
Wagners Walküre
Eine Deutung von Leitmotivik und Orchestration
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»Beziehungszauber« nannte Thomas Mann das Netz der Leitmotivik, mit dem Wagner das außerst komplexe psychologischphilosophische Geflecht zwischen Dichtung und Musik herstellt. Nach seiner 2021 erschienenen Analyse von Das Rheingold verfolgt der renommierte Dirigent Will Humburg dieses Zusammenspiel im »Ersten Tag« des Ring des Nibelungen, der Walküre, indem er mit dem musikalischen Gewebe zugleich dessen symbolische Tiefenstruktur freilegt. Dabei geht er über die zahllosen bisherigen Analysen einen entscheidenden Schritt hinaus: Er belegt, dass es jenseits der beiden bekannten Erzählsc...
»Beziehungszauber« nannte Thomas Mann das Netz der Leitmotivik, mit dem Wagner das außerst komplexe psychologischphilosophische Geflecht zwischen Dichtung und Musik herstellt. Nach seiner 2021 erschienenen Analyse von Das Rheingold verfolgt der renommierte Dirigent Will Humburg dieses Zusammenspiel im »Ersten Tag« des Ring des Nibelungen, der Walküre, indem er mit dem musikalischen Gewebe zugleich dessen symbolische Tiefenstruktur freilegt. Dabei geht er über die zahllosen bisherigen Analysen einen entscheidenden Schritt hinaus: Er belegt, dass es jenseits der beiden bekannten Erzählschichten des Textes und der musikalischen Leitmotive bzw. Leitrhythmen und -akkorde noch eine dritte, namlich die der Instrumentation gibt. In ihr setzt Wagner auch die Klangfarben symbolisch ein, um so mit einer Art Leitorchestration die beiden anderen Ebenen zusatzlich und oft durchaus kontrar zu kommentieren sowie auf Tiefenschichten hinzuweisen, die dem Horer das Unterbewusstsein der Figuren oderdie Verbindung unterschiedlicher Handlungsstrange erschließen.