Autor im Porträt

Toptitel von Swetlana Alexijewitsch

Secondhand-Zeit

Broschiertes Buch
Gut zwanzig Jahre sind vergangen seit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums, die Russen entdeckten die Welt, und die Welt entdeckte die Russen. Inzwischen aber gilt Stalin wieder als großer Staatsmann, die sozialistische Vergangenheit wird immer öfter, vor allem von jungen Menschen, nostalgisch verklärt.
Russland, so Swetlana Alexijewitsch, lebt in einer Zeit des "Second-hand", der gebrauchten Ideen und Worte. Die Reporterin befragt Menschen, die sich von der Geschichte überrollt, gedemütigt, betrogen fühlen. Sie spricht mit Frauen, die in der Roten Armee gekämpft haben, mit Soldaten, Gulag-Häftlingen, Stalinisten. "Historiker sehen nur die Fakten, die Gefühle bleiben draußen ..., ich aber sehe die Welt mit den Augen der Menschforscherin."
Wer das Russland von heute verstehen will, muss dieses Buch lesen. Swetlana Alexijewitsch formt aus den erschütternden Erfahrungen von Menschen, die zwischen Neuanfang und Nostalgie schwanken, den Lebensroman einer noch nicht vergangenen Epoche.
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11,99 €

 

Der Krieg hat kein weibliches Gesicht

Broschiertes Buch
"Ganze Züge voller Frauen gingen an die Front", erinnert sich eine ehemalige Rotarmistin im Gespräch mit Swetlana Alexijewitsch. "Es waren nicht mehr genug Männer da. Sie waren gefallen. Lagen unter der Erde oder waren in Gefangenschaft." Die Frauen waren "bereit, für die Heimat zu sterben. So waren wir erzogen." Sie waren nicht nur Ärztinnen und Krankenschwestern, sondern auch Fliegerinnen, weibliche Scharfschützen und Panzersoldaten. Und sie waren jung: "Ich war noch so klein, als ich an die Front ging", erzählt eine ehemalige Scharfschützin, "dass ich im Krieg noch gewachsen bin." Und sie waren für ihr Leben traumatisiert. Sie erzählen der Autorin vom Tod und vom Töten, von Blut, Dreck und Läusen, von Kriegsverbrechen, von Verwundungen, Schmerzen, Hunger und miserabler Ausrüstung - und wie man sie vergessen hat, als es nach dem Krieg darum ging, die "Helden" zu feiern.
Das erschütternde Dokument einer ausgeblendeten Seite des Zweiten Weltkriegs: Rund eine Million Frauen haben in der Roten Armee gekämpft. Swetlana Alexijewitsch lässt sie zu Wort kommen.
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12,00 €

 

Swetlana Alexijewitsch

Swetlana Alexijewitsch, geboren am 31.Mai 1948 in Iwano-Frankowsk (damals Stanislaw) in der Ukraine, ist die Gewinnerin des Literaturnobelpreises 2015.


Kurz nach Swetlana Alexijewitschs Geburt, nachdem ihr Vater seine Zeit in der Armee beendet hatte, verließ die Familie die Ukraine, und zog in eine ländliche Region Weißrusslands, der Heimat ihres Vaters, wo ihre Eltern fortan als Lehrer arbeiteten. Mit siebzehn Jahren begann ihr Einstieg in die Arbeitswelt als Erzieherin und Lehrerin, um sich so für ein Journalistik-Studium an der Universität in Minsk zu qualifizieren. Dieses schloss sie 1972 erfolgreich ab.
In den folgenden Jahren arbeitete sie für verschiedene Zeitungen und verfasste ihr erstes Buch, das sie 1976 fertigstellte. Allerdings verzichtete sie nach anfänglichen Problemen mit der Regierung bezüglich des Inhalts auf eine Veröffentlichung, da das Werk ihren Ansprüchen nicht genügte.
1983 beendete Swetlana Alexijewitsch die Arbeit an ihrem ersten "dokumentarischen Roman in Stimmen" Der Krieg hat kein weibliches Gesicht, bei dem sie Interviews und Zeugenberichte auf einzigartige Weise literarisch aufarbeitete. Die Veröffentlichung wurde abermals durch die Regierung behindert und Alexijewitsch verlor ihre Anstellung. Das Buch konnte zwei Jahre später allerdings doch erscheinen (1987 in Deutschland). Die Strapazen sollten sich letztendlich auszahlen: Das Werk über die Erlebnisse weiblicher Soldaten während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von Lesern und Kritikern gleichermaßen gelobt, eine Verfilmung und eine Fassung für das Theater folgten.
Auch ihre weiteren Bücher, (u.a. Die letzten Zeugen (1985, dt. 1989), Zinkjungen (1989, dt 1992), Im Banne des Todes (1993, dt. 1994), Tschernobyl (1997, dt. 2006), stellten Alexijewitsch wiederholt vor Probleme mit der Regierung, dies ging so weit, dass ihre Werke seit Amtsantritt des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko im Jahr 1994 nicht mehr verlegt werden dürfen.
Unter anderem aus diesem Grund verließ sie Weißrussland und verbrachte mehrere Jahre in Paris, Stockholm und Berlin, kehrte im Jahr 2011 trotz der anhaltenden Anfeindungen in ihrer Heimat nach Minsk zurück, wo sie seither lebt.