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Benutzername: LadyNinily
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Bewertungen

Insgesamt 53 Bewertungen
Bewertung vom 21.01.2020
Das Gedächtnis von Babel / Die Spiegelreisende Bd.3
Dabos, Christelle

Das Gedächtnis von Babel / Die Spiegelreisende Bd.3


ausgezeichnet

Auch der 3. Teil rund um die Spiegelreisende bleibt sich seinen Prinzipien treu: Skurrilitäten, Intrigen und nun doch ein kleines bisschen Liebe.
Gemeinsam mit Ophelia bleibt man als Leser weiterhin sowohl Thorn als auch Gott auf den Fersen. Dabei verschlägt es die junge Ophelia auf eine weitere Arche – Babel – die ihren Geschwisterarchen in Punkto eigenartige Gepflogenheiten und seltsame Bewohner in nichts nachsteht. Während die Bürger Babels ein Ebenbild der Tugendhaftigkeit zu sein scheinen, wird das alltägliche Leben von sogenannten Automaten geregelt. Eine Art künstliche Intelligenz, verpackt in allerlei humanoiden Robotern, die bei genaueren Nachfragen aber gar nicht so intelligent zu sein scheinen und unserer Protagonisten das Leben wahrlich nicht leichter machen.
Aber auch auf Babel trifft Ophelia auf eine Reihe skurriler Gestalten, zwielichtiger Kontrahenten und zum Glück loyalen Freunden, die den dritten Band nicht weniger bittersüß und spannend gestalten, als seine beiden Vorgänger. Hinzu kommt aber zum ersten Mal eine weitere Perspektive: die von Berenildes kleiner Tochter. Zugegeben, zu Beginn des ersten Kapitels aus ihrer Sicht war ich etwas verwirrt, da nirgends auf den Perspektivenwechsel verwiesen wird. Man kommt aber doch relativ fix dahinter und erhält meiner Meinung nach einen sehr wichtigen Einblick in bisher verborgene Vorgänge, die die ganze Geschichte in einem neuen Licht erscheinen lassen.
Dennoch kann ich mir durchaus vorstellen, dass die hier nun doch stärker aufblühende Liebe zwischen Thorn und Ophelia für manche Fans einen bitteren Beigeschmack hat, war doch das Fehlen ebendieser gerade im ersten Band eine der besonderen Eigenschaft dieser Geschichte. Aber auch wenn sich Ophelias Gefühle für Thorn zu einer der treibenden Kräfte für ihr Handeln entwickelt haben, so ist es dennoch keine typisch schmachtende Romantasy. Ophelia sehnt sich nämlich nicht alle zehn Seiten nach Thorns starken Armen oder verliert sich in rosaroten Tagträumereien. Sie bleibt die gleiche starke und intelligente Persönlichkeit, die sie im Laufe der ersten beiden Bücher geworden ist. Gerade das lässt die Beziehung zwischen Ophelia und Thorn so viel erwachsener und reifer, aber auch flüchtiger und dadurch so viel zerbrechlicher wirken. Die Beziehung zwischen Ophelia und Thorn hat sich zu einer meiner allerliebsten Liebesgeschichten entwickelt.

Fazit
Eine wirklich gelungene Fortsetzung, die den Leser auf eine neue Arche entführt, die nicht weniger skurril als ihre Vorgänger ist. Allein die aufblühende Liebesgeschichte könnte den ein oder anderen Leser abschrecken, dem das Fehlen eben jener bisher so zugesagt hat. Ich persönlich freue mich allerdings wahnsinnig auf Band 4!

Bewertung vom 27.12.2019
DRAUSSEN (eBook, ePUB)
Kobr, Michael; Klüpfel, Volker

DRAUSSEN (eBook, ePUB)


gut

„Draussen“ ist ein Thriller, der mittels drei verschiedener Perspektiven eine zusammenhängende Geschichte spinnt – zumindest mehr oder weniger.
Im Hauptstrang verfolgt man die Geschichte aus den Augen Cayennes. Seit ihrer Kindheit auf der Flucht, ist Cayenne eine starke, junge Persönlichkeit – sie kann durchaus um ihr Leben kämpfen, aber eigentlich wäre sie auch gerne einfach nur ein stinknormaler Teenager, der auf Dates und Partys geht. Außerdem ist sie sehr rational und logisch und stellt häufig genau das in Frage, was auch der Leser nicht so ganz versteht. Neben dieser Perspektive gibt es noch einzelne Kapitel aus der Sicht eines Politikers, der so ein furchtbarer Charakter ist, dass mir diese Abschnitte absolut keinen Spaß gemacht haben. Außerdem gibt es kleine Einschübe in Form von Tagebucheinträgen eines Soldaten, die bis sehr weit am Ende nicht wirklich viel Sinn machen.
Mich haben diese drei Erzählperspektiven insgesamt enorm gestört. Es ist immer interessant, wenn damit Spannung aufgebaut wird. Doch hier ist einerseits die Perspektive des Politikers wegen seines Charakters unglaublich ätzend und andererseits erschließt sich bis kurz vor Ende nicht, wie diese drei Einzelgeschichten überhaupt zusammengehören. Das hat mich immer wieder aus dem spannenden Teil mit Cayenne herausgerissen und mir völlig zusammenhangslos zwei weitere Geschichten aufgedrängt, die mich absolut nicht interessiert haben. Der leichte politische Hauch, der dem ganzen dann noch dazu gemischt wird, hat mir persönlich auch nicht gefallen. Eklige Politiker, Intrigen, Lobbyarbeit, Verschwörungen – nein, Danke.
Im Grunde lässt sich wohl sagen: das Buch war einfach nicht, was ich mir nach dem Klappentext erhofft hatte: eine knallharte Geschichte über das Überleben und den Überlebenskampf, die sich hauptsächlich im finsteren Wald abspielt. Gekriegt habe ich leider etwas ganz anderes.

Fazit
Ein Thriller, der nicht viel von seinem Versprechen des harten Überlebenskampfes im Wald hält und eine abstruse Geschichte über Verschwörungstheoretiker und alte Schulden spinnt. Ich hatte mir definitiv mehr erhofft, kann mir aber durchaus vorstellen, dass Freunde von Thrillern mit politischen Zügen hier auf ihre Kosten kommen.

Bewertung vom 27.12.2019
WW - Genial saisonal!
Schweiger, Andi

WW - Genial saisonal!


gut

In diesem Kochbuch finden sich hauptsächlich eher besondere Zutaten, die ich nicht als Feierabendküche einstufen würde. Dazu zählen primär sehr viel Meeresfrüchte und Fisch, wie Oktopus, Muscheln und Langusten, aber auch Fleischsorten wie Wachteln, Schwein und Lamm findet man hier zahlreich. Ich bin eigentlich Pescetarier, koche aber für die Familie oft Gerichte, in denen Fleisch vorhanden ist und ersetze das für mich einfach entsprechend. Da diese Gerichte aber sehr speziell sind, stellt sich das als nicht gerade einfach heraus. Vor allem Lebensmittel wie Oktopus und Muscheln so mit anderem Fisch oder Gemüse zu ersetzen, dass es auch für mich ein rundes Gericht abgibt, fällt mir sehr schwer.
Ein großer Pluspunkt sind aber ganz eindeutig die vielen Dessertideen, denn die eigenen sich für jede Ernährungsform und lassen sich auch gut an eine vegane Küche anpassen. Diese Nachspeisen sind zwar gemäß den Hauptspeisen auch nicht in 5 Minuten mal eben hergezaubert, bieten dadurch aber auch eine gute Kombinationsmöglichkeit, wenn man mal etwas aufwendiger für die Familie oder Gäste kochen möchte.

Fazit
Ein schönes Kochbuch mit anspruchsvollen Rezepten für alle, die auch mit Weight Watchers gerne mal etwas Restaurant Feeling auf ihren Tisch bringen möchten. Wer allerdings kein Fan von Fleisch oder Meeresfrüchten ist, der sollte sich lieber ein anderes Kochbuch aussuchen.

Bewertung vom 27.12.2019
WW - 100 Top Rezepte

WW - 100 Top Rezepte


ausgezeichnet

Auch wenn wir schon viele WW Kochbücher haben und da auch das ein oder andere „Lieblings“ oder „xx Top“ Rezepte Kochbuch dabei ist, bin ich sehr positiv überrascht, wie viele neue Rezeptideen man hier finden kann. Die letzten Male konnte ich kaum ein WW Kochbuch aufschlagen, ohne sofort drei bis vier Rezepte zu entdecken, die ich schon aus anderen Büchern kannte. Fans der App werden aber durchaus auf das ein oder andere bekannte Rezept stoßen. Dennoch ist das Buch für mich ganz klar eine Investition, die sich lohnt.
Man findet kaum Gerichte mit Zutaten, die man nicht in seinem lokalen Supermarkt finden kann oder gar meistens schon Zuhause hat. Ganz vereinzelt gibt es mal internationale Lebensmittel wie Panini oder Shiitake, die man eventuell nicht in jedem ländlichen Supermarkt findet. Diese sollte man aber zumindest mittlerweile in jeder Stadt gut finden können.
Mir gefällt außerdem die sehr ausgewogene Mischung zwischen aufwendigen Gerichten und Feierabendküche, was das Buch für mich zu einem Kochbuch für die ganze Woche macht. Plus, dass man nun endlich nicht mehr für jeden neuen Plan die neuen Kochbücher kaufen muss – Danke!

Fazit
Wirklich schöne Rezepte für die Alltagsküche, die man auch so noch nicht aus anderen WW Kochbüchern kennt. Lediglich ein paar Geheimtipps der App kennt der ein oder andere eventuell schon und hat sie hiermit auch endlich im Regal stehen.

Bewertung vom 22.11.2019
Raubtierstadt
Stäber, Bernhard

Raubtierstadt


sehr gut

„Raubtierstadt“ ist ein Thriller, der deutlich von Mystik und Mythologie durchzogen wird, dabei aber gekonnt leicht bleibt und sich dem Leser nicht aufdrängt. Er gibt ihm Raum selbst zu entscheiden, woran er glauben möchte und was Humbug ist - und das macht er wirklich, wirklich gut.

Man trifft im Verlaufe der Geschichte auf viele Gestalten, die in Punkto Glaube und Charakter alle etwas speziell sind, die ihre Fehler und Eigenarten haben und dem Buch mitunter eine ziemlich aufgeladene Atmosphäre verleihen.
Die Geschichte bleibt aber stets authentisch, lässt immer nur ein bisschen Mythologie einfließen, irgendwo zwischen informative Lehrstunde und voller Mystik. Oder direkter: es steht nicht plötzlich Thor vor der Protagonistin und gibt ihr seinen Hammer, um den Mörder ihres Bruders zu vernichten. Aber der ein oder andere Charakter glaubt vielleicht innbrünstig an Thor.
Ich war sehr positiv überrascht, wie viel Informationen ich über die nordische Mythologie, Oslo und Norwegen aus der Erzählung ziehen konnte, auch wenn mir diese Themen nicht völlig fremd sind.

Ein Highlight des Buches ist für mich ganz klar die Protagonistin Sara. Sie geht in den meisten Situationen unheimlich logisch und pragmatisch vor. Anstatt in Panik auszubrechen und kopflos durch die Szene zu rennen, versucht sie beispielsweise die Polizei zu verständigen, sich zu verbarrikadieren und überlegt sich Wege der Selbstverteidigung. Außerdem wirkt sie sehr zielstrebig und fokussiert. Sie lässt sich nicht von Kleinigkeiten den Plan durchkreuzen, ist einfach ganz „Raubtier“.

Mir persönlich hat an der ein oder anderen Stelle einfach so ein absoluter „Wow“-Effekt gefehlt. Man wird durchaus mal ein bisschen auf die falsche Fährte geschickt und es ist nichts so offensichtlich, dass man nicht selbst verschiedene Vermutungen und Theorien entwickeln könnte. Aber diesen baffen-Mund offen-sprachlos-Moment hatte ich hier leider nicht.

Fazit
Trotz dem absoluten „Wow“-Moment, der mir gefehlt hat, ist „Raubtierstadt“ ein bemerkenswerter Thriller auf einem sprachlich wirklich hohen Niveau, der aus den Themen Mythologie, Sagen und Legenden glaubhaft und geschickt eine spannende Story strickt.

Bewertung vom 16.11.2019
Missing Boy
Fox, Candice

Missing Boy


ausgezeichnet

Auch in „Missing Boy“ sehen sich Amanda und Ted nicht nur mit dem rätselhaften Verschwinden eines kleinen Jungen konfrontiert, sondern werden wieder einmal von ihrer eigenen problematischen Vergangenheit mit dem australischen Justizsystem eingeholt. Denn auch wenn sich die allgemeine Situation in Crimson Lake für die beiden in den letzten zwei Bänden erheblich verbessert hat, taucht plötzlich unverhofft ein neues Problem auf, welches Amanda zwingt, wiederholt etwas mehr mit der gesetzlosen Seite der Gerechtigkeit zu liebäugeln, als sie sollte.

Ich finde, dieser Teil steht seinen Vorgängern wirklich in nichts nach. Man ist sofort wieder in der Geschichte und erinnert sich an alles, als hätte es nie eine Pause zwischen Band 2 und Band 3 gegeben. Nur die Entwicklung der Protagonisten gefällt mir hier eventuell noch ein bisschen besser als zuvor.
Amanda hat zum Glück nichts von ihrem sonderbaren Charme und ihren ulkigen Eigenheiten verloren. Sie ist noch immer ein absolut einzigartiger Charakter, über den man nur lächelnd den Kopf schütteln kann. In „Missing Boy“ lernt man allerdings etwas mehr Amandas dunkle Seite kennen und darf zusehen, wie sie über ihren Schatten springt und zum Wohle anderer ein paar ihrer Prinzipien kurzzeitig und sehr unterhaltsam über Bord wirft. Nach diesem Band ist sie wohl sogar einer meiner absolut liebsten Charaktere aus Büchern.
Aber auch Ted hat seine Liebenswürdigkeit nicht einbüßen müssen, was bisweilen nicht nur dem Leser auffällt, und man kann weiterverfolgen, wie beide Charaktere aneinander und vor allem wunderbar durcheinander wachsen.
Man macht auch die Bekanntschaft mit dem ein oder anderen neuen Charakter, von denen ich persönlich Superfish schon jetzt fest ins Herz geschlossen habe und hoffe, dass er in den folgenden Bänden noch sehr viel mehr Präsenz zeigen darf.

Ehrlich gesagt war ich beim Lesen aber etwas skeptisch, da mir die Geschichte ein bisschen zu einfach erschien. Allerdings habe ich aber schnell gemerkt, dass das nicht der Fall ist. Das hätte mich im Vergleich zu den Vorgängern wirklich enttäuscht.
Wer sich also auch nach den ersten 50 bis 100 Seiten denkt, er wisse schon, was das Rätsels Lösung ist – Lesen bis zum Ende lohnt sich definitiv.

Ich hoffe sehr, dass man hiermit noch nicht alles von Ted und Amanda gelesen hat und wünsche mir noch eine Menge, Menge mehr an Büchern für diese Reihe. Dabei beziehe ich mich nicht auf das Ende dieses Teils, das lässt nämlich sehr wohl noch mehr Bände zu, aber auf den Fakt, dass die „Hades“ Reihe der Autorin leider nach dem 3 Band geendet hat.
Ich könnte auch noch 30 weitere Bände über Amanda und Ted lesen.

Fazit
Wer die ersten beiden Bände kennt und mag, wird auch hier alles andere als enttäuscht. Das Buch bleibt seinen Prinzipien um das ungleiche Paar und deren manchmal etwas ulkigen Ermittlungsmethoden treu und entlockt dem Leser wie gewohnt einiges an Lächeln und Kopfschütteln über die beiden.

Bewertung vom 08.11.2019
Messer / Harry Hole Bd.12
Nesbø, Jo

Messer / Harry Hole Bd.12


sehr gut

"Messer" ist für mich der erste Teil rund um Harry Hole und offenbar genau der richtige Einstieg in die Reihe. Man merkt zwar, dass es eine Vorgeschichte gibt, die wird aber so ausreichend erläutert, dass man nicht das Gefühl hat, die vorherigen Bände gelesen haben zu müssen. Die bisherigen Geschehnisse könnten nämlich genauso gut im Rahmen eines ersten Bandes als Randbemerkung erzählt werden.

Ich fand es besonders schön, dass man als Leser so hinters Licht geführt wird und eine bedrohliche Szene sich plötzlich in zwei vollkommen unterschiedliche Momente auflöst. Ich war so voller "Vertrauen" in die Geschichte, dass ich zu keinem Zeitpunkt vermutet habe, so veräppelt zu werden.
Natürlich kann ich aber auch nicht beurteilen, wie oft solche Stilmittel bisher in dieser Reihe benutzt wurden. Ich kann mir gut vorstellen, dass man nach so vielen Bänden dann schon damit rechnet, an solchen Stellen hinters Licht geführt zu werden. Vielleicht sogar genervt davon ist, immer wieder auf eben jenen Aufbau zu stoßen.

Allerdings bin ich kein Fan von seitenlangen Erklärungen, warum xy der Mörder ist, was in dessen Kindheit passiert ist und warum er das jetzt genau so getan hat. Ich finde das immer etwas anstrengend zu lesen, da sich das Finale, auf das man als Leser so lange hin fiebert, einfach unnötig zieht. Ich bin auch nicht hundertprozentig glücklich mit der Auflösung, würde sie aber als typisch für einen nordischen Thriller bezeichnen. Demnach schmälert das etwas meinen Gesamteindruck des Buches.

Nichtsdestotrotz war ich die ganze Zeit über unheimlich gefesselt von der Geschichte, wobei ich nicht genau sagen kann, warum und was genau der Autor so anders macht als andere. Ich glaube aber, es liegt an dem etwas gemischten Schreibstil. Beschreibungen und innere Monologe sind auf einem sehr hohen Niveau verfasst, während die Dialoge teilweise sehr umgangssprachlich umgesetzt worden. Das gibt dem Ganzen sehr viel Authentizität und macht die Figuren noch ein Stück lebendiger.
Auch die ganzen Gespräche über Militär, verschiedene Einsätze, etc. fand ich erstaunlich unterhaltsam und interessant, weil sie fernab von dem lagen, was ich sonst aus Thrillern und Krimi an Gesprächen über die Polizeiarbeit und dergleichen gewohnt bin.

Fazit
Alles in allem ein wirklich gelungener und hoch spannender Thriller. Ich kann definitiv verstehen, warum Jo Nesbo weltweit so viele Leser begeistert. Wer bisher nichts von ihm gelesen hat, kann diesen Band meiner Meinung nach getrost als Einstieg wählen.

Bewertung vom 04.11.2019
Der Kastanienmann
Sveistrup, Søren

Der Kastanienmann


sehr gut

„Der Kastanienmann“ ist ein durchaus brutaler Thriller, der den Leser quasi mit verbundenen Augen an die Hand nimmt – ergo: das Buch weiß eindeutig, wohin es mit seiner Geschichte will und hat auch großen Spaß daran, dem ahnungslosen Leser Informationshäppchen zuzuwerfen, lässt ihn aber dennoch maximal etwas Licht im Dunkeln sehen.

Die Geschichte wird eigentlich hauptsächlich aus der Perspektive von Kommissarin Thulin und ihrem Kollegen erzählt. Allerdings hat es mich etwas gestört, dass des Öfteren Kapitel aus Perspektiven anderer Personen eingeschoben werden. Das ist nun per se erstmal nichts schlechtes, nur ist es für meinen Geschmack in diesem Buch auf eine sehr unglückliche Art und Weise geschehen. Denn diese Kapitel werden immer an den besonders spannenden Stellen eingeschoben, die die Geschichte ein gutes Stück weiterführen sollen. Bevor das dann aber passiert, muss man sich durch seitenweise Erzählungen kämpfen, wie das Leben von Person X bisher verlief und/oder was speziell Person X während den bisherigen Ereignissen eigentlich so gemacht hat. Das sind auch oft sehr interessante Informationen, nur möchte ich auch nicht wissen, was der Herr Polizist die letzte Woche über zum Frühstück gegessen hat, bevor er mir die schlechten Nachrichten überbringt. Mich haben diese Passagen teilweise fast in den Wahnsinn getrieben vor Ungeduld.

Ich muss auch anmerken, dass es mir erstaunlich lange schwerfiel, die Protagonisten auseinanderzuhalten (oder mir überhaupt die Namen zu merken). Teilweise konnte ich erst nach ein paar Sätzen wieder sagen: „ah, das war die weibliche Ermittlerin!“. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das dem Fakt geschuldet ist, dass ich das Buch in mehr Häppchen gelesen habe, als ich es normalerweise getan hätte, oder ob die Charaktere sich wirklich erst so spät in der Geschichte deutlich voneinander abgrenzen.

Fazit
„Der Kastanienmann“ hatte für mich persönlich zwar deutliche Schwächen, die aber doch nicht so schwer wiegen, als dass sie mir das Buch ruiniert hätten.
Im Großen und Ganzen war das Buch eine spannende und unterhaltsame Lektüre, die mich durchaus an der Nase herumgeführt hat und deren Auflösung zwar nicht alltäglich, aber dafür doch logisch erscheint.
Das Buch würde ich dabei am ehesten in die Kategorie „brutaler skandinavischer Thriller mit Familiendrama“ einordnen.

Bewertung vom 04.11.2019
The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld
Oakes, Colleen

The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld


ausgezeichnet

„Die Black Coats“ vergeben keine Schuld und nehmen es dabei gerne in die eigenen Hände, für Gerechtigkeit und Vergeltung zu sorgen. Auch die Protagonistin Thea träumt von ihrer ganz eigenen Rache und steigt alsbald zur Leiterin ihrer eigenen Kompanie Black Coats auf, nur um dann zu erkennen, dass ihre Rachefantasien vielleicht doch lieber Gedankenspiele bleiben sollten …

Das Buch konfrontiert einen als Leser mit Fragen, die so heutzutage überall sehr vehement diskutiert werden und die Gesellschaft allzu oft zu spalten scheinen.
Ist es wirklich richtig, Gewalt mit Gewalt zu vergelten? Richtet sich Gewalt tatsächlich immer nur gegen Frauen? Können auch Männer Opfer sein? Gibt es jemals wirklich Gerechtigkeit? Und ja – was für ein Mensch ist der Täter gewesen – und was für ein Mensch ist er heute? Darf ich mit „so jemandem“ Mitleid haben – geht das überhaupt?
Das alles sind (moralische) Grundsatzfragen, die die Gemüter ungemein erhitzen. Vor allem auch einem Täter seine Menschlichkeit nicht abzusprechen und sich mit den Auswirkungen der Situation auf eben diesen auseinanderzusetzen, scheint für viele heutzutage ein Ding der Unmöglichkeit.
Gerade deswegen finde ich das Buch wahnsinnig gelungen. Man ist als Leser zu Beginn natürlich auf der Seite der Opfer und möchte, dass diese Gerechtigkeit erfahren – aber wie weit darf man dabei gehen? Darf „man“ überhaupt eigenhändig agieren?

Denn irgendwann werden die Einsätze der Gruppe immer brutaler und nicht nur die Mädchen beginnen zu zweifeln, sondern auch der Leser. War man anfangs noch auf Seite der Black Coats und möchte Gerechtigkeit für den Mord an Theas Cousine, wird man plötzlich mit seinem eigenen Moralverständnis konfrontiert und schlagartig hat diese „harmlose“ Geschichte über Rache einen bitteren Beigeschmack.

Fazit
Einerseits ein Buch für alle erwachsenen Leser, die den Wunsch nach Rache und einer Zahn um Zahn Politik zwar begrenz und in einzelnen Fällen nachvollziehen können, sich aber klar von dem Bedürfnis nach einer Mittelalterjustiz distanzieren können.
Andererseits ein Buch für alle heranwachsenden, deren moralisches Verständnis eventuell noch nicht so stark ausgeprägt ist, die sich noch nicht entschieden haben, was Gerechtigkeit für sie bedeutet, oder die vielleicht ganz einfach noch nie darüber nachgedacht haben, was in Extremsituationen richtig und was falsch wäre.

Bewertung vom 04.11.2019
Wisting und der Tag der Vermissten / William Wisting Bd.1
Horst, Jørn Lier

Wisting und der Tag der Vermissten / William Wisting Bd.1


sehr gut

„Wisting“ hat mich beim Lesen stark an Serien wie Cold Case und diverse gerichtsmedizinische Sendungen (solche, über die man typischerweise nachts stolpert) erinnert. Auch dort werden sogenannte „Cold Cases“ behandelt, die viel mit dem Fall in diesem Buch gemeinsam haben: es sind Fälle, in denen es schon früher einen Verdächtigen gab, der aber einfach mit den damaligen Mitteln nicht dingfest gemacht werden konnte. Oder eine heiße Spur, für die es aber keine Beweise gab.
Dem sollte man sich unbedingt bewusst sein, wenn man dieses Buch liest: Es ist keine aberwitzige Geschichte, die einen vollkommen abstrusen und so nie von der Polizei bedachten Tathergang zeichnet und plötzlich einen vollkommen unbekannten Täter aus der Westentasche zaubert.

„Wisting“ erzählt vielmehr die Geschichte einer Ermittlung, die sehr realitätsnah und vor allem realistisch wirkt. Das hat mir persönlich um Welten besser gefallen, als ein Buch, dass gerade noch so logische Verknüpfungen herbeizaubert und plausible Täter scheinbar im Nirvana findet.

Erstaunlich bleibt dabei aber, dass das ganze Buch eine ziemlich hohe und konstante Spannung erzeugt, obwohl man ja einen Fall verfolgt, der schon Jahre zurückliegt (und dessen Ende, seien wir ehrlich, schon nach dem Lesen des Klappentexts erahnbar ist).
Ein großer Teil dieser Spannung stammt aber auch von der Neugier des Lesers. Man möchte wissen, warum der Ehemann verschwunden ist, was er zu verheimlichen hat, was die Verschwundene zu verbergen hatte und am Ende doch ganz simpel: einfach nur, was damals wirklich geschehen ist.

Abgerundet wird das Ganze dann noch mit Wisting selbst, der einem zu Anfang irgendwie nicht ganz koscher ist, sich aber schnell zu dem kauzigen und hochintelligenten Ermittler entwickelt, den man einfach mögen muss. Dessen Perspektive wechselt sich aber noch mit der seiner Tochter – einer jungen Mutter und überaus neugierigen Journalistin – und der eines weiteren Ermittlers – der nicht immer ganz mit offenen Karten spielt – ab.
Eine Romanze und intime Begegnungen findet man hier übrigens keine.

Fazit
Im Großen und Ganzen ist die Kriminalgeschichte in diesem Buch kein Bombeneinschlag, denn man merkt auch als Leser schnell, worauf das Ende hinausläuft (das sollte bei diesem Klappentext aber wahrlich kein Wunder sein). Gleichzeitig war das Buch für mich dennoch spannend, da das etwas vorhersehbare Ende in ein sehr logisches und homogenes Story-Konstrukt verbaut wurde.
Leser, die aber immer etwas Neues und immer diesen „Wow“-Effekt brauchen, sollten sich mit Vorsicht und vor allem nicht allzu großen Erwartungen an dieses Buch wagen.