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Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
LadyNinily
Wohnort: 
Nürnberg

Bewertungen

Insgesamt 73 Bewertungen
Bewertung vom 22.09.2022
SCHNEE
Sigurdardóttir, Yrsa

SCHNEE


ausgezeichnet

„Schnee“ ist mein erstes Werk der Autorin, daher kann ich keine Vergleiche zu ihren anderen Werken ziehen. Das Buch wirkt aber „typisch nordische Literatur“ für mich. Eine unglaubliche Atmosphäre, die einen sofort einsaugt. Schnee, Kälte, Dunkelheit – einfach perfekt für eine lange Lesenacht im Herbst oder Winter. Plus, die Geschichte hält auch noch eine gute Portion Grusel bereit und das trägt immens zur Gesamtspannung bei. Außerdem typisch nordisch für mich: sehr wenig Dialog, die Geschichte lebt von Beschreibungen und der dadurch erzeugten Atmosphäre, den inneren Monologen der Protagonisten. Davon gibt es übrigens drei, deren einzelnen Handlungssträngen und Perspektiven man abwechselnd folgt – und zum Glück sind sie alle relativ im gleichen Maße spannend.
Es gibt auch durchaus Punkte, die man sehr gut kritisieren könnte – allerdings nicht, ohne zu spoilern, wie ich finde. Darum auch eher eine kurze Rezension. Manchmal rutscht das Buch etwas arg in Richtung „Plot Convenience“. Ich bin aber trotzdem SO begeistert von der Geschichte, dass ich darüber gerne hinwegsehe. Schließlich ist es am Ende eben doch Fiktion.
Fazit
„Schnee“ ist ein absolut gelungenes Werk für die Kalte Jahreszeit, dass enorm durch seine packende Atmosphäre und den permanenten, unterschwelligen Gruselfaktor punkten kann.

Bewertung vom 30.08.2022
A Psalm of Storms and Silence. Die Magie von Solstasia / Das Reich von Sonande Bd.2
Brown, Roseanne A.

A Psalm of Storms and Silence. Die Magie von Solstasia / Das Reich von Sonande Bd.2


ausgezeichnet

Für mich war der zweite Teil etwas schwächer als sein Vorgänger – den ich absolut gelungen finde, wie ich anmerken muss. Darum würde ich diese Kritik selbst auch als Jammern auf hohem Niveau betiteln. Das Ende kam mir einfach zu prompt und ich bin sicher, man hätte locker noch einen dritten Teil schreiben können. Vielleicht erlebt man das Finale etwas weniger harsch, wenn man sich ins Bewusstsein ruft, dass es sich hierbei nun mal um eine Duologie handelt. Ich war aber so gebannt am Seiten vernichten, dass ich das schlicht vergessen hatte.
Aber auch die Weltenbildung hätte SO viel Potential gehabt, der Reihe noch ein, zwei Teile mehr hinzuzufügen. Die verschiedenen Völker, die politischen Beziehungen, die Religionen und Bräuche. Das erschien mir zwar beim Lesen keinesfalls unschlüssig, war aber doch extremst oberflächlich gehalten. Ich hoffe wirklich, die Autorin traut sich nach diesem Erfolg auch an eine längere Reihe, das Zeug dazu hat sie definitiv! Vielleicht sogar im gleichen Universum?
Nichtsdestotrotz haben mich hier vor allem die Sidekicks begeistert. Ich hatte das Gefühl, im ersten Teil begleitet man einen relativ kleinen Kreis an Charakteren, die bedingt durch die Handlung entsprechend ernst agieren. Hier werden nun ein paar - mal mehr, mal weniger präsente - Nebencharaktere eingeführt, die die Geschichte unglaublich auflockern und so viel Humor beisteuern. Deren Fehlen hat mich tatsächlich im ersten Teil gar nicht gestört, weil ich so fokussiert auf die Rivalität der beiden Protagonisten war. Aber in der Fortsetzung ist mir das doch sehr positiv aufgefallen.
Fazit
Ein insgesamt gelungener Abschluss der Duologie. Nicht zwingend Fantasy für 12-Jährige, aber auch keine komplexe High-Fantasy a la Tolkien. Für meinen Geschmack zudem ein wirklich gutes Maß an Romantasy, das nicht dem rosaroten Kitsch verfällt!

Bewertung vom 23.12.2021
Rob's Barbecue
Schulz, Robin

Rob's Barbecue


ausgezeichnet

Vorab muss ich anmerken, dass diese Rezension aus einem gemixten Haushalt stammt:
Von meinem Freund, der quasi alles isst und von mir, die sich pescetarisch ernährt. Außerdem ist niemand von uns bekennender von Robin Schulz – schlicht nicht ganz unsere Musikrichtung – wir kennen die Musik aber durchaus. Der Name war aber einfach kein Kaufsgrund für uns.

Aufmachung
Das Buch ist wirklich wunderschön und hochwertig gestaltet. Ein richtig schönes, dickes und schweres Hardcover. Mit der schwarz-goldenen Farbgestaltung trifft es auch perfekt den modernen Zeitgeist.
Die Rezeptseiten an sich sind trotz der dunkleren äußeren Aufmachung schön hell gehalten. Die Seiten selbst sind übersichtlich und man sieht auf den ersten Blick, wo man welche Informationen finden kann. Einzig die Zutatenliste ist ein kleines Manko für mich persönlich. Ich hätte mir lieber eine Auflistung gewünscht und keine durch Symbole getrennte Aufreihung. Aber das liegt schlicht daran, dass ich manchmal etwas dusselig bin und gerne etwas überlese, was mir bei so einer Formatierung noch schneller passiert.
Die Bilder sind auch sehr schön getroffen, da man fast immer klar erkennen kann, was sich in den jeweiligen Gerichten befindet, ohne die Zutatenliste durchgehen zu müssen.

Inhalt
Ich mag sehr, dass im Vorwort steht, dass sich die Rezepte nicht nur am Grill, sondern auch in der Küche zaubern lassen. Das macht es zu einem Alljahres-Kochbuch und nicht nur zu einer Rezeptsammlung für die Sommermonate. Außerdem gibt es ein kleines Vorwort, ein paar Grilltipps, eine Auswahlhilfe für den richtigen Grill, falls man noch keinen hat und eine kleine Anleitung für jeden Grilltyp. Sogar eine Seite mit einer Troubleshooting Anleitung ist vorhanden. Das zeigt finde ich sehr schön, wie viel Gedanken sich hier gemacht wurde, anstatt einfach den Namen eines Promis auf ein Buch zu klatschen. Sehr schön!
Was ich absolut liebe: es gibt einen extra Abschnitt mit Rubs, Marinaden, Lake, Dressing, Dips und Saucen zum Selbstmachen. Ich sammle unglaublich gerne diese kleinen Rezepte für eigentliche Basics. Damit kann man so viel experimentieren und probieren.
Außerdem findet man eine gute Auswahl an kleinen, schnellen Rezepten, aber auch aufwendige und exotische Varianten von bekannten und unbekannten Gerichten.

Fazit
Meinem Freund musste ich nur 6 Rezeptfotos zeigen und er war schon überzeugt. Für mich, jemand der kein Fleisch isst, stellt sich immer die Frage, wie gut eignen sich die Rezepte, um unsere beiden Ernährungsweisen zu kombinieren. Und ich muss sagen hier funktioniert das unglaublich gut.
Natürlich gibt es hier Rezepte, die nur Fleisch enthalten. Diese kann ich aber mit Fleischersatz nachkochen, während mein Freund mit richtigem Fleisch kocht (Dazu muss ich sagen, ich bin niemand, der dann eine extra Pfanne verlangt. Das kommt bei uns alles in eine).
Außerdem gibt es viel, das sich gut variieren lässt. Ich mag beispielsweise keinen Hummer, darum haben wir die Hummer Hot Dogs einfach mit normalem Fisch gekocht. Plus, es gibt Rezepte, da kann ich das Fleisch einfach weglassen und wir kochen es nur für meinen Freund dazu. Für uns also ein perfekter Kompromiss.
Zu guter Letzt bleibt noch zu sagen, dass wir beide gerne experimentieren, wenn wir kochen. Darum hatten wir besonders viel Spaß, weil man hier wirklich keine 0815 Standardrezepte findet.

Ich würde das Buch jedem empfehlen, der gerne grillt und beim Kochen experimentiert. Wer hier einfache Rezepte zu Bratwurst und Schnitzel mit vielleicht einer Sonderzutat in Panade oder Sauce sucht, wird hier weniger fündig.

Bewertung vom 01.11.2021
Das Zeitalter der Drachen
Nuyen, Jenny-Mai

Das Zeitalter der Drachen


sehr gut

Es ist lange her, dass ich ein Buch der Autorin gelesen habe, auch wenn sie wohl fast alle ein Zuhause in meinem Bücherregal haben.

„Das Zeitalter der Drachen“ ist zum Großteil die Jugendfantasy, die ich von der Autorin kenne. Es gibt zwar ein bisschen Romantik, aber nichts Explizites. Das ist immer sehr erfrischend und daran könnten sich auch Bücher anderer Genres gerne mal ein Beispiel nehmen. Wahrscheinlich kann man auch gerade deswegen die romantischen Szenen, die es gibt, etwas besser nachempfinden, weil sie einfach so süß unschuldig sind und dem Buch doch etwas Leichtigkeit verleihen.
Es gibt aber durchaus gegen Ende ein paar Szenen, die mich etwas haben schlucken lassen und die ich glaube ich niemandem unter 14 Jahren in die Hand drücken würde. Hier also etwas vorsichtig sein. Solche brutalen Szenen habe ich nämlich so nicht in Erinnerung aus anderen Büchern, auch wenn sie mich mit 26 Jahren natürlich nicht stören.

Im Grunde folgt man in diesem Buch den unterschiedlichen Perspektiven der zwei Protagonistinnen. Das stört mich per se nie, auch, weil es sich jeweils in Vergangenheit und Gegenwart aufteilt. Allerdings sind die Rückblenden in diesem Buch wirklich lange und reißen den Leser schon gut aus der Hauptgeschichte in der Gegenwart. Die Rückblenden sind zwar keineswegs langweilig, es fühlt sich aber dennoch an, als hätte man daraus auch ein eigenes Buch als ersten Teil machen können, ohne damit die Spannung oder Geschichte zu zerstören.
Ich glaube, man hätte aus diesem Buch allgemein auch gut einen Drei- oder Vierteiler machen können, wenn man alle Szenen a la „High Fantasy“ ausgeschmückt hätte. Gerade die Weltenbildung ist typisch Jugendfantasy eher knapp, hätte aber definitiv Potential für sehr viel mehr. Ich fand es aber persönlich sehr angenehm, dass man sich für die schlichtere Variante entschieden hat und beispielsweise eher langatmige Abschnitte wie Reisen kurz gehalten wurden.

Alles in allem eine gewohnt gelungene Fantasy Geschichte der Autorin, die nur gegen Ende – meiner Erfahrung nach – etwas ungewöhnlich brutal wird und daher nicht allzu jungem Publikum in die Hand gedrückt werden sollte. Nichtsdestotrotz eignet sich das Buch perfekt sowohl für jüngere als auch ältere Leser, sich an einem verregneten Herbstwochenende einzukuscheln und in das Zeitalter der Drachen abzutauchen.

Bewertung vom 01.11.2021
The Stranger Times Bd.1
McDonnell, C. K.

The Stranger Times Bd.1


ausgezeichnet

Wie soll man dieses Buch beschreiben und wem soll man es empfehlen?
The Stranger Times ist eine Ansammlung an unglaublich ulkigen und irrwitzigen Charakteren, die alle irgendwie ein bisschen klischeebelastet, aber gleichzeitig so außergewöhnlich sind, dass man sie einfach ins Herz schließen muss. Manche davon treiben den Leser im Laufe der Geschichte in den Wahnsinn, andere lösen unweigerlich das ein oder andere Schmunzeln aus und ein paar sind schlicht und einfach nur wunderlich.
Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass das Buch sehr dialoglastig ist. Dadurch werden viele der sonst üblichen ellenlangen Beschreibungen der Charaktere, der einzelnen Szenen und die groben Storyfortschritte in Interaktionen zwischen den Protagonisten verpackt. Man fühlt sich oft, als würde man einen wahnwitzigen und irrsinnig schnellen Ping-Pong-Schlagabtausch verfolgen – aber mit sehr viel Vergnügen!

Auch wenn es sich hierbei um Fantasy mit eindeutig (!) übernatürlich-mythischen Touch handelt, gelingt der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor unglaublich gut. Die zugrundeliegende Geschichte ist ernst zu nehmen und das über den kompletten Handlungsverlauf hinweg, die Charaktere hingegen sind fast durchweg eine riesige Sidekick-Party, die sich mit ihrem typisch englischen Humor absolut nicht zurückhält – ohne dabei die Handlung ins Lächerliche zu ziehen.

Ich hatte selten so viel Freude beim Lesen eines solchen Charakter- und Geschichten-Potpourris. Hier handelt es sich definitiv um humorvolle, mythische Fantasy um die dunkle Jahreszeit aufzulockern, obwohl die Geschichte durchaus einen eher ernsthaften, finster-traurigen Handlungsstrang verfolgt. Definitiv eines meiner absoluten Highlights der letzten Jahre und ich kann es nur jedem empfehlen, der kein Problem mit übernatürlicher Fantasy und einer ordentlichen Portion trockenem englischen Humor hat.

Bewertung vom 31.08.2021
Das Schwarze Lied / Rabenklinge Bd.2
Ryan, Anthony

Das Schwarze Lied / Rabenklinge Bd.2


ausgezeichnet

Obwohl ich den Vorgänger und die Draconis Mons Trilogie gelesen habe, bin ich doch immer wieder erstaunt, wie brutal die Bücher von Anthony Ryan sind. Vielleicht bin ich älter und empfindlicher geworden, vielleicht habe ich zu lange keine Fantasy gelesen, in der Krieg eine essentielle Rolle spielt. „Das Schwarze Lied“ ist in dieser Hinsicht auf jeden Fall nicht zahmer als andere Werke des Autors.
Das verbreitet aber auch gerade zu Beginn des Buches eine sehr düstere Stimmung. Den Umständen entsprechend ist die natürlich gerechtfertigt und hat mir auch nicht das Leseerlebnis verdorben, dennoch hab ich mich sehr gefreut, als man im Verlaufe der Handlung alten Bekannten begegnet. Gerade Ellese ist mir als Charakter sehr ans Herz gewachsen und ringt einem in der ein oder anderen eigentlich eher düsteren Situation dann doch ein Lächeln ab.

Ich finde es auch durchaus eine interessante Entscheidung, keine Trilogie aus den Büchern zu machen und die Geschichte stattdessen als Dilogie zu erzählen. Passend dazu, erlebt man die Handlung aus zwei Perspektiven – die bereits aus dem ersten Teil bekannte des Protagonisten Vaelin al Sorna und als überraschender Kontrast zugleich aus der Perspektive eines Mitglieds der Stahlhast.
Auch wenn letztere nur jeden neuen Teilabschnitt einläuten darf, fand ich sie dennoch aus zwei Gründen sehr gelungen. Zum einen hilft es, größere Zeitsprünge für den Leser logisch zu verknüpfen, ohne etliche Seiten mit langweiligen Aufzählungen zu füllen, die dann lediglich von der Hauptgeschichte ablenken und die Spannung mindern. Zum anderen macht es das „reine“ Böse etwas „unreiner“ und verleiht der Stahlhast noch ein, zwei Facetten, die den Leser noch stärker in die Handlung ziehen.

Und auch wenn ich noch einen dritten Teil gelesen hätte, bekommt die Handlung auch nach zwei Büchern einen runden Abschluss, der mich zufrieden zurück- und auf weitere (viele, bitte!) Bücher hoffen lässt.

Bewertung vom 22.12.2020
Dark
Fox, Candice

Dark


weniger gut

Das Buch ist im wahrsten Sinne des Wortes „Dark“. Ich habe mich beim Lesen fast permanent ungut und bedrückt gefühlt und sehr, sehr lange überlegt, woran das liegt, denn eigentlich bin ich großer Fan der Bücher von Candice Fox.
Sie hat es in ihren beiden letzten Reihen so gekonnt geschafft, tragische Charaktere mit so einem stimmigen Mix aus Schatten- und Lichtseiten zu versehen, dass man sie trotzdem ins Herz geschlossen hat. Dazu gab es eine mächtige Portion Humor, Geplänkel und Sarkasmus, die einem regelmäßig beim Lesen das Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.
Aber hier ist einfach alles nur finster. Im Grunde gibt es zwei (beziehungsweise vier) Hauptcharaktere, die leider alle wie die Karikatur irgendeines Klischees wirken. Die Unterweltchefin, der Junkie, der ehemalige Häftling und die Polizistin. Hier und da wird dann mal etwas charakteruntypisches eingestreut, um den Anschein von Tiefgang zu erwecken, aber das reicht für mich bei Weitem nicht, um auch nur den Hauch einer Beziehung zu den Charakteren zu entwickeln – oder etwas Sympathie für sie.
Und dann gibt es da natürlich noch einen Haufen Nebencharaktere, die alle samt so unsympathisch sind – und es zugegebenermaßen auch sein sollen -, dass mir beim Lesen permanent unwohl war, wenn diese einen Auftritt hatten. Sie sind durchgehend fies, eklig und bedrängen die Protagonisten. Hier muss ich der Autorin natürlich zugutehalten, dass sie diese Charaktere offensichtlich so überzeugend schreiben kann, dass sie dieses Gefühl bei mir auslösen. Aber es gab einfach so selten eine humorvolle Auflockerung der Szenen und einfach keinen „Wohlfühl“ und Lieblingscharakter, der der Geschichte etwas Leichtes verleiht.
Ein Buch, das mich hauptsächlich bedrückt, macht mir einfach keinen Spaß beim Lesen und das ist natürlich gerade bei einem der eigenen Lieblingsautoren sehr unschön.

Fazit
„Dark“ ist deutlich schwächer als vorherige Bücher der Autorin. Einzigartige und facettenreiche Charaktere sucht man hier leider vergebens. Das Buch ist beklemmend, wirft seine einseitigen Charaktere in für den Leser bedrückende Situationen, ohne die Anspannung an irgendeinem Punkt mit Humor oder Sarkasmus lösen zu können. Wer nach einer Geschichte mit Protagonisten sucht, die einen ähnlichen Kultstatus genießen wie beispielsweise Amanda und Ted aus den Crimson Lake Büchern, sollte lieber einen Bogen um diese Geschichte machen.

Bewertung vom 02.11.2020
INFINITUM - Die Ewigkeit der Sterne
Paolini, Christopher

INFINITUM - Die Ewigkeit der Sterne


ausgezeichnet

Als Paolini Fan der ersten Stunde und begeisterter Science Fiction Leser, habe ich mich wahnsinnig auf Infinitum gefreut, auch wenn ich mir nicht sicher war, was mich erwarten würde. Das Ergebnis war am Ende eine doch einsteigerfreundliche Science Fiction Geschichte, die aber definitiv kein Kinderbuch mehr ist und auch manchmal etwas in das Fantasy Genre abdriftet.
Man wird allerdings schon zu Beginn erschlagen: eine Übersicht über unzählige Planeten, Sonnensysteme, Organisationen, diverse Karten und schon rechnet man mit schwerer Kost – oder aber mit typischer Science Fiction. Ich war allerding sehr froh, dass es kein Personenregister gab, da das das Buch bestimmt noch mal um gut 20 Seiten verlängert hätte. Das ist aber nach den ersten zwei Seiten schon wieder vergessen, da sich der Anfang nicht mit einem halbgaren und lahmen Einstieg zufriedengibt und man sofort in der Handlung gefangen ist. Man trifft auch sehr schnell auf die erste, größere Gruppe an Personen, die ein gutes Beispiel dafür ist, welch vielschichtigen Charaktere noch den Weg unserer Protagonistin Kira kreuzen werden – und in welcher Masse. Aber die Geschichte spielt auch nicht in einer postapokalyptischen Welt, in der es gefühlt nicht mehr als eine Handvoll Menschen gibt, sondern in den Weiten des Universums. Daher hat mich das nicht wirklich gestört und sogar viel zur Atmosphäre beigetragen.
Natürlich bleibt auch der Vergleich mit der Eragon Reihe nicht aus. Die habe ich eigentlich eher als Jugendbuch in Erinnerung, in der nicht wirklich brutale und blutige Passagen vorkommen. Kiras erste Begegnung mit einer außerirdischen Lebensform hat mich dann aber doch schlucken lassen und erinnert stark an den Film „Life“. Das stand für mich etwas im Widerspruch zum Cover, das mich eher an Jugendfantasy erinnert. Ganz so brutal und heftig wird die Geschichte aber im Endeffekt auch nicht.
Löblich finde ich außerdem, dass es meiner Ansicht nach relativ kurze Kapitel sind. Ein Teil davon natürlich mit Cliffhangern, damit man direkt weiterliest, aber die kurze Kapitelstruktur bietet einem auch die Chance, an einer sinnvollen Stelle mit dem Lesen aufzuhören.

Fazit
Eine gelungene, typische Science Fiction Geschichte, gefüllt mit reichlich Charakteren und einer sehr tiefgehenden Weltenbildung, die sich durch einzelne Fantasy ähnliche Elemente auch für Einsteiger des Genres eignet. Wer allerdings kein Fan von mehr als einer Handvoll Charakteren und einem weitverzweigten Weltenkonstrukt ist, sollte das Buch eher mit Vorsicht genießen.

Bewertung vom 02.11.2020
Das Lied des Wolfes / Rabenklinge Bd.1
Ryan, Anthony

Das Lied des Wolfes / Rabenklinge Bd.1


ausgezeichnet

Als großer Fan der Draconis Mons Reihe von Anthony Ryan, muss ich gestehen, dass mir dieses Buch sogar noch besser gefallen hat – die Vorgeschichte rund um Vaelin al Sorna kenne ich allerdings nicht. Ich habe aber auch nicht das Gefühl, dass man die vorherige Reihe unbedingt kennen muss. Zugegeben, der Anfang ist namenstechnisch etwas verwirrend. Der spannende Einstieg lässt das aber schnell in Vergessenheit geraten und der Punkt der Aufklärung ist dann auch recht früh erreicht. Davon sollte man sich einfach nicht aus dem Konzept bringen lassen.
Vergleicht man das Buch aber mit der Draconis Mons Reihe, würde ich letzteres als High Fantasy bezeichnen – reichlich ausgeschmückt und eine sehr tiefgehende Weltenbildung - „Das Lied des Wolfes“ hat ein hingegen sehr viel flotteres Tempo und die Weltenbildung kommt zwar nicht zu kurz, ist aber dennoch deutlich spärlicher. Darum war ich einerseits sehr überrascht, wie gut mir die wichtigsten Protagonisten im Kopf geblieben sind (denn davon gibt es wirklich reichlich). Allerdings gibt es insgesamt derart viele verschiedene Charaktere, dass einige der eher nebensächlichen leider etwas in den Hintergrund rücken und zu einem leichten Einheitsbrei werden. Dadurch hat so manches Ereignis bei mir nicht die emotionale Reaktion hervorgerufen, die eigentlich möglich gewesen wäre. Pluspunkt war für mich aber definitiv auch der Antagonist – irre, unberechenbar und dadurch in seiner Bosheit fast schon sympathisch.
Das Ende ist auch etwas speziell und ich könnte mir vorstellen, dass es einigen Lesern überhaupt nicht zusagt. Anstatt des klassischen „Höhepunkt und dann seitenweise Abschlussgeplänkel und friedliches Runterfahren der Geschichte“, überlegt man hier bis wenige Seiten vor Schluss, ob sich irgendwo noch ein paar Seiten verstecken oder wie in aller Welt der Autor die Geschichte auf so wenigen Seiten beenden möchte. Mir persönlich hat das aber sehr gut gefallen, da ich nicht immer ein Fan von 50 Seiten Nachspiel bin – gerade je explosiver das Finale gestaltet ist.

Fazit
Ein spannendes und fantastisches Abenteuer, das definitiv Lust auf einen Nachfolger macht. Fans der Draconis Mons Reihe sollten sich zwar auf eine gute Prise weniger High Fantasy einstellen - was dem Buch in meinen Augen aber keinen Abbruch tut – und dürfen sich dafür wieder auf ein irres Regime der Bosheit freuen, welches in seinem Facettenreichtum definitiv mit den Draconis Mons Büchern mithalten kann.