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Benutzername: SBS
Wohnort: Pfalz
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Bewertungen

Insgesamt 38 Bewertungen
Bewertung vom 19.06.2018
Der Alphabetmörder
Schütz, Lars

Der Alphabetmörder


ausgezeichnet

Jan und Rabea sind Fallanalytiker des LKA Rheinland-Pfalz und werden für einen sehr brisanten Fall in den Westerwald beordert. Gerade für Jan, der aus der Region stammt und vor Jahren regelrecht geflohen ist, ist die Situation schwierig. Die Mordserie fordert alle Ermittler, falsche Fährten wurden vom Täter gelegt und die Schlinge zieht sich immer weiter zu.
Das Buch lädt zum Miträtseln kann und ich wurde an mancher Stelle überrascht, anderes hatte ich erahnt, aber so ganz sicher konnte ich mir nicht sein und auch was das Motiv betraft, tappte ich im Dunklen. Blieb nur das Weiterlesen. Auch wenn ich manches ganz richtig erraten habe, tat das der Geschichte keinen Abbruch. Die Geschichte ist spannend, die Hintergründe haben mich überzeugt und das Ermittlerteam war unterhaltsam. Jans und Rabeas Überlegungen sind auch für Laien nachvollziehbar dargestellt und logisch.
Die Geschichte ist für Zartbesaitete stellenweise sicher etwas zu blutig – Opfer A wird beispielsweise in einem Tiergehege gefunden… - aber zu brutal ist es an sich nicht. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig, leicht zu lesen und man möchte das Buch nicht mehr aus den Händen legen.
Vor diesem Buch hatte ich eine hartnäckige Leseflaute – mit diesem Buch fand sie ein Ende und ich hatte das Buch daher binnen eines Tages durch. Nicht nur deshalb empfehle ich das Buch sehr gerne weiter.
Ein Thriller, der überhaupt nicht wie ein Debüt wirkt; von einem Autor, von dem ich hoffe bald noch mehr lesen zu können.

Bewertung vom 04.06.2018
Der rote Swimmingpool
Buchholz, Natalie

Der rote Swimmingpool


sehr gut

Mutter, Vater, Kind – eine Familie wie sie im Buche steht, genau das sind Adam und seine Eltern. Jahrein, jahraus gehen sie liebevoll miteinander um, unterstützen sich gegenseitig und verstehen sich quasi blind. Doch plötzlich ist es vorbei mit der Harmonie, alles zerbricht, die Familie ist keine mehr. Adam weiß weder warum die Familie zerbrochen ist, noch wie er damit umgehen soll.
Aus dem liebevollen und verständnisvollen Umgang miteinander wird ein angespanntes Verhältnis. Adam fühlt sich alleingelassen, weiß nicht wie er sich gegenüber seinen Eltern verhalten soll. Niemand redet mit Adam, die Gründe für den Zusammenbruch der Familie liegen im Dunkeln und das bleibt nicht folgenlos. Im zweiten Zeitstrang ist das Verhältnis zu den Eltern noch angespannt, doch das rückt dank Adams neuer Bekanntschaft, Tina in den Hintergrund.

Die Autorin erzählt auf zwei Zeitebenen eine Familiengeschichte, die es in sich hat. Einmal erfährt der Leser scheibchenweise, was sich in der Vergangenheit bis zu einem verhängnisvollen Fehler abspielte, andererseits erhält er Einblicke in die Gegenwart. Diese mit jedem Kapitel wechselnden Stränge machen die Geschichte vielschichtig und interessant. Von Beginn an war ich gut in der Geschichte drin, beide Zeitebenen haben mir sehr gut gefallen und interessiert (häufig gefällt mir ein Zeitstrang besser als ein anderer, hier war das erfreulicherweise nicht so).
Der Schreibstil ist extrem gut gelungen. Locker und flüssig verfasst, könnte man das Buch sicher auch an einem Nachmittag lesen.

Neben der interessanten Geschichte haben mich auch die Charaktere weitgehend überzeugt. Sie sind zwar allesamt nicht gerade gewöhnlich, aber ihre Eigenarten sind unterhaltsam und man interessiert sich schnell für sie und ihr Leben – das galt in meinem Fall auch für weniger wichtige Charaktere. Trotzdem konnte man nicht immer gleich jede Verhaltensweise nachvollziehen, manche kann ich auch jetzt noch nicht verstehen, bzw. machte es mich stellenweise wirklich sauer, wie die Eltern so mit ihrem Sohn, den die eigentlich lieben (oder lieben sie sich selbst mehr?), umgehen konnten…

In sich war dieser gut lesbare Roman sehr stimmig und kaum eine Frage offen gelassen.

Ein beeindruckendes Debüt, bei dem mir manches etwas zu vorhersehbar war, allerdings hat das der Geschichte keinen Abbruch getan, denn spannend und unterhaltsam blieb sie trotzdem.

Bewertung vom 04.06.2018
Tote haben kalte Füße / Bullenbrüder Bd.2
Rath, Hans; Rai, Edgar

Tote haben kalte Füße / Bullenbrüder Bd.2


ausgezeichnet

Der Kriminalbeamte Holger wird von seiner Chefin mit einem brisanten Vermisstenfall betraut. Die Schwester der Smooth-Schwester Lou und Pam ist spurlos verschwunden. Und sie soll nicht die einzige Verschwundene bleiben… Holgers Bruder, Charlie, der momentan in einem Gartenhaus lebt und sich als Privatdetektiv über Wasser halten will, nimmt einen vermeintlich leichten Fall einer alten, reichen Bekannten an. Er soll ihren Mann beschatten und jeden möglichen Dreck zutage fördern, damit er bei der Scheidung schlecht aussieht. Die Brüder ermitteln so vor sich hin, bis deutlich wird, dass sie einen gemeinsamen Fall haben…
Die Autoren haben eine herrliche Atmosphäre geschaffen, die mich immer wieder schmunzeln, manchmal sogar laut auflachen ließ. Die Brüder sind einerseits so unterschiedlich im Wesen und andererseits doch wieder ähnlich. Die Mutter und ihre geplante Hochzeit mit allem drum und dran war einfach herrlich amüsant, wenn auch total skurril und überzogen. Der Fall als solcher war spannend, aber mit einer Leichtigkeit erzählt, dass ich nie einen wahren Schrecken hatte, obwohl da durchaus Potential vorhanden gewesen wäre. Die Aufklärung des Falls war auch stimmig, es wurde nochmal brenzlig und spannend.
Der Schreibstil ist angenehm, man möchte das dünne Büchlein kaum mehr weglegen und wenn man sich an die Eigenarten der verschiedenen Protagonisten gewöhnt hat, kann man es auch tatsächlich nicht mehr weglegen, weil man unbedingt wissen will, wie der Fall ausgeht und was mit der Hochzeit geschehen wird.
Wer amüsante Bücher mag mit einem Kriminalfall mag, wird mit diesem Buch zufrieden sein.
Einzig das Cover finde ich misslungen, aber es kommt ja auf den Inhalt an und der stimmt, also fünf Sterne!

Bewertung vom 04.06.2018
Der Kreidemann
Tudor, C. J.

Der Kreidemann


sehr gut

Ed Adams nimmt den Leser mit in die Vergangenheit, in einen Sommer, der seinen Freunden und ihm lange in Erinnerung bleiben sollte. Ein Verbrechen in dem Wohnort und Kreidemännchen spielen eine entscheidende Rolle. Rund 30 Jahre später bekommt Ed wieder einen Brief mit einem Kreidemännchen…was geschah damals und warum rollt jemand die Geschichte wieder auf?

Ein Ich-Erzähler berichtete auf zwei Zeitebenen von einer schier unglaublichen Geschichte. Dieses Vorgehen fand ich gut, aber der Schreibstil konnte mich zunächst nicht überzeugen. Die ersten rund 70 Seiten waren recht langatmig und nicht so spannend. Ich befürchtete schon, dass das so bleiben könnte und stellte mich auf ein verhältnismäßig zähes Buch ein, doch plötzlich bekam die Geschichte eine Wendung, mehr Tempo und mit einem Tick Drama sowie Horror, wurde ich echt begeistert. Ab diesem Punkt wollte ich das Buch fast nicht mehr weglegen, denn die Geschehnisse waren mysteriös, spannend und grausam zugleich. Auch der Ich-Erzähler Ed wurde mir immer sympathischer oder zumindest hat mich seine Geschichte, sein Werdegang und auch der seine Freunde sehr interessiert.

Gelungen sind die Unterschiede zwischen den Kindern/Jugendlichen von vor 30 Jahren und den Erwachsenen von heute. Ihre Entwicklung wird nach und nach deutlich. Sie ist stimmig und birgt doch so manche Überraschung (ich würde gerne mehr verraten, aber ihr sollt dieses Buch besser selbst lesen)

Alle Fragen wurden geklärt, die Auflösung war sowohl spannend, als auch interessant, der Showdown gelungen und so manche Kleinigkeit wurde in Nebensätzen geklärt, die es noch einmal in sich hatten, sodass man tatsächlich bis zum letzten Wort gefesselt ist.

Das Buch hat mich auch etwas nachdenklich gestimmt und bis auf den recht schwachen Beginn, bin ich echt sehr angetan von dem Buch und empfehle es gerne weiter!

Bewertung vom 27.04.2018
Das Meer löscht alle Spuren / Nora Sand Bd.2
Theils, Lone

Das Meer löscht alle Spuren / Nora Sand Bd.2


sehr gut

Noch besser als der erste Teil!

Die dänische Auslandskorrespondentin Nora Sand ist nicht gerade die Fachfrau in Sachen Kultur und Literatur, allerdings wurde sie von einem iranischen Dichter und Nobelpreisträger für ein Exklusivinterview angefragt. Schnell wird auch deutlich, warum er speziell und ausschließlich Nora angefragt hat. Bei der Flucht auch dem Iran ist er von seiner Frau Amina getrennt worden. Nora soll sie nun in London aufspüren. Damit beginnt ein turbulenter Fall, der nachdenklich stimmt…
Was ist ein Menschenleben wert? Diese Frage stellte sich beim Lesen immer wieder auf Neue. Während Noras Versuchen Amina zu finden, deckt sie schier unglaubliche Vorgänge auf, gerät in einen bedenklichen Strudel und scheint der Gesuchten trotz journalistischem Spürsinn kaum näher zu kommen…
Der Schreibstil ist sehr flüssig, immer interessant und spannend. Die Thematik ist nicht nur brandaktuell, spannend und unterhaltsam, die Winkelzüge der Autorin sind überzeugend. Ich war und bin sehr begeistert und empfehle entsprechend auch das Buch. Das Privatleben Noras sorgt für das Salz in der Suppe (gewöhnlich nervt mich sowas eher) und ist nur soweit Thema, wie es nötig und sinnvoll ist. Auch die anderen Charaktere sind stimmig und gut ausgebaut. Extrem überzeugend und authentisch fand ich das Ende, aber lest selbst!
Mir hatte schon der erste Teil gefallen, aber dieser hier war noch ein Tick besser und daher kann ich den dritten Teil kaum erwarten. Man kann diesen Teil auch unabhängig vom Vorgänger lesen, denn einzig im Privatleben der besonderen „Ermittlerin“ wird man vielleicht ab und an mal kurz stutzig, aber es klärt sich noch. Einziger Kritikpunkt: Der Titel macht überhaupt keinen Sinn.

Bewertung vom 24.04.2018
Riskante Manöver / Mats Holm Bd.1
Bingül, Birand

Riskante Manöver / Mats Holm Bd.1


ausgezeichnet

Temporeicher, fesselnder Krimi

Ein Medikament, welches speziell für Kinder hergestellt wurde, soll nun Kinder krank machen und die kleine Sophie sogar getötet haben. Liegt es tatsächlich an dem Medikament? Wie könnte das sein, denn Medikamente durchlaufen zig Testphasen… Was wird hier gespielt? Wenn auch vieles unklar ist, ist jedoch sicher: Der herstellende Pharmakonzern Wenner hat nun ein richtiges PR-Problem. Um die drohende Katastrophe abzuwenden engagiert der Konzern den Besten der Besten PR-Berater, den „Master of Desaster“, Mats Holm und dessen Kollegin Laura May.
Die beiden sind ein eingespieltes Team und haben mich mit ihren Schachzügen und ihrer Persönlichkeit überzeugt.
Ich fand den temporeichen Krimi spannend, raffiniert und etwas außergewöhnlich. Ich wollte das Buch nach wenigen Seiten schon gar nicht mehr aus den Händen legen, fieberte mit den Eltern der kleinen Sophie mit, verfolgte gespannt das Vorgehen der Firma und der PR-Berater. Ich konnte gar nicht mehr aufhören mitzurätseln und einige brisante Stellen waren extrem spannend und der Autor versteht es einfach vorzüglich mit den Ängsten der Menschen umzugehen. Die meist kurzen Kapitel laden ein, direkt weiterzulesen, der Schreibstil ist extrem fesselnd und der Autor baut geschickt falsche Fährten ein. Gestört hat mich, wenn überhaupt, dass Mats Privatleben etwas undurchschaubar ist, aber das könnte in einem weiteren Teil aufgegriffen werden und es ist auch nicht so elementar. Ansonsten wurde der Fall stimmig, überzeugend und teils überraschend abgeschlossen und jede offene Frage beantwortet.
Ein vielschichtiger und interessanter Krimi, der nachdenklich stimmt und mich so überzeugte, dass ich hoffe bald wieder etwas von dem unterhaltsamen Gespann lesen zu können.

Bewertung vom 14.04.2018
Im Dunkel deiner Seele
Harrar, George

Im Dunkel deiner Seele


weniger gut

Roman mit enttäuschendem Ende
Philosophieprofessor Evan Birch ist ein liebevoller Vater und guter Ehemann mit einem völlig normalen Leben, bis er plötzlich festgenommen wird. Er steht unter Verdacht eine 16-Jährige entführt zu haben. Evan ist sich keiner Schuld bewusst, aber es gibt Aspekte die für seine Verwicklung in den Fall sprechen, dazu verstrickt er sich selbst noch in seinen Aussagen in Widersprüche. Der Zweifel ist gesät und wächst und gedeiht…

Vorweg: Ein Thriller ist es für meine Begriffe definitiv nicht! Aber der Reihe nach. Zunächst lernt man den etwas schrulligen Philosophieprofessor kennen. Er ist ein interessanter Mensch, wenn man sich auf seine zahlreichen philosophischen Gedanken einlassen kann und will. Vorkenntnisse sind für das Lesen des Buches nicht notwendig, denn die Gedankengänge sind nachvollziehbar, jedoch muss ein gewisses Interesse vorliegen (zumal sich diese Gedanken durch das ganze Buch hinweg durchziehen). Auch die Familie mit den unterhaltsamen Zwillingen und seine Frau Ellen, lernt man kennen, bevor sich die Geschichte langsam (und damit meine ich wirklich langsam!) entwickelt. Die Spannung war nicht mit Händen zu greifen, sondern äußerst subtil, was mich jedoch über weite Strecken sehr überzeugte. Man sieht, wie der Zweifel sich in der Familie langsam aber sicher auswirkt und zahllose unerklärliche Vorgänge, sowie Geschehnisse aus der Vergangenheit, ließen das Flämmchen der Spannung immer wieder aufflammen.

Der Schreibstil war flüssig und gut lesbar, der eingestreute Humor genau mein Ding. Man erfährt alles aus Evans Sicht, sodass er selbst irgendwie immer weniger greifbar wurde bzw. man immer mehr geneigt ist, ihm auch wirklich zuzutrauen, dass er etwas mit Verschwinden des Mädchens zu tun haben könnte, zumal er immer mehr (scheibchenweise) Erinnerungen hat und sich selbst in den Fokus der Ermittlungen bringt. Die Saat des Zweifels ging immer mehr auf… Zum Ermittler möchte ich gar nicht viel sagen – der hat mich von Beginn an nicht wirklich überzeugt.

Über lange Zeit war für mich die subtile Spannung groß, ich rätselte mit, was nun wirklich geschehen ist. Hat Evan was mit der Sache zu tun oder wird ihm was in die Schuhe geschoben? Wenn ja, von wem und warum? Leider war das Ende sehr unbefriedigend und hat mich wirklich nachhaltig enttäuscht, sodass ich das Buch nur Leuten empfehle, die subtile, ruhige Bücher ohne blutiges Geschehen, dafür mit vielen philosophischen Aspekten, mögen. Es blieben einfach zu viele Fragen offen und das beschriebene Szenario war viel zu platt beendet. Das Ende wirkt einfach einmal so runtergeschrieben, damit es „endlich“ fertig ist. Mich hat das Ende des Buches einfach enttäuscht, ratlos zurückgelassen und ein wenig verärgert.

Bewertung vom 11.04.2018
Summ, wenn du das Lied nicht kennst
Marais, Bianca

Summ, wenn du das Lied nicht kennst


ausgezeichnet

Robin ist ein weißes Mädchen und gerade einmal neun Jahre alt, als ihr Leben eine dramatische Wendung nimmt. Auch Beauty hat ein schweres Los. Ihr Mann bereits verstorben, muss sie sich nun Sorgen um ihre Tochter machen. Das Schicksal führt die beiden so ungleichen Menschen zueinander. Beide mögen sich sehr und machen die Sinnlosigkeit der Rassentrennung noch einmal viel deutlicher. Doch ihre gegenseitige Zuneigung bleibt nicht folgenlos…

Dieses Buch hat mich auch nach dem Lesen nicht losgelassen und ich glaube, dass wird es auch nie ganz, denn die Geschichte ist so dramatisch, traurig, berührend und trotzdem immer so voller Hoffnung, dass es mir kaum möglich war das Buch mal zur Seite zu legen. So habe ich das Buch auch trotz seiner knapp 500 Seiten an einem Tag gelesen, auch wenn die geschilderten Szenen manchmal wirklich nicht leicht verdaulich waren. Die Sogwirkung war einfach so groß und die Spannung greifbar, sei es beim Aufstand oder auch der Suche nach der Tochter.
Der Roman ist zwar fiktiv, aber es könnte sich genauso zugetragen haben und das macht es so eindrücklich. Nicht nur die Stigmatisierung von schwarzen Menschen oder Juden, sondern auch die Probleme der Homosexuellen finden sich in diesem Buch wider. Die zahllosen Vorurteile – auf allen Seiten- werden deutlich, aber auch Möglichkeiten, wie man sie überwinden kann. Daneben sind auch die Protagonisten sehr gut gelungen und es ist interessant aus der Sicht der beiden so unterschiedlichen Protagonistinnen die Geschichte zu verfolgen. So erkennt man auch, wie die Zuneigung nach und nach entsteht und welche Tiefe sie zunimmt. Auch die Nebencharaktere sind stimmig entworfen und runden die Geschichte gekonnt ab.
Was mich sehr beeindruckte war der Schreibstil, denn trotz all der schwierigen Szenen und dramatischer Ereignisse bleibt er leicht lesbar, flüssig und angenehm. Nicht selten wird an den richtigen Stellen auch eine große Portion Humor eingestreut. Das Ende bietet noch Möglichkeiten für eine Fortsetzung (die ich unbedingt sehen wollen würde), war aber auch so schon überzeugend.

Dieser bewegende Roman über die Apartheid und damit verbundene Verluste, Trauer und Missstände, aber auch Hoffnung, Mut und Liebe ist keine leichte Kost, aber lest einfach selbst, denn es lohnt sich!

Bewertung vom 08.04.2018
Sylt oder solo
Thesenfitz, Claudia

Sylt oder solo


weniger gut

So gar nicht meins...

Nina lebt mit ihrem jüngeren Freund Jan auf Sylt. Die beiden betreiben eine Surfschule, haben keinerlei finanzielle Sorgen und alles könnte so schön sein, wären da nicht die sich heranschleichenden Beziehungsprobleme…
Mir war das Buch deutlich zu klischeehaft, zu seicht und an manchen Passagen musste ich mich wirklich fast zwingen das Buch überhaupt ernsthaft weiterzulesen und nicht nur quer darüber zu huschen. So richtig reingekommen bin ich in die Geschichte nie. Ich hatte mir einfach mehr Sylt von dem Buch erhofft, aber bei aller Kritik ist schon festzuhalten, dass mich manches etwas nachdenken ließ, manches brachte mich zum Schmunzeln und der flüssige Schreibstil ist wirklich gelungen. Sonst hätte ich wohl auch nicht mit Nina (die ich nicht selten mal hätte schütteln wollen, weil sie nur noch jammerte) durch ihre Täler der Tränen wandeln können…Von dem unsympathischen Jan möchte ich erst gar nicht anfangen, wenn sich auch nach und nach manches etwas relativiert.
Es gibt auch einen ersten Teil, aber dieses Buch lässt sich auch ohne den Vorgänger gut lesen.
Für Fans des Genres ist es sicher ein schönes Buch, mir selbst war es dann letztlich zu sehr Frauenroman wie ich ihn nicht mag.

Bewertung vom 20.02.2018
Ich bin das Mädchen aus Aleppo
Alabed, Bana

Ich bin das Mädchen aus Aleppo


sehr gut

Bana Alabed lebt mit ihrer großen Familie in Aleppo und ihre ersten Lebensjahre sind noch glücklich – doch dann bricht der Bürgerkrieg aus. Aus dem unbeschwerten Mädchen wird ein Kind, welches sich mit seiner Familie vor den Bombenangriffen manchmal Ewigkeiten im Keller verstecken muss, das unter den Rationierungen von Strom, Wasser und Nahrung leidet, den Tod und die Unmenschlichkeit tagtäglich erleben muss und trotzdem immer noch stark ist. Bekannt wurde sie, weil sie über Twitter versucht die Welt auf die Schrecken in Syrien aufmerksam zu machen.
Für dieses Buch die richtigen Worte zu finden ist unglaublich schwierig. Die Gräueltaten werden gut nachvollziehbar und bildlich dargestellt und haben mich nicht selten heftig schlucken lassen. Gelegentlich musste ich das Buch auch komplett zur Seite legen, weil es einfach schrecklich ist, was syrische Männer, Frauen und vor allem die Kinder Tag für Tag erleiden mussten. Die Ängste, die Zwänge und die Unsicherheiten werden in diesem Buch sowohl bei den Ausführungen der Mutter, als auch bei Banas Abschnitten sehr deutlich und lassen jedem emphatischen Menschen fast das Blut in den Adern gefrieren. Wobei mich die Ausführungen der Mutter deutlich mehr emotional packten, als Banas Schilderungen. Die Mutter hat eine gewisse Authentizität, die mir bei Bana stellenweise etwas fehlte. Natürlich werden Kinder, die keine echte Kindheit haben schneller erwachsen, was sich vielleicht auch in der Art des Schreibens niederschlägt, allerdings waren mir Banas Abschnitte viel zu verkopft (obwohl der Stil recht simpel gehalten ist, ist er fast nie kindlich, auch wenn ab und an mancher kindliche Gedanke verarbeitet wird), nur selten hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte wirklich von der Kleinen geschrieben wurde. Viel häufiger erscheint es mir, dass Banas Geschichte von einem Erwachsenen verfasst wurde. Das kann ich natürlich nicht beweisen, aber es ist eben auch nur so ein Gefühl gewesen. Genau dieses Gefühl brachte mich auch zum Recherchieren ihrer Twittergeschichte und ich wurde auch prompt fündig. Einiges nährt gewisse Zweifel, auch die Frage, ob es in Ordnung ist Kinder zu instrumentalisieren (zumindest habe ich bis zu einem gewissen Grad den Eindruck, dass genau das geschehen ist) und einiges anderes lässt sich kritisch hinterfragen, sodass das Buch auch besonders viel Stoff für Lesezirkel bietet. Aber auch andere Themen, wie beispielsweise die Hoffnung oder Heimatverbundenheit lassen sich toll diskutieren. Das Buch als solches ist vielleicht alles andere als perfekt, aber die Auseinandersetzung mit dem traurigen und erschütternden Schicksal der Syrer muss stattfinden.
Auch die Bewertung als solche ist unheimlich schwierig. Ohne dieses Hintergrundwissen (wobei auch da – die Bilder auf Banas eigenen Kanälen einmal ausgenommen - zumindest theoretisch einiges falsch dargestellt sein könnte) hätte ich nur geringe Abzüge, wenn überhaupt vorgenommen. Da ich nun aber diese im Buch entstandenen und im Netz verfestigten Zweifel gegenüber Banas Urheberschaft hatte, wollte ich nur drei Sterne geben. Nachdem nun etwas Zeit nach der Lektüre vergangen ist, ist mir aber klar geworden, dass es viel zu wichtig ist, was Bana und ihre Mutter berichten, welche Message die das Buch – jenseits dessen, wie es nun wirklich geschrieben wurde- transportiert, sollten möglichst viele lesen. Es rückt in jedem Fall jedes kleinere Problem, das man im europäischen Alltag so hat, in ein anderes Licht…
In keinem Fall sollte dieses Buch ein Kind lesen, Jugendliche wohl nur, wenn sie etwas befestigt sind und sich mit anderen darüber austauschen können.
Dieses Buch mag man irgendwann gelesen haben, aber solange der Krieg tobt, wird der Leser es nie komplett beendet haben.