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Tintenwelten

Bewertungen

Insgesamt 569 Bewertungen
Bewertung vom 19.01.2026
Hoover, Colleen

Woman Down


sehr gut

Nach dem Shitstorm um die Verfilmung ihres Romans gerät Bestsellerautorin Petra Rose in eine tiefe Schreibkrise. Sie weiß nur zu gut, wie gnadenlos das Internet sein kann, wenn sich die Meinungen plötzlich gegen einen richten. Um neu anzufangen, zieht sie sich in eine abgelegene Hütte am See zurück. Dort begegnet sie Detective Nathaniel Saint, der von einem beunruhigenden Vorfall in der Nähe berichtet. Er sieht dem Ermittler aus ihrem neuen Projekt zum Verwechseln ähnlich und so entfacht seine Nähe Petras Kreativität neu. Doch das gefährliche Spiel, auf das sie sich einlässt, bedroht bald mehr als nur ihr nächstes Buch.

Wir erleben die Ereignisse aus Petras Sicht. Sie beschreibt die Höhen und Tiefen des Autoren:innen-Daseins, die Auswirkungen von positiven oder negativen Rezensionen, die Angst vor Schreibblockaden und den Umgang mit einer solchen. Sie wurde schon immer von Zweifeln an ihrem eigenen Können geplagt und kann nicht mit Komplimenten, aber noch weniger mit Kritik an ihren Werken umgehen. Doch die Frage ist: Wie weit ist sie letztendlich bereit für ihre Inspiration und eine authentische Geschichte zu gehen?

Ich finde es interessant wie hier die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen und weder Petra, noch Lesende gedanklich und emotional ganz hinterher kommen. Man weiß weder bei ihr, noch bei Saint woran man wirklich ist. Es kommt zu einigen überraschenden Wendungen, der Schreibstil ist kurzweilig. Es wird vor allem zum Ende hin sehr spannend und irgendwie creepy. Mit dieser Auflösung habe ich nicht gerechnet. Insgesamt ist es düster, nervenaufreibend und irritierend abgründig.

Leider sind Love Triangels meistens so gar nicht mein Ding. Wenn eine:r der Protagonist:innen sich bereits in einer Beziehung befindet, hat das für mich immer einen ganz fiesen Beigeschmack, der mir alle Beteiligten direkt ziemlich unsympathisch macht. Schade.

Für mich kommt „Woman Down“ bei weitem nicht an „Verity“ heran. An dieses Buch denke ich nämlich heute noch immer wieder, weil ich es so krass fand. Und das obwohl ich es vor Jahren gelesen habe.

Der Roman basiert übrigens auf der bereits erschienenen Kurzgeschichte „Saint“.

Bewertung vom 19.01.2026
Moronova, K. M.

Leave Me Behind / The Dark Forces Bd.1


sehr gut

Nach einem Einsatz, der in einer Tragödie endet, wird Scharfschützin Nell in die Spezialeinheit Malum versetzt – eine Truppe, die nur die tödlichsten Missionen übernimmt und dafür berüchtigt ist ihre Neulinge bis an die Grenzen zu treiben. Vor ihrem Eintritt gönnt Nell sich einen letzten Moment der Freiheit. Doch der Fremde, mit dem sie diese Nacht verbringt, entpuppt sich als genau der Mann, vor dem sie sich am meisten hätte hüten müssen: Bradshaw, ihr zukünftiger Vorgesetzter. Kalt, unerbittlich und gefürchtet. Und trotzdem lodert zwischen ihnen ein Feuer, dem sich keiner von beiden entziehen kann.

Wir erleben die Ereignisse aus den Perspektiven von Nell und Bradshaw, die beide auf ihre Art und Weise gebrochen sind. Ihre inneren Konflikte, Ängste, Traumata und Widersprüche wirken authentisch und greifbar, was es leicht macht sich in ihre Gefühlswelten hineinziehen zu lassen. Diese fühlen sich roh und echt an, gehen unter die Haut und lassen einen so schnell nicht mehr los. Zwischen ihnen und in der Einheit passieren Dinge die einem die Haare zu Berge stehen lassen und die ziemlich toxisch sind. Da könnte man sich schon fragen woher jetzt genau die Anziehung ihm gegenüber eigentlich kommt.

Dieses Buch hat wehgetan. Schonungslos ehrlich erzählt es von Verlust, Schmerz, emotionalen Abgründen, Abhängigkeit und dem verzweifelten Wunsch nach Nähe.

Es wird durch das militärische Setting außerdem sehr brutal und blutig. Die Atmosphäre ist düster und intensiv. Psychische Probleme sind ebenfalls ein wichtiges Thema. Was machen Krieg, Tod, Verlust, Trauer und die ständige Gefahr für Leib und Leben mit einem? Wie wirkt es sich aus, wenn man selbst Leben nimmt? Keine leichte Lektüre und definitiv nicht für jede*n geeignet. Bitte unbedingt die Triggerwarnungen beachten!

Wir finden in dieser Dark-Military-Romance die Tropes Bully Romance, Enemies to Lovers, Forced Proximity und viel (auch eher speziellen) Spice.

Bewertung vom 10.01.2026
Tramountani, Nena

Das verlorene Leben / Twelve of Nights Bd.2


sehr gut

In einem abgelegenen griechischen Bergdorf markieren die zwölf Raunächte den Übergang ins neue Jahr. Doch alte Überlieferungen erzählen von dunklen Wesen, den sogenannten Kalikanzari, die in dieser Zeit auftauchen und einen hohen Preis fordern. Als die 22-jährige Daphne nach der Weihnachtsmesse einer geheimnisvollen jungen Frau begegnet, entsteht sofort eine magische Anziehungskraft zwischen ihnen. Während der Feierlichkeiten wächst ihre Nähe – bis klar wird, dass Ioanna mehr verbirgt, als sie preisgeben kann. Außerdem scheint ihre Verbindung nur innerhalb der Raunächte Bestand haben zu können.

Die Twelve of Nights-Dilogie verbindet griechische Mythologie mit einer intensiven Liebesgeschichte. Das winterlich mediterrane Setting, die mystischen Raunächte mit ihren Bräuchen und geheimnisvollen Legenden schaffen eine ganz besondere, teilweise eher düstere Stimmung.

Bisher habe ich noch nie etwas über die Raunächte gelesen. Dementsprechend fand ich die Idee und Umsetzung sehr spannend. Als Griechenland-Liebhaberin war es natürlich die perfekte Kulisse für mich.

Der erste Band baut Atmosphäre und Spannung auf, während der zweite diese vertieft und abrundet. Die Geheimnisse um die Kalikanzari und deren Ursprung werden weiter erforscht. Die Figuren stehen vor größeren Herausforderungen. Es geht um Ängste, den Umgang mit Schmerz, Verlust, Trauer. Innere Konflikte, Charakterentwicklung und zwischenmenschliche Beziehungen stehen im Vordergrund. Wir erleben den ersten Teil aus den Perspektiven von Daphne und Ioanna. Im zweiten Teil kommt noch die von Aris hinzu.

Es gibt einige zeitliche Sprünge, welche zwar gut gekennzeichnet sind, dennoch fand ich es oft ziemlich schwer mich dort gedanklich und auch emotional zurechtzufinden.

Definitiv eine Empfehlung für alle, die Romantasy, griechische Mythologie, emotionale Tiefe und queere Repräsentation mögen. Wer actionreiche Fantasy sucht, wird hier allerdings eher nicht fündig.

Bewertung vom 09.01.2026
Allen, Navessa

Lights Out Bd.1


sehr gut

Nach langen Schichten findet Krankenschwester Aly auf TikTok Ablenkung in den Videos maskierter Männer. Besonders ein Account hat es ihr angetan: perfekt inszenierte Moves, heiße Musik und ein Mann mit einer Ausstrahlung, die selbst durch die Maske elektrisiert. Aly kann nicht widerstehen und hinterlässt immer gewagtere Kommentare – doch diese bleiben nicht ungelesen. Und so beschließt Josh ihre Fantasien wahr werden zu lassen. Was mit leichtem Stalking beginnt, wird schnell ziemlich intensiv. Während sie gemeinsam ihre verborgenen Sehnsüchte ausleben, ahnt Aly nicht, dass jemand anderes sie längst im Visier hat – jemand mit deutlich düstereren Absichten.

Wir erleben die Ereignisse aus den Perspektiven von Aly und Josh. Die Autorin versteht es, die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden glaubwürdig darzustellen, sodass man ihre Handlungen zwar nicht immer gutheißen, aber nachvollziehen kann. Ihre Zweifel, Ängste und widersprüchlichen Emotionen wirken authentisch.

Die Begegnungen zwischen Aly und Josh sind von einer prickelnden Dynamik geprägt, die weniger auf Romantik, sondern vielmehr auf Verlangen, Macht, Kontrolle und gegenseitige Faszination aufbaut. Für Aly ist klar, dass Anziehung und Gefahr hier sehr eng miteinander verwoben sind, schließlich ist Josh ihr völlig fremd. Er könnte sogar ein Serienmörder sein! Während ihrer Arbeit in der Notaufnahme hat sie schließlich genug Opfer und Täter gesehen. Doch grade dieser Nervenkitzel macht den besonderen Reiz für sie aus.

Lights Out ist definitiv nicht für jede:n geeignet. Es handelt sich um Dark Romance vom Feinsten. Wir werden mit menschlichen Abgründen konfrontiert. Der Roman spielt bewusst mit Grenzen – emotionalen, moralischen und zwischenmenschlichen. Daher bitte unbedingt die Triggerwarnung beachten.

Es ist eine pikante Mischung aus Spice, Romance, Thriller und Humor. Mir haben die Interaktionen mit Alys Kater gefallen, auch wenn es sogar mir am Ende zu viel wurde, wie oft er als ihr „Kind“ oder „Sohn“ betitelt wurde. Es gab noch ein paar Szenen, die ebenfalls ein bisschen arg übertrieben waren und solche, in denen Aly als Krankenschwester es eigentlich besser wissen müsste..

Bewertung vom 27.12.2025
Maxwell, Matthew

Der Junge und die Kakerlake


sehr gut

Der Junge und die Kakerlake ist eine leise, aber tief berührende Geschichte. Sie erzählt von einem Jungen, der sich einsam fühlt und in einer Welt lebt, in der kaum jemand wirklich hinschaut. Die Begegnung mit einer Kakerlake – einem Insekt, das viele instinktiv ablehnen – wird für ihn zu einem unerwarteten Ausgangspunkt für eine tiefere Auseinandersetzung mit Einsamkeit, Angst, Verständnis, Mitgefühl und dem Bedürfnis, gesehen zu werden.

Die Kakerlake steht für all das, was wir am liebsten aus unserem Leben verbannen würden: das Unbequeme, das Fremde, das Verletzliche.

Durch die Perspektive des Jungen werden alltägliche Situationen in einem neuen Licht gezeigt. Man spürt seine innere Leere, seine Sehnsucht nach Nähe und Anerkennung. Man ertappt sich dabei, wie sehr man mit ihm mitfühlt. Besonders hervorzuheben ist seine emotionale Entwicklung. Er wirkt authentisch und nahbar, seine Gedanken und Gefühle sind nachvollziehbar dargestellt.

Der Schreibstil ist ruhig und unaufdringlich. Der Autor erschafft in wenigen Worten eine Atmosphäre, die traurig macht, tröstet und zum Nachdenken über die eigenen Vorurteile und Reaktionen anregt. Erwähnenswert sind außerdem die zahlreichen und liebevoll gestalteten Illustrationen von Allie Daigle.

Mit seiner eindrucksvollen und simplen Botschaft ist das Buch eine Liebeserklärung an jeden von uns. Perfekt für alle, die bei sich selbst ankommen wollen.

Bewertung vom 26.12.2025
Huxley-Jones, Lizzie

Ein Weihnachtswunder für uns


sehr gut

Als kurz vor Weihnachten ein Schneesturm alles lahmlegt, ist Christopher gezwungen das Fest zuhause anstatt mit seiner Familie zu feiern. Blöd nur, dass er seine Wohnung eigentlich bereits über die Feiertage untervermietet hat. Und so stolpert der attraktive und ihm äußerst bekannte Nash in sein Café. Dieser ist nämlich Schauspieler und Christopher sein größter Fan. Die beiden sitzen nun also wohl oder übel in der viel zu kleinen Einzimmerwohnung zusammen fest.

Wir erleben die Ereignisse aus den Perspektiven der beiden Protagonisten. Sie wirken nahbar und sympathisch – ihre Hoffnungen, Unsicherheiten und Probleme machen sie authentisch.

Es ist eine wunderschöne Geschichte voller Queerness und Akzeptanz, voller Freundschaft und Liebe. Es wird humorvoll, romantisch, sehr emotional und herzerwärmend. Natürlich werden auch ernste Themen behandelt, aber auf eine respektvolle und „schöne“ Art und Weise, so dass die Handlung ohne größere Dramen auskommt.

Die Mischung aus Romantik, Humor und tiefgründigen Momenten zieht sofort in ihren Bann. Besonders gefallen hat mir die positive Botschaft, die direkt ans Herz geht: Weihnachten bedeutet mehr als nur Geschenke: und zwar Nächstenliebe, Gemeinschaft, Vergebung, zweite Chancen und das gemeinsame Mutmachen.

Ich mochte bereits den Vorgänger „Weihnachten - nur du und ich“ sehr gerne. Die beiden Bücher können allerdings unabhängig voneinander gelesen werden.

Bewertung vom 26.12.2025
McDonnell, C. K.

Ring the Bells


ausgezeichnet

Ring the Bells knüpft nahtlos an die Stranger Times-Reihe an. Dieser fünfte Band spielt zur Weihnachtszeit, doch statt besinnlicher Idylle sorgt ein von einem Buchclub heraufbeschworener Gott namens Zalas für Chaos, während das Team der Stranger Times nicht nur Weihnachten, sondern gleich die ganze Welt retten muss.

Die Handlung ist temporeich, voller Wendungen, witziger Einfälle, schwarzem Humor und übernatürlichem Wahnsinn. Gleichzeitig gelingt es dem Autor, ernstere Themen einzuflechten, etwa indem beispielsweise die Vergangenheit eines Teammitglieds beleuchtet wird.

Die bereits bekannten und lieb gewonnenen Charaktere sind herrlich skurril, exzentrisch und chaotisch. Ich finde deren Wortgefechte urkomisch.

Die britische Wochenzeitung „The Stranger Times“ befasst sich mit allerlei mysteriösen Ereignissen und Phänomenen wie beispielsweise Geistererscheinungen und Ufosichtungen. Sie ist DIE Anlaufstelle für Unerklärtes und Unerklärliches. Sehr unterhaltsam sind ebenfalls die Zeitungsartikel, die zwischendurch „eingestreut“ werden und die meistens eigentlich völlig sinnfrei sind. Diese verleihen dem Buch allerdings noch zusätzlich Pepp und Kuriosität.

Bewertung vom 20.12.2025
Olsen, Lisa F.

Only a bet for Christmas


ausgezeichnet

Wider Willen lässt Julian sich auf eine Wette mit seinem Bruder ein: er muss bis Weihnachten eine Begleitung für die Feiertage finden, während Vinz stattdessen ausnahmsweise mal ohne diese dort auftauchen wird. Zwischen unangenehmen Blinddates und Tindermatches findet Julian eine Menge über sich selbst heraus. Zum Beispiel, dass das unangenehme Gefühl in seiner Magengrube, welches ihn immer dann plagt, wenn er einer bestimmten Person über den Weg läuft, möglicherweise gar keine Magen-Darm-Grippe ist.

Wir erleben die Ereignisse aus Julians Sicht. Ich mag ihn und seine verletzliche Gedanken- und Gefühlswelt sehr. Er ist eher introvertiert, hat wenige, aber gute Freunde. Trotzdem hat er das Gefühl, dass niemand ihm so richtig zuhört und er nicht einfach er selbst sein kann. Er ist nicht gerne alleine und sehnt sich insgeheim nach jemanden, mit dem er sei Leben teilen kann.

Die Figuren wirken sympathisch und authentisch, mit Ecken und Kanten, Problemen und Ängsten, die sie menschlich und nahbar machen. Besonders gefallen hat mir wie sich die Beziehung Schritt für Schritt entwickelt, dabei zwar von inneren Konflikten begleitet wird, aber dennoch ohne großes Drama auskommt.

Die Geschichte ist charmant, humorvoll, herzerwärmend und romantisch. Dabei ist sie aber nicht kitschig, sondern wunderbar ehrlich. Sie kann als Adventskalenderbuch gelesen werden, denn sie beinhaltet 24 Kapitel und zwei Bonusepiloge.

Bewertung vom 17.12.2025
Lindqvist, Anna

Schneeflockenträume in Schweden


sehr gut

Ingenieurin Smilla versucht einer technischen Störung in einem schwedischen Eishotel auf den Grund zu gehen. Leider sorgt die Kollision mit einem Rentier für keinen guten Start. Denn die Begegnung mit Ersthelfer Finn, der sich um das verletzte Tier kümmert, ist ganz schön unterkühlt. Doch ihre Wege kreuzen sich immer wieder und schon bald beginnt das Eis zwischen ihnen zu tauen.

Ich liebe das wundervoll winterliche Setting: verschneite Landschaften, Kleinstadt-Charme, ein Eishotel mit zauberhaft illuminierten Eisskulpturen, ein Eisskulpturenwettbewerb, Rentiere, romantische Schlittenfahrten, Nordlichter - wer könnte da widerstehen?

Wir erleben die Ereignisse aus den Perspektiven von Smilla und Finn. Die Charaktere wirken nahbar und sympathisch, mit kleinen Ecken und Kanten, die sie glaubwürdig machen. Besonders gelungen ist die ruhige Erzählweise, die ohne übertriebene Dramatik auskommt und stattdessen eher auf Emotionen, Atmosphäre und zwischenmenschliche Nähe setzt.

Anna Lindqvist verbindet eine gefühlvolle Liebesgeschichte mit der besonderen Atmosphäre des hohen Nordens. Die winterliche Kulisse ist dabei weit mehr als nur Hintergrund: Schnee, Kälte und das langsame, naturverbundene Leben prägen die Stimmung des Romans und spiegeln eine nordische Lebensweise wider, in der Ruhe, Gemeinschaft und der Respekt vor der Natur eine zentrale Rolle spielen. Besonders eindrucksvoll ist, wie diese Elemente der samischen geprägten Kultur in die Erzählung einfließen. Mir hat vor allem die enge Beziehung zu Rentieren und deren Bedeutung für die Menschen sehr gefallen.

Es ist somit nicht nur eine Wohlfühlgeschichte, sondern auch eine liebevolle Hommage an das Leben im Norden und dessen kulturelle Traditionen. Es geht außerdem um Neuanfänge und darum, den Weg zu sich selbst und zu seinen eigenen Wünschen und Zielen zu finden.

Bewertung vom 17.12.2025
Lynn, Jaysea

For Whom the Belle Tolls


gut

Als Lily stirbt führt ihr Weg sie in die Hölle. Dort ist es tatsächlich gar nicht so schrecklich wie erwartet. Wären da nicht all die unzufriedenen Seelen, die sich lautstark über alles mögliche beschweren. Zum Glück hat sie jahrelange Erfahrung im Kundendienst, bietet den Dämonen kurzerhand ihre Hilfe an und errichtet den sogenannten Hellp-Desk. Schnell zieht sie die Aufmerksamkeit von Bel auf sich, einem Dämonen, der definitiv zu heiß ist, um ihn nur als Freund zu sehen.

Der Roman überzeugt durch eine intensive Darstellung von Krankheit, Verlust, Trauer, Traumata, Schuldgefühlen und Ängsten. Diese inneren Konflikten werden authentisch und nachvollziehbar beschrieben. Ebenso wie auch Heilung als langwieriger, oft widersprüchlicher Prozess realistisch dargestellt wird. Dies sorgt für eine melancholische und einfühlsame Stimmung.

Demgegenüber stehen salopp formulierte Dialoge und erotisch aufgeladene Szenen, die in Ton und Wirkung deutlich aus dieser Atmosphäre herausfallen. Während die ernsten Passagen von Zurückhaltung und emotionaler Tiefe geprägt sind, sind diese Szenen direkter, lockerer und provokant. Dadurch entsteht ein spürbarer Stilbruch, dieser erscheint auf mich jedoch nicht wirklich harmonisch integriert. Ganz im Gegenteil kommen sie mir meist einfach unpassend und pietätlos vor.

Religion und Glauben spielen eine umstrittene Rolle. Einige Charaktere erleben Schmerz, der durch fehlgeleitete Gläubige ausgelöst wurde. Demnach spenden spirituelle Konzepte nicht automatisch Trost, sondern können falsch interpretiert genau das Gegenteil bewirken. Hier erscheint es aber fast so, als wären alle Gläubigen schlecht, es kommt diesbezüglich zumindest nicht viel positives rüber.

Alles in allem bin ich ziemlich zwiegespalten, wie ich das Ganze finden soll. Einerseits gefallen mir die Idee und das Setting des Danachs mit Himmel, Hölle, Engeln, Dämonen und allem Drumherum sehr. Die Charaktere sind mir sympathisch, ich habe mit ihnen mitgefiebert und sie ins Herz geschlossen. Dennoch kann ich Lilys Hin- und Hergerissenheit bezüglich bestimmter Entscheidungen überhaupt nicht verstehen.

Es gibt einige tolle, herzerwärmende, herzzerreißende oder humorvolle Momente. Leider zieht es sich teilweise aber auch sehr, das Buch umfasst immerhin knapp 850 Seiten. Am meisten stören mich jedoch die Szenen, die einfach „komisch“ sind und den ansonsten sensiblen Kontext völlig untergraben. Manchmal überkommt mich da schon fast der Fremdscham und ich weiß nicht wie „ernst“ ich das alles nehmen soll.