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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: LadyNinily
Wohnort: Nürnberg
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Bewertungen

Insgesamt 15 Bewertungen
12
Bewertung vom 23.04.2019
Witchmark
Polk, C. L.

Witchmark


sehr gut

Witchmark entführt den Leser in die Welt von Aeland, in welcher Magie nicht gleich Magie ist und Hexen von Magiern gerne mal als Energie- und Machtspeicher versklavt werden. Eine dieser Hexen ist Miles, der seine wahre Natur bisher erfolgreich verstecken konnte. Plötzlich sieht er sich jedoch mit einem mächtigen Gegenspieler konfrontiert, dem Miles‘ Freiheit ein Dorn im Auge ist und für den die ein oder andere Leiche kein Problem darstellt.

Die Geschichte wird dabei aus Miles Perspektive erlebt und dadurch nicht unerheblich von seinem Wesen geprägt. Er ist zwar bisweilen nicht unbedingt naiv und stellt suspekte Personen und Vorkommnisse sehr wohl auch mal in Frage, dennoch möchte er immer das Gute in allem und jedem sehen und ist oft nicht so misstrauisch, wie es wohl angemessen wäre. Zur Seite steht ihm dabei Mr. Hunter, ein charismatischer und gutaussehender Fremder, der geradezu verdächtig unbeschwert wirkt und scheinbar jede Situation mit einem Lächeln und einem frechen Spruch meistern kann. Gemeinsam stürzen sich die beiden in die Ermittlungen um den Tod eines Soldaten, der offensichtlich vergiftet wurde und Miles‘ Geheimnis kennt.

Die magische Welt von Witchmark bleibt dem Leser unterdessen leider weitestgehend fremd und scheint stellenweise gar etwas ulkig. Warum beispielsweise Hexen weniger gern gesehen sind als Magier und welchen Einfluss die Magie auf das alltägliche Leben hat, bleibt meistens eher im Dunkeln verborgen. Aber auch, warum Automobile in dieser Welt, die stellenweise doch technisch hochentwickelt scheint, so fremdartig erscheinen und sich dafür ganze „Fahrradschwärme“ bilden, bleibt ungeklärt. Ich hoffe, dass man als Leser im nächsten Band noch etwas tiefer in diese Welt eintauchen darf – sowohl politisch als auch magisch - denn ich finde, hier liegt viel Potential für ein ganz besonderes Universum vergraben.

Fazit
Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Welt um Aeland etwas tiefgehender beleuchtet wird, hat mir das Buch dennoch gut gefallen und ich freue mich auf den nächsten Teil. Mit dieser Geschichte könnten sowohl Leser, für die es nicht immer High Fantasy sein muss, als auch Leser mit einem Herz für Romanzen, die gegen Intrigen und grausame Bösewichte bestehen müssen, ein paar schöne Lesestunden haben.

Bewertung vom 23.04.2019
1793
Natt och Dag, Niklas

1793


sehr gut

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir persönlich etwas schwer.
Die einzelnen Charaktere starten von unterschiedlichen Punkten aus, was normalerweise kein Problem ist. Mich hat es allerdings etwas gestört, dass diese Erzählstränge nicht parallel „erlebt“ werden, sondern man immer erst einen Erzählstrang bis zum Punkt Z zu Ende geht, bevor man den nächsten Charakter wieder vom Anfang bis zu diesem Punkt Z begleitet. Zu diesem Zeitpunkt ist die Geschichte dann zwar schon recht spannend, der Weg dorthin aber einfach nur sehr mühselig. Hier hätte ich mir eher kleinere Kapitel und dafür einen geringeren Charakterfortschritt gewünscht.

Außerdem ist das Buch in einzelne Teile gegliedert, in denen jedes Mal ein neuer – zuvor unbekannter Charakter – die Hauptrolle spielt. Diese Abschnitte sind zwar keineswegs uninteressant, reißen den Leser aber vollkommen aus der eigentlichen Geschichte und es dauert viel zu lange, bis man versteht, wie sich diese Einzelgeschichten ins große Ganze fügen.
Während mich die Struktur zum Teil nicht wirklich begeistern konnte, gefiel mir der Schreibstil umso besser. Dieser wechselt je nach Charakter und Situation mal von „einfach“ zu intelligent und die Erzählweise ist dabei eher „theatralisch“. Dadurch wird man als Leser am Anfang der meisten Kapitel mit ausführlichen Beschreibungen des Ortes, seiner Umgebung und eventuellen Charakteren in die Szene eingeführt, die schließlich in mal mehr, mal weniger viel Dialog endet.

Außerdem ist das Buch so gekonnt geschrieben, dass so etwas wie eine Hinrichtung – die aus der Feder so mancher anderer Autoren wohl so banal wie ein Schnitt im Finger durch ein Blatt Papier wirkt - mich doch deutlich zum Schlucken gebracht hat.
Auch wenn meine Rezension eher kritisch klingt, überzeugen mich der Schreibstil und die Struktur des Buches am Ende doch. Außerdem erlebt man im Verlauf der Geschichte doch die ein oder andere unvorhersehbare Wendung, durch die mir das Buch noch länger im Kopf bleiben wird.

Fazit
Man sollte bedenken, dass dieses Buch ein Roman ist - kein Thriller oder Krimi - und damit gar nicht den Anspruch an sich selbst stellt, den Leser von einer spannungsgeladenen Szene in die nächste zu befördern. Wer sich darauf einlassen kann, darf sich über eine spannende Geschichte voller schicksalhafter Verstrickungen und böser Überraschungen freuen.

Bewertung vom 31.03.2019
Mein Vaterland! Warum ich ein Neonazi war
Weißgerber, Christian E.

Mein Vaterland! Warum ich ein Neonazi war


sehr gut

„Mein Vaterland“ ist eine Exkursion zu den Grundzügen des politisch rechten Spektrums. Neben dem persönlichen Werdegang des Autors, stehen in diesem Buch auch die alltäglichen Berührungspunkte mit rassistischem Gedankengut im Fokus. Popkulturelle Bezüge, geschichtliche Symbolik und die „50 Shades of Braun“ vermitteln, worum es bei nationalsozialistischem Gedankengut geht – sachlich, fundiert und ohne dauerhaftes, emotionsgeladendes „Nazi-Bashing“.

Das Buch ist mit dem Anspruch verfasst, sich selbst nicht als Opfer darzustellen, sondern vielmehr die gänzliche Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen zu wollen, in vollem Bewusstsein, all die Entscheidungen, die schließlich die Führungsposition einer militanten Neonazi-Splittergruppe zur Konsequenz hatten, selbstverantwortlich getroffen zu haben.
Dieses Selbstverständnis des Autors zieht sich positiver weise durch das ganze Buch. Dabei zeigt er geschickt, dass schon alltägliche Dinge wie Musik ein erster Berührungspunkt mit der rechten Szene sein können und Alltagsrassismus keineswegs nur in bestimmten Milieus zu finden ist. Hierbei wird ebenfalls stark auf die Macht der Sprache und einer unbedachten Wortwahl eingegangen, sei es in Nachrichten („Flüchtlinge“ vs. „Asylurlauber“) oder im allgemeinen Sprachgebrauch („Wir gehen zum Chinesen“). Auch wenn mir der sehr belesene und intelligente Schreibstil äußerst gut gefallen hat, empfand ich gerade das recht philosophische Ende des Buches dadurch etwas zu anstrengend.
Ich persönlich fand aber vor allem den tiefen Einblick in die komplexen und verwurzelten Strukturen der rechten Szene bemerkenswert. Als jemand, der sich selbst eher auf dem anderen Ende des politischen Spektrums einordnen würde, war mir beispielsweise nicht bewusst, wie viele teils doch sehr unterschiedliche Untergruppierungen in der rechten Szene existieren (bspw. Tattoo Befürworter vs. solche, die diese als „unrein“ ansehen). Auch vereinzelte Exkurse in die Bedeutung der nordischen Mythologie und ihrer Symbolik für die rechte Szene sind hier sehr interessant und lehrreich gestaltet.

Fazit
Ich habe den größten Respekt vor Herrn Weißgerber für diese schamlose Selbstanalyse und hätte mir sein Buch damals in der Oberstufe als „Zwangslektüre“ gewünscht. Gerade der popkulturelle Bezug und dessen Tücken könnten für Jugendliche und junge Erwachsene sehr aufschlussreich – und wohl auch etwas erschreckend - sein. Abgesehen davon, dass wohl jeder - egal ob politisch Links, Rechts oder Mitte - etwas aus diesem Buch lernen kann, würde ich es vor allem denen empfehlen, die bereit sind, einmal einen Blick über ihren eigenen (politischen) Tellerrand zu werfen.

Bewertung vom 31.03.2019
Deathland Dogs
Brooks, Kevin

Deathland Dogs


gut

Deathland Dogs ist mit der Prämisse geschrieben, dem Leser die postapokalyptische Welt möglichst authentisch zu vermitteln.
Aus diesem Grund wird komplett auf Kommasetzung verzichtet. Bei dem Gedanken kräuseln sich einem Leser zwar in aller Regel erstmal die Fingernägel, mit der Zeit lässt sich das aber tatsächlich recht gut ausblenden. Auch, weil der Satzbau größtenteils an fehlende Kommata angepasst wurde. Dennoch gibt es einige Stellen, insbesondere Aufzählungen, in denen man - ulkiger Weise - über die nicht vorhandenen Kommata stolpert. Dadurch wird der Lesefluss leider sehr effektiv sofort unterbrochen und der Leser aus dem Geschehen gerissen. Das fand ich sehr schade und es wäre wohl sinniger gewesen, einfach hier und da doch mal einen Punkt zu setzen.
Dementsprechend kann ich mich zwar auch mit dem Prinzip anfreunden, dass die Geschichte zu einer Zeit spielt, in der kaum noch jemand lesen und schreiben kann, weil diese Fähigkeiten natürlich im erbarmungslosen Kampf ums Überleben an Wichtigkeit verlieren. Ich kann mich allerdings weniger damit anfreunden, dass unser Protagonist, aufgewachsen bei wilden Hunden, lesen und schreiben kann – und sich dabei auch noch besser ausdrückt, als so mancher zeitgenössische Autor oder Journalist. Sätze wie „(…) warten mit stumpfsinniger Geduld (…)“ oder „(…), wenn alle Menschen von der Erdoberfläche gefegt würden.“ haben mich zu Anfang doch das ein oder andere Mal verwundert die Stirn runzeln lassen.
Unser Protagonist – Jeet – ist dabei nicht nur durch seine Ausdrucksweise ein eher kurioser Charakter. Ein wildes „Hundskind“, von den Menschen zwangsresozialisiert, eigentlich unerfahren in taktischer Kriegsführung, schleicht er sich - komischerweise wie ein Elite Soldat - in das feindliche Lager. Äußerst logisch, absolut tödlich und vollkommen emotionslos. Seine gewalttätige Seite mag zwar sehr von seinem Leben als Hundskind und seinem Kampftraining bei den Menschen geprägt seien, wirkt aber einfach zu makellos und zu erfahren für einen jungen Mann wie ihn.
Je länger man das Buch allerdings am Stück liest, desto mehr rücken diese Stolpersteine zum Glück in den Hintergrund und es entfaltet sich recht früh eine spannende Geschichte. Dass ich das Buch in 3-4 Zügen gelesen habe, trägt damit wahrscheinlich doch sehr zu meiner eher positiven Meinung bei.

Fazit
Ein überraschend brutales und blutiges Buch, mit einem leicht inkonsistenten, aber doch liebenswürdig einzigartigem Protagonisten und einer Geschichte, die ich so in diesem Genre noch nicht gelesen habe. Wer auf postapokalyptische Überlebenskämpfe, ungewöhnliche Story Elemente und reichlich Emotionen steht, sollte sich diesen Titel durchaus mal genauer ansehen.

Bewertung vom 15.03.2019
Das gefälschte Siegel
Ilisch, Maja

Das gefälschte Siegel


gut

Das Konzept der Geschichte erinnert stark an andere, große Werke des Genres. Eine Gruppe ungleicher Charaktere transportiert einen gefährlichen Gegenstand, der das Gemüt seines Trägers negativ beeinflusst (Herr der Ringe, Harry Potter, …).

Die vier Protagonisten könnten dabei in diesem Buch fast nicht unterschiedlicher sein:
Tymur, der jüngste Königssohn, von seinen Brüdern verachtet für seine Schwäche, mit unberechenbaren Launen und einem im Allgemeinen eher irritierenden Charakter.
Enidin, eine junge Magierin, eitel und vollkommen von sich überzeugt, die die Expedition als Flucht aus ihrer Unterdrückung an der magischen Akademie nutzen möchte.
Kevron, ein Säufer und Fälscher, auf der Jagd nach seinen ganz eigenen Dämonen und dabei fast der einnehmendste der vier Protagonisten.
Lorcan, ein ehemaliger Steinerner Wächter, mit einem ganz und gar nicht versteinerten Herzen und von allen vieren skurriler Weiße der liebenswürdigste.

Ich fand es einerseits irritierend, eine teils doch recht starke Abneigung gegen den einen oder anderen Protagonisten zu entwickeln, andererseits aber erfrischend, dass nicht mit Ach und Krach versucht wird, dem Leser die Figuren sympathisch zu machen. Durch das Misstrauen, das dadurch gegenüber manchen Charakteren aufkommt, entsteht ein recht konstanter Spannungsbogen. Man ist sich nie sicher, was als nächstes passiert und vermutet in jedem Moment eine unerwartete Wendung der Geschichte. Das hat mir sehr gut gefallen.
Außerdem macht sich dadurch im Verlauf des Abenteuers eine deutliche Charakterentwicklung bemerkbar und der ein oder andere wächst einem dann doch noch ans Herz.

Dennoch stört mich der ganze Aufbau der Geschichte etwas. Das ganze Buch arbeitet quasi auf dieses doch sehr, sehr eindeutige und vorhersehbare Ende hin (hierauf möchte ich aufgrund von Spoiler Gefahr nicht näher eingehen). Hier wurde meiner Meinung nach viel Potential verschenkt und der „Knall“ am Ende ist höchstens ein sanftes Lüftchen.


Fazit
Obwohl das Buch ohne großen Plot Twist endet, bin ich trotzdem gespannt, wie die Geschichte weitergeht und werde die folgenden Teile lesen. Auch wenn das Ende irgendwie nicht überraschend ist, hatte ich doch viel Spaß mit dem Buch. Manchmal braucht es keine unglaublichen Wendungen, um Spannung zu erzeugen.

Bewertung vom 15.03.2019
Die Verlobten des Winters / Die Spiegelreisende Bd.1
Dabos, Christelle

Die Verlobten des Winters / Die Spiegelreisende Bd.1


ausgezeichnet

Die Spiegelreisende oder auch Alice im Wunderland meets Game of Thrones? Das mag nun im ersten Moment etwas weit hergeholt klingen, ist aber eine ziemlich passende Synopsis.

Nun fällt unsere Protagonistin Ophelia zwar nicht durch einen Hasenbau ins Wunderland, aber durch Zwangsheirat in die Arme des Adeligen Thorn und seines absolut – wortwörtlich – bis aufs Blut reizenden Clans. Ich bin mir sehr sicher, hätte sie gekonnt, hätte Ophelia den Hasenbau bevorzugt.
Auch wenn Thorn eine finstere und bedrohliche Erscheinung ist - und damit eigentlich schon einen starken Kontrast zu unserer zierlichen Ophelia bildet - ist er damit genau wie sie doch eher eine Anomalie am Pol. Vielleicht ist dieses ungleiche Paar gerade deswegen den meisten Polbewohnern ein Dorn im Auge, der dringendst beseitigt werden muss – und hier kommt der Game of Thrones-eske Teil der Geschichte.
Denn der Pol ist eine einzigartige, aberwitzige und mörderische Farce, wie sie das Wunderland noch nicht erlebt hat. Ganz nach dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund – zumindest solange es mir nützt“, werden hier teils derart bösartige Intrigen gesponnen, dass selbst Cersei Lannister erbleichen würde. Friede, Freude, Eierkuchen liegen hier genauso nah beieinander wie Lug, Trug und Totschlag. Dabei wird man mit Szenen und Charakteren konfrontiert, die teilweise derart befremdlich und skurril sind, dass man Ophelias Erstaunen nur zu gut nachempfinden kann.
Während all diesen Begebenheiten ist Ophelia eine überraschend bedachte Protagonistin. Wenn auch nicht gefühlskalt, ist sie doch eher ein blankes Blatt Papier und kein offenes Buch, das all seine Gefühle unbedacht in die Welt trägt. Dies macht sie sehr schnell zu einer würdigen Mitspielerin in diesem Wettstreit der Clans.

Fazit
Was sich anfühlen mag wie ein Fiebertraum, ist eine wunderbar verrückte Welt, voller kunterbunter und herrlich böser Charaktere und einem wahren Sammelsurium an magischen Eigenheiten. Hier vermischen sich schillernde Feste und mörderische Intrigen, als wären sie füreinander bestimmt. Ein wahres Meisterstück, das endlich mal wieder etwas frischen Wind in das Genre bringt!

Bewertung vom 25.02.2019
I can see U
Morgenroth, Matthias

I can see U


sehr gut

Endlich mal ein Jugendbuch, dass den Spagat zwischen „cooler Jugendsprache“ und glaubwürdigen Charakteren gekonnt meistert!

Geschichte und Charaktere
Der Autor schafft es in „I can see U“ geschickt, eine sehr aktuelle Thematik in ein spannendes Abenteuer zu verwandeln.
Die Geschichte hat eine recht simple Struktur, wie ich sie für ein Jugendbuch angemessen finde. Es ist quasi ziemlich offensichtlich, welcher Charakter welche Rolle spielt und was dessen Motive sind. Unsere Protagonistin ist dabei stellenweise erfrischend naiv, wie es ein junges Mädchen mit rosaroter Brille sein sollte. Es ist sehr schön, mal keine allwissende und alleskönnende Super-Protagonistin zu haben. Manche Charaktere, beispielsweise die Eltern, bleiben jedoch sehr unnahbar, mehr als Namen und Beruf erfährt man quasi nicht. Aber gerade das passt dann doch irgendwie in die Welt einer Jugendlichen und hat mich demnach auch nicht gestört.
Auch der Verlauf der Geschichte ist relativ vorhersehbar (was mich bei einem Jugendbuch nicht stört), zugleich mich das Ende doch stark überrascht hat, wenn auch sehr positiv. Es werden außerdem zahlreiche Hinweise gestreut, die mich zwar sehr zum Schmunzeln gebracht haben, auf die ich wegen der Spannung aber nicht näher eingehen möchte.
Sehr förderlich finde ich, dass die Geschichte mit der Prämisse beginnt, eine Aufarbeitung der dann folgenden Geschehnisse zu sein. Ich glaube, für mich wäre die Geschichte ohne diesen Prolog nicht halb so spannend gewesen. Man fiebert einfach mit den Protagonisten mit, man möchte wissen, was denn so schlimmes am Ende wirklich passiert ist, auch wenn man schon Kapitel vor den Charakteren das Geheimnis lösen konnte.

Schreibstil
Der Schreibstil hat mir in diesem Buch ausgesprochen gut gefallen. Einerseits klingt er, für jugendliche Protagonisten, nicht zu gehoben. Man sieht zum Beispiel eher simple Ausdrücke wie „die andere“, anstatt „ein anderes Mädchen“, aber auch ein bisschen Denglisch (etwas ist „strange“). Andererseits klingt er auch nicht zu sehr nach dem verzweifelten Versuch, den aktuellen Jugendslang einzubinden. Worte wie „hammer geil“, „cool“ und „fresh“ fallen zum Glück – und ein bisschen erstaunlicherweise – eher selten, wenn überhaupt. Aber auch der Satzbau ist entsprechend einfach gehalten und eher kurz und direkt. Beschreibungen findet man wenige, außer über Dinge, die für unsere Protagonistin von Bedeutung sind. Dabei spielen auch ihre zahlreichen gedanklichen Abschweifungen und Tagträume eine große Rolle, die meiner Meinung nach sehr gut zu einem jugendlichen Charakter passen.

Fazit
I can see U ist ein Jugendbuch und dessen sollte man sich beim Lesen bewusst sein. Man findet hier keinen Krimi à la Agatha Christie, sondern eine einfache und spannende Geschichte für ein ruhiges Wochenende.
Ich finde es sehr schön, dass der Autor in diesem Buch ein so aktuelles Thema anspricht, ohne allzu sehr „typisch erwachsen“ besserwisserisch und belehrend mit der Thematik umzugehen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es vielen Jugendlichen die Augen öffnet, welche Gefahren mit blindem Konsum verbunden sind und sie – hoffentlich - zum Nachdenken anregt.

Bewertung vom 13.02.2019
Sadie
Summers, Courtney

Sadie


ausgezeichnet

"Sadie" ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das auf ihrer verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit lernen muss, dass man sein Schicksal manchmal selbst in die Hand nehmen muss.

Die Geschichte wird in zwei Strängen erzählt. In einem verfolgt man Sadies Geschichte aus ihrer eigenen Perspektive. In dem zweiten verfolgt man die Transkription eines Podcasts, der Sadies Geschichte teils im Nachhinein, teils parallel, aufarbeitet. Ich war am Anfang sehr skeptisch, und es hat auch 1 - 2 Kapitel gedauert, bis man sich an die Podcasts gewöhnt hat. Danach tragen sie aber stark zur Spannung bei und geben der Geschichte ein sehr gutes Tempo.

Obwohl Sadie zumindest Teils das Klischee der Protagonistin mit der schweren Kindheit erfüllt, ist sie sich gleichzeitig ihrer eigenen Verletzlichkeit, und dass sie weit davon entfernt ist, eine Kriegerin zu sein, so bewusst, dass man sie einfach ins Herz schließen muss. Man darf sehr tiefe Blicke in ihre Gedanken werfen und mit jedem Kapitel erscheint sie einem realer, wird einem wichtiger. Darum steigt die Spannung auch von Kapitel zu Kapitel - unterstützt von wohl platzierten Cliff-Hangern am Ende jedes Kapitels - bis man das Buch auf den letzten 150 Seiten nicht mehr weglegen kann.

Ich konnte den möglichen Ausgang der Geschichte überhaupt nicht abschätzen. Hat Sadie etwas herausgefunden? Kehrt Sadie zu ihrer Familie zurück? Bleibt Sadie alleine? Ist Sadie tot?
Deswegen hat es mich Seite um Seite mehr in den Fingern gejuckt, endlich zu erfahren, welches Schicksal Sadie ereilt hat. Als es dann so weit war, war ich betroffen und begeistert.

Eine wahrlich bittersüße Geschichte, mit einer unglaublichen Protagonistin.

Bewertung vom 13.02.2019
Saligia
Oppermann, Swantje

Saligia


sehr gut

Mir gefällt der Schreibstil der Autorin ausgesprochen gut. Eine sehr schöne, abwechslungsreiche – und für ein Jugendbuch – sehr belesene Wortwahl zieht sich durch ein recht kurzgehaltenes Buch. Mit knapp 330 Seiten entwickeln sich Charaktere und Beziehungen recht rasch, was aber in Kombination mit dem flotten Schreibstil der Autorin gar nicht wirklich negativ auffällt. Für wen es aber nicht realistisch genug ist, wenn sich Verhältnisse innerhalb von ein paar Seiten verändern und weiterentwickeln, der sollte das Buch besser nicht zur Hand nehmen.

Elliot ist dabei mein absoluter Lieblingscharakter – deswegen verdient er auch eine extra Erwähnung. Keira hat mir zwar als Protagonistin auch gefallen – sie ist sehr direkt – aber Elliot wächst einem noch mal ein gutes Stück mehr ans Herz. Er ist quasi Wegbegleiter und Mentor zu gleich, nie verlegen, die Stimmung mit einem frechen Spruch zu lockern.

Für mich persönlich waren die Namen in diesem Buch ein besonderes Thema. Zu Anfang dachte ich, wie soll ich mir denn merken können, welche Gruppe von Todsünden wie heißt und wer von den mehr als 10 Charakteren zu welcher Gruppe gehört? Letzten Endes war das dann aber doch irgendwie gar nicht so wichtig und wenn es von Bedeutung war, hat die Autorin es geschickt auf die ein oder andere Art und Weise eingebaut. Dennoch haben mich die Namen für die Todsünden etwas gestört. Warum man beispielsweise die Wolllust Luxuria nennt und nicht die Habgier, ist mir schleierhaft (auch in Bezug auf den lateinischen Ursprung). Hier hätte man wohl – auch, da es sich um ein Jugendbuch handelt – eher populärere Begriffe wählen sollen (bspw. Wolllust = Libido, dann wäre auch SALIGIA geblieben). Auch Dinge wie, AVERy die AVERitia, KeIRA die IRA, haben mich doch einige Male schmunzeln lassen, mir gleichzeitig aber auch geholfen, mir genau diese Zugehörigkeit besser zu merken.

Der Schluss ist dann doch irgendwie vorhersehbar, wenn auch gleich wohl eines der logischsten Enden, die möglich waren. Das finde ich zwar eigentlich nicht sehr schlimm, aber zum Schluss noch mal ein richtiger „WOW“-Effekt, hätte das Buch vielleicht noch auf die 5 Sterne gehoben.

Nichtsdestotrotz hatte ich meinen Spaß an dem Buch und werde sicherlich auch den nächsten Band lesen. Für junge Leser und Freunde von YA sind ein paar spannende Stunden garantiert. Vielbelesene und Freunde ausgetüftelter Spannungs- und Handlungsnetze sollten wohl aber erst einmal sehr vorsichtig reinschnuppern.

Bewertung vom 03.01.2019
Die Plotter
Kim, Un-Su

Die Plotter


ausgezeichnet

„Raeseng ist Killer von Beruf“ – und zum Glück keiner, den man so zu Hauf in der westlichen Literatur finden kann. Er ist einfach nur ein Mann, Raeseng. Er ist kein Adonis, der die Frauen reihenweise mit seinem Charme gefügig macht, er ist auch nicht hochintelligent und meistert jede noch so ausweglose Situation mit Links. Raeseng ist ein Mensch wie du und ich – natürlich abgesehen von dem Part mit dem Auftragskiller (hoffe ich) – und gerade deswegen schließt man ihn im Laufe der Geschichte unglaublich ins Herz.

Das sage ich, obwohl ich die ersten Kapitel überhaupt nicht mit dem Buch warm geworden bin und mir gerade mal 3 Sterne dafür vorstellen konnte. Obwohl der „Prolog“ sehr gelungen ist, sind die darauffolgenden Kapitel für mich irgendwie zu wirr gewesen. Ständig springt man ohne Hinweise zwischen Vergangenheit und Gegenwart, hier hüpft mal ein neuer Charakter hinzu und dort sind wir plötzlich in einer neuen Situation. Aber spätestens, wenn sich das Buch fast vollkommen der Gegenwart widmet, konnte ich es nicht mehr weglegen.

Das Buch ist selten humorvoll, aber es gibt doch die ein oder andere Situation, in der eine bittersüße und sarkastische Bemerkung fallen gelassen wird, die einen schmunzeln lässt. Das zieht sich durch die ganze Geschichte und bringt etwas frischen Wind in die doch schwere Thematik. Man kann auch einen Hauch der klassischen russischen Literatur finden – es wird an jeder dritten Ecke über Gott und die Welt philosophiert. Das ist hier allerdings sehr gelungen, da es sich nicht seitenweise zieht und sich doch die ein oder andere gute Weisheit offenbart.

Fazit: Wer von den ersten Kapiteln enttäuscht ist: durchhalten! Die Geschichte geht ins Herz und bleibt stecken wie eine von Raesengs‘ Kugeln.

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