Nur selten überfällt mich der Wahnsinn, der Schöpfer zu sein der
Dinge, die mir über die Jahre zufielen. Auf dem Weg in die Hülle
des Herrn Meier entsteht als Abdruck des Ganges durch die paar
zehntausend Tage eine Fußspur, manchmal lustig, manchmal öd und
prätentiös, oft weggeschwemmt, aber immer als solche unwichtig,
weil das Relevante nicht ohne hinterlassene Spur ist, sondern das
hoffentlich lebenslange Erkennen der Welt und meiner höchst
unbedeutenden Wenigkeit als einem Teil von mir. Das Gespräch mit
einem Taxifahrer, das Fabrizieren eines Films, das Erstellen eines
Textes, alles dient der Freude an der Selbsterkenntnis im Sinne des
wunderbaren Michel de Montaigne, auf dass Dieterchen in ein paar
Jahrzehnten nach einem kurzen Besuch den Planeten verlassen kann
und weiterzieht in die Tiefen des Universums, wo seit dem Urknall
ein perfekt gekühltes Bier auf ihn wartet. Leider kann kein Gott
den Dry Martini garantieren, den ich so liebend gerne nach
Sonnenuntergang ins nüchterne System schlage. Ich habe gelernt,
damit zu leben.
Ausstattung/Bilder: 2011. 256 S. mit zahl. meist farb. Abbildungen.
Seitenzahl: 328
Deutsch
Abmessung: 309mm x 227mm x 30mm
Gewicht: 1811g
ISBN-13: 9783841901033
ISBN-10: 3841901034
Best.Nr.: 33460554
Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Mit angehaltenem Atem blickt Rezensent Roman Bucheli auf das Leben des Künstlers Dieter Meier zurück. Oft habe es "auf der Kippe" gestanden, weiß Bucheli, doch habe Meier es stets zuwege gebracht, "aus seinem Scheitern eine Kunst" zu machen, so der Rezensent, der diesen Aspekt von Meiers Biografie besonders hervorhebt. Meier sei aus der Not heraus Künstler geworden, weil ihm das diskrete Glück gewöhnlicher Lohnarbeit versagt geblieben sei. Dem Dilettantismus sei Meier dann auch zu Zeiten großen Erfolgs treu geblieben: Einer Vereinnahmung durch den kommerziellen Kunstbetrieb habe sich der "Schamane des Nichts" stets zu entziehen gewusst. Aussagekräftig findet Bucheli die Abbildungen diverser Kunstaktionen Meiers. Insbesondere die Gesichtsausdrücke, sowohl die des Künstlers als auch die des Publikums, veranlassen den Kritiker zu Spekulationen über das Wesen der Kunst im Wandel der Zeiten. Die Postmoderne, so viel sei verraten, kommt dabei nicht gut weg, was angesichts dieser an melancholischen Tönen nicht eben armen Kritik (und ihrer anscheinend ebenso melancholisch gefärbten Vorlage) aber ins Bild passt.
Dieter Meier, geboren 1945 in Zürich, ist Künstler, Musiker, Pokerspieler und Biofarmer. Er ist vor allem als Sänger der Elektropop Formation YELLO bekannt, mit der er den Sound der 80er beeinflusste wie wenige andere. In Deutschland gelang dem Schweizer Musikerduo 1988 mit der Single The Race der Druchbruch, die im deutschen Fernsehen als Titel musik für die populäre Musikvideosendung Formel Eins verwendet wurde. Zum 30-jährigen Jubiläum meldete sich YELLO, bestehend aus Dieter Meier und Boris Blank, Ende 2009 mit der neuen CD Touch Yello zurück. Wenige Monate später wurden sie bei den Swiss Music Awards sowohl für ihr neues Werk in der Kategorie "Best Album Rock/Pop Natio nal" ausgezeichnet als auch für ihren anhaltenden Erfolg mit dem Outstanding Achievement Award.
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