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Nancy
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Thüringen

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Insgesamt 54 Bewertungen
Bewertung vom 03.01.2026
Moody, Alexandra

Rival Darling


sehr gut

Nachdem Violet von ihrem Freund hintergangen wird, will sie vor allem eines: nach außen stark wirken und einen klaren Schlussstrich ziehen. Eine spontane Entscheidung führt dazu, dass sie sich auf eine vorgetäuschte Beziehung mit Reed Darling einlässt – ausgerechnet dem Kapitän des rivalisierenden Eishockey-Teams. Was zunächst nur als Zweckgemeinschaft gedacht ist, entwickelt schnell eine eigene Dynamik, denn hinter Reeds Ruf verbirgt sich deutlich mehr, als Violet erwartet hat.

Ich bin ziemlich schnell in „Rival Darling“ hineingekommen. Der Schreibstil von Alexandra Moody ist leicht, flüssig und sehr zugänglich, sodass sich die Seiten fast von selbst umblättern. Genau das ist auch der Grund, warum ich das Buch in kurzer Zeit durchgelesen habe. Die Geschichte liest sich angenehm weg, ohne große Längen, und die Dialoge wirken überwiegend natürlich und lebendig.

Die Atmosphäre ist klar im Young-Adult-Bereich verortet: viel Emotionalität, starke Gefühle, schnelle Entscheidungen und dieses typische „Alles oder nichts“-Denken, das man aus Teenromanzen kennt. Die ProtagonistI*innen sind erst 17 Jahre und das merkt man beim Lesen meiner Meinung nach auch sehr stark, und zwar nicht unbedingt nur positiv. Die Figuren handeln oft impulsiv, wenig reflektiert und teilweise erstaunlich naiv. Man merkt einfach, dass sie noch nicht erwachsen sind.

Genau das war für mich gleichzeitig der größte Kritikpunkt. Manche Verhaltensweisen wirkten auf mich unrealistisch und kindisch. Die Protagonistin trennt sich von ihrem Freund und ist eine Woche später mit dem Nächsten zusammen und niemand scheint sich ernsthaft daran zu stören, außer wegen der Person, mit der sie jetzt zusammen ist. Dass die extrem kurze Zeitspanne selbst problematisch sein könnte, wird kaum hinterfragt. Auch dass sich die beiden neuen Partner praktisch sofort ineinander verlieben, ging mir ehrlich gesagt zu schnell. Vor allem Reed ist emotional sehr rasch voll dabei, und dass Violet nach kürzester Zeit schon seine Familie kennenlernt, nach dem Motto „du gehörst ja jetzt dazu“, hat mich mehr als einmal die Augen verdrehen lassen. An solchen Stellen dachte ich wirklich: „Echt jetzt?“ Das fühlte sich für mich einfach nicht besonders lebensnah an.
Auch generell wirkte das Verhalten der Figuren nicht immer reif. Viele Konflikte entstehen aus Missverständnissen oder überstürzten Reaktionen, die man vielleicht mit 17 nachvollziehen kann, die mich als Leserin aber manchmal etwas genervt haben.

Trotzdem muss ich sagen, dass die Story an sich ganz nett ist. Die Grundidee funktioniert, die Dynamik zwischen den Hauptfiguren hat ihre Momente, und emotional packend ist das Buch stellenweise durchaus. Gerade für die Zielgruppe bietet die Geschichte viel: Romantik, Drama, Loyalitätskonflikte und dieses intensive Gefühlschaos, das man aus Teenagerjahren kennt oder zumindest aus Büchern darüber.

Fazit

Insgesamt ist „Rival Darling“ von Alexandra Moody für mich ein solides Young-Adult-Buch, das genau das liefert, was es verspricht. Ich glaube allerdings, dass ich persönlich für diese Art von Teenromanzen mittlerweile einfach etwas zu alt bin. Viele Dinge konnte ich nicht mehr ganz ernst nehmen oder nur noch mit kritischer Distanz betrachten. Wer aber gerne emotionale, leicht zu lesende Liebesgeschichten mit jungen Protagonist*innen mag, wird hier wahrscheinlich gut unterhalten.

Bewertung vom 03.01.2026
Leagh, Ivy

One Date to Gold


sehr gut

Amie hätte niemals damit gerechnet, dass eine einzige Begegnung ihr Leben so durcheinanderbringen würde. Eigentlich ist es nur ein spontanes Aufeinandertreffen, doch der Mann, der sie anrempelt, ist ausgerechnet Hunter, ein erfolgreicher Profisportler, der nicht nur körperlich, sondern auch mental unter enormem Druck steht. Während Hunter gewohnt ist, auf Höchstleistung zu funktionieren und in der Öffentlichkeit zu stehen, versucht Amie, mit ihren eigenen inneren Belastungen und Unsicherheiten zurechtzukommen. Was als einmaliges Treffen gedacht war, entwickelt sich zu einer wiederkehrenden Begegnung, bei der beide feststellen, dass Gefühle sich nicht einfach planen oder kontrollieren lassen. Zwischen Trainingseinheiten, sportlichen Ambitionen und privaten Rückzugsorten stellt sich zunehmend die Frage, ob mehr entstehen kann oder ob die persönlichen Grenzen und inneren Konflikte zu groß sind.

Für mich war "One Date to Gold" der erste Roman der Autorin. Allerdings habe ich schon viel von ihr und ihren Büchern gehört, weswegen ich sehr gespannt auf das Buch war und ich wurde am Ende auch nicht enttäuscht.

Der Schreibstil von Ivy Leagh ist flüssig, modern und sehr dialoglastig, was die Geschichte insgesamt leicht zugänglich und angenehm zu lesen macht. Besonders gut gefallen hat mir, dass Gefühle und Gedanken der Figuren klar und nachvollziehbar vermittelt werden, ohne dabei ständig ins Erklärende abzurutschen. Dadurch entsteht schnell Nähe zu den Charakteren.

Die Atmosphäre des Romans ist für mich einer der größten Pluspunkte. Das Setting ist ein absoluter Traum: Der sportliche Hintergrund – Trainingsalltag, Teamdynamik, Leistungsdruck und Öffentlichkeit – ist meiner Meinung nach sehr gut ausgearbeitet und wirkt durchweg glaubwürdig. Man merkt, dass hier nicht nur eine Liebesgeschichte erzählt wird, sondern dass der Sport ein zentraler Bestandteil von Hunters und Amies Identität ist und realistische Auswirkungen auf ihre Privatleben hat.

Die Hauptcharaktere, Hunter und Amie, mochte ich beide sehr. Sie sind sympathisch, aber eben nicht glatt oder perfekt. Beide bringen ihre ganz eigenen Schwächen, Unsicherheiten und inneren Probleme mit, die sie sichtbar belasten. Gerade das hat sie für mich authentisch und realistisch gemacht. Ihre Beziehung empfand ich als glaubwürdig aufgebaut, und auch die Entwicklung zwischen ihnen wirkte stimmig: nicht überhastet emotional, sondern nachvollziehbar wachsend, trotz der starken Anziehung von Beginn an.

Ein Punkt, der mich allerdings gestört hat, waren die Sexszenen und sexuellen Anspielungen. Sie waren mir persönlich zu derb, zu präsent und vor allem zu früh. Die beiden Charaktere begegnen sich gerade zum zweiten Mal und haben direkt sehr explizite Fantasien mit ziemlich drastischen Ausdrücken. Das war einfach nicht mein Geschmack. Auch später im Verlauf des Buches waren mir die Sexszenen insgesamt zu viel. Das hat meinen Lesefluss stellenweise gebremst, auch wenn ich weiß, dass das für andere Leser*innen durchaus ein Pluspunkt sein kann.

Sehr positiv hervorheben möchte ich jedoch die Nebencharaktere. Hunters Mannschaftskollegen sowie Evie – seine Schwester und gleichzeitig eine gute Freundin von Amie – waren durchweg sympathisch und haben die Handlung deutlich lebendiger gemacht. Sie sorgen für Dynamik, Humor und Erdung und verhindern, dass sich alles nur um das Paar dreht. Dadurch wirkt die Geschichte insgesamt realistischer und sozial eingebettet.

Besonders gefallen hat mir außerdem, dass am Ende kein unnötig aufgebauschtes, künstliches Drama konstruiert wird. Ja, es gibt Konflikte, aber sie werden gemeinsam angegangen. Niemand läuft kopflos davon, niemand schweigt wochenlang ohne Grund. Die Figuren kommunizieren, ringen miteinander und wachsen daran. Das empfand ich als sehr wohltuend und reif.

Mein persönliches Highlight war jedoch der Epilog. Die psychischen Probleme und Belastungen werden darin erstaunlich realistisch dargestellt. Es wird klar: Nur weil man jemanden liebt oder geliebt wird, ist nicht plötzlich alles perfekt. Heilung braucht Zeit, Geduld und bringt auch Rückschläge mit sich. Genau diese Ehrlichkeit hat mich sehr berührt. Es ist eben nicht Friede-Freude-Eierkuchen, sondern ein realistischer Weg der Heilung und das fand ich wirklich stark.

Fazit

Insgesamt hat mir "One Date to Gold" von Ivy Leagh trotz meiner Kritikpunkte gut gefallen. Wer über explizite Szenen hinwegsehen kann oder diese sogar schätzt, bekommt eine emotionale, authentische Liebesgeschichte mit tollem Setting, glaubwürdigen Figuren und einer erfreulich bodenständigen Auflösung.

Bewertung vom 02.01.2026
Wowes, Marie

Anatomy of a Broken Heart / Second Department Bd.1


sehr gut

„Anatomy of a Broken Heart“ von Marie Wowes erzählt die Geschichte von Gracie, deren Leben nach dem Tod ihrer großen Jugendliebe Flynn aus den Fugen gerät. Um ihrem Alltag zu entkommen und einen neuen Weg einzuschlagen, beginnt sie eine Ausbildung im Rettungsdienst. Für ihr Praxissemester kommt sie ausgerechnet auf eine Feuerwache, auf der sie Holden wiederbegegnet – Flynns bestem Freund. Beide verbindet die Vergangenheit auf schmerzhafte Weise, und während der gemeinsame Alltag zwischen Einsätzen, Erschöpfung und Nähe verläuft, werden alte Erinnerungen ebenso präsent wie neue Gefühle, denen sich weder Gracie noch Holden entziehen können.

Ich bin sofort gut in die Geschichte hineingekommen und hatte nie das Gefühl, mich durch den Text kämpfen zu müssen, was vor allem am Schreibstil der Autorin liegt. Ihre Art zu Schreiben bzw. zu Erzählen ist einfach sehr zugänglich und flüssig. Gleichzeitig bleibt die Sprache eher zurückhaltend, manchmal fast nüchtern, was ich als sehr passend empfunden habe. Emotionen werden nicht ausgeschrieben oder überdramatisiert, sondern entstehen oft zwischen den Zeilen. Besonders Gracies innere Gedanken wirken glaubwürdig und nicht glattgebügelt. Sie sind widersprüchlich, manchmal distanziert, manchmal überraschend direkt.

Ein großer Pluspunkt für mich war zudem das Setting. Der Rettungsdienst und die Arbeit auf der Feuerwache geben dem Roman eine eigene Note und verleihen ihm eine gewisse Authentizität. Die Einsätze sorgen dabei nicht nur für Spannung, sondern verstärken auch die emotionale Ebene der Geschichte. Leben, Tod und Verantwortung sind hier ständig präsent, ohne dass es reißerisch wirkt. Ich mochte die Einsätze, den Arbeitsalltag, das Teamgefühl, die Dynamiken unter den Kolleg*innen und die Art, wie die Arbeit die Figuren prägt.

Die Charaktere sind für mich das Herzstück des Buches. Gracie ist keine einfache Protagonistin, aber genau das macht sie interessant. Sie ist verschlossen, verletzt und nicht immer konsequent in ihrem Handeln. Ich konnte viele ihrer Reaktionen nachvollziehen, auch wenn ich nicht jede Entscheidung mochte. Holden hat mir ebenfalls gut gefallen, gerade weil er nicht als klassischer „perfekter Book Boyfriend“ inszeniert wird. Er ist ruhig, geduldig und trägt seine eigene Last mit sich herum, was die Beziehung zwischen ihm und Gracie komplexer und glaubwürdiger macht.
Die Beziehung selbst entwickelt sich langsam und vorsichtig. Mir hat gefallen, dass sie nicht sofort romantisch aufgeladen ist, sondern von Zurückhaltung, Schuldgefühlen und unausgesprochenen Spannungen geprägt wird. Diese Dynamik wirkte für mich sehr stimmig im Kontext der Geschichte und der Geschehnisse in der Vergangenheit.

Was mich jedoch etwas gestört hat, war das Ende des Romans. Für mich war das Finale deutlich dramatischer als der restliche Verlauf der Geschichte. Es fühlte sich ein wenig so an, als müsste zum Schluss unbedingt noch etwas „Großes“ passieren. Inhaltlich war diese Zuspitzung nicht völlig falsch oder unlogisch, sie passte grundsätzlich noch zur Handlung. Trotzdem hätte es sie für mich nicht gebraucht. Gerade weil der Roman zuvor von leisen Entwicklungen und innerer Spannung lebt, wirkte dieses zusätzliche Drama auf mich etwas künstlich, fast so, als wäre es eingebaut worden, um noch einmal maximalen emotionalen Effekt zu erzeugen. Ein ruhigeres, reduzierteres Ende hätte für mich besser zum Ton des Buches gepasst und für mich mehr zur Authentizität beigetragen,

Fazit

Insgesamt ist „Anatomy of a Broken Heart“ von Marie Wowes für mich jedoch ein emotionaler, atmosphärischer Roman mit starken Figuren und einem besonderen Setting. Er erzählt keine laute Liebesgeschichte, sondern eine von Verletzungen, Annäherung und vorsichtigem Weitergehen. Trotz meiner Kritik am Ende bleibt ein sehr positives Lesegefühl zurück. Das Buch hat mich berührt, unterhalten und letztlich vor allem durch seine Stimmung überzeugt.

Bewertung vom 30.12.2025
Pust, Justine

Was die Nacht nie vergisst


ausgezeichnet

In „Was die Nacht nie vergisst“ von Justine Pust wird Mona als Teilnehmerin der zweiten Staffel der Reality-TV-Show „Celebrity Cache“ ausgewählt. In Finnland tritt sie gemeinsam mit fünf anderen bei einer Reihe von Spielen an, bei der es um 100.000 Euro geht. Doch Mona ist nicht wegen Geld oder Ruhm dort. Ihre Freundin Fine nahm an der ersten Staffel teil und ist seitdem nicht mehr dieselbe. Mona ist überzeugt, dass hinter den Kulissen der Show etwas grundlegend falsch läuft. Um die Wahrheit aufzudecken, ist sie bereit, alle Risiken einzugehen. Doch kurz vor Drehbeginn begegnet sie Samu, aus einem Flirt wird eine Nacht und dann stellt sich heraus, dass auch er Teil der Show ist. Wie Mona verfolgt er eine eigene Mission, was Vertrauen, Nähe und Wahrheit von Beginn an unter Spannung setzt.

Justine Pusts neuester Roman hat mich nachhaltig getroffen. Es ist ein Buch, das unter die Haut geht, das sich festsetzt und lange, sehr deutlich nachhallt. Kein Buch, das man nach dem Lesen einfach beiseitelegt, sondern eines, das innerlich weiterarbeitet und Fragen aufwirft, die unbequem sind.
Als ich den Roman begonnen hatte, wurde mir schnell klar, dass es sich hier nicht um ein typisches New-Adult-Romance-Buch handelt. Zwar gibt es eine Liebesgeschichte, und ja, sie ist ein wichtiger Bestandteil der Handlung, doch sie wird klar von den prägnanten, ernsten Themen überlagert. Es geht um Machtmissbrauch, um Grenzüberschreitungen, um systematisches Schweigen und um Vertuschung. Dieses Buch berührt meiner Meinung nach nicht nur, es rüttelt wach. Es zeigt schonungslos, wie krass mit Frauen umgegangen wird und wie lange solche Strukturen funktionieren können, weil niemand hinsieht oder weil Wegsehen einfacher ist.

Der Schreibstil von Justine Pust ist dabei eindringlich, klar und emotional, ohne jemals pathetisch zu wirken. Sie schreibt nicht laut, sondern präzise und gerade dadurch entfaltet der Text seine Wirkung. Viele Szenen haben mich tief getroffen, weil sie nicht auf Schockeffekte setzen, sondern auf Realität. Auf das, was man sich nicht vorstellen kann oder möchte. Die Atmosphäre ist dabei durchgehend angespannt, stellenweise bedrückend, fast schwer, aber nie künstlich dramatisiert. Alles fühlt sich erschreckend real an.

Schon relativ früh hatte ich eine Ahnung davon, was mit Fine passiert sein könnte. Das „Was“ war denkbar, fast offensichtlich. Doch das „Wie“, das Ausmaß und all das, was nach und nach ans Licht kommt, war trotzdem schockierend. Und gleichzeitig nicht zu verleugnen. Genau das macht das Buch für mich authentisch: Diese Geschichte fühlt sich nicht konstruiert an, sondern wie ein Spiegel realer Zustände. Wie etwas, das jederzeit genau so passiert sein könnte – oder schon irgendwo passiert ist.

Die Figuren tragen diese Geschichte dabei mit enormer Glaubwürdigkeit.
Mona ist keine einfache, glatt geschriebene Protagonistin. Sie ist verletzlich, wütend, zweifelnd, stark und müde zugleich. Ihre innere Zerrissenheit war für mich jederzeit spürbar. Besonders berührt hat mich, wie ernst ihre Perspektive genommen wird, ohne sie zu romantisieren oder zu vereinfachen.
Samu wiederum ist für mich eine der angenehmsten Figuren des Buches. Ich mochte sehr, wie Mona und Samu sich angenähert haben: langsam, vorsichtig, respektvoll. Ihre Beziehung basiert nicht auf Drama, sondern auf Nähe, Vertrauen und echtem Zuhören. Man spürt die Verbindung zwischen ihnen, die leisen Momente, die Sicherheit. Samu ist für Mona da, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Er unterstützt sie, glaubt ihr und steht hinter ihrer Sache und ihrer Absicht – und genau das macht diese Liebesgeschichte für mich so authentisch. Sie dient nicht als Rettung, sondern als Stütze. Und trotzdem stand für mich eben nicht die Liebesgeschichte im Vordergrund, sondern die ernsten Themen, die dieses Buch behandelt.
Besonders fand ich auch, wie groß die Bedeutung der Nebenfiguren ist. Sie sind keine bloße Kulisse, sondern tragen entscheidend zur Handlung und zur emotionalen Tiefe des Buches bei. Jede dieser Figuren erfüllt eine wichtige Rolle, bringt neue Perspektiven ein und macht die Geschichte reicher, komplexer und glaubwürdiger.

Fazit

Für mich bleibt „Was die Nacht nie vergisst“ von Justine Pust vor allem ein Buch über Mut, über das Sichtbarmachen von Wahrheit und über strukturelle Ungerechtigkeit. Es ist kein leichtes Buch, kein klassischer Genre-Roman, sondern eine eindringliche, wichtige Geschichte, die aufwühlt und lange nachwirkt. Ein Buch, das weh tut – aber genau deshalb so notwendig ist.

Bewertung vom 30.12.2025
Licht, Kira

A Spark of Time - Ein Treffen in den Highlands


ausgezeichnet

Im dritten Band der A-Spark-of-Time-Reihe „Ein Treffen in den Highlands“ von Kira Licht führt die Zeitreise die Protagonist*innen nach Schottland, genauer gesagt in die geheimnisvollen und rauen Highlands des Jahres 1745 – eine Zeit voller politischer Unruhen, alter Clanstrukturen und latenter Gefahr. Dort sucht Collin MacLeod nach der sagenumwobenen Perle von Tortuga, einem Artefakt, dem außergewöhnliche Heilkräfte nachgesagt werden. Eingebettet in den rauen Alltag der Highlands beginnt sich zwischen Lilly und Collin eine unerwartete Nähe zu entwickeln. Was als Tarnung gedacht war, fühlt sich mit jeder gemeinsamen Szene realer an. Doch während Gefühle wachsen und Vertrauen entsteht, verdichten sich im Hintergrund die Hinweise darauf, dass ihre Maskerade brüchiger ist, als sie glauben. Die Zeit arbeitet gegen sie und je näher sie ihrem Ziel kommen, desto klarer wird, dass ein falscher Schritt alles zerstören könnte.

Ich habe „A Spark of Time – Ein Treffen in den Highlands“ von Kira Licht wieder einmal absolut geliebt. Es ist mittlerweile der dritte Band der Reihe, und genauso wie die beiden Vorgänger hat mich auch dieser Teil komplett in seinen Bann gezogen und zwar so sehr, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen verschlungen habe. Ich war von der ersten Seite an wieder mitten in der Geschichte und bei den Charakteren, als wäre ich nie weg gewesen. Genau dieses Gefühl schätze ich an der Reihe besonders: Sie knüpft nahtlos an die vorherigen Bände an und fühlt sich gleichzeitig frisch und spannend an.

Der Schreibstil von Kira Licht ist für mich erneut ein großes Highlight. Er ist flüssig, emotional und unglaublich einnehmend. Nach jedem Kapitel dachte ich mir: „Nur noch ein Kapitel“ und dann wurden es doch noch eins und noch eins und noch eins. Die Geschichte entwickelt einen Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte, weil immer genau im richtigen Moment neue Fragen, kleine Wendungen oder emotionale Momente auftauchen.

Ganz besonders begeistert hat mich zudem abermals die Atmosphäre. Die Kulisse der schottischen Highlands ist einfach großartig gewählt und so bildlich beschrieben, dass ich die Landschaft förmlich vor Augen hatte: die Weite, die Natur, diese leicht mystische, aber auch gefährliche Stimmung.

Und auch die Charaktere haben mich wieder vollkommen überzeugt. Die altbekannten Figuren mochte ich wie schon in den vorherigen Bänden sehr gern, und es hat sich richtig gut angefühlt, sie wiederzutreffen und ihre Entwicklung weiterzuverfolgen. Gleichzeitig hat mir Collin als neuer Charakter ausgesprochen gut gefallen. Ich fand ihn sehr passend für die Geschichte, gut ausgearbeitet und eine echte Bereicherung für das Ensemble. Seine Rolle fügt sich organisch ein und bringt neue Dynamik in die Handlung.

Fazit

Insgesamt ist dieser dritte Band für mich ein starkes, emotionales und atmosphärisches Weitererzählen der Reihe. Man merkt deutlich, dass hier alles aufeinander aufbaut und nichts zufällig wirkt. Nach dem Lesen bin ich nun umso gespannter auf Band 4: Wie wird es mit den Protagonist*innen weitergehen? Welche Entwicklungen stehen noch bevor? Und natürlich vor allem: Was erwartet uns in Salem? Ich kann es kaum erwarten, dorthin zurückzukehren.

Bewertung vom 22.12.2025
Kaspar, Christina

Lose Me Once / Harpers Ferry Bd.1


ausgezeichnet

In "Harpers Ferry. Lose Me Once“ von Christina Kaspar kehrt Emery nach Harpers Ferry zurück, einen Ort, den sie vor Jahren verlassen hat – nicht freiwillig, sondern weil ein tragisches Ereignis alles verändert hat. Der Tod eines jungen Menschen hat tiefe Spuren hinterlassen und Emery ebenso wie Luke geprägt. Als Emery nun zurückkommt, trifft sie nicht nur auf ihre eigene Vergangenheit, sondern auch auf Luke, zu dem sie eine intensive, komplizierte Verbindung hat, die nie wirklich abgeschlossen wurde. Doch hat ihre Liebe nach allem, was passiert ist, überhaupt noch eine Chance?

Der Reihenauftakt von Christina Kaspars neuer Romance-Suspense-Reihe hat mich vor allem durch seine Handlung und die konsequente Entwicklung der Geschichte überzeugt. Die Autorin nimmt sich Zeit, ihre Geschichte aufzubauen, und genau das zahlt sich aus. Die Handlung entfaltet sich Schicht für Schicht und wirkt dabei durchgehend durchdacht. Ich hatte nie das Gefühl, dass Wendungen nur um ihrer selbst willen eingebaut wurden. Vielmehr fügen sie sich logisch in das Gesamtbild ein, auch wenn sie mich beim Lesen mehrfach komplett überrascht haben.

Der Schreibstil und die Atmosphäre greifen für mich zudem perfekt ineinander. Die Sprache ist ruhig, bildhaft und emotional. Vieles bleibt bewusst unausgesprochen, wodurch zwischen den Zeilen eine dichte, fast greifbare Spannung entsteht. Diese zurückhaltende Erzählweise passt hervorragend zur melancholischen Grundstimmung des Romans.

Harpers Ferry wird dabei nicht nur beschrieben, sondern fühlbar gemacht: als Ort voller Erinnerungen, kleiner Gesten und unausgesprochener Geschichten. Gleichzeitig liegt über allem eine leise Schwere, die zeigt, dass unter der gemütlichen Oberfläche etwas Dunkles verborgen ist. Besonders dieses Cozy-Kleinstadtsetting habe ich sehr geliebt. Harpers Ferry wirkt wie eine Stadt, in der man sofort ankommen möchte: mit kleinen, niedlichen Geschäften, vertrauten Straßen und Bewohnern, die sich kennen, füreinander da sind und sich gegenseitig unterstützen. Diese herzliche, fast idyllische Atmosphäre macht es umso eindringlicher, dass ausgerechnet hier so ein tragisches Ereignis geschehen ist.

Luke und Emery als Protagonist*innen sind äußerst vielschichtige Figuren, deren Entwicklung mich emotional sehr abgeholt haben. Emery ist geprägt von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln, gleichzeitig aber reflektiert und sensibel. Ihre innere Zerrissenheit wird sehr feinfühlig dargestellt, sodass ich ihre Entscheidungen – selbst die schmerzhaften – gut nachvollziehen konnte. Luke hingegen ist loyal und gleichzeitig aber auch tief verletzt. Besonders bei ihm fand ich die langsame Öffnung und die schrittweise Enthüllung seiner Gedanken und Motive sehr gelungen.

Die Dynamik zwischen Luke und Emery ist intensiv und emotional aufgeladen. Man spürt in jeder Begegnung die gemeinsame Vergangenheit, die unausgesprochenen Gefühle und das, was verloren gegangen ist. Ihre Beziehung lebt von Spannung, Nähe und Distanz zugleich.

Was mich allerdings wirklich nachhaltig beeindruckt hat, waren die vielen Wendungen und Enthüllungen. Ich habe beim Lesen ständig mitgerätselt, Theorien aufgestellt und überlegt, wer wie in den Tod verstrickt sein könnte und was damals tatsächlich passiert ist. Zwar empfand ich den Mittelteil stellenweise etwas langgezogen, doch selbst dort blieb ich gedanklich immer bei der Geschichte. Ich wollte verstehen, wie alles zusammenhängt, und hatte permanent das Gefühl, dass noch etwas Entscheidendes fehlt. Besonders stark fand ich, dass nach einer Wendung sofort die nächste folgte – oft überraschend, teilweise schockierend und absolut nicht erwartbar. Das Ende kam für mich komplett anders, als ich es mir ausgemalt hatte, und genau das hat den Roman für mich so wirkungsvoll gemacht.

Fazit

Insgesamt ist „Harpers Ferry. Lose Me Once“ von Christina Kaspar für mich ein emotionaler, spannender Roman, der von seiner dichten Atmosphäre, einer starken Handlung und glaubwürdigen Figuren lebt. Trotz kleiner Längen im Mittelteil überwiegen die vielen überraschenden Enthüllungen, die intensive Figurenentwicklung und das wunderschöne Kleinstadtsetting deutlich. Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf Band 2!

Bewertung vom 09.12.2025
Kingsley, Felicia

The Heat is on - Something's Cooking Between Us


gut

In „The Heat Is On“ von Felicia Kingsley trifft Julia, die in ihrer Familie ständig unterschätzt und übergangen wird, auf Romeo, der eigentlich Dwight heißt und als Undercover-Cop in ihrem Familienrestaurant eingeschleust wird. Während Julia versucht, sich endlich beruflich zu behaupten und ihren Platz in der Küche zu finden, verfolgt Romeo eine geheime Mission: Er soll verdeckt arbeiten, um illegalen Machenschaften nachzugehen, die mit dem Restaurant und der Familie in Verbindung stehen. Zwischen Küchendruck, familiären Erwartungen und Dwights verborgenen Absichten entsteht eine unerwartete Nähe - doch diese basiert zunächst auf einer Lüge, die wie eine tickende Zeitbombe zwischen ihnen steht.

Als ich mit dem Buch begonnen habe, musste ich mich ehrlich gesagt erst einmal regelrecht hineinkämpfen. Ich brauchte ungewöhnlich lange, um eine Verbindung zur Geschichte aufzubauen, und das lag vor allem an den beiden Hauptfiguren.
Romeo war mir zunächst einfach nicht sympathisch. Seine Art - überheblich, provozierend, immer leicht von oben herab - hat mich eher abgestoßen als neugierig gemacht. Wenn das jemand wäre, der mich von einer Beziehung überzeugen wollte, hätte das bei mir persönlich absolut nicht funktioniert. Vielleicht sollte dieses Knistern genau durch diese Reibung entstehen, aber am Anfang war es für mich einfach zu viel Reibung und zu wenig Charme.
Julia dagegen fand ich anfangs ebenfalls ein wenig zickig, aber im Gegensatz zu Romeo konnte ich sie schnell verstehen. Denn eigentlich ist sie eher frustriert und das völlig zurecht. Sie hat eindeutig das Potenzial, viel eigenständiger und selbstbestimmter zu sein, als ihre Familie es ihr zugesteht. Dennoch wurde sie stets ein bisschen bevormundet, immer ein wenig übergangen – sogar dann, als es um die Position des Küchenchefs ging. Ihr innerer Konflikt zwischen dem Wunsch nach Anerkennung und der Realität, ständig zurückgesteckt zu werden, hat sie für mich greifbar und sympathisch gemacht. Sie war mir insgesamt wesentlich näher als Romeo, einfach weil ich ihre Reaktionen, Prinzipien und Grenzen so gut nachvollziehen konnte.

Trotz meiner Startschwierigkeiten muss ich sagen, dass mir besonders eines positiv aufgefallen ist: die Art, wie Dwight/Romeo sich im weiteren Verlauf gegenüber Julia verhält. Auch wenn ich seine Attitüde am Anfang überhaupt nicht mochte, wurde im Laufe der Geschichte klar, dass er unglaublich rücksichtsvoll mit ihren Ängsten, Einstellungen und Prinzipien umgeht. Die Beziehung, die sich entwickelt, ist nicht toxisch - im Gegenteil, sie basiert auf Respekt, gegenseitigem Verständnis und einem gewissen Maß an Bedürfnisorientierung.

Weiterhin positiv hervorheben möchte ich außerdem das große gesundheitliche Thema, das im Buch angesprochen und entstigmatisiert wird. Ich fand das ganze sehr feinfühlig umgesetzt und tatsächlich auch ermutigend. Es ist selten, dass so ein Aspekt nicht nur erwähnt, sondern wirklich respektvoll in die Handlung integriert wird. Das hat dem Roman für mich eine besondere Ebene gegeben, die ich so nicht erwartet hätte.

Was die Handlung selbst betrifft, war sie für mich insgesamt „niedlich“, stellenweise auch richtig schön emotional. Es gab viele Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, und die Entwicklung zwischen Julia und Romeo war grundsätzlich gut nachvollziehbar.
Allerdings - und das hat mich beim Lesen immer wieder etwas gebremst - empfand ich das Hin und Her zwischen Julia und Romeo anfangs als sehr langgezogen. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass Szenen sich etwas wiederholen oder unnötig in die Länge ziehen. Dadurch wirkte der Mittelteil auf mich streckenweise ein wenig zäh. Die langsame Entwicklung ihrer Beziehung fand ich an sich realistisch und schön, aber das Tempo war für meinen Geschmack nicht immer ideal ausbalanciert.

Und dann kam das Ende und da hatte ich plötzlich das gegenteilige Problem: Es ging mir zu schnell. Schlag auf Schlag wurden Entwicklungen präsentiert, große Zeitsprünge eingebaut und Entscheidungen getroffen, für die ich mir mehr Ausarbeitung gewünscht hätte. Wo vorher vieles lang und intensiv erzählt wurde, wirkte das Finale fast gehetzt. Ich hätte es schöner gefunden, wenn das emotionale und erzählerische Tempo hier etwas besser gestreckt gewesen wäre, um der Geschichte einen runderen Abschluss zu geben.

Fazit

Insgesamt mochte ich "The Heat Is On" von Felicia Kingsley trotz der Startschwierigkeiten und einiger Längen ganz gerne. Die Atmosphäre rund um die Küche, das Konkurrenzdenken, der familiäre Druck, die romantische Spannung war gut gemacht und hat mich wirklich abgeholt. Vor allem die respektvolle Dynamik, die sensible Thematisierung von Gesundheit und die nachvollziehbare Charakterentwicklung von Julia haben die Geschichte für mich am Ende zu einem lohnenswerten Leseerlebnis gemacht.

Bewertung vom 21.11.2025
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


ausgezeichnet

Der neue Roman von Mechthild Borrmann „Lebensbande“ verwebt mehrere Zeitebenen und Perspektiven miteinander, um die Folgen von Schuld, Schweigen und familiären Geheimnissen sichtbar zu machen. Im Zentrum stehen drei junge Frauen, deren Leben durch historische Ereignisse – insbesondere durch politisch verursachtes Unrecht im 20. Jahrhundert – und durch die Entscheidungen ihrer Familien nachhaltig geprägt werden. Während die Gegenwartshandlung das langsame Enthüllen eines lange verdrängten Verbrechens beschreibt, folgt die Vergangenheitsebene den Menschen, die schuldig wurden, wegschauten oder überlebten.
Die Verbindung zwischen diesen Schicksalen kristallisiert sich erst spät heraus und bildet den Kern des Romans: Wie wirken Verletzungen über Generationen hinweg fort und welche Verantwortung trägt man für eine Wahrheit, die man nicht kennt, aber deren Folgen man spürt?

Schon nach den ersten Seiten des Buches hatte ich das Gefühl, in eine sehr besondere Stimmung einzutauchen – eine Atmosphäre, die gleichzeitig leise und gespannt ist, als wäre etwas Ungesagtes im Raum, das sich nur sehr vorsichtig zeigt. Genau diese Feinheit in der Erzählweise hat mich sofort abgeholt. Es gibt Bücher, die laut um Aufmerksamkeit ringen, "Lebensbande" gehört für mich jedoch im Gegenteil dazu zu denen, die flüstern und gerade deshalb so eindringlich wirken.

Borrmanns Sprache ist für mich klar, konzentriert und niemals überladen. Ich mag, wie sie mit wenigen, präzisen Sätzen eine Stimmung aufbauen kann, die ich während des Lesens fast körperlich gespürt habe. Alles wirkt bewusst gesetzt, nichts wirkt künstlich oder erzwungen.
Was mich besonders fasziniert hat, sind die Perspektiv- und Zeitebenenwechsel, da sie mir das Gefühl geben, aus verschiedenen Blickwinkeln auf dieselbe Geschichte zu schauen. Diese Switches sind für mich wie kleine Fenster, die sich öffnen: mal in eine andere Zeit, mal in das Innere einer Figur, mal an einen Ort, über den man vorher nur eine Ahnung hatte. Diese Wechsel machen den Roman für mich unglaublich lebendig und authentisch. Ich hatte nie das Gefühl, aus dem Fluss gerissen zu werden, sondern eher, dass das Erzählen dadurch an Tiefe gewinnt. Als würde ich Stück für Stück in ein Geflecht hineinschauen, das erst durch diese unterschiedlichen Einblicke überhaupt als Ganzes erkennbar wird.

Die Handlung entfaltet sich langsam, beinahe tastend, und gerade das mochte ich sehr. Es geht nicht um schnelle Wendungen, sondern um das allmähliche Aufdecken von Zusammenhängen. Ich habe beim Lesen immer gespürt, dass die wahren Konflikte nicht spektakulär sind, sondern versteckt in Momenten des Schweigens, der Angst, der Unwissenheit oder der falsch verstandenen Fürsorge. Genau dieser leise Spannungsbogen hat mich gefesselt. Die Geschichte wirkt nie überdramatisiert. Sie vertraut darauf, dass menschliche Schicksale für sich sprechen. Und das machen sie hier definitiv.

Die Figuren waren für mich das emotionale Herz des Romans. Sie sind nicht heroisch oder idealisiert, sondern wirken verletzlich, widersprüchlich und sehr menschlich. Gerade diese Unvollkommenheit hat sie mir so nah gebracht. Viele handeln aus Überforderung, aus Liebe, aus Angst oder aus Unwissenheit und ich konnte all das gut nachvollziehen.

Das Buch hat mich insgesamt auf eine sehr stille, aber nachhaltige Weise getroffen. Es ist keines dieser Werke, die man zuklappt und sofort abhakt. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass die Gedanken erst nach dem Lesen nachhallen, sich ordnen, wieder aufsteigen. Ich musste mehrfach kurze Pausen machen, nicht wegen Schwere, sondern wegen der Intensität des Menschlichen, das zwischen den Zeilen liegt.

Fazit

„Lebensbande“ von Mechthild Borrmann ist für mich alles in allem ein tief berührender, eindringlicher Roman, der sich nicht durch Lautstärke, sondern durch Genauigkeit und Feingefühl auszeichnet. Die Perspektivwechsel und unterschiedlichen Einblicke machen ihn lebendig und vielschichtig. Die Geschichte wirkt nach – ruhig, aber kraftvoll. Für mich gehört das Buch zu jenen, die einen noch eine ganze Weile begleiten, auch wenn man sie längst aus der Hand gelegt hat.

Bewertung vom 12.11.2025
Osman, Richard

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code / Die Mordclub-Serie Bd.5


gut

In dem neuen Roman von Richard Osman „Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“ erleben wir Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron in einer für sie zunächst eher privaten Situation: Es steht die Hochzeit von Joyces Tochter an. Doch sehr schnell wird daraus mehr als ein charmantes Familienfest: Einer der Trauzeugen ist in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, eine Geschäftspartnerin wird ermordet, und im Zentrum steht ein verschlüsselter Code – angeblich „unlösbar“ –, für den einige skrupellose Zeitgenossen scheinbar vor nichts zurückschrecken. Also mischt sich der Donnerstagsmordclub ein und versucht, die Puzzleteile zusammenzusetzen und den Code zu knacken.

Ehrlicherweise war das mein erstes Buch des Autors und ich dachte mir: „Was soll’s schon schaden, den Rest nicht zu kennen. Bei den meisten Büchern kommt man ja dennoch gut rein.“ Doch hier war das leider nicht der Fall. Es ist mir extrem schwergefallen, in die Handlung und vor allem in die Charaktere reinzufinden. Ich habe bis zum Ende nicht so genau verstanden, wie alle Figuren zueinander stehen, also wer mit wem verwandt ist, wer welche Vorgeschichte hat, und wie einzelne Stränge miteinander verbunden sind. Ich glaube, da fehlt mir für einen vollständigen Durchblick wirklich die Kenntnis der Vorgängerbände.

Auch der häufige Switch zwischen den Figuren, die vielen Perspektiven und Nebenhandlungen, waren mir schlicht zu viel. Es traten zahlreiche Personen zu Wort, und der Wechsel war so häufig und abrupt, dass ich den Überblick verlor. Gleichzeitig hat jedoch genau diese Vielzahl von Figuren dem Buch aber auch etwas Lebendiges verliehen: Man „lernt“ quasi jede Person und ihre Gefühlswelt näher kennen, was eigentlich schön ist.

Der Stil von Richard Osman gefällt mir insgesamt gut: Er verwendet kurze Kapitel, wechselt Perspektiven, lässt Tagebucheinträge und Reflexionen einfließen, was das Buch angenehm lebhaft macht. Der britische Humor kommt durch, die Dialoge sind charmant, und die Atmosphäre ist erfrischend.

Und auch die Figurenchemie ist insgesamt stark – wenngleich für mich etwas erschwert zugänglich, weil viele Vorgeschichten vorausgesetzt werden. Aber das mindert nicht meine Sympathie für die meisten der Figuren.

Die eigentliche Handlung bereitet durchaus Spannungsmomente, sodass man miträtselt.
Allerdings - und das ist mein größter Kritikpunkt; unabhängig davon, dass ich die anderen Bände nicht kenne: Für meinen Geschmack hat mir das gewisse Etwas gefehlt, das einen Krimi (auch einen humorvollen) richtig mitreißt. Die Handlung wirkt für mich mitunter überfrachtet: Viel Persönliches, viele Nebenschauplätze, wodurch der eigentliche Mordfall oder der Code-Rätsel-Faden eher etwas in den Hintergrund rückt.
Das Ende, die Aufklärung des Falls, war dann für meinen Geschmack eher banal und unspektakulär. Ich hatte mehr erwartet: einen stärkeren Twist, ein größeres Aha-Erlebnis.

Fazit

Alles in allem ein wirklich guter, ansprechender Schreibstil, charmante Atmosphäre, sympathische Charaktere, aber für mich nicht ganz geglückt, weil die Handlung mich nicht völlig abgeholt hat und ich – ohne die vorherigen Bände – Schwierigkeiten hatte, den Überblick zu behalten. Wer bereits die Vorgänger kennt, wird vermutlich mehr Freude haben und die Figuren und ihre Beziehungen klarer einordnen können.

Bewertung vom 12.11.2025
Groh, Kyra

The Pumpkin Spice Latte Disaster / Pumpkin Spice Latte Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ von Kyra Groh hat mich von Anfang an mit seiner herbstlichen Wohlfühlstimmung, dem charmanten Kleinstadtsetting und der Idee eines humorvollen Liebesromans in einem kleinen Café angesprochen.
Die Geschichte dreht sich um Jude, die nur widerwillig in ihre Heimatstadt Lower Whilby zurückkehrt, um der Hochzeit ihrer Schwester beizuwohnen. Dort trifft sie auf James, den mürrischen, aber attraktiven Besitzer eines kleinen Cafés, der eigentlich keine Lust auf Gesellschaft hat und erst recht nicht auf eine solche impulsive Person wie sie, die nicht auf den Mund gefallen ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine typische „von Hass zu Liebe“-Dynamik: Schlagabtausche, unerwartete Nähe, Rückschläge und wachsende Gefühle – gepaart mit viel Witz und Ironie.

Was mir beim Lesen sofort auffiel, war der gewohnt angenehme, flüssige und humorvolle Schreibstil von Kyra Groh. Ihre Sprache ist leicht, modern und lebendig und sie schafft es immer wieder, Dialoge so zu gestalten, dass sie sich wie echte Gespräche anfühlen. Ich mochte den Witz in den Wortgefechten zwischen Jude und James, die vielen ironischen Bemerkungen und das Tempo, das dadurch entsteht. Gleichzeitig hatte ich jedoch das Gefühl, dass der Humor an manchen Stellen etwas zu sehr bemüht wirkte. Dadurch ging mir manchmal etwas von der Authentizität verloren. Als wolle der Text ständig beweisen, wie schlagfertig und clever die Figuren sind.

Sehr deutlich ist auch der Einfluss der „Gilmore Girls“ zu spüren, und zwar so stark, dass ich stellenweise fast meinte, Lorelai und Luke in britischer Umgebung wiederzuerkennen. Jude erinnert in ihrer Art zu sprechen, ihrer Kaffeeleidenschaft, ihrer komplizierten Familiengeschichte und ihrem sprunghaften Wesen stark an Lorelai Gilmore. Einerseits fand ich diesen „Gilmore-Girls-Vibe“ richtig schön, weil er ein warmes, humorvolles und leicht nostalgisches Gefühl vermittelt. Andererseits war es mir zu nah am Original, fast ein bisschen abgeschrieben. Ich hätte mir gewünscht, dass Jude bei aller Ähnlichkeit noch stärker eine eigene Identität bekommt. Gleiches trifft leider auch auf James und seine Parallelen zu Luke zu.
Die Nebencharaktere waren insgesamt sehr sympathisch, auch wenn einige meiner Meinung nach noch eher blass blieben. Da es jedoch noch weitere Bände gibt, hoffe ich sehr darauf, dass man die Charaktere noch besser kennenlernt.

Die Haupthandlung rundum Jude, die zurückkehrt, James trifft, in dessen Café arbeitet und die Annäherung der beiden, funktioniert und macht Spaß. Mir gefiel das Setting und die Idee. Leider aber war mir die Handlung außerhalb der Beziehung zwischen Jude und James etwas zu wenig: Viele Nebenstränge werden angedeutet – das schwierige Verhältnis zu Judes Eltern und Schwester, unausgesprochene Konflikte in der Familie, alte Verletzungen –, doch diese bleiben weitgehend unbearbeitet. Es gibt kaum Aussprache und keine wirkliche Aufarbeitung der Konflikte. Am Ende blieb für mich leider das Gefühl, dass diese Themen einfach „erledigt“ sind, ohne dass sie wirklich verarbeitet wurden. Das fand ich schade, weil genau das der Geschichte mehr emotionale Tiefe und Glaubwürdigkeit gegeben hätte.

Trotz dieser Kritikpunkte hatte ich jedoch nicht das Gefühl, meine Zeit mit dem Buch zu verschwenden. Im Gegenteil, es liest sich unglaublich schnell, unterhält gut und erzeugt dieses typische Herbstgefühl, das man mit einer heißen Tasse Kakao (oder doch lieber Pumpkin Spice Latte? 😉) auf dem Sofa genießen möchte. Kyra Groh schafft es, Wärme und Leichtigkeit zu vermitteln, auch wenn nicht alles perfekt durchdacht wirkt.

Fazit

Insgesamt würde ich „The Pumpkin Spice Latte Disaster“ als unterhaltsame, charmante und warmherzige Liebesgeschichte bezeichnen, die mit Witz, Atmosphäre und einem klaren Wohlfühlfaktor punktet, allerdings erzählerisch nicht ganz ihr Potenzial ausschöpft, sodass wenn man Tiefe oder echte Entwicklung erhofft, eventuell ein kleiner Beigeschmack von Unerfülltheit bleibt.