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Bewertungen

Bewertung vom 15.10.2019
Gut gegen Nordwind / Alle sieben Wellen
Glattauer, Daniel

Gut gegen Nordwind / Alle sieben Wellen


gut

Vor einigen Tagen haben ich aufgrund eines kleinen Experiments dieses Buch gelesen. Nach meiner Auffassung befasst sich der Inhalt vordergründig mit der Frage, ob man sich einzig und allein durch das Schreiben von E-Mails ineinander verlieben kann. Meine diesbzgl. Meinung werde ich mal in einem gesonderten Beitrag niederschreiben. Der Autor stellt den gesamten Sachverhalt in Form des E-Mail-Verkehrs dar, es wird nicht in erzählerischer Form geschrieben. Es entsteht schnell der Eindruck, man würde die privaten E-Mail-Postfächer der Protagonisten lesen, zeitweilig fühlt man sich wie ein Stalker oder Hacker. Etwas weltfremd erscheint mir allerdings der Umgangston der beiden Hauptpersonen. Anfänglich mag man sich noch siezen, doch geht man bei einem längeren und persönlicheren Kontakt alsbald eigentlich zum duzen über. Dies geschieht hier jedoch erst am Ende des Buches. Zu den beiden Hauptpersonen ist anzumerken, dass diese einen eher unsympathischen Eindruck hinterlassen. Persönlich würde ich weder mit dem männlichen noch mit dem weiblichen Part auf privater Ebene einlassen. Er wirkt oftmals sehr unsicher und depressiv. Es fällt ihm schwer, von seiner Ex-Freundin loszukommen, obwohl er mit ihr wohl eher eine On-Off-Beziehung geführt hat. Sie hingegen ist verheiratet, jedoch eher unglücklich als glücklich. Das Prickeln, das Abenteuer, Begehren, all diese Dinge vermisst sie offensichtlich. Für sie stellt der E-Mail-Kontakt eine Art Auszeit von der Realität dar, bewusst spielt sie auch mit den Gefühlen ihres E-Mail-Partners. Beide Charaktere unterliegen häufigen Stimmungsschwankungen, hierdurch erhöht sich auf mich der Eindruck der Antipathie. Zum Buch insgesamt ist noch zu erwähnen, dass es sehr kurzweilig ist und durchaus an einem verregneten Nachmittag gelesen werden kann. Inhaltlich ist es eine nette Geschichte, die teilweise aber künstlich in die Länge gezogen worden ist. Das Ende des Buches ist allerdings nicht sonderlich gelungen. Hier entsteht der Eindruck eines "Cliffhangers", man vermutet die kalkulierte Absicht eines Fortsetzungsromans. Wie sich nach einer kurzen Recherche herausstellte, gibt es auch tatsächlich eine Fortsetzung der Geschichte. Die Fortsetzung werde ich höchstwahrscheinlich nicht lesen, sie dürfte in absoluter Banalität enden. Ob "Gut gegen Nordwind" ein lesenswertes Buch ist? Nun, jedenfalls ist es nicht gänzlich uninteressant und wirft auch einige Fragen auf, die durchaus die heutige Gesellschaft und Lebensweise vieler Menschen beleuchten. Meine Empfehlung: Wer eine kurzweilige und bisweilen unterhaltsame Geschichte lesen möchte, kann bedenkenlos zugreifen. Wer allerdings gerne etwas komplexere Inhalte bevorzugt, sollte besser die Finger von diesem Buch lassen.