Nachdem wir "A New Beginning" schon in der Preview unter die Lupe nehmen konnten und Daedalic gute Chancen attestierten, ihre Erfolgsgeschichte weiter zu führen, die sie mit Edna bricht aus und The Whispered World begonnen haben, steht nun die finale Version auf dem Prüfstand. Das Adventure zum Thema Klimawandel weiß zwar zu gefallen, bietet aber auch einige Kritikpunkte, was im Folgenden etwas beleuchtet werden soll.
Twelve Monkeys lässt grüßen
n nicht allzu ferner Zukunft lebt die dezimierte Menschheit unter der Erde, unfähig den fortschreitenden Klimawandel aufzuhalten, obwohl sie effiziente und umweltverträgliche Energien nutzen. Der Punkt ohne Wiederkehr für die
Rettung der Erde ist längst überschritten.
Doch wie schon im oben genannten Kinofilm ist eine Gruppe von Aktivisten in der Lage durch die Zeit zu reisen. Mehrere Teams werden in die Vergangenheit geschickt, um vermeintliche Schlüsselereignisse für den drastischen Klimawandel zu verhindern. Doch natürlich geht dabei einiges schief. Der Spieler übernimmt die Steuerung der jungen und ziemlich naiv wirkenden Fay, aus einem der Teams und des Wissenschaftlers Bent Svensson, der sich im Ruhestand befindet, aber offenbar für einige der sauberen Energien in der Zukunft verantwortlich ist. Zusammen müssen sie die bevorstehende Katastrophe aufhalten.
Die Charaktere sind interessant gestaltet und erfüllen ihre Klischees sehr ansprechend. Anders als z.B. bei
Lost Horizon bieten die Figuren einiges an Identifikationspotenzial, was sie in Anbetracht der abstrusen Story dennoch glaubwürdig macht. Die Story selber kommt selbstironisch und locker rüber, auch wenn die Thematik an sich recht ernst ist. Leider beißt sich der unbekümmerte Erzählstil mit teilweise recht heftigen Passagen, die nichts für empfindliche Gemüter sind. So segnen im Verlauf des Spiels z.B. so einige Charaktere das zeitlich und das nicht gerade friedlich im Strebebett.
Graphic-Novelie handgezeichneten Hintergründe sind recht detailliert und wissen zu gefallen. Die Figuren sind allerdings auf flachen Cell-Look getrimmt, währen die Hintergründe durchaus fließendere Farben bieten. Wer The Whispered World kennt, der weiß, wie das aussieht. Ansonsten kann man es am ehesten mit der
Runaway-Reihe vergleichen. Die Zwischensequenzen und einige Dialoge kommen ebenfalls im Look einer Graphic-Novel daher, die einzelnen Szenen bauen sich nach und nach als eine Art Comicseite mit mehreren Panels auf.
Die Animationen der Charaktere wirken etwas steif und teilweise ruckartig, was nicht so ganz zum ansonsten rund optischen Eindruck passt. Leider kann nur in einer 1024*768 Pixel (4:3) Auflösung gespielt werden. Andere Vollbildeinstellungen sind zwar möglich, werden aber nur durch Skalierung der Standardansicht unterstützt, was unter Umständen zu Weichzeichnungseffekten führt, die das Bild unscharf erscheinen lassen.
Auf der Suche nach der Lösungie für ein klassisches Adventure üblich, wird das typische Rätselrepertoire aufgefahren. Dialoge, Gegenstandskombinationen und Maschinenpuzzles sind also an der Tagesordnung. Es gibt natürlich ein Inventar, in dem man die abstrusesten Gegenstände mit sich herumschleppen kann und eine Hotspotfunktion, die mittlerweile ja auch zur Standardausstattung gehört.
Zur Interaktion mit Gegenständen oder anderen Charakteren, muss man zunächst ein Kontextmenü öffnen, das bestimmte, kontextabhängige Aktionen anbietet. Dieses Menü öffnet sich mit einer minimalen Verzögerung, was kaum gestört hat, aber dennoch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Einmal aufgenommene bzw. im Inventar selektierte Gegenstände können allerdings direkt durch einen einfachen Mausklick kombiniert oder an den jeweiligen Stellen verwendet werden. Es gibt zwar für fast alle Örtlichkeiten Schnellausgangsfunktionen, aber innerhalb eines Ortes kann man sich nur mit einem Tempo bewegen.
Das Niveau der Rätsel ist recht moderat. An der einen oder anderen Stelle hakt es jedoch daran, dass die Lösung doch ein bisschen speziell ist und andere einfachere Lösungswege offenbar nicht gewollt bzw. möglicherweise sogar als Irrweg gedacht sind. So muss Fay z.B. ein Instantessen kompliziert unter Einbeziehung des Knackens eines Getränkeautomaten zubereiten, anstatt einfach die vorhandene Küchenausrüstung zu verwenden.
Es gibt auch eine Reihe Dummyobjekte, die man lediglich betrachten kann, um vielleicht den einen oder anderen Kommentar provozieren. Aber Vorsicht, es gibt auch solche, die erst im späteren Verlauf nutzbar werden. Auch lassen sich nicht alle Inventargegenstände jederzeit kombinieren, sondern es müssen zum Teil erst Rahmenbedingungen eintreten, die solche Aktionen sinnvoll erscheinen lassen. Die rar gesäten Maschinenpuzzles sind als Minigames angelegt, die man auch überspringen kann, wenn man länger als drei Minuten für die Lösung benötigt.
Vom Umfang kann A New Beginning durchaus überzeugen. Mit insgesamt acht Kapiteln und einem Prolog bietet das Spiel einiges an Futter für Adventurefreunde. Die vom Hersteller beworbenen über 20 Stunden Spielzeit, dürften aber wohl nur für blutige Anfänger, oder von massiven Absturzproblemen gebeutelte Spieltester gelten. Erfahrene Spieler können pro Kapitel vielleicht ein, maximal zwei Stunden rechnen.
Der Ton macht die Musikie musikalische und soundtechnische Präsentation macht ebenfalls einen guten Eindruck. Die Sprecher scheinen gut aufgelegt zu sein und sind passend ausgewählt. Während der Soundtrack relativ ruhig im Hintergrund für Atmosphäre sorgt, bleiben sowohl die Ambientegeräusche als auch die sonstigen Soundeffekte unaufdringlich. Lediglich bei Zwischensequenzen kommt das Ganze etwas wuchtiger rüber.
Fazit: A New Beginning unterstreicht mal wieder, dass Daedalic zu einer festen Größe unter den deutschen Adventureentwicklern geworden ist. Besonders gefallen haben mir die nachvollziehbaren Charaktere, denen durch eine gute Sprecherauswahl Leben eingehaucht wird. Die Öko-Thriller-Zeitreise Story ist zwar interessant, doch die Mischung, aus teilweise ziemlich naiven Abschnitten und solchen, bei denen es wirklich rustikal zur Sache geht, tut sich ein weinig schwer, ein konsistentes Bild zu zeichnen.
Die Präsentation ist gefällig und lässt nur wenig Wünsche offen. Vom Umfang kann sich das Spiel sehen lassen, ist vom Rätselniveau aber eher was für Gelegenheitsspieler oder Einsteiger.
Wertung: 83 von 100 Punkten (André Pannenbecker/GameCaptain.de)