Sorj Chalandon
Gebundenes Buch
Herz in der Faust
Roman 'Zweifellos haben wir einen der ganz großen Romanciers der Gegenwartsliteratur vor uns.' Thomas Wagner, Der Freitag
Übersetzung: Große, Brigitte
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»Epochal, spannend und kraftvoll von der ersten bis zur letzten Seite.« Le ParisienIm August 1934 gelingt 56 Jugendlichen einer Strafkolonie auf der bretonischen Insel Belle-Île-en-Mer die Flucht. 20 Franc - das ist der Preis, den die örtliche Polizei für jeden Jungen aussetzt, worauf die Inselbewohner eine Hetzjagd beginnen. Ein einziger Junge entkommt, seine Geschichte erzählt dieser Roman: Jules Bonneau, von den Eltern früh verlassen, nach Jahren im Heim zwischen Raserei und Hoffnungslosigkeit, gerät auf der Flucht an den bretonischen Sardinenfischer Ronan Kadarn und dessen Frau. Zu...
»Epochal, spannend und kraftvoll von der ersten bis zur letzten Seite.« Le Parisien
Im August 1934 gelingt 56 Jugendlichen einer Strafkolonie auf der bretonischen Insel Belle-Île-en-Mer die Flucht. 20 Franc - das ist der Preis, den die örtliche Polizei für jeden Jungen aussetzt, worauf die Inselbewohner eine Hetzjagd beginnen. Ein einziger Junge entkommt, seine Geschichte erzählt dieser Roman: Jules Bonneau, von den Eltern früh verlassen, nach Jahren im Heim zwischen Raserei und Hoffnungslosigkeit, gerät auf der Flucht an den bretonischen Sardinenfischer Ronan Kadarn und dessen Frau. Zum ersten Mal lernt er Zuneigung kennen, eine Zärtlichkeit, die ihn erschüttert. Er lebt mit den Fischern, begegnet Kommunisten und Faschisten. Und muss am Ende eine Entscheidung treffen, die ihn mit seiner Vergangenheit konfrontiert.
Im August 1934 gelingt 56 Jugendlichen einer Strafkolonie auf der bretonischen Insel Belle-Île-en-Mer die Flucht. 20 Franc - das ist der Preis, den die örtliche Polizei für jeden Jungen aussetzt, worauf die Inselbewohner eine Hetzjagd beginnen. Ein einziger Junge entkommt, seine Geschichte erzählt dieser Roman: Jules Bonneau, von den Eltern früh verlassen, nach Jahren im Heim zwischen Raserei und Hoffnungslosigkeit, gerät auf der Flucht an den bretonischen Sardinenfischer Ronan Kadarn und dessen Frau. Zum ersten Mal lernt er Zuneigung kennen, eine Zärtlichkeit, die ihn erschüttert. Er lebt mit den Fischern, begegnet Kommunisten und Faschisten. Und muss am Ende eine Entscheidung treffen, die ihn mit seiner Vergangenheit konfrontiert.
Sorj Chalandon,geboren 1952 in Tunis, gilt als einer der bedeutendsten Journalisten und Schriftsteller Frankreichs. Viele Jahre lang schrieb er für die Zeitung ¿Libération¿, seit 2009 ist er Journalist bei der Wochenzeitung ¿Le Canard enchaîné¿. Für seine Reportagen über Nordirland und den Prozess gegen Klaus Barbie wurde er mit dem Albert-Londres-Preis ausgezeichnet. Auch sein schriftstellerisches Schaffen wurde mit zahlreichen Literaturpreisen gewürdigt, unter anderen dem Prix Médicis und dem großen Romanpreis der Académie française.
Produktdetails
- Verlag: DTV
- Originaltitel: L'Enragé
- 1. Auflage
- Seitenzahl: 400
- Erscheinungstermin: 11. September 2025
- Deutsch
- Abmessung: 194mm x 125mm x 39mm
- Gewicht: 440g
- ISBN-13: 9783423284899
- ISBN-10: 3423284897
- Artikelnr.: 73832413
Herstellerkennzeichnung
dtv Verlagsgesellschaft
Tumblingerstraße 21
80337 München
produktsicherheit@dtv.de
Ein sensibel komponiertes Buch über Grausamkeit und die Gegenmacht der Menschlichkeit, das man atemlos zu Ende liest und garantiert nicht wieder vergisst. Gisela Fichtl Münchner Feuilleton 20251201
Ein Leben im Stakkato der brutalen Aussichtslosigkeit
„Herz in der Faust“ von Sorj Chalandon, erschienen 2025 bei dtv, ist ein wuchtig-wütender Roman, der seinen Leser:innen einiges abverlangt und brachial ehrlich das Leben in Besserungs- und Erziehungsanstalten in den 30er …
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Ein Leben im Stakkato der brutalen Aussichtslosigkeit
„Herz in der Faust“ von Sorj Chalandon, erschienen 2025 bei dtv, ist ein wuchtig-wütender Roman, der seinen Leser:innen einiges abverlangt und brachial ehrlich das Leben in Besserungs- und Erziehungsanstalten in den 30er Jahren zeigt. Der in Frankreich sehr erfolgreiche Roman trifft den Nerv einer Zeit, in der Ausgrenzung und unerbittliche Verfolgung wieder zunimmt, die Armen immer ärmer werden und der Faschismus, der im Roman als Randthema auftaucht, um sich greift. Wie lange kann Konformismus Regelzustand sein, wann muss er abgelöst werden durch Rebellion?
Jules Bonneau, mit Kampfnamen „Die Kröte“ genannt, wird früh in seinem Leben von seinen Eltern sich selbst überlassen und gerät auf die schiefe Bahn – nicht zuletzt, weil Zeit seines Lebens in ihm eine überdimensional große Wut tobt, die er nicht in den Griff bekommt. Eingesperrt in die Korrektionsanstalt Haute-Boulogne auf der Insel Belle-Île, erlebt Jules Machtwillkür und gezielte Demütigung tagein tagaus. Es ist ein fragiles System, in dem es kaum zu Freundschaften kommen kann unter den jungen Menschen und in dem der verliert, der Gefühle zulässt. Dennoch kommt es, eher ungeplant, zum Aufstand, bei dem insgesamt 56 Zöglinge fliehen – auch Jules, der in seine Flucht eher hineingerät. Eine Flucht, die von vornherein ein aussichtsloses Unterfangen ist, denn die Insel liegt zu weit vom Festland entfernt und die Einwohner:innen: sind den jungen Insassen gegenüber nicht freundlich gesinnt. Eine Kopfprämie von 20 Franc für jeden der Ausbrecher macht die erfolgreiche Flucht endgültig zu einem Hiobskommando. Jules trifft auf seiner Flucht auf den Fischer Ronan Kardarn – ein Mann, der sich mit Vergangenheit und Geheimnissen auskennt. Die Beziehung, die sich zwischen beiden entspinnt, ist geprägt von Vorsichtigkeit und Hoffnung, zögerlicher Nähe und notwendiger Distanz.
Chalandon schreibt brachial und bringt das karge Leben auf der Insel in gedrängte, kurze Sätze, die auf die Phantasie einhacken. Hier wird nicht geschont; explizit und ohne Filter wirft er uns in die unglaubliche Brutalität und Kälte von Haute-Boulogne. Hier gibt es keine Helden, hier gibt es nur Verlierer, und der Autor scheut nicht davor zurück uns zuzumuten, dass auch Sympathiefiguren in dieser Geschichte nicht sicher sind. Die irrige Idee der 30er, Menschen durch Brechen zu besseren Menschen zu machen, wird eindrücklich erlebbar. Ein dauerhaftes Fiebern wabert durch die Sätze, die im Stakkatotakt auf die Lesenden einhämmern und durchweg wehtun. Dazwischen immer wieder wilde Traumsequenzen, die schwer von der Wirklichkeit zu trennen sind.
Die Insel und die Erziehungsanstalt werden plastisch beschrieben ohne zu große Ausführlichkeit, Die Charaktere sind klar gegriffen, es ist durchweg kalt in diesem Buch bis zur Flucht. Mit dieser und mit der Begegnung mit Kardarn und seiner Frau wechselt ganz langsam der Ton, der Dialoganteil steigt, im Bilde gesprochen wird das Meer etwas ruhiger – auch wenn der bellende Grundton bleibt. Die Beziehung und Annäherung zwischen Jules, Ronan Kardarn und der Fischermannschaft wird grandios beschrieben, es ist ein Tasten und Wagen, das sich immer mehr ausbreitet, bedroht durch Intrige und Verrat.
Besonders gut gelungen finde ich, dass durch die Tätigkeit von Kardarns Frau Sophie auch die Welt der Frauen in dieser Zeit gezeigt wird inmitten dieses „Männerromans“, in dem männliche Charaktere durchweg der Zeit und dem Ort geschuldet die Handlung dominieren. Hier gibt es niemanden, der ein leichtes Leben hat. Und auch die Polarität von Faschismus versus Kommunismus, die im Untergrund durch das Buch wabert, ist sehr gut herausgearbeitet.
Mich hat das Buch beeindruckt und mitgenommen, vor allem auch, weil Jules nie eine Chance hatte, ein anderer zu sein. Die Prägung durch Kindheit und Biographie ist offensichtlich – und im Umkehrschluss wird auch klar, wie dankbar wir für das Wunder der Psychotherapie sein dürfen. Man würde das all den Kindern wünschen, die in diesen Zeiten so brutal von sadistischen Machtmenschen gebrochen wurden.
Insgesamt zog sich für mich die Lektüre aber leider etwas. Das mag an der Häufung von Brutalität liegen, die sich mit der Zeit einfach abnutzte, oder an dem durchgehenden Stakkato, dass bei mir auf Dauer etwas Anstrengung und Unlust erzeugte. Vielleicht hätte ich mir auch nur etwas mehr Kompaktheit gewünscht, die knapp 400 Seiten hätte ich so nicht gebraucht für die Geschichte. Insofern reicht es nicht ganz für 5 Sterne, aber das Buch ist auf jeden Fall sehr lesenswert und beachtlich.
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Belle-Île-en-Mer, eine bretonische Insel, zu Beginn der 1930er-Jahre: In der Jugendanstalt Haute-Bologne herrschen grausame Zustände. Die Kinder und Jugendlichen werden nicht nur von den Aufsehern und Schließern drangsaliert, sondern gehen auch selbst aufeinander los. Immer gibt es …
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Belle-Île-en-Mer, eine bretonische Insel, zu Beginn der 1930er-Jahre: In der Jugendanstalt Haute-Bologne herrschen grausame Zustände. Die Kinder und Jugendlichen werden nicht nur von den Aufsehern und Schließern drangsaliert, sondern gehen auch selbst aufeinander los. Immer gibt es einen Schwächeren, den man quälen und misshandeln kann. Der 19-jährige Jules Bonneau, Spitzname "Kröte", steht in der Hierarchie irgendwo in der Mitte. Von den stubenältesten Kapos erfährt er keine Unterstützung, doch anders als viele der anderen Jungen teilt er nicht nur nach unten aus. Freundschaft ist für die Jugendlichen ein Fremdwort, jeder ist sich selbst der Nächste. Nach einem gewaltvollen Aufstand und anschließenden Ausbruch sieht er sich ausgerechnet mit dem vermeintlich schwächsten Jungen Camille Loiseau auf der Flucht. Doch die Heimleitung hat die Jagd auf die Ausbrecher längst eröffnet und den Inselbewohnern zudem ein Kopfgeld versprochen...
"Herz in der Faust" ist der neue Roman von Sorj Chalandon, der in der deutschen Übersetzung aus dem Französischen von Brigitte Große bei dtv erschienen ist. Und wie schon der Vorgänger "Verräterkind" ist es ein großartiger Roman geworden, ein literarischer Wutausbruch erster Güte. Vom ersten Moment an gibt Chalandon Rhythmus und Tempo vor. Kurze, kraftvolle Sätze bestimmen das Leben in der Anstalt, Namen und Ränge sind Schall und Rauch. Die Figuren erhalten zwar welche, doch sind sie schnell wieder vergessen in diesem Rausch aus Gewalt und Erniedrigung. Jede Chance auf Individualität ist dahin, wenn man sich nicht durch Kampfnamen wie "Kröte" auszeichnet oder im schlechtesten Fall auch noch mit einem Nachnamen wie Loiseau, das Vögelchen, gezeichnet ist. "Wir sind der Wildwuchs. Die Quecken. Das Ungeziefer", heißt es an einer Stelle.
Nun ist die Lektüre wahrlich keine leichte Kost, drastisch und explizit sind die Darstellungen im Heim. Geschickt spielt Chalandon mit Perspektivwechseln, auf die ich gerade zu Beginn der Lektüre immer wieder hereingefallen bin. Protagonist und Ich-Erzähler Jules schildert nämlich oftmals übergangslos seine Fantasien, die tatsächlich noch härter ausfallen als die Realität. Trotz dieser Härte und Gewalt gelingt es dem Autor, Empathie für seine Hauptfigur zu wecken. Weil man spürt, wie wichtig es ihm ist, das gesellschaftliche und juristische Unrecht der damaligen Zeit aufzuzeigen und anzuprangern. Und weil sich seine eigene Empathie unmittelbar auf mich übertrug. "Herz in der Faust" setzt ganz eindeutig auf Intensität und Emotion, eben auf Herz und Faust. Manchmal fühlte ich mich fast überwältigt von dieser Wut, diesen überbordenden Gefühlen allüberall. Hinzu kommt, dass das Buch unglaublich mitreißend und mit großem Spannungsbogen erzählt ist.
In der zweiten Hälfte des Romans ändert sich der Ton ein wenig, was auch daran liegt, dass Jules erstmals in seinem jungen Leben so etwas wie Mitgefühl und Nächstenliebe erfährt. Chalandon gelingen hier ambivalente Figuren wie Krankenschwester Sophie oder der gerade im Vergleich zur ersten Hälfte wohltuend warmherzige Sardinenfischer Ronan. Jules kann sich ausprobieren und entfalten und passend zu einem Jugendlichen konnte ich nicht jede seiner Handlungen nachvollziehen. Denn nach wie vor befindet sich das Herz in seiner Faust - oder zumindest ein Teil davon. Das Buch stellt hier die richtigen Fragen nach Moral und vermittelt Werte wie Solidarität und Menschlichkeit. Und würde der Roman auf Seite 395 enden und nicht drei Seiten später, könnte man von einem bewegenden und großen Finale sprechen. Dieses bleibt den Leserinnen jedoch vergönnt, weil es sich Chalandon nicht nehmen lässt, der fiktiven Figur einen etwas überflüssigen Epilog auf den Leib zu schreiben.
Ein kleiner Wermutstropfen eines insgesamt erstaunlich intensiven Romans, der lange in Erinnerung bleibt und in Frankreich das bislang erfolgreichste Werk von Sorj Chalandon ist. Und das obwohl - oder weil - er der Grande Nation deutliche historische Missstände vor Augen führt, die durch die politischen Anspielungen der bretonischen und baskischen Figuren und den Umgang mit Minderheiten durchaus auch einen aktuellen Bezug aufweisen. Nachdem ich von den letzten beiden Romanen Chalandons nun gleichermaßen begeistert bin, bedeutet es für mich persönlich wohl, dass ich nicht umhinkommen werde, mich früher oder später auch mit seinen älteren Werken zu befassen.
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