Thriller ist ein gutes Medium für Gesellschaftskritik." Liza Marklund
Die Rechte der Frauen, der Kampf gegen Gewalt - das sind Liza Marklunds bevorzugte Themen, die sie in ihren Weltbestsellern
Studio 6 und vor allem in
Das Paradies in eine mitreißende Krimi-Handlung verpackt hat. In
Mia. Ein Leben im Versteck verlässt die Autorin die Fiktion und wendet sich einem heißen journalistischen Thema zu. Im Vorwort erläutert Liza Marklund die Entstehungsgeschichte des Romans: "Im Februar 1992 kam ich in Kontakt mit Mia Eriksson (...). Mia rief mich aus einer Telefonzelle aus an. Sie hatte etwas gelesen, das ich in der Zeitung
Expressen geschrieben hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten Erikssons schon fast zwei Jahre völlig versteckt gelebt. Seither habe ich die Familie (...) begleitet und bin lange Zeit ihr einziger Kontakt zur Außenwelt gewesen. Das Buch ist im Winter 1993/94 entstanden."
Ein Skandalroman
Nach Mias Hochzeit mit Anders eskaliert die Bedrohung - jetzt schwebt die ganze Familie in Todesgefahr. Während die Poliziei und die Justiz nicht in der Lage sind, gegen den Ex-Verlobten vorzugehen, steht für die Sozialbehörden eindeutig fest, dass das Leben der Familie bedroht ist. Schließlich gibt es nur mehr einen Ausweg - die Sozialbehörde organisiert ein Versteck, wo die Erikssons ohne Kontakt zur Außenwelt leben und bald psychisch und auch körperlich schwer leiden. Der Attentäter läuft frei herum - die Opfer leben jahrelang unter Aufsicht des Staates wie in Isolationshaft - das ist der unerhörte politische Skandal, den Liza Marklund mit ihrem Roman öffentlich macht und damit den Mythos vom Sozialstaat Schweden entlarvt.
"Mia hat erzählt, ich habe geschrieben." (Liza Marklund im Vorwort)
In ihrer Erzählung lässt Mia ihre Leser hautnah miterleben, wie es zu der maßlosen Eskalation der Gewalt gekommen ist. So gesehen, ist
Mia. Ein Leben im Versteck weniger eine Analyse, sondern ein Erlebnisbericht, der jedoch viele Ansätze zur Reflexion bietet. Hier die "guten" Schweden - dort die "bösen" Asylbewerber - trotz der starken Kontraste, von denen die Spannung dieses Buches zweifellos herrührt, transportiert
Mia keine billigen politischen Botschaften. Dafür sorgt die Rahmenhandlung, in der beschrieben ist, wie Mia eine Flüchtlingsfamilie gerettet hat, und die Charakterisierung des Ex-Verlobten. Er soll, so ein rechtspsychologisches Gutachten, als Kind schwer kriegsgeschädigt worden sein und hatte später möglicherweise an Massenmorden teilgenommen. Auf diese Weise macht Liza Marklund deutlich, dass nicht die Religion und die Kultur, sondern die Vergangenzeit und der Charakter jedes Menschen für sein Schicksal verantwortlich sind.
Mit
Mia. Ein Leben im Versteck ist Liza Marklund einmal mehr der schwierige Spagat zwischen einem leicht lesbaren Thriller und einer inhaltlich anspruchsvollen Lektüre gelungen. Es ist ein sehr lesenswertes Buch, das auch bei uns einer längst überfälligen Diskussion viele neue Impulse geben kann. (Birgit Kuhn)