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Benutzername: 
LadyNinily
Wohnort: 
Nürnberg

Bewertungen

Insgesamt 76 Bewertungen
Bewertung vom 30.01.2023
Wer die Hölle kennt / Alex Stern Bd.2
Bardugo, Leigh

Wer die Hölle kennt / Alex Stern Bd.2


sehr gut

Auch wenn ich doch ein recht großer Fan des ersten Teils war, ist nach drei Jahren und unzähligen anderen Büchern einfach nicht mehr viel hängen geblieben. Im Grunde freut mich das aber immer, da es meinen Lieblingsbüchern einen enormen Wiederles-Wert gibt. Allerdings hat es mir hier natürlich stark erschwert, wieder in die Geschichte reinzukommen. Vor allem, mit den wechselnden Zeitkapiteln zu Beginn. Ich würde mir wünschen, die Autorin hätte etwas mehr Bezug zum vorangegangenen Buch hergestellt. So spannend das Buch auch ist, bleiben alle Charaktere für mich irgendwie ein Stück unnahbar (bis zu einem gewissen Punkt).
Ich verstehe die Beziehungen im jetzigen Teil, aber ich verstehe die Vergangenheit dieser nicht genau. Gerade Turner oder Mercy sind für mich nicht ganz greifbar. Turner und Alex haben offensichtlich eine wichtige Geschichte hinter sich, aber es wird einfach nie greifbar darauf angespielt. Warum herrscht dort so viel Spannung? Ein, zwei Sätze dazu, was im vorherigen Teil passiert ist. Nun habe ich mich bis Seite 300 gefragt, ob ich das Buch abbreche und den ersten Teil erneut lese, weil mich diese juckende Neugier nicht in Ruhe lässt. Weil mir das Buch das Gefühl gibt, ich müsste WISSEN, was vorgefallen ist, aber das ist mir nach all den Jahren einfach nicht möglich.
Ab Seite 350 - 400 waren dann aber die Beziehungen, die sich hier in Teil 2 entwickelt haben, so prominent, dass ich diese Ungewissheit ganz gut verdrängen konnte. Und das Buch ist einfach trotzdem unfassbar spannend und ich habe es so gerne gelesen. Ich würde mir aber dennoch für den dritten Teil wünschen: vielleicht ein, zwei – eventuell sogar drei, wenn man mutig ist – Seiten, was in den Vorgängern geschehen ist. Gerade, wenn Bücher einer Reihe mit so einem großen Zeitabstand veröffentlicht werden, ist so eine kleine Gedankenstütze viel wert. Immerhin wurden auch die englischen Titel mit einem Abstand von vier Jahren veröffentlicht.

Fazit
Ich kann nur jedem, der – wie ich – den ersten Teil schon vor längerer Zeit gelesen hat, ans Herz legen, diesen erneut zu lesen, bevor man mit „Wer die Hölle kennt“ beginnt. Es gibt manche Reihen, die sind einfach nicht dafür gemacht, sie mit viel zeitlichem Abstand zu lesen und ich finde, diese hier ist so eine. Man fühlt sich einfach für eine lange Zeit ziemlich fremd beim Lesen. Ich glaube, hätte ich zuerst noch einmal Teil eins gelesen, wäre dieses Buch eine dieser Geschichten, die einem noch nach Tagen im Kopf herumspukt, als hätte man zwei Wochen mit einem lieben Menschen verbracht, der am Ende der Welt wohnt und hätte sich jetzt wieder auf unbestimmte Zeit verabschieden müssen.

Bewertung vom 13.11.2022
The Dark
Haughton, Emma

The Dark


ausgezeichnet

„The Dark” bietet zwar keine unglaublich innovative Geschichte, verpackt diese aber in einem absolut spannenden Storykonstrukt, sodass ich persönlich über das ein oder andere Klischee hinwegsehen kann.
Das Tempo der Geschichte wird immer wieder von größeren Zeitsprüngen vorangetrieben. Mir persönlich fiel es dabei teilweise enorm schwer, die Namen einzelner Charaktere mit ihrem „Gesicht“ zu verbinden. So wirklich bleibt nur ein Teil der vielen unterschiedlichen Personen nachdrücklich hängen, und zwar nur die, die in engeren Kontakt mit unserer Protagonistin kommen. Leider sind aber auch die anderen Nebencharaktere für die Handlung relevant und das hat mich doch das ein oder andere mal ordentlich ins Stolpern gebracht.
Auch die persönliche Geschichte unserer Protagonistin Kate wird über den Großteil der Geschichte hier und da lediglich angedeutet, um das Puzzle „Kate“ als Leser erst am Ende zusammenzusetzen. Das finde ich überraschenderweise sehr gelungen. Es bringt viel Spannung in die Geschichte, ohne von den ständigen Andeutungen genervt zu sein. Es verhindert auch keinesfalls, eine Beziehung zur Protagonistin aufzubauen, was mich wiederum sehr erstaunt hat und meiner Meinung nach für großes Autorentalent spricht.
Fazit
Auch wenn ich den ein oder anderen Kritikpunkt aufgeführt habe, hat mich das Buch so in seinen Bann gezogen, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Wer eine leicht gruselige, absolut spannende Geschichte sucht, die im ewigen Eis und tiefer Finsternis spielt und bei der auch zwischenmenschliche Beziehungen und Emotionen (ohne allzu großen Fokus auf Romantik) nicht zu kurz kommen, ist hier genau richtig.

Bewertung vom 13.11.2022
This Charming Man / The Stranger Times Bd.2
McDonnell, C. K.

This Charming Man / The Stranger Times Bd.2


sehr gut

Wer den ersten Teil kennt und liebt, findet auch hier alles, was das Vorgänger-Herz begehrt: Rasante Dialoge, die sich einen wahnwitzigen Schlagabtausch in einer wahren Gefühlsachterbahn liefern. Eine Protagonistin, die man im zweiten Buch endlich etwas besser kennenlernt und einen Haufen absolut eigensinniger und sympathischer Sidekicks. Und natürlich wieder eine ordentliche Portion schräger und übernatürlicher Kreaturen und Ereignisse.
All das ist zwar noch immer wahnsinnig unterhaltsam, hat aber doch etwas seines Schockfaktors verloren. War es im ersten Teil noch, als würde man der verrückten Verwandtschaft seines Partners vorgestellt werden, die aus dreißig gleichzeitig quasselnden Menschen besteht, trifft man nun eher auf seine eigene, quirlige Familie, deren Eigenheiten man schon gut einschätzen und bewältigen kann. Die Überraschung ist also dem Vertrauten gewichen, was der Geschichte für mich aber nur minimal geschadet hat. Zumindest ist es mir nicht schwergefallen, alles und jeden entsprechend ernst zu nehmen (wenn man das bei so einem Buch überhaupt so ausdrücken kann?).
Vor allem der ein oder andere neue Charakter konnte mich sehr begeistern. Gerade, weil diese – zum Teil – etwas mehr an Ernsthaftigkeit zu dieser sonst sehr leichten und fast schon lächerlichen Geschichte beisteuern – ohne lächerlich hier negativ zu meinen! Das bietet das Potential, eine starke Mischung aus beunruhigender Grundgeschichte und unterhaltsamen Sidekicks zu zaubern und das sind meine allerliebsten Bücher.
Fazit
Eine würdige Fortsetzung, die mich jedoch nicht so fesseln konnte wie sein Vorgänger. Es fällt mir dabei äußerst schwer, genau zu definieren, woran es hier gehapert hat. Vielleicht lag es an meinen persönlichen Umständen, vielleicht auch etwas daran, dass sich die Ereignisse in meinen Augen nicht so wahnwitzig überschlagen haben, wie im ersten Teil und man doch schon die Eigenheiten der einzelnen Charaktere kennt. Nichtsdestotrotz noch immer eine super unterhaltsame Geschichte, wenn auch kein zum-Fingernägelknabbern-verleitender Pageturner!

Bewertung vom 22.09.2022
SCHNEE
Sigurdardóttir, Yrsa

SCHNEE


ausgezeichnet

„Schnee“ ist mein erstes Werk der Autorin, daher kann ich keine Vergleiche zu ihren anderen Werken ziehen. Das Buch wirkt aber „typisch nordische Literatur“ für mich. Eine unglaubliche Atmosphäre, die einen sofort einsaugt. Schnee, Kälte, Dunkelheit – einfach perfekt für eine lange Lesenacht im Herbst oder Winter. Plus, die Geschichte hält auch noch eine gute Portion Grusel bereit und das trägt immens zur Gesamtspannung bei. Außerdem typisch nordisch für mich: sehr wenig Dialog, die Geschichte lebt von Beschreibungen und der dadurch erzeugten Atmosphäre, den inneren Monologen der Protagonisten. Davon gibt es übrigens drei, deren einzelnen Handlungssträngen und Perspektiven man abwechselnd folgt – und zum Glück sind sie alle relativ im gleichen Maße spannend.
Es gibt auch durchaus Punkte, die man sehr gut kritisieren könnte – allerdings nicht, ohne zu spoilern, wie ich finde. Darum auch eher eine kurze Rezension. Manchmal rutscht das Buch etwas arg in Richtung „Plot Convenience“. Ich bin aber trotzdem SO begeistert von der Geschichte, dass ich darüber gerne hinwegsehe. Schließlich ist es am Ende eben doch Fiktion.
Fazit
„Schnee“ ist ein absolut gelungenes Werk für die Kalte Jahreszeit, dass enorm durch seine packende Atmosphäre und den permanenten, unterschwelligen Gruselfaktor punkten kann.

Bewertung vom 30.08.2022
A Psalm of Storms and Silence. Die Magie von Solstasia / Das Reich von Sonande Bd.2
Brown, Roseanne A.

A Psalm of Storms and Silence. Die Magie von Solstasia / Das Reich von Sonande Bd.2


ausgezeichnet

Für mich war der zweite Teil etwas schwächer als sein Vorgänger – den ich absolut gelungen finde, wie ich anmerken muss. Darum würde ich diese Kritik selbst auch als Jammern auf hohem Niveau betiteln. Das Ende kam mir einfach zu prompt und ich bin sicher, man hätte locker noch einen dritten Teil schreiben können. Vielleicht erlebt man das Finale etwas weniger harsch, wenn man sich ins Bewusstsein ruft, dass es sich hierbei nun mal um eine Duologie handelt. Ich war aber so gebannt am Seiten vernichten, dass ich das schlicht vergessen hatte.
Aber auch die Weltenbildung hätte SO viel Potential gehabt, der Reihe noch ein, zwei Teile mehr hinzuzufügen. Die verschiedenen Völker, die politischen Beziehungen, die Religionen und Bräuche. Das erschien mir zwar beim Lesen keinesfalls unschlüssig, war aber doch extremst oberflächlich gehalten. Ich hoffe wirklich, die Autorin traut sich nach diesem Erfolg auch an eine längere Reihe, das Zeug dazu hat sie definitiv! Vielleicht sogar im gleichen Universum?
Nichtsdestotrotz haben mich hier vor allem die Sidekicks begeistert. Ich hatte das Gefühl, im ersten Teil begleitet man einen relativ kleinen Kreis an Charakteren, die bedingt durch die Handlung entsprechend ernst agieren. Hier werden nun ein paar - mal mehr, mal weniger präsente - Nebencharaktere eingeführt, die die Geschichte unglaublich auflockern und so viel Humor beisteuern. Deren Fehlen hat mich tatsächlich im ersten Teil gar nicht gestört, weil ich so fokussiert auf die Rivalität der beiden Protagonisten war. Aber in der Fortsetzung ist mir das doch sehr positiv aufgefallen.
Fazit
Ein insgesamt gelungener Abschluss der Duologie. Nicht zwingend Fantasy für 12-Jährige, aber auch keine komplexe High-Fantasy a la Tolkien. Für meinen Geschmack zudem ein wirklich gutes Maß an Romantasy, das nicht dem rosaroten Kitsch verfällt!

Bewertung vom 23.12.2021
Rob's Barbecue
Schulz, Robin

Rob's Barbecue


ausgezeichnet

Vorab muss ich anmerken, dass diese Rezension aus einem gemixten Haushalt stammt:
Von meinem Freund, der quasi alles isst und von mir, die sich pescetarisch ernährt. Außerdem ist niemand von uns bekennender von Robin Schulz – schlicht nicht ganz unsere Musikrichtung – wir kennen die Musik aber durchaus. Der Name war aber einfach kein Kaufsgrund für uns.

Aufmachung
Das Buch ist wirklich wunderschön und hochwertig gestaltet. Ein richtig schönes, dickes und schweres Hardcover. Mit der schwarz-goldenen Farbgestaltung trifft es auch perfekt den modernen Zeitgeist.
Die Rezeptseiten an sich sind trotz der dunkleren äußeren Aufmachung schön hell gehalten. Die Seiten selbst sind übersichtlich und man sieht auf den ersten Blick, wo man welche Informationen finden kann. Einzig die Zutatenliste ist ein kleines Manko für mich persönlich. Ich hätte mir lieber eine Auflistung gewünscht und keine durch Symbole getrennte Aufreihung. Aber das liegt schlicht daran, dass ich manchmal etwas dusselig bin und gerne etwas überlese, was mir bei so einer Formatierung noch schneller passiert.
Die Bilder sind auch sehr schön getroffen, da man fast immer klar erkennen kann, was sich in den jeweiligen Gerichten befindet, ohne die Zutatenliste durchgehen zu müssen.

Inhalt
Ich mag sehr, dass im Vorwort steht, dass sich die Rezepte nicht nur am Grill, sondern auch in der Küche zaubern lassen. Das macht es zu einem Alljahres-Kochbuch und nicht nur zu einer Rezeptsammlung für die Sommermonate. Außerdem gibt es ein kleines Vorwort, ein paar Grilltipps, eine Auswahlhilfe für den richtigen Grill, falls man noch keinen hat und eine kleine Anleitung für jeden Grilltyp. Sogar eine Seite mit einer Troubleshooting Anleitung ist vorhanden. Das zeigt finde ich sehr schön, wie viel Gedanken sich hier gemacht wurde, anstatt einfach den Namen eines Promis auf ein Buch zu klatschen. Sehr schön!
Was ich absolut liebe: es gibt einen extra Abschnitt mit Rubs, Marinaden, Lake, Dressing, Dips und Saucen zum Selbstmachen. Ich sammle unglaublich gerne diese kleinen Rezepte für eigentliche Basics. Damit kann man so viel experimentieren und probieren.
Außerdem findet man eine gute Auswahl an kleinen, schnellen Rezepten, aber auch aufwendige und exotische Varianten von bekannten und unbekannten Gerichten.

Fazit
Meinem Freund musste ich nur 6 Rezeptfotos zeigen und er war schon überzeugt. Für mich, jemand der kein Fleisch isst, stellt sich immer die Frage, wie gut eignen sich die Rezepte, um unsere beiden Ernährungsweisen zu kombinieren. Und ich muss sagen hier funktioniert das unglaublich gut.
Natürlich gibt es hier Rezepte, die nur Fleisch enthalten. Diese kann ich aber mit Fleischersatz nachkochen, während mein Freund mit richtigem Fleisch kocht (Dazu muss ich sagen, ich bin niemand, der dann eine extra Pfanne verlangt. Das kommt bei uns alles in eine).
Außerdem gibt es viel, das sich gut variieren lässt. Ich mag beispielsweise keinen Hummer, darum haben wir die Hummer Hot Dogs einfach mit normalem Fisch gekocht. Plus, es gibt Rezepte, da kann ich das Fleisch einfach weglassen und wir kochen es nur für meinen Freund dazu. Für uns also ein perfekter Kompromiss.
Zu guter Letzt bleibt noch zu sagen, dass wir beide gerne experimentieren, wenn wir kochen. Darum hatten wir besonders viel Spaß, weil man hier wirklich keine 0815 Standardrezepte findet.

Ich würde das Buch jedem empfehlen, der gerne grillt und beim Kochen experimentiert. Wer hier einfache Rezepte zu Bratwurst und Schnitzel mit vielleicht einer Sonderzutat in Panade oder Sauce sucht, wird hier weniger fündig.

Bewertung vom 01.11.2021
Das Zeitalter der Drachen
Nuyen, Jenny-Mai

Das Zeitalter der Drachen


sehr gut

Es ist lange her, dass ich ein Buch der Autorin gelesen habe, auch wenn sie wohl fast alle ein Zuhause in meinem Bücherregal haben.

„Das Zeitalter der Drachen“ ist zum Großteil die Jugendfantasy, die ich von der Autorin kenne. Es gibt zwar ein bisschen Romantik, aber nichts Explizites. Das ist immer sehr erfrischend und daran könnten sich auch Bücher anderer Genres gerne mal ein Beispiel nehmen. Wahrscheinlich kann man auch gerade deswegen die romantischen Szenen, die es gibt, etwas besser nachempfinden, weil sie einfach so süß unschuldig sind und dem Buch doch etwas Leichtigkeit verleihen.
Es gibt aber durchaus gegen Ende ein paar Szenen, die mich etwas haben schlucken lassen und die ich glaube ich niemandem unter 14 Jahren in die Hand drücken würde. Hier also etwas vorsichtig sein. Solche brutalen Szenen habe ich nämlich so nicht in Erinnerung aus anderen Büchern, auch wenn sie mich mit 26 Jahren natürlich nicht stören.

Im Grunde folgt man in diesem Buch den unterschiedlichen Perspektiven der zwei Protagonistinnen. Das stört mich per se nie, auch, weil es sich jeweils in Vergangenheit und Gegenwart aufteilt. Allerdings sind die Rückblenden in diesem Buch wirklich lange und reißen den Leser schon gut aus der Hauptgeschichte in der Gegenwart. Die Rückblenden sind zwar keineswegs langweilig, es fühlt sich aber dennoch an, als hätte man daraus auch ein eigenes Buch als ersten Teil machen können, ohne damit die Spannung oder Geschichte zu zerstören.
Ich glaube, man hätte aus diesem Buch allgemein auch gut einen Drei- oder Vierteiler machen können, wenn man alle Szenen a la „High Fantasy“ ausgeschmückt hätte. Gerade die Weltenbildung ist typisch Jugendfantasy eher knapp, hätte aber definitiv Potential für sehr viel mehr. Ich fand es aber persönlich sehr angenehm, dass man sich für die schlichtere Variante entschieden hat und beispielsweise eher langatmige Abschnitte wie Reisen kurz gehalten wurden.

Alles in allem eine gewohnt gelungene Fantasy Geschichte der Autorin, die nur gegen Ende – meiner Erfahrung nach – etwas ungewöhnlich brutal wird und daher nicht allzu jungem Publikum in die Hand gedrückt werden sollte. Nichtsdestotrotz eignet sich das Buch perfekt sowohl für jüngere als auch ältere Leser, sich an einem verregneten Herbstwochenende einzukuscheln und in das Zeitalter der Drachen abzutauchen.

Bewertung vom 01.11.2021
The Stranger Times Bd.1
McDonnell, C. K.

The Stranger Times Bd.1


ausgezeichnet

Wie soll man dieses Buch beschreiben und wem soll man es empfehlen?
The Stranger Times ist eine Ansammlung an unglaublich ulkigen und irrwitzigen Charakteren, die alle irgendwie ein bisschen klischeebelastet, aber gleichzeitig so außergewöhnlich sind, dass man sie einfach ins Herz schließen muss. Manche davon treiben den Leser im Laufe der Geschichte in den Wahnsinn, andere lösen unweigerlich das ein oder andere Schmunzeln aus und ein paar sind schlicht und einfach nur wunderlich.
Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass das Buch sehr dialoglastig ist. Dadurch werden viele der sonst üblichen ellenlangen Beschreibungen der Charaktere, der einzelnen Szenen und die groben Storyfortschritte in Interaktionen zwischen den Protagonisten verpackt. Man fühlt sich oft, als würde man einen wahnwitzigen und irrsinnig schnellen Ping-Pong-Schlagabtausch verfolgen – aber mit sehr viel Vergnügen!

Auch wenn es sich hierbei um Fantasy mit eindeutig (!) übernatürlich-mythischen Touch handelt, gelingt der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor unglaublich gut. Die zugrundeliegende Geschichte ist ernst zu nehmen und das über den kompletten Handlungsverlauf hinweg, die Charaktere hingegen sind fast durchweg eine riesige Sidekick-Party, die sich mit ihrem typisch englischen Humor absolut nicht zurückhält – ohne dabei die Handlung ins Lächerliche zu ziehen.

Ich hatte selten so viel Freude beim Lesen eines solchen Charakter- und Geschichten-Potpourris. Hier handelt es sich definitiv um humorvolle, mythische Fantasy um die dunkle Jahreszeit aufzulockern, obwohl die Geschichte durchaus einen eher ernsthaften, finster-traurigen Handlungsstrang verfolgt. Definitiv eines meiner absoluten Highlights der letzten Jahre und ich kann es nur jedem empfehlen, der kein Problem mit übernatürlicher Fantasy und einer ordentlichen Portion trockenem englischen Humor hat.

Bewertung vom 31.08.2021
Das Schwarze Lied / Rabenklinge Bd.2
Ryan, Anthony

Das Schwarze Lied / Rabenklinge Bd.2


ausgezeichnet

Obwohl ich den Vorgänger und die Draconis Mons Trilogie gelesen habe, bin ich doch immer wieder erstaunt, wie brutal die Bücher von Anthony Ryan sind. Vielleicht bin ich älter und empfindlicher geworden, vielleicht habe ich zu lange keine Fantasy gelesen, in der Krieg eine essentielle Rolle spielt. „Das Schwarze Lied“ ist in dieser Hinsicht auf jeden Fall nicht zahmer als andere Werke des Autors.
Das verbreitet aber auch gerade zu Beginn des Buches eine sehr düstere Stimmung. Den Umständen entsprechend ist die natürlich gerechtfertigt und hat mir auch nicht das Leseerlebnis verdorben, dennoch hab ich mich sehr gefreut, als man im Verlaufe der Handlung alten Bekannten begegnet. Gerade Ellese ist mir als Charakter sehr ans Herz gewachsen und ringt einem in der ein oder anderen eigentlich eher düsteren Situation dann doch ein Lächeln ab.

Ich finde es auch durchaus eine interessante Entscheidung, keine Trilogie aus den Büchern zu machen und die Geschichte stattdessen als Dilogie zu erzählen. Passend dazu, erlebt man die Handlung aus zwei Perspektiven – die bereits aus dem ersten Teil bekannte des Protagonisten Vaelin al Sorna und als überraschender Kontrast zugleich aus der Perspektive eines Mitglieds der Stahlhast.
Auch wenn letztere nur jeden neuen Teilabschnitt einläuten darf, fand ich sie dennoch aus zwei Gründen sehr gelungen. Zum einen hilft es, größere Zeitsprünge für den Leser logisch zu verknüpfen, ohne etliche Seiten mit langweiligen Aufzählungen zu füllen, die dann lediglich von der Hauptgeschichte ablenken und die Spannung mindern. Zum anderen macht es das „reine“ Böse etwas „unreiner“ und verleiht der Stahlhast noch ein, zwei Facetten, die den Leser noch stärker in die Handlung ziehen.

Und auch wenn ich noch einen dritten Teil gelesen hätte, bekommt die Handlung auch nach zwei Büchern einen runden Abschluss, der mich zufrieden zurück- und auf weitere (viele, bitte!) Bücher hoffen lässt.