Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Nine


Bewertungen

Insgesamt 7 Bewertungen
Bewertung vom 18.06.2018
Miss Gladys und ihr Astronaut
Barnett, David M.

Miss Gladys und ihr Astronaut


ausgezeichnet

Ach, was hab ich mich auf dieses Buch gefreut. Und natürlich bin ich mit einer gewissen Erwartungshaltung ans Lesen gegangen. Ja, also erwartet habe ich eine witzige, nette Geschichte über einen netten Astronauten, der einer schusseligen alten Dame den Alltag versüßt.
Bekommen habe ich einen unfassbar grummeligen Astronauten, der seinen Job nur angetreten hat, um die Erde und die ihn permanent nervenden Menschen hinter sich zu lassen und eine demente Miss Gladys, die von ihren zwei Enkelkindern Ellie und James betreut wird, obwohl die beiden selbst noch Kinder sind.
Um das gleich mal klar zu stellen, es ist großartig! Ich hatte mit lockerem, leichten Humor gerechnet, doch das Buch trieft geradezu vor Sarkasmus und Ironie ohne dabei allzu Boshaft zu werden. Ganz im Gegenteil. Es ist ein realistischer Humor, der das Leben und seine Tücken beschreibt und den Leser mitzureißen weiß. Der Autor versteht es, dem Leser einen Spiegel vorzuhalten, lehrt eine wichtige Lektion über Freundschaft und darüber, nie aufzugeben, auch wenn die Situation noch so ausweglos erscheint oder das Leben scheinbar nichts mehr zu bieten hat. Wenn man nur durchhält und sein Bestes gibt, kann man es schaffen, alles wieder ins Reine zu bringen.
Ihr merk, ich drücke mich vielleicht gerade etwas kryptisch aus, doch ich bemühe mich, nicht zu spoilern, weil die Geschichte so lesenswert ist, das ich nichts vorweg nehmen möchte.
Das Buch ist liebenswert, witzig und vor allem geht es sehr ans Herz. Ich bin eigentlich nicht sehr nah am Wasser gebaut, mußte aber bei den letzten Seiten fast weinen vor Rührung und Ergriffenheit.
Fazit:
Eine toll geschriebene Geschichte, die sowohl Witz als auch Drama enthält und trotz Moral nicht allzu moralisch daher kommt.

Bewertung vom 08.06.2018
10 Tage in Vancouver
Getzler, Jutie

10 Tage in Vancouver


gut

Der Inhalt
Lara ist unsterblich verliebt in Patrick und wünscht sich nichts sehnlicher, als mit ihm zusammen zu sein. Das Problem an der Sache: Er ist ein Serienschauspieler der Serie „Smart Town“ und lebt im fernen Kanada, Lara hingegen in Düsseldorf. Doch das hält einen eingefleischten Fan, der an die große Liebe glaubt, nicht davon ab, auf das große Glück zu hoffen. Und so beschließt sie kurzerhand, einen 10-tägigen Urlaub in Vancouver zu verbringen, die Stadt, in der „Smart Town“ gedreht wird. Dort angekommen macht sie sich auf die Suche nach ihrem Schwarm und man erlebt in 3 verschiedenen Kurzgeschichten, wie ihr Weg verläuft.

Meine Meinung:
Romantik und klassische Liebesgeschichten sind eigentlich gar nicht mein Genre. Meistens mache ich einen großen Bogen um solche Bücher. Aber in diesem Fall fand ich die Idee der Autorin, einen interaktiven Roman zu schaffen, bei dem der Leser mitentscheidet, wie die Geschichte verläuft, sehr spannend und ich war neugierig, wie diese Idee umgesetzt wurde.
Und das sieht wie folgt aus. Es gibt zu Beginn des Buches ein Einleitungskapitel um Laras Entschluß, die Reise nach Vancouver zu wagen. Dort angekommen folgt der Entscheidungspunkt, an dem der Leser zwischen 3 Varianten wählen kann und entsprechend setzt sich die Geschichte fort.
Leider ist das auch schon die einzige Stelle, an der man mitentscheiden darf. Ich hatte zugegebener Maßen auf mehrere solcher Stellen gehofft.
So kann man nun 3 Kurzgeschichtenvarianten von Laras Reise lesen. Die Idee finde ich wirklich nett, aber wie gesagt hätte ich mir mehr Entscheidungsfreiheit gewünscht.
Zum Schreibstil:
Es ist mal wieder die von mir so ungeliebte Ich-Perspektive in der Gegenwartsform. Doch Jutie hat einen sehr angenehmen, bildreichen Stil, der mich schnell darüber hinwegsehen läßt. Sie beschreibt das Geschehen sehr ausführlich mit Auge fürs Detail und sorgt dadurch für einen angenehmen Lesefluss.
Zur Story muß ich ganz ehrlich sagen, dass sie nicht mein Fall ist. Es ist und bleibt eben eine Romanze und mir fehlt persönlich etwas die Action. Hinzu kommt, daß das ganze Buch vermutlich auf einer Fanfiction basiert, denn die im Buch thematisierte Serie und die darin vorkommenden Figuren sind eindeutig von „Smallville“ entliehen. Die Nennung der echten Namen hätte vermutlich zu rechtlichen Schwierigkeiten geführt. Ich bin leider keine große Freundin von Fanfictions, zumal die Handlung selbst sich kaum über die Grenzen einer typischen Romance-Fanfiction hinaus bewegt. Es erinnert mich an Teenagerfantasien, die wohl jedes Mädchen in einem gewissen Alter gehabt hat. Für mich reicht das noch nicht für ein eigenständiges Buch aus.
Die Figur der Lara ist zudem fast schmerzlich naiv in ihrer Vorgehensweise und wirkt deutlich jünger, als Ende 20. Nahezu weltfremd. Hinzu kommt, dass sie sich in Widersprüche verstrickt. So sagt sie zu Beginn der 2. Kurzgeschichte, dass ihr die Abgeschiedenheit des Dorfes, in dem ihre Pension ist, zuwider ist. Wenige Seiten später, als Lou, der männliche Protagonist dieser Geschichte, von einem Leben auf dem Bauernhof schwärmt, ist sie jedoch Feuer und Flamme und behauptet, sie hätte sich ihr Leben lang nichts sehnlicher gewünscht. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses sprunghafte nach dem Mund Gerede gewollt ist, oder ob die Autorin etwas inkonsequent mit ihren Charakteren umgeht.
Jutie, nimm das bitte nicht persönlich. Ich finde dich super sympathisch und ich bereue keine Sekunde, das Buch gekauft zu haben. Aber es ist bekanntlich unmöglich jedermanns Geschmack zu treffen.
Fazit:
Fans von leichten, seichten romantischen Liebesgeschichten werden an diesem Buch sehr viel Freude haben. Mich hat es leider nicht zu diesem Genre bekehren können und ich werde die 3 Folgebände leider nicht lesen.

Bewertung vom 07.06.2018
Gwendys Wunschkasten
King, Stephen; Chizmar, Richard

Gwendys Wunschkasten


ausgezeichnet

Achtung Spoiler
Gwendy ist ein ganz gewöhnliches zwölfjähriges Mädchen aus Castle Rock. Sie ist etwas pummelig und um den Pfunden an den Kragen zu gehen, erklimmt sie diesen Sommer jeden Tag die sogenannte Selbstmordtreppe hinauf zum Castle View. Ihr Leben ändert sich schlagartig, an dem Tag, als sie oben am Castle View einem mysteriösen, ganz in schwarz gekleideten Fremden begegnet, der erstaunlich gut über Gwendy Bescheid weiß. Er schenkt ihr einen seltsamen Kasten mit Hebeln und Tasten. Bedient sie die Hebel, erhält sie Schokolade und Münzen als Belohnung, doch die Tasten darf sie niemals drücken! Vor allem nicht die Schwarze! So wird sie unfreiwillig zur Hüterin des Wunschkastens und ihr Leben nimmt eine einschneidende Wende.
Als ich das Buch vor Wochen zum ersten Mal in der Buchhandlung aus dem Regal zog und die Kurzbeschreibung gelesen hatte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ein Blick auf den Preis hat allerdings schnell für Ernüchterung gesorgt. Das Buch ist wunderhübsch aufgemacht mit Schmuckprägung und Hardcovereinband, aber es hat gerade einmal 128 Seiten und ist daher mit 10 € doch recht teuer. Also habe ich es schweren Herzens wieder zurückgestellt und gedanklich auf meine Geburtstagswunschliste gesetzt.
Dort ist es nicht geblieben, denn das Buch ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Als ich das nächste Mal in besagter Buchhandlung war, musste ich es einfach mitnehmen, denn (und Achtung, ab hier geht es mit der Spoilerei los!) ich bin ein großer Fan der Dunklen-Turm Saga von Stephen King und der Teufel hät mich holen sollen, wenn der erwähnte Mann in Schwarz nicht Walter aka Randall Flagg aus der Turm Saga gewesen wäre. Und ich wurde nicht enttäuscht! Das ganze Buch strotzt nur so vor Anspielungen auf den Dunklen Turm und andere bekannte Bücher aus dem King Universum. Beim Lesen ist mein kleines Fan-Girl-Herz vor Freude fast geplatzt. Hier ein paar Beispiele:
Die ersten Schokoladentiere, die Gwendy aus dem Wunschkasten bekommt sind Portalwächter des Dunklen Turms
In einer Szene sagt Gwendys Vater zu ihr: „Du wirst immer mein kleines Mädchen sein“ während im Fernsehen ein Lied von Marvin Gaye läuft. Eine Schlüsselszene aus dem Buch „Das Spiel“, allerdings in einem ganz anderen (und weniger gruseligem) Kontext, die mir trotz ihrer harmlosen Art einen Schauer über den Rücken jagt.
King Fans wissen, was es mit der Stadt Castle Rock auf sich hat, denn viele seiner Bücher spielen in dieser fiktiven Stadt, wie z.B. „Cujo“ oder „In einer kleinen Stadt“
Auch die Charaktere sind typisch Stephen King. Gwendy zum Beispiel ist die typische weibliche Hauptfigur, die im ersten Moment eher schwach und unscheinbar erscheint, sich im Laufe des Buches jedoch in eine starke, unabhängige Persönlichkeit entwickelt (siehe auch „Sleeping Beauties“, „Das Spiel“ uvm.). Der obligatorische „King-Bully“, der die Hauptperson terrorisiert darf natürlich auch nicht fehlen. Frankie Stone schikaniert Gwendy seit ihrer Teenagerzeit und weist dabei eine krankhafte Obsession auf, die in einer Katastrophe endet. Ein enfant terrible, wie zum Beispiel Norman aus „Das Bild“ oder oder Henry Bowers aus „Es“.
Ich kann zwar nachvollziehen, daß viele Leser monieren, die Story sei zu kurz und hätte länger sein können. Ich empfinde das aber nicht so und bin ganz froh, daß das Buch nicht unnötig aufgeblasen wurde. Dadurch büßt es auf keinen Fall seinen Charme ein und wer behauptet, das Buch wäre eines der schlechteren von King, der liest ihn nicht mit Leidenschaft und dem für dieses doch sehr spezielle Buch nötigen Hintergrundwissen. Ich habe es geliebt und ich empfehle es jedem, der die Turm-Saga mag und sich gerne mit King-Rätseln und Anspielungen auseinander setzt. Für jemanden, der noch nie etwas von Stephen King gelesen hat, könnte das Buch tatsächlich etwas zu flach sein und zu… wie soll ich sagen… zu seltsam daher kommen, da viele Andeutungen im Sande verlaufen würden. Mit anderen Worten: nicht einsteigerfreundlich, aber für Fortgeschrittene Pflicht

Bewertung vom 15.05.2018
Mausmeer
Bach, Tamara

Mausmeer


sehr gut

Der Inhalt
Ben wird 18 Jahre alt und hat eine Sinnkrise. Was soll er mit seinem Leben anfangen? Was bringt ihm die Schule eigentlich noch? Und wem kann er sich anvertrauen? Am Tage seines Geburtstages meldet er sich von der Schule ab, ohne mit seinen Eltern darüber zu reden. Während seiner Geburtstagsfeier beschließt Ben, mit seiner älteren Schwester Annika zum Haus seines verstorbenen Opas zu fahren. Nur einmal noch die schönen Tage der Kindheit aufleben lassen und die Alltagssorgen hinter sich lassen.

Uff, dieses Buch ist mir auf den ersten Seiten wahnsinnig schwer gefallen, denn der Schreibstil ist… wie soll ich sagen… „anders“? Ungewöhnlich, sehr gewöhnungsbedürftig. Das trifft es wohl ganz gut. Die Autorin schreibt abwechselnd aus der Sicht der beiden Geschwister Benedikt und Annika. Sie verwendet die von mir so ungeliebte Ich-Perspektive gepaart mit Präsens als Zeitform. *schauder* Mag ich nicht, werde ich auch nie mögen, aber ich gebe jedem Buch gerne eine Chance.
Das Buch beginnt mit Annikas Sicht auf die Geburtstagsfeier ihres jüngeren Bruders Ben, der vor einigen Tagen 18 Jahre alt geworden ist und sie darf auf der Feier die Anstandsdame spielen, da die Eltern der beiden in den Urlaub fahren. Bietet sich an, denn das Buch spielt kurz vor Ostern rechtzeitig zu den Osterferien.
Allerdings ist der Schreibstil sehr abgehackt und holprig, ja fast eher wie eine Checkliste oder ein Notizbuch. Annikas Gedanken rasen nur so dahin und manchmal fällt es mir schwer, ihr zu folgen.
Die junge Frau hat verständlicher Weise keine große Lust, auf ihren Bruder und dessen Freunde aufzupassen, da sie eine wichtige Arbeit für Ihr Studium zu erledigen und somit aus ihrer Sicht etwas Besseres zu tun hat. Doch Ben gelingt es, seine Schwester ins Auto der Eltern zu verfrachten (Alkohol und „Gras“ sei Dank), um mit ihr zum Haus am See zu fahren, dass ihrem Opa gehört hat. Das Haus am Mausmeer. So nennen sie den kleinen See.
Als die Perspektive zu Ben wechselt, ändert sich der Schreibstil plötzlich zu einer strukturierteren, ausführlicheren und weniger hektischen Darstellung.
Das ist der Moment, wo es bei mir Klick gemacht hat und ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, denn nun wurde mir klar, dass diese gehetzte Schreibweise Annikas unsteten und nur auf sich und ihr Studium gerichteten Charakter unterstreichen soll.
Ben hingegen reflektiert sich und seine Umgebung, wirkt nachdenklich, gemäßigter und nimmt sich mehr Zeit für die kleinen Dinge.
Ab da zieht mich das Buch in seinen Bann und offenbart eine traurig-tragische Geschichte um einen jungen Mann, der zwar mitten im Leben steht, aber dennoch völlig verloren ist. Verzweifelt versucht Ben, mit Annika ins Gespräch zu kommen, sie für ein paar ruhige Tage zu begeistern, ihr von seinen Sorgen zu erzählen, doch Annika blockt ab, wo sie nur kann.
Es schmerzt, mit an zu sehen, wie die beiden an einander vorbei reden und leben und man bangt mit Ben, daß ihm endlich eine Aussprache gelingt; das ihm gelingt, die Distanz zu seiner Schwester zu überbrücken. Auch mit den Eltern scheint es nicht zum Besten zu stehen. Gerade der Vater entpuppt sich als voreingenommen und denkt von seinem Sohn immer nur das schlechteste. Ich fühle mich unangenehm an meine eigene Familie erinnert, in der es ebenfalls eine Person gibt, die immer eine vorgefertigte Meinung zu mir hat, egal worum es geht. So geht es auch Ben, der die besten Noten mit nach Hause bringen könnte und sein Vater würde wohl dennoch behaupten, er hätte nicht genug dafür gelernt oder gar abgeschrieben.
Dies ist ein Buch, wie wir es wohl in der Schule gelesen hätten. Klassischer Stoff für eine Interpretation und Analyse der Charaktere. Ich bin sehr froh, durchgehalten zu haben und mich nicht von der seltsamen Erzählweise hab abschrecken lassen, denn „Mausmeer“ ist ein kleines Juwel. Gesellschaftskritisch, mitreißend und gefühlvoll, wenn man sich die Zeit nimmt, zwischen den Zeilen zu lesen, darüber nachzudenke

Bewertung vom 03.05.2018
Gefährliche Liebe / Die Tribute von Panem Bd.2
Collins, Suzanne

Gefährliche Liebe / Die Tribute von Panem Bd.2


gut

Meine Erwartungen an dieses Buch waren sehr groß, da die Buchreihe immer wieder in den höchsten Tönen gelobt wurde. Ich muß dazu sagen, dass ich weder die Filme kenne, noch den Vorgängerband gelesen habe. Klingt ungewöhnlich, aber ich habe dieses Buch bei einem Gewinnspiel gewonnen und dachte mir: „Nagut, wenn es mich überzeugt, kann ich mir den ersten Band immer noch kaufen.“
Die erste Herausforderung war also, ob ich überhaupt verstehe, worum es geht, ohne Vorkenntnisse zu haben. Und ja, das funktioniert wunderbar. Ich habe mir zwar die eine oder andere Frage während des Lesens gestellt, doch die Autorin kommt oft genug auf die vorangegangenen Ereignisse zurück, sodass ich dem Geschehen gut folgen kann.
Dennoch: Ich hatte das Buch gerade erst begonnen, als ich schon dachte: „Ach herrje….“ Das Buch ist in Ich-Form aus Katniss‘ Sicht geschrieben und noch dazu hat sich die Autorin für Präsens als Zeitform entschieden. Gleich zwei Stilmittel, die ich persönlich nicht sehr schätze und die sich für mich anfühlen, als würde man eine Katze rückwärts streicheln.
Versteht mich nicht falsch, es gibt tolle Bücher in der Ich-Perspektive! Aber man muss diesen Stil auch beherrschen! Und das ist hier leider nicht der Fall, denn die Erzählerin geht so gut wie gar nicht auf die Mimik und Gestik ihrer Mitmenschen ein, was mir einen Zugang zu den Nebencharakteren sehr erschwert, aber dazu später mehr.
Die Zeitform bringt mich das ganze Buch über ins Holpern und ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich automatisch in Präteritum umdenke.
Leider sind das nicht die einzigen Schwächen des Buches. Ich liebe Bücher mit bildreicher Sprache, die anschaulich beschreiben, bei mir Bilder im Kopf erzeugen und die mich emotional abholen, doch auch das funktioniert hier nur bedingt. Die Autorin legt tatsächlich viel Wert auf ausführliche Beschreibungen, jedoch nur, wenn es darum geht, Kleider zu beschreiben, wie die Frisuren dazu gestaltet sind und was für exotische Speisen es in Hülle und Fülle bei Festen gibt. Das ist nett, aber bringt mich den Charakteren nicht näher, denn die bleiben auf der Strecke. Es mangelt an tieferen und vor allem glaubwürdigen Gefühlsregungen und Gesprächen, sowie an Gedankengängen. Oftmals wird durch die Geschichte gehastet ohne näher auf das Geschehen einzugehen, was mir das Eintauchen in die an und für sich sehr interessante und ungewöhnliche Welt fast unmöglich macht. Hier wird so viel Potential verschenkt, das es schon fast weh tut.
Die Geschichte würde mich um einiges mehr packen, wenn die Autorin sich für vieles mehr Zeit gelassen hätte. So hetzt sie durch die Geschehnisse und hängt mich dabei immer wieder ab. Die Figuren, deren Gefühlsregungen fast nicht vorhanden sind, insbesondere bei den Nebencharakteren die oftmals einfach „nur da sind“, bleiben blass und gesichtslos. Ich stelle keine emotionale Bindung zu ihnen her und ihr Schicksal ist mir leider weitestgehend egal, da sich bei mir das Gefühl des Mitfieberns nicht richtig einstellen will. So bleibt es leider bei einer unpersönlichen Distanz.
Spannung kommt bedauerlicher Weise erst auf den letzten 100 Seiten auf, als alle wieder in die Arena müssen. Hier kann ich doch noch ein bisschen mitfiebern, denn die Bedrohungen der Arena wirken beklemmend und unberechenbar, sodass die Geschichte endlich rasant an Fahrt aufnimmt und bei mir letztlich doch noch etwas Interesse weckt. Doch leider ist sie an dieser Stelle auch schon vorbei. Und lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück.

Fazit:
Hätte die Autorin genau so viel Wert auf Emotionen und Gedanken gelegt, wie auf das ewig lange Geschwafel über Kleider, Essen und Frisuren, wäre es ein großartiges Buch in einer spannenden, bizarren Welt. Aber leider kratzt der Stoff mühsam an der Oberfläche ohne sein Potential zu entfalten. Der spannende Schluss hat zwar mein Interesse entfacht und ich wüsste gerne, wie es weiter geht, aber um das zu erfahren werde ich wohl die Filme schauen und auf die Bücher verzichten.

Bewertung vom 28.04.2018
Sleeping Beauties
King, Stephen; King, Owen

Sleeping Beauties


sehr gut

Als eine mysteriöse Seuche ausbricht, denkt man in der Kleinstadt Dooling noch, dass die Geschehnisse viel zu weit weg stattfinden, um selbst davon betroffen zu sein. Die seltsame Krankheit, die nach dem Disney Prinzessinnen Namen Aurora für Dornröschen benannt wurde, ereilt auch die kleine Stadt in den Appalachen. Sie befällt nur die Frauen. Schlafen diese ein, webt sich ein seltsamer Kokon um die Frauen und Mädchen und sie wachen nicht mehr auf. Doch sind sie nicht tot, sondern schlafen tief und fest. Versucht man(n) das Gewebe zu entfernen, passiert Furchtbares. Die Frauen werden zu tobenden Bestien und fallen erst dann wieder in ihren mysteriösen Schlaf, nachdem sie dem Störenfried den Gar ausgemacht haben. Woher kommt die seltsame Krankheit und was hat die rätselhafte Frau Evie Black mit der Sache zu tun, die plötzlich aus dem Nichts auftauchte und als einzige nach dem Schlafen wieder erwacht? Ist sie des Rätsels Lösung?
Meine Meinung
Bei fast 1000 Seiten musste ich erstmal schlucken und dachte:“ Na… dann bin ich ja jetzt die nächsten 2 Monate gut beschäftig.“ Weit gefehlt, ich hatte das Buch nach ca. 4 Wochen durch. Das sagt schon mal was aus. Nämlich folgendes: Das Buch ist so flüssig und gut geschrieben, das ich es problemlos einfach so weg lesen konnte. Ich kann ehrlich auch nicht sagen, welche Parts mehr von Stephen und welche von Owen beeinflusst waren. Es fühlt sich für mich an, wie aus einem Guss und man erkennt mehrfach typische Stephen King Elemente, wie z.B. starke weibliche Charaktere, die den Männern noch was vor machen und auch Frauen, die weit über sich hinaus wachsen. Der gute Mister King ist ein ausgemachter Feminist und das lässt er seine Leser gerne spüren.
Die Handlung springt zwischen den einzelnen Charakteren hin und her und beleuchtet somit sämtliche Schauplätze im kleinen Dooling. Hier komme ich allerdings auch zu einem negativen Aspekt. Die schiere Masse der Charaktere!
In dem Buch tauchen so unfassbar viele Figuren auf, dass ich oftmals gar nicht mehr wusste, wer eigentlich wer ist. Gerade die Nebencharaktere haben wenig Tiefgang, sodass ich sie ständig verwechselt habe oder schlichtweg nicht mehr wusste, dass sie schon einmal erwähnt wurden. Hilfreich ist da ein detailliertes Personenverzeichnis am Anfang des Buches, das deutlich macht, wer mit wem in Verbindung steht usw. Die Autoren haben wohl selbst erkannt, was sie ihren Lesern zumuten. Das ist zwar sehr nützlich, aber schöner wäre es gewesen, wenn das Verzeichnis gar nicht erst nötig wäre. So hätte man sich viel hin- und her blättern erspart, was dem Lesefluss zugute gekommen wäre. Dennoch hat mich das Buch gefesselt. Die Handlung an sich ist ruhig und für den einen oder anderen mag sie sich manchmal in Details verlieren oder etwas dahinplätschern, mir ging das jedoch nicht so. Ich fand es durchweg spannend und interessant, sodass ich nach jedem Kapitel wissen wollte, wie es weiter geht. Lediglich das Finale, der große Showdown, wie man so schön sagt, ließ etwas zu wünschen übrig. Ich hatte mit einem großen Knall gerechnet, zumal die letzten Kapitel mit einigen Splatterszenen aufwarten, die nichts für zu zarte Gemüter sind. Aber irgendwie blieb der ganz große Paukenschlag aus.
Wenn man mich nun fragen würde, in welches Genre dieses Buch gehört, wüsste ich im ersten Moment gar nicht recht, was ich antworten sollte. Die Autoren selbst reden von einem Fantasie Roman. Das empfinde ich persönlich eher nicht so. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Ich würde eher sagen, es ist ein modernes Märchen. Eine apokalyptische Version vom klassischen Dornröschen (ich sag nur „sprechende Tiere“ – mehr spoilern möchte ich nicht). Das mutet anfangs seltsam an, aber wer Erfahrung mit Stephen King hat, der wundert sich über gar nichts mehr
Ich bin froh, dass ich mich nicht von den Namenswirren und Charaktermassen habe abschrecken lassen, denn sonst wären mir viele Stunden Unterhaltung entgangen. Ich mag den Stil des Buches, ich mag die

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.04.2018
Spurensuche: Gluten
Schulenburg, Elke

Spurensuche: Gluten


sehr gut

Inhalt
Das Buch beginnt mit einem kurzen Exkurs über den Getreidesorten und seine Geschichte und der Begriffserläuterung Anti-Nährstoff. Nach dieser Einleitung wird Schritt für Schritt aufgezeigt, wo wir überall Gluten und Anti-Nährstoffe finden, welche Auswirkungen sie haben können und es werden Alternativen aufgezeigt, wie man den Verzehr eindämmen oder ganz vermeiden kann.

Meinung
Ich gebe zu, ich habe mir noch nie Gedanken über eine glutenfreie Ernährung gemacht, geschweige denn mich mit dem Thema in irgendeiner Form auseinander gesetzt. Umso gespannter war ich auf das Buch, denn grundsätzlich bin ich neugierig und immer bereit, dazu zu lernen. Insbesondere wenn es um das Thema Ernährung geht, da bei mir das Reizdarmsyndrom diagnostiziert wurde und ich dadurch gezwungen bin, ein Auge auf meine Ernährung zu haben.
Das Buch ist übersichtlich gestaltet und mit vielen liebevollen Zeichnungen und Bildern ausgestattet, was mir persönlich sehr gut gefällt. Das macht das Thema für mich greifbarer. Der Schreibstil kommt locker daher. Die Autorin erklärt Fachbegriffe in gut verständlichen Worten, sodass die einzelnen Kapitel sich schnell hintereinander weg lesen lassen. Die Autorin beschreibt kritisch unsere heutigen Essgewohnheiten und die Art und Weise, wie der Handel damit umgeht. Das kann einem schon zu denken geben und trifft bei mir einen Nerv, da ich selbst im Handel arbeite und mir durchaus klar ist, das sich vieles nur um Profit dreht. So kann der Aufdruck „Glutenfrei“ schon mal zu einem werbedienlichen, hippen Gütesiegel verkommen, ohne das es wirklich hält, was es verspricht. Es verkauft sich schließlich „wie geschnitten Brot“. (Entschuldigung, das Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen.)
Zudem gibt mir das Buch schon nach wenigen Seiten den Anstoß, über meine regelmäßigen Bauchschmerzen (wie gesagt, Reizdarm, auch auf das Thema wird im Buch eingegangen) nachzudenken und meine Ernährung zu überdenken. Ja, ich bin versucht, es tatsächlich mit einer Glutenreduktion zu versuchen.
Besonders gut gefällt mir, das Empfehlungen für den täglichen Einkauf gegeben werden und man bekommt eine umfangreiche Liste der Produkte an die Hand gegeben, die Gluten enthalten. Das macht eine Umstellung etwas leichter.
Manchmal bekomme ich jedoch beim Lesen den unterschwelligen Eindruck, einer Verschwörungstheorie auf der Spur zu sein, wenn die Autorin allzu mahnende Worte findet. Das kommt nicht oft vor, doch die paar Male ist es mir störend aufgefallen, aber das geht vielleicht nur mir so. Darüber soll sich jeder ein eigenes Urteil bilden.

Fazit
Das Buch hat mich zum Nachdenken und vielleicht auch zum Umdenken angeregt und hat somit seinen Zweck erfüllt. Wer einen leichten Einstieg in das Thema der glutenfreien Ernährung sucht, der ist mit diesem Buch gut beraten.