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Benutzername: Birkatpet
Wohnort: Wesseling
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Bewertungen

Insgesamt 38 Bewertungen
Bewertung vom 21.06.2018
Die Vergessenen
Sandberg, Ellen

Die Vergessenen


sehr gut

Ein Buch, welches mich absolut überrascht hat.
Als ich den Klappentext gelesen habe wurde ich neugierig, jedoch ahnte ich nicht mal im Ansatz was mich dort auf 508 Seiten erwarten wird.

Die Geschichte beginnt langsam, fast schon leise. Als Leser lernen wir Manolis Lefteris und Vera Mändler kennen. Manolis ist ein Mann für ganz spezielle Aufträge, still, diskret erledigt er seinen inoffiziellen Job, denn offiziell ist er erfolgreicher Autohändler.
Manolis wird von einem Trauma in seiner Kindheit verfolgt. Als er noch ein kleiner Junge war schildert ihm sein Vater seine Erfahrungen zur Nazizeit in Griechenland in lebhaften Bildern und sehr emotional. Manolis war zu klein um dies alles zu verarbeiten, den Anblick seines weinenden Vaters und die transportierten Bilder.
Vera Mändler ist Journalistin und hat eine feste Stelle bei einem Frauenmagazin, allerdings ist es nicht das, was sie machen möchte. Artikel zu Falten, Schönheit und Wechseljahren sind ihr zu wenig Anspruch. In dieses berufliche Chaos aus Gedanken und Unzufriedenheit kommen nun auch private Veränderungen und Turbulenzen. Ihre Freund möchte plötzlich mit ihr zusammenziehen und ihre Tante Kathrin erleidet einen Schlaganfall. Vera kümmert sich mit allen Konsequenzen um Kathrin.
Dass Manolis und Kathrin mehr verbindet als nur der Handlungsort München wird nun klar, denn Manolis hat den Auftrag Unterlagen zu beschaffen, die sich vermutlich in Tante Kathrins Besitz befinden.
Kathrin Mändler hat in der Nazizeit in einer Klinik für psychisch Erkrankte unter dem Arzt Karl Landmann gearbeitet, dem sie völlig verfallen war. Zu der Zeit waren Menschen mit psychischen Erkrankungen Menschen der 2. Klasse und in einem weiteren Handlungsstrang erfährt der Leser mehr über diese dunkle Zeit, menschliche Abgründe und Greueltaten. Es geht um ein Euthanasie-Programm in dieser Heilanstalt unter Karl Landmann.
Vera nimmt die Recherchen auf um der Vergangenheit von Kathrin und somit auch ihrer eigenen Familiengeschichte näher zu kommen und Geheimnisse zu lüften.

Die Personen sind fiktiv, diese Heilanstalt gab es jedoch wirklich und so unfassbar es für uns ist, so real ist diese Vergangenheit aber auch. Orte und geschichtliche Fakten entsprechen der Realität, eine Mischung aus Fiktion und grauenhafter Realität.
Sandbergs Roman hat mich sehr berührt, die Personen sind sehr gut beschrieben, der Schreibstil flüssig und leicht, das Thema aber hart und schwer. Eine Leseempfehlung vor allem für geschichtlich Interessierte der deutschen Geschichte, speziell der Verbrechen, die auch ausserhalb der KZ's.
Sehr spannend, interessant und gut recherchiert. Dokumentationen über solche Behandlungen habe ich schon gesehen und Artikel darüber gelesen, aber in Romanform bislang nicht in den Händen gehalten und ich kann sagen, es lohnt sich.
Es gibt Dinge, die einfach niemals vergessen werden dürfen....

Bewertung vom 04.06.2018
Die erstaunliche Wahrheit über Tiere
Cooke, Lucy

Die erstaunliche Wahrheit über Tiere


ausgezeichnet

Nicht nur Bücher, sondern auch Tiere begleiten mich schon ein Leben lang. Ein Leben ohne Tiere ist für mich undenkbar und es fehlt dann etwas.
In den letzten Wochen habe ich zunehmend Sachbücher für mich entdeckt und dieses hat mich alleine aufgrund des Covers angezogen, so viele unterschiedliche Tiere und dann der Titel, erstaunliche Wahrheiten über Tiere und wie wir Menschen Irrtümern und Mythen erliegen ohne es zu wissen hatten eine magnetische Wirkung auf mich.
Kaum hatte ich das Buch aufgeschlagen war ich schon gebannt und sehr gerührt, denn Lucy Cooke widmet es ihrem Vater, denn dieser hat ihr die Augen für die Wunder der Natur geöffnet. Die Fähigkeiten, die kleinen Wunder der Natur und des Alltags zu erkennen ist leider vielen Menschen nicht mehr gegeben, sie warten auf die großen Zauberwunder und wollen immer höher, schneller und weiter. Die eigentliche angeborene Neugierde und Wissbegierde verlieren und trainieren sich viele Menschen leider ab.

Lucy Cooke ist Zoologin und im Studium lagen die Schwerpunkte auf Evolution und Tierverhalten, sie arbeitet als Dokumentarfilmemacherin, Moderatorin, Journalistin und erhielt von National Geographic einen Preis für für "missverstandene" Tiere. Besonders fasziniert ist sie von den Irrtümern und Mythen, die der Mensch sich erzählt um sich das Nichtgreifbare zu erklären.
In diesem Werk öffnet sie uns nicht nur die Augen für die Irrtümern, denen wir unterliegen, sondern auch, wie sehr uns Dinge an die wir glauben lenken.
Sie befasst sich mit Forschungen aus allen Zeiten um der Wahrheit näher zu kommen, begibt sich aber auch auf Reise zu den unterschiedlichsten Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum und beobachtet sie dort.
Aufgrund ihres Studiums und der langen Recherchen ist es fundiertes Wissen, welches authentisch, witzig und lebendig transportiert wird.
Insgesamt 48 Schwarz-Weiß-Abbildungen runden die Texte ab.
Dem Leser begegnen 13 Tiere, der Aal, der Biber, das Faultier, die Hyäne, der Geier, die Fledermaus, der Frosch, der Storch, das Flußpferd, der Elch, der Panda, der Pinguin und der Schimpanse.
Jedes Tier umfasst ca 30 Seiten und diese jeweiligen Kapitel beginnen mit einer Abbildung und einem Zitat zu dem Tier.
Am Ende des Buches findet der Leser die Bildnachweise und Anmerkungen.

Ein tolles Buch über die Tierwelt und die Irrglauben der Menschen.
Ich fänd' es großartig, wenn Lucy Cooke noch weitere Wahrheiten über andere Tiere aufdeckt und veröffentlich. Nicht nur für Tierliebhaber, Zoobesucher und Freunde alter Mythen eine Leseempfehlung.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.06.2018
Hector und die Kunst der Zuversicht / Hector Bd.8
Lelord, François

Hector und die Kunst der Zuversicht / Hector Bd.8


ausgezeichnet

Hector ist ein lieber Kerl und vielen Lesern bereits bekannt durch seine vorigen Erlebnisse und Geschichten.
Für mich war es das zweite Buch, vor vielen Jahren habe ich schon mal mit Hector auf Reise begeben, aber ich glaube ich damals zu jung um ihn zu verstehen und zu begreifen.
Heute bin ich mir sicher, dass ich mich auch den anderen Geschichten widmen möchte, aus Interesse, nicht weil ich das Gefühl hatte, mir fehlt irgendwas an Vorwissen für's Verständnis.
Hector ist etwas in die Jahre gekommen und Stillstand, grauer Alltag in sein Leben gezogen. Er lebt in Frankreich und hat dort bereits seit 20 Jahren seine Praxis als Psychiater und Psychotherapeut. Er wirkt nicht nur privat, sondern auch beruflich ausgebrannt und müde, eine kleine Flamme brennt noch, er besucht Fortbildungen für neue Behandlungsmöglichkeiten, aber dennoch hat er das Gefühl nicht mehr vorwärts zu kommen und seinen Patienten nicht mehr so helfen zu können, wie er es sich wünscht und wie es vor Jahren noch funktionierte. Hector spielt sogar mit dem Gedanken, die Tabletten, die er seinen Patienten verschreibt selber zu nehmen.
Seit vielen Jahren ist Hector mit Clara verheiratet, sie haben gemeinsame Kinder, die mittlerweile alle das Haus verlassen haben und auch Clara ist nicht bei Hector in Frankreich, sondern seit einigen Jahren beruflich in den USA und um Kontakt zu halten skypen sie und zu Feiertagen und Urlauben sehen sie sich.
Bei einem dieser Gespräche über Skype stellt Clara eine Frage, die Hector den Boden unter den Füßen wegzieht und ihn zwingt aus seiner Passivität heraus zu kommen, denn Clara stellt ihre Ehe in Frage und ob sie überhaupt noch ein Paar sind.
Um seiner persönlichen Sackgasse zu entkommen und klarer sehen zu können, beschließt Hector seine drei besten Freunde zu besuchen und verordnet sich als Therapie statt der Tabletten Gespräche mit den dreien, die sein Leben teils schon seit der Schulzeit begleiten.
Um die drei zu treffen muss er andere Kontinente bereisen, denn sie leben nicht in Frankreich und dies zeigt sehr schön, dass Nähe keine Frage von Distanz ist.
Die Journalistin Geraldine begleitet Hector ungeplant auf dieser Reise und nicht nur mit seinen Freunden, sondern auch mit Geraldine möchte er rosa Brillen finden, Brillen durch die man gedanklich schauen kann um seinen Blick zu ändern und Dinge anders zu sehen.
Am Ende dieser Reise hat er fremde Länder kennengelernt, sehr viel erlebt, viele Eindrücke gewonnen und auch eine Lösung für seine privaten und beruflichen Probleme gefunden.

Psychologie sehr leicht verständlich und in Romanform aufgezeigt, dass die Lösung für Probleme oftmals direkt vor unseren Füßen liegt und der Wechsel des Blickwechsels vieles in einem anderen Lich erscheinen lässt, man wieder klarer sieht, wo vorher Dunkelheit und Nebel waren. Dies benötigt Mut sich manchen Ängsten zu stellen und Veränderung der Lebensumstände zuzulassen. Jedoch ist Nichthandeln eben auch eine Handlung.
Unsere Gedanken bestimmen unsere Gefühle, sind unsere Gedanken dunkel und traurig, sind es unsere Gefühle auch.
Hector ist kein Pessimist, doch in Fallgruben, die menschlich sind stolpert auch er und sieht manchmal schwarz und verrennt sich auch manchmal in düstere Gedanken und somit negativen Gefühlen.

Ein ruhiges Buch mit viel Aussagekraft, schnelles Lesen ist aufgrund der einfachen und flüssigen Schreibweise möglich, aber nicht empfehlenswert, denn so übersieht man eventuell so einiges, vieles was man selber mit- und übernehmen kann in sein Leben und vielleicht sogar hilfreich ist, weil man sich selber verrannt hat, es an Zuversicht und Hoffnung, den Glauben an Licht und Sonne mangelt.
Eine klare Leseempfehlung für mehr klare Sicht, Sonne und Zuversicht im eigenen Leben.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.05.2018
Vom Anfang bis heute
Zwecker, Loel

Vom Anfang bis heute


ausgezeichnet

Geschichte braucht Geschichten.
In Geschichte (und auch in Geografie) nin ich eine wirklich eine absolute Niete und von daher war dieses Buch, welches eigentlich für jüngere Leser gedacht ist, wirklich interessant und so einiges kann ich mir nun doch endlich merken.
Ich finde es bewundernswert tatsächlich über 4,6 Mio. Jahre auf 432 Seiten unterzubringen, keine wichtige Station zu vergessen und dies auf eine lockere und flüssige Art.
Zwecker setzt es sehr modern um und am Stil und der Sprache merkt man, dass es junge Leser sicherlich davon überzeugen kann, dass Geschichte nicht bloß ein langweiliges Unterrichtsfach ist.
Mich persönlich hat es inspiriert bei einigen Dingen, Stationen, Ereignissen und über einige Zeiten mehr und tiefere Informationen zu suchen und zukünftig gewisse Orte zu besuchen.
Einige sehr wichtige Stationen kamen mir etwas zu kurz, aber es ist schließlich ein Buch für junge Leser und dafür absolut ausreichend und gelungen, auch als Erwachsener um sich einen kurzen und groben Überblick zu verschaffen sehr gut.
Ohne viel und umfangreiches Geschichtswissen ist dieses Sachbuch sehr lohnenswert, auch um den eigenen Kindern Geschichte greifbar zu machen, wenn der Geschichtsunterricht gerade mal wieder einschläfernd wirkt.
Locker und leicht geschrieben, absolut verständlich und ein Sachbuch welches sich ganz einfach liest, weit entfernt von trockener Fachliteratur.

Bewertung vom 26.05.2018
Das Buch der Schurken
Pesl, Martin Th.

Das Buch der Schurken


ausgezeichnet

Die Welt braucht Bösewichte. Gut und Böse.
Oft sind die Bösewichte doch diejenigen, die das Salz in der Literatursuppe sind.

In diesem Buch vereint Pesl all die großen Schurken aus der Weltliteratur und dieses "Lexikon" darf nirgendwo fehlen, wo gute Bücher stehen mit manch finsteren Gestalten, besonderen Antagonisten.
Jeder Schurke erhält hier eine Doppelseite mit Infos zum Originaltext, Autor und Schaffer dieser Person, einen kurzen Steckbrief und einer tollen Illustration.
Unterteilt ist dieses Werk in 12 Kategorien, zB in "Die Gierigen" (ua Caroline Bingley, Indianer Joe), "Die Erziehungsberechtigten" (ua Frl. Rottenmeier, Dolres Umbridge), "Die Psychopathen" (ua Hannibal Lecter, Jean-Baptiste Grenouille), "Die Über- und Unterirdischen" (ua Graf Dracula).
Man begegnet also allerlei Bösewichten, Moby Dick, der Herzkönigin und vielen mehr aus unterschiedlichen Zeiten, Mythen, Sagen, Märchen,Romanen und Krimis. Im Anhang ist ein großes Literaturverzeichnis, wo man den Schurken begegnet und mehr über sie erfahren kann.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, sowohl Inhalt als auch Gestaltung.
Witz, Charme, Humor in rauen Mengen vorhanden, viele Infos, sowohl als Buch zum kompletten Durchlesen und entdecken auch weniger bekannten Bösewichten oder als Art Nachschlagewerk.
Ich bin sehr begeistert und finde diese Idee und Umsetzung genial, der einzig Gute hier ist tatsächlich der Autor

Bewertung vom 20.05.2018
Fische
Broder, Melissa

Fische


ausgezeichnet

Die Gestaltung des Covers, in der Farbe Mint hat meine Aufmerksamkeit direkt auf sich gezogen - eine Frau die sich einem Fisch leidenschaftlich hingibt hat mich zunächst eher abgeschreckt und an Mythen, alte Kulturen denken lassen.
Besonders an die Sagen der römischen und griechischen Antike, denn gerade um den Gott Zeus ranken sich ja so manche Erzählungen. Dass meine Assoziation ins Schwarze traf, nachdem ich den Klappentext las, machte mich umso neugieriger.

Lucy, 38 Jahre, ist Protagonistin dieses Romans, sie lebt in Phoenix und schreibt dort seit 9 Jahren an ihrer Doktorarbeit, finanziert durch ein Stipendium.
Lucy promoviert über Sappho, eine der bedeutensten Dichterinnen der griechischen Antike. Um Sappho ranken sich ebenso viele Sagen, wie um die alten Götter, vor allem um ihr ausschweifendes und unstillbares sexuelles Verlangen, nicht nur mit Männern sondern vor allem mit Frauen.
Dass Lucy Sappho wählt ist wohl kein Zufall, denn Sex in allen Variationen und ausführlichen, sowie insbesondere pornographischen Beschreibungen, füllen viele Seiten Broda´s Romans.
Durch eine unbedachte, provokative Aussage gegenüber ihren langjährigen Freundes Jamie, kommt es zur Trennung der beiden. Lucy wollte Gegenteiliges erreichen, doch dies ging nach hinten los und sie fällt ins Bodenlose.
Nach einem Wutausbruch und einer gebrochenen Nase von Jamie, erwirkt dieser eine einstweilige Verfügung gegen Lucy, inklusive der Auflage, sich in psychologische Behandlung zu begeben.
Lucy bricht ihre Zelte in Phoenix ab und kommt bei ihrer Schwester in Venice unter. Diese lebt dort glücklich verheiratet mit ihrem Mann, in einem wunderschönen Haus am Strand und ist anders als Lucy mit sich, der Welt und dem Universum im Reinen. Schwester, samt Gatte reisen für 3 Monate durch Europa und Lucy soll in dieser Zeit das Haus hüten und vor allem den diabeteskranken Hund Dominic, der als Kinderersatz dient, umsorgen und regelmäßig an den angeordneten therapeutischen Gruppensitzungen teilnehmen.
Dominic und Lucy wachsen eng zusammen, vor allem seine körperliche Nähe, genießt sie sehr, doch sie ist immer noch krankhaft davon besessen, Jamie wieder zurück zu wollen und das Ausmaß ihrer psychischen Konstitution wird immer deutlicher.
Zeitweise hatte ich das Gefühl, mein Kopf erleidet ein Schleudertrauma, so sehr fuhr ich auf Lucy's Achterbahn ihrer Gefühle und Gedanken mit. Der Roman wird aus ihrer Sicht geschrieben und dadurch wird die Angeschlagenheit ihrer Gefühls- und Seelenwelt und die sehr ausgeprägte Manifestation ihrer Depression sehr bildhaft und spürbar. Die Gruppentherapie kann auch keine Wunder bewirken, im Gegenteil, sie driftet immer mehr ab, meldet sich bei "Tinder" an, mit der Intention sich ein Harem anzulegen, denn sie glaubt, mehrere Männer gleichzeitig können sie davor schützen, sich wieder in einem zu verlieren.
Durch ausschweifende Sexualkontakte mit Fremden, glaubt sie die Leere in ihrem Inneren füllen zu können, dass es pure Demütigung und Masochismus ist, sieht sie nicht.
Wesentliches, wie zum Beispiel, die treue Hundeseele Dominic, verliert sie völlig aus den Augen.
Als sie eines Nachts Theo begegnet, einem Meermann, setzt ihr Hirn völlig aus und ihre Sucht nach Liebe, Bestätigung und letztlich emotionaler Abhängigkeit ist an Ausmaß kaum zu übertreffen und es kommt zu Kollateralschäden.

Ein Roman über krankhafte Liebe, Selbstaufgabe, Traumata und Anschaulichkeit, wie tief Depressionen einen Menschen sinken lassen können, wie groß Leere in Herz und Seele werden kann und wie verschoben die Wahrnehmung eines Menschen sich dadurch immer weiter von der Realität lösen kann.
Die Warnung "FSK18" müsste in die linke untere Ecke des Covers.

Der Schreibstil Broder's ist grandios. Ihr Spiel mit den Emotionen überwältigend und eine wahnsinns Sogwirkung. Manchmal schmunzelte ich, manchmal hätte ich weinen können, empfand Mitleid, Ohnmacht, Wut und Ekel (davon viel!).

Bewertung vom 17.05.2018
Das einfache Leben
Brunntaler, Marie

Das einfache Leben


ausgezeichnet

Elisabeth und Adele sind sehr unterschiedlich und so unterschiedlich ihre Charaktere sind, so unterschiedlich auch ihre Beweggründe in ihre Heimat, in ihr Elternhaus zurückzukehren.
Elisabeth verliert ihre große Liebe und Adele ist auf der Flucht vor ihren Gläubigern.
Frisch im Schwarzwald angekommen ist der Empfang alles andere als herzlich, wegen einer Fehde zweier Familien durch die Schandtat und des Verbrechens ihres mittlerweile verstorbenen Bruders an der Natur.
So richtig wissen die beiden zunächst nicht in welche Richtung ihr Aufenthalt gehen sollen, ob sie Haus und Grundstück verkaufen oder dort wohnen bleiben.
Eines Nachts hat Elisabeth jedoch einen Traum, begegnet darin Willy Brandt und am nächsten Tag steht ihr Plan: ein Rosengarten auf dem einst verunreinigten Bodens der ehemaligen Fabrik ihres Bruders.
Wirklich glaubt niemand an Elisabeth und ihre Bemühungen, ihren unerschöpflichen Mut, ihre Hoffnung und Zuversicht, weil die Fakten gegen Anbau von Rosen in 1000 Metern Höhe sprechen, aber sie lässt sich von ihrem Traum, einem Rosengarten im Schwarzwald nicht abbringen und schließlich erhält sie Hilfe bei der Verwirklichung.

Der Schreibstil ist einfach und sehr angenehm, trotz vieler Wendungen und Sprünge in der Handlung ist immer alles schlüssig und für mich verständlich gewesen.
Die Sprache ist sehr schön und bildhaft, die Charaktere, auch die Nebenrollen durch ihr Handeln und Auftreten sehr genau beschrieben und charakterisiert.Viele Emotionen, viel Natur und Idylle stecken in diesem Heimatroman.

Ich mochte das Buch sehr, einfach raus aus dem Alltag, sich berieseln lassen von einer schönen Geschichte, die Zuversicht, dass man die Vergangenheit aufräumen kann um eine schöne Zukunft zu gestalten und man nie den Mut aufgeben darf auf dem Weg zu seinem Ziel, wenn alle sagen "es geht nicht", aber dein Herz sagt "es geht" dann wachsen manchmal wirklich kleine zarte Stängel des Neuanfangs und des großen Glücks.

Bewertung vom 09.05.2018
Halleluja
Schönian, Valerie

Halleluja


ausgezeichnet

Valerie Schönian, Journalistin, Feministin, Mitte 20, politisch linksorientiert, kirchenfern, lebend in der Urbanität Berlins versucht die katholische Kirche zu verstehen und das im Rahmen eines sehr interessanten Projekts. Sie begleitet für ein Jahr den absolut konservativen 38 Jährigen Priester Franziskus von Boeselager aus dem ländlichen Roxel bei Münster in seinem Leben für jeweils zwei Wochen im Monat und versucht seine Welt durch seine Augen zu betrachten und zu verstehen.

Der Leser begleitet Valerie bei ihrem Projekt und erlebt das Kirchenjahr hinter den Kulissen und was der Job "Priester" bedeutet, ausser den Messwein alleine zu trinken und Sonn- und Feiertags arbeiten zu müssen. Erlebt Valerie und Franziskus bei Diskussionen um die existentiellen Fragen des Lebens oder entspannten DVD-Abenden, Bekehrungsversuche inklusive natürlich.

Zunächst fiel mir, wie so oft das Cover des Buches auf, denn dies sehr dezent in den Vatikansfarben, weiß-gelb zu halten finde ich perfekt,
Meine größte Frage war nachdem ich den Klappentext gelesen habe, ob das gut gehen kann? Die Frage, wie dieses Projekt 12 Monate durchzuhalten ist, in eine fremde Welt alle zwei Wochen abzutauchen? Wird sie Nonne? Legt er seinen Kollar nieder? Oder muss es gar nicht immer schwarz und weiß sein? Das Buch hatte meine Neugierde geweckt und ich wurde quasi wie Eva zum Apfel zum Lesen verführt.

Schönians Schreibstil ist sehr flüssig, so leicht, dass ich über die Worte flog und mich völlig auf den Inhalt konzentrieren konnte. Alles was sie beschreibt, Personen, Umgebung, Räume, Eindrücke, aber auch Gefühle sah ich vor meinem inneren Auge und steckte ehe ich mich versah mit im Gedanken- und Gefühlschaos.
Ich war völlig gefesselt, begleitete also nicht nur den Versuch den Katholizismus zu verstehen, sondern besuchte lesend Messen, Gemeindemitglieder, den Weltjugendtag, erkundete Rom, stellte mich den großen Fragen des Lebens nach Glaube, Liebe, Hoffnung, Tod, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Machtmissbrauch, Freiheit, Liberalismus und noch vielem mehr.
Dieses Buch hat für viel Gesprächsstoff gesorgt, denn wenn man zBspl. einfach mal in eine Runde fragt "und, glaubt ihr an Gott?" sind die Blicke sehr interessant und die Antworten auch. Verwirrung ist dabei auf jeden Fall garantiert und gute Gespräche ebenso.

Ein sehr gut geschriebenes Buch, welches sich liest wie ein Roman, jedoch nicht der Fiktion der Autorin entsprungen, sondern dem wahren Leben.
Ich bin zutiefst beeindruckt von Valerie Schönian und Franziskus von Boeselager, vor deren Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut, Geduld, Toleranz und Selbstreflexion.
Eine ganz klare Leseempfehlung, egal ob gläubig oder nicht.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.05.2018
Die Spuren meiner Mutter
Picoult, Jodi

Die Spuren meiner Mutter


gut

Bevor ich überhaupt das erste Wort in diesem Roman gelesen habe, war ich total von der Haptik des Covers begeistert, es fühlt sich ledrig an, so wie ich mir Elefantenhaut vorstelle.

Picoult´s Roman ist die bewegende Geschichte von Jenna, einem 13 Jährigen, sehr intelligentem und reifem Mädchen auf der Suche nach ihrer Mutter Alice.
Alice ist vor 10 Jahren spurlos nach einem Unfall im Elefantenreservat verschwunden. Jenna´s Vater liegt seit diesem Tag in einer psychatrischen Einrichtung, in einem Zustand, der es unmöglich macht mit ihm über Alice zu sprechen und sie selber wohnt bei ihrer Oma.
Erinnerungen an ihre Mutter hat Jenna kaum, vieles weiß sie aus Notiz- und Tagebüchern ihrer Mutter. Diese gibt es bergeweise von Alice, denn als Elefantenforscherin hatte sie einiges zu notieren, das Verhalten, und insbesondere die Gefühle der Dickhäuter, als Leser erfährt man sehr viel über die emotionale Welt der Tiere, vor allem ihr Trauerverhalten wird beschrieben.
Neben diesen Personen gibt es noch Serentity, ein Medium, die eigentlich keines mehr ist, denn die Geister haben sie verlassen und was sie heute tut ist Jahrmarktskunst und Virgil, ein Privatdetektiv, der schon mal bessere Zeiten hatte und für den Alice´ Verschwinden ein wunder Punkt in seiner Karriere ist.
In die Geschichte zu finden, fiel mir sehr leicht. Picoult hat eine ausgesprochen flüssige, leichte und bildhafte Sprache. Durch die Kapitellängen war es auch nicht anstrengend zwischen den Personen zu wechseln, denn kapitelweise wechseln sich Jenna, Alice, Serenitiy und Virgil in Ich-Perspektive ab ihre eigene, aber auch die gemeinsame Geschichte zu erzählen. Alles sehr starke und gut ausgearbeitete Charaktere.

Ich fand das Buch sehr interessant, vom Hocker gehauen hat es mich nicht. Mir waren die Elefanten und das Übersinnliche teilweise zu viel. Das Ende war für mich nicht überraschend und auch sonst fehlte es mir zwischendurch etwas an Spannung.
Der Schreibstil gefiel mir sehr gut, lebendig, sehr bildhaft, leicht und den jeweiligen Personen angepasst.
Für Elefantenfans und Fans von Übersinnlichem, gepaart mit Familiengeschichte und gut ausgearbeiteten Charakteren eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 09.05.2018
Alles, was ich über die Liebe weiß
Marzano, Michela

Alles, was ich über die Liebe weiß


ausgezeichnet

Das Cover weckte direkt meine Aufmerksamkeit, es erinnerte mich an die kleinen netten Geschenkbücher, die es zu vielen Anlässen und Themen zu kaufen gibt.
Der florale Schutzumschlag hat mein kleines, manchmal doch romantisches Herz höher schlagen lassen und ich finde ihn einfach wunderschön.
Der Zusatz unter dem Buchtitel "Philosophie eines Gefühls" hat meine Neugierde sehr geweckt. Ich kenne Liebesromane und auch Ratgeber für Liebesangelegenheit und nun sah ich ein Buch, welches die Liebe also mal philosophisch angehen wollte, in wunderschönem Mantel und ich las ein wenig in das Buch hinein und da war auch schnell, ich möchte es gerne haben und lesen.

"Die Liebe beginnt immer hinterher. Wenn der Leidenschaft die Zuneigung folgt. Und man dem anderen zu vertrauen beginnt. Und wenn man "mit dem anderen lieben" kann."

Marzano erzählt von sich und ihrem Leben, zunächst gibt es einen Exkurs in ihre Kindheit und die Ehe ihrer Eltern, sie erzählt von Prinzen und Prinzessinnen, ihren Liebesbeziehungen und von Jacques, wie sie ihn kenneblernte, wie sie ihn lieben lernte erfährt der Leser im Laufe des Buches.
Die ehrliche, sehr selbstkritische, authentische Auseinandersetzung Marzano´s mit sich selber hat mir dabei sehr gut gefallen.
Sie erzählt von ihren Träumen, ihren Hoffnungen, Ängsten, Herzschmerz, Klischees, Rollenverteilungen, Freiheit, dem Konsumismus, dem auch die Liebe zum Opfer fällt, der Wegwerfgesellschaft...und dies alles während sie die Großen der Literatur und Dichtung zum Thema "Liebe" befragt und deren Aussagen überprüft und verstehen möchte, ihre Gedanken und Schlußfolgerungen mit dem Leser teilt.
Das Buch ist eingeteilt in "Intermezzi" und diese beginnen immer mit einem Zitat aus Werken von einem Dichter oder Denken, den sie befragt. Diese "Intermezzi" sind eingeteilt in kurze Kapitel unterteilt mit Überschriften.
Jedes "Intermezzo" wird in ihre Geschichte von ihren Erfahrungen aufgenommen als weiterer Gedankengang.

Marzano´s Buch ist lebendig, manchmal schmunzelt man, manchmal erkennt man sich selber, manchmal denkt man für sich selber weiter und geht eigene Erfahrungen durch.
Kurzweilig und interessant, das Mysterium Liebe wird nicht geklärt, denn ist nun mal wie es ist, einfach die Liebe, das stärkste Gefühl.