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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: LadyNinily
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Bewertungen

Insgesamt 66 Bewertungen
Bewertung vom 22.12.2020
Dark
Fox, Candice

Dark


weniger gut

Das Buch ist im wahrsten Sinne des Wortes „Dark“. Ich habe mich beim Lesen fast permanent ungut und bedrückt gefühlt und sehr, sehr lange überlegt, woran das liegt, denn eigentlich bin ich großer Fan der Bücher von Candice Fox.
Sie hat es in ihren beiden letzten Reihen so gekonnt geschafft, tragische Charaktere mit so einem stimmigen Mix aus Schatten- und Lichtseiten zu versehen, dass man sie trotzdem ins Herz geschlossen hat. Dazu gab es eine mächtige Portion Humor, Geplänkel und Sarkasmus, die einem regelmäßig beim Lesen das Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.
Aber hier ist einfach alles nur finster. Im Grunde gibt es zwei (beziehungsweise vier) Hauptcharaktere, die leider alle wie die Karikatur irgendeines Klischees wirken. Die Unterweltchefin, der Junkie, der ehemalige Häftling und die Polizistin. Hier und da wird dann mal etwas charakteruntypisches eingestreut, um den Anschein von Tiefgang zu erwecken, aber das reicht für mich bei Weitem nicht, um auch nur den Hauch einer Beziehung zu den Charakteren zu entwickeln – oder etwas Sympathie für sie.
Und dann gibt es da natürlich noch einen Haufen Nebencharaktere, die alle samt so unsympathisch sind – und es zugegebenermaßen auch sein sollen -, dass mir beim Lesen permanent unwohl war, wenn diese einen Auftritt hatten. Sie sind durchgehend fies, eklig und bedrängen die Protagonisten. Hier muss ich der Autorin natürlich zugutehalten, dass sie diese Charaktere offensichtlich so überzeugend schreiben kann, dass sie dieses Gefühl bei mir auslösen. Aber es gab einfach so selten eine humorvolle Auflockerung der Szenen und einfach keinen „Wohlfühl“ und Lieblingscharakter, der der Geschichte etwas Leichtes verleiht.
Ein Buch, das mich hauptsächlich bedrückt, macht mir einfach keinen Spaß beim Lesen und das ist natürlich gerade bei einem der eigenen Lieblingsautoren sehr unschön.

Fazit
„Dark“ ist deutlich schwächer als vorherige Bücher der Autorin. Einzigartige und facettenreiche Charaktere sucht man hier leider vergebens. Das Buch ist beklemmend, wirft seine einseitigen Charaktere in für den Leser bedrückende Situationen, ohne die Anspannung an irgendeinem Punkt mit Humor oder Sarkasmus lösen zu können. Wer nach einer Geschichte mit Protagonisten sucht, die einen ähnlichen Kultstatus genießen wie beispielsweise Amanda und Ted aus den Crimson Lake Büchern, sollte lieber einen Bogen um diese Geschichte machen.

Bewertung vom 02.11.2020
INFINITUM - Die Ewigkeit der Sterne
Paolini, Christopher

INFINITUM - Die Ewigkeit der Sterne


ausgezeichnet

Als Paolini Fan der ersten Stunde und begeisterter Science Fiction Leser, habe ich mich wahnsinnig auf Infinitum gefreut, auch wenn ich mir nicht sicher war, was mich erwarten würde. Das Ergebnis war am Ende eine doch einsteigerfreundliche Science Fiction Geschichte, die aber definitiv kein Kinderbuch mehr ist und auch manchmal etwas in das Fantasy Genre abdriftet.
Man wird allerdings schon zu Beginn erschlagen: eine Übersicht über unzählige Planeten, Sonnensysteme, Organisationen, diverse Karten und schon rechnet man mit schwerer Kost – oder aber mit typischer Science Fiction. Ich war allerding sehr froh, dass es kein Personenregister gab, da das das Buch bestimmt noch mal um gut 20 Seiten verlängert hätte. Das ist aber nach den ersten zwei Seiten schon wieder vergessen, da sich der Anfang nicht mit einem halbgaren und lahmen Einstieg zufriedengibt und man sofort in der Handlung gefangen ist. Man trifft auch sehr schnell auf die erste, größere Gruppe an Personen, die ein gutes Beispiel dafür ist, welch vielschichtigen Charaktere noch den Weg unserer Protagonistin Kira kreuzen werden – und in welcher Masse. Aber die Geschichte spielt auch nicht in einer postapokalyptischen Welt, in der es gefühlt nicht mehr als eine Handvoll Menschen gibt, sondern in den Weiten des Universums. Daher hat mich das nicht wirklich gestört und sogar viel zur Atmosphäre beigetragen.
Natürlich bleibt auch der Vergleich mit der Eragon Reihe nicht aus. Die habe ich eigentlich eher als Jugendbuch in Erinnerung, in der nicht wirklich brutale und blutige Passagen vorkommen. Kiras erste Begegnung mit einer außerirdischen Lebensform hat mich dann aber doch schlucken lassen und erinnert stark an den Film „Life“. Das stand für mich etwas im Widerspruch zum Cover, das mich eher an Jugendfantasy erinnert. Ganz so brutal und heftig wird die Geschichte aber im Endeffekt auch nicht.
Löblich finde ich außerdem, dass es meiner Ansicht nach relativ kurze Kapitel sind. Ein Teil davon natürlich mit Cliffhangern, damit man direkt weiterliest, aber die kurze Kapitelstruktur bietet einem auch die Chance, an einer sinnvollen Stelle mit dem Lesen aufzuhören.

Fazit
Eine gelungene, typische Science Fiction Geschichte, gefüllt mit reichlich Charakteren und einer sehr tiefgehenden Weltenbildung, die sich durch einzelne Fantasy ähnliche Elemente auch für Einsteiger des Genres eignet. Wer allerdings kein Fan von mehr als einer Handvoll Charakteren und einem weitverzweigten Weltenkonstrukt ist, sollte das Buch eher mit Vorsicht genießen.

Bewertung vom 02.11.2020
Das Lied des Wolfes
Ryan, Anthony

Das Lied des Wolfes


ausgezeichnet

Als großer Fan der Draconis Mons Reihe von Anthony Ryan, muss ich gestehen, dass mir dieses Buch sogar noch besser gefallen hat – die Vorgeschichte rund um Vaelin al Sorna kenne ich allerdings nicht. Ich habe aber auch nicht das Gefühl, dass man die vorherige Reihe unbedingt kennen muss. Zugegeben, der Anfang ist namenstechnisch etwas verwirrend. Der spannende Einstieg lässt das aber schnell in Vergessenheit geraten und der Punkt der Aufklärung ist dann auch recht früh erreicht. Davon sollte man sich einfach nicht aus dem Konzept bringen lassen.
Vergleicht man das Buch aber mit der Draconis Mons Reihe, würde ich letzteres als High Fantasy bezeichnen – reichlich ausgeschmückt und eine sehr tiefgehende Weltenbildung - „Das Lied des Wolfes“ hat ein hingegen sehr viel flotteres Tempo und die Weltenbildung kommt zwar nicht zu kurz, ist aber dennoch deutlich spärlicher. Darum war ich einerseits sehr überrascht, wie gut mir die wichtigsten Protagonisten im Kopf geblieben sind (denn davon gibt es wirklich reichlich). Allerdings gibt es insgesamt derart viele verschiedene Charaktere, dass einige der eher nebensächlichen leider etwas in den Hintergrund rücken und zu einem leichten Einheitsbrei werden. Dadurch hat so manches Ereignis bei mir nicht die emotionale Reaktion hervorgerufen, die eigentlich möglich gewesen wäre. Pluspunkt war für mich aber definitiv auch der Antagonist – irre, unberechenbar und dadurch in seiner Bosheit fast schon sympathisch.
Das Ende ist auch etwas speziell und ich könnte mir vorstellen, dass es einigen Lesern überhaupt nicht zusagt. Anstatt des klassischen „Höhepunkt und dann seitenweise Abschlussgeplänkel und friedliches Runterfahren der Geschichte“, überlegt man hier bis wenige Seiten vor Schluss, ob sich irgendwo noch ein paar Seiten verstecken oder wie in aller Welt der Autor die Geschichte auf so wenigen Seiten beenden möchte. Mir persönlich hat das aber sehr gut gefallen, da ich nicht immer ein Fan von 50 Seiten Nachspiel bin – gerade je explosiver das Finale gestaltet ist.

Fazit
Ein spannendes und fantastisches Abenteuer, das definitiv Lust auf einen Nachfolger macht. Fans der Draconis Mons Reihe sollten sich zwar auf eine gute Prise weniger High Fantasy einstellen - was dem Buch in meinen Augen aber keinen Abbruch tut – und dürfen sich dafür wieder auf ein irres Regime der Bosheit freuen, welches in seinem Facettenreichtum definitiv mit den Draconis Mons Büchern mithalten kann.

Bewertung vom 15.09.2020
Wings of Silver. Die Rache einer Frau endet nie / Golden Cage Bd.2
Läckberg, Camilla

Wings of Silver. Die Rache einer Frau endet nie / Golden Cage Bd.2


weniger gut

Da ich die bisherigen Bücher von Camilla Läckberg immer als familiäre Liebesdramen eingeschätzt habe (und das gar nicht mein Genre ist) und meine Mutter und Schwester ihre Bücher aber immens schätzen, dachte ich, mit einem Thriller könnte auch ich endlich mit ihr warm werden – aber leider weit gefehlt.

Ich habe den ersten Teil quergelesen und Faye eigentlich als relativ sympathische Kämpfernatur in Erinnerung. Eine Kämpfernatur ist sie zwar immer noch, aber sympathisch? Das ist ihr fast komplett abhandengekommen. Die Passagen, in welchen ich sie mochte, könnte ich wohl an maximal zwei Händen abzählen.
Sie wirkt zwar nicht vollkommen wie die typische Neureiche, dennoch lässt sich die Auswirkung des Geldes auf ihr Wesen leider nicht leugnen. Die ständige Erwähnung von Markennamen ging mir sehr schnell auf die Nerven und Luxus scheint fast alles zu sein, auf das Faye noch wert legt. Abgesehen von ihrem Unternehmen, Sex und erfrischenderweise ihre Tochter und ihre Geschäftspartnerin.

Die einzigen, wirklich spannenden Abschnitte waren einige Rückblicke in die Vergangenheit – und auch das einzige, was etwas mit dem Thriller zu tun hatte, den ich mir vorgestellt habe. Der Rest liest sich eher wie eine ZDF-Nachmittags-Telenovela, in der zwei Protagonisten gegeneinander intrigieren und versuchen, einander in den finanziellen Ruin zu treiben.

Die nicht wirklich vorhandene Kapitelunterteilung hat mich auch extrem gestört. Man verliert schnell das Gefühl für die Zeit, welche passend dazu teilweise auch noch enorme Sprünge hinlegt. Das hat mich leider mehr als einmal etwas verwirrt zurückgelassen.

Fazit
Ich hatte mir eine richtig schöne, böse Rachegeschichte gewünscht. Gekriegt habe ich aber die Erzählung um eine Frau mittleren Alters, die um ihr Geld fürchtet, damit sie mehr Prada tragen kann, während sie eigentlich Angst um ihr Leben haben sollte. Mich hat das Buch demnach leider überhaupt nicht abgeholt.
Da ich sonst auch keine Camilla Läckberg Bücher lese, kann ich aber auch nicht sagen, ob das Buch zu ihrem typischen Schreibstil passt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.07.2020
Im Sturm der Echos / Die Spiegelreisende Bd.4
Dabos, Christelle

Im Sturm der Echos / Die Spiegelreisende Bd.4


gut

„Im Sturm der Echos“ ist das Finale der Spiegelreisenden Saga und knüpft – anders als seine Vorgänger – direkt an den Geschehnissen am Ende des dritten Buches an. Ophelia befindet sich noch immer in Babel, welches gerade seinen ersten Erdrutsch verzeichnen musste. Auf ihrer Suche nach Antworten, um endlich die Existenz „des Anderen“ aufzudecken, begegnet sie erneut vielen Charakteren, die der Leser schon in den ersten drei Bänden ins Herz schließen durfte. Sehr zu meinem Bedauern kommen aber einige Charaktere zu kurz, von denen ich sehr gerne mehr gelesen hätte (Viktoria, Berenilde, …).
Während man allerdings Ophelia, Thorn und beispielsweise Ambrosius und Octavius wiedertrifft, geschehen allerlei obskure Dinge. War schon der Pol mit seinen Illusionen eine mehr als fantastische Arche, so wird die Geschichte auf Babel nun vollkommen verdreht und skurril, sodass es einem als Leser leider immer öfter schwerfällt, dem Geschehen noch zu folgen. Ich befürchte, hier wollte die Autorin etwas höher hinaus, als der Geschichte am Ende gutgetan hat. Ich habe ziemlich schnell den Faden verloren, wie diese ganze Welt überhaupt noch zusammenhängt und was genau man jetzt eigentlich sucht. Würde man mich fragen, was auf den letzten 200 Seiten passiert ist, würde mir die Antwort genauso schwer fallen, wie die Galaxie erklären zu müssen. Ich war einfach heillos überfordert. So sehr, dass ich nicht mal sagen könnte, ob das Ende nun logisch und nachvollziehbar war oder nicht.

Fazit
Ich muss mich leider einigen Rezensenten anschließen. Der vierte Teil ist leider alles andere als ein starker Abschluss für diese so wunderbare Reihe. Die ersten drei Teile habe ich als Lieblingsbücher ins Herz geschlossen, die Existenz von Band vier würde ich aber stellenweise am liebsten verdrängen. Wem Teil eins bis drei schon zu abgedreht und verrückt waren, der wird mit diesem Buch definitiv auch nicht mehr glücklich.

Bewertung vom 07.07.2020
DUNKEL / HULDA Trilogie Bd.1
Jonasson, Ragnar

DUNKEL / HULDA Trilogie Bd.1


gut

Ich habe mich sehr gefreut, mal wieder einen Krimi mit einer etwas betagteren Ermittlerin zu lesen und mir darum erhofft, dass es sich um einen knallharten, erfahrenen alten Hasen handelt, dem die Bösen so rein gar nichts können – aber weit, weit gefehlt. Hulda verhält sich oft wie ein absolut blutiger Anfänger, der an seinem ersten Tag nur alles an Fettnäpfchen mitnimmt, was möglich ist. Man muss ihr allerdings zugutehalten, dass sie absolut nicht abgebrüht und weit davon entfernt ist, so zu sein, wie man es im ersten Augenblick vermutet und dieser Facettenreichtum hat mir persönlich wiederum sehr gut gefallen.
Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass das Buch entweder ein Einzelteil oder das Ende einer Trilogie darstellt. Dann wäre ich eventuell mit dem Ende zufrieden gewesen, vielleicht hätte es sogar eingeschlagen wie eine Bombe und mich in absolute Verzückung versetzt, da es durchaus ein paar Wendungen in der Geschichte gibt, die man definitiv nicht erwartet. Die Realität ist allerdings leider, dass ich bitter enttäuscht war, mich schon fast um meine Zeit betrogen gefühlt habe. Nach Abschluss des Buches erscheint mir so vieles, mit dem die Handlung gefüllt wurde, einfach nur sinnlos.
Fazit
Ein nordischer Krimi, der seinen Fokus stark auf Persönlichkeit, Entwicklung und Geschichte seiner Protagonistin Hulda legt und den Kriminalteil dafür spürbar in den Hintergrund schiebt. Das Buch ist dabei mit äußerster Vorsicht zu genießen. Wer allerdings nach einem etwas „innovativen“ Krimi sucht, wird hier definitiv fündig. Ob man am Ende allerdings mögen wird, was man hier findet, mag ich nicht zu versprechen.

Bewertung vom 20.05.2020
Das Dorf der toten Seelen
Sten, Camilla

Das Dorf der toten Seelen


sehr gut

„Das Dorf der toten Seelen“ erzählt die fiktive Geschichte einer kleinen Dorfgemeinschaft, die Mitte des 20 Jahrhunderts in den tiefen Wäldern Skandinaviens spurlos verschwand. Der Leser erlebt die Geschehnisse dabei aus drei Perspektiven, die die Gegenwart geschickt mit der Vergangenheit verknüpfen.

Der Thriller scheint mit Themen wie religiösen Sekten, verlassenen Dörfern mit düsteren Geschichten und ein bisschen Found Footage Grusel, genau den momentanen Zeitgeist in Film und Literatur zu treffen. Das Buch nimmt allerdings nicht so schnell Fahrt auf, wie es der Klappentext vermuten lässt. „Den ersten Toten“, der dort versprochen wird, gibt es nämlich erst nach gut 2/3 der Handlung und diese ist demnach auch nicht so spannungs- und gruselgeladen, wie ich mir erhofft hatte. Dennoch ist die Geschichte von Anfang an immer etwas unheimlich, auch wenn ich mir persönlich SEHR viel mehr Horror und Grusel gewünscht hätte. Das Setting des verlassenen Dorfes mitten im Nirgendwo ist trotzdem eine derart fesselnde Atmosphäre, dass man nur so durch die Seiten fliegt.
Aber hier zeigt sich eben auch die typisch skandinavische Seite der Geschichte: es geht nicht um Übernatürliches, sondern um die eigene Familiengeschichte und die finsteren Geheimnisse der Vergangenheit.

Fazit
Die Behauptung „Stranger Things meets Scandinavian Crime“ kann ich so nicht wirklich unterschreiben. Die Geschichte hat zwar einen leichten Gruselfaktor, bei weitem aber nicht auf einem „Stranger Things“ Level und mit Übernatürlichem darf man hier schon gleich gar nicht rechnen. Es ist ein typisch skandinavischer Thriller, der düstere Geheimnisse der Vergangenheit und deren weitreichende Auswirkungen thematisiert. Das macht er sehr gut und man findet hier durchaus eine spannende Geschichte, bei der man sich etwas gruselt, aber garantiert nicht nachts das Licht anlassen muss. Für mich aufgerundete 3,5/5 Sternen.

Bewertung vom 26.03.2020
Das Reich der Grasländer 1 / Der letzte König von Osten Ard Bd.3
Williams, Tad

Das Reich der Grasländer 1 / Der letzte König von Osten Ard Bd.3


sehr gut

„Das Reich der Grasländer“ ist auf jeden Fall High Fantasy wie sie im „Buche“ steht. Man begegnet unzähligen Völkern, menschlichen Rassen und nicht-menschlichen Wesen, findet einen kriegerischen Konflikt nach dem anderen, entdeckt uralte Fehden, tiefreichende Intrigen und stolpert unerlässlich über die Vielzahl an schwer bis kaum aussprechbaren Namen. Also eigentlich alles, was ein High Fantasy Fan will, oder?
Ja, aber eben nur fast.
Man sollte wirklich nicht versuchen, sich alle Namen zu merken und jedes Mal im Kopf richtig „zu sprechen“, da verliert man doch sehr viel Lebenszeit. Aber auch die Vielzahl an Charakteren und unterschiedlichen Erzählperspektiven macht das Lesen streckenweise etwas anstrengend. Gerade, wenn man das Buch mal ein paar Tage nicht gelesen hat, findet man unglaublich schwer wieder rein. Auch, weil es keinen festen Protagonisten Pool gibt, aus deren Sicht die Kapitel erzählt werden. Es kommen immer mal wieder neue dazu und da dann noch durchzusteigen ist schwer. Passend dazu hätte ich mir gewünscht, dass vielleicht vor jedem Kapitel das Volk des Protagonisten im Titel steht. Ich habe erst im letzten Drittel wirklich die Zusammenhänge der einzelnen Charaktere und Völker auseinanderhalten können, was etwas schade ist.
Nichtsdestotrotz handelt es sich hier eben um High Fantasy und dort darf man nichts anderes als eine Vielzahl an Charakteren, Völkern und einzelnen Konflikten erwarten. Darum klingt meine Rezension vielleicht etwas kritischer, als sie sein sollte. Das Buch ist aber ungeachtet dessen eine wirklich gelungene Geschichte, die einen trotz ständiger Perspektivenwechsel vollkommen in ihren Bann zieht. Gerade während den letzten zwei Dritteln der Geschichte fällt es unglaublich schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Fazit
High Fantasy im Sinne von George R.R. Martin – unzählige Völker, Rassen, Länder, Protagonisten und Konflikte. Trotz typischer HF Probleme eine gelungene und spannende Geschichte, die über 600 Seiten verteilt nur sehr selten an Tempo verliert.

Bewertung vom 26.03.2020
Im Schatten des Kronturms / Riyria Bd.0
Sullivan, Michael J.

Im Schatten des Kronturms / Riyria Bd.0


ausgezeichnet

„Im Schatten des Kronturms“ ist das erste Prequel zu den Riyria-Chroniken, welche ich persönlich - wie auch die anderen Werke des Autors - noch nicht gelesen habe. Meine Rezension bezieht sich demnach allein auf dieses Buch und bietet keinerlei Vergleiche zu anderen Werken von Michael J. Sullivan.
Diese Vorgeschichte erzählt auf charmante Art und Weise, wie sich die Wege von Hadrian und Royce das erste Mal kreuzen und diese beiden menschlichen Widersprüche langsam zu zueinander passenden Gegenstücken werden.
Hadrian mag dabei auf den ersten Blick zwar sehr naiv wirken, hält aber eigentlich nur eisern an seiner Überzeugung fest, dass alle Menschen im Grunde gut sind. Diese Perspektive wird durch das Zusammentreffen mit Royce das erste Mal in ihren Grundfesten erschüttert, scheint der doch keinerlei Respekt vor menschlichem Leben und außer Mord und Blut nicht viele Hobbies zu haben. Gerade diese Kombination dieser beiden eigenartigen Charaktere macht diese Paarung so wunderbar schrullig und spätestens nach ihrem ersten Geplänkel schließt man sie ins Herz. Das macht das ganze Buch zu einem wirklichen Lesevergnügen, dass den Leser abwechselnd mitfiebern und grinsen lässt.
Ich muss aber leider auch erwähnen, dass ich das Cover schrecklich finde. Es handelt sich hier zwar nicht um High, sondern um „leicht verdauliche“ Fantasy und demnach passt das Cover in gewisser Weise, aber die beiden fotografierten Menschen hätte man meiner Meinung nach lieber mit einer Zeichnung ersetzen sollen. Das erinnert mich zu stark an englische Urban Fantasy und das ist das Buch einfach nicht.

Fazit
Eine wunderbare, leicht verdauliche Fantasy Geschichte. Die beiden Protagonisten sind so ulkig und geben ein so wunderbar unterhaltsames Gespann ab, dass man das Buch nur sehr schlecht aus der Hand legen kann.