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Benutzername: Birkatpet
Wohnort: Wesseling
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Bewertungen

Insgesamt 47 Bewertungen
Bewertung vom 04.10.2019
Agathe
Bomann, Anne C.

Agathe


ausgezeichnet

"ein Leben ohne Liebe ist nicht viel wert"

Dieses Buch ist eine Wärmflasche fürs Herz.
Ich habe es gestern am späten Abend begonnen, wollte nur mal reinschauen und daraus wurde dann lesen bis ich die letzte Seite erreichte. Ich konnte es nicht mehr beiseite legen.

Berührend und innen noch wunderschöner als aussen.
Dieses Büchlein hat mein Herz im Sturm erobert. Ich war traurig, ich habe gelacht und vor allem habe ich die Zeit genossen und vergessen.

Bewertung vom 30.09.2019
Verwandlungen
Comensal, Jorge

Verwandlungen


sehr gut

Verrwandlungen von Jorge Comensal hat mir tolle Lesestunden geschenkt.
Durch den Klappentext glaubte ich, dass ich mit Ramon, seiner Erkrankung und seinem Papagei die nächste Zeit verbringen werden, dem war auch so, aber nicht nur.
So viel Platz, wie Ramon einnimmt nehmen auch Teresa und Aldana ein.
Drei Handlungsstränge, miteinander verbunden und doch getrennt.

Ramon, verheiratet, 2 Kinder und erfolgreicher Anwalt, sein Beruf und gesellschaftliches Ansehen sind ihm von hoher Bedeutung und im Grunde hat er alles, was er sich wünscht. Sein Leben ändert sich schlagartig, denn er wird schwer krank und dies hat den Verlust seiner Zunge und damit der Sprache zur Folge. Nur noch mit Stift und Zettel kann er sich mitteilen und immer häufiger nimmt sich keiner die Zeit ihm so "zuzuhören", er verzweifelt, fühlt sich einsam und ausgegrenzt.
Seine Haushälterin Elodia, eine Seele von Mensch erträgt es nicht weiter ihn so zu sehen und schenkt ihm einen Papagei, der fortan sein Gesprächspartner ist, stumm monologisiert er mit Benito und dieser spricht Ramon aus der Seele, wenn er seine Schimpfworte krächzt.
Terese de la Vegas ist Psychoanalyterin, erkrankte 10 Jahre zuvor an Brustkrebs und hat sich seitdem auf die Therapie von Krebskranke spezialisiert.
Joaquin Aldana ist Onkologe, melancholisch und mit kaltem Herz, allein ein besonderer Tumor weckt ihn und auch seinen Jagdtrieb...nach Ruhm und Anerkennung.

Dieser Roman zeichnet ein interessantes Bild der Gesellschaft, in der alles ausser Fortschritt, Erfolg, Gesundheit, Schönheit und Reichtum keinen Platz hat und rechnet damit ab.

Traurig und witzig, berührend, ruhig, lebendig, sanft, gewaltig, Liebe und Hass, Leben und Tod, Glück und Unglück, Abschied und Neuanfang...vieles wandelt sich auf diesen 206 Seiten. In wunderschöner Sprache und mit starken Charakteren.

Bewertung vom 29.09.2019
Es ist Sarah
Delabroy-Allard, Pauline

Es ist Sarah


ausgezeichnet

"Eine Frau lieben: ein Sturm." Sarah ist wie ein Sturm, dieses Buch ist ein Sturm, gewaltig und machtvoll, von den Füßen reißend, herzbrechend. Der Kapitän des Sturms ist Sarah, wie die namenlose Erzählerin werde ich auch zur Seefrau, erliege Sarah.

Es ist Sarah..."Sie ist Violinistin. Sie raucht Zigaretten. Sie ist zu stark geschminkt, aus der Nähe ist es noch schlimmer. Sie spricht laut, lacht viel, ist auf ihre Art lustig...Sie ist lebhaft, exaltiert, leidenschaftlich...Sarah die Unbändige, Sarah die Leidenschaft..."

"Es geht um Sarah, ihre rätselhafte Schönheit, ihre steile Nase, die einem sanften Raubvogel zu gehören scheint, ihre Kieselaugen, grün, nein, nicht grün, die außergewöhnliche Farben ihrer Augen, ihre Schlangenaugen mit den hängenden Lidern."
Sarah stellt das Leben auf den Kopf, ist nicht nur Sturm, sondern auch Karussell, verdreht einem Kopf und lässt die Erzählerin alles vergessen, alles, es gibt nur noch eins, es gibt nur noch Sarah "unberechenbar, wankelmütig, verwirrend, unbeständig, furchterregend wie ein Nachtfalter."

Es geht um Leidenschaft, Passion, Maßlosigkeit, Übertreibung, grausame Anziehung, Zärtlichkeit, Liebe, Obsession, den Verlust jeglicher Moral, Trauer, Tod, Zerstörung, Kontrollverlust, Nähe und um Schubert's 'Der Tod und das Mädchen'.

Dass Pauline Delabroy-Allard Frankreich gespalten hat ist mir verständlich und dass dieser Roman polarisiert steht ausser Frage.
Für mich ist er bereits ein absolutes Highlight 2019. Diese Gefühlsgewalt, dieser unfassbare Schmerz, diese Sucht, dieser Stil, diese Art, diese Worte,...ich will Sarah wiedersehen, ich werde es wieder lesen, aber erstmal brauche ich Abstand, muss Sarah's Fesseln entkommen.

Bewertung vom 24.09.2019
Die Liebe im Ernstfall
Krien, Daniela

Die Liebe im Ernstfall


gut

Tja, so schön das Buch auch anzusehen ist, inhaltlich konnte es mich nicht überzeugen.
Die Sprache und der Stil ließen mich das Buch zuende lesen, denn die Erzählweise hat mir sehr gefallen.

5 Frauen, 5 Leben, 5 Lebensentwürfe und 5 biografische Episoden von ca 5-15 Jahren aus den jeweiligen Leben.
5 Schicksale, teils traurig, deprimiert, fremdbestimmt durch emotionale Abhängigkeit, nutzen aufkommenden Wind nicht um ihre Segel zu setzen, sondern lassen sich wild schaukeln ohne das Ziel im Blick.

Was ist zu tun, wenn man scheitert? Wenn das Schicksal, als Summe der eigenen Entscheidungen zuschlägt? Liegenbleiben? Aufstehen? Dinge und Blickwinkel ändern, neue Wege gehen oder weitermachen wie bisher, Muster fortführen?

Bewertung vom 24.09.2019
Ich bin Circe
Miller, Madeline

Ich bin Circe


ausgezeichnet

Die Zeit verging, wie im Flug. Großartig!
Das beste Buch in letzter Zeit.

Sie will mehr, hat ihren eigenen Willen, strebt, kämpft und sucht nach ihrem wahren Kern und gibt nicht auf, denn der Glaube an sich selber kann Berge versetzen.
Als Halbgöttin, Tochter des Sonnesgottes Helios ohne göttliche Fähigkeiten ist es allerdings ein Kampf gegen die Welt der Götter.

Geschichte und Wissen wieder aufgefrischt, auf ganz lebendige Weise.
Fast als wäre ich dabei gewesen, stille Beobachterin an Circe's Seite.

Bewertung vom 24.09.2019
ATME!
Merchant, Judith

ATME!


ausgezeichnet

Dieser Thriller hat mich in Atem gehalten.
Ich bin keine regelmäßige Thriller-Leserin, eher sporadisch und zufällig stoße ich darauf, wenige Reihen verfolge ich nur.
So auch bei diesem. In der Buchhandlung fiel es mir ins Auge durch das Design, weiß, schwarz umrandet, wie einer Trauerkarte und eine rennende, in schwarz gekleidete junge Frau, einmal auf einen zurennend und einmal wegrennend, der Titel dazu mehr als passend.

Ich habe nun eine zeitlang überlegt, was und wieviel ich schreibe, denn es ist schwieriger als gedacht. Mehr als das, was der Klappentext preisgibt, möchte ich nicht verraten, auch nicht, wie die Personen auf mich gewirkt haben, wen ich mochte und warum, wieso sich das geändert hat, warum ich denke, dass es wirklich gruselig ist, dass manch ein Kopf so unvorstellbar krank ist, man es evtl gar nicht merkt oder zu spät und dadurch in einen Sog gerät, aus dem ein Entkommen vllt unmöglich ist.
Warum? Ich würde zu viel verraten.

Die Geschichte und die Suche nach Ben wird aus Nile's Sicht erzählt, ihre Gedanken, ihre Wahrnehmung. Die Kapitel sind unterschiedlich lang, manche haben nur 2 Seiten und machen vor allem die Zeitsprünge leicht verständlich, denn immer wieder erfährt der Leser etwas aus der Vergangenheit.

Spannend, mitreißend, doppelbödig, undurchsichtig, rasantes Temo, pausenlos und absolut verwirrend.
Die Wendungen sind teils schwindelerregend und gleichen einer Achterbahn. War ich gerade auf einer Spur und mein Geist hatte einen vermeintlich roten Faden löste er sich plötzlich in Luft auf und nach Luft schnappend folgte ich der neuen Spur.
Es ist leicht und locker geschrieben und die Beschreibungen der Personen, Situationen und Orte sind subtil und realistisch.

Einige Fragen werden geklärt, viele bleiben offen und der Fantasie des Lesers überlassen.

Bewertung vom 24.09.2019
Miroloi
Köhler, Karen

Miroloi


sehr gut

Miroloi ist nicht der Name der Protagonistin, denn diese hat keinen Namen, sie ist 16 Jahre alt, ein Waise und darum nicht nur namenlose, sondern auch ohne Rechte, ohne Bildung und zeitweise auch ohne jegliche Perspektive.
"Mein Mädchen", "Schlitzi", "Eselshure" ist Außenseiterin, Schandfleck, und "Hexe" für die Dorfgemeinschaft, in der sie lebt, dort, wo sie als Baby vor dem Bethaus (Gotteshaus) des Dorfes in einem Winter abgestellt wurde.
Eine Dorfgemeinschaft mit mittelalterlichen Zuständen im Heute, patriarchalisch, mit eigenen Gesetzen, einer eigenen Religion und sämtliche Regeln und Rituale legitimiert mit dem Willen der (in diesem Fall 3) Götter, ein Mix vieler Kulturen und Religionen.
Freiheiten und Individualismus, Andersdenken und Hinterfragen der Strukturen sind verboten, werden geahndet.
Und doch gibt sie die Hoffnung auf, auf mehr, ihre kleinen Träume und sucht sich und ihren Weg.
#miroloi ist auch nicht der Name dieses Dorfes oder dieser Insel, auf der sich das Dorf befindet.
Nein, das "Miroloi" ist griechisch und bedeutet "Rede über das Schicksal", in der griechisch - orthodoxen Kirche traditionell ein von Frauen gedichtetes und gesungenes Totenlied für einen Verstorbenen, über dessen Leben.
"Mädchen" singt sich ihr Miroloi, die Kapitel werden als Strophen bezeichnet, jedes Kapitel eine neue Strophe ihres Miroloi. Sie singt dem Leser ihr Leben, denn wer sollte sie besingen, wenn sie irgendwann mal stirbt. Also tut sie es selber zu Lebenszeit und singt ihr Leben für uns.

Bewegend, emotional, tiefgründig und doch naiv, komplex und doch einfach, traurig und doch wunderschön.
Ein Appell sich immer neue Blickwinkel zu erlauben und zu suchen, wachsam alles zu hinterfragen, Strukturen zu überdenken, die Hoffnung niemals aufzugeben, an etwas zu glauben, vor allem an sich selber.

Bewertung vom 24.09.2019
Allmen und die Libellen / Johann Friedrich Allmen Bd.1
Suter, Martin

Allmen und die Libellen / Johann Friedrich Allmen Bd.1


gut

Es waren unterhaltsame Stunden mit Johann Friedrich von Allmen. Er ist Privatier und Lebemann, Filou und Blender, Feingeist, hat Charme, Schirm, keine Melone, ist wortgewandt, intelligent, liebt das luxuriöse Leben, Bücher (er liest jedes, egal ob es ihm gefällt oder nicht, denn er glaubt jedes Buch birgt ein Geheimnis, welches es zu ergründen gibt) , seinen Flügel und die Oper, ist etwas sonderbar und kauzig auf angenehme Art und Weise und verabscheut jede Form von Gewalt, auch die verbale. Mit seinem Faktotum und treuem Diener Carlos lebt er etwas zurückgezogen und einen ritualisierten Alltag.
Allmen gerät in finanzielle Bedrängnis, im wahrsten Sinne des Wortes und muss erfinderisch werden und gerät dabei ungewollt und durch Zufall in die Rolle eines Kunstdetektivs, Carlos natürlich gleich mit.
Ich freue mich auf die weiteren Aufklärungen interessanter und besonderer Fälle des ungleichen Duos und bin Allmen's Charme bereits etwas erlegen.

Bewertung vom 24.09.2019
Lügnerin
Gundar-Goshen, Ayelet

Lügnerin


ausgezeichnet

"Denn so ist es nun einmal: Manche Menschen werden durch die Wahrheit schön, andere durch die Lüge."
Wahrheit und Lüge, Recht und Unrecht, Richtig und Falsch...manches Mal ein schmaler Grad und die Grenzen verwischen leicht. Doch wie lebt es sich mit einer Lüge, die einen selber in den Himmel steigen lässt und einen anderen in die Hölle stößt? Das eigene Leben plötzlich strahlt und ein anderer vor dem Scherbenhaufen seines steht?
"Sucht dich das Schuldgefühl heim, hat es verschiedene Möglichkeiten. Es kann dich von hinten anspringen, dir die Klauen ins Fleisch hauen. Es kann einen Frontalangriff starten. Doch es kann auch wie eine Perserkatze um die Beine streichen, sich ein Weilchen auf deinen Schoß setzen und dann weiterhuschen, weil es nicht länger bleiben will."
Lügen gehören zum Leben, wie der Tag und die Nacht, manche sind klein und legitim, andere sind groß und ziehen Kreise, wie ein Stein, der ins Wasser fällt.
"... Lügen sind ins Lebensmuster eingewebt. Unsere Tage sind wie Perlen mit einer Lügenschnur. Jeder leuchtend schöne Tag hat ein dunkles Loch, durch das sich die Schnur der Lüge zieht. Und diese Schnur ist es, die eine Reihe von Tagen zusammenhält."
Manchmal kennen wir die Wahrheit, fühlen, dass wir einer Lüge aufsitzen und suchen und finden doch Gründe und Erklärungen, die dagegen sprechen, denn der Wahrheit ins Gesicht sehen und unser Leben auf den Kopf stellen lassen, uns unsere eigene Blindheit eingestehen kann schmerzen.
"Oft ignorieren die Menschen lieber, was sie vor Augen haben, bloß um an dem festhalten zu können, was ihnen am Herzen liegt."

Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt, die Sprache, der Stil, die Intensität, die Charaktere, die Ruhe der Erzählung und doch unfassbare Spannung auf den Ausgang, mitfiebern mit Täter, als auch mit dem Opfer, diese unerträgliche Hitze...absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 21.06.2018
Die Vergessenen
Sandberg, Ellen

Die Vergessenen


sehr gut

Ein Buch, welches mich absolut überrascht hat.
Als ich den Klappentext gelesen habe wurde ich neugierig, jedoch ahnte ich nicht mal im Ansatz was mich dort auf 508 Seiten erwarten wird.

Die Geschichte beginnt langsam, fast schon leise. Als Leser lernen wir Manolis Lefteris und Vera Mändler kennen. Manolis ist ein Mann für ganz spezielle Aufträge, still, diskret erledigt er seinen inoffiziellen Job, denn offiziell ist er erfolgreicher Autohändler.
Manolis wird von einem Trauma in seiner Kindheit verfolgt. Als er noch ein kleiner Junge war schildert ihm sein Vater seine Erfahrungen zur Nazizeit in Griechenland in lebhaften Bildern und sehr emotional. Manolis war zu klein um dies alles zu verarbeiten, den Anblick seines weinenden Vaters und die transportierten Bilder.
Vera Mändler ist Journalistin und hat eine feste Stelle bei einem Frauenmagazin, allerdings ist es nicht das, was sie machen möchte. Artikel zu Falten, Schönheit und Wechseljahren sind ihr zu wenig Anspruch. In dieses berufliche Chaos aus Gedanken und Unzufriedenheit kommen nun auch private Veränderungen und Turbulenzen. Ihre Freund möchte plötzlich mit ihr zusammenziehen und ihre Tante Kathrin erleidet einen Schlaganfall. Vera kümmert sich mit allen Konsequenzen um Kathrin.
Dass Manolis und Kathrin mehr verbindet als nur der Handlungsort München wird nun klar, denn Manolis hat den Auftrag Unterlagen zu beschaffen, die sich vermutlich in Tante Kathrins Besitz befinden.
Kathrin Mändler hat in der Nazizeit in einer Klinik für psychisch Erkrankte unter dem Arzt Karl Landmann gearbeitet, dem sie völlig verfallen war. Zu der Zeit waren Menschen mit psychischen Erkrankungen Menschen der 2. Klasse und in einem weiteren Handlungsstrang erfährt der Leser mehr über diese dunkle Zeit, menschliche Abgründe und Greueltaten. Es geht um ein Euthanasie-Programm in dieser Heilanstalt unter Karl Landmann.
Vera nimmt die Recherchen auf um der Vergangenheit von Kathrin und somit auch ihrer eigenen Familiengeschichte näher zu kommen und Geheimnisse zu lüften.

Die Personen sind fiktiv, diese Heilanstalt gab es jedoch wirklich und so unfassbar es für uns ist, so real ist diese Vergangenheit aber auch. Orte und geschichtliche Fakten entsprechen der Realität, eine Mischung aus Fiktion und grauenhafter Realität.
Sandbergs Roman hat mich sehr berührt, die Personen sind sehr gut beschrieben, der Schreibstil flüssig und leicht, das Thema aber hart und schwer. Eine Leseempfehlung vor allem für geschichtlich Interessierte der deutschen Geschichte, speziell der Verbrechen, die auch ausserhalb der KZ's.
Sehr spannend, interessant und gut recherchiert. Dokumentationen über solche Behandlungen habe ich schon gesehen und Artikel darüber gelesen, aber in Romanform bislang nicht in den Händen gehalten und ich kann sagen, es lohnt sich.
Es gibt Dinge, die einfach niemals vergessen werden dürfen....