Vielleicht ist es mit der Musikrichtung des Swing ganz ähnlich. Und die Aufnahme mit dem Harmonie Ensemble New York, in dem Musiker aus verschiedenen Orchestern und Jazz-Ensembles der Stadt projektweise zusammenfinden, macht vielleicht deswegen so viel Freude.
Zuerst bringt ein größeres Orchester unter Steven Richman das Original von Tschaikowsky zu Gehör, trocken, voll Esprit. Danach überspringt eine nur noch sechzehnköpfige Musiker-Abordnung mehrere Zeitzonen, Kulturkreise und Jahrzehnte, um Duke Ellingtons und Billy Strayhorns Arrangement der "Nussknacker"-Musik von 1960 zu spielen. Diese Version ist ein herausragendes Beispiel für die seinerzeit grassierende Mode, unter dem Motto "Swinging the Classics" Zugriff auf Werke des klassisch-romantischen Repertoires zu nehmen. Die ursprüngliche Satzfolge ist verändert, von den einstigen Nummern sind nurmehr Fragmente geblieben, eine gemütlich einschwebende Melodie, eine charakteristische Terz, ein bemerkenswerter Rhythmus. Ansonsten ist alles auf Swing eingestellt. Es tönt nach walking bass und Besen am Schlagzeug, nach kreischenden Klarinetten, gestopften Trompeten, krächzenden Saxophonen, Klangeffekten, die durch den Raum schnellen - und nach Musikern, die hastig aufstehen für einen Solo-Einwurf: Kein Wunder, da hier doch schon das Original so auf Zack ist.
CHRISTIANE TEWINKEL
Peter Tschaikowsky: Nussknacker-Suite op.71a; Duke Ellington & Billy Strayhorn: "Nutcracker-Suites". Harmonie Ensemble New York, Steven Richman.
harmonia mundi CD HMU 907 493
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