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Juti
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Insgesamt 802 Bewertungen
Bewertung vom 15.01.2026
Ernaux, Annie

Die Besessenheit


sehr gut

Ernaux pur ****

Da ich von der Literaturnobelpreisträgerin von 2022 immer nur die deutsche Übersetzung lese, kommt hier nicht so rüber, was sie geschrieben hat: ****
Ihr Erstlingswerk erschien 1974, die deutsche Ausgabe „Die leeren Schränke“ 2023 und ist für mich noch ein Desiderat. Nach anderen noch nicht übersetzten Bücher erschien 1983 das Buch „Der Platz“ über ihren Vater, (2019 übersetzt und lesenswert). Vier Jahre später schrieb sie als ihr nächstes Buch „Eine Frau“ über ihre Mutter (ebenfalls 2019 übersetzt und lesenswert). 1991 weitere vier Jahre später kommt dann „Eine Leidenschaft“ heraus, was erst 2024 neu übersetzt wurde. Innerhalb von 8 Jahre hat Ernaux drei Bücher geschrieben, die im normalen Druck nur ein dünnes Büchlein füllen könnten. ****

Dieses Buch hier „Die Besessenheit“ ist im Original von 2002 (sie hat aber in den 90ern noch mehr geschrieben), in der Übersetzung von 2025. Es ist quasi das Gegenstück zur Leidenschaft. ****

Während in der Leidenschaft die Ich-Erzählerin ihren Liebhaber vermisst, macht sich hier die Ich-Erzählerin Gedanken über die neue Frau ihres Liebhabers und das, obwohl sie ihn verlassen hat. Der Mann in den 30ern liebt eine Frau, die 47 ist. Sie hat Geld, er nicht. Klingt alles nach guten Bettgeschichten und den hatte sie wohl auch. ****

Ihre Gedanken sind plausibel, gut nachzuvollziehen und mit 68 Seiten noch etwas kürzer als die Leidenschaft. Wieder 4 Sterne und ich will hoffen, dass nach und nach der Rest übersetzt wird. ****

Zitat: Nach dem Aufwachen griff ich meist als erstes nach seinem im Schlaf erig. P**** und hielt ihn fest, als umklammerte ich einen Ast. Ich dachte, „solange ich das hier in der Hand halte, bin ich nicht verloren in der Welt“. (9)

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.01.2026
Ernaux, Annie

Eine Leidenschaft


sehr gut

Beginn einer großen Karriere ****

Der Film „Passion Simple“ brachte mich zurück zu Annie Ernaux. Inzwischen sind weitere Bücher ins Deutsche übersetzt. Dieses hier ist im Original von 1991. Es beschreibt die Abhängigkeit der Ich-Erzählerin von einem verheirateten Ausländer, im Buch nur A. genannt. Was später autobiogra­fisches Erzählen genannt wird, muss hier noch nicht so sein. ****

Schwierig zu sagen, wie lang diese Affäre dauerte, vermutlich mehrere Jahre. Aber was im viel zu langen Film mit Bettszenen in die Länge gezogen wird, ist im mit 70 Seiten schon längeren Buchs Ernaux kurz und präzise auf den Punkt gebracht. ****

Die großen Kinder der Ich-Erzählerin werden im Film zu einen Schulkind komprimiert. ****

Nein, nicht Kinder, die Gefühle einer Frau, die übermäßig liebt und die Gefühle ihres Liebhabers an seinem Geschlechtsorgan abliest stehen hier im Mittelpunkt. Nach Jahren der Ernaux-Pause hat mir das viel besser gefallen, als der Film. 4 Sterne

Zitat:

Die einzige unbestreitbare Wahrheit konnte ich an seinem P**** ablesen. (30)

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.01.2026
Grote, Ludwig (Hg.)

Die deutsche Stadt im 19. [neunzehnten] Jahrhundert. Stadtplanung und Baugestaltung im industriellen Zeitalter. Studien zur Kunst des neunzehnten Jahrhunderts ; Bd. 24. Forschungsunternehmen der Fritz Thyssen Stiftung. Arbeitskreis Kunstgeschichte.


sehr gut

Kurstädte aus Sicht der 70er ****

Dieses Buch beginnt mit einer mir zu allgemeinen Übersicht deutscher Städte. Dann folgt ein schon interessanter Artikel über die Maximilianstraße in München. Dort wird erwähnt, dass der Garten­architekt Lenné auch in Bayern aktiv war und 1852 den Park der Roseninsel im Starnberger See und 1853 den Schlossgarten in Feldafing plante (54). Letzteres wurde wohl nie gebaut. ****

Die Berliner Gartenvororte waren insofern interessant, dass wir wenig über Vororte wissen. Der Artikel „Der Stadtpark“ bracht mir nichts Neues, außer das es in Berlin um 1880 für 5 Millionen Einwohner nur 5 öffentliche, heute würde wir sagen, Sportplätze gab. (77) Im Gegensatz zu Brown führte Hirschfeld in den englischen Landschaftsgarten eine am Haus gelegene „Zwischenzone“ ein, „die das Moment der Künstlichkeit nicht zu verheimlichen sucht.“ (85)
Denkmäler – zu dem noch im weit entfernten Wien – sind für mich nicht spannend. ****

Aber Baden-Baden, dass seit Beginn „als Vergnügungsort und nicht als Heilbad aufgesucht wurde.“ (100) Es wurde hauptsächlich finanziert vom Spielbankchef Benazet, der vom Syvester 1837 in Frankreich erlassenen Glücksspielverbot sehr profitierte, wie auch Bad Homburg und Wiesbaden. Er beteiligte sich zum Beispiel auch am Bau des Theaters (104+115) Selbst in der Literatur ist das Glücksspiel ein Thema wie bei Dostojewski „Der Spieler „ und Turgeniew „Rauch“.
So stiegen die Besucherzahlen von 20.022 1840 über 33.623 1850 und 46.882 1860 auf 62.036 1869. (105) Im streng katholischen Baden musste andere Kirchen her, die der Weinbrennerschüler Eisenlohr baute. (106) Die Trinkhalle wurde von hübsch gebaut und hebt die strenge Symmetrie Weinbrenners auf. ****

Weiter geht es nach Wiesbaden, das sich als einzige Kurstadt zur Großstadt entwickelte. Die Residenz der Nassauer Fürsten war übrigens früher direkt am Rhein im Ortsteil Biebrich.
Krankenhäuser habe ich überblättert, die Rheinischen Sakralbauten waren mir zu allgemein. ****

Im Rathaus von Hannover habe ich dagegen während des Kirchentages gegessen. Im Fagus-Werk in Alfeld, das im selben Jahr gebaut wurde, ist es ein Beispiel für klassische Architektur. Bei den Theatern und Opern fehlte mir Bayreuth, das bayerische Nationalmuseum kenne ich gar nicht. ****

Erst das Bahnhofskapitel konnte mich wieder erwärmen: Es sieht Stuttgart 21 voraus: Der Bahn­hofsbau beginnt „um 1830 in Liverpool und endet 1911 mit dem Baubeginn des Stuttgarter Hauptbahnhof den letzten schließlich abgebrochenen Versuch“ (235). Man wollte die Bahnhofshalle mit dem Empfangsgebäude verbinden. In Hannover erreichte ein Bürgerprotest, dass 1865 der neue Bahnhof an Stelle des alten von 1847 und nicht weiter außerhalb der Stadt gebaut wurde. (236) Auch ein Kaiserbahnhof war schwierig, da Züge aus Berlin an Gleis 3 oder 4 halten mussten – wo es aber sogar einen Speisesaal gab – und eben nicht am bevorzugten Gleis 1. (237) Nebenbei wird erwähnt, dass der architektonisch mustergültige Anhalter Bahnhof abgerissen wurde, obwohl dort selbst nach dem Krieg noch Züge abfahren konnten. (243) ****

Brücken wäre wieder zu allgemein, wenn nicht für die Rheinbrücke zu Köln erwähnt werden würde, dass nach Resten der Römer erst seit 1674 eine fest Fährverbindung, seit 1822 eine Schiffsbrücke und erst von 1855 bis 59 die erste Eisenbahnbrücke gebaut wurde. (254). Der Gartenpark Wörnitz wird übrigens als Brückenlandschaft bezeichnet. ****

Das Frankfurter Westend existiert heute so gut wie nicht mehr, die Berliner Mietskaserne aber wohl. Die Fotos in Stadt im Bild haben die Qualität wie vor 50 Jahren. ****

Den Abschluss bildet ein Vergleich mit England, vom wir 3 Dinge übernommen haben:
1. die Industrialisierung
2. den englischen Garten
3. den englischen (protestantischen) Kirchenbau.
Für England typisch ist dagegen das Eigenheim im Gegensatz zur Mietskaserne. ****

Es gehört zu einer Aufsatzsammlung dazu, dass nicht alle Themen interessant sind, andere bringen in diesem Buch für mich wirklich neue Erkenntnisse. Daher 4 Sterne. Noch ein letztes: Mich wundert, dass mitten im Kalten Krieg die Städte in der DDR genau wie die westdeutschen Städte als Beispiel genommen werden, etwa der Vergleich der Bahnhöfe von Hannover und Dresden.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.01.2026
Passion Simple

Passion Simple


weniger gut

Langweilig **

Annie Ernaux schreibt so kürze Bücher. Und da wollte ich wissen, wie man damit 94 Minuten füllen kann. Die Antwort ist:
Gar nicht. **

Eine Lehrerin knattert eine Russen und vernachlässigt dabei ihr Leben. Damit ist die Handlang erzählt. **

Und wer hofft, dass die Liebesszene schön sind, wird auch enttäuscht. Der Mann hat so hässliche Tatoos und die Frau zu kleine Rundungen. **

2 Sterne, weil ich bis zum Ende durchgehalten habe.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.01.2026

Benedetta Mediabook


ausgezeichnet

Erotik und Religion *****

Weil die Religion sehr mit moralischen Fragen verknüpft wird, ist es besonders verlockend, den Bruch ihrer Tabus darzustellen. Was eignet sich dafür besser als ein Nonnenkloster?

Die Keuschheit wird hier nicht mit Füßen getreten, sondern mit Händen geraubt. Eine Statue Mariens bildet dabei eine große Hilfe. *****

Selbstverständlich fehlt auch die Gegenseite nicht, verkörpert durch die lammfromme Mutter Oberin. *****

Einzig etwas unterbelichtet ist der schön scheinheilige Bischof, der aber auch noch im Bett hätte landen können. *****

So bleiben die Bettszenen rein weiblich. Aber allein schon die schöne Benedetta ist 5 Sterne wert. *****

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.01.2026
Sterne, Laurence

Yorick's empfindsame Reise durch Frankreich und Italien


sehr gut

Mark Twains Vorbild ****

Darf man ein Buch aus dem Jahre 1768 mit einem heutigen vergleichen? Nicht wirklich. Gut, in der Beschreibung ist das Buch fast 100 Jahre jünger. Klingt plausibel. ****
Und doch habe ich es gelesen, weil Mark Twain es auch las. Und was hat er gelernt?
Nun, genau wissen wir es nicht. Aber dieses Buch enthält nichts, was auch nur annähernd an eine Reisebeschreibung erinnert. Am ehesten ist es mit Casanova zu vergleichen. ****

Anstatt nämlich über Orte zu berichten, stehen die getroffenen Personen im Mittelpunkt. Und gegen Ende sind es immer mehr die Frauen, doch wer auf erotische Szenen hofft, der wird enttäuscht. ****

Apropo enttäuscht. Liebe Italienfans, die Reise des Herrn Yoricks endet leider in Lyon im Bett mit einer schönen Frau. Da ist nix zu machen. Gen Italien müsst ihr nun selber fahren. ****

Für seinen Witz gibt es 4 Sterne, vielleicht etwas viel, aber Greisenrabatt.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.01.2026

Mobilities of Knowledge


schlecht

Wattenscheid *

Kurz vor Weihnachten hörte ich einen langweiligen Vortrag in Heidelberg. Die Vortragende ist eine Autorin dieses Buches. Ich wollte wissen, ob das gesamte Wissensgebiet so langweilig ist, wie ihr Vortrag. *

Nach der Lektüre kann ich diese Frage eindeutig bejahen. Der einzige halbwegs interessante Beitrag geht über die Verbreitung von Papier als Erfindung. *

Ansonsten sollte sich die Professoren mal fragen, was sie wirklich zeigen wollen. Und da nutzt es auch nix, wenn sie seitenlang das Wort „knowledge“ definieren. *

Auf S. 240 habe ich recht spät aufgehört durchzublättern. 1 Stern, denn mehr hat dieses Buch wirklich nicht verdient. Hausaufgabe: Was hat dieses Buch mit dem Bochumer Stadtteil zu tun?

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.01.2026

Buster Keaton - The General


ausgezeichnet

amerikanische Eisenbahnromantik *****

1862, Südstaaten der USA: Johnnie Gray hat zwei Leidenschaften – seine Lokomotive, die "General", und seine Freundin, Annabelle Lee. Als der Bürgerkrieg ausbricht, darf Johnnie nicht an die Front, weil er als Lokführer nützlicher sein könne. Von Annabelle und ihrer Familie wird dies als Feigheit interpretiert – sie brechen den Kontakt ab. *****

Ein Jahr später sitzt Annabelle mit ihrem Vater in Johnnies Eisenbahn, als bei einem Zwischenstopp Nordstaatler den Zug entführen. Doch sie haben die Rechnung ohne den Lokführer gemacht: Johnnie höchstpersönlich jagt dem entführten Zug ganz alleine hinterher. Im feindlichen Lager stößt er nicht nur auf die Angriffspläne des Gegners, sondern auch auf seine ehemalige Freundin Annabelle, die beide durch ihn gerettet werden. Nun folgt wieder ein Eisenbahnrennen, diesmal mit dem „General“ an der Spitze. Bei seiner Rückkehr wird er als Held gefeiert und mit Liebe und als Leutnant belohnt. *****

Arte schreibt dazu, dieser Film erfülle [Keaton] mit mehr Stolz als jeder andere, weil er sich um größtmögliche historische Glaubwürdigkeit bemüht hatte. Tatsächlich dient der amerikanische Bürgerkrieg nicht als Hintergrund, sondern ist vollwertiger Teil der Handlung. *****

Einzigartig improvisierte Gags und eine sparsam-schlichte, aber wirkungsvolle Regie haben den Film zu einem zeitlosen Meisterwerk gemacht, das Keatons Auffassung vom Genre Komödie gerecht wird: "Ein komischer Film muss genauso sorgfältig und genau zusammengesetzt werden wie die Zahnräder einer Uhr." *****

Für mich ist das leicht übertrieben, aber 5 Sterne gibt es dennoch.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.01.2026
Wolf, Christa

Der geteilte Himmel


gut

Alltag in der DDR. Das wichtigste ist die Arbeit und wer berufsmäßig in den Westen kann, der bleibt auch dort. ***
Es ist schon etwas Besonderes, wenn jemand wiederkehrt. Scheint etwas mit der Liebe nicht zu stimmen. ***

3 Sterne für ein Buch, das auch von Konrad Wolf verfilmt wurde.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.01.2026
Vittorio Gassman,Henry Fonda,Audrey Hepburn

Krieg Und Frieden


weniger gut

Wenn es kein Klassiker wäre...
...hätte ich nicht bis zum Ende durchgehalten. **

Der Krieg in diesem Film dient dazu, Liebespaare auseinander zu reißen. Und hätte nicht Pierre gleich die dumme Ziege geheiratet, sondern sofort die schöne Natascha, dann wäre die ganze Handlung perdu. **
So kann Natascha sich noch in Andrej verlieben, der eine andere geheiratet hat, aber seine Ehefrau stirbt bei der Geburt des gemeinsamen Sohnes.
Pierres dumme Ziege geht dagegen auch noch fremd. Ihr Liebhaber wird aber im Duell, das nur von Mark Twains geschilderten Duell untertroffen wird, tödlich verwundet. Doch Pierre lässt sich nicht scheiden. **
So ist der Weg zu Natascha frei für Andrej, wenn nicht sein Vater ein Jahr Abstinenz verlangen würde, die der junge Mann bei der Armee verbringt. **
Das junge Ding verliebt sich prompt in einen anderen Dahergelaufenen, der sie aber gar nicht heiraten kann, weil er schon verheiratet ist. **

Andrej fällt in der Schlacht Napoleons vor Moskau und so könnten Pierrre und Natascha ein Paar werden, aber da ist der Film nach über drei Stunden auch schon zu Ende. **

Eine russische Schnulze von Hollywood verfilmt, zwar in Starbesetzung, aber dennoch nur 2 Sterne.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.