Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: SBS
Wohnort: Pfalz
Über mich:
Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 54 Bewertungen
Bewertung vom 19.09.2018
Es beginnt mit einem Blick / Redwood Love Bd.1
Moran, Kelly

Es beginnt mit einem Blick / Redwood Love Bd.1


sehr gut

Liebenswerte Charaktere

Avery hat eine gescheiterte Ehe hinter sich und zieht mit ihrer autistischen Tochter Hailey nach Redwood, eine idyllische Kleinstadt, um einen Neustart zu wagen. Dort lebt ihre Mutter und ihrer Tochter hatte das Leben in der Großstadt nicht gutgetan, aber zunächst wohnt sie in einem Ferienhaus ihrer Mutter und hat noch keinen Job. Der erste Abend in der neuen Umgebung verläuft für Avery alles andere rund und sie lernt den Tierarzt Cade kennen. Dieser ist ihr aufgrund eines Missverständnisses zunächst alles andere als wohlgesonnen, aber das ändert sehr schnell…
Gewöhnlich brauche ich ein paar Seiten, bis ich in einer Geschichte so richtig drin bin, aber hier war ich von Seite eins an richtig begeistert. Der Schreibstil ist wunderbar rund, flüssig zu lesen und so einfach, das der erste Teil der Trilogie im Nu gelesen ist. Die Autorin schafft es die Stimmung, die Gegend und manches Prickeln gut zu vermitteln. Besonders gut gefallen haben mir jedoch die Protagonisten. Die Charaktere sind sehr verschieden, teils auch extrem speziell und übergriffig, aber irgendwie alle auf ihre ganz eigene Art liebenswert. Toll in Szene gesetzt wurden die Schwierigkeiten, die sich beim Zusammenleben mit autistischen Kindern ergeben– aber auch, was sie zurückgeben können, wenn man nur aufmerksam genug ist.
Bis zur Mitte des Buches war ich rundum begeistert, danach gab es immer wieder längere Sequenzen, die mir weniger zusagten und zu vorhersehbar waren, aber es war noch in Ordnung. Ich fand es nur etwas schade, dass die Stadtbewohner und die Tierklinik zwischenzeitlich etwas in den Hintergrund gerückt waren.
Wer eine tiefgründige Geschichte sucht, wird sie hier nicht finden, aber immerhin ein Wohlfühlbuch, welches ich binnen eines Tages gelesen hatte. Obwohl es nicht mein Genre ist und mich Liebesgeschichten oft nicht auf ganzer Linie überzeugen können, freue ich mich schon auf den nächsten Teil, denn die Akteure sind mir ruck zuck ans Herz gewachsen .

Bewertung vom 13.09.2018
Das Vogelhaus
Eva, Meijer

Das Vogelhaus


ausgezeichnet

Überraschend gut

Len Howard beobachtete und kümmerte sich ihr Leben lang um Vögel. Vögel und die Musik sind ihre Leidenschaften, die ihr Leben bestimmen, für die sie einiges auf sich nimmt, manches hinter sich lässt und immer stärker zu werden scheint.

Sehr große Erwartungen hatte ich nicht an das Buch, denn Len Howard war mir kein Begriff und von ihren Vogelerfahrungen hatte ich auch keine allzu großen Erkenntnisse erwartet. Ein nettes Buch für Zwischendurch dachte ich, aber ich wurde eines Besseren belehrt, denn die Autorin nimmt den Leser mit Fiktion und Fakten mit auf eine Lebensgeschichte, die mich was von Beginn an sehr gepackt hat. Die Erzählung startet in der Kindheit, es werden Probleme in der Familie offenkundig, doch Len hat ihre Musik und die Vögel – sie kommt zurecht. Irgendwann hat sie jedoch den Wunsch auf Neues und wagt einen großen Schritt, der zu jener Zeit für eine junge Frau sicher alles andere als leicht war. Der Werdegang von Len ist immer wieder von Schilderungen über Vogelbeobachtungen und das Leben im Vogelhaus unterbrochen, sodass man das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen mag. Und das trotz eines sehr ruhigen und relativ verhaltenen Schreibstils.
Es wird nachvollziehbar geschildert, warum Len sich lieber mit ihren fliegenden Freunden, als mit Menschen abgibt und sie nimmt tatsächlich einiges – selbst noch im hohen Alter- auf sich, um ihren gefiederten Freunden zur Seite zu stehen.

Ein kleines, überraschendes Buchschätzchen, das hoffentlich viele Leser findet und zum Nachdenken anregt.

Bewertung vom 11.09.2018
Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen! / Helikopter-Eltern Bd.2
Greiner, Lena; Padtberg-Kruse, Carola

Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen! / Helikopter-Eltern Bd.2


sehr gut

Unglaublich, welche Dinge sich Eltern ausdenken können...

„Sie müssen die Klobrille vorwärmen“, „ohne mich kann mein Kind nicht schlafen“, „wir haben dramatisiert, dass das Kind die schnellste und beste Behandlung bekommt“, „sie haben mein Kind nicht freundlich genug angesehen“ usw.
Wie schon der erste Teil „Verschieben Sie die Deutscharbeit, mein Sohn hat Geburtstag“ hat auch dieser Teil mich wieder zum Lachen gebracht und belustigt den Kopf schütteln lassen – aber ich hatte auch Mitleid mit den Kindern, die nie ohne (Kampf)Heli unterwegs sein können, die durch die Eltern blamiert und ausgegrenzt werden, denen scheinbar nicht zugetraut wird und leiden, obwohl diese Eltern eigentlich genau das Verhindern wollen. Ganz zu schweigen von Erziehern, Lehrern oder Krankenhauspersonal, welches seine eigentlich Arbeit nicht machen kann, wenn so ein Kampfheli anwesend ist und selbst bei einem 24-jährigen die Mama noch eine Penisuntersuchung überwacht. Denn mit dem Erwachsenenalter des Kindes geben solche Eltern ihre Mission natürlich nicht auf, schließlich wurde schon pränatal mit allen möglichen und unmöglichen Dingen das Kind in die richtige Richtung gelenkt.
Deutlich wird, dass Helikoptereltern nicht nur von Hebamme, Lehrer, Miteltern bis zum Arzt oder Verkäufern alle nervt, sondern großen Schaden beim Kind anrichten kann, wenn es von Dritten als gottesgleiches Wesen behandelt werden soll. Das bleibt nicht ohne Folgen. Wer dieses Buch (und/oder den Vorgänger) gelesen hat, wird sich zweimal überlegen, ob er sich auf dem Schulhof in den Büschen verstecken wird, um das Kind zu beobachten…
Sehr kurzweilig, gut zusammengesetzt und leider viel zu schnell durchgelesen, warte ich nun ab, ob es einen dritten Teil geben wird oder was den Autorinnen sonst so einfällt.

Bewertung vom 08.09.2018
Das andere Haus
Fleet, Rebecca

Das andere Haus


sehr gut

Caroline und ihr Mann Francis haben schwere Jahre hinter sich und auch jetzt noch ist nicht alles in Ordnung. Um besser zueinander zu finden, machen die beiden eine Woche Urlaub ohne den gemeinsamen Sohn. Um es relativ günstig zu halten, werden die beiden ihr Haus mit einer völlig fremden Person tauschen. Schnell wird Caroline klar, dass irgendwas an diesem anderen Haus nicht stimmt. Unheilvolle Verbindungen zu ihrer Vergangenheit lauern in dem Haus…

Ich hatte meine Schwierigkeiten, mich in das Geschehen einzufinden und es stellte sich schon irgendwie die Frage, ob die Genreeinordnung zutreffend ist (vorweg: Ja, es passt und wie!). Lange Zeit fragte ich mich, wohin alles führe soll und daher -oder trotzdem- konnte ich das Buch kaum aus den Händen legen, weil ich wissen wollte, was überhaupt Sache ist. Wie kam es zu der Situation? Was war vor zwei Jahren? Was wird jetzt von wem gespielt?

Auf verschiedenen zeitlichen Ebenen und aus verschiedenen Blickwinkeln wird das Geschehen geschildert, sodass ich das Buch kaum aus den Händen legen konnte, denn scheibchenweise werden die Dinge immer klarer, und trotzdem und obwohl es sich sehr schnell und leicht lesen ließ, war ich nicht immer begeistert. Fast schon zu lange tappte ich komplett im Dunklen, sodass ich leise Zweifel hatte, ob das Ruder nochmal rumzureißen ist und am Ende alles einen Sinn ergeben wird. Bei mancher Länge zwischendurch befürchtete ich, dass sich die Autorin vielleicht irgendwie verzettelt hat, allerdings war dies glücklicherweise nicht der Fall.

Ein geschicktes Psychospiel, das mich zunächst eher verwirrt, aber letztlich ziemlich überrascht hat und stimmig war. Besonders positiv: es ist nicht der übliche 08/15 Thriller, sondern überzeugt unter dem Strich mit einer besonderen Geschichte und einem tollen Schreibstil. Die Geschichte kommt zwar fast gänzlich ohne Blut aus, aber das bedeutet nicht, dass es den Leser nicht manches Mal kalt erwischt…

Man benötigt ein wenig Geduld bei diesem Buch – aber es lohnt sich!

Bewertung vom 08.09.2018
Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte
Khong, Rachel

Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte


weniger gut

Erwartungen nicht erfüllt

Große Erwartungen waren geweckt nach Klappertext, Titel und Cover, aber schon vor dem Lesen hörte ich immer wieder, dass das Buch nicht so ganz halten soll, was es verspricht. Natürlich musste ich mir da selbst ein Bild machen, aber vorweg: ich bin auch alles andere als angetan!
Das Thema ist wichtig und sollte auch literarisch immer wieder in ansprechender Form verarbeitet werden. Leider ist das hier nicht so gelungen, obwohl beim ersten Blick ins Buch genau dieser Eindruck bei mir geweckt worden war. Doch gerade die erste Hälfte war so voll von den Zweifeln und einer gescheiterten Beziehung der berichtenden Ruth, dass das Thema Demenz und ihre Auswirkungen auch auf das Umfeld einfach viel zu kurz kamen. Entsprechend kam ich mit dem Buch auch kaum vorwärts, ich wollte es schon abbrechen, aber da es so dünn ist und die Anekdoten in Form von Tagebucheinträgen verfasst sind, habe ich mich durchgezwungen. Wer ein wenig durchhält, erfährt auch noch ein wenig von den Dingen, die man von Beginn an erwartet hat, aber leider auch mehr oberflächig.
Der Stil ist an sich immer wieder mal eine Abwechslung von dem gewohnten Fließtext, allerdings hier weniger gut gelungen Die Zusammenhänge sind teilweise nicht erkennbar, einzelne Momente reihen sich aneinander, viele sind schlicht viel zu kurz, aber für ein wenig Situationskomik, die auch trotz aller Abneigung gegenüber dem Buch mit der Zeit gewachsen ist, mir immer wieder mal ein Schmunzeln abrang, gibt es immer noch zwei Sterne.

Bewertung vom 05.09.2018
Land im Sturm
Schiewe, Ulf

Land im Sturm


ausgezeichnet

Wer sind die Deutschen? Wie haben sie sich entwickelt von 900 bis knapp 1900? Diesen und vielen weiteren Fragen geht Ulf Schiewe in seinem neusten Buch spannend, unterhaltsam und auch lehrreich auf den Grund. In fünf Abschnitten werden aus der Sicht ganz gewöhnlicher Menschen und ihrer Familien, die Entwicklungen des Landes beschrieben und immer wieder die Verbindung zu den vorangegangenen Generationen in schöner Art geknüpft. Zentral sind immer wieder Kriege, Revolutionen und wichtige Entwicklungen, um die Geschichten der Menschen gesponnen werden.

Die Geschichte beginnt mit dem Schmied Arnulf, der aus seiner Heimat flüchten muss und inmitten der Schlacht König Ottos gegen die Ungarn gerät. Als ihn seine Vergangenheit einholt, zieht er weiter – die Familientradition als Schmied zu arbeiten behält er bei – und das bemerkt man auch in den kommenden Abschnitten und den folgenden Generationen, wenn auch manchmal große Zeiträume dazwischen liegen und sich die Technik entsprechend weiter entwickelt hat.

Auf über 900 Seiten werden geschichtliche Fakten verständlich und spannend präsentiert, es werden blutige Schlachten geschlagen, Freundschaften geknüpft und auch die ganz große Liebe ist gelegentlich Thema. Befürchtungen, dass der Autor eventuell einen zu großen Zeitraum gewählt hat, haben sich ganz schnell zerschlagen, denn die Verknüpfungen zu vorangegangenen Generationen sind schön gelungen und haben immer wieder Erinnerungen an frühere, lieb gewonnene Charaktere geweckt.

Die Sprache war leicht verständlich, bildhaft, detailreich ohne sich in Kleinigkeiten zu verlieren und einfach sehr gut zu lesen. Einzig, hätte ich ab und an etwas mehr wörtliche Rede gewünscht. Damit hat es sich aber auch schon mit meiner Kritik, denn ich fand den Blickwinkel – also aus Sicht „gewöhnlicher“ Menschen – sehr schön gewählt, emotional bietet das Buch alles was man sich wünscht und vieles, was im Geschichtsunterricht früher eher langweilig daherkam, war in diesem Buch unterhaltsam präsentiert.

Ein schöner, kurzweiliger Wälzer, bei dem nicht nur Fans historischer Bücher voll auf ihre Kosten kommen.

Bewertung vom 14.08.2018
Ein Teil von ihr
Slaughter, Karin

Ein Teil von ihr


sehr gut

Trotz mancher Länge empfehlenswert

Andrea, auch Andy genannt, trifft sich anlässlich ihres 31. Geburtstags mit ihrer Mutter in einem Café. Was ein gewöhnlicher kurzer Ausflug werden sollte, endet in einem Blutbad, denn ein junger Mann tötet zwei Frauen und richtet dann auch Andy und ihre Mutter Laura die Waffe. Laura kann ihre Tochter retten, verhält sich danach aber mehr als merkwürdig.
Erste Zweifel zur Mutter machen sich sowohl bei Andy, als auch dem Leser breit, als sich die Ereignisse weiterhin überschlagen. Was wird gespielt? Wer ist Laura?
Ich war sehr gespannt auf das Buch, hatte aber auch eine gewisse Sorge, denn mein letztes Buch der Autorin (Coptown) hat mich einfach nur enttäuscht und zu Beginn war ich auch bei „Ein Teil von ihr“ nicht ganz sicher, ob mich das Buch würde überzeugen können, auch wenn es direkt mitten im Geschehen startet und ein wenig sprachlos zurücklässt. Die gewisse Skepsis wurde ich jedoch relativ schnell los, denn die Spannung kam dann doch schnell auf. Was ist mit dieser Mutter los? Wie wurde sie zu dem was sie ist und warum hatten weder ihre Tochter noch ihr Exmann eine Ahnung davon? Oder wusste etwa nur die sehr naive Andy von nichts? Andy ist übrigens ein sehr spezieller Charakter, der mir nicht selten auf die Nerven ging, wenn sie den Mund nicht auf bekommen hat oder sie sich Ewigkeiten über Probleme mit dem BH auslässt, und trotzdem war sie was besonderes, ganz sicher kein 08-15 Protagonist und damit schon nicht übel.
Rückblenden und das aktuelle Geschehen wechseln sich ab, sodass die Wahrheit erst nach und nach offenbart wird. Soweit fand ich es gut, allerdings störte mich gelegentlich der extrem detaillierte Schreibstil. Oft hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sich völlig verzettelt und total abschweift – entsprechend langatmig war es stellenweise. Dafür waren andere Szenen so spannend und unterhaltsam, dass ich unter dem Strich schon recht angetan bin.
Empfehlenswert mit gewissen Abstrichen. Wer allerdings einen klassischen Thriller sucht, sollte nicht zu dem Buch greifen.

Bewertung vom 31.07.2018
Vier.Zwei.Eins.
Kelly, Erin

Vier.Zwei.Eins.


ausgezeichnet

Wow!

Laura und Kit sind ein junges, glückliches Paar, das gerade in Cornwall eine totale Sonnenfinsternis bestaunt hat, als Laura ein Portemonnaie findet. Sie kann da noch nicht ahnen, was sie als nächstes vorfinden wird und schon gar nicht, dass dieses Ereignis ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellen wird. Es beginnt eine Geschichte, mit Lügen gespickt und Wahrheiten, die erst einmal einer Prüfung standhalten müssen.


Der Plot klang vielversprechend und der Beginn hatte mich schon sehr neugierig gemacht. Die Neugier und die Frage, was überhaupt gespielt wird, haben mich immer weiter vorangetrieben, auch wenn es zu Beginn zwischendurch manche kleinere Länge gab. Zu Beginn war ich mir recht sicher, wer lügt und wer die Wahrheit spricht, aber im Verlauf der Geschichte kamen Zweifel auf und ich musste einfach mit rätseln. Der Sog wurde immer und immer stärker, sodass ich wünschte noch schneller lesen zu können. Letztlich hatte ich das Buch auch schon nach zwei Tagen gelesen, sehr zum Leidwesen meines Schlafes, aber ich konnte und wollte ab einem gewissen Punkt das Buch nicht mehr aus den Händen legen.

Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen und wird aus den Perspektiven von Laura und Kit geschildert. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, die Charaktere sind facettenreich und so ist es auch interessant, selbst wenn eher Alltägliches berichtet wird. Besonders gefiel mir, dass der Leser trotz der ganzen Zeitsprünge und Perspektivwechsel leicht folgen kann.

Das Buch ist nicht nur ein „Roman“ wie er angepriesen wird, sondern eine Mischung aus Thriller und Drama. Mich hat das Buch sehr überzeugt und selbst der letzte Abschnitt hielt noch eine Überraschung parat. Aber auch davor kamen viele Dinge erst nach und nach ans Tageslicht, die an sich stimmig waren, ich aber so nie auf der Rechnung hatte. Eine Wendung war so schockierend, dass man sich schon ein wenig fragt, wie es um die eigene Menschenkenntnis bestellt ist.
Die Idee Sonnenfinsternisse in das Geschehen einzubauen fand ich großartig. Ganz und gar nicht 08-15, einfach mal (zumindest für mich) etwas ganz Neues und inhaltlich passt es wie Faust aufs Auge.
Eine gelungene Idee, ein Verwirrspiel, das es in sich hat und eine intelligent Umsetzung – mir bleibt gar nichts anderes, als dieses Buch zu empfehlen und fünf Sterne zu vergeben.

Bewertung vom 29.07.2018
Ans Meer
Freund, René

Ans Meer


sehr gut

Busfahrer Anton hat keinen guten Tag erwischt und seine Liebe zur Nachbarin Doris scheint sinnlos, dann tritt Carla, die nicht mehr lange zu leben hat in den Bus und will sofort das Meer sehen. Mutig ist Anton an sich nicht, aber er springt über seinen Schatten und es geht ab „ans Meer“.
Mir wurde diese Kurzgeschichte als kleines, aber wunderschönes Märchen angepriesen und nachdem ich bereits die Leseprobe gelungen fand, habe ich mir das Büchlein nur allzu gerne ausgeliehen. Eine gute Entscheidung, auch wenn ich nach einem Nachmittag bereits wieder die letzte Seite umschlug. Auch wenn das Lesen an sich schnell vorbei war, könnte ich mir vorstellen, dass die Geschichte noch eine ganze Weile nachwirken wird – im durchweg positiven Sinne.
Der Roadtrip ist durchsetzt von humorvollen Aspekten, ist aber nie „bemüht“. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, die Perspektivwechsel machen es interessanter und die verschiedenen Charaktere machen das Buch ziemlich rund, allerdings hätte ein wenig Tiefgang mit ein paar Seiten mehr sicher nicht geschadet.

Bewertung vom 28.07.2018
Der Schatten
Raabe, Melanie

Der Schatten


ausgezeichnet

Wieder spannend!

In Wien soll alles neu beginnen und besser werden – so der Plan der jungen Journalistin Norah Richter. Sie ist quasi erst angekommen, als eine alte Bettlerin ihr auf offener Straße prophezeit, dass sie am 11. Februar einen Menschen aus freien Stücken und gutem Grund ermorden wird. Das ist nur der Auftakt einer schier unglaublichen, aber spannenden Geschichte…
Die Autorin hat einen recht poetischen und trotzdem leicht verständlichen Schreibstil, der es erlaubt im Nu durch die Geschichte zu kommen. Hier war das auch wieder der Fall. Ständig rätselt man mit, was hinter allem stecken mag, kommt dank Anspielungen auf die abstrusesten Ideen, verwirft wieder manches und erst gegen Ende kam ich dann auf die tatsächliche Lösung – positiv überrascht wurde ich dennoch. Einzig nachdem der Fall schon geklärt ist, die Spannung weitgehend verpufft ist, kamen mir noch ein paar Seiten zu viel (rund 20). Diese klärten zwar offene Fragen, aber so richtig war ich da nicht mehr bei der Sache.
Raabes Bücher sind unblutig, aber düster und irgendwie psychologisch so fesselnd, dass ich sie kaum mehr weglegen möchte. Wobei – ganz stimmt das nicht. Die Falle fand ich genial und auch der Schatten, aber ihr zweites Buch „Die Wahrheit“…naja, der Wahrheit die Ehre- das war nicht Raabe wie ich es mir vorstelle. Zum Glück gab es noch eine zweite Chance von mir, sonst hätte ich eine wirklich gut konstruierte Geschichte verpasst.
Die Protagonistin Norah war mir von Beginn an zwar irgendwie in manchen Belangen sympathisch, aber auch eine Spur seltsam vorgekommen – in deutlich mehr Bereichen. Genau die richtige Mischung für mich, um zwar mit ihr mitzufiebern, aber auch ein wenig an ihr zu zweifeln. Die weiteren Figuren waren auch sofort greifbar und machten die besondere Geschichte rund.