schnell loslässt – so wurde mir das Buch angepriesen und genauso habe ich es auch von den ersten Seiten an empfunden, auch wenn es absehbar wird, wie die Geschichte um Tristan enden wird. Vieles nimmt Bezug auf den Suizid, jedoch geht es in erster Linie um Kinder und Jugendliche, die ihren Platz in der Gesellschaft suchen, sich selbst suchen.

Gewöhnlich äußere ich mich nicht zu Cover und Klappentext, aber bei diesem Buch muss ich wirklich eine Ausnahme machen, denn beides hatte mir nicht zugesagt, sodass ich das Buch fast unbeachtet an mir vorbeiziehen ließ. Nur ein Zufall hat mich dazu gebracht mich näher damit zu beschäftigen und ich habe mal wieder gesehen – don’t judge a book by it’s cover…

Bewertung vom 28.11.2017
Böses Kind
Krist, Martin

Böses Kind


sehr gut

Weitgehend überzeugend

Suse ist alleinerziehend, arbeitet in Teilzeit und kommt sowohl finanziell, als auch mit ihren Kindern nur schlecht klar. Dann verschwindet auch noch ihre 14-jährige Tochter. Kommissar Frei hat mit seiner Kollegin Albers gerade scheinbar einen Fall gelöst, als eine Leiche gekreuzigt aufgefunden wird. Am Vortag war bereits ein Hund an gleicher Stelle bestialisch getötet und inszeniert worden. Was ist hier los?

Ich bin nur so durch das Buch gerauscht, obwohl es manche stilistische Holprigkeit gab und mich vor allem das extrem häufig vorkommende „verflixt“ irgendwann nur noch nervte, es gäbe auch zahlreiche andere Worte und Umschreibungen. Über die Kleinigkeiten sah ich jedoch hinweg, denn die Frage, was mit Jaqueline passiert ist, wer hinter allem steckt und ob vielleicht alles ganz anders ist, als es zunächst scheint, ließen mich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Längen gab es quasi keine, denn die kurzen Kapitel enden fast alle mit einem kleinen Cliffhanger, der zum (hektischen) Weiterlesen animiert und die verschiedenen Perspektiven machen das vielschichtig und immer wieder tauchen falsche Fährten auf, der Autor hat manche Wendung in petto. Ebenfalls im Repertoire sind recht brutale Schilderungen der Morde bzw. der aufgefundenen Leichen, sodass es sicher nicht für jedermann das richtige Buch ist.
Der Kommissar hat seine Marotten, die ihn authentisch erscheinen lassen, die überforderte Mutter ist zwar nervig, aber in sich stimmig dargestellt.
Achtung: Das Buch endet mit einem ganz bösen Cliffhanger, was ich eigentlich so gar nicht mag, da man regelrecht gezwungen ist die Reihe fortzusetzen. Und der Plan des Autors wird bei mir wohl auch aufgehen, da mich der Auftakt doch weitgehend zufriedengestellt hat.

Bewertung vom 14.11.2017
Origin / Robert Langdon Bd.5
Brown, Dan

Origin / Robert Langdon Bd.5


sehr gut

Edmond Kirsch, ein ehemaliger Student von Robert Langdon und milliardenschwerer Futurologe und Atheist, möchte der Welt seine bahnbrechenden Erkenntnisse auf die Fragen „Woher kommen wir?“ und „Wohin gehen wir?“ im Guggenheim Museum Bilbao vorstellen. Da Kirsch und Langdon freundschaftlich verbunden sind, ist Langdon vor Ort und erwartet mit großer Spannung, wie die Religionen ins Wanken geraten sollen – doch Kirsch wird kurz vor der Präsentation vor einem Millionenpublikum ermordet. Stecken Religionsvertreter dahinter oder gar der spanische Königshof? Langdon und die Museumsleiterin und Verlobte des spanischen Kronprinzens Ambra Vidal wollen die Präsentation noch veröffentlichen – eine rasante Suche beginnt…

Endlich ein Wiedersehen mit Langdon! Diese Aussage werden wohl nur wahre Bücherwürmer nachvollziehen können, aber es ist einfach schön, wenn man wieder von einem überzeugenden Charakter lesen darf. Im fünften Teil „Origin“ greift Brown die bereits bewährten Grundrezepte auf. Langdon stolpert in einen spannenden Fall, mit einer schönen Frau an seiner Seite, die ihm hilft den Fall zu lösen. Natürlich sind auch wieder eine Menge Action und Spannung von Beginn an durch Flucht, Schnitzeljagd etc. vorhanden. Neu ist die starke Einbindung sozialer Medien und des technischen Fortschritts, was nicht nur zeitgemäß, sondern auch sehr gelungen ist. Im diesem Buch wurden sehr viele interessante Aspekte angeschnitten, von Künstlicher Intelligenz bis hin zu den „üblichen“ Themenkomplexen Kunst, Philosophie und Religion. Woher kommen wir? Wo gehen wir hin? Fragen, die den Menschen einfach bewegen müssen und Brown hat wieder eine unterhaltsame Geschichte darum entwickelt. Herausragend waren wieder die detailreichen Beschreibungen der (historischen) Gebäude und Kunstgegenstände, die man sich so schon bildlich vorstellen konnte. Ich selbst war noch nie in Spanien, aber nach der Lektüre und der daraus folgenden Internetrecherchen muss ich das einfach zeitnah ändern.

Das Buch birgt auch einiges an Nachdenkpotenzial, doch nicht nur die beiden elementaren Fragen betreffend, sondern auch den Umgang mit technischen Entwicklungen im Allgemeinen.

Auch wenn ich auf den 666 Seiten weitgehend gut unterhalten wurde und sowohl die Aspekte Spannung und Action gut bedient wurden, fehlte mir an mancher Stelle doch was. Beispielsweise sei die im diesem Band recht verhalten vorkommende Entschlüsselung von Symbolen genannt, denn es gab kaum Möglichkeiten für den Leser irgendwas zu entschlüsseln, aber auch das Ende hat mich nicht ganz 100% überzeugen können. Stimmig war es auf jeden Fall, jedoch empfand ich die Ausführungen an mancher Stelle fast schon langatmig und vielleicht einen Tick zu wissenschaftlich, wenn auch trotzdem sehr gut verständlich.

Gut geschrieben, bestens recherchiert mit interessanten Themenkomplexen – ich hoffe auf einen weiteren Band und spannende Lesestunden mit Langdon und empfehle es sehr gerne weiter.

Bewertung vom 04.10.2017
VONG
H1

VONG


schlecht

Das Buch ist auf einem Spitzenplatz meiner No-Go-Liste gelandet

Es gibt Bücher, da tut es mir wirklich leid, wenn dafür Bäume gefällt werden mussten – dieses hier ist eines davon und es erreicht in meiner persönlichen NoGo-Liste definitiv einen Platz auf dem Treppchen.
Aktuelle Jugendsprache, ein Feld das nicht selten zum Kopfschütteln anregt, aber gewöhnlich hatte es doch einen gewissen Unterhaltungseffekt und die Fantasie der Jugendlichen hat überzeugt, aber das hier geht für mich beim besten Willen gar nicht und nein - ich gehe nicht zum Lachen in den Keller und ein paar Rechtschreibfehler bringen mich gewöhnlich auch nicht aus dem Konzept. Wenn aber ein Konzept auf Rechtschreibfehlern regelrecht basiert, dann war es das. Auf dieses Tagebuch im Vong-Stil hatte ich entsprechend schnell auch keine Lust mehr, sodass ich das Buch etwa in der Mitte abgebrochen habe, obwohl das „Buch“ nur 112 Seiten umfasst.
Mein 13-jähriger Sohn ist glücklicherweise nicht auf diesen Zug aufgesprungen, dafür sehe ich es ständig in den sozialen Medien. Deshalb wollte ich es einfach mal lesen und den Witz entdecken. Das Gegenteil ist geschehen, ich finde den Kram noch viel schlimmer als vorher und hoffe, dass diese „Sprache“ schnell wieder Geschichte ist…

Bewertung vom 18.09.2017
SOG / Kommissar Huldar Bd.2
Sigurdardóttir, Yrsa

SOG / Kommissar Huldar Bd.2


ausgezeichnet

DNA war toll, aber SOG ist noch viel besser!

Schon der Beginn lässt einem fast das Blut in den Adern gefrieren, denn ein kleines Mädchen wird sterben. Jahre später wird eine Zeitkapsel geöffnet, die einen bedenklichen Aufsatz enthält. Im Jahr 2016 sollen verschiedene Menschen sterben. Ist dieser Aufsatz ein schlechter Scherz oder steckt mehr dahinter? Der Frage geht der degradierte Kommissar Huldar nach. Und es sterben auch tatsächlich Menschen – aber gibt es tatsächlich einen Zusammenhang? Wo liegt das Motiv?

Ich fand DNA schon sehr gut, aber Sog ist noch besser gewesen. Hier war ich sofort drin im Geschehen (auch wenn sich die Spannung zu Beginn in Grenzen hielt), es gab ein Wiedersehen mit den beiden Protagonisten, die mir hier sympathischer und zugänglicher erschienen als im ersten Teil und die Geschichte ist einfach der Hammer! Alles entwickelt sich sehr langsam und allmählich, die Spannung wird dadurch aber nur noch größer. Das Private von Huldar und Freya nimmt relativ viel Platz ein, aber das hat mich hier mal ausnahmsweise gar nicht gestört – ist aber Geschmackssache. Gegen Ende hatte ich so meine Erwartungen und lag damit auch richtig, aber das tat der Geschichte keinen Abbruch, denn ich hoffte wirklich sehr, dass es genauso und nicht anders ausgeht und trotzdem stockte mir auf der allerletzten Seite nochmal der Atem, denn die Autorin haut noch einmal richtig einen raus!
Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und passend zum Titel hat der Stil samt Geschichte eine „SOG-Wirkung“.
Es handelt sich um den zweiten Teil einer Reihe. Ich würde empfehlen vorher DNA zu lesen, aber zwingend erforderlich ist es nicht, da es sich in beiden Büchern um in sich geschlossene Fälle handelt.

Bewertung vom 18.09.2017
Tausend kleine Lügen
Moriarty, Liane

Tausend kleine Lügen


ausgezeichnet

Jemand stirbt bei einem Schulfest. War es ein Mord oder schlicht ein Unfall? Wer ist gestorben, warum und wer ist eventuell verantwortlich? Alles Fragen die sich schon auf den ersten Seiten stellen. Es folgt ein radikaler Zeitsprung. Jane zieht mit ihrem unehelichen Sohn Ziggy in einen kleinen australischen Ort, der traumhaft erscheint. Der Junge wird eingeschult und das Chaos nimmt seinen Lauf. Bereits am ersten Tag soll Ziggy eine Mitschülerin misshandelt haben. Ist da was dran? Um alle Fragen zu beantworten, lernt der Leser die Geschichte von Beginn an, aus der Perspektive dreier Mütter, deren Kinder die gleiche Vorschule besuchen, kennen. Die Frauen könnten fast nicht unterschiedlicher sein und alle haben sie ihre Geheimnisse…

Zunächst einmal: Das ist mal wirklich ein Pageturner, der den Namen auch verdient. Es macht dabei auf den ersten Seiten nicht mal so sehr den Eindruck, als würde dieses Buch sich so gut entwickeln. Es beginnt zwar dramatisch, doch dann setzen die Ereignisse ein halbes Jahr früher ein. Vieles wirkt wie ein relativ „normales“ Alltagsgeschehen von Müttern, doch schnell spitzen sich die Ereignisse zu. Der Schreibstil ist flüssig und die Cliffhanger machen es fast unmöglich das Buch zur Seite zu legen. Die Autorin bedient sich zweier Zeitebenen, die das Weiterlesen fast unausweichlich machen, doch auch die interessanten Protagonistinnen möchte man auf ihrem Weg begleiten. Man hofft und bangt mit ihnen, denn sie haben nicht nur mit alltäglichen Schulproblemen, wie vergessenen Projektarbeiten zu kämpfen, sondern auch mit haarsträubenden Vorwürfen oder psychischen Problemen. Es gibt einiges zum Lachen und Schmunzeln, aber mindestens genauso viele Stellen, die einen entsetzt den Kopf schütteln lassen. Im Verlauf der Geschichte wird es auch immer interessanter zu rätseln, wer aus welchen Gründen am Ende stirbt.

Es wird eine Bandbreite an Geheimnissen und daraus resultierenden Lügen angesprochen, wie häusliche Gewalt und Betrug, aber auch Mobbing, sexuellen Eskapaden, etc. Was ich hier kurz anreiße mag so erscheinen, als habe die Autorin vielleicht zu viele Baustellen aufgerissen, um sie in einem einzigen Buch richtig aufzuarbeiten, doch das ist glücklicherweise nicht der Fall. Das Ende ist überraschend, teils schockierend, aber absolut stimmig, denn alle scheinbar losen Fäden haben sich genial verbunden. Es war für mich das erste Buch dieser Autorin, aber dem müssen einfach weitere folgen.

Dieses Buch ist mit seinen verschiedenen Perspektiven raffiniert, durch die Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit spannend und dank tollem Plot und interessanter Charaktere gleichermaßen unterhaltsam wie fesselnd – kurz: ein Jahreshighlight, welches ich nur empfehlen kann!

Bewertung vom 02.09.2017
Wildeule / Gesine Cordes Bd.3
Wieners, Annette

Wildeule / Gesine Cordes Bd.3


sehr gut

Interessanter 3. Fall

Gesine, die ehemalige Kommissarin und aktuelle Friedhofsgärtnerin, ermittelt in ihrem dritten Fall. Eigentlich hätte es eine gewöhnliche Beerdigung sein sollen, aber Gesine fallen die offenen Scharniere an dem Sarg auf. Sie wagt einen Blick hinein und siehe da – anstelle einer älteren Frau liegt darin ein Bestatter, der mit den örtlichen Bestattern im Clinch liegt. Schnell ist Gesines Freund, der Bestatter Hannes im Fokus der Ermittlungen.
Nach Kaninchenherz und Fuchskind, war ich sehr gespannt auf den dritten Fall der außergewöhnlichen „Ermittlerin“ und ich wurde nicht enttäuscht. Es ist ein ruhiger Krimi und trotzdem spannend, jedoch irgendwie einen Tick schwächer als die beiden Vorgänger. Irgendwie war mir die Geschichte teilweise etwas simpel gestrickt vorgekommen, zumindest im Vergleich mit den Vorgängern. Besonders interessant finde ich die Ausführungen zu verschiedenen giftigen Pflanzen. Hier waren es gefühlt weniger Notizen dieser Art, als bei Kaninchenherz und Fuchskind, aber immerhin gab es sie. Sie gehören nun mal zu Gesine… Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und leicht lesbar, aber das Hin und Her zwischen Gesine und Hannes ist echt stellenweise etwas nervig.
Trotz Kritik empfehle ich das Buch mit seinem in sich geschlossenen Fall weiter, jedoch würde ich empfehlen die Reihe komplett zu lesen, sonst kann man Gesine wohl häufiger nicht ganz verstehen. Ich bin schon auf den nächsten Teil gespannt.

Bewertung vom 25.08.2017
Dann schlaf auch du
Slimani, Leïla

Dann schlaf auch du


ausgezeichnet

Ein raffiniertes Puzzlespiel

Eine junge Mutter ist gleichermaßen über- und unterfordert. Die Kindererziehung ist ein hartes Brot, besonders wenn man eigentlich eine gute Karriere machen könnte. Ist es da denkbar auf eine Nanny zurückzugreifen? Ist man eine Rabenmutter, oder ist man zufriedener und daher eine bessere Mutter, wenn man auch weniger vor Ort ist? Wen holt man sich da ins Haus und was bedeutet es, wenn eine Außenstehende sich in die Familie eingliedert? Wird die Frau Fluch oder Segen?

Ein Buch, welches mir schon von Beginn an immer und immer wieder einen Schauer über den Rücken jagte. Man weiß direkt zu Beginn, dass das Unvorstellbare, das, was nicht passieren darf, geschehen wird und ist gefesselt von dem Buch. Wie kann es sein, dass eine Nanny, der man vertraut und die die Kinder mögen, zwei Kleinkinder tötet? Wie kann es sein, dass die Eltern von der schwierigen Situation nichts ahnen? Was bringt einen Menschen dazu ein Kind zu töten? Alles Fragen, die sich nach und nach klären, denn das Buch ist ein raffiniertes Puzzlespiel. Obwohl der Ausgang bekannt war, hat mich das Buch so gefesselt, dass ich es einfach in einem Rutsch lesen musste. Hier waren sowohl der gute sprachliche Stil, als auch die Charaktere auch förderlich. Gut fand ich auch, dass die Autorin nicht über die Eltern richtet und dass die Wandlung der Kinderfrau Louise so anschaulich und nachvollziehbar (natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt) dargestellt wird.

Obwohl ich das Buch sehr gelungen fand, auch und gerade wegen seiner Gesellschaftskritik und der Frage, wie eine gute Mutter sein sollte, würde ich es nicht jedem Leser empfehlen. Zartbesaitete Menschen sollten lieber zu einem anderen Buch greifen, auch wenn die Gräueltaten nicht bis ins Detail geschildert werden, so weiß man doch die ganze Zeit um den dramatischen Ausgang. Ich habe schon Thriller und Krimis gelesen, die dagegen ein Witz waren…