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Benutzername: DaisyWarwick


Bewertungen

Insgesamt 8 Bewertungen
Bewertung vom 04.06.2021
Arabische Nächte
Lackerbauer, Veronika

Arabische Nächte


ausgezeichnet

Wer den Titel liest und ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht erwartet, liegt falsch.
Wer das Cover - eine blonde Frau am Strand vor der Wolkenkratzer-Silhouette Dubais - vordergründig betrachtet und ein Urlaubsmärchen mit einem Scheich erwartet, liegt falsch.
Wer eine Urlaubsromanze erwartet im Stil von ‚Dame reiferen Alters findet die reine Liebe zum jungen einheimischen Animateur‘ liegt (glücklicherweise) ebenfalls falsch.
Wer jedoch eine ganz und gar ungewöhnliche Liebesgeschichte erwartet, liegt richtig.
Wobei für mich die eigentliche Liebesgeschichte hinter der Haupthandlung verborgen ist. Doch dazu später.
Zwei Freundinnen verbringen eine gemeinsame Urlaubswoche in Dubai. Britta, überzeugter Single und stets flirty aufgelegt, und die solide Inga, seit vielen Jahren mit Tom nicht unglücklich, aber ereignisarm verheiratet (Stichwort: Hausmannskost).
Wie es immer so ist: der tolle Mann interessiert sich für die Brave, die gar nicht auf ein Abenteuer aus ist. Britta ist keinesfalls eifersüchtig, sondern bestärkt ihre Freundin, die Treffen mit dem gutaussehenden Paul wahrzunehmen und den Urlaub auch in dieser Hinsicht zu genießen.
Ganz nebenbei wird Dubai und Umgebung mit seinen vielen Attraktionen ausgiebig besichtigt und für den Leser beschrieben.
Nach einigen gemeinsamen Tagen sowie heißen (arabischen) Nächten am Stand oder in Pauls Luxusappartement, kommt viel zu schnell der Abschied. „Wenn du willst, dass es hier endet, endet es hier“, verspricht man einander, bevor Inga den Flug nach Hause und in ihre Ehe antritt.
Anfangs versucht sie noch, die gewohnte Routine wieder aufzunehmen, merkt aber von Tag zu Tag deutlicher, dass es eben mehr war als ein Urlaubflirt. Da sie nicht „zweigleisig“ fahren kann, macht sie reinen Tisch und besucht Paul erneut in Dubai. Nun könnte eigentlich das happy End folgen – tut es aber nicht. Nur Märchen enden mit „Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute“.
Es gibt etwas, das dem gemeinsamen Glück entgegensteht, und auch durch die Liebe nicht besiegt werden kann.
Nun würde das Märchen aus Tausendundeiner Nacht tragisch zu Ende gehen, wäre dahinter nicht die andere Liebesgeschichte. Tom, der Noch-Ehemann, vormals gleichgültig gegenüber seiner Frau, der Routine verfallen und im Alltagstrott, wächst plötzlich über sich hinaus und unterstützt Inga auf eine Weise, wie sie wohl nur selten vorkommt. Dies ist seine Art der Liebe, die an ein Bibel-Zitat aus dem „Hohelied“ erinnert: “Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht…, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit…, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“
Und vielleicht ist dies auch eine Botschaft.

Bewertung vom 29.04.2021
Männertreu und Sonnentau (eBook, ePUB)
Seidl, Andrea

Männertreu und Sonnentau (eBook, ePUB)


sehr gut

Es gibt Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben...
Vicki, erfolgreiche Marketingexpertin, findet statt dessen ihren Beinahe-Ehemann darin vor - leider in eindeutiger Stellung mit einer anderen. Apropos Stellung, die hat die arme Vicki kurz vorher unverschuldet verloren, und das ist der Grund, warum sie so buchstäblich überraschend (!) früher nach Hause kommt und ihren Bräutigam in flagranti erwischt. Mit dem Job ist das Geld weg, mit dem Verlobten die Wohnung, hinzu kommen die Storno-Kosten für Hochzeitsfeier und -reise. Was also tun? Statt zu verzweifeln, verbündet sich Vicki mit ihrer gleichfalls schmerzlich mit dem Thema vertrauten Freundin zur Anti-Betrugs-Einheit und gründet eine "Treuetest-Agentur". Doch kaum verbucht das Startup erste Erfolge, kommen auch schon die Schwierigkeiten. Auch Treue-Testerinnen sind nämlich nicht gegen die Liebe gefeit...
Der Roman beginnt mit Schwung sowie vielen unerwarteten Wendungen, witzigen Charakteren und absurden Situationen. Der Ductus ist knackig und lässt die Seiten beim Lesen förmlich fliegen. Im Laufe der Story ebbt das Tempo jedoch etwas ab, manches wirkt allzu konstruiert und unnötig in die Länge gezogen, wie zum Beispiel das Wiedersehen von Vicki und Alex. Der Email-Briefwechsel zwischen Alex und Rolf ist zwar gut geschrieben, aber in dieser Form eher unglaubwürdig. Zumindest könnte ich mir nicht vorstellen, dass zum Beispiel unser Zahnarzt und Freund früh in der Praxis vor den ersten Patienten seitenlange Mails über sein Sexualleben verfassen würde. Bei der nächsten Zahnreinigung werde ich mich mal danach erkundigen...
Insgesamt eine unterhaltsame Story, die witzig erzählt wird und nach einigen Irrungen-Wirrungen auch ein Happy End bereit hält.

Bewertung vom 19.04.2021
Nasses Grab (Zwischen Mord und Ostsee, Küstenkrimi 1)
Herzberg, Thomas

Nasses Grab (Zwischen Mord und Ostsee, Küstenkrimi 1)


ausgezeichnet

Mit "Nasses Grab" startet eine neue Reihe von Küstenkrimis, die zwischen den Meeren, das heißt zwischen Nord- ("=Mord", daher der Titel) und Ostsee, also in Schleswig-Holstein, spielen. Mittelpunkt ist die Stadt Flensburg, die wir alle - mehr oder weniger - von unserem Punktekonto kennen. Die dortige Polizeidirektion, vertreten durch Kriminaldirektor Karsten Bruhn, hat gerade ein neues Ermittlerteam zusammen gestellt: Carina Drews, 43, genannt Ina, und erst seit zwei Wochen in Flensburg und Jörn Appel aus Bochum, zufällig Inas Ex-Schwager und Vater ihrer Nichte Dini (Nadine). Das verheißt allerlei Spannungen und private Reibereien, so dass Handlung und Dialoge - zumindest für meine Begriffe - allzu oft ins Private abdriften. Erschwerend kommt hinzu, dass Ina mit ihrem neuen Chef ein Stückchen gemeinsamer Vergangenheit teilt und es zu klitzekleinen Eifersüchteleien kommt, die einem professionelles Arbeitsverhältnis abträglich sind. Dennoch schmeißt sich das neue Ermittlerteam zusammen und klärt investigativ, warum Peter Nissen sterben musste (wobei sich in dieser Person später auch der Zusammenhang zwischen Nord- und Ostsee auf makabre Weise auftut). Das Flensburger Punktekonto der Protagonisten sollte sich bei der beschriebenen Fahrweise im Lauf der Handlung gefüllt haben; sie sind ständig in Action, und auf Mördersuche nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern auch in Dänemark unterwegs.
Insgesamt ist es ein spannender Krimi mit aktuellem Bezug und ein paar überflüssigen Klischees. Auch die privaten Querelen stören manchmal die Handlung. Dennoch denke ich, dass das Team sich finden und auf den Erfolgen dieses Kriminalfalls aufbauen wird. Daher bin ich gespannt auf weiter Folgen aus dem Land zwischen den Meeren.

Bewertung vom 19.04.2021
Tödliches Idyll (Krimi) (eBook, ePUB)
Bowen, Rhys

Tödliches Idyll (Krimi) (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Ich habe schon etliche Bücher aus dem Vereinigten Königreich gelesen. Die meisten davon spielen in London, viele in Cornwall, einige in den Cotswolds, auch die Isle of Wight ist vertreten und – natürlich Schottland! Noch nie jedoch hat eines meiner Bücher von Wales gehandelt.
Wales war mir lediglich bekannt durch unaussprechliche Namen und die längste Ortsbezeichnung Europas (natürlich auch unaussprechlich).
Nun also ein Krimi, der im von hohen Bergen umgebenen walisischen Dörfchen LLanfair und damit in scheinbarer Idylle spielt. Hier hin verschlug es vor einem Jahr Constable Evan Evans, auch Gesetz-Evans genannt, zwecks Unterscheidung von den vielen Anderen namens Evans, z. B. Milchmann-Evans oder Fleischer-Evans. Neben deren Spezialitätenläden wartet das Dorf noch mit zwei in Konkurrenz zu einander stehenden Kirchen auf, die sich Beulah- und Bethel-Kapelle nennen. Nachrichtenzentrale ist jedoch der Red Dragon, der örtliche Pub. Als Junggeselle, dazu mit Festgehalt, wird Evan von den Dorfschönheiten umworben. Aber auch Damen in der zweiten oder dritten Blüte ihrer Jugend rufen ihn gern zu sich, um so schröckliche Straftaten wie Fußabdrücke im Gemüsebeet oder das unerklärliche Verschwinden eines Apfelkuchens aufzuklären.
So gemütlich könnte es eigentlich weiter gehen, gäbe es da nicht plötzlich mehrere Tote…
Nun läuft Evan Evans, der - nebenbei bemerkt - noch ein passabler Bergsteiger ist, zur Hochform auf. Von seiner Obrigkeit immer wieder in die Schranken verwiesen, ermittelt er auf eigene Faust, kombiniert die Fakten, zieht die richtigen Schlüsse und setzt sogar sein Leben aufs Spiel, um dann nicht nur den Täter zu stellen und - ganz nebenbei - das vermisste Mädchen zu finden, sondern - Applaus! – sogar das Geheimnis des verschwundenen Apfelkuchens zu lösen. Belohnung dafür ist ein dicker Kuss einer (welcher?) der Dorfschönheiten.
„Tödliches Idyll“ von Rhys Bowen ist der erste Band der Reihe um Constable Evans; weitere Bücher sind schon erschienen. Die Neugier auf die Fortsetzungen ist geweckt, denn das Buch ist sowohl spannend als auch unterhaltsam und enthält viel Lokalkolorit. Die Beschreibung der spleenigen Dorfbewohner in ihrer ländlichen Idylle vor schroffen Felsmassiven macht zudem Lust, Wales einmal „Bore da“ zu sagen und den „hoch oben ruhenden Berg“ zu betrachten.

Bewertung vom 09.03.2021
Die Macht der Akademie (eBook, ePUB)
Skye, Neal

Die Macht der Akademie (eBook, ePUB)


gut

Was MACHT die Akademie?
Titel, Cover und Ankündigung "Schwedenkrimi" hatten meine Phantasie beflügelt, so dass ich mich voller Vorfreude diesem Buch widmete.
Verwundert war ich dann, dass dieser Schwedenkrimi zur Hälfte in Bremen spielt (wobei ich nichts gegen Bremen habe).
Weiterhin hätte ich mir unter "Akademie" ein diabolisches Gegenstück zur Königlich Schwedischen Akademie vorgestellt und weltweite Verbrechen oder Verschwörungen statt Mädchenentführungen erwartet. Die eigentlichen Strukturen der Akademie blieben für mich und in diesem Buch im Dunkeln.
Die Handlung ist flüssig und gut lesbar geschrieben, hilfreich sind auch die Zeit- und Ortsangaben über den (kurzen) Kapiteln, so dass das Hin- und Herspringen und die wechselnden Protagonisten nicht allzu verwirrend wirken. Ganz klar Kritik gibt es für den Korrekturleser; das geht besser!
Bei der dilettantischen "Entführung" von Izabel und den sich daraus ergebenden Ereignissen vermisse ich an vielen Stellen die Logik. Auch die Auflösung der alten Fälle befriedigt mich nicht.
Und nun zum "Personal": Lüder Jenke, Thorben Bannies, Boris Peters, Axel Griesenbeck, Brigitte Fischer, Mats Berglund, Sebastian Morland, Edda Valby. Viele Namen und wenig Profil. Leider sind die Frauen stutenbissig, unsympathisch und als miese Chefinnen dargestellt. Insbesondere Frau Valby ist unhöflich bis rüde unterwegs und kanzelt ihre Mitarbeiter derart ruppig ab, dass sich aus deren Mordgedanken auch ein eigener Fall hätte entwickeln können.
Fazit: Ein leicht lesbarer Krimi, der seinem Namen nicht ganz alle Ehre macht und Potential verschenkt.

Bewertung vom 17.02.2021
Nichts
Stern, Caroline

Nichts


sehr gut

Auch NICHTS ist ein Geschäftsmodell:
Ab einem gewissen Alter hat man eigentlich alles.
Zumindest lautet dann die Antwort auf die Frage, was man sich zum Geburtstag wünscht, sehr häufig "NICHTS". Das hat die "Autorin" von "NICHTS" glasklar erkannt und ein Geschäftsmodell daraus entwickelt. Das ist keinesfalls verwerflich. Der Gratulant kann der Bitte des Jubilars 1:1 entsprechen, ihm NICHTS zu schenken. Zusätzlich kann er sich im Büchlein mit ein paar überflüssigen Ratschlägen; witzigen Sprüchen, z. B. über die Phasen des Alters; wertvollen Lebensweisheiten oder holprigen Reimen verewigen.
Ich werde das Notizheft fürs spontane Schreiben nutzen - gut für die tägliche Übung, aber NICHTS für die Ewigkeit.

Bewertung vom 16.02.2021
Zicke, zacke, tot
Werner, Ingrid

Zicke, zacke, tot


gut

Zicke, zacke - au Backe!
Ingrid Werners dritter Fall um die Privatermittlerin Karin Schneider spielt an fünf tollen Tagen des größten Volksfestes in Niederbayern, des Karpfhamer Fests, welches in diesem Buch neben Bierzelten, Schießbuden, Riesenrad und anderen Attraktionen auch Mord und Totschlag, Hass und Neid sowie menschliche Abgründe bereithält.
Da ich die voran gegangenen beiden Fälle der selbst ernannten Ermittlerin Karin nicht kenne, fiel mir der Einstieg etwas schwer. Ich erfuhr zwar, dass Karin mit ihrer Familie aus der Landeshauptstadt in die dörfliche Idylle des Rottals gezogen war, ihr Mann aber danach wieder nach München gegangen sei, um dort eine Chefarztstelle anzutreten. Dies erklärt trotzdem nicht das seltsam zerrüttete Verhältnis der beiden. Auch ihre vier Kinder kommen anscheinend problemlos ohne ihre Mutter zurecht, so dass Karin als gelangweilte Hausfrau neue Aufgaben annimmt und damit Bedeutung in ihr Leben bringen will. Dies löst sie für sich, indem sie sich ungefragt in die Angelegenheiten Fremder einmischt und damit ungewollt in ein Wespennest sticht.
Mit Rosi, dem ersten Opfer, verbindet sie zumindest eine voraus gegangene Psychotherapie, die offensichtlich genauso erfolglos blieb, wie die Ermittlungsversuche der naiven Hobby-Detektivin. Vielleicht ist es das schlechte Gewissen der Heilpraktikerin Karin, das sie nun dazu antreibt, den vermeintlichen Selbstmordversuch ihrer ehemaligen Patientin auf eigene Faust aufklären zu wollen, wobei sie erst einmal jede und jeden verdächtigt. Als noch hinderlicher erweist sich, dass sie sich ausgerechnet in „George Clooney für Arme“ verliebt und ihn über ihre „Ermittlungstaktik“ aufklärt. Die dadurch ausgelöste Kette fataler Ereignisse überfordert nicht nur die meist falsch liegende, aber desto mehr von sich überzeugte Karin, sondern auch den geneigten Leser (besonders wenn er – wie ich – eher einen Cosy-Krimi erwartet hätte).
Auch wenn mich die Charaktere der handelnden Personen und ihr Agieren nicht ganz überzeugen konnten, liest sich der Krimi flüssig, enthält viel Lokal-Kolorit sowie eine gehörige Portion Humor, wenn man das Geschehen nicht allzu ernst nimmt. Das fällt allerdings schwer angesichts der Kollateralschäden, die Karins Mördersuche begleiten.

Bewertung vom 07.02.2021
Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen
Albrecht Sommerfeldt

Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen


ausgezeichnet

Ein leinwander Kerl und eine dammige Geschicht

JANE, liebe Krovim und auch Ihr Hischen, Brisgen, Strichkatzen, feine Pinkel, Gnofen, Veteranen und allerlei Gesindel!
Der Sommerfeldt Albrecht ist ein leinwander Kerl und hat ein guts Buch geschrieben, das müsst Ihr unbedingt lesen. Also, Ihr Mischboche, holt hajum Eure Marie aus dem Beutel, paar Flins reichen auch, und wenn Ihr kein Moos habt, macht chaift oder lasst anschießen, köngt das Druckwerk, nehmt‘s mit in Eure schattere Platte und lest es die ganze Ficht, keine Dange, Ihr werd’s ohnehin nicht zum dormen kommen; es ist eine dammige Geschicht.
Ich hoffe, ich hab Euch bekaschpert!
Das beste Mittelalter(und danach)-Buch, das ich seit längerem gelesen habe. Ab 1500, spätestens nach Luthers Thesenanschlag 1517, spricht man nämlich von der Frühen Neuzeit und „Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen“ beginnt immerhin hundert Jahre später; aber alles fühlt sich so an wie unsere Vorstellung vom Mittelalter.
Wanderhuren, Päpstinnen, Klosterbräute, Fürsten und edle Ritter sucht man indes vergebens; stattdessen jede Menge Gestalten der Hamburger Unterschicht, die ihr karges Dasein mit allerlei fragwürdigen Tätigkeiten bestreiten.
So auch der Protagonist und Antiheld Johann Gabelschlag, als ehemaliger Soldat ein Veteran, zerlumpt, verarmt, gezeichnet, vielfach seelisch und körperlich verwundet, hart im Nehmen, aber mit einem weichen Kern, der Mitgefühl empfinden kann für die, denen es noch schlechter geht.
Dieses Mitgefühl mit der jungen Klara, dazu seine Schmerzfreiheit, Widerstandskraft und ungeheure Zähigkeit treiben ihn an, das Verschwinden junger Menschen in Hamburgs Elendsviertel St. Jakobi aufzuklären.
So entwickelt sich ein historischer Kriminalfall, der seinesgleichen sucht.
Die kraftvolle, bildliche Sprache zieht den Leser mitten hinein ins Geschehen. Man riecht förmlich den Unrat und Schmutz der Gassen und Tweeten, den Dampf, der in der warmen Wirtsstube aus nassen Kleidern steigt, spürt die Kälte im Winter 1617/18 in zu dünnen Kleidern auf der Haut und empfindet die Angst vor ständigem Unrecht und Gewalt. Drastisch und ohne Illusion wird diese Zeit und der ständige Überlebenskampf beschrieben. Hinzu kommt viel historisches Hintergrundwissen, Erläuterungen zu Gebäuden, Orten sowie den Ständen und ihren Verbindungen und - nicht zu vergessen – des Rotwelsch, der Sprache der Diebe und Gauner.
Die Kapitelüberschriften ziehen einen mitten hinein ins Geschehen dieses wirklich faszinierenden Buches, sowohl was Handlung und Inhalt als auch Stil und Wortwahl betrifft, und von dem ich mir eine Fortsetzung erhoffe.