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Hennie
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Chemnitz

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Insgesamt 280 Bewertungen
Bewertung vom 09.01.2026
Fast, Brooke

To Cage a Wild Bird


weniger gut

Konstruierte Story ohne Tiefgang

Dieses Buch wollte ich lesen, obwohl ich wusste, dass es nicht mein Genre sein wird und ich auch wegen meines fortgeschrittenen Alters nicht unbedingt die Zielgruppe bin. Ich tat es wegen meiner bald 21jährigen Enkelin. Sie liest das sehr gern und ich wollte wissen, warum.
Beginne ich mit dem Positiven: Mir gefällt die Aufmachung des Covers und des Buches mit seinem rotem und dennoch dezenten Farbschnitt sehr gut. Da ist die rote und damit sehr optimistische Farbe des Umschlages, dagegen im Kontrast ziert den Hardcovereinband schwarzer Stacheldraht auf weißem Grund. GELUNGEN! Das passt zum Inhalt.

To Cage a Wild Bird ist der Debütroman der Amerikanerin Brooke Fast und Band 1 der dystopischen Fantasy-Romance über die Kopfgeldjägerin Raven. So wird das Buch vorgestellt. Für mich war es nur Dystopie, Fantasy gar nicht und von Romance habe ich auch eine andere Vorstellung.

Die Voraussetzungen für eine spannende, interessante Story sind durchaus vorhanden, aber die Umsetzung gefiel mir nicht. Bis zur letzten Seite konnte ich mich nicht für diese Geschichte begeistern. Bis zum Ende wusste ich nicht, was mit der Dystopie vermittelt werden soll. Es gibt für mich keinen Erkenntnisgewinn! Eine Story ohne „Hand und Fuß“, aus der Luft gegriffen, ohne Hintergrund, ohne detaillierte Beschreibungen. Angesiedelt im Niemandsland? Ohne Bezug zu vergangenen Zeiten! Gibt es keine anderen Länder mehr? Nur noch dieses Dividium? Die meisten der Gefangenen sind so unverhältnismäßig abgeklärt und gehen zu den irren Jagden, wo es schließlich ums nackte Überleben geht, wie die Tiere zur Schlachtbank. Es wird mir zu vieles behauptet, nicht begründet. Vieles erschien mir unlogisch.
Die Lebensverhältnisse sind wie sie sind (im unteren Bezirk die Armen und im oberen die Reichen) und wer gegen die Gesetze verstößt, endet in diesem KZ-ähnlichen Gefängnis. Dafür reichen auch geringste Vergehen. Gerichtsbarkeit oder Barmherzigkeit gibt es nicht.
Die Figuren der Autorin zeigen keine Entwicklung. Dafür ist dieses Gefängnis Endlock auch nicht der geeignete Ort, dort wird ja eigentlich nur gestorben. Wie sich da die Liebe zwischen der Kopfgeldjägerin und dem Wachmann Vale entwickeln konnte, ist mir auch ein Rätsel. Das heiße Rumgemache in der menschenfeindlichen Umgebung ging mir auf den Zeiger. Total fehl am Platz!

Für die jugendlichen Leser ist vielleicht interessant, wie es mit Raven und Vale im Band 2 weitergeht. Für mich war es eine konstruierte Story ohne Tiefgang.
Ich werde den zweiten Band nicht verfolgen.

Bewertung vom 14.11.2025
Schäfer, Stephan

Jetzt gerade ist alles gut


sehr gut

Sammler kostbarer Momente

Ein kleiner Schnitt in den Finger! Unbeachtet, schnell abgetan, fast vergessen! Wie oft passiert so ein Missgeschick im Alltag. Hier erzielt diese winzige Ursache eine große Wirkung. Soeben war das Leben noch in Ordnung. Die Familie freute sich auf drei Wochen Urlaub am Atlantik, war schon auf dem Sprung, die Koffer gepackt. Fertig zum Starten. Doch von einem Moment auf den anderen steht die Welt Kopf. Der Familienvater schwebt in höchster Lebensgefahr. Diese Geschichte wollte ich gern weiterverfolgen. Sie erschien mir so vollkommen unabgehoben, so natürlich, so alltäglich. Und tatsächlich bereitete mir das Lesen dieses Büchleins Freude. Ich habe es zum großen Teil gelesen, als ich meinen Mann zu einer längeren Untersuchung ins Krankenhaus begleitete. Der Schreibstil gefällt mir und bereits die Leseprobe ließ sich flott lesen. Das Cover vermittelt Optimismus mit dem Blick übers Meer zum Horizont. Auch das gefällt mir. Ich liebe solche kleinen Bücher, die vom normalen Leben erzählen. Auf nur 176 Seiten führt Stephan Schäfer in kurzen, episodenhaften Kapiteln aus, wie vergänglich unser Dasein ist.

Die Überschriften enthalten die Tagesangabe und die Uhrzeit. Es beginnt an einem Mittwoch. Der Erzähler hatte überlebt, entdeckt die Menschen neu und wird zum Sammler kostbarer Momente. Diese Momente sind manchmal nur winzige Augenblicke oder auch wunderbare und prägende Erinnerungen wie im Kapitel LIEBLINGSRESTAURANT (bei der Oma) oder DER BADETAG. Er entdeckt das Lachen, das Unbeschwertsein. Die ganz normalen, alltäglichen Mitteilungen machen das Leben aus. Gefallen hat mir auch das Kapitel DER KNACKS. S. 138 Das ist mir auch schon passiert und ich konnte ebenfalls nicht mehr sagen, wann der Knacks erfolgte. Besondere Erlebnisse widerfahren ihm in der Landschaft, in Feld und Wald mit einem Freund, der Biologe ist. Das Werden und Vergehen. Die Natur. Das immer Wiederkehrende!

Die ganze Erzählung zeigt uns, was das Leben ausmacht, dass auch angeblich Belangloses bedeutend und wichtig werden kann.

Ein Buch zum Innehalten! Meine Empfehlung mit vier von fünf Sternen!

Bewertung vom 14.10.2025
Waldl, Michaela

Meine zauberhafte Dekowelt


ausgezeichnet

Natürlich kreativ - wunderbare Dekoideen

Ich möchte Michaela Waldl herzlich danken für dieses schöne Anleitungsbuch. Der Titel „Meine zauberhafte Dekowelt" passt ausgezeichnet.
Das Inhaltsverzeichnis weist daraufhin, was einem im Buch erwartet, gegliedert in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die selbst gefertigten vielfältigen Dekorationen, die alle vier Jahreszeiten bedienen, fanden meine einhellige Begeisterung. Besonders in der Weihnachtszeit verbreiten diese eine herrliche, behagliche Atmosphäre.
Gleich zu Beginn des Buches verweist die Autorin auf Basiswissen und auf die Wichtigkeit von gutem Werkzeug. Beides ist Voraussetzung für das Gelingen! Sie beantwortet viele wichtige Fragen und gibt wertvolle Ratschläge und Hinweise. Wertvolle Tipps (grün unterlegt) ergänzen den erklärenden Text.
Sehr viele Fotos dokumentieren die einzelnen Arbeitsschritte und das fertige Ergebnis. Schritt für Schritt erfolgen die Anleitungen.
Der Möglichkeiten scheinen keine Grenzen gesetzt. Verwendung finden alle mögliche Naturmaterialien aus Wald, Feld und Garten. Auch aus Altem lässt sich Schönes erschaffen. Upcycling- Ideen sind gefragt! Dazu lohnen sich Blicke in den eigenen Haushalt/Küche, in den Wollkorb, der Restekiste, dem Kleiderschrank, dem Flohmarkt...
Die zauberhafte Dekowelt ist natürlich kreativ. Hier wirkt nichts gekünstelt. Das Buch regte meine Phantasie besonders an. Ich fühlte mich direkt angesprochen. Schon beim Durchsehen kamen mir viele neue Ideen. Die Kreativität Michaelas ist sehr ansteckend.

Zusatzinformationen kann man durch das kostenlose Extra: Die APP “Kosmos Plus" erhalten.

Ich empfehle das Buch sehr gern weiter und vergebe fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 12.10.2025
Tsokos, Michael

Mit kalter Hand / Die Sabine Yao-Reihe Bd.3


sehr gut

Tiefe Einblicke in die Arbeit der Rechtsmedizin
Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, stellt hier den dritten Band um die Ermittlungen der Rechtsmedizinerin Dr. Sabine Yao vor.
Tsokos schreibt anschaulich. Das konnte ich schon bei seinen anderen Thrillern feststellen. Schnell war ich wieder in dem Geschehen drin. Außerdem ließen mich die kurzen Kapitel mit den Angaben zu Datum/Zeit/Ort schnell mit dem Lesen vorankommen. Das gefällt mir.
Der ständige Wechsel zwischen den einzelnen Fällen macht das Lesen abwechslungsreich und spannend.
Dr. Yao ist mir schon bekannt als sehr akribische, wissbegierige Rechtsmedizinerin, die den Fällen gewissenhaft auf den Grund geht. Das ist hier auch so, besonders bei dem Pferderipperfall. Für sie stellt die Tierpathologie etwas ganz Neues dar. Sabine Yao arbeitet gemeinsam mit anderen Experten für die Soko Ross, bringt ihr Wissen ein.
Es ist viel von anderen Untersuchungen und skurrilen Tötungsarten die Rede. Fälle, die in der Rechtsmedizin auch noch bearbeitet werden müssen. Wir erfahren, wie es im Sektionssaal so zugeht. Gerüche, Beschaffenheit von Haut, Organen, Knochen, Muskulatur, Verwesungsszustände usw.. Davon berichtet Michael Tsokos sehr intensiv und authentisch. Obduktionen werden genau beschrieben; Befunde mit allen Details ausgewertet. Vielleicht ist das für sensible Menschen nicht zu empfehlen.
Im letzten Leseabschnitt (ab S. 226) geht es recht zügig zur Auflösung der Fälle um den Pferderipper und dem Leichenzerstückler. Die Täter spielen keine Rolle mehr. Ich hätte gern mehr zu den Hintergründen der beiden Verbrecher erfahren. Sabine Yao hat ihre Arbeit exzellent zu Ende geführt. Es wurde der Erweis erbracht, dass die Rechtsmedizin in enger Zusammenarbeit mit der Polizei die Täter überführt. Die Untersuchungsmethoden wurden verständlich dargelegt. Unmögliches wird möglich. Das hat mich tief beeindruckt.

Mit kalter Hand wird als Rechtsmedizin-Thriller bzw. als True-Crime-Thriller bezeichnet, aber gerade der Thrill fehlte mir in diesem Band.

Meine Bewertung: vier von fünf Sternen. Ich fühlte mich gut unterhalten und gebe deswegen gern meine Leseempfehlung.

Bewertung vom 25.08.2025
Engler, Leon

Botanik des Wahnsinns


ausgezeichnet

Zuerst ist mir das verrückt schöne Cover aufgefallen. Da sind weder bestimmte Blumen noch bekannte Vögel abgebildet! Nach der Lektüre des Buches fiel mir auf, wie natürlich und unverkrampft der Titel und die Illustration bei dem Thema zusammenpassen.

Autor Leon Engler verarbeitet mit Botanik des Wahnsinns seine eigene familiäre Geschichte, ein Stammbaum des Wahnsinns. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. (Auszug aus dem Klappentext)

In 46 kurzen Kapiteln gelingt es ihm sehr eindrucksvoll episodische Einblicke in diese emotional komplizierte Familiengeschichte zu geben. Der Roman beginnt ungewollt komisch mit der Verwechslung des Hausrats der Mutter bei der Zwangsräumung ihrer Wohnung. Alles von Wert und damit auch die Erinnerungen landen in der Müllverbrennungsanlage. Es verbleiben die wert- und belanglosen Überreste.
Fragmentarisch springt er zwischen den Generationen seiner Familie hin und her. In die Biografie seiner Mutter gibt er tiefere episodenhafte Einblicke. Auch mit dem Vater setzt er sich intensiver auseinander. Dabei gefällt mir, wie der Ich-Erzähler es versteht, nicht zu urteilen oder zu verurteilen. Die Authentizität berührt mich. Es wird berichtet mit einer Wahrhaftigkeit, mit einer Klarheit, mit wunderbarer Echtheit, die mich tief beeindruckt. Seine Gedanken, die er ohne Anklage gegen irgendwen niederschreibt, sind wohlformuliert, mit Zitaten durchsetzt und durch seine Arbeit als Psychologe sehr professionell. Es gibt höchstens mal klitzekleine Anklänge von Wut, die hervorblitzen, aber wer will ihm das bei solch einer Häufung von psychischen Erkrankungen in einer, nämlich seiner Familie verdenken!? Ganz stark auch, wie er das mitteilt, wie heute in der Psychiatrie die Menschen gegenüber früheren Zeiten behandelt werden. Jede Person in der Klinik ist ein Individuum, nicht die Diagnose.
"Die Psychiatrie ist alles mögliche, aber kein Ort für einfache Antworten... Die Psychiatrie ist kein Ort für gesellschaftliche Fragen.“ S. 96

Leon Engler hat mir mit dieser Erzählung den Wahnsinn relativiert. Was und wer ist schon normal?

Ich vergebe meine Lese- und Kaufempfehlung mit der Höchstbewertung!

Bewertung vom 15.08.2025
Hausmann, Romy

Himmelerdenblau


sehr gut

Die vermisste Tochter und der demente Vater
Die Begeisterung, die Romy Hausmanns Thrillerdebüt „Liebes Kind" bei mir auslöste, vermochte „Himmelerdenblau" nicht zu erreichen. Was mir am meisten fehlte, war leider die kontinuierliche Spannung. Den teilweise überbordenden Hype um dieses neue Buch teile ich nicht.

Bis ich mich in diese Geschichte so richtig einfinden konnte, dauerte es ziemlich lang. Es gab viele Hemmnisse, zu viele Nebenschauplätze, die sich am Ende für mein Verständnis als überflüssig erwiesen. Auch die Podcast-Szenen fand ich entbehrlich.

Aus wechselnden Perspektiven erfahren wir, wie erneut zu der vor 20 Jahren spurlos verschwundenen Julie intensive Nachforschungen betrieben werden. Die junge Podcasterin Liv Keller nimmt den Fall wieder auf und gewinnt Julies Vater Theo für das Vorhaben, bevor er durch die fortschreitende Demenz sein Gedächtnis vollends verliert. Die jüngere Tochter Sophia zeigt wenig Begeisterung für das Vorhaben

Der Fokus liegt mehr auf dem Verschwinden des Vaters in seiner Demenz als auf dem Vermisstenfall der Tochter, der oft im Hintergrund verschwindet und zu verblassen droht. Die eindringliche Schilderung des Verlaufs der Krankheit berührt und macht betroffen. Die Erkrankung führt die Autorin sehr eindrucksvoll aus. Sie bringt das Vergessen, die langsame Auflösung der Persönlichkeit, die schrägen bzw. falschen Wörter, die Wortfindungsstörungen, kurz die allgemeine Hilflosigkeit sehr gut in dem kleingeschriebenen Text sowie in den Aktionen zum Ausdruck.

Ich nenne diesen Roman nicht Thriller, sondern eine tragische Geschichte, die viele Menschen ins Unglück stürzt. Falsche Entscheidungen ziehen ungeahnte Konsequenzen nach sich und beeinflussen mehrere Leben negativ. Die meisten der Protagonisten blieben mir fremd, da sie auch sehr unschöne Charaktereigenschaften offenbarten. Für Julies Exfreund Daniel allerdings empfand ich Mitgefühl.
Im gesamten Kontext betrachtet und beim nochmaligen Lesen einiger Sachverhalte, bspw. die Rolle Laras, schätze ich ein, dass das Buch gut durchdacht und nachvollziehbar erzählt wurde. Indes gab es für mich einige Längen und es hätte auf einiges verzichtet werden können.

Das verschwommene blaue Cover und der romantische Titel sind gut gewählt und passen hervorragend zu der Geschichte.

Soweit meine Beurteilung! Trotz der Kritikpunkte gebe ich meine Lese- und Kaufempfehlung. Ich ziehe einen Stern ab und bewerte mit vier von fünf Punkten.

Bewertung vom 08.07.2025
Berkel, Christian

Sputnik


sehr gut

Vom Embryo zum Schauspielstar
In seinem ersten Buch „Der Apfelbaum“ beschreibt Christian Berkel in eindrucksvoller Weise ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte anhand der ungewöhnlichen Liebe seiner Eltern Sala und Otto in der Zeit der Nationalsozialisten. Diese aufregende, oft quälende und bittere Story der beiden aus sehr unterschiedlichen Schichten stammenden Menschen bildete den Kern des Buches. In „Ada“ wird aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur eine wesentlich dichtere autofiktionale Geschichte abgebildet. Das geschieht über einen Zeitraum von fast 50 Jahren. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf den 50er und 60er Jahren, die 70er und 80er sind ausgeblendet. Aus dem Bruder Peter des Autors in der Realität wurde in der Fiktion die Schwester Ada, die 1945 nach einer schwierigen Geburt in Leipzig das Licht der Welt erblickt.
Auch der dritte Roman Christian Berkels ist autofiktional. Die Erzählung erfolgt aus der Ich-Perspektive und ist in drei Teile gegliedert.
Mit Sputnik verfasste Berkel weitgehend seine eigene Lebensgeschichte, sein Werden, Wachsen und Fortkommen. Es ist für mich sehr beeindruckend, wie er das literarisch beginnt. Er fängt nämlich an mit der vorgeburtlichen Erinnerung. Sehr außergewöhnlich und lesenswert! Das muss einem erst einmal einfallen! Später kommen wiederholt die Erinnerungen an Mutter und Vater hinzu, die der Autor in seinen vorherigen Büchern ausführlich beschrieben hatte – die nicht alltägliche, schmerzvolle und komplizierte Geschichte der Eltern, die immer wieder thematisiert wird.
In sehr jungen Jahren darf Sputnik in Frankreich seine Erfahrungen sammeln, sowohl in sexueller Hinsicht als auch erste prägende Erkenntnisse für den schauspielerischen Beruf. Der Autor lässt uns teilhaben an seiner Entwicklung und zeigt dabei viele Facetten der Orientierungs- und Hilflosigkeit, Zerrissenheit und Selbstzweifel. Die Liebe zum Theater und der Literatur weisen ihm den Weg. Er kehrt zurück nach Deutschland.

Alles habe ich nicht verstanden bzw. kann es nicht einordnen. Was ist Wahrheit, was Fiktion? Im Gegensatz zum Apfelbaum und Ada, die ich mit fünf Sternen bewertete, ziehe ich hier einen Stern ab. Vier von fünf Sternen und meine Kauf- und Leseempfehlung!

Fazit:
Mich faszinierte erneut der gewandte, detaillierte, wohlformulierte Sprachstil des Autors.

Bewertung vom 19.05.2025
Koppelstätter, Lenz

Was am Ufer lauert / Ermittlungen am Gardasee Bd.2


sehr gut

Churchills Geheimnis, bleibt es eins?
Wie schon im ersten Teil findet die junge Gianna Pitti, die als Polizeireporterin bei der Zeitung Messagero di Riva arbeitet, im Wasser des Gardasees eine Leiche. Dieses Mal ist es eine Frau und wie sich bald herausstellt, war das ihre Informantin. Im Auftrag ihres Vaters sollte Gianna eine CD-Rom mit wichtigen Daten übernehmen. Leider findet sie nur die Hülle mit unvollständigem Hinweis zu Churchills Geheimnis...

Das ist der spannende Ausgangspunkt und ich begann mit großer Erwartung zu lesen. Wie im ersten Teil wird das italienische Flair, die Urlaubsstimmung am Gardasee, die italienische Art zu leben, wunderbar eingefangen. Die eigentliche Geschichte mit dem grandiosen historischen Hintergrund unter Beteiligung großer Namen ist für meinen Lesegeschmack ein wenig zu ausufernd geraten. Viel Raum nehmen die Geschichte der Adelsfamilie Pitti-Sanbaldi und die Macken des Marchese Francesco (Bruder von Arnaldo und Onkel von Gianna) ein. Dazu gibt es noch einige Protagonisten im Arbeitsumfeld Giannas, ihre Chefin Elvira Sondrini, dann die Exfrau Arnaldos, Clara sowie deren jungen Lebensgefährten Patrick, ein Historiker... Aus wechselnden Perspektiven setzt sich die Handlung fort, erst gemächlich bis es immer brisanter wird. Am Ende gibt es eine Auflösung, aber nicht die erwartete. Churchills Geheimnis, bleibt es eins?

Interessante Beigaben:
Giannas sich ständig ändernde To-Do-Liste, ein Kreuzworträtsel und ein Plätzchenrezept, das eine wichtige Rolle spielt.

Fazit:
Ich wiederhole meine Einschätzung vom ersten Teil: Auch Was am Ufer lauert ist eine Werbung für die Urlaubsregion Gardasee, eine schöne Urlaubslektüre. Ich freue mich auf Teil 3 und auf die Lösung noch ungeklärter Fragen.

Bewertung vom 20.04.2025
Raabe, Marc

Die Nacht / Art Mayer-Serie Bd.3


ausgezeichnet

Danas Geschichte
Ich habe schon einige Thriller von Marc Raabe gelesen. Der Morgen war dabei, aber leider nicht der 2. Band Die Dämmerung der Art Mayer-Reihe. Das werde ich sehr bald nachholen. Es ist aber in meinen Augen nicht zwingend notwendig die beiden Bücher gelesen zu haben, bevor man den dritten Band beginnt. Sie sind auch für sich verständlich.

Nun, Die Nacht ist sehr dramatisch und handelt von Dana Karasch, der Mutter von Milla und Art Mayers Nachbarin. Sie ist seit 1 ½ Jahren spurlos verschwunden. Genauso wie ihr kleiner Bruder vor 15 Jahren. Der als barsch und unnahbar geltende Mayer interessiert sich als einziger für den Fall. Die kleine Milla hat sein Herz erobert. Er muss dem Mädchen und der inzwischen dementen Großmutter Christine Karasch unbedingt helfen und bittet einen einflussreichen Freund um Hilfe. Bald darauf erhält er einen Hinweis, der ihn zu einer verlassenen Wohnwagensiedlung mitten im Wald führt. Nele Tschaikowski und er finden neben Fotos von Jugendlichen einen bekannten Berliner Richter vom Oberlandesgericht ermordet vor. Sie fotografieren in großer Eile den Tatort, da sich ein Waldbrand in rasender Geschwindigkeit ausbreitet...

In 40 Kapiteln, dem Prolog und drei Teilen, die mit knappen, aber treffenden Überschriften betitelt sind: I. Die Lügner; II. Die Wahrheit; III. Die andere Wahrheit und mit wechselnden Perspektiven, folgte ich der spannenden Handlung.
In Rückblicken erfahren die Lesenden vom Leben Danas und sind damit mit ihrem Wissen gegenüber den Ermittlern im Vorteil. Sie erleben dabei das Geschehen recht anschaulich und sehr spannend in kleinen Häppchen, da sich die Schauplätze stets ändern, was dem Mädchen, bzw. später der jungen Frau, widerfährt. Von der Vergangenheit wechseln die Kapitel in die Gegenwart und umgekehrt.
Es beginnt als Dana noch ein Mädchen ist und in einer Wohnwagensiedlung mit dem kleinen Bruder, der Mutter und dem gewalttätigen Stiefvater lebt. Die Atmosphäre dort ist düster und unheimlich. Es gibt dubiose Charaktere. Marc Raabe versteht es erneut die Figuren lebensecht zu beschreiben. Beim Lesen überkam mich wiederholt ein beklemmendes Gefühl.
Zum Ende hin gibt es zumindest einen optimistischen Ausgang für die achtjährige Milla, die ich ins Herz geschlossen habe durch ihre erfrischende Art. Warum ist die Kleine schon so abgeklärt? Es bleiben noch einige Fragen offen für die nächste Folge. Ich hoffe zumindest, dass es Antworten geben wird!

Teil vier der Art Mayer-Reihe Im Morgengrauen erscheint im nächsten Frühjahr 2026, am 26. März 2026. Darauf freue ich mich sehr!

Ich vergebe die Höchstbewertung und meine unbedingte Lese- und Kaufempfehlung, vor allem für Thrillerfans.

Bewertung vom 07.04.2025
Fuchs, Katharina

Vor hundert Sommern


sehr gut

100 Jahre Familiengeschichte (1924 bis 2024)
Wäre diese traumatische Geschichte von vor hundert Jahren ans Tageslicht gekommen, wenn Elisabeth in ihrem Zuhause hätte bleiben können bis zu ihrem Tod? Ich glaube nicht. Doch die 94jährige kann sich nicht mehr allein versorgen und wechselt in ein Pflegeheim. Tochter Anja und Enkelin Lena kümmern sich um die Wohnung und den Nachlass. Dabei fallen der jungen Kunststudentin verschiedene Dinge in die Hände, die Fragen aufwerfen und nach Klärung verlangen. Sie forscht bei der Großmutter nach der Vergangenheit und nach dem aufschlussreichen Leben ihrer Tante Clara, Lenas Urgroßtante...

Für mich war es die zweite erfreuliche Begegnung mit einer Geschichte von Katharina Fuchs.
Ihr Schreibstil und die Darstellung ihrer Charaktere in dem jeweiligen Kontext, ob nun in der Gegenwart oder vor über 100 Jahren (hier 1924), sagen mir sehr zu. Der Roman springt in den Zeitebenen zwischen Lena, Anja, und Clara hin und her und die Kapitel sind zusätzlich überschrieben mit Ort, Monat und Jahreszahl. So konnte ich mich leicht in den Zeiten zurechtfinden. Die Handlungsorte sind Berlin und Hamburg. Die einprägsamen Schilderungen verschafften mir recht schnell lebendige Szenen und Bilder. Vor allem entsteht eine besondere Atmosphäre, wenn man eintauchen darf in die Erlebniswelt von Clara. Da hätte ich gern mehr davon erfahren.
Mir gefällt es, dass in beiden Zeitebenen geschichtliche, politische Ereignisse ins Geschehen mit einfließen. 1924 ist es u.a. die Währungsreform, die den Menschen neue Hoffnung bringt und den Grundstein legt für eine finanzielle Stabilisierung. Diskriminierende Ungerechtigkeiten bei der der Bezahlung von Frauen und Männern in der Flaschenreinigung der Berliner Kindl-Brauerei kommen zur Sprache (1 Pfennig für 20 gespülte Flaschen durch Frauen gegen 1Pf. für 12 gespülte Flaschen durch Männer). Solche Diskrepanzen werden mit fadenscheinigen Begründungen abgetan. In der Gegenwart sind es Demonstrationen und das Wiedererstarken des Antisemitismus, eine sehr beunruhigende Entwicklung, die Parallelen zur Geschichte aufweist. Die Autorin greift viele Themen auf, die Doppelbelastung der Frau in Familie und Beruf, Mobbing, politische Stimmung an Unis, veganes Leben...

Das Buch hat mich gut unterhalten. Es zeigte mir aber auch eindringlich die Entwicklung der Emanzipation der Frauen. Da gibt es heute noch viel zu tun!
Zum Ende hin wird ein wenig hastig das tragische Familiengeheimnis abgehandelt. Da hätte es noch die eine oder andere Erklärung bedurft. Die NS-Zeit war eine unfassbar schlimme Zeit und was mit den Juden geschehen ist, darf sich niemals wiederholen! Der jetzigen gesellschaftlichen Entwicklung mit ihren Auswüchsen muss dringendst entgegengewirkt werden.

Fazit:
Das Buch umfasst mehrere Generationen und wird lebendig und einfühlsam erzählt. Die Grundlage für den Teil von vor hundert Jahren bildet die Großtante Clara von Katharina Fuchs. Das erfährt man im aufschlussreichen, erklärenden Nachwort.

Meine Empfehlung für die Lektüre, die sich mit der Historie und der Zeitgeschichte befasst. Ich bewerte mit vier von fünf Sternen.