Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Gutzuwissen
Wohnort: Kaiserslautern
Über mich:
Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 2 Bewertungen
Bewertung vom 11.01.2017
Tiere denken
Precht, Richard David

Tiere denken


weniger gut

Macht Tiere glücklich – werdet Veganer!

Eigentlich wollte ich von Precht kein Buch mehr lesen: Zu viel Aua und zu wenig Aha. Dann lag „Tiere denken“ auf meinem Geburtstagstisch. So wurde Lesen zur Pflicht – aber einmal mehr nicht zum Vergnügen: Wieder „prechtig“ viele Fehler und Provokationen!
Ärgerlich die Fehler bei der Einordnung des Menschen in das System der Lebewesen: Die Überfamilie ist falsch geschrieben, die Familie der Hominidae fehlt und die Unterfamilie ist bei Precht gleich zweifach vorhanden (S. 47). Von Schlamperei zeugt, dass Precht das Gehirnvolumen in Gramm angibt (S. 69); und falsch ist die Aussage über die Abstammung der Kraken: Sie gehören zu den Tintenschnecken und stammen von den einschaligen Schnecken ab und nicht von den zweischaligen Muscheln (S. 61). Für diese Fehler darf er aber nicht seinen „schlechten Biologieunterricht“ verantwortlich machen, der ihm zudem seinen Traum zerstörte, Zoodirektor zu werden (S. 12).
Prechts Beschreibung des Liebesspiels eines Kraken zeugt zwar von viel Phantasie, ist aber wegen der Verwendung von vielen Anthropomorphismen falsch: Da sind drei Penisse und drei Klitoris „im Spiel“, die von drei Herzen versorgt und von neun Gehirnen gesteuert werden. Dass Precht den Kraken deswegen bewundernd zum „vollendetsten Lebewesen der Natur“ erklärt, lässt tief blicken (S. 61). Der Biologe bewundert den Kraken wegen seines perfekten Linsenauges, das – im Gegensatz zu dem des Menschen – keinen „blinden Fleck“ aufweist.
Im übrigen geht es Precht wie Faust: Nachdem Mephisto Faust den Kopf verdreht hat, sieht er „Helenen in jedem Weibe“. Bei Precht ist es ein „veganer Geist“, der ihn fortan einen mit Würde begabten Menschen in jedem Tier sehen lässt. Folgerichtig fordert er die Biologen auf, die Anthropologie in eine „Anthrozoologie“ umzuschreiben (S. 22). Den Juden, Christen und Muslimen empfiehlt er, sich von ihren Religionen abzuwenden, weil diese den Tieren die ihnen gebührende Würde verweigern. Und Jesus? Gab es den überhaupt? „Keine historische Quelle der Zeit erwähnt ihn auch nur am Rande“, schreibt Precht (S. 183). Ein befreundeter Theologe empfiehlt Precht, bei Tacitus und Sueton z. B. nachzuschlagen.
Um die Würde des Tieres zu schützen, so Precht, müssen zudem alle Zoos und Zirkusse abgeschafft werden; Tierversuche, die Jägerei und die Massentierhaltung sowieso. Mit der aktuell praktizierten Massentierhaltung kann niemand zufrieden sein. An einem Mangel an Gesetzen, Richtlinien und Vorschriften liegt es nicht. Es bleiben zu viele Verstöße unentdeckt und unbestraft.
Am besten ist es, so Precht, man verzichtet auf fleischliche Kost, wird Veganer und lebt dann auch gesünder (S. 302). Letzteres ist eine Mär! Dazu Folgendes: Precht hält sich, wie er schreibt, ein Kaninchen als Haustier. Es ist ein Pflanzenfresser und hat einen langen Darm. Meine Familie hielt sich einen Hund. Er ist wie die Katze ein Fleischfresser (Ordnung: „Carnivora“!) und hat einen kurzen Darm. Für uns Menschen ist die Mischkost die richtige Ernährung und nicht eine ausschließlich pflanzliche. Der für die Verdauung pflanzlicher Produkte ursprünglich vorhandene Darmteil ist zu einem rudimentären Organ, dem Wurmfortsatz, geschrumpft, und das unwiederbringlich.
Ja, dann die „prechtig“ vielen Seiten! Muss ein Philosoph, um Anerkennung zu finden, möglichst viele Seiten füllen? In den Naturwissenschaften ist das „Sich-kurz-fassen“ eine Tugend!
Noch ein Hinweis, gerichtet an die Veganer: Sie sollten bedenken, dass für ihr „täglich Brot“ zigtausend Lebewesen ihr Leben lassen müssen! Bei der Herstellung von Mehl werden die in den Getreidekörnern enthaltenen Embryonen samt ihrem Nährgewebe rigoros zerquetscht! Ihnen wird auf diese Weise die Chance genommen, durch Keimen jemals das Licht der Welt zu erblicken ...

3 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.01.2017
Die Menschheit schafft sich ab
Lesch, Harald; Kamphausen, Klaus

Die Menschheit schafft sich ab


weniger gut

Ein grün inspirierter Physiker sieht rot

Kritik, kurzgefasst:
Die reißerisch formulierte Behauptung des Physikers Lesch, „Die Menschheit schafft sich ab!“, schürt Ängste und fördert Resignation, wo mehr Mut und Verstand gefordert sind. Unverzeihlich ist es, dass er die Hauptsätze der Thermodynamik und ihre Bedeutung für die Existenz des Menschen auf unserem Planeten unberücksichtigt lässt. Er vertraut offensichtlich mehr grünen Vordenkern als physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Mit dem Füllen von 520 Buchseiten – etwa 200 Seiten poppig servierte Natur- und Kulturgeschichte und etwa 300 Seiten redundant diskutierte Bedrohungsszenarien – outet sich Lesch als großer Energieverschwender („Entropiemaximierer“).
Begründung der Kritik:
Zunächst müssen wir akzeptieren, dass alle Strukturen im Universum, ob lebendig oder nicht lebendig, und alle Vorgänge im Universum, auch die Evolution bis hin zum Menschen, den Gesetzen der Physik zu gehorchen haben. Für uns Menschen gilt: Wir verdanken unsere Existenz (wie im übrigen alle Ordnung repräsentierenden Strukturen, wie z. B. Wolken, Windgürtel und Meeresströmungen sowie auch Pflanzen und Tiere) dem Energieunterschied „heiße Sonne – kalte Erde“. Die Hauptsätze der Thermodynamik (Wärmelehre) geben die „Spielregeln“ vor, wie aus dem „Heiß“ der Sonne und dem „Kalt“ der Erde möglichst schnell ein „Lau“ - also Wärme - wird. Die Natur bedient sich dabei der oben genannten geordneten Strukturen als „Werkzeuge“. Es sind sogenannte „dissipative“ Strukturen (Ilya Prigogine, Nobelpreis 1977), die durch ihre Energie „zerstrahlende“ Wirkung besonders schnell hochwertige Sonnenenergie (Kohle, Erdöl und Erdgas gehören auch dazu) in „niederwertige“ Wärmeenergie umwandeln („Entropie-Maximierung“, 2. Hauptsatz der Thermodynamik). Und der mit Bewusstsein begabte Mensch ist das aktuell beste „Werkzeug“ der Wärmeenergie-Produktion (also nicht nur im biblischen Sinn „die Krone der Schöpfung“!): Er legt sich energieaufwendig arbeitende „künstliche Organe“ zu wie zum Beispiel Maschinen und Automobile, er macht die Nacht zum Tag, er strebt nach Luxus und stellt spezielle Ansprüche an Wohnung, Kleidung, Nahrung und Unterhaltung. Und das ist der Trick der Natur: Auf das alles wollen wir Menschen nicht verzichten, weil es uns glücklich macht! Dazu noch ein Hinweis: Auch Lesch gebraucht das Wort „dissipativ“. Auf Seite 59 heißt es: „Leben ist dissipativ. Energie wird verarbeitet, verbraucht, verteilt.“ Einen Bezug zum 2. Hauptsatz der Thermodynamik und damit zur vermehrten Wärmebildung stellt er aber nicht her.
Aus alledem folgt:
Der Mensch ist entstanden, wie alle „dissipativen“ Strukturen auf unserem Planeten, durch das Vorkommen des Energieunterschieds „heiße Sonne – kalte Erde“. Die Natur erschuf ihn zur möglichst schnellen Beseitigung dieses Unterschieds und damit, zu Ende gedacht, zur Vernichtung dessen, dem der Mensch seine Existenz verdankt!
Physikalisch betrachtet, schafft sich die Menschheit also nicht ab. Das ist grün inspirierte Apokalyptik! Sie macht sich allenfalls irgendwann in sehr ferner Zukunft nach den Gesetzen der Physik überflüssig! Und was die Erderwärmung und den damit verbundenen Klimawandel anbetrifft, müssen wir einsehen, dass es sich um die Folgen eines naturgewollten Prozesses, der „Entropie-Maximierung“, handelt. Die „dissipativen“ Strukturen, an ihrer Spitze der Mensch, leisten ganze Arbeit! Die Erderwärmung können wir also nicht beseitigen; wir können sie nur verlangsamen! Das heißt, wir müssen lernen, mit der Erderwärmung und einem möglichen Klimawandel zu leben. Lesch will das offensichtlich nicht wahrhaben.
Wir sollten trotzdem optimistisch in die Zukunft schauen und unserem einzigartigen Überlebensinstrument, unserem mit Vernunft und Kreativität begabten Bewusstsein, vertrauen. Es wird uns auch weiterhin helfen, die Zukunft zu meistern und ein „Die Menschheit schafft sich ab“ zu vermeiden.

6 von 13 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.