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Benutzername: Jakob Schör


Bewertungen

Insgesamt 10 Bewertungen
Bewertung vom 27.01.2020
Der Winter naht / Game of Thrones Bd.1
Martin, George R. R.

Der Winter naht / Game of Thrones Bd.1


ausgezeichnet

Lange habe ich GoT nur am Rande wahrgenommen, doch nach der Lektüre von Band 1 muss ich sagen, dass dem Autor hier etwas richtig Beeindruckendes gelungen ist! Ohne vom Inhalt allzu viel zu verraten nur so viel: Es handelt sich um eine Phantasiewelt, allerdings stehen Menschen im Vordergrund und vieles wirkt mittelalterlich. Die Handlung spielt auf zwei benachbarten Kontinenten und es geht vor allem um Macht und Herrschaft. Im Mittelpunkt befinden sich dabei Angehörige dreier Familien der absoluten Oberschicht: Stark, Lannister (in der deutschen Version Lennister) und Targaryen. Aber auch andere mit ihnen durch Verwandschaft, Bündnis oder Vasallenstatus verbundene Personen und Familien tauchen auf. Intrigen spielen eine Rolle, Bündnisse werden geschmiedet, Krieg wird geführt. Sowohl Gewalt als auch Sex sind nie Selbstzweck - es ist ein realistischer Blick (was das Allzumenschliche anbelangt) auf eine Szenerie mit Lords und Ladies, Rittern und Burgen, wo mit Schwert und Lanze, Morgenstern und Dolch gekämpft wird. Es gibt aber auch (am Ende des Buches auftauchend) Drachen sowie die Bedrohung durch schreckliche, untote Wesen (im Norden, jenseits eines großen Walls, der an den Hadrianswall, die chinesische Mauer oder an den Limes erinnert, aber aus Eis und Stein ist). Viele der Namen muten, wenn auch leicht verfremdet, so an, als spielte die Handlung im mittelalterlichen England: Eddard, Jon, Catelyn, Stark, Lannister, Greyjoy. Statt Sir heißt es Ser, statt Magister oder Master tragen die Weisen den Titel Maester. Ein faszinierendes Gemenge, wo alle menschlichen Schwächen aufgezeigt werden. Sehr gelungen die Praxis des Autors, jedes Kapitel nach derjenigen Figur zu benennen, die in diesem Abschnitt sozusagen die Hauptrolle spielt und aus deren Blickwinkel die Handlung geschildert wird. Spannend, fantasievoll, unterhaltsam - zu Recht ein Erfolg!

Bewertung vom 05.01.2020
Die Akte Vaterland / Kommissar Gereon Rath Bd.4 (eBook, ePUB)
Kutscher, Volker

Die Akte Vaterland / Kommissar Gereon Rath Bd.4 (eBook, ePUB)


sehr gut

Nachdem ich bereits "Der nasse Fisch" und "Lunapark" kannte, habe ich mit froher Erwartung auch " Die Akte Vaterland" in Angriff genommen und wurde nicht enttäuscht. Diese Kriminalgeschichte ist spannend, originell und geht ebenso wie die beiden anderen Gereon-Rath-Romane gekonnt auf die damalige Zeit ein - in der Tat ein historischer Krimi. Während "Lunapark", das 1934 spielt, die ganze Düsternis der Diktatur aufzeigt, ist 1932 alles noch in der Schwebe, auch wenn die Weimarer Republik bereits schwer angeschlagen ist. Dadurch fühlt man sich als Leser der "Akte Vaterland" irgendwie wohler als in "Lunapark", wo die ganze Verkommenheit der Diktatur aufgezeigt wird, es ist noch genug Normalität vorhanden. Die ganz tiefen menschlichen Abgründe (s. Fritze und Gräf in "Lunapark", die durch die Diktatur verdorben und zu schlechten Menschen werden) bleiben den Kriminellen vorbehalten. Noch ein bisschen mehr nach meinem Geschmack als die beiden anderen Werke. Für mich persönlich sehr interessant der Abstecher Gereon Raths nach Ostpreußen, der der Geschichte spürbar guttut. Als Sohn einer Berlinerin und Enkel eines Ostpreußen neige ich dann aber doch nicht zur Überschwänglichkeit und vergebe preußisch nüchtern wie bei den anderen beiden genannten Büchern vier Sterne. Der Schluß (nicht der Epilog, der ist wieder richtig gut gelungen) ist zu sehr konstruiert, das scheint eine generelle Schwäche Kutschers zu sein, die aber den positiven Gesamteindruck nicht zu stark beinträchtigt.

Bewertung vom 14.12.2019
Welfencode
Aderhold, Rolf

Welfencode


gut

Nach der Lektüre von "Welfengold" lag es nahe, "Welfencode" in Angriff zu nehmen. Auch hier ist für den an Geschichte Interessierten (ebenso wie Aderhold einst Student am Historischen Seminar der Uni Hannover), der in der nds. Landeshauptstadt ansässig ist, genug an Vertrautem zu finden gewesen. Ähnlich wie beim "Welfengold" eine spannende und kurzweilige Story, wenn auch manchmal etwas unwahrscheinlich, aber es handelt sich ja um Fiktion. Nicht herausragend, aber durchaus lohnend.

Bewertung vom 13.12.2019
Welfengold
Aderhold, Rolf

Welfengold


gut

Wer wie der Schreiber dieser Zeilen in der norddeutschen Tiefebene zu Hause ist und Geschichte studiert hat, wird natürlich schon durch den Titel "Welfengold" extrem neugierig. Der Autor Rolf Aderhold ist Historiker, geht aber teilweise mit den Realitäten des Jahres 1966 etwas lässig um. Zwei ehemals "russische" (?) Offiziere - bezogen auf die damalige Zeit sollte man eher von "sowjetischen" oder allenfalls "sowjetrussischen" schreiben - als kriminelle Freiberufler im damaligen Westdeutschland? Schwer vorstellbar, dass diese so auffällig als Osteuropäer erkennbaren Erscheinungen mitten im Kalten Krieg so leicht und unbehelligt wie heute im Westen hätten agieren können ... Die von Aderhold verwendete Formulierung "der glorreichen russischen Armee" müsste auf jeden Fall lauten "der glorreichen sowjetischen Armee" oder aber "der glorreichen Roten Armee". Wäre allerdings immer noch ziemlich klischeehaft und aufgesetzt ...
Und die Hauptfigur Jarre Behrend wirkt ebenso wie die der Ärztin, mit der er anbändelt, erstaunlich modern.
Ansonsten aber eine durchaus fesselnde Story, genau das richtige für eine etwas längere Zugfahrt. Oder für Fahrten mit den Öffentlichen im hannoverschen Stadtgebiet, der Heimat Aderholds und Jarre Behrends, die ja neben der Harzregion und dem Zonenrandgebiet auch eine Rolle spielt.

Bewertung vom 12.12.2019
Der nasse Fisch / Kommissar Gereon Rath Bd.1
Kutscher, Volker

Der nasse Fisch / Kommissar Gereon Rath Bd.1


sehr gut

Besser als die Verfilmung mit dem Titel "Babylon Berlin". Durch diese Serie erst auf das Buch aufmerksam geworden, stellte ich zum wiederholten Male fest (und bin da nicht der einzige), dass literarische Vorlagen im Zweifelsfall Verfilmungen vorzuziehen sind. Wesentlich glaubwürdiger, nicht so überzogen wie die Serie - Gereon Rath ist kein traumatisierter Weltkriegsveteran, der Drogen nehmen muss, um sein Kriegstrauma zu bewältigen, Charlotte Ritter stammt nicht aus dem Hinterhof-Miljöh und prostituiert sich auch nicht. Wundere mich, dass der Autor Volker Kutscher dies den Drehbuchschreibern hat durchgehen lassen ... Originelle Story, die Lust auf weitere Bände mit Rath und Charlie macht.

Bewertung vom 12.12.2019
Der Fluch des Skipetaren / Karl Mays Magischer Orient Bd.2
Röder, Alexander

Der Fluch des Skipetaren / Karl Mays Magischer Orient Bd.2


gut

Ganz nett. Wegen der interessanten, teilweise amüsanten Figur der Qendressa kann man die Story lesen. Besser als die beiden weiteren Bände aus der Reihe ("Der Sturz des Verschwörers", "Die Berge der Rache").

Bewertung vom 12.12.2019
Die Berge der Rache / Karl Mays Magischer Orient Bd.4
Röder, Alexander

Die Berge der Rache / Karl Mays Magischer Orient Bd.4


weniger gut

Der Versuch, Karl May mit moderner Fantasy zu kombinieren, ist dem Autor eher misslungen. Weitestgehend unbefriedigendes Ende - wenn man einmal davon absieht, dass die Figur der Qendressa noch eine Chance erhält. Zu selten spannend, zu langatmig, nicht schlüssig.

Bewertung vom 12.12.2019
Der Sturz des Verschwörers / Karl Mays Magischer Orient Bd.3
Röder, Alexander

Der Sturz des Verschwörers / Karl Mays Magischer Orient Bd.3


weniger gut

Nicht besonders empehlenswert. Der Autor kann auf einem gewissen Niveau schreiben, ist aber zu langatmig und vermag es nur bedingt - was eigentlich bei Abenteuerliteratur unabdingbar ist - Spannung aufzubauen.
Wenn man sie noch nicht kennt, sollte man zu den Orient-Bänden von Karl May selbst greifen. Auch die an K. M. anknüpfende sechstteilige Serie "Jagd auf die Raubkarawande" von Edmund Theil ist deutlich besser!

Bewertung vom 12.12.2019
Das unsichtbare Visier Sparpaket
Bonhoff, Otto; Schauer, Herbert

Das unsichtbare Visier Sparpaket


gut

Mal etwas anderes ... Interessante Reihe - zwar politisch teilweise fragwürdig und historisch nicht ganz richtig, weil aus DDR-Sicht geschildert, aber spannend und gut geschrieben. Kurzweilige Lektüre, die mich neugierig gemacht hat auf die Verfilmungen mit Armin Müller-Stahl, der auf jedem der vier Titel abgebildet ist.
Meine vier Exemplare waren zwar als Mängelexemplare deklariert und deswegen äußerst preisgünstig, was das Lesen aber nicht beeinträchtigt hat, denn die Bücher haben nur geringfügige Makel, sind in absolut akzeptablem Zustand.

Bewertung vom 12.12.2019
Lunapark / Kommissar Gereon Rath Bd.6
Kutscher, Volker

Lunapark / Kommissar Gereon Rath Bd.6


sehr gut

"Es gibt kein richtiges Leben im falschen" ... Ein spannender Kriminalfall mit überraschenden Wendungen - der im Jahre 1934 spielt, mithin unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen im NS-Staat. Sowohl der Kommissar Gereon Rath als auch seine Frau Charlie, die angehende Juristin, müssen erkennen, dass das NS-System alle Lebensbereiche durchdringt, sich sowohl auf den Beruf als auch das Privatleben auswirkt. Denunziation, Lüge, Mord - das Individuum wird durch das verbrecherische System verdorben - dies zu schildern gelingt dem Historiker Kutscher hervorragend. Viel mehr noch als der erste Band aus der Rath-Reihe ("Der Nasse Fisch", der einzige Rath-Krimi, den ich bis dato kannte), der noch in der Weimarer Republik spielt, ist dieser Krimi des Historikers Volker Kutscher geschichtlich hochinteressant. Fazit: Mit Verbrechern jedweder Couleur kann man sich auf Dauer nicht arrangieren ... Gut geschrieben, absolut empfehlenswert.