und utopiegeschwängert ist. Bei schrillen Visionären wie Hans Moravec etwa sollen Roboter den Menschen entmachten und die eschatologische Fracht vordergründig säkularisierter Gesellschaften schicksalslos auf ihre metallenen Schultern laden. Bestimmten Bereichen der analytischen Philosophie liefert der Roboter die Matrix eines möglichen Selbstverständnisses. Der einflußreiche amerikanische Philosoph Daniel Dennett etwa beschreibt die Seele als Agglomeration unzähliger Roboter.
Das umfassend angelegte Überblickswerk "Roboter. Geschichte - Technik - Entwicklung" des französischen Publizisten Daniel Ichbiah kommt insofern zur rechten Zeit, um mit handfesten Informationen für die Dämpfung allzu kühner Prognosen zu sorgen. Mit kompaktem Wissen führt Ichbiah an die Schwelle des "Zeitalters der Robotik", das er 1990 beginnen läßt, mit vorsichtigem Visionarismus überschreitet er sie gelegentlich. Nach einer konzisen kulturgeschichtlichen Herleitung fächert der Autor die Anwendungsbereiche des Roboters weit auf. In Gebieten, welche auf die Reichweite menschlicher Organe nicht angelegt sind oder den Menschen einer unzumutbaren Gefährdung aussetzen, finden Roboter verstärkten Einsatz - im All, in der Präzisionschirurgie, im Erdinnern. Daneben versprechen oberflächlich gefühlsbegabte humanoide Roboter im Alltag als charmante Unterhalter aufzutreten. Von einem tiefgreifenden Verständnis ihrer Umwelt bleiben sie dabei jedoch weit entfernt (unsere Abbildung).
Die Frage nach körperinvasiven, lernfähigen und sich selbst replizierenden Nanobots überläßt Ichbiah dem vorsichtigen Urteil von Experten. "Wir werden in Zukunft Maschinen einer neuen Generation erleben, die unsere Lebensweise, vor allem aber unsere Selbstwahrnehmung verändern", sagt etwa der Robotiker Frédéric Kaplan. Wie weit sich Mensch und Maschine dabei zu verschalteten Wesen vereinen werden, ist eine hartnäckig debattierte Frage. Techniksoziologisch offen ist, wie weit die Menschen dem Roboter in der Funktionalisierung ihrer Verhaltensweisen entgegenzukommen bereit sind und wie stark eine funktional ausdifferenzierte Gesellschaft sie dazu drängt. (Daniel Ichbiah: "Roboter". Geschichte - Technik - Entwicklung. Knesebeck Verlag, München 2005. 544 S., br., 35,- [Euro].)
THOMAS THIEL
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